Als Sundgau wird eine Landschaft im Süden des Elsasses im südlichen Bereich des Départements Haut-Rhin bezeichnet. Sie liegt etwa zwischen den Städten Basel, Belfort und Mülhausen.

Gebiet und GeschichteBearbeiten

 
Ausdehnung des Bistums Basel im 15. Jahrhundert

Im Mittelalter wurde das Gebiet des damaligen Elsasses in zwei Gaue eingeteilt, die „Nordgau“ (Nordgowe,Unterelsass“) und „Südgau“ (Suntgowe, „Sundgau“, „Oberelsass“) genannt wurden. Die Grenze entsprach etwa derjenigen, welche 297 bei der Teilung der römischen Provinz Germania superior in Maxima Sequanorum im Süden und Germania prima im Norden festgelegt wurde – am Landgraben südlich von Schlettstadt.

Bis weit in die Neuzeit grenzte dort auch das Bistum Basel (Kirchenprovinz Besançon) an das Bistum Straßburg (Kirchenprovinz Mainz).[1]

Der Sundgau bzw. das Oberelsass entsprach also etwa dem heutigen Département Haut-Rhin, bis ins 11. Jahrhundert jedoch reichte er im Süden noch über den Jura bis an die Aare. Im Spätmittelalter fand eine Begriffsverengung auf jene Teile statt, die unter habsburgischer Herrschaft standen. Diese reichten im Westen bis über Belfort hinaus, also in traditionell französisches Sprachgebiet.

Die Habsburger wurden im Rahmen des Westfälischen Friedens 1648 gezwungen, den Sundgau an den französischen König abzutreten. Bis zur französischen Revolution gehörte das Oberelsass kirchlich zum Bistum Basel.

In neuester Zeit, nachdem 1871 das Territoire de Belfort vom Département Haut-Rhin getrennt wurde, fand eine weitere Reduzierung auf die Gebiete im südlichen Oberelsass statt.

St. Morandus in Altkirch gilt traditionell als Patron des Sundgaus.

GeographieBearbeiten

Das Regionalzentrum ist die Kleinstadt Altkirch. Die Hügellandschaft ist von Landwirtschaft und dörflichen Strukturen geprägt. Der höchste Punkt des Sundgaus befindet sich in der Gemeinde Bettlach auf 525 m.ü.NN.

Geologie

Der Sundgau ist ein sanftwelliges Hügelland, dessen Untergrund Tertiärschollen bilden, die bei der Absenkung des Oberrheingrabens in einer gewissen Höhenlage verharrten, so dass sie sich heute über dem Niveau der Rheinebene und eingesenkt zwischen dem Grundgebirgsmassiv der Vogesen im Norden und den nördlichsten Falten des Jura im Süden befinden. Dieser tertiäre Untergrund besteht vorwiegend aus Tonen, Mergeln, Kalken und Sanden des Oligozän (Rupel/Chatt), abgelagert vor 34 bis 23 Millionen Jahren.. Überdeckt sind diese Sedimente in größerem Umfang von alten (pliozänen/altpleistozänen) Schottern und ausgedehnten Löss- oder Lösslehmdecken[2].

Meist zählt man auch die dem Hügelland östlich vorgelagerte Rheinebene mit ihren Schotterterrassen noch zum Sundgau. Auch das Basler Bruderholz gehört geologisch zum Sundgau. Die nördlichsten Ketten des Jura (Pfirter Jura) bilden gegenüber dem Tertiärhügelland geologisch und morphologisch einen ganz eigenständigen Naturraum. Im Westen setzt sich jenseits der Wasserscheide bei Valdieu der Elsässer Sundgau als lössbedecktes Tertiärland im „Sundgau belfortain“ fort.

Der Löss des Sundgaus wurde in den Kaltzeiten des Eiszeitalters (im Pleistozän) aus den Schotterfeldern des Rheins ausgeweht und in den umliegenden Hügelländern abgelagert, womit das Relief sanftere Formen erhielt. Älterer Löss verwitterte zu Lösslehm. Abgeschwemmter Löss wurde als fein geschichteter Schwemmlöss deponiert. Der jüngere nährstoffreichere Löss im östlichen, niederen Sundgau begünstigt den Ackerbau. Westlich von Ill und Larg eignet sich der ältere, ausgewaschenere, daher kalkärmere und wasserundurchlässigere Löss(lehm) für Grünlandnutzung[3]. Eine ausreichende Verlehmung des Untergrunds war Voraussetzung für den schon im Mittelalter erfolgten Aufstau der für den Sundgau typischen Fischweiher im niederschlagsreichen Westsundgau. Zwei Drittel dieser Weiher liegen im oberen Largtal.[4]

Unter der Lössdecke liegen die aus alpinem Material (Berner Oberland, Wallis) bestehenden sogenannten Sundgauschotter (cailloutis du Sundgau) aus dem Pliozän, dem letzten Abschnitt der Tertiärzeit[5], und z. T. aus dem frühesten Pleistozän. Sie lagern westlich einer Linie Magstatt – Folgensburg – Hagenthal dem oligozänen Untergrund auf und können eine Mächtigkeit bis zu 20 m erreichen. Im Norden findet ihre Verbreitung ein Ende an einer Linie Valdieu–Dannemarie-Wahlbach. Sie sind die Hinterlassenschaft einer Ur-Aare, die lange Zeit, in den Ur-Doubs übergehend, ihren Weg über den Bresse-Graben zum Mittelmeer fand. Erst später (im Oberpliozän) wurde dieser Fluss in den sich weiter senkenden Oberrheingraben zum Nordseerhein abgelenkt und im Osten vom Alpenrhein erreicht, womit die Aare zum Rheinnebenfluss wurde. Im Nordwesten des Sundgaus bestehen die alten Sundgauschotter nicht aus alpinem, sondern aus Vogesenmaterial[6].

Der unter der Lössdecke und den Schottern verborgene tiefere Untergrund besteht aus einem Bruchschollenmosaik, bei dem sich die einzelnen Tertiärschollen in unterschiedlicher Höhenlage befinden und in verschiedener Weise geneigt sind. Südlich Mülhausen liegt ein weniger tief eingesunkener Schollenkomplex, der als Horst von Mülhausen bezeichnet wird[7]. Er wird im Westen (jenseits des Illflusses) begrenzt durch den Graben von Dannemarie, der südlichen Fortsetzung des Kalibeckens, und im Osten vom Sierentzer Graben, dessen Westrand durch den Steilrand des Sundgaus über der Rheinebene markiert wird. Im Relief der Landschaft tritt der Horst von Mühlhausen als schwache NNW-SSO streichende Aufwölbung in Erscheinung (Abb. S. 97 bei SITTLER, s. Fußnote 7). Dass im großen Steinbruch der Zementfabrik Altkirch die sonst in der Tiefe verborgenen untersten Schichten des Oligozäns zu Tage treten, zeigt, dass man sich hier noch im Bereich des Horstes befindet.

Ein reich verzweigtes Gewässernetz gliedert den Sundgau. Dabei fällt die einheitliche SW-NO-Orientierung der Flüsse und Bäche südlich der Linie Dannemarie-Wahlbach auf. Ill, Larg, Thalbach u. a. folgen breiten Tälern eines älteren Flusssystems und haben erst bei fortgeschrittener Absenkung des Rheingrabens (im Oberpliozän) nördlich der genannten Linie ihren Weg nach NO gefunden[8]. Auffallend ist die oft zu beobachtende Asymmetrie der Talhänge, die bei (Süd-)Westexposition steil und steinig, auf der Gegenseite dagegen lössbedeckt und schwächer geböscht sind. Die steileren nordöstlichen Talflanken wurden durch die mit den vorherrschenden Westwinden verbundenen Niederschläge angegriffen, so dass hier die sanft geböschte Lösslehmdecke der gegenüberliegenden Talseite weitgehend fehlt[9]. Bemerkenswert ist auch, dass alle Sundgaubäche, die vom Hügelland im Osten in die Rheinebene treten, in deren durchlässigen Schottern versinken, bevor sie den Rhein erreichen.

Die den Sundgauhügeln im Osten vorgelagerte Ebene besteht aus den Schottern, die der Rhein in der letzten Kaltzeit in den Oberrheingraben verfrachtet hat. Teilweise hat er sie, sich nacheiszeitlich eintiefend, wieder ausgeräumt. So lassen sich die (ältere, höhere) Niederterrasse und die (jüngere, tiefere) Talaue unterscheiden. Der vermittelnde Terrassenrand, einst ein Rheinufer, heißt Hochgestade (diesem folgt z. B. die Rue des Acacias in St. Louis). Die Niederterrasse selbst weist wieder verschiedene Niveaus mit entsprechenden Terrassenrändern auf. Hüningen und Village Neuf liegen in der Talaue, St. Louis größtenteils auf der Niederterrasse, Hésingue ebenfalls, aber hier bedecken Schwemmlehme vom Hügelrand die Schotter. An den Hügelrändern über der Rheinebene bezeugen Schotterreste der vorletzten Kaltzeit (sog. Hochterrassenschotter der Risskaltzeit), dass damals das Rheinbett noch nicht so weit eingetieft war. In noch höherer Lage befinden sich sog. Deckenschotter, Material, das der Rhein im Altpleistozän (im älteren Eiszeitalter) hier deponierte[10].

Im Süden umfasst der Sundgau noch die Bürgerwald-, Flühen- und Blochmont/Blauenkette, die zum Faltenjura gehören, der hier am Südrand des Oberrheingrabens besonders weit nach Norden reicht. Hier bauen die viel älteren Ober- und Mitteljurakalke (Malm- und Doggerkalke), die im oberen Miozän aufgefaltet wurden, die Landschaft auf.  

Grafen im SundgauBearbeiten

LiutfridenBearbeiten

Die Liutfriden waren eine Linie des Geschlechts der Etichonen und stellten im 9. und 10. Jahrhundert die Grafen des Sundgau.

  • Hugo, Graf im Sundgau, 866/69 Laienabt von Münster-Granfelden
  • Liutfrid, 876/902 bezeugt, Graf im Sundgau, Bruder Hugos
  • Liutfrid, 986 Graf im Sundgau, vermutlich Urenkel des vorgenannten Liutfrids
  • Otto I. von Habsburg († 28. Juni 1046), Graf im Sundgau, Sohn der Ita von Lothringen und des Radbot

SundgaugrafenBearbeiten

Von 1125 bis 1324 waren die Grafen von Pfirt die Herren des Sundgau.

Landvögte im SundgauBearbeiten

  • Martin Malterer, X 1386 bei Sempach, 1381/84 österreichischer Landvogt im Elsass, Sundgau und Breisgau
  • Walter von der Altenklingen, † 1394/95, 1381/85 Landvogt im Aargau, Thurgau und Schwarzwald, 1386 Landvogt im Elsass und Burgund (Sundgau)
  • Friedrich III. von Teck, † 1390, 1359 österreichischer Landvogt in Schwaben, Elsass, Sundgau, Thurgau und Aargau (Zähringer)
  • Friedrich IV., † 1413, Sohn Friedrichs III., 1391 Herzog von Teck, Landvogt im Elsass (Zähringer)
  • Johann von Ochsenstein, 1384 Landvogt im Elsass und Sundgau, X 1386 bei Sempach
  • Smassmann (Maximin I.) von Rappoltstein, † 1451, 1406/08 österreichischer Landvogt im Elsass und Sundgau
  • Smassmann (Maximin I.) von Rappoltstein, † 1451, 1432/37 2. Mal österreichischer Landvogt im Elsass und Sundgau
  • Wilhelm I., † 1507, Herr von Rappoltstein, 1476/82 Landvogt in den vorderösterreichischen Landen
  • Wilhelm I., † 1507, Herr von Rappoltstein, 1486/87 2. Mal Landvogt in den vorderösterreichischen Landen
  • Rudolf Graf von Sulz, † 1535, Landgraf im Klettgau, 1520 königlicher Statthalter von Württemberg, 1523/35 Statthalter der vorderösterreichischen Lande

WeblinksBearbeiten

Commons: Sundgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. siehe z. B. Klaus Malettke: Richelieu: Ein Leben im Dienste des Königs und Frankreichs. Verlag Ferdinand Schöningh, 2018, S. 735
  2. Carte géologique de la France. Abgerufen am 28. März 2021.
  3. P. Meyer, G. Bienz: Sundgau. In: Geographischer Exkursionsführer. Band 09. Basel 1982, S. 11.
  4. E. Claer: Les étangs du Sundgau. 2010, abgerufen am 28. März 2021.
  5. C. Sittler: Le Sundgau, aspect géologique et structural. Abgerufen am 28. März 2021.
  6. O.F.Geyer: Die Hochrhein-Regionen zwischen Bodensee und Basel. In: Sammlung geologischer Führer. Band 94. Berlin-Stuttgart 2003, S. 183–187.
  7. C.Sittler: Le Sundgau, aspect géologique et structural. Abgerufen am 28. März 2021.
  8. P.Meyer, G. Bienz: Sundgau. In: Geographischer Exkursionsführer der Region Basel. Band 09. Basel 1982, S. 20.
  9. P. Meyer, G.Bienz: Sundgau. In: Geographischer Exkursionsführer der Region Basel. Band 09. Basel, S. 12.
  10. Geologischer Atlas der Schweiz GA25. Abgerufen am 28. März 2021.