Saint-Louis (Haut-Rhin)

Gemeinde in Frankreich, Haut-Rhin

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Saint-Louis
Wappen von Saint-Louis
Saint-Louis (Frankreich)
Saint-Louis
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Mulhouse
Kanton Saint-Louis (Chef-lieu)
Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération
Koordinaten 47° 35′ N, 7° 34′ OKoordinaten: 47° 35′ N, 7° 34′ O
Höhe 237–278 m
Fläche 16,95 km²
Einwohner 21.646 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte 1.277 Einw./km²
Postleitzahl 68300
INSEE-Code
Website www.saint-louis.fr

Stadtkarte

Saint-Louis (deutsch Sankt Ludwig) ist eine französische Gemeinde im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Mit 21.646 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) ist die Stadt die drittgrößte Gemeinde im Département.

Neben Lörrach und (den dazwischenliegenden Gemeinden) Hüningen (Huningue) und Weil am Rhein ist Saint-Louis eine der direkten Nichtschweizer Nachbarstädte von Basel und Teil der Trinationalen Agglomeration Basel. Die Stadt gehört zum Kanton Saint-Louis im Arrondissement Mulhouse und ist Sitz des Kommunalverbandes Communauté d’agglomération des Trois Frontières. Sie grenzt außer an Basel, ebenso an Allschwil (Schweiz), Village-Neuf, Huningue, Hégenheim, Hésingue und Blotzheim.

Die Einwohner werden auf Französisch Ludoviciens (nach der lateinischen Form von Ludwig) genannt. Der deutsche Name der Stadt ist weniger geläufig, da es sich bei Saint-Louis um eine französische Gründung im Elsass handelt, der französische Name also der ursprüngliche ist. Die Tatsache, dass der benachbarte – ebenfalls relativ junge – Basler Stadtteil Sankt Johann heißt, hat keine Verbindung mit dem Ursprung des Namens der Stadt.

GeschichteBearbeiten

Nach der Eroberung des Sundgaus und weiterer Teile des Elsass durch Frankreich in der Folge des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens bestand für die französische Krone ein wachsendes Interesse an Kontrolle und Sicherung des linksrheinischen Gebietes am Rheinknie unterhalb des Territoriums von Basel (Beitritt zur Eidgenossenschaft 1501). 1679 befahl daher Ludwig XIV. im Rahmen der bewussten Ausrufung einer weiteren Expansionspolitik am Oberrhein (Einnahme Colmars 1673, Niederlage kaiserlicher und kurpfälzischer Truppen bei Türckheim, Plünderung der Stadt 1675, Friede von Nimwegen 1679) den Bau der Festung Hüningen an dieser strategischen Stelle. Die Bewohner des Ortes, des damaligen Fischerdorfes Hüningen, mussten dieser Militäranlage weichen, deren Bau der Festungsbaumeister Vauban 1680 aufnahm. Sie wurden im neubegründeten Village-Neuf und an der Straße Basel – (Mülhausen –) Paris angesiedelt, wo sich an der Grenze bereits ein erster Kern des heutigen Saint-Louis befand. Dieser Ort, bestehend aus den Behausungen einiger Grenzwächter und Herbergen, wurde so auch zunächst zu einem Ortsteil des Hüninger Neudorfs. Am 26. November 1684 – rund drei Jahre nach der Krönung der Reunionspolitik mit der Einnahme Straßburgs – wurde auf Verordnung von Louis XIV. die Stadt offiziell mit seinem Namen benannt.[1] Namenspatron ist dabei jedoch eigentlich nicht der „Sonnenkönig“ selber, sondern sein Vorgänger, der heiliggesprochene König Ludwig IX. (Saint-Louis).

 
Avenue de Bâle

Im Zuge der Französischen Revolution nannte sich die Stadt von 1793 bis 1814 Bourglibre (deutsch Burgliber).

1953 wurden die Gemeinde Bourgfelden und 1958 der Ortsteil Neuweg (La Chaussée) der Gemeinde Blotzheim eingemeindet. Seither liegt der Flughafen Basel-Mülhausen größtenteils auf dem Boden der Stadt Saint-Louis.

Am 30. Oktober 2000 wurde in Saint-Louis der Gemeindebund Communauté de communes des Trois Frontières geschaffen, deren Sitz sich in Saint-Louis befindet. Der Gemeindeverband wurde 2016 in eine Communauté d’agglomération umgewandelt.

Jean-Marie Zoellé, der Bürgermeister von Saint-Louis, starb im April 2020 während der COVID-19-Pandemie in Folge einer COVID-19-Infektion. Er hatte zu denjenigen Patienten gehört, die zur Behandlung nach Deutschland verlegt worden waren.[2]

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871–1919)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1880 2066 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 411 ha, in 177 Wohnhäusern, davon 506 Protestanten, 1452 Katholiken und 55 Israeliten[3]
1890 2642 [4]
1905 4738 [5][4]
1910 5417 auf einer Fläche von 414 ha[6][4]
Bevölkerungsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2018
Einwohner 9.122 12.378 14.845 18.007 19.547 19.973 19.995 21.646

SehenswürdigkeitenBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

1806 gründete hier Michel L’Evêche-Moll ein Zolldienstleistungsunternehmen, in das nach der Schlacht bei Waterloo der ehemalige Offizier Marie Mathias Nicolas Louis Danzas eintrat. Aus ihm entwickelte sich die weltweit agierende Spedition Danzas AG, die 1999 von der Deutschen Post AG aufgekauft wurde.

1945 wurde in Saint-Louis – zunächst unter französischer Führung – ein Institut für Ballistik (mit anfangs überwiegend deutschen Mitarbeitern) unter der Leitung von Prof. Hubert Schardin zu militärischen Untersuchungen gegründet. Ab 1959 wurde das Institut zum Deutsch-Französischen Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL) umgewandelt.

 
Saint-Louis im Dreiländereck

In einer stillgelegten Fabrik des Spirituosenherstellers Fernet-Branca befindet sich seit 2004 der Espace d’Art Contemporain Fernet Branca, ein Ausstellungsbetrieb für Zeitgenössische Kunst.

VerkehrBearbeiten

Die Stadt ist durch TER-Züge mit Basel, Mulhouse und Strasbourg (Bahnstrecke Strasbourg–Basel) verbunden. Die S-Bahn Basel fuhr einige Zeit von Frick bis Mulhouse durch, heute sind die Linien in Basel SBB/SNCF getrennt.

Innerhalb des Gemeindegebiets gibt es zwei Bahnhöfe: Saint Louis und Saint-Louis-la-Chaussée. In Zukunft soll eine Neubaustrecke den EuroAirport mit einem Flughafenbahnhof anbinden. Einige S-Bahn-Linien aus der Schweiz und Deutschland sollen über den Bahnhof Basel SBB dorthin verlängert werden, Güterzüge und TGVs sollen weiterhin über die Bestandstrecke fahren.[7]

Es gibt einige Buslinien, diese werden von der örtlichen Busgesellschaft Distribus betrieben. Die Basler Tramlinie 3 der BVB fährt seit 2017 zum Bahnhof Saint-Louis. Unweit von der Grenze zu Basel befindet sich die Endhaltestelle der Basler Tramlinie 11 der BLT.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

in Saint-Louis geboren
  • Adam Moundir (* 1995), Schweizerisch-marokkanischer Tennisspieler
  • Oskar Wöhrle (1890–1946), elsässisch-deutscher Schriftsteller

LiteraturBearbeiten

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 631–637.

WeblinksBearbeiten

Commons: Saint-Louis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ville de Saint-Louis (Alsace) – Histoire. Offizielle Website der Stadt, abgerufen am 6. Dezember 2012 (französisch).
  2. Corona: Bürgermeister von Stadt im Elsass in Bonn gestorben. dpa-Newskanal, 6. April 2020, abgerufen am 7. April 2020.
  3. Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts Universitäts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 66, Ziffer 821.
  4. a b c M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  5. Lexikoneintrag zu Sankt Ludwig, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1905, S. 564.
  6. Sankt Ludwig, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Sankt Ludwig.
  7. Basel-Mulhouse - Trireno - Trinationale S-Bahn Basel. Abgerufen am 27. November 2020.