Heiliger Geist

Verständnis des Gottes in verschiedenen Religionen

Der Heilige Geist (altgriechisch ἅγιον πνεῦμα hágion pneûma oder πνεῦμα τὸ ἅγιον pneûma tò hágion, lateinisch Spiritus Sanctus[1]) ist im Christentum eine der drei Personen der göttlichen Trinität, wie es im Nicäno-Konstantinopolitanum, einem wichtigen altkirchlichen Bekenntnis, formuliert wurde. Der Heilige Geist, oft Geist Gottes genannt, ist Gott, keine eigenständige Gottheit oder Substanz. An Pfingsten feiert die Christenheit das Kommen des Heiligen Geistes. Bereits im Alten Testament ist vom Geist Gottes die Rede.

Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes (Petersdom, Cathedra Petri, Gian Lorenzo Bernini)

Der Heilige Geist in der BibelBearbeiten

Tanach und Altes TestamentBearbeiten

Im Tanach bedeutet das weibliche Substantiv (hebräisch רוּחַ ruach), mit dem später der „Geist“[2] bezeichnet wird, zunächst „Wind“ (z. B. Ex 14,21 EU), dann auch „Hauch“, „Atem“ (Ps 33,6 EU; Ez 37,5–14 EU). In anderen Zusammenhängen bedeutet es den geistigen Zustand, die Stimmung, die Haltung, Einstellung (Ex 35,21 EU; Esra 1,1 EU; Haggai 1,14 EU). Die Haltung eines Menschen, seine ruach, gilt in gewisser Weise als selbstständiges Wesen. Sie kann sich ausbreiten, auf einen anderen Menschen überspringen und in ihn eindringen.

Der zunächst auf Menschen angewendete Begriff des Geistes wurde entsprechend der menschenähnlichen Gottesauffassung auf Gott übertragen (Jes 40,13 EU). Nur sehr selten hebt der Tanach die Zugehörigkeit des Geistes zu Gott durch das Attribut „heilig“ hervor (Ps 51,13 EU; Jes 63,10f. EU; Weish 1,5 EU); meist spricht er vom „Geist Gottes“: ruach JHWH – „Atem des Herrn“; ruach ha-Elohim – „Gottesatem“; ruchaká – „dein Atem“. Diese Ausdrücke bezeichnen die wirkmächtige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen. Der Begriff „Geist Gottes“ ist insbesondere auf Israel und die Propheten bezogen, findet aber auch auf die ganze Schöpfung Anwendung.

Die Begriffskombination ruach ha-qodesh erscheint in den hebräischen Schriften einmal als ruach qodesho („sein heiliger Geist“, Jes 63,10–11 EU) und einmal als ruach qodeshcha („dein heiliger Geist“, Ps 51,13 EU). Die Kombination von ruach mit dem Gottesnamen oder der Gottesanrede ist dagegen häufig. Zu den bedeutsamsten Aussagen zählen:

In Jesaja 63,14 EU erscheint „der Geist des Herrn“ unmittelbar neben „sein Heiliger Geist“ (ruach qodesho).

Weitere Aussagen finden sich in den Apokryphen, vor allem in der Weisheitsliteratur.

Neues TestamentBearbeiten

Im griechischen Neuen Testament erscheint der Begriff „Heiliger Geist“ (πνεῦμα ἅγιον pneûma hágion) rund einhundert Mal. Im Johannesevangelium wird er auch Paraklet (παράκλητος, „Tröster“, „Beistand“) genannt. Insbesondere folgende Stellen sind in der Theologie des Heiligen Geistes von größerer Bedeutung:

  • Maria empfängt Jesus durch den Heiligen Geist (Mt 1,18–20 EU, Lk 1,35 EU).
  • Der Heilige Geist kommt bei der Taufe auf Jesus herab (Mt 3,13–17 SLT).
  • Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium: Der Heilige Geist ist Beistand für die Jünger, Lehrer an Jesu Stelle und „Geist der Wahrheit“. (Joh 14,16–17; 26 EU, Joh 16,13–16 EU).
  • Der Missions- und Taufbefehl: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19 EU).
  • Das Pfingstereignis: Nach Jesu Abschied kommt der Heilige Geist auf die Jünger herab, und sie beginnen zu predigen (Apg 2,1–13 EU).
  • Der Heilige Geist kann durch das Hören der Glaubensbotschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus empfangen werden, nicht aufgrund von Taten (Apg 10,44 EU, Gal 3,1–6 EU).
  • Wer sich in diesem Glauben taufen lässt, empfängt den Heiligen Geist Apg 2,38 EU.
  • Der Heilige Geist wohnt in den Christen 1 Kor 3,16 EU.
  • Das Leben der Christen im Geist (RömEU).
  • Die Gaben des Heiligen Geistes (Röm 12 EU, 1 Kor 12 EU).
  • Die Frucht des Geistes (Gal 5,22 EU).

Das Christentum hat auch verschiedene alttestamentliche Stellen auf den Heiligen Geist bezogen, insbesondere die Weissagung, dass Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießen wird in Joel 3,1–5 SLT; und die Erwähnung in der Schöpfungsgeschichte: „Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (Genesis 1,2 EU). Im weiteren Verlauf der biblischen Geschichte waren es einzelne Personen, die nach christlicher Auslegung besonders mit dem Geist Gottes erfüllt waren, z. B. Josua (Dtn 34,9 EU).

Verständnis des Heiligen Geistes in verschiedenen ReligionenBearbeiten

JudentumBearbeiten

Ruach HaQodesh, (hebräisch רוח הקודש ruach ha-kodesh) wörtlich „Atem des Heiligen“, „heiliger Wind“, sinngemäß der Heilige Atem (=Geist), auch als Ruach JHWH („Atem Adonais“) bezeichnet, wird im Tanach allegorisch gebraucht. Der Heilige Geist wird im Judentum als die Kraft Gottes, nicht als eine göttliche Person betrachtet und entsprechend auch nicht als Person angerufen. Diese Kraft kann von Menschen Besitz ergreifen und sie bevollmächtigen.

Hinsichtlich der Genderproblematik konnte eine Analyse des Alten Testaments durch Manfred Dreytza (1998) zeigen, dass das Wort Ruach dort insgesamt 387 Mal[3] auftauchte, in 200 Fällen seines Auftretens wurde es in grammatikalisch femininem Sinn gebraucht, in 63 Fällen in maskuliner Form, der Rest blieb unklar.[4]

Es war die rabbinische Literatur, deren Ursprünge in der pharisäischen Bewegung lag und die sich nach dem jüdisch-römischen Krieg, der Eroberung von Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. und der Zerstörung des zweiten Herodianischen Tempels immer weiter herausdifferenzierte und die das Verhältnis von der Ruach HaQodesh und den jüdischen Propheten thematisierte. Im Sota u. a., einem Traktat der Mischna, wird konstatiert, dass die Ruach HaQodesh mit den Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi aus dem Volk Gottes verschwunden sei.[5] Die Ruach HaQodesh kann nach dem pharisäischen Gelehrten Hillel auf dem Volk Israel als Ganzes ruhen. Im Midrasch wird wiederholt die Auffassung vertreten, dass jeder Mensch den ‚heiligen Atem‘ erfassen kann (Tanna de-be Elijahu 10).

ChristentumBearbeiten

Alte KircheBearbeiten

Die Alte Kirche ging einen langen Weg der Lehrentwicklung auch im Blick auf den Heiligen Geist; der Diskurs fand in den altkirchlichen Bekenntnissen seinen Niederschlag.

Der Heilige Geist ist im Christentum „eins“ mit Gott-Vater und Gott-Sohn und wird zugleich als eine der drei Personen oder Hypostasen Gottes resp. als dritte Person des dreieinen Gottes verstanden (siehe Trinität). Vor der Etablierung des trinitarischen Dogmas war dies umstritten, insbesondere bei der Gruppe der Pneumatomachen im 4. Jahrhundert. Heilig wird im Sinne von göttlich gebraucht, um den Geist Gottes von anderen Geistwesen zu unterscheiden.

Die Christen fast aller Kirchen feiern 50 Tage nach Ostern Pfingsten als den Tag, an dem die Jünger Jesu „mit dem Heiligen Geist erfüllt“ (Apg 2,4 EU) und zur Verkündigung des Evangeliums bevollmächtigt wurden (Apg 2,11 EU, Apg 4,8–10 EU).

Der Filioque-StreitBearbeiten

Der sogenannte Filioque-Streit, das heißt die Auseinandersetzung, ob der Heilige Geist von Gott Vater oder von Gott Vater und Gott Sohn ausgeht, war eine entscheidende Unstimmigkeit zwischen östlicher und westlicher Kirche und stellt noch heute einen wichtigen dogmatischen Unterschied zwischen der römisch-katholischen Kirche und den aus ihr erwachsenen reformatorischen Kirchen einerseits und den orthodoxen Kirchen andererseits dar. Die Westkirche hält im Allgemeinen an dem filioque fest, betont also Ursprung und Herkunft des Heiligen Geistes mittels einer Hauchung aus Gott Vater und Gott Sohn. Die Ostkirche bewahrt die ursprüngliche Textfassung des Nicäno-Constantinopolitanums und betont die Gott-Vater und Gott-Sohn gleichgestellte Göttlichkeit des Geistes.[6]

Römisch-katholische KircheBearbeiten

 
Das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus dem Vater und dem Sohn; Altarbild aus Saint-Marcellin, Boulbon (Provence, um 1450; heute im Louvre)

Nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche geht der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn als einem einzigen Prinzip durch „eine einzige Hauchung“ hervor. Im Unterschied zum Sohn, der durch „Zeugung“ aus dem Vater hervorgeht, geht der Geist den Weg der Hauchung aus dem Vater und dem Sohn.

Die römisch-katholische Kirche kennt wie die orthodoxen Kirchen das Sakrament der Firmung. Darin empfängt der Firmling die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die dessen Früchte hervorrufen sollen. Die Firmung wird meist Jugendlichen von einem Bischof gespendet, im Gegensatz zu den orthodoxen Kirchen, wo sie sofort nach der Taufe durch den Priester gespendet wird und den erwachsenen Katechumenen, denen meist alle drei Initiationssakramente in einer einzigen Feier gespendet werden.

Anglikanische KircheBearbeiten

Die anglikanische Kirche ist aus der westlichen Tradition hervorgegangen; ihr Credo enthält darum das Filioque. Mit Blick auf die Orthodoxie und nach vorbereitenden Beschlüssen der Lambeth-Konferenz 1978[7] und 1988[8] beschlossen die Primasse der verschiedenen Kirchenprovinzen 1993, dass in künftigen Ausgaben liturgischer Bücher das Filioque nicht mehr verwendet werden solle.[9] Die amerikanische Episcopal Church fasste für sich 1994 denselben Beschluss.[10] Beide Beschlüsse blieben folgenlos.[11]

Auch in der anglikanischen Kirche wird die Firmung vom Bischof durch Auflegen der Hände gespendet, damit der Firmling im Heiligen Geist gestärkt wird.

Evangelische KirchenBearbeiten

Von ihrer gemeinsamen Wurzel her sind die evangelischen Kirchen vom Filioque ähnlich geprägt wie die katholische Kirche.[12]

In der kirchlichen Praxis spielt das Handeln des Heiligen Geistes eine zentrale Rolle bei der Konfirmation, die seit der Ziegenhainer Zuchtordnung von 1539, beeinflusst von Martin Bucer, von Hessen aus ihren Siegeszug durch die evangelischen Landeskirchen angetreten hat.

Aus dem reformatorischen Christentum hervorgegangene Bewegungen, die die Erfahrung mit dem Heiligen Geist und die Lehre über ihn stark betonen, sind ab 1906 die Pfingstbewegung (s. u.) und seit den 1960er Jahren die Charismatischen Erneuerungsbewegungen.[13]

Im 20. Jahrhundert kam es im evangelischen Bereich zur Bildung neuer Gemeinschaften, die sich meistens verselbständigten; diese Vorgänge werden zusammenfassend als Pfingstbewegung bezeichnet,[14] besonders in den USA. Mittlerweile verzeichnen diese in Afrika, Asien und Südamerika den größten Zulauf an Mitgliedern. Das Wirken des Heiligen Geistes wird in ihnen antihierarchisch verstanden. Daher sind die einzelnen Gemeinden am Ort unabhängig und selbständig. Betont werden:

  • das Laienelement – es ist also nicht unbedingt nötig, dass die Vergabe von Ämtern an eine akademische Ausbildung geknüpft wird
  • die Lebendigkeit im Gottesdienst – was sich auf die Bildung eines neuen Liedgutes auswirkt
  • die Aufwertung der Kirchenglieder als Glaubensbildner – sie können Empfänger göttlicher Botschaften sein
  • die Vielfalt der Gaben und Dienste – nicht per Beauftragung, sondern per eigenem Gewahrwerden
  • heilende Kräfte – die im Handeln der Gemeinschaft wirksam werden
  • ein simples Verständnis der Bibel – mündliche Tradition ist dabei prägender als theologisch-wissenschaftliche Forschung
  • hohe Spendenbereitschaft – was durchaus den Zehnten (10 %) des Brutto-Einkommens übersteigen kann
  • missionarischer Lebensstil – sowohl global als auch lokal (gepaart mit sozialem Engagement)

Weitere GlaubensgemeinschaftenBearbeiten

Einige Konfessionen sprechen statt von Salbung oder Firmung von der Versiegelung mit dem Heiligen Geist (Katholisch-apostolische Gemeinden, Neuapostolische Kirche).

Christliche Glaubensgemeinschaften, die nicht an das Dogma der Trinität glauben (Nichttrinitarier), sehen den Heiligen Geist nicht als Person, sondern als Gottes wirksame Kraft.

IslamBearbeiten

Die Trinitätslehre, die von fast allen christlichen Glaubensgemeinschaften vertreten wird, ist aus islamischer Sicht ein Hauptkritikpunkt, da sie nach islamischem Verständnis dem Monotheismus widerspricht. In der Sure 4:171:

„Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, dass er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört alles, was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter.“

Der Trinitätsbegriff des Christentums wird von islamischer Seite vielfach als eine ‚Gott-Dreiheit‘, bestehend aus dem Schöpfer, Jesus und Maria missinterpretiert. Daher stelle sie eine Schirk (Beigesellung eines anderen Wesens neben Gott) dar, was einem Vielgötterglauben entspräche.[15]

Der Ruh al-Qudus häufig mit dem ‚Heilige Geist‘ identifiziert (arabisch روح القدس Ruh al-Qudus) wird im Koran insgesamt viermal erwähnt, wo er als Mittel der göttlichen Handlung oder Kommunikation fungiert und damit nicht mit dem Heiligen Geist des ‚Trinitismus‘ identisch ist. So in den Suren 2, 5, 16 (al-Baqara ayah 87, al-Baqara ayat 253, al-Māʾida ayah 110 und an-Nahl ayah 102).

Die muslimische Interpretation des Heiligen Geistes stimmt im Allgemeinen mit anderen Interpretationen überein, etwa die der Thora und des Neuen Testaments. Ferner bezieht sich der Koran auf rūḥ als Ruh al-qudus (arabisch روح القدس , „der heilige Geist“ " oder „Geist der Heiligkeit“) und al-ruh al-amin („der treue oder vertrauenswürdige Geist“).

Nach sunnitischer Auffassung des Islam wird der Erzengel Djibril auch als Ruh al-Qudus / روح القدس / ‚Geist der Heiligkeit‘ bezeichnet. Vergleiche hierzu die islamische Sichtweise der Trinität und Gabriel (Erzengel).

Im schiitischen Islam wird Ruh al-Qudus als etwas beschrieben, das mächtiger sei als Erzengel Djibril oder Erzengel Mika'il. Dieser Ruh al-Qudus wurde zu Muhammad geschickt um ihn zu informieren und zu leiten. In einigen schiitischen Traditionen, wird Ruh al-Qudus als einer der fünf Geister[16] gesehen durch die ein Imam inspiriert wird. Im Gegensatz zu den anderen vier Geistern, sei er immer wachsam und verfügbar, um die Imam zu jedem Thema zu informieren.[17] Uneinigkeit besteht darüber, ob ruh al-Qudus ein Engel ist.

PolytheismusBearbeiten

Zum Begriff des Heiligen Geistes bestehen Parallelen in anderen Religionen. Das Konzept „Hagion pneuma“ findet sich in sehr ähnlicher Form bereits in vorchristlicher Zeit in griechischen und altindischen religiösen und philosophischen Abhandlungen.

Das schamanische Pantheon kennt bei manchen Völkern ebenfalls höchste Geistwesen, denen alle anderen geistigen Entitäten untergeordnet sind. Dies ist aber bei den verschiedenen nord- und zentralasiatischen Völkern nicht durchgängig der Fall.

Geistliche Schriften und HymnenBearbeiten

Der einflussreichste Text über den Heiligen Geist überhaupt ist die 79 Kapitel umfassende Spätschrift des Basilius von Caesarea Peri tou hagiou pneumatos („über den Heiligen Geist“). Weitere wichtige Texte der Alten Kirche sind die fünfte theologische Rede Über den Heiligen Geist des hl. Gregor von Nazianz und De Trinitate des Kirchenvaters Augustinus.

Es gibt zahlreiche Hymnen, in denen der Heilige Geist direkt angeredet wird, beispielsweise Nunc sancte nobis spiritus des hl. Ambrosius, die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus (Komm herab, o Heilger Geist), Komm, Schöpfergeist oder das Veni Creator Spiritus von Rabanus Maurus, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott nach der Pfingstantiphon Veni Sancte Spiritus, imple tuorum corda fidelium, fortgesetzt von Martin Luther, Zieh ein zu deinen Toren von Paul Gerhardt, Weihe an den Heiligen Geist (nach Pius X.), oder Heiliger Geist, der Sieg ist dein (von Pius XI.).

Symbole für den Heiligen GeistBearbeiten

 
Darstellung des Heiligen Geistes als Taube (Deckengemälde in der Wiener Karlskirche, von Johann Michael Rottmayr, 18. Jhd.)

Thomas C. Oden[18] führt die folgenden neutestamentlichen Symbole und Metaphern für den Heiligen Geist auf, die in den Schriften der Kirchenväter und -lehrer aufgegriffen wurden:

Die umfassendste Zusammenstellung der Attribute des Heiligen Geistes findet sich beim Kirchenvater Basilius dem Großen.[20]

VerehrungBearbeiten

Viele Ordensgemeinschaften unterstellten sich dem Patrozinium des Heiligen Geistes, etwa die Spiritaner, die Dienerinnen des Heiligen Geistes oder der Orden vom Heiligen Geist. Insbesondere auf die Brüder vom Orden des Heiligen Geistes, die sich vor allem der Krankenpflege widmeten, gehen Gründungen von Heilig-Geist-Kirche, Heilig-Geist-Klöstern und -Hospitälern zurück, die dem Heiligen Geist geweiht wurden. (Zu den so benannten Einrichtungen siehe Heilig-Geist.)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Altkirchliche QuellenBearbeiten

SekundärliteraturBearbeiten

  • Michael Böhnke: Gottes Geist im Handeln der Menschen. Praktische Pneumatologie. Herder, Freiburg 2017.
  • Francis Chan: Der unterschätzte Gott: Den Heiligen Geist neu entdecken. Luqs, Francke, Marburg 2011, ISBN 978-3-86827-280-2 (Originaltitel: Forgotten God: Reversing our tragic neglect of the Holy Spirit).
  • Yves Congar: Der Heilige Geist. Freiburg i.Br. 1982, ISBN 3-451-19425-2.
  • Geschäftsführer der Katechismuskommission der VELKD (Hrsg.): Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Gütersloh 6. Aufl. 2000, ISBN 3-579-04900-3, S. 497–514.
  • Siegfried Großmann: Ich brauche täglich deine Kraft. Mit dem Heiligen Geist leben. Brunnen, Gießen 2004, ISBN 978-3-7655-5499-5 (2. Auflage 2014).
  • Daniel Munteanu: Der tröstende Geist der Liebe. Zu einer ökumenischen Lehre vom Heiligen Geist über die trinitarischen Theologien J. Moltmanns und D. Staniloaes. Neukirchen-Vluyn 2003.
  • Thomas C. Oden: Life in the Spirit. Systematic Theology Volume Three, Kapitel 1 und 2 (systematischer Überblick über den ökumenischen Konsens in der Pneumatologie).
  • Ludwig Ott: Grundriss der Katholischen Dogmatik. 11. Auflage mit Literaturnachträgen, nova & vetera, 2005, ISBN 3-936741-25-5.
  • James Innell Packer: Auf den Spuren des Heiligen Geistes. Im Spannungsfeld zwischen Orthodoxie und Charismatik. Brunnen, Gießen 1989, ISBN 3-7655-2413-1.
  • Heinrich Christian Rust: Geist Gottes – Quelle des Lebens: Grundlagen einer missionalen Pneumatologie. Neufeld, Schwarzenfeld 2013, ISBN 978-3-86256-032-5.
  • Werner H. Schmidt, Peter Schäfer, Klaus Berger, Wolf-Dieter Hauschild u. a.: Geist/Heiliger Geist/Geistesgaben I. Altes Testament II. Judentum III. Neues Testament IV. Dogmengeschichtlich V. Dogmatisch und ethisch VI. Praktisch-theologisch VII. Der philosophische Geistbegriff. In: Theologische Realenzyklopädie 12 (1984), S. 170–254 (umfassender wiss. Überblick).
  • Annegret Südland: Der Heilige Geist im Religionsunterricht. Empirische, exegetische, systematische und religionspädagogische Untersuchungen als Anregung für die Bildung von Religionslehrkräften. Beiträge zur Kinder- und Jugendtheologie, Bd. 44, kassel university press, Kassel 2019, ISBN 978-3-7376-0768-1. ([5] auf uni-kassel.de)
  • Reuben Archer Torrey: Der Heilige Geist. Sein Wesen und Wirken. Elmer Klassen, 1967; Herold, 1971 u. ö.
  • Thomas Weißenborn: Gott ganz nah: Der Heilige Geist und wir. Francke, Marburg 2003 und 2011, ISBN 978-3-86122-650-5.
  • Ulrich Winkler: Für eine pneumatologische Religionstheologie. SaThZ 11 (2007) 175-200 ([6] auf sbg.ac.at)

WeblinksBearbeiten

Wikiquote: Geist – Zitate
Commons: Heiliger Geist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Heiliger Geist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Bibliographie

Aktuelle einführende Darstellungen

  • Herbert Frohnhofen: Pneumatologie, Vorlesungsskript, Mainz 2009.
  • Helen Schüngel-Straumann: Art. Geist, in: Michaela Bauks, Klaus Koenen (Hgg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), 2007ff.

Katechetische Darstellungen

Weisheit [7]; Einsicht [8]; Rat [9]; Stärke [10]; Erkenntnis [11];

Ältere einführende Darstellungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. im Hebräischen bzw. der Tora findet sich der Begriff Ruach HaKodesh hebräisch רוח הקודש ruach ha-kodesh (siehe etwa Psalm 51) oder auch der Begriff Schechina (hebräisch שְׁכִינָה šəchīnāh) das ist die „Einwohnung“ oder „Wohnstatt“ Gottes oder auch als Inbegriff der Gegenwart Gottes (JHWH)
  2. weitere Bedeutungen um dieses Wort ruach (רוּחַ) sind „Hauch“, „Luftzug“, „Kraft“, „Wind“, „Brise“, metaphorisch noch „Geist“, „Mut“ oder „Gemütsverfassung“
  3. nach anderen Angaben 380 mal, siehe Hans Hermann Henrix: Israel trägt die Kirche: Zur Theologie der Beziehung von Kirche und Judentum. Bd. 17 Forum Christen und Juden, LIT Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-6431-4248-1, S. 220.
  4. Manfred Dreytza: Der theologische Gebrauch von Ruah im Alten Testament: Eine wort- und satzsemantische Studie. Brunnen, Gießen 1998, ISBN 978-3-7655-9358-1.
  5. Hans Hermann Henrix: Israel trägt die Kirche: Zur Theologie der Beziehung von Kirche und Judentum. Bd. 17 Forum Christen und Juden, LIT Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-6431-4248-1, S. 218–227.
  6. Jürgen Moltmann: Trinität und Reich Gottes. Zur Gotteslehre. Chr. Kaiser, München 1980, ISBN 978-3-4590-1630-3, S. 186.
  7. Resolutions from 1978: Resolution 35. Lambeth-Conference, archiviert vom Original am 27. November 2014; abgerufen am 16. Januar 2014 (englisch, siehe Punkt 3).
  8. Resolutions from 1988: Resolution 6. Lambeth-Conference, archiviert vom Original am 21. November 2013; abgerufen am 16. Januar 2014 (englisch, siehe Punkt 5).
  9. Anglican Consultative Council, ACC-9, Resolution 19, “Filioque Clause.”. Anglicancommunion.org. 5. Dezember 1991. Abgerufen am 25. April 2013.
  10. Resolution 1994-A028, “Reaffirm Intention to Remove the Filioque Clause From the Next Prayer Book.”. Episcopalarchives.org. Abgerufen am 25. April 2013.
  11. Siehe z. B. The Nicene Creed, Das Nicänum
  12. (s. o.:) Evangelischer Erwachsenenkatechismus, S. 506.
  13. (s. o.:) Evangelischer Erwachsenenkatechismus, S. 512f.
  14. Evangelischer Erwachsenenkatechismus, S. 511f.
  15. Michael Molthagen: Die »Islamische Charta« des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD). In: Islam und christlicher Glaube. Nr. 2, 2002, S. 3–4 (PDF; 106 kB). PDF; 106 kB (Memento vom 27. September 2013 im Internet Archive)
  16. ‚ru al-qudus‘ Geist der Heiligkeit, ‚ruh al-Iman‘ Geist des Glaubens, ‚ruh al-haiyat‘ Geist des Lebens, ‚ruh al-quwa‘ Geist der Kraft, ‚ruh as-sahwa‘ Geist der körperlichen Begierde
  17. Bärbel Beinhauer-Köhler: Fāṭima bint Muḥammad: Metamorphosen einer frühislamischen Frauengestalt. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-4470-4572-8, S. 184 ([1] auf books.google.de)
  18. Thomas C. Oden: Life in the Spirit, S. 41–47.
  19. „Daß der Geist mit einer Taube verglichen wird, läßt sich im visionären Kontext leicht erklären. ως ist die spezifische apokalyptische Vergleichspartikel, mit der Himmlisch – Unsichtbares durch Vergleichen als sichtbar vorgestellt wird. Innerhalb der Vision muß der Geist eine Gestalt, ein ειδος (vgl. Lk par.) haben für die Katabase des Geistes kommt nur der Vogel als das dem ουρανος, dem Luftraum zwischen Himmel und Erde zugehörige Geschöpf in Frage. Die Taube ist als angemessene Vergleichsgestalt ausreichend erklärt, „wenn man die Fülle der Assoziationen in Betracht zieht“, durch die die Taube im AT wie überhaupt auf vorderasiatischem (und griechischem) Boden seit Jahrtausenden mit dem Göttlichen verbunden war“ (H. Greeven, in: ThWb VI,68; vgl. E. Pax, Epiphaneia (München 1955) 23,26; E. R. Goodenough: Jewish Symbols in the Greco-Roman Period, Bd. VIII. New Haven 1956, S. 41–46; (R. Pesch: Das Markusevangelium, I. Teil. Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Freiburg 1976, S. 91f.))
  20. Basilius von Caesarea: Peri tou Hagiou Pneumatos (verfasst 374/6), besonders Kap. 19.