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Osserain-Rivareyte

französische Gemeinde

Osserain-Rivareyte ist eine französische Gemeinde mit 211 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre (bis 2015: Kanton Saint-Palais).

Osserain-Rivareyte
Ozaraine-Erribareita
Wappen von Osserain-Rivareyte
Osserain-Rivareyte (Frankreich)
Osserain-Rivareyte
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre
Gemeindeverband Pays Basque
Koordinaten 43° 23′ N, 0° 58′ WKoordinaten: 43° 23′ N, 0° 58′ W
Höhe 44–187 m
Fläche 6,56 km2
Einwohner 211 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 32 Einw./km2
Postleitzahl 64390
INSEE-Code
Website www.osserain-rivareyte.fr

Ortseinfahrt von Osserain-Rivareyte

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Ozaraine-Erribareita. Die Bewohner werden entsprechend Ozaraintar und Erribareitar genannt.[1]

GeographieBearbeiten

Osserain-Rivareyte liegt ca. 40 km südöstlich von Bayonne im historischen Landstrich Basse-Soule (baskisch Pettarra) der historischen Region Soule im französischen Teil des Baskenlands an der Grenze zu den historischen Provinzen Nieder-Navarra und Béarn.

Umgeben wird Osserain-Rivareyte von den Nachbargemeinden:

Autevielle-Saint-Martin-Bideren Guinarthe-Parenties
Arbouet-Sussaute   Saint-Gladie-Arrive-Munein
Domezain-Berraute

Osserain-Rivareyte liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Der Saison, ein Nebenfluss des Gave d’Oloron, durchquert das Gebiet der Gemeinde zusammen mit seinem Nebenfluss, dem Ruisseau de Lauhirasse, und dessen Zuflüssen, dem Ruisseau de Lassombières und dem Ruisseau de Berd.[2]

GeschichteBearbeiten

Osserain-Rivareyte liegt zu beiden Seiten des Saisons, der die natürliche Grenze der Soule zum Béarn darstellt. Diese strategische Lage bestimmte auch die Geschichte der Doppelgemeinde. Die mautpflichtige Brücke über den Fluss in Osserain war die verkehrsreichste Verbindung zwischen den historischen Provinzen. Der französische König Ludwig XI. und der König von Aragón, Johann II., trafen sich hier am 12. April 1462. Fünfzig Jahre später zerstörte Johann III. von Navarra die Brücke, um einen Einfall spanischer Truppen zu verhindern. Die Geschichte der beiden ehemaligen Gemeinden in den folgenden Jahrhunderten bleibt unbekannt. Bei der Neuordnung der Territorien in der Französischen Revolution gehörten sie zunächst zum Kanton Domezain. Am 5. August 1842 haben sich die Gemeinden schließlich zur Gemeinde Osserain-Rivareyte zusammengeschlossen.[3]

Toponyme und Erwähnungen von Osserain waren:

  • Osfran und Ossran (1186),
  • Castrum de Osaranho (1256, Urkunden aus Came),
  • Lo Saranh (13. Jahrhundert, fors de Béarn, Manuskript aus dem 14. Jahrhundert),
  • Lo Sarainh und Osran (13. Jahrhundert, Manuskriptsammlung von André Duchesne, Band 114, Blatt 34 und 48),
  • Lo pont deu Ssaranh (1342, Urkunden des Domkapitels von Bayonne),
  • Osserannum (1352, Gascognische Rollen, Archiv der englischen Verwaltung der Gascogne),
  • Lo borc d’Ossaranh und la Magdalene d’Ossaranh (1400, Notare aus Navarrenx),
  • Osaranh (1542, Manuskriptsammlung des 16. bis 18. Jahrhunderts),
  • Ossarayn, Ossarainh und Ossaraing (1690),
  • Osserin (1750, Karte von Cassini) und
  • Osserain (1793 und 1801, Notice Communale bzw. Bulletin des Lois).[4][5][6][7]

Toponyme und Erwähnungen von Rivareyte waren:

  • Arribarreyte (1385, Notare aus Navarrenx),
  • Arribarreyte (1690),
  • Arriverreite (1750, Karte von Cassini),
  • Rivareyte (1793, Notice Communale),
  • Riverreite (1801, Bulletin des Lois) und
  • Rivareyte (1863, Dictionnaire topographique Béarn-Pays basque).[4][5][6][8]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von rund 500 nach dem Zusammenschluss der beiden ehemaligen Gemeinden Osserain und Rivareyte im Jahre 1842 reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zur Jahrtausendwende auf ein Niveau von rund 220 Einwohnern.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2016
Einwohner 283 256 255 260 266 221 229 241 211
 
Bis 1836 nur Einwohner von Osserain, ab 1841 von Osserain-Rivareyte
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[9][10]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Pfarrkirche von Osserain, gewidmet Maria Magdalena. Ein Hochwasser des Gave d’Oloron im Juni 1856 überschwemmte die frühere Pfarrkirche, genannt ‚Kapelle von Hôpital‘ nach dem gleichnamigen Ortsteil l’Hôpital direkt am Ufer des Saisons. Der Gemeinderat beschloss, eine neue Kirche im Zentrum der Gemeinde zu bauen, um besser vor Überschwemmungen gewappnet zu sein. Aufgrund der Instabilität des Untergrunds wurde der Neubau zwischen 1857 und 1859 auf einem Pfahlwerk errichtet, das von einer Betonschicht gehalten wird. Der französische Kaiser Napoleon III. wurde auf die Naturkatastrophe aufmerksam und schenkte der Pfarrgemeinde das Altarretabel, das heute noch die Pfarrkirche schmückt. Die Epoche erklärt den neugotischen Stil des Gebäudes mit dem spitzen Helm des Glockenturms über dem Eingangsvorbau und den Spitzbogenformen. Das einschiffige Langhaus wird von zwei Seitenkapellen flankiert.[11][12] Die Kirche besitzt ein Gemälde, das ein Marienbildnis mit Jesuskind darstellt. In der Szene präsentiert Maria ihren Sohn ihrer Verwandten Elisabet, die ihrerseits mit ihrem Sohn, Johannes dem Täufer, gezeigt wird. Dieser zeigt mit dem Finger auf Jesus als Zeichen, dass er in ihm den angekündigten Gottessohn erkennt. Die ikonografischen Elemente der Taube als Symbol des Heiligen Geistes und des Lamms Gottes werden ebenfalls im Bild illustriert.[13] Mit dem Neubau der Kirche wurde diese mit Glasfenster bestückt. Eines der Fenster stellt Eduard den Bekenner in einem neugotischen Dekor dar, zu erkennen an seiner Krone und am Zepter des Königreichs England. Seine große Verehrung gerade bei kleinen Leuten wegen seiner Großzügigkeit und Barmherzigkeit führte wohl zu der Entscheidung, die Kirche mit seinem Bild zu schmücken. Ein Motiv mit dem heiligen Eduard ist ansonsten selten in der Region anzutreffen.[14] Ein anderes Glasfenster zeigt ein Bild der heiligen Victoria von Rom mit einer Märtyrerpalme und einem Schwert, die Waffe, mit der sie enthauptet wurde. Im Zuge der Marienerscheinungen in Lourdes entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine stärkere Besinnung auf weibliche Heilige. Dies mag ein Grund für die Wahl für ein Bildnis der heiligen Viktoria zu sein.[15]
  • Abtei Saint-Elix. Sie wurde im Mittelalter gegründet als eine der ersten Zwischenstationen im Baskenland für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die Abtei bestand außerdem aus einem Hospital und einem Priorat. Die Aufgaben bestanden darin, die Pilger zu empfangen, ihnen eine Unterkunft zu bieten und sie oft auch in ihren letzten Lebensstunden zu begleiten, da viele aufgrund der Mühen der Wallfahrt zu Tode kamen. Rund um die Abtei entwickelte sich das Viertel l’Hôpital aufgrund der schützenden Wirkung und des Wohlstands, der von dem Priorat ausging. Vermutlich handelt es sich bei dem heutigen Abteigebäude um einen Neubau aus dem Jahre 1835 als Folge einer Beschädigung des früheren Baus während der Französischen Revolution.[16][17]
  • Schloss von Osserain. Es hat das charakteristische Aussehen eines Anwesens des 17. Jahrhunderts, obwohl es bereits seit dem 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Dies lässt den Schluss zu, dass das Schloss während der Hugenottenkriege zerstört worden war und anschließend restauriert, wenn nicht neu gebaut wurde. Über die Grundherren von Osserain ist vor dem 17. Jahrhundert wenig bekannt. Das Schloss gehörte zumindest eine Zeit lang einem Zweig der angesehenen Familie Gassion. Es war zu keiner Zeit leerstehend und wurde im Laufe der Zeit mit Pferdeställen, Meiereien, Weinfeldern und Mühlen ausgestattet.[18]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Ossau-Iraty

Die Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt auf Ackerbau und Viehzucht ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.[3] Osserain-Rivareyte liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Osserain-Rivareyte Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[19]

 
Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[20]
Gesamt = 28

BildungBearbeiten

Osserain-Rivareyte verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 38 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[21]

 
Logo des Jakobswegs

Sport und FreizeitBearbeiten

Der Fernwanderweg GR 654 von Namur in Belgien über Vézelay nach Montréal-du-Gers im Département Gers führt durch die Gemeinde.[22]

VerkehrBearbeiten

Osserain-Rivareyte wird durchquert von den Routes départementales 23, 140, 723, 933 (ehemalige Route nationale 133) und 2933.

PersönlichkeitenBearbeiten

Antoine Janin, geboren am 16. September 1775 in Chambéry (Département Savoie), gestorben am 15. Mai 1861 in Osserain-Rivareyte, war französischer Offizier. Er nahm u. a. an Napoleons Russlandfeldzug 1812 teil. In Moskau war er in diesem Zusammenhang Mitglied der Kommission zur Beurteilung der Brände in der Stadt. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Baron des Kaiserreichs (Baron de l’Empire) ernannt. Er zog sich in Osserain-Rivareyte aus dem militärischen Dienst zurück und wurde Bürgermeister der Gemeinde.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Osserain-Rivareyte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lieux - toponymie: Ozaraine-Erribareita (Pettarra (-a)) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  2. Ma commune : Osserain-Rivareyte (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  3. a b Osserain-Rivareyte (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  4. a b Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr) Universität Bordeaux. S. 231, 232. 2006. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  5. a b Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 128, 142. 1863. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  6. a b David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  7. a b Notice Communale Osserain-Rivareyte (fr) EHESS. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  8. Notice Communale Rivareyte (fr) EHESS. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  9. Populations légales 2006 Commune d’Osserain-Rivareyte (64435) (fr) INSEE. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  10. Populations légales 2014 Commune d’Osserain-Rivareyte (64435) (fr) INSEE. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  11. Église Sainte-Marie-Madeleine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  12. église paroissiale Sainte-Marie-Madeleine (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  13. Tableau de la Vierge à l’Enfant dans l’église Sainte-Marie-Madeleine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  14. Vitrail de saint Édouard (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  15. Vitrail de sainte Victoire (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  16. Abbaye Saint-Elix (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  17. Vieux quartier de l’Hôpital (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  18. Château d’Osserain (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  19. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  20. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune d’Osserain-Rivareyte (64435) (fr) INSEE. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  21. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  22. GR® 654 - le chemin de Saint-Jacques-de-Compostelle via Vézelay (fr) Fédération française de la randonnée pédestre. Abgerufen am 24. Oktober 2017.