Wunsiedel

Gemeinde in Deutschland
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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wunsiedel
Wunsiedel
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wunsiedel hervorgehoben

Koordinaten: 50° 2′ N, 12° 0′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Wunsiedel im Fichtelgebirge
Höhe: 525 - 939 m ü. NHN
Fläche: 54,88 km2
Einwohner: 9259 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95632
Vorwahl: 09232
Kfz-Kennzeichen: WUN, MAK, REH, SEL
Gemeindeschlüssel: 09 4 79 169
Stadtgliederung: 30 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 6
95632 Wunsiedel
Website: wunsiedel.de
Bürgermeister: Nicolas Lahovnik (CSU)
Lage der Stadt Wunsiedel im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge
Martinlamitzer Forst-SüdMeierhöfer SeiteWeißenstadter Forst-SüdWeißenstadter Forst-NordTröstauer Forst-WestTröstauer Forst-OstSelbNeubauer Forst-SüdKaiserhammer Forst-OstVordorfer ForstSelbSelbHohenberg an der EgerHohenberg an der EgerMarktleuthenThierstein (Fichtelgebirge)SelbSelbWunsiedelWeißenstadtTröstauThiersheimSchönwald (Bayern)SchirndingRöslauMarktredwitzKirchenlamitzHohenberg an der EgerHöchstädt im FichtelgebirgeArzberg (Oberfranken)Bad AlexandersbadNagel (Fichtelgebirge)TschechienLandkreis TirschenreuthLandkreis BayreuthLandkreis HofKaiserhammer Forst-OstKarte
Über dieses Bild

Wunsiedel (bairisch Wousigl) ist die Kreisstadt des oberfränkischen Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge und liegt an der Bayerischen Porzellanstraße.

Wunsiedel ist Geburtsort des Schriftstellers Jean Paul und Austragungsort der alljährlichen Luisenburg-Festspiele. Sie ist eine von 13 leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern.

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

 
Lage von Wunsiedel im Tal der Röslau, Blick vom Nordhang des Katharinenbergs

Wunsiedel liegt im Zentrum des Fichtelgebirges im östlichen Oberfranken nahe der Grenze zur Oberpfalz auf der Selb-Wunsiedler-Hochfläche. Die Kernstadt befindet sich auf 525 m ü. NHN im Tal der Röslau, jedoch erstreckt sich das Gemeindegebiet bis zum Gipfel der Kösseine auf 939 m ü. NHN, an deren Fuß die Stadt liegt.[2] Unmittelbar südlich des Talbodens an der Röslau erhebt sich der 618 m hohe Katharinenberg mit der Ruine der Wallfahrtskirche Sankt Katharina. Der Berg wird als Bürgerpark genutzt.[3] Nördlich der Stadt liegt das Hochmoor Zeitelmoos, das heutzutage durch ein Naturschutzgebiet geschützt ist.

Wunsiedel bildet mit der Nachbarstadt Marktredwitz das gemeinsame Oberzentrum Marktredwitz-Wunsiedel[4]. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Hof (Saale) und Bayreuth, die jeweils circa 50 km von Wunsiedel entfernt sind.

 
Die Kirchenruine auf dem Katharinenberg

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt Wunsiedel hat 30 Ortsteile:[5]

Die Ortsteile Schönbrunn und Holenbrunn sind deutlich größer als die anderen. Schönbrunn mit Furthammer und vor allem Holenbrunn grenzen nahezu direkt an die Kernstadt an.

GeschichteBearbeiten

Geschichte bis 1890Bearbeiten

 
Überreste der Burg Wunsiedel in der Altstadt

Der Ort wurde erstmals 1163 als Sitz eines Ministerialen Adelbertus oder Albrecht urkundlich erwähnt und gehörte seinerzeit zum Verwaltungsbezirk Eger (Regio Egere). Im Jahr 1285 erhielt Burggraf Friedrich III. von Nürnberg die Lehnsherrschaft über die Burg Wunsiedel durch König Rudolf I. von Habsburg. Bereits 1326 wurden Wunsiedel die Stadtrechte durch Burggraf Friedrich IV. verliehen und 1328 durch Kaiser Ludwig den Bayern bestätigt. In der Folgezeit entwickelte sich Wunsiedel zum Zentrum des Bergbaus im Fichtelgebirge. Vornehmlich von 1250 bis 1450 profitierte die Stadt vom Zinnbergbau und erlangte trotz ihrer ungünstigen Verkehrslage große wirtschaftliche Bedeutung in der Region[6], insbesondere durch die Herstellung von Weißblech durch das ansässige Schmiedehandwerk, welches jedoch Ende des 15. Jahrhunderts auch als Folge der Hussitenkriege einbrach. 1430 konnten die Hussiten in der Schlacht am Katharinenberg von Hans von Kotzau geschlagen werden[7].

Während dieser Zeit der wirtschaftlichen Krise wurde von Eger aus der Versuch unternommen, die Stadt Wunsiedel und das umliegende Gebiet wieder unter die böhmische Herrschaft der Stadt Eger zu bringen. Jobst von Schirnding jedoch besiegte die Böhmen 1462 ebenfalls am Katharinenberg, sodass das Vorhaben misslang.

Die anhaltende Krise gipfelte während des Bauernkriegs 1525 schließlich in einem Aufstand der Wunsiedler Bevölkerung, jedoch konnte weder dadurch, noch durch die 1528 eingeführte Reformation die wirtschaftliche Lage verbessert werden.[8] Die Markgrafen, besonders Markgraf Georg Friedrich, der ab 1588 im Amt war, und der Wunsiedler Rat waren so gezwungen, die Situation für die Bürger zu verbessern. In dieser Zeit entstanden Bildungseinrichtungen wie etwa eine Lateinschule und es kam zu einem erneuten wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes, der jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg beendet wurde.

1504 wurde Wunsiedel, mittlerweile im Besitz der Hohenzollern, Teil des Sechsämterlandes und 1613 dessen Hauptort. Dem Amtshauptmann in Wunsiedel waren die Amtmänner in Hohenberg, Weißenstadt, Kirchenlamitz, Selb und Thierstein unterstellt (siehe auch Liste der Amtmänner des Sechsämterlandes). Der Ort entwickelte sich zum Verwaltungssitz und viele Beamtenfamilien siedelten sich in Wunsiedel an, auch eine Superintendentur befand sich in der Stadt.

Bis 1792 gehörte die Stadt zum hohenzollernschen Fürstentum Bayreuth und seit 1500 auch zum Fränkischen Reichskreis. Nach der Abdankung des letzten Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach stand sie von 1792 bis 1806 unter preußischer Verwaltung und war war vier Jahre von napoleonischen Truppen besetzt. 1810 kam Wunsiedel zum Königreich Bayern, wo es zum Obermainkreis gehörte, der schließlich 1837 in Oberfranken aufging.[9]

Da die schlechte Verkehrsanbindung trotz einer Eisenbahnverbindung nach Holenbrunn 1877 weiterhin bestehen blieb, bemühte sich Wunsiedel im 19. Jahrhundert, den Fremdenverkehr in der Region zu etablieren. Bereits 1790 wurde das Felsenlabyrinth auf der Luisenburg für den Tourismus erschlossen und auch der Katharinenberg wurde als Bürgerpark neugestaltet. Zur 100-Jahr-Feier der Erschließung der Luisenburg wurde im Jahr 1890 ein Bergfestspiel im Felsenlabyrinth aufgeführt, das sich schnell etablierte und aus dem die Luisenburg-Festspiele erwuchsen, die heute rund 150.000 Besucher pro Jahr anziehen.[10][11]

Brände in den Jahren 1476, 1547, 1607, 1636, 1644, 1646, 1657 und 1731 vernichteten jeweils Teile der Stadt. Nach dem letzten Großbrand im Jahre 1834, der zwei Drittel Wunsiedels zerstörte, erhielt die Stadt ein klassizistisches Stadtbild.

Geschichte ab 1890Bearbeiten

Im Jahr 1913 wurde die 1877 erbaute Nebenbahnlinie von Holenbrunn nach Wunsiedel bis nach Leupoldsdorf fortgesetzt. Der Personenverkehr wurde allerdings bereits 1975 wieder eingestellt, heutzutage befindet sich auf der ehemaligen Bahnlinie der Brückenradweg Bayern-Böhmen.[12]

Ab etwa 1890 hielt die Industrialisierung in Wunsiedel einzug, wie in vielen weiteren Orten der Region siedelten sich Porzellanfabriken in Wunsiedel an, allen voran die Firma Retsch. Im Jahre 1891 gegründet, produzierte sie bis 2005 Gebrauchsporzellan in Wunsiedel.[13] Auch die Textilindustrie konnte in Wunsiedel Fuß fassen, sodass die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte.[14]

Seit dem Suizid von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß (17. August 1987) veranstalteten Neonazis einen jährlichen Rudolf-Heß-Gedenkmarsch zu seinem Grab in Wunsiedel. Von 1991 an war der Marsch einige Male verboten, die Teilnehmer missachteten die Verbote jedoch. Die Antifa mobilisierte bundesweit zu Gegenveranstaltungen, zu denen anfangs Tausende, 1997 noch rund 600 Personen kamen.[15] 2004 erlaubten der Bayerische Verwaltungsgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht die „Gedenkmärsche“. Daraufhin kamen 2004 rund 4500 Neonazis nach Wunsiedel. Dortige Bürgerinitiativen organisierten Gegendemonstrationen. 2005 verboten Bayerische Verwaltungsgerichte den Aufmarsch aufgrund einer neuen Fassung des Volksverhetzungsparagraphen; 2009 bestätigte das Bundesverfassungsgericht letztlich diese Urteile (Wunsiedel-Entscheidung).[16] Am 23. September 2008 verlieh die Bundesregierung Wunsiedel auch für seinen Umgang mit dem Neonaziaufmarsch den Titel „Ort der Vielfalt“. Das Grab von Rudolf Heß wurde im Juli 2011 nach Ablauf des Pachtvertrages aufgelöst, der Leichnam exhumiert, verbrannt und seine Asche zerstreut, um die Pilgerfahrten von Neonazis zu beenden.[17]

Gleichwohl setzten diese ihre jährlichen Rudolf-Heß-Aufmärsche in Wunsiedel und andernorts (Quedlinburg, Rudolstadt, Spandau) fort. Für den 15. November 2014 verwandelten die Bewohner von Wunsiedel einen solchen Aufmarsch in den „unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“: Unter dem Motto „Rechts gegen Rechts“ wurde die Laufstrecke mit satirisch bedruckten bunten Bannern geschmückt und von Unterstützern aus der Region für jeden gelaufenen Meter 10 Euro an Exit Deutschland gespendet. Am Zielort wurden „Siegerurkunden“ an die Teilnehmer vergeben, auf denen ihnen Exit Hilfe beim Ausstieg aus der rechten Szene anbot.[18]

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Schönbrunn eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kamen die ebenfalls selbständigen Gemeinden Bernstein, Hildenbach und Holenbrunn hinzu.[19]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 9801 auf 9259 um 542 bzw. um 5,5 %.

PolitikBearbeiten

 
Rathaus Wunsiedel
Stadtratswahl Wunsiedel 2020
 %
50
40
30
20
10
0
43,1 %
15,3 %
14,7 %
10,5 %
8,9 %
4,1 %
3,4 %
ABW
Bu.Li.Wu

BürgermeisterBearbeiten

Karl Walter (CSU): bis 1990

Otto Rothe (SPD)[20]: 1990 bis 2002

Karl-Willi Beck (CSU): 2002 bis 2020

Nicolas Lahovnik (CSU)[21]: ab 2020

am 15. März 2020 wurde Nicolas Lahovnik (CSU) im ersten Wahlgang bei 4 Gegenkandidaten mit 62,3 Prozent zum neuen Ersten Bürgermeister der Festspielstadt Wunsiedel gewählt. Er wird sein Amt zum 1. Mai 2020 antreten.

StadtratBearbeiten

Die Kommunalwahlen seit 2002 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

2002 2008 2014[22] 2020[23]
CSU 13 11 07 0 8
SPD 07 05 04 03
Bündnis 90/Die Grünen 01 01 01 02
Freie Wähler 03 02 02
Aktive Bürger 03 04 03
Bunte Liste Wunsiedel 01 02 01
Wählergemeinschaft e. V./Freie Bürger 03
AfD 0 0 0 01
Gesamt 24 24 20 20

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Wunsiedel pflegt Partnerschaften mit folgenden Städten:[24]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Lokale Kultur und DialektBearbeiten

Wunsiedel ist das Zentrum des Sechsämterlandes, eines historischen Verwaltungsgebiets, dessen Grenzen in etwa den Grenzen des heutigen Landkreises Wunsiedel entsprechen. Die Kultur der Gegend wurde durch das benachbarte Böhmen geprägt, weshalb es viele kulturelle Gemeinsamkeiten mit dem angrenzenden Egerland und dem Stiftland gibt[25]. Auch die Mundart der Stadt und der Region ist trotz der Zugehörigkeit zu Oberfranken von der Oberpfalz geprägt, man spricht einen nordbairischen Dialekt.[26]

Die fränkische Bierstraße verläuft durch die Stadt Wunsiedel, in der durch die Nähe zur Oberpfalz die Kultur des Zoigl-Bieres verbreitet ist. Zudem haben sich trotz der geringen Größe der Stadt zwei Brauereien erhalten, die Hönicka-Bräu in der Kernstadt und die Lang-Bräu im Ortsteil Schönbrunn[27].

Kulturelle VeranstaltungenBearbeiten

 
Ungeschmückter Brunnen in der Koppetentorstraße

Alljährlich am Samstag vor Johanni (24. Juni) findet in Wunsiedel ein Brunnenfest statt (siehe Hauptartikel Wunsiedler Brunnenfest). Das Fest geht der Legende nach auf einen außergewöhnlich trockenen Sommer im 18. Jahrhundert zurück, bei dem die Brunnen im Stadtgebiet versiegten. Als die Brunnen schließlich wieder Wasser führten, wurden sie von den Wunsiedler Bürgern aus Dankbarkeit geschmückt und verziert, ein Ritual das seitdem jedes Jahr wiederholt wird. Traditionell ziehen dabei Musikantengruppen von Brunnen zu Brunnen und spielen dort ihre Ständchen. Die Besucher folgen den Musikanten oder sie wandern selbst die Brunnen ab[28]. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind viele weitere Attraktionen hinzugekommen, wie etwa ein Flohmarkt, Livemusik von verschiedenen Bands und allerlei Essensstände, die die Besucher mit diversen Gerichten verköstigen[29]. Seit 1833 ist das Fest belegt, das genaue Entstehungsjahr ist jedoch unbekannt. Im Jahr 2016 wurde das Fest zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erhoben[30].

Seit 1890 finden auf der Luisenburg bei Wunsiedel jedes Jahr von Mai bis September die Luisenburg-Festspiele statt (siehe Hauptartikel Luisenburg-Festspiele). Es handelt sich dabei um ein Freilichttheater vor der Kulisse des Felsenlabyriths. Sie werden seit 1914 von professionellen Schauspielern gestaltet und umfassen neben mehreren Eigenproduktionen auch Oper- und Operettengastspiele, sowie Konzerte. Jährlich kommen bis zu 150.000 Besucher zu den Festspielen, die somit zu den erfolgreichsten Naturbühnen in Deutschland zählen. Wunsiedel zählt durch die Luisenburg-Festspiele neben Bad Hersfeld oder Rathen zu den 10 Deutschen Festspielorten[31].

Weitere regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Volks- und Wiesenfest auf dem städtischen Festplatz jeweils von Freitag bis Dienstag in der ersten Juliwoche
  • Wunsiedler Kultnacht am zweiten Samstag im Mai
  • Museumsfest im Fichtelgebirgsmuseum am zweiten Sonntag im September
  • Wunsiedler Kneipennacht Anfang November
  • Sechsämterland Holztage (ehemals Wunsiedler Holztage, bis 2013 in zweijährlichem Rhythmus, 2015 entfallen)[veraltet][32]
  • Collis Clamat (Großes mittelalterliches Ereignis), Katharinenberg
  • Wunstock Festival (Open-Air-Festival für Sub-Kulturen) meist Mitte September

MuseenBearbeiten

  • Das Fichtelgebirgsmuseum ist das größte bayerische Regionalmuseum mit umfangreicher Gesteins- und Mineraliensammlung.
  • Im Deutschen Natursteinarchiv befindet sich mit 5500 Musterplatten von Naturwerksteinen aus aller Welt die weltweit größte einschlägige Sammlung.
 
Koppetentor (2018)

BauwerkeBearbeiten

 
Spitalkirche.
 
Greifvogelpark auf dem Katharinenberg

ParksBearbeiten

  • Luisenburg-Felsenlabyrinth, bürgerlicher Landschaftsgarten und nationales Geotop
  • Bürgerpark Katharinenberg mit Rotwildgehege und Greifvogelpark mit Falknerei
  • Der Eisweiher ist ein künstlich angelegter Weiher, der von einem Park umgeben ist. Durch diesen fließt die Röslau und der Mühlbach. Im Sommer werden Ruder- und Tretboote verliehen, es gibt einen Kiosk und eine Minigolfanlage.
  • Auf dem Friedhof, auf dem auch Rudolf Heß bis Juli 2011 bestattet war, befinden sich Einzel- und Reihengräber von dreißig KZ-Insassen, die bei einem der Todesmärsche am 15. April 1945 von SS-Wachmannschaften ermordet wurden.[34][35]

SportBearbeiten

Neben der Fichtelgebirgshalle und dem Fichtelgebirgsstadion gibt es das städtische Freibad mit Sauna und das Hallenbad. Auf dem Katharinenberg steht eine moderne Jugendherberge. In der Hornschuchstraße befindet sich ein in städtischer Regie geführtes renoviertes Jugendzentrum. Zur Naherholung dient das Freizeitgelände um den Sportteich (Freibad mit Wasserrutsche, Natursauna, Minigolf, Kegeln, Tretbootfahren und Tennis). Neben den Sportanlagen der Vereine gibt es verschiedene Kinderspielplätze. Am 21. Dezember 2009 wurde im Gebäude der ehemaligen Zuckerfabrik die höchste Kletteranlage Nordbayerns eröffnet (Zuckerhut).

Wunsiedel ist Ausgangsort für Wanderungen in das gesamte Fichtelgebirge. Durch die Kreisstadt verlaufen der Jean-Paul-Weg, der Höhenweg und der Röslaweg. Es besteht ein Anschlussweg zum Weitwanderweg Fränkischer Gebirgsweg auf der Luisenburg. In der Stadtmitte beginnen der Königin-Luise-Rundweg, der Landschaftslehrpfad und verschiedene Rundwanderwege. Durch die Stadt führt der Brückenradweg Bayern-Böhmen, der östlich zum tschechischen Asch und westlich über Bischofsgrün zum Main-Radweg führt. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände direkt am Brückenradweg wurde ein Freizeitgelände mit Kinderspielplatz, Seniorenfitnessplatz, Boulebahn usw. geschaffen. Dort wurde am 3. Oktober 2015 das Wiedervereinigungsdenkmal „Drei Bäume für die Einheit“ zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung eingeweiht.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Die Wirtschaft der Stadt Wunsiedel ist durch die Chemie- (Farbenwerke, Dronco), Bekleidungs-, Porzellan-, Glas-, Verpackungs-, Steinverarbeitungs- und Bauindustrie geprägt. Außerdem haben einige Autohäuser dort ihren Sitz. Zwei Brauereien sowie diverse Handwerksbetriebe sind in Wunsiedel beheimatet. Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sind viele Beschäftigte tätig. Ein beliebtes Exportprodukt ist der Kräuterlikör Sechsämtertropfen. Im Gemeindegebiet wird der Wunsiedler Marmor abgebaut. Durch den massiven Umbau des Energienetzes auf erneuerbare Energien durch die Stadtwerke Wunsiedel entstanden Arbeitsplätze in der Umwelttechnologie.

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Zwei Kilometer südlich von Wunsiedel führt die B 303 vorbei, die bei Bad Berneck in die A 9 München – Berlin einmündet (Ost-West-Verbindung zwischen Tschechischer Republik und A 9). In Nord-Süd-Richtung verläuft die neue A 93 Hof – Regensburg, Ausfahrt Wunsiedel, oder die Staatsstraße 2177 Hof – Wunsiedel.

Eisenbahn/BusBearbeiten

Der nächste Bahnhof Wunsiedel–Holenbrunn befindet sich im Wunsiedler Ortsteil Holenbrunn (ca. drei Kilometer). Der nächste Bahnhof von überregionaler Bedeutung befindet sich in Marktredwitz (Hauptlinien München – Regensburg – Hof – Nürnberg – Prag). Busverbindungen gehen ab Busbahnhof Wunsiedel in alle Richtungen (Hof – Marktredwitz – Selb – Arzberg). In Wunsiedel gibt es zudem noch einen Bürgerbus. Für die Mobilität in der Zukunft gibt es den Plan, einen autonom fahrenden Elektrobus einzusetzen.

FlugverkehrBearbeiten

Internationaler Flugverkehr ab Nürnberg (ca. 130 km), Leipzig-Halle, Leipzig–Altenburg, Erfurt, München, Frankfurt, Prag und Karlsbad (Tschechische Republik) (ca. 75 km), insbesondere für Flüge nach Russland. Für den nationalen Flugverkehr steht der Regionalflugplatz Hof-Plauen (ca. 40 km) zur Verfügung.

RadwegeBearbeiten

Früher gab es die Eisenbahn-Nebenstrecken Holenbrunn – Wunsiedel – Tröstau – Leupoldsdorf sowie Holenbrunn – Selb. Diese Strecken wurden inzwischen stillgelegt; die Trasse wird in beiden Fällen größtenteils als Fahrradweg genutzt.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

 
Wunsiedel im Jahr 1911
 
Blick über Wunsiedel vom Bundesstein im Felsenlabyrinth aus

Öffentlichen Einrichtungen sind das Landratsamt, das Finanzamt, das Vermessungsamt, das Amtsgericht, eine Dienststelle des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg, die AOK-Direktion, das staatliche Schulamt und eine Polizeiinspektion. In der Zeit des Kalten Krieges wurde Wunsiedel 1967 Bundeswehrstandort. In der 1993 aufgegebenen Fichtelgebirgs-Kaserne waren Fernmeldeteile der Luftwaffe stationiert.[36]

 
Wunsiedelnotgeld von 1918 mit Stadtmotiv auf der Rückseite

Bildung und ForschungBearbeiten

  • Städtische Sing- und Musikschule
  • Jean-Paul-Schule (Grund- und Hauptschule)
  • Luisenburg-Gymnasium
  • Sigmund-Wann-Realschule
  • Staatliche Wirtschaftsschule
  • Staatliche Fachschule für Steinbearbeitung mit dem Deutschen Naturstein-Archiv
  • Europäisches Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk
  • Staatliche Berufsschule Marktredwitz-Wunsiedel
  • Landesjagdschule des Bayerischen Jagdverbandes (BJV)
  • Stadtarchiv
  • Stadtbibliothek
  • Haus des Fichtelgebirgsvereins
  • Volkshochschule des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge
  • Lernort Natur auf dem Katharinenberg
  • BayernLab Wunsiedel

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • August Tuppert, Arzt (1883)
  • Friedrich Meinel (1894)
  • Heinrich Hohenner, Professor der Geodäsie an der TH Darmstadt (1946)
  • Heiner Beer, Verleger und Buchdruckermeister (1950)
  • Elisabeth Jäger (1912–2012), Stadtchronistin und Stadtarchivarin (1987)
  • Monsignore Heinrich Benno Schäffler, katholischer Geistlicher und Gymnasiallehrer (2008)
  • Peter Seißer, ehem. Landrat, Heimatforscher, Buchautor (2016)

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

 
Jean-Paul-Denkmal aus dem Jahr 1845

Mit Wunsiedel verbundenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Werner Bergmann: Das Kriegsende 1945 im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge – Eine Dokumentation der militärischen Ereignisse. Wunsiedel, 2005, ISBN 3-980-59202-2
  • Johann Kaspar Bundschuh: Wunsiedel. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 511–513 (Digitalisat).
  • Der Erzähler vom Gabelmannsplatz. Heimatbeilage des Sechsämterboten/Frankenpost mit vielen Abhandlungen über Wunsiedel.
  • Das Brandunglück der Stadt Wunsiedel im Jahre 1834 und der Wiederaufbau derselben in den Jahren 1835 bis 1843. Ein Beitrag zur Stadtchronik mit 2 Situationsplänen. Gewidmet den Wohltätern der Stadt Wunsiedel nach dem Brande von 1834. Bayreuth 1848 (E-Kopie).
  • Dietmar Herrmann: Eine historische Wanderung zur Kapelle St. Josef in Wunsiedel. In: Der Siebenstern 2010, S. 219–221.
  • Dietmar Herrmann: Damals Bahnhof – heute Park. In: Der Siebenstern 2015, Heft 6, S. 14.
  • Elisabeth Jäger: Wunsiedel 1163–1560. Band I einer Geschichte der Burg und der Stadt Wunsiedel, 1987.
  • Elisabeth Jäger: Wunsiedel 1557–1632. Band II/1 einer Geschichte der Stadt Wunsiedel, 1994.
  • Elisabeth Jäger: Wunsiedel 1810–1932. Band III einer Geschichte der Stadt Wunsiedel, 1983.
  • Bernhard Hermann Röttger: Landkreis Wunsiedel und Stadtkreis Marktredwitz. Die Kunstdenkmäler von Bayern, VIII. Regierungsbezirk Oberfranken, Band 1. München 1954, ISBN 3-486-41941-2, S. 401–591.
  • Johann Wilhelm Schricker: Kurze Geschichte von dem Ursprunge, den Begebenheiten und Veränderungen der Stdt Wunsiedel vom Jahre 1285 bis 1850. Wunsiedel 1852 (E-Kopie).
  • Ruckdeschel: Geschichte der königlich bayerischen Stadt Wunsiedel, der ehemaligen Hauptstadt der Sechsämter, nach schriftlichen gedruckten Quellen. Wunsiedel 1855 (E-Kopie).
  • Peter Seißer: Wunsiedel 1632–1810. Band II/2 einer Geschichte der Stadt Wunsiedel, 2015.
  • Peter Seißer: Das Kriegstagebuch der Wunsiedler Volksschule von 1940 bis 1945. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 95 (2015), S. 201–230.
  • Pleikard Joseph Stumpf: Wunsiedel. In: Bayern: ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches; für das bayerische Volk. Zweiter Theil. München 1853, S. 653–655 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

Commons: Wunsiedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Wunsiedel – Quellen und Volltexte
Wikivoyage: Wunsiedel – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Zurück zum Hauptmenu. Abgerufen am 18. März 2020.
  3. Die Internetplattform für Unterkunftshäuser und Berge im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020.
  4. Martin Schöffel MdL: Martin Schöffel MdL - Marktredwitz-Wunsiedel wird gemeinsames Oberzentrum. Abgerufen am 18. März 2020.
  5. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111206/200107&attr=OBJ&val=1314
  6. Die Internetplattform für Unterkunftshäuser und Berge im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020.
  7. Geschichte von Wunsiedel, Bayern Online
  8. Kirchengeschichte |. Abgerufen am 18. März 2020 (deutsch).
  9. Geschichtliches. Abgerufen am 18. März 2020.
  10. Historisches Wunsiedel. Abgerufen am 18. März 2020.
  11. Die Internetplattform für Unterkunftshäuser und Berge im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020.
  12. Die Internetplattform für Unterkunftshäuser und Berge im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020.
  13. Wunsiedel. 30. November 2018, abgerufen am 18. März 2020.
  14. Geschichte von Wunsiedel im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020 (englisch).
  15. Bernd Langer: Antifaschistische Aktion. Geschichte einer linksradikalen Bewegung. Unrast, Münster 2015, S. 223–234.
  16. BVerfG-Beschluss vom 4. November 2009, Az.: 1 BvR 2150/08
  17. Hans Holzhaider: Ende einer Nazi-Pilgerstätte. Süddeutsche Zeitung (SZ), 20. Juli 2011.
  18. Rechts gegen Rechts Homepage; taz, 15. November 2014: Antifaschistischer Protest in Wunsiedel: Nazis sammeln unfreiwillig Spenden.; SZ, 16. November 2014: Aktion im bayerischen Wunsiedel: Neonazis marschieren unfreiwillig gegen Rechts
  19. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 700 und 701.
  20. Otto Rothe stirbt nach Treppensturz. Abgerufen am 16. März 2020.
  21. Nicolas Lahovnik packt's auf Anhieb. Abgerufen am 16. März 2020.
  22. Wunsiedel – Vorläufiges Ergebnis zur Stadtratswahl 2014, abgerufen am 19. Juli 2014.
  23. Ergebnisse Stadratswahl Wunsiedel. Abgerufen am 16. März 2020.
  24. wunsiedel.de – Städtepartnerschaften der Festspielstadt Wunsiedel
  25. Zurück zum Hauptmenu. Abgerufen am 18. März 2020.
  26. Bayerischer Rundfunk: Dialekt zwischen Oberpfalz und Oberfranken: Wie der Schnabl gwachsn is. 9. Dezember 2014 (br.de [abgerufen am 18. März 2020]).
  27. Wunsiedel: Kulinarischer Spaziergang durch die Festspielstadt. In: Genussregion Oberfranken. Abgerufen am 18. März 2020 (deutsch).
  28. Die Internetplattform für Unterkunftshäuser und Berge im Fichtelgebirge. Abgerufen am 18. März 2020.
  29. Für zwei tolle Tage ist alles bereitet. Abgerufen am 18. März 2020.
  30. Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe | Deutsche UNESCO-Kommission. Abgerufen am 18. März 2020.
  31. Die 10 Festspielorte. Abgerufen am 18. März 2020.
  32. Offizielle Website. In: holztage.de. Abgerufen am 29. Januar 2017.
  33. Quellen und Brunnen im Fichtelgebirge
  34. Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3795424831, S. 197–198. Nach Werner geschah der Mord am Zeitelmoos.
  35. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 200
  36. Fernmelde- und Elektronische Aufklärung der Luftwaffe