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Die Fechtweltmeisterschaften 1934 (offiziell Europameisterschaften 1934) fanden vom 20. bis 29. Juni 1934 in Warschau statt. Es wurden acht Wettbewerbe ausgetragen, sechs für Herren und zwei für Damen. Obwohl offiziell als Europameisterschaften bezeichnet, waren die Wettkämpfe auch für außereuropäische Teilnehmer offen und wurden daher im Nachhinein auch vom internationalen Dachverband Fédération Internationale d’Escrime als Weltmeisterschaften angesehen. Erfolgreichste Nation war Ungarn mit insgesamt sieben Medaillen, davon fünf goldenen. Erstmals wurde für die Degenwettbewerbe eine elektrische Trefferanzeige verwendet.

Inhaltsverzeichnis

OrganisationBearbeiten

Die Wettbewerbe fanden vom 20. bis 29. Juni in Warschau statt und wurden vom Polnischen Fechtverband organisiert. Es wurden Einzel- und Mannschaftswettbewerbe im Herrenflorett, Herrendegen und Herrensäbel ausgetragen. Bei den Damen wurde nur Florett gefochten. Das Turnier wurde vom international besetzten Technischen Direktorium bestehend aus Jean Lacroix (Frankreich), Carlo Anselmi (Italien) und Thaddeé Zubrycki (Polen) geleitet.[1]

Die Wettbewerbe wurden als Europameisterschaften bezeichnet, standen prinzipiell aber auch außereuropäischen Teilnehmern offen. Aus diesem Grunde wurden die frühen Europameisterschaften im Nachhinein allgemein als Weltmeisterschaften anerkannt. Offizielle Weltmeisterschaften fanden erstmals 1937 statt.

HerrenBearbeiten

Florett, EinzelBearbeiten

Im Floretteinzel wurde die Endrunde von zehn Fechtern ausgetragen. Der Italiener Giulio Gaudini gewann mit acht Siegen und einer Niederlage vor seinen Landsmännern Gustavo Marzi (sieben Siege) und Giorgio Bocchino (sechs Siege). Der Franzose Gardêre focht die Endrunde nicht vollständig zu Ende und verlor drei Gefechte kampflos.[2] Die Vorrunden fanden am Donnerstag, den 21. Juni, statt, die Endrunde am 22. Juni.[1]

Platz Land Sportler
1 Italien 1861  ITA Giulio Gaudini
2 Italien 1861  ITA Gustavo Marzi
3 Italien 1861  ITA Giorgio Bocchino

Weitere Platzierungen: 4. Gioacchino Guaragna (Italien), 5. John Emrys Lloyd (England), 6. Erwin Casmir (Deutschland), 8. René Lemoine (Frankreich) und Giuliano Nostini (Italien), 9. Edward Gardère (Frankreich), 10. Haydu (Ungarn)

Florett, MannschaftBearbeiten

Die Endrunde wurde von vier Mannschaften ausgetragen. Italien gewann mit drei Mannschaftssiegen vor Frankreich mit zwei und Deutschland mit einem Mannschaftssieg.[2] Der Wettbewerb fand am 20. Juni (Mittwoch) statt.[1]

Platz Land Sportler
1 Italien 1861  Italien Giorgio Bocchino,
Manlio Di Rosa,
Giulio Gaudini,
Gioacchino Guaragna,
Gustavo Marzi,
Giuliano Nostini
2 Dritte Französische Republik  Frankreich René Bougnol,
André Gardère,
Edward Gardère,
Michel Godin,
René Lemoine
3 NS-Staat  Deutsches Reich Erwin Casmir,
Julius Eisenecker,
August Heim,
Stefan Rosenbauer

Degen, EinzelBearbeiten

Im Degeneinzelwettbewerb nahmen 48 Fechter teil. Zwölf von ihnen qualifizierten sich für die Endrunde. Dort setzte sich Pál Dunay (Ungarn) mit acht Siegen und drei Niederlagen durch. Zweiter wurde Gustaf Dyrssen (Schweden; sieben Siege) vor seinem Landsmann Hans Drakenberg und dem Italiener Saverio Ragno (ebenfalls sieben Siege aber mehr erhaltene Treffer).[2] Die Vorrunden fanden am Dienstag, den 26. Juni, statt, die Endrunde am 27. Juni.[1]

Die Degenwettbewerbe wurden erstmals bei einer Internationalen Meisterschaft mit elektrischer Meldeanlage gefochten. Dabei wurden Treffer durch eine Glühlampe und ein akustisches Signal (Klingel) angezeigt. Die Melder und elektrischen Degen waren teilweise noch fehleranfällig. Da nur zwei Anlagen vorhanden waren, zogen sich die Degenkämpfe sehr lange hin. Im laufe der Gefechte wurde der Degen eines italienischen Fechters beschlagnahmt, bei dem durch Berührung von zwei blanken Drähten ein Treffer angezeigt werden konnte, ohne dass die Degenspitze den Gegner berührte.[2]

Platz Land Sportler
1 Ungarn 1918  HUN Pál Dunay
2 Schweden  SWE Gustaf Dyrssen
3 Schweden  SWE Hans Drakenberg
3 Italien  ITA Saverio Ragno

Weitere Platzierungen: 5. Sven Thofelt (Schweden), 6. Georges Buchard (Frankreich), 7. Jean Piot (Frankreich), 8. Michel Godin (Frankreich), 9. René Lemoine (Frankreich), 10. Giorgio Rastelli (Italien), 11. Borovsky (Polen), 12. Giancarlo Cornaggia Medici (Italien)

Degen, MannschaftBearbeiten

In die Endrunde kamen Frankreich, Italien Schweden und Deutschland. Hier setzte sich Frankreich mit drei Mannschaftssiegen durch. Italien belegte mit zwei Siegen den zweiten, Schweden mit einem Sieg den dritten Platz. Deutschland wurde vierter.[2] Die Vorrunden fanden am Samstag, den 23. Juni, statt, die Endrunde am 24. Juni.[1]

Platz Land Sportler
1 Dritte Französische Republik  Frankreich Georges Buchard,
Philippe Cattiau,
Michel Godin,
René Lemoine,
Michel Pécheux,
Jean Piot
2 Italien 1861  Italien Roberto Battaglia,
Giancarlo Brusati,
Giancarlo Cornaggia Medici,
Saverio Ragno,
Giorgio Rastelli,
Franco Riccardi
3 Schweden  Schweden Hans Drakenberg,
Gustaf Dyrssen,
Carl Gripenstedt,
Nils Erik Hellsten,
Sven Thofelt,
Bertil Uggla

Weitere Platzierungen: 4. Deutschland (Geiwitz, Lerdon, Hax, Rosenbauer)

Säbel, EinzelBearbeiten

Für die Endrunde qualifizierten sich 10 Teilnehmer. Der Ungar Endre Kabos konnte mit einer Niederlage und acht Siegen den Wettbewerb gewinnen. Zweiter wurde Giulio Gaudini (Italien; sieben Siege) vor László Rajcsányi (Ungarn; fünf Siege). Der beste deutsche Säbelfechter Erwin Casmir konnte wegen einer Verletzung am Daumen, die er sich beim Mannschaftswettbewerb zugezogen hatte, nicht teilnehmen.[2] Der Wettbewerb fand am 29. Juni statt.[1]

Platz Land Sportler
1 Ungarn 1918  HUN Endre Kabos
2 Italien 1861  ITA Giulio Gaudini
3 Ungarn 1918  HUN László Rajcsányi

Weitere Platzierungen: 4. Jenő Erdélyi (Ungarn), 5. Köszeglyi (Ungarn), 6. Segda (Polen), 7. Vincenzo Pinton (Italien), 8. Dobrowolski (Polen), 9. Aldo Montano (Italien)[3], 10. Ragno (Italien)

Säbel, MannschaftBearbeiten

In der Endrunde der letzten vier Mannschaften konnte sich Ungarn mit drei Siegen vor Italien (zwei Siege) und Polen (ein Sieg) durchsetzen. Der Mannschaftskampf Ungarn – Italien wurde kampflos von Ungarn gewonnen, da Italien nicht antrat.[2] Die Vorrunden fanden am Mittwoch, den 27. Juni, statt, die Endrunde am 28. Juni.[1]

Platz Land Sportler
1 Ungarn 1918  Ungarn Jenő Erdélyi,
Aladár Gerevich,
György Jekelfalussy,
Endre Kabos,
László Rajcsányi,
Imre Rasztovich
2 Italien 1861  Italien Giulio Gaudini,
Gustavo Marzi,
Aldo Montano,
Vincenzo Pinton,
Emilio Salafia,
Angelo Treves
3 Polen 1928  Polen Władysław Dobrowolski,
Leszek Lubicz-Nycz,
Władysław Segda,
Antoni Sobik,
Marian Suski,
Tadeusz Friedrich

Weitere Platzierungen: 4. Deutschland (Heim, Casmir, Eisenecker, Moos)

DamenBearbeiten

Florett, EinzelBearbeiten

In der Endrunde fochten insgesamt acht Fechterinnen. Es kam zu Stichkämpfen zwischen den ungarischen Schwestern Ilona und Margit Elek, Hedwig Haß aus Deutschland und Gwendoline Neligan (England), die jeweils fünf Siege und zwei Niederlagen für sich verbuchen konnten. Hier setzte sich Ilona Elek vor ihrer Schwester Margit und Hedwig Haß durch, Neligan wurde vierte.[2] Die Vorrunden fanden am Freitag, den 22. Juni, statt, die Endrunde am 23. Juni.[1]

Platz Land Sportlerin
1 Ungarn 1918  HUN Ilona Elek
2 Ungarn 1918  HUN Margit Elek
3 NS-Staat  GER Hedwig Haß

Weitere Platzierungen: 4. Gwendoline Neligan (England), 5. Bogathy (Ungarn), 6. Olga Oelkers (Deutschland), 7. Judy Guinness (England), 8. Leni Oslob (Deutschland)

Florett, MannschaftBearbeiten

Bei den Florettmannschaftskämpfen der Damen traten vier Mannschaften in der Endrunde an. Die Ungarinnen belegten mit drei Siegen den ersten Platz. Deutschland, Großbritannien und Italien teilten sich mit jeweils einem Sieg Platz 2, da die Zeit für einen Stichkampf zwischen den drei Zweitplatzierten nicht mehr ausreichte.[2] Der Wettbewerb fand am Mittwoch, den 20. Juni statt.[1]

Platz Land Sportlerinnen
1 Ungarn 1918  Ungarn Erna Bogathy,
Margit Danÿ,
Ilona Elek,
Margit Elek,
Katalin Horváth,
Ilona Vargha
2 NS-Staat  Deutsches Reich Hedwig Haß,
Henni Jüngst,
Olga Oelkers,
Leni Oslob
2 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Mary Geddes,
Heather Judy Guinness,
Gwendoline Neligan,
Kathleen Stanbury-Statbourg
2 Italien 1861  Italien Ada Biagini,
Marisa Cerani,
Letizia Meneghelli,
Germana Schwaiger

MedaillenspiegelBearbeiten

Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1 Ungarn 1918  Ungarn 5 1 1 7
2 Italien 1861  Italien 2 5 2 9
3 Dritte Französische Republik  Frankreich 1 1 2
4 Schweden  Schweden 1 2 3
4 NS-Staat  Deutsches Reich 1 2 3
5 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 1 1
6 Polen 1928  Polen 1 1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i Les Championnats d'Europe. In: L'Escrime et le Tir Nr. 140, Mai/Juni 1934 p. 19.
  2. a b c d e f g h i Wilhelm Löffler: Europameisterschaften in Warschau vom 20. bis 29. Juni 1934. In: Fechter-Zeitung Jahrgang 1934 Nr. 13, Juli 1934, S. 151ff.
  3. Laut Fechter-Zeitung (Wilhelm Löffler: Europameisterschaften in Warschau vom 20. bis 29. Juni 1934. In: Fechter-Zeitung Jahrgang 1934 Nr. 13, Juli 1934, S. 151ff.) Monatano, wahrscheinlich ein Druckfehler.