Sport in den Vereinigten Staaten

Überblick über sportliche Aktivitäten in den Vereinigten Staaten von Amerika

Die Ursprünge des Sports in den Vereinigten Staaten gehen auf das hawaiianische Wellenreiten, das Chunkey-Spiel der präkolumbischen Mississippi-Kultur in Cahokia, dem Südosten und dem mittleren Westen sowie das 1634 erstmals erwähnte Lacrosse-Spiel der First Nations an den Großen Seen und der Ostküste zurück. Die Puritaner der Neuengland-Staaten hingegen übten sich im Reitsport, Springen, Ringen, Gewichtheben, jeder Art von Rennsport, Kegeln und Schießen in moderater Intensität. Gesellschaftlich akzeptabel waren produktive Aktivitäten wie Jagen und Fischen sowie alles, was die Arbeitskraft aufrecht erhielt und Melancholie abhielt. In den südlichen Bundesstaaten setzte sich die anglikanische Kirche und damit die wilden und exzessiven, dem englischen Klassenbewusstsein folgenden Sportarten des englischen Landlebens von Virginia ausgehend durch, also Pferderennen, Fuchsjagd, verstümmelnde Kneipenkämpfe und Tiersportarten wie Hahnenkampf, Bear- und Bullbaiting oder Gänsereiten. Die Mittelatlantikstaaten folgten zunächst dem kalvinistischen Ideal der nördlichen Staaten, bildeten aber auf der Grundlage sich ausdehnender urbaner Ballungszentren in Pennsylvania und New York die ersten sensationsheischenden Sportspektakel heraus, bei denen sich zuweilen des publikumswirksamen Exzesses der englischen Südstaaten-Sportarten bedient wurde.[1]

Der erste „Nationalsport“ der jungen Vereinigten Staaten war deshalb das Pferderennen. The Great Match Race (dt.: „Das große Wettrennen“) am 27. Mai 1823 auf Long Island in New York etwa zog 60.000 Zuschauer an, darunter Andrew Jackson, Daniel D. Tompkins und Aaron Burr.[2]

Ballspiele wie Schlagball und Fußball, die von europäischen Siedlern Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts mitgebracht wurden, stellen die modernen Ursprünge des Sports dar. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurden diese um- und ausgestaltet, bis sie sich schließlich zu den heute bekannten typisch amerikanischen Sportarten Baseball, Basketball und American Football entwickelt haben. Unter Einbeziehung von Eishockey und seltener Fußball werden diese Mannschaftssportarten im deutschen Sprachraum zumeist unter dem Begriff US-Sport zusammengefasst und stehen in ihrer jetzigen Form für den bevorzugten Zeitvertreib der überwiegenden Mehrheit der Amerikaner. Die Amerikaner betätigen sich natürlich auch in anderen Sportarten, aber diese Disziplinen nehmen noch immer einen ganz speziellen Platz in der amerikanischen Sportwelt ein.

Unbestritten ist auch die Rolle des Sports als Motor gesellschaftlicher und technischer Umwälzungen. So manifestiert sich in der dem America’s Cup zu Grunde liegenden Segel-Regatta von 1851 der bahnbrechende Fortschritt des amerikanischen Schiffbaus. Und der weltweite Bicycle Craze (die „Fahrradmode“) des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Zuge der Erfindung des Safety Bikes (des sogenannten „Rovers“ oder „Niedrigfahrrades“) im Jahre 1885 änderte nicht nur die weibliche Selbstsicht, das Körperempfinden und die Mode, sondern hatte damit auch nicht unerheblichen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen, die schlussendlich zum Frauenwahlrecht führten. Mit den Gebrüdern Wright als ursprünglichen Fahrradmonteuren – ähnlich wie Laurin & Klement, den Gründern von Škoda, oder Henry Ford – bot es auch ein Spielfeld für technische Neuerungen, die später in der Entwicklung des Automobils und der Erfindung des Flugzeuges gipfeln sollten.

Gesellschaftliche AspekteBearbeiten

Der Sport nimmt als beliebteste Form der Freizeitgestaltung eine bedeutende Rolle in der amerikanischen Gesellschaft ein. Viele Amerikaner sind entweder aktive Sportler oder nehmen als Zuschauer an Sportveranstaltungen teil, sei es live oder vor dem Fernseher. Die typisch amerikanischen Sportarten wie Baseball, Basketball, American Football und NASCAR sind besonders beliebt. In den westlichen Bundesstaaten zählen auch Rodeos zu den populären Sportveranstaltungen.

Im Amateurbereich unterscheidet man zwischen Freizeit- und Wettkampfsport. Zu den bevorzugten Erholungsaktivitäten zählen Wandern und Spazieren gehen, Boot fahren, Jagen und Angeln. Die Kombination von Erholung und Bewegung machen sie so beliebt. Aber auch andere Sportarten werden in den USA mit Vorliebe betrieben. Die Aktiven schätzen besonders den individuellen Spaß, die Freude am Wettkampf und die Förderung von Fitness und Gesundheit. Außerdem vermittelt der Sport soziale Werte wie Teamgeist, Fairness, Disziplin und Durchhaltevermögen, die in der amerikanischen Gesellschaft sehr hoch geschätzt werden. Highschool- und Hochschulsportverbände wie die National Federation of State High School Associations (NFHS), die National Collegiate Athletic Association (NCAA), die National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA) oder die National Junior Collegiate Athletic Association (NJCAA) fordern und fördern diese Fähigkeiten besonders in Mannschaftssportarten wie American Football und Baseball für die Herren sowie Softball und Feldhockey (NCAA) für die Damen. Basketball, Fußball, Lacrosse und Volleyball wird von beiden Geschlechtern ausgeübt. Individualsportarten wie Schwimmen, Golf, Tennis, Crosslauf und Leichtathletik (als Frühlings- wie als Wintersportart) sind gleichfalls sehr populär, werden an Schulen und Hochschulen aber im Team ausgeübt und gewertet. Ringen (NCAA für Herren, NAIA für Damen) und Bowling (NCAA, nur Damen) ist teilweise nach Geschlechtern getrennt. Die NCAA als der größte Verband bietet noch Fechten, Schießen, Skifahren, Turnen, Wasserball und Eishockey für beide Geschlechter an (die ersten drei in Koedukation), sowie Beachvolleyball, Rudern, Rugby, Reiten und Triathlon für die Damen. Weitere Sportarten können von den Schulen selbst oder ihren individuellen (Hochschul-)Sportverbänden gesponsert werden.

Sport ist nämlich aus dem Bildungssystem in den Vereinigten Staaten nicht mehr wegzudenken. Leistungsanreiz im amerikanischen Hochschulsystem sind nicht Noten, sondern der Erwerb und die Wahrung von Stipendien. Seit 1973 dürfen Sportstipendien nämlich jährlich über den Zeitraum von vier Jahren erneuert werden. Die Vergabe der Stipendien ist begrenzt. Seit 1975 beschränkt die NCAA die Zahl der Football-Coaches in der Division I auf zuletzt acht, der Football-Stipendien auf 85 und die Zahl der Freshmen-Stipendien von diesen auf 25. Stipendien im Herren-Basketball sind auf 15 begrenzt, alle restlichen Stipendien dürfen die Zahl von 80 nicht überschreiten. Laut NCAA-Regularien müssen die Athletikabteilungen sich selbst finanzieren, in der Realität haben 2012 lediglich 23 von 340 Division I-Programmen das Steuerjahr mit schwarzen Zahlen abschließen können. Der durchschnittliche Verlust der restlichen Athletikprogramme betrug 7 Millionen US-Dollar.[3] Mögliche Defizite werden so unter Umständen vom Steuerzahler oder den regulären Studenten, die Studiengebühren bezahlen, getragen. Vierstellige Beträge pro Studienjahr sind kein Einzelfall, an der Longwood University in Virginia beispielsweise erreichte 2010 der Anteil, den lokale Studenten für das Athletikprogramm zu entrichten hatten, einen Spitzenwert von über 20 % der Studiengebühren.[4] Tatsächlich sind Coaches und Direktoren der Athletikabteilung die höchstbezahlten öffentlichen Diener ihres Bundesstaates und damit selbst den Universitätsdirektoren überlegen.

Der bedeutende Einfluss des Sports auf die amerikanische Gesellschaft wird auch seitens der amerikanischen Regierung bestätigt. Die Tatsache, dass Sport und die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten Eigenschaften wie Charakter, Disziplin und Selbstvertrauen ebenso wie persönliches Wohlgefühl fördert, wird besonders vom President's Council on Sports, Fitness, and Nutrition (PCSFN) anerkannt, das Aktivitäten zur weiteren Verbreitung aktiver sportlicher Betätigung entwickelt und durchführt. Das PCSFN ist davon überzeugt, dass sportliche Betätigung und Fitness besonderen Nutzen für die Gesundheit haben. Entsprechend wurde das Council von Präsident Bush mit der Aufgabe betraut, die Inhalte der im Juni 2002 von seiner Regierung veröffentlichten Fitness Agenda zu vermitteln.

Die amerikanische Regierung tritt für internationale Sportwettkämpfe ein, um bei solchen Veranstaltungen den American Way of Life zu repräsentieren, internationales Verständnis zu fördern und gleichzeitig wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Einfluss auszuüben. Das universellste und beliebteste Schlachtfeld des Kalten Krieges war auf Grund von Symbolik und emotionaler Bindung international zweifellos der Sport. Er steht in allen ideologischen Systemen stellvertretend für persönlichen und sozialen Fortschritt und die Überlegenheit des repräsentierten politischen Gesellschaftssystems, das den Sportler hervorgebracht und ausgebildet hat. Größtes Handicap für die außenpolitischen Beziehungen der USA und damit die Ausweitung ihrer Einflusssphäre in Konkurrenz zur UdSSR war lange Zeit die internationale Rezeption der US-amerikanischen Rassenpolitik gewesen. Aus diesem Grund konnten sich auch afroamerikanische Sportler und Sportlerinnen als Repräsentanten und Botschafter ihres Landes etablieren.[5]

Als 1976 die USA hinter der UdSSR und der DDR bei den Spielen der XXI. Olympiade in Montreal trotz eines verhältnismäßigen Lokalvorteils lediglich die drittmeisten Medaillen errangen, entmachtete der US-Kongress mit dem Amateur Sports Act von 1978 die 1888 gegründete Amateur Athletic Union (AAU), die seit 1923 die Vereinigten Staaten international vertreten hatten. Das Gesetz autorisierte das United States Olympic Committee, die Entwicklung des Amateursports durch die Gründung nationaler Sportverbände zu steuern. Die AAU, die seit Ende des 19. Jahrhunderts Dachverband für Leichtathletik wie auch Ausrichter der nationalen Meisterschaften war und u. a. den Werksteam-Basketball der National Professional Basketball League und der National Industrial Basketball League organisiert hatte, richtet derzeit Amateur-Turniere in 41 Sportarten aus und ist heutzutage insbesondere für Leichtathletik- und Basketball–Turniere für Kinder und Jugendliche bekannt. Abseits der Athletikabteilungen (Varsities) engagiert sich die AAU auch im Breitensport an Schulen.

Die USA sind bei internationalen Sportereignissen immer sehr erfolgreich gewesen. Das herausragende Ereignis im internationalen Sport sind dabei sicherlich die Olympischen Spiele. Bereits achtmal hatten die Vereinigten Staaten die Gelegenheit, Olympische Winter- oder Sommerspiele auszurichten. Sommerspiele fanden 1904 in St. Louis, Missouri, 1932 und 1984 in Los Angeles, Kalifornien und 1996 in Atlanta, Georgia statt. Winterspiele wurden 1932 und 1980 in Lake Placid, New York, 1960 in Squaw Valley, Kalifornien und 2002 in Salt Lake City, Utah, veranstaltet.

Die USA nehmen auch an den Panamerikanischen Spielen teil, dem zweitgrößten Sportereignis nach den Olympischen Spielen. Diese Wettkämpfe werden gleichfalls alle vier Jahre im Jahr vor den Olympischen Spielen ausgetragen. Die Panamerikanischen Spiele schließen neben allen Disziplinen der Sommerolympiade einige weitere nichtolympische Disziplinen ein. Amerikanische Sportler vertreten ihr Land auch bei den von Eunice Kennedy Shriver geschaffenen Special Olympics, bei den Paralympics, bei Universiaden, den World Games, den erstmals 1986 und letztmals 2001 ausgetragenen Goodwill Games und den North American Indigenous Games.

Athleten aus den USA nehmen gleichfalls sehr erfolgreich an Weltmeisterschaften und anderen internationalen Wettkämpfen in einzelnen Sportarten teil. So dominierte z. B. der Radfahrer Lance Armstrong die prestigeträchtige Tour de France zwischen 1999 und 2005. Tiger Woods dominiert die internationale Golfszene. Pete Sampras, Andre Agassi, die Geschwister Venus und Serena Williams sind nur eine kleine Auswahl großer Tennisspieler aus diesem Land.

Es gibt noch sehr viele weitere Beispiele für hervorragende Ergebnisse amerikanischer Sportler. Diese und viele andere amerikanische Sportidole zählen zu den berühmtesten Persönlichkeiten des Landes.

 
Alle Städte der USA und Kanada mit mindestens einem Team in der MLB, MLS, NBA, NFL oder NHL, 2018

Beliebte SportartenBearbeiten

American FootballBearbeiten

American Football ist eine Sportart, die sich im 19. Jahrhundert aus den englischen Spielen Fußball und Rugby entwickelte. Football wird von Schul-, College- und Profimannschaften gespielt; es ist die seit den 1960er Jahren beliebteste amerikanische Zuschauer-Sportart und kann jedes Jahr Tausende von Mitspielern und Millionen von Zuschauern für sich gewinnen. American Football wurde durch seine College- und Universitätsmannschaften berühmt, und auch heute noch hat der College Football mit seinen über 600 Mannschaften mehr als 35 Millionen Zuschauer pro Jahr und dies trotz wachsenden Interesses am professionellen Football.

 
American Football

Die Spiele der bedeutendsten College-Mannschaften haben bisweilen über 100.000 Zuschauer im Stadion und werden hauptsächlich sonnabends, zunehmend aber auch an Schultagen, live im US-Fernsehen übertragen, denn die Profis der National Football League (NFL) dürfen aufgrund des Sports Broadcasting Acts von 1961 zwischen dem zweiten Freitag im September und dem zweiten Sonnabend im Dezember keine Spiele im Fernsehen übertragen lassen und treten deswegen fast ausschließlich sonntags an (bzw. seit 1970 an Montagen und seit 2006 an Donnerstagen, an denen jeweils nur ein Spiel stattfindet). 1966 wurde das Gesetz auch auf Übertragungskonflikte mit Highschool-Football ausgeweitet.[6]

Die NFL ist ein riesiges Geschäft für Spieler, Clubbesitzer, die Werbebranche und andere Branchen, die mit dem Sport zusammenhängen. NFL-Filialen erwirtschaften riesige Beträge für die Städte der ansässigen NFL-Teams; außerdem fördern sie den Lokalpatriotismus und verschaffen den Mannschaften landesweite Publizität. Deshalb werden die Mannschaften oft von Städten umworben: diese bieten ihnen größere und bessere Stadien, eine garantierte Fangemeinde und verschiedene finanzielle Anreize. Der Super Bowl ist das Endspiel der NFL-Saison und entscheidet über die Meisterschaft. Ein weiteres Highlight der Saison ist der Pro Bowl eine Woche vor dem Super Bowl, in dem die besten Spieler der beiden Conferences in einem Freundschaftsspiel gegeneinander antreten.

 
Szene im College-Baseball

BaseballBearbeiten

Der Major League Baseball mit Mannschaften aus den USA und Kanada besteht aus zwei Ligen, der National League und der American League. Die Saison dauert von April bis Oktober, einschließlich der Playoffs und der World Series. Die Siegermannschaften der jeweiligen Liga gewinnen den sogenannten Pennant (Meisterschaftswimpel) und treten nach Ende der Playoffs in der World Series gegeneinander um den Titel an. Baseball, seit dem Bürgerkrieg „Amerikas beliebtester Zeitvertreib“, ist außerhalb der Vereinigten Staaten insbesondere in Ostasien, der Karibik und Teilen Lateinamerikas populär.

BasketballBearbeiten

 
James Naismith mit einem Pfirsichkorb und einem für das Basketballspiel verwendeten Fußball

Basketball wurde 1891 von James Naismith, einem Lehrer und Teilnehmer eines Psychologieseminars an der Schule für christliche Arbeiter in Springfield, Massachusetts des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM, engl. YMCA), erfunden. Das Spiel verbreitete sich durch den YMCA in Rekordzeit über den gesamten Planeten. Weil eine einfache Ausstattung genügte und kaum Spielfläche benötigt wurde, war das Spiel in Unterschichtskreisen schnell sehr populär. Heute wird Basketball in den USA von mehr als 26 Millionen Menschen als Mannschaftssport betrieben, und unzählige mehr spielen Varianten dieser Sportart.

Auch wenn Basketball ein internationales Phänomen ist – in Shanghai wurde schon Basketball gespielt, noch bevor sich das Spiel vollständig über den nordamerikanischen Kontinent verbreitet hatte und überlebte in China sogar die Kulturrevolution – verlief die Entwicklung des amerikanischen und des internationalen Basketballs parallel. So weichen die zahlreichen nordamerikanischen Regelsätze der National Basketball Association (NBA), des College-Basketballs, des High-School-Basketballs und des Damenbasketballs, der in den USA bis in die 1970er Jahre mit sechs Spielerinnen in zwei bis drei Spielzonen gespielt wurde, teilweise stark von den Regeln der Fédération Internationale de Basketball (FIBA) ab. Der Basketball, wie wir ihn heute kennen, ist in den USA weithin ein Resultat des Dienstbasketballs während des Zweiten Weltkrieges, als junge Männer aus allen Gegenden des Landes zusammenkamen und sich erstmals überregional über das Spiel austauschten und voneinander lernten.

Dieses Spiel etablierte sich nach dem Krieg auch im Profisport, indem die NBA 1946 von einer Gruppe von Eishockey-Funktionären gegründet wurde und sich mit finanzieller Überlegenheit schnell gegen spielerisch bessere Ligen durchsetzte, die bald absorbiert wurden. Die führende Profi-Basketballliga der Welt fristete anfänglich dennoch ein Schattendasein neben Baseball und Football und der Collegevariante des Sports, die lange Zeit größeres Renommée besaß, während es in athletischer Hinsicht nicht ausgeschlossen war, dass einzelne Spieler des Herausforderungsspiels auf den öffentlichen Spielplätzen einem NBA-Spieler überlegen waren. Dies änderte sich in den 1980er Jahren radikal.

Die Erneuerung der NBA resultierte aus mehreren glücklichen Umständen. Zum einen wurde die College-Rivalität zwischen Larry Bird und Magic Johnson durch die neu aufgeflammte Rivalität ihrer beider Teams, der Rekordmeister Boston Celtics und Los Angeles Lakers, sowohl sportlich verbissen wie technisch unterhaltsam fortgeführt. Gleichzeitig betrat 1984 Michael Jordan, der Olympiasieger von Los Angeles, die professionelle Bühne. Durch einen Exklusivvertrag mit Nike und der Begründung der neuen Marke Air Jordan erlaubte er es dem strauchelnden Sportartikelhersteller, wirtschaftlich zu gesunden und sich an die Spitze des Marktes zu katapultieren. David Stern, der 1983 mit der Spielergewerkschaft National Basketball Players Association die Gehaltskappung und symbiotische Gewinnteilung (revenue sharing) mit den Teameignern verhandelt und, da in den 1970er Jahren viele Spieler heroinabhängig gewesen waren, die Antidrogenrichtlinien der NBA etabliert hatte, wurde im selben Jahr zum Commissioner ernannt. Michael Jordan, einer der besten Basketballspieler aller Zeiten, wurde zur Galionsfigur jener Wirtschaftsmarke NBA, die Stern mit neuen Technologien wie Kabelfernsehen und Satellitenübertragung vermarktete. 1986 konnten Spiele der NBA in drei Dutzend Ländern gesehen werden, zehn Jahre später in 175. Dazwischen lagen die olympischen Spiele 1992 in Barcelona und der Advent des Dream Teams. David Stern hatte sich für die Abschaffung der FIBA-Amateurregelung bei den olympischen Spielen eingesetzt und förderte die Formation des überwiegend aus NBA-Stars bestehenden Dream Teams, das als größte Versammlung individuellen Talents in der Basketballgeschichte angesehen wird. Die olympischen Spiele sorgten für einen erneuten weltweiten Basketballboom, öffneten in der Folge aber gleichzeitig die NBA für internationale Spieler, wie beispielsweise Dirk Nowitzki, einen der wenigen Deutschen, die es in die Liga schafften. In der Saison 2019/20 spielten über einhundert ausländische Spieler aus 38 Ländern in der NBA. Stern, Träger des olympischen Ordens, begründete aber auch die Damenliga Women’s National Basketball Association (WNBA) und NBA Cares, die Organisation, die sich der sozialen Verpflichtung der Liga stellt und u. a. internationale Basketballcamps und -kliniken durchführt.

Die NBA besteht dank ihm heute aus 30 Mannschaften, die in zwei verschiedenen regionalen Sektionen, der Eastern und der Western Conference, in sechs Divisionen um Siege und damit um Prozentpunkte kämpfen. Am Ende der Saison treffen die Meister der Eastern und der Western Conference aufeinander, um in bis zu sieben Spielen den NBA-Meister zu ermitteln. Einmal jährlich unterbricht die NBA ihre Saison ein paar Tage für das NBA All-Star Weekend und dessen Höhepunkt, das NBA All-Star Game, in dem die besten Spieler antreten, deren Starting Five zuvor von Zuschauern in der ganzen Welt via Internet, den NBA-Spielern und einer Medienauswahl ausgewählt wurden mit einer Stimmgewichtung von 50 %, und zweimal 25 %. Diese Regelung von 2017 wurde notwendig, weil das Wahlrecht durch das Internet für absurde Selektionen missbraucht wurde.

Der Spielbetrieb der NBA wird außerdem für die Konkurrenzveranstaltung des Montagsfinals der NCAA-Hochschulmeisterschaft unterbrochen. Die Fernsehquoten schwanken stark nach Übertragungsart, das Finale der sogenannten March Madness ist aber immer Quotensieger des Tages.[7] Obwohl die Spieler außer Kost, Logis, Wäsche, Büchern und Stipendien weder Geld- noch Sachmittel annehmen dürfen, ist die NCAA Division I Basketball Championship ein Riesengeschäft, das über einen Zeitraum von drei Wochen das gesamte Land fesselt. Über 1,2 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen wurden 2016 vermeldet.[8] Als Collegesport hat College-Basketball bei den Herren nach American Football, Baseball, Leichtathletik und Fußball und bei den Damen nach Leichtathletik, Softball, Fußball und Volleyball die meisten Sporttreibenden, dabei allerdings die mit Abstand meisten Teams und damit die größte Verbreitung: Lediglich 27 von 1114 Hochschulen (keine davon in NCAA Division I) boten 2018 keinen Herren-Basketball an und lediglich elf von 1114 Hochschulen keinen Damen-Basketball.[9]

EishockeyBearbeiten

 
Eishockey in der NHL

Unter „Hockey“ verstehen Amerikaner in den USA und Kanada in der Regel Eishockey, das dort sehr populär ist. Mit Baseball, American Football und Basketball gehört es zu den beliebtesten Sportarten.

In der Profiliga National Hockey League (NHL) spielen sowohl amerikanische als auch kanadische Teams. Gespielt wird in zwei Conferences (Eastern und Western), sowie seit 2013 nur noch vier Divisions (Atlantic, Metropolitan, Central, Pacific). Im Laufe einer Saison spielen sämtliche Teams der Liga mehrmals gegeneinander, werden aber separat in ihrer eigenen Division gewertet, wenn es um den Einzug der besten 16 Teams in die Play-offs geht. Jeweils in K. o.-Serien von bis zu sieben Spielen (Best of seven) wird der Gewinner des Stanley Cups ermittelt.

Traditionell kommen die Teams aus den nördlichen Bundesstaaten und Kanada. Zu ihnen gehören unter anderem die als „Original Six“ bezeichneten Toronto Maple Leafs, Montreal Canadiens, Boston Bruins, Chicago Blackhawks, Detroit Red Wings und die New York Rangers, wobei lediglich Toronto und Montreal Gründungsmitglieder der NHL von 1917 sind. Aber auch in den westlichen und südlichen Bundesstaaten, die man normalerweise nicht mit Eishockey assoziieren würde, finden sich Profiteams, zum Beispiel die Florida Panthers, die Nashville Predators oder die Arizona Coyotes.

Durch die Weigerung der Spielergewerkschaft National Hockey League Players’ Association (NHLPA) die von der Liga geforderte Limitierung der Spielergehälter („salary cap“) zu akzeptieren, ist es in der Saison 2004/05 zu Streik und Aussperrungen gekommen, so dass schließlich die gesamte Saison abgesagt werden musste.

 
Logo der Major League Soccer, der bedeutendsten Fußballliga in den USA

FußballBearbeiten

Was man im Deutschen als Fußball oder in Großbritannien als Football bezeichnet, wird in den USA „Association Football“ (englisch für: „Verbandsfußball“) oder kurz „Soccer“ genannt. Fußball war in den 1970er Jahren noch nicht weit verbreitet, als die North American Soccer League (NASL) internationale Stars wie Pelé, Franz Beckenbauer und Gerd Müller in die Vereinigten Staaten holte. Die NASL blieb nicht bestehen; dennoch blieb sie nicht ohne Auswirkungen, denn der Sport wurde in Amerika immer beliebter, vor allem unter jungen Leuten. 1990 war Fußball zur College- und High School-Sportart mit dem größten Zulauf angewachsen. Das wachsende Interesse der Amerikaner am Fußball erhielt durch die Weltmeisterschaft von 1994, die in den USA ausgetragen wurde, weiteren Aufschwung und führte zur Einrichtung einer neuen Profi-Fußballliga, der Major League Soccer (MLS). Diese Liga, ursprünglich aus zehn Mannschaften bestehend, bestritt ihre erste Saison 1996. Weder die NASL, noch die Weltmeisterschaft oder die MLS wäre ohne den Gründer der American Football League (AFL), Erfinder des Super Bowls, Besitzer der Kansas City Chiefs, den Gründer der Chicago Bulls und Tennisfunktionär Lamar Hunt möglich gewesen. Dem Namensgeber des US Pokalwettbewerbs gehörten auch drei MLS-Teams in Kansas City, Dallas und Columbus. Auf ihn geht das bereits in der AFL bewährte Konzept der zentralen Gewinnteilung der MLS zurück.

Auf internationaler Ebene fand die US-amerikanische Nationalmannschaft durch den Einzug in das Viertelfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 viel Aufmerksamkeit, aber auch wegen der Teilnahme am Halbfinale der Copa América 2016, welche auch in den USA ausgetragen wurde.

Die US-amerikanische Damennationalmannschaft ist besonders erfolgreich. Neben vier olympischen Goldmedaillen 1996, 2004, 2008 und 2012 gewann sie die im Jahr 1991 zum ersten Mal ausgetragene Weltmeisterschaft und wurde 1999, 2015 sowie 2019 erneut Meister. Mit dem viermalig erlangten Weltmeistertitel ist die Damennationalmannschaft der Vereinigten Staaten internationaler Rekordmeister (Stand: 2019). Die zweite Weltmeisterschaft war dabei im Zuge der sogenannten Pony Tail Diplomacy (deutsch: Diplomatie der Roßschwanzzöpfe), mit denen der Betrachter eine bestimmte Schichtzugehörigkeit, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und einen bestimmten Bildungsgrad identifiziert, dermaßen populär im heimischen Austragungsland, dass mit der Women’s United Soccer Association kurzfristig sogar eine Damen-Profiliga bestand.

NASCARBearbeiten

 
NASCAR-Rennen auf dem Texas Motor Speedway 2008

Die beliebteste Motorsportserie der USA ist die NASCAR-Serie. Die Abkürzung NASCAR steht für National Association for Stock Car Auto Racing. Die Fahrzeuge sind Stock-Cars, genormt auf ca. 1,5 Tonnen und bis zu 850 PS stark. Es finden fast alle Rennen in Ovalkursen innerhalb der Vereinigten Staaten statt und das Fahrerfeld bietet 43 Startplätze. Diese Eckpunkte alleine machen die NASCAR-Serien in Ablauf und Taktik unvergleichbar mit den meisten europäischen Rennveranstaltungen. Die NASCAR unterhält 11 dauerhafte Serien und veranstaltet darüber hinaus Einzel-Events. Zu den höchsten Rennklassen zählt zunächst der Sprint Cup, anschließend die Nationwide Series und zuletzt die Camping World Truck Series. Sitz des Verbandes ist Daytona Beach, Florida. Hier findet auch das prestigeträchtigste Rennen der Saison statt, das Daytona 500.

Erwähnenswert ist, dass alle Autos auf demselben technischen Stand sind. Somit ist nicht die Leistung der Ingenieure, wie in der Formel 1 von Bedeutung, sondern die Leistung des Fahrers. Daher werden die Fahrer teilweise wie Superstars bewundert. Gerade die Serien der NASCAR erfreuen sich in Europa an immer mehr Beliebtheit. Das liegt unter anderem daran, dass die NASCAR immer internationaler wird. Der ehemalige kolumbianische Formel-1-Fahrer Juan Pablo Montoya war im Sprint Cup unterwegs.

Zur Unterstützung der Chancengleichheit erhält sogar der Letztplatzierte 34 Punkte. Außerdem gibt es Bonuspunkte für Führungsrunden. Maximal kann ein Fahrer in einem Rennen 195 Punkte erhalten. In den letzten 10 der 36 Rennen findet dann der Chase for the Sprint Cup statt. Dieses Playoff-System ermittelt dann den Sieger des Cups. Zu Beginn bekommen die bis dahin zwölf Bestplatzierten 5000 Punkte. Damit die Fahrer, die nicht im Chase fahren, trotzdem ihr Bestes geben, locken hohe Platzierungen mit hohen Preisgeldern.

PferderennenBearbeiten

Das Pferderennen hat eine lange Tradition in den USA. Besonders im kolonialen und Antebellum-Süden wurde es bis zur Perfektion kultiviert. Dabei wurden die unbeliebten Pflichten der Pferdewirtschaft in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an schwarze Sklaven übergeben, die sich ihre Stellung zu Nutzen machten und als Pfleger, Züchter und Jockeys großes Renommée erlangten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die überwiegende Mehrheit der Südstaaten-Jockeys schwarz.

Nach der Legalisierung des Pferderennens 1821 in New York erwarb ein Hengst namens Eclipse großen Ruhm. Freunde des Sports im Norden riefen ihn als größtes Rennpferd aus. Colonel William Ransom Johnson aus Virginia forderte Eclipse daraufhin zu einem Rennen gegen den jüngeren und leichteren Südstaaten-Hengst Sir Henry heraus, einen Enkel des britischen Rennpferdes und Meisters Diomed, ebenso wie Eclipse selbst. „Das große Wettrennen“ (The Great Match Race) fand am 27. Mai 1823 vor New York um ein Preisgeld von 40.000 Dollar statt. Das Meilenoval war viermal zu umrunden und der Gewinner hatte in zwei von drei Rennen, unterbrochen von halbstündigen Pausen, zu obsiegen.

Die New York Stock Exchange hatte für dieses erste Sport-Event der Moderne geschlossen und 60.000 Zuschauer den Weg zum Union Course acht Meilen vor New York City, das damals eine Bevölkerung von 120.000 hatte, gefunden. Sir Henry gewann das erste Rennen in 7:37'5. Eclipse’ junger Jockey hatte das Pferd schwer geschunden (Schnitte an Bein und Hoden) und wurde durch den regulären Jockey Samuel Purdy ausgetauscht, den man mit 49 ursprünglich für zu alt für das Rennen gehalten hatte. Mit ihm gewann Eclipse die nächsten beiden Rennen mit 7:49 und 8:24. Keines der Pferde war je so weit geritten und in allen drei Rennen zusammengenommen hatte Eclipse mit nicht mehr als einer Länge gewonnen. Das große Wettrennen war ein spielerisches Kräftemessen zwischen Nord- und Südstaaten, das fortan jährlich ausgetragen wurde und das eine erste Vorahnung der sich verschärfenden politischen Konflikte zwischen beiden amerikanischen Kulturen lieferte.

 
Jess „Long Shot“ Conley beim Kentucky Derby

Der Süden blieb ein Zentrum des Reitsports und der Pferdewirtschaft und schwarze Sklaven behielten ihren ungewöhnlichen Status darin. Als 1875 das Kentucky Derby gegründet wurde, war der Sieg eines schwarzen Jockeys nahezu vorbestimmt: 14 von 15 Startern waren schwarz und die ersten 28 Rennen wurden 15-mal von Schwarzen gewonnen. Einer der besten Jockeys aller Zeiten war Isaac Murphy, geboren 1861 als Sklave in Kentucky. Sein Vater hatte sich den Unionstruppen angeschlossen und war kurz nach dem Ende des Bürgerkrieges verstorben. Murphy nahm deshalb im Alter von 12 Jahren eine Arbeit in einem Stall an. Als 15-Jähriger gewann er sein erstes Rennen, das er vollständig mit der Hand geritten hatte – also ohne Peitsche. 1884 gewann er die damalige Triple Crown, die drei wichtigsten Rennen innerhalb eines Jahres: Kentucky Oaks, Kentucky Derby und die Clarks Stakes. Darüber hinaus war er der Erste, der das Kentucky Derby dreimal gewinnen sollte, davon zweimal in Folge. Er verdiente 10.000 Dollar pro Jahr, was ihn zu einem der reichsten schwarzen Männer der Vereinigten Staaten machte.[10]

Die schwarze Bevölkerung des Südens war zwischen 1880 und der Jahrhundertwende in urbane Ballungsräume wie Chicago, Philadelphia, Washington, D.C. und New York City migriert, was die Nordstaaten erstmals massiv mit der Realität des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit Afroamerikanern konfrontierte. Die Nordstaatler reagierten, wie auch die Südstaatler reagiert hatten: Mit de iure- und de facto-Methoden der Abgrenzung ihrer weißen Gesellschaft. Nur acht Jahre nach seiner Verabschiedung wurde der Civil Rights Act von 1875 als verfassungswidrig zurückgenommen. Das bekamen auch schwarze Jockeys zu spüren. Die Pferdewirtschaft hatte sich in den Nordosten des Landes verlagert und Jim Crow als Folge der Reconstruction seinen Kopf im Norden wie im Süden erhoben. 1894 etablierte sich der National Jockey Club, der bald alle Aspekte des Pferderennens kontrollierte und Lizenzen an Jockeys vergab. Diese wurden Schwarzen immer häufiger vorenthalten und aufgrund von körperlichen Attacken weißer Jockeys während des Rennens fürchteten auch Pferdebesitzer den Einsatz schwarzer Jockeys, deren Zeit damit vorbei war und die – wie im „Hey Ya!“-Video von OutKast ironisiert – lediglich als lawn jockeys, Statuen für den Vorgarten, überdauerten. Mitte der 1970er Jahre, einhundert Jahre nach der Gründung des Kentucky Derbys, waren weniger als 1 % der Jockeys schwarz.[11]

Beim Reitsport auf Hochschulebene gibt es keine Pferderennen. Reitsport wurde von der NCAA 2002 zu einem Entwicklungssport der Damen erklärt. Die Wettkämpfe werden von der NCAA-Tochter National Collegiate Equestrian Association organisiert und finden zwischen September und November sowie Januar und März statt mit Playoffs im Anschluss. Teams von fünf Reitern treten dabei auf fünf ausgelosten und vom Heimteam gestellten Pferden in vier Disziplinen an: Im Westernreiten in Reining und Horsemanship sowie im englischen Jagdsattel in Dressurreiten und Springreiten. Die jeweils höchste Wertung pro Pferd bringt einen Punkt ein. 2017/18 traten 1381 Reiterinnen für 45 Hochschulen an, während 14 Herren für sechs Teams der Division III ritten.

SkifahrenBearbeiten

Bereits die amerikanischen Ureinwohner benutzten Schneeschuhe. Die Verwendung von Holzbrettern zur Fortbewegung und zur Jagd geht allerdings ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auf skandinavische Einwanderer wie den gebürtigen norwegischen Postboten „Snowshoe“ Thompson zurück.[12] Die frühen Skifahrer, meist Postboten und Goldgräber, nutzten 3,5-Meter-Ski aus Hickory-Holz zur Fortbewegung in den unwegsamen Bergen.[13] Das erste überlieferte Abfahrtsrennen auf amerikanischem Boden wurde 1861 in Onion Valley in der Sierra Nevada ausgerichtet.[14] In den 1880er Jahren dehnte sich der Bergbau von Kalifornien bis zu den Silberfeldern von Colorado aus und damit auch die Postzustellung.[15] Zur selben Zeit fand 1879 die erste serielle Fertigung von Skiern in Minnesota und 1882 die Gründung des ersten Clubs für Skifahren zur Freizeitgestaltung in New Hampshire statt.[16] Unmittelbar vor der Jahrhundertwende etablierte sich Skifahren zur Erholung mehr und mehr. Der nationale Ski-Verband U.S. Ski & Snowboard wurde 1905 als National Ski Association of America in Michigan gegründet. Einen vorläufigen Höhepunkt erfuhr das Vorkriegs-Skifahren in den Vereinigten Staaten durch den Ski-Boom der 1930er Jahre in Verbindung mit der Einführung des Sessellifts Mitte der Dekade.[17]

 
Mitglieder der 10th Light Infantry Division (Alpine) beim Gebirgstraining in Camp Hale, Colorado

Der Gründer der Hilfsorganisation National Ski Patrol, Charles Minot Dole, erkannte am Beispiel der finnischen Verteidigungstaktik, die der Roten Armee im Winterkrieg zwischen Sowjetunion und Finnland 1939/40 größte Verluste beigebracht hatte, den großen Nutzen einer Armeeeinheit auf Skiern. Wenige Wochen vor dem Angriff auf Pearl Harbor erlaubte das Verteidigungsministerium endlich die Gründung der 10th Mountain Division, zunächst unter anderem Namen. Der auffallend internationalen Einheit gehörten u. a. die Österreicher Friedl Pfeifer, zwei Söhne der Trapp-Familie und US-Meister Toni Matt, der Schweizer Meister Walter Prager, der norwegische Skispringer Torger Tokle, der olympische Feldhockey-Spieler Bill Boddington und der spätere US-Senator und Präsidentschaftskandidat Bob Dole, der im Einsatz eine Niere und die Funktion des rechten Armes verlieren sollte, sowie der spätere NFL-Coach Don Coryell und Leichtathletik-Coach und Nike-Gründer Bill Bowerman an.

Der Kriegseinsatz der 10. Gebirgsdivision begann im Januar 1945 im Italienfeldzug. Der bemerkenswerteste Einsatz fand dabei in der Nacht zum 19. Februar statt: 800 Männer des 86. Bataillons überraschten die Deutschen, indem sie einen 500 m hohen Steilhang überwanden und unbemerkt in die deutschen Stellungen vordringen konnten. Trotz erbitterten Widerstandes der Deutschen hielten sie die Position und ermöglichten innerhalb einer Woche die Einnahme der bisher mehrmals erfolglos angegriffenen Linie zwischen dem Monte Belvedere und dem Monte della Torraccia im nördlichen Apennin. Nachschub und Abtransport der Verwundeten fand mit Hilfe von Eseln und einer Seilbahn statt. Die Division stieß im Anschluss in die Poebene vor und überquerte den Gardasee. Ihr wird die Neutralisation von fünf feindlichen Divisionen zugeschrieben und ihr Vorstoß war so schnell, dass im eingenommenen Hauptquartier der 90. Panzerdivision eine noch angebissene Stulle vorgefunden wurde. Der Preis dafür war jedoch hoch: Die 10. Gebirgsdivision verzeichnete in 114 Kampftagen 975 Tote und 3871 Verwundete.

Das Erbe der 10. nach Ende des Zweiten Weltkriegs war ihr immenser Einfluss auf die Skikultur des Landes, die Lawinenforschung, technische Weiterentwicklungen und wirtschaftliche Erschließungen. Fünf ihrer Mitglieder waren 1948 im olympischen US-Ski-Team und ein sechstes ihr Coach. Robert Heron, der zivile Entwickler der o.a. Seilbahn der Riva-Höhenzugs-Kampagne, entwickelte später Sessellifts. Und Gründung oder Aufbau von beinahe 60 Ski-Resorts gehen auf Mitglieder der 10. Gebirgsdivision zurück, darunter Aspen, Steamboat Springs und Vail in Colorado, Waterville Valley in New Hampshire und Mount Bachelor in Oregon.[18][19] Mit der Ausrichtung der alpinen Weltmeisterschaften 1950 in Aspen etablierte sich der Skisport endgültig in den Vereinigten Staaten.

An Hochschulen, insbesondere in Neuengland, war bereits vor dem Krieg Ski gefahren worden. Meisterschaften gibt es bei der NCAA aber erst seit 1954. Sie werden heute in den Disziplinen Slalom, Riesenslalom, Klassischer Langlauf und Freier Langlauf-Stil im Team nach Geschlechtern getrennt ausgetragen. Das heißt, dass jenes College, das Ski-Meister wird, acht Wettkämpfe zu bestreiten hatte. Angetreten wird in drei dem Skisport vorbehaltenen Conferences. Neben der NCAA organisiert auch die United States Collegiate Ski and Snowboard Association Wettbewerbe für Hochschulen.

Durch das reiche Erbe ihrer Landschaft und ihrer Einwanderer sind die USA eine wahre Skifahrer-Nation. Nicht nur Kunstschnee und Snowboarding sind US-amerikanische Erfindungen, der Alpine Ski-Weltcup ist ebenfalls ein Gemeinschaftswerk des Journalisten Serge Lang mit den Nationalcoaches Frankreichs und der USA. Skiweltcupveranstaltungen des alpinen Skisports finden deshalb auch in den zahlreichen Skigebieten der Rocky Mountains wie Beaver Creek oder Park City statt.

Bekannte Skiläufer sind Ted Ligety, Julia Mancuso, Mikaela Shiffrin oder Bode Miller, der bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City zwei Silbermedaillen in Kombination und Riesenslalom und bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver Gold in der Super-Kombination, Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt gewann. Außerdem errang er zwischen 2003 und 2005 vier Weltmeistertitel.

Bei den Damen ist Lindsey Vonn am erfolgreichsten. Sie gewann bei den Olympischen Winterspielen 2010 die Goldmedaille in der Abfahrt und Bronze im Super-G. In diesen Disziplinen erwarb sie auch jeweils Gold und Silber bei Weltmeisterschaften. Bis dato holte sie sich 82 Weltcupsiege und errang 2008, 2009, 2010 und 2012 jeweils den Gesamtweltcup.

TennisBearbeiten

 
Ora Washington im Jahr 1939

In den 1870er Jahren brachte Mary Outerbridge den Tennissport in die Vereinigten Staaten. Sie hatte bei einem Urlaub auf Bermuda britische Offiziere beim Spiel beobachtet und stellte es in ihrem Staten Island Cricket and Baseball Club in New York vor. Wohlhabende Amerikaner fanden damals Gefallen daran, Gebaren und Zeitvertreib der britischen Aristokratie zu imitieren und so verbreitete sich Tennis schnell in den USA. Zunächst spielte man sich den Ball nur zu, weswegen der Sport auch als geeignet für Frauen angesehen wurde (die anfänglich noch in Korsetten spielten), doch bald wurde der Sport ehrgeiziger gespielt. Aus diesem Grund wurde 1881 die United States National Lawn Tennis Association (USNLTA) gegründet, die spätere USLTA und heutige United States Tennis Association (USTA). Die USNLTA veranstaltete die erste nationale Meisterschaft der Herren zunächst in Newport, Rhode Island, dem Sommersitz der Superreichen, und ergänzte das Turnier 1888 um einen Damenwettbewerb, vier Jahre nach Wimbledon. Bis 1902 spielten die Damen über drei Gewinnsätze, danach wurde der Best-of-Three-Modus mit zwei Gewinnsätzen eingeführt.

Afroamerikaner begannen an der Tuskegee University in den 1890er Jahren Tennis auf College-Ebene zu spielen. 1916 formierte sich die American Tennis Association, die 1926 formell gegründet wurde.[20] Die Gründung eines afrikanisch-amerikanischen Verbandes war nötig, da im US-Tennis ein Gentlemen's Agreement über den Ausschluss afroamerikanischer Sportler bei Wettbewerben und in Tennis-Clubs galt oder wenigstens ein extrem starkes Klassenbewusstsein. Die weiße Meisterin Helen Wills lehnte Herausforderungen durch die achtfache ATA-Meisterin Ora Washington jedenfalls mit dem Verweis auf deren Hautfarbe ab.[21] Erst in den 1950er Jahren trat Althea Gibson nach langjähriger Lobbyarbeit der ATA und weißer Tennisprominenz unter großem Widerstand der USLTA bei USLTA-Turnieren an und gewann in der Mitte der Dekade den Titel der US Open.[22] Wegen ungleicher Preisgelder für Männer und Frauen gründete Billie Jean King 1973 einen weiteren unabhängigen Verband, die Women’s Tennis Association (WTA).

Die USA können bedenkenlos als Tennis-Nation bezeichnet werden. Die US Open sind eines von vier Grand Slam-Turnieren, die Vereinigten Staaten sind Rekordsieger der Nationen-Wettkämpfe Davis Cup, Hopman Cup und Fed Cup und amerikanische Spieler und Spielerinnen errangen bislang die meisten Einzeltitel in Wimbledon und bei den US Open.

 
„Frog Splash“ im Wrestling

WrestlingBearbeiten

Eine weitere Sportart in den USA ist das Wrestling. Die bekannteste Liga in den USA ist das World Wrestling Entertainment. Besonders beliebt wurde das Wrestling Ende der 1980er Jahre. Insbesondere interessieren sich eher junge Leute dafür. In der WWE gibt es zwei Hauptkader, RAW und Smack Down. Bei Großveranstaltungen, den sogenannten Pay-per-View (z. B. Summerslam oder Survivor Series), treten die jeweiligen Wrestler der zwei Kader auch zusammen an. Eine der bekanntesten Hauptveranstaltungen der WWE ist WrestleMania. Die erste WM fand im Jahr 1985 statt.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Elliott J. Gorn, Warren Goldstein: A Brief History of American Sports. Urbana/Springfield/Chicago, 1993 und 2013: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-07948-1 (Seiten 3–63, in Englisch).
  2. Cait Murphy: A History of American Sports in 100 Objects. New York, 2016: Basic Books. ISBN 978-0-465-09774-6 (Seiten 7–37, in Englisch).
  3. Howard P. Chudacoff: Changing The Playbook. How Power, Profit, and Politics Transformed College Sports. Urbana, Chicago, and Springfield, 2015: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-08132-3 (Seiten 23 und 132, in Englisch).
  4. Daniel de Vise: Athletic fees are a large, and sometimes hidden, cost at colleges. Auf: Washington Post—Website; Washington, D.C., 24. Oktober 2010. Abgerufen am 27. November 2018 (in Englisch).
  5. Damion L. Thomas: Globetrotting. African American Athletes and Cold War Politics. Champaign, 2012: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-03717-7 (in Englisch).
  6. S.M. Oliva: Ever Wonder Why College Games Are On Saturday & NFL Games Are On Sunday? Auf: Saturday Down South—Website; Windermere, FL, ohne Datum in 2011. Abgerufen am 7. September 2018 (in Englisch).
  7. Joe Otterson: NCAA Championship Game Viewership Drops 28 % From 2017. Auf: Variety—Website; New York City, NY, 3. April 2018. Abgerufen am 3. Mai 2018 (in Englisch).
  8. Mark Trainer: March Madness explained. Auf: Share America—Website des Bureau of International Information Programs innerhalb des U.S. Department of State; Washington, D.C., 13. März 2018. Abgerufen am 18. März 2018 (in Englisch).
  9. N.N.: 2017-18 NCAA Sports Sponsorship and Participation Rates Report. Auf: NCAA Publications—Website; Indianapolis, IN, Oktober 2018. Abgerufen am 21. Januar 2020 (in Englisch).
  10. Cait Murphy: A History of American Sports in 100 Objects. New York, 2016: Basic Books. ISBN 978-0-465-09774-6 (Seiten 11f und 27ff, in Englisch).
  11. Russell T. Wigginton: The Strange Career of the Black Athlete. African Americans and Sports. Westport/London, 2006: Praeger Publishers. ISBN 0-275-98223-8 (Seiten 4–9, in Englisch).
  12. N.N.: History of Skiing in the United States. Auf: Info Please—Website; Boston, MA, 11. Februar 2017. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  13. Chase & Shannon Stewart: History of Skiing. Auf: Free The Powder Gloves—Website; Park City, UT, ohne Datum. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  14. John Clary Davies: The History of Skiing, 5000 B.C.-2011. In celebration of Powder's 40th anniversary, a timeline of skiing. Auf: Powder—Website; Sun Valley, ID, 17. August 2016. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  15. Tim Cooney: Aspen’s Skiing History: An Evolving Timeline. Auf: Aspen Journalism—Website; Aspen, CO, 11. Januar 2017. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  16. Mort Lund: Timeline of Important Ski History Dates. Unter Mitarbeit von John Allen und Seth Masia auf: International Ski History Association—Website; Manchester Center, VT, 1999–2019. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  17. E. John B. Allen: Skiing. Auf: Encyclopædia Britannica—Website; Chicago, IL, 1998–2019. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  18. Cait Murphy: A History of American Sports in 100 Objects. New York, 2016: Basic Books. ISBN 978-0-465-09774-6 (Seiten 93–97, in Englisch).
  19. N.N.: The History of Skiing in Colorado. Auf: Colorado Info—Website; Frisco, CO, ohne Datum. Abgerufen am 16. November 2019 (in Englisch).
  20. Sundiata Djata: Game, Set, and Separation: The American Tennis Association, a Tennis Vanguard. in: Separate Games. African American Sport behind the Walls of Segregation, herausgegeben von David K. Wiggins und Ryan A. Swanson. Fayetteville, 2016: The University of Arkansas Press. ISBN 978-1-68226-017-3 (Seiten 165–178, in Englisch).
  21. Jaime Schultz: Qualifying Times. Points of Change in U.S. Women's Sport. Urbana, Chicago, and Springfield, 2014: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-07974-0 (Seite 39 und allgemein Seiten 15–46, in Englisch).
  22. Jennifer H. Lansbury: A Spectacular Leap. Black Women Athletes in Twentieth-Century America. Fayetteville, 2014: The University of Arkansas Press. ISBN 978-1-55728-658-1 (Seiten 75–113, in Englisch).