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Linda Teuteberg

Deutsche Politikerin und Generalsekretärin der FDP, MdB
Linda Teuteberg (2018)

Linda Teuteberg (* 22. April 1981 als Linda Merschin in Königs Wusterhausen) ist eine deutsche Rechtsanwältin und Politikerin (FDP). Seit 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages, Obfrau der FDP-Fraktion im Innenausschuss sowie deren migrationspolitische Sprecherin. Zuvor gehörte Teuteberg von 2009 bis 2014 als Abgeordnete dem Landtag Brandenburg an. Sie ist seit 2011 gewähltes Mitglied im FDP-Bundesvorstand und seit dem 26. April 2019 FDP-Generalsekretärin.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und BerufBearbeiten

Linda Teuteberg wuchs in Görsdorf bei Storkow als Tochter einer Lehrerin und eines Ingenieurs auf. Ihr Abitur absolvierte sie am Katholischen Gymnasium Bernhardinum in Fürstenwalde/Spree.

Teuteberg studierte als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam und schloss das Studium mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen ab. Während und nach dem Studium arbeitete sie als studentische und wissenschaftliche Mitarbeiterin an Lehrstühlen für Öffentliches Recht sowie Strafrecht der Universität Potsdam. Für eine rechtsphilosophische Arbeit zur Thematik „Gerechtes Steuersystem“ wurde sie 2003 mit dem ersten Preis beim Studierendenwettbewerb des Bundesinnenministeriums in der Kategorie Wissenschaftliche Ausarbeitung sowie mit dem Wilhelm-von-Humboldt-Preis von der Vereinigung zur Förderung der Rechtsphilosophie e.V. in Potsdam geehrt.[2]

Teuteberg absolvierte den juristischen Vorbereitungsdienst beim Kammergericht[3] und legte 2013 das Assessorexamen ab.[4] Sie war im Bundesministerium für Bildung und Forschung beschäftigt[5] und ist als Rechtsanwältin zugelassen.[6]

PolitikBearbeiten

ParteiBearbeiten

Linda Teuteberg trat 1998 den Jungen Liberalen bei; im Jahr 2000 wurde sie FDP-Mitglied. Sie war Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen Brandenburg zur Landtagswahl 2009 und Landtagskandidatin der FDP Brandenburg (Platz 2 der Landesliste) im Wahlkreis Potsdam I. Sie ist Mitglied der Jungen Liberalen Brandenburg, in deren Bundesvorstand sie zuvor bereits Mitglied und als Pressesprecherin des Landesvorstands tätig war. Von 2009 bis 2013 war sie Mitglied des Landesvorstands der FDP Brandenburg, zuletzt als stellvertretende Vorsitzende. Ihre Fachgebiete sind die Ordnungs- und Finanzpolitik sowie die Innen- und Rechtspolitik.

Teuteberg ist seit 2011 Mitglied des Bundesvorstandes der FDP. Ihre Wiederwahl durch den Bundesparteitag im März 2013 führte in der brandenburgischen FDP zu Kritik, weil Teuteberg sich ohne Votum des Landesverbandes zur Wahl gestellt hatte und vom Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag Wolfgang Kubicki vorgeschlagen worden war. Die Landespartei hatte für die Position den Brandenburger Fraktionschef Andreas Büttner vorgesehen, der indes mit einem Stimmenanteil von 23,56 bzw. 20,52 % der Stimmen in zwei Wahlgängen auf dem Bundesparteitag den Einzug in das Gremium verfehlte.[7]

Am 17. April 2019 wurde sie vom FDP-Vorsitzenden Christian Lindner als Nachfolgerin für Nicola Beer für das Amt der FDP-Generalsekretärin vorgeschlagen. Die Wahl fand auf dem 70. ordentlichen FDP-Bundesparteitag statt.

MandateBearbeiten

Landtagsmandat (2009–2014)Bearbeiten

Teuteberg wurde am 27. September 2009 über die Landesliste in den Brandenburger Landtag gewählt. Im Wahlkampf erhielt sie Unterstützung u. a. von Hans-Dietrich Genscher.[8]

Teuteberg war im Landtag Mitglied des Rechtsausschusses, des Richterwahlausschüsse und der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg“, ferner stellvertretendes Mitglied der Ausschüsse für Haushalt und Finanzen, für Wirtschaft und für Europaangelegenheiten und Entwicklungspolitik. Teuteberg war rechts- und medienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Schwerpunkte von Teutebergs politischem Wirken sind die Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Wiedergutmachung des in der DDR verursachten Unrechts[9] und das Eintreten für eine liberale Wirtschaftspolitik. Teuteberg spricht sich dagegen aus, dass Kommunalbetriebe in Konkurrenz zu Privatunternehmen treten und sich wirtschaftlich betätigen können.[10] Teuteberg setzte sich für die Universität Potsdam ein, die nach Planungen der brandenburgischen Landesregierung die juristische Fakultät verlieren sollte. Schließlich engagiert sie sich dafür, das Wahlalter auf 16 Jahre herabzusetzen.[11]

Als Teuteberg sich im Herbst 2012 auf das zweite juristische Staatsexamen vorbereitete, behauptete FDP-Landeschef Gregor Beyer, Teuteberg komme ihren Pflichten als Abgeordnete in zeitlich zu geringem Maße nach.[12] Teuteberg wies die Anschuldigungen zurück[13] und erhielt Unterstützung von Fraktionskollegen: Teuteberg habe in der Fraktion „bis in die Einzelheiten“ alles abgesprochen.[14][15] Die Potsdamer Neuesten Nachrichten sprachen von „ehrabschneidenden“ Anschuldigungen und bezeichnete Beyer als „Diffamierer“.[16] Zur Landtagswahl 2014 trat sie nicht erneut an.[17]

Teuteberg war Mitglied der 15. Bundesversammlung, die am 18. März 2012 zusammentrat.

Bundestagsmandat (seit 2017)Bearbeiten

 
Linda Teuteberg im April 2019 im Deutschen Bundestag

Im November 2016 wurde Linda Teuteberg auf einem Landesparteitag zur Spitzenkandidatin der brandenburgischen FDP für die Bundestagswahl 2017 gewählt. Mit 57 Prozent der Delegiertenstimmen setzte sie sich gegen ihren Mitbewerber Axel Graf Bülow durch.[18] In Brandenburg erzielte die FDP 7,1 % der Zweitstimmen, in Teutebergs Wahlkreis 9,2 %;[19] Teuteberg erhielt 7,5 % der Erststimmen.[20]

Teuteberg ist Mitglied des Innenausschusses des Bundestages und dort Obfrau ihrer Fraktion. Zudem ist sie stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses[21] und in der FDP-Fraktion Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innen sowie Sprecherin für Migration.[22]

Politische PositionenBearbeiten

Zur Abschiebepraxis in Deutschland äußert sich Teuteberg wie folgt: „Die heutige Abschiebepraxis ist lebensfremd. Wer ausreisepflichtig ist, muss vor der Abschiebung vorübergehend in Abschiebehaft genommen werden können.“ Sie kritisiert die falsch verstandene Solidarität: „Ausreisepflichtige vor einer Abschiebung zu warnen oder ihnen beim Untertauchen zu helfen, ist weder edel noch eine Bagatelle.“[23]

Soziales EngagementBearbeiten

Linda Teuteberg ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie, dessen Ziel die Stärkung der Demokratie und die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und dem Unrecht des SED-Regimes ist,[24] sowie stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft, eines Vereins zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa.[25]

Teuteberg ist ferner Mitglied der Beiräte der Fördergemeinschaft Lindenstraße 54 und der Anlauf- und Beratungsstelle des Landes Brandenburg für ehemalige Heimkinder der DDR[26] sowie der Kuratorien des SC Potsdam und der Karl-Hamann-Stiftung.[27]

PrivatesBearbeiten

Teuteberg ist mit Björn Teuteberg verheiratet[28] und evangelisch.

SonstigesBearbeiten

Am 17. Februar 2013 gewann Teuteberg in Stefan Raabs Talkshow Absolute Mehrheit mit 39,9 % der Zuschauerstimmen.[29]

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Johannes Leithäuser: Linda Teuteberg zur neuen Generalsekretärin gewählt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. April 2019, abgerufen am 28. April 2019.
  2. Potsdamer Universitätszeitung Dezember 2003 – Personalia (abgerufen am 25. November 2009).
  3. linda-teuteberg.de:Homepage (abgerufen am 23. Februar 2013).
  4. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28. November 2013 (abgerufen am 26. Oktober 2014).
  5. Ulrich Thiessen: Linda Teuteberg auf Listenplatz eins.. In: Märkische Oderzeitung, November 2016 (abgerufen am 21. November 2016).
  6. Angaben auf der Homepage des Deutschen Bundestages (abgerufen am 19. Januar 2018).
  7. Liberale ließ sich in Bundesvorstand wählen. In: Märkische Allgemeine. vom 14. März 2013.
  8. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 9. September 2009 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  9. Badische Zeitung vom 16. Juli 2011 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  10. Lausitzer Rundschau vom 6. September 2011 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  11. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28. August 2010 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  12. Jan Treibel: Die FDP: Prozesse innerparteilicher Führung 2000-2012. Nomos Verlag, Baden-Baden, 2014, S. 216.
  13. Märkische Allgemeine vom 3. November 2012 (Memento vom 5. November 2012 im Internet Archive).
  14. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 30. Oktober 2012 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  15. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 7. November 2012 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  16. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 7. November 2012 (abgerufen am 23. Februar 2013).
  17. Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28. November 2013 (abgerufen am 26. Oktober 2014).
  18. Liberale starten in den Bundestagswahlkampf. In: FDP Landesverband Brandenburg. (fdp-brandenburg.de [abgerufen am 21. November 2016]).
  19. Der Bundeswahlleiter: Bundestagswahl 2017 – Ergebnisse für Brandenburg (abgerufen am 25. September 2017).
  20. Der Bundeswahlleiter: Bundestagswahl 2017 – Ergebnisse für den Wahlkreis 061 (abgerufen am 25. September 2017).
  21. Angaben auf der Homepage des Deutschen Bundestages (abgerufen am 1. Februar 2018)
  22. FDP-Fraktion: Besetzung Sprecher (abgerufen am 1. Februar 2018).
  23. Das Abschiebe-Debakel: BILD-Reporter dokumentieren das Scheitern. Abgerufen am 12. Februar 2019.
  24. Homepage des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie (abgerufen am 1. Februar 2013)
  25. Deutsche Gesellschaft e.V.: Vorstand und Kuratorium (abgerufen am 17. Januar 2018).
  26. Homepage der Anlauf- und Beratungsstelle (abgerufen am 26. Oktober 2014).
  27. Homepage der Karl-Hamann-Stiftung (Memento vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive) (abgerufen am 26. Oktober 2014).
  28. PNN-Serie: Potsdam vor der Bundestagswahl: Direktkandidatin Linda Teuteberg: Bestimmt liberal - Potsdam - PNN. In: pnn.de. 11. September 2017, abgerufen am 26. Oktober 2018.
  29. prosieben.de (abgerufen am 18. Februar 2013).