Olympische Sommerspiele 1936/Leichtathletik – Hochsprung (Frauen)

Der Hochsprung der Frauen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurde am 9. August 1936 im Olympiastadion Berlin ausgetragen. 17 Athletinnen nahmen teil.

Olympische Ringe
Bundesarchiv Bild 183-G00974, Berlin, Olympiade, Hochsprung, Elfriede Kaun.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin Hochsprung
Geschlecht Frauen
Teilnehmer 17 Athletinnen aus 12 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion Berlin
Wettkampfphase 9. August 1936
Medaillengewinnerinnen
Goldmedaille Ungarn 1918Ungarn Ibolya Csák (HUN)
Silbermedaille Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Dorothy Odam (GBR)
Bronzemedaille Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Elfriede Kaun (GER)
1932 1948

Olympiasiegerin wurde die Ungarin Ibolya Csák vor der Britin Dorothy Odam und der Deutschen Elfriede Kaun.

Bestehende RekordeBearbeiten

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Der Hochsprung wurde am 9. August mit allen Teilnehmerinnen gemeinsam durchgeführt. Die aufgelegten Sprunghöhen sind der Tabelle unten zu entnehmen.

Anmerkung: Mit welchem ihrer jeweils drei Versuche die Teilnehmerinnen die übersprungene Höhe bewältigten, ist bis einschließlich zur Höhe von 1,58 m nicht bekannt.

Wettbewerbsverlauf und ResultatBearbeiten

 
Dora Ratjen (DEU) wurde zunächst auf Platz vier gewertet. 1939 wurde das Geschlecht amtlich auf männlich und der Vorname auf Heinrich geändert, sodass eine Disqualifikation erfolgte.
 
Elfriede Kaun (DEU) gewann Bronze.
 
Die drei Medaillengewinnerinnen: Links die Siegerin Ibolya Csák (HUN), in der Mitte Elfriede Kaun (DEU), rechts die Britin Dorothy Odam

9. August 1936, 15.00 Uhr
Wetterbedingungen: sonnig, 21–22 °C, Windgeschwindigkeit 1,3–1,6 m/s[2]

Favoritin auf den Sieg war vor allem die Britin Dorothy Odam, spätere Dorothy Tyler, die vor den Spielen 1,65 m übersprungen hatte, was eigentlich die Einstellung des Weltrekordes bedeutet hätte. Aber ihre Leistung wurde offiziell nicht anerkannt.

Der Olympiasieg wurde im Stichkampf ermittelt, nachdem drei Springerinnen genau jene 1,60 m bewältigt hatten, welche die nicht nominierte Gretel Bergmann vor den Spielen übersprungen hatte – s.u. Die Ungarin Ibolya Csák schaffte dabei als einzige 1,62 m. Dorothy Odam gewann Silber und Bronze ging an die Deutsche Meisterin Elfriede Kaun. Der olympische Rekord von 1,65 m, aufgestellt durch Jean Shiley und Mildred Didrikson bei den vorangegangenen Spielen wurde nicht erreicht.[3]

Ibolya Csák errang die erste ungarische Goldmedaille einer Frau in der Leichtathletik.
Dorothy Odam und Elfriede Kaun gewannen die ersten Medaillen ihrer Länder im Hochsprung der Frauen.

Die/der Deutsche Dora Ratjen hatte mit 1,58 m den vierten Platz belegt. Zwei Jahre später wurde festgestellt, dass sie/er männliche Genitalien hatte, die während des Wettkampfs nach oben gebunden worden waren. Daraufhin wurden ihr/ihm sämtliche erzielte Resultate sowie das Startrecht für weitere Frauen-Wettkämpfe aberkannt.

Platz Name Nation 1,30 m 1,40 m 1,50 m 1,55 m 1,58 m 1,60 m 1,62 m Endresultat Anmerkung
1 Ibolya Csák Ungarn 1918  Ungarn o o o o o xo xxx 1,60 m 1,62 m im Stechen mit Dorothy Odam und Elfriede Kaun
2 Dorothy Odam Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich o o o o o xo xxx 1,60 m 1,60 m im Stechen mit Ibolya Csák und Elfriede Kaun
3 Elfriede Kaun Deutsches Reich NS  Deutsches Reich o o o o o xo xxx 1,60 m ogV im Stechen mit Ibolya Csák und Dorothy Odam
4 Marguerite Nicolas Dritte Französische Republik  Frankreich o o o o o xxx 1,58 m
5 Fanny Koen Niederlande  Niederlande o o o o x 1,55 m
Doris Carter Australien  Australien o o o o x
Annette Rogers Vereinigte Staaten 48  Vereinigte Staaten o o o o x
8 Alice Arden Vereinigte Staaten 48  Vereinigte Staaten o o o x 1,50 m
Margaret Bell Kanada 1921  Kanada o o o x
Nellie Carrington Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich o o o x
Kathlyn Kelley Vereinigte Staaten 48  Vereinigte Staaten o o o x
Wanda Nowak Osterreich  Österreich o o o x
13 Jantina Koopmans Niederlande  Niederlande o o x 1,40 m
Junko Nishida Japan 1870  Japan o o x
Catherine Stevens Belgien  Belgien o o x
16 Irja Lipasti Finnland  Finnland o x 1,30 m
DSQ Dora Ratjen Deutsches Reich NS  Deutsches Reich o o o o o

Sport im Zeichen des NationalsozialismusBearbeiten

Ein besonderes Kapitel war der Umgang der deutschen Sportverbände mit seinen jüdischen Sportlern. Dies wird besonders deutlich am Beispiel der Hochspringerin Gretel Bergmann. Ihr wurden immer wieder schon in den Vorjahren Steine in den Weg gelegt, um ihren Sport ausüben zu können. Dennoch gelang ihr im Olympiajahr mit 1,60 m die Einstellung des Deutschen Rekords. Aber das nationalsozialistische Regime sorgte dafür, dass sie bei den Deutschen Meisterschaften nicht teilnehmen durfte. Für die Olympischen Spiele wurde sie erst recht nicht nominiert. Sie emigrierte bald darauf in die Vereinigten Staaten, wo sie noch zwei Jahre lang ihren Sport sehr erfolgreich ausübte.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 308f

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 308
  2. Offizieller Bericht S. 696, engl. (PDF)
  3. SportsReference (engl.)
  4. Jüdische Olympia-Hoffnung, Deutschlandfunk 13. April 2009, abgerufen am 11. August 2017