Schlacht

Zusammentreffen von militärischen Parteien mit schweren Kampfhandlungen

Die Schlacht (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) im militärischen Sinn ist Bestandteil der (militärischen) Operation und bezeichnet einen bewaffneten Zusammenstoß zwischen eigenen und gegnerischen militärischen Formationen der Bodentruppen, Fliegerkräfte und Flotte (Marine) in allen Sphären.

Schlacht bei Issos (333 v. u. Z.) Rekonstruktion (1893) eines Mosaiks
im Haus des Fauns in Pompej
Luftschlacht – M. Diemer 1918 (BA)

Die Schlacht umfasst die Gesamtheit der wichtigsten und intensivsten Gefechte und Schläge, die durch eine allgemeine Idee verbunden sind. Sie wird mit bestimmten Gruppierungen an Kräften (Mitteln) durchgeführt und ist auf die Erfüllung einer operativen Aufgabe gerichtet.[1][2]

In der historischen Beschreibung erhalten die Schlachten häufig eine Bezeichnung, die einen Hinweis auf geografische und topografische Objekte (Ort, Gewässer, Erhebung, Bebauung u. a.) des Kriegsschauplatzes enthält.

Herkunft des Begriffs SchlachtBearbeiten

Das Wort „Schlacht“ ist vor dem 9. Jahrhundert u. Z. mit dem althochdeutschen Wort slahta und dem mittelhochdeutschen Wort slaht sowie mit dem Altsächsischen man-slahta als ‘Tötung‘ nachweisbar.

Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes war „Tötung“, wie sie bis heute in den Wörtern „schlachten, Schlachtung“ erhalten ist. Daneben existiert die veraltete Bedeutung ‚Art‘ (wie bei Schlag, Geschlecht, jemanden nachschlagen) mit der Ausgangsbedeutung ‚Gesamtheit der Loden eines Ausschlagstammes‘. Fachsprachlich ist die Bedeutung ‚Uferbefestigung‘, vor allem niederdeutsch (Schlacht als ‚Faschine, Reisigbündel‘) seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch.

Die heutige Bedeutung ‚Kampf zwischen zwei Heeren‘, hat sich vor dem 16. Jahrhundert erst frühneuhochdeutsch entwickelt.[3][4]

Vor Erscheinen des Begriffs (militärische) Operation in der Kriegskunst wurde die Schlacht als grundlegende Form der Handlungen einer Armee verstanden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Einzel- und Generalschlachten unterschieden, die auch als (frz.) „Bataille“ und (russ.) „Bitwa“ (ru – битва, сражение) oder einfach „Kampf“ bezeichnet wurden.

Zum Begriffsverständnis hebt Carl von Clausewitz (1780–1831) in seinem Werk Vom Kriege die Hierarchie der Kampfformen Schlacht und (nachgeordet) Gefecht hervor. Clausewitz schreibt:

„Für die Anlage einer großen Schlacht macht es einen wesentlichen Unterschied, ob sie am Morgen oder Nachmittag anfängt. Indessen wird es aber eine Menge Gefechte geben, wo sich der Umstand der Tageszeit als ganz gleichgültig verhält. …[5]

Wesensmerkmale der SchlachtBearbeiten

Arten der Schlacht nach KriterienBearbeiten

Nach dem Maßstab und Umfang der beteiligten Kräfte (Mittel) können mehrere zeitlich und räumlich zusammenhängende Gefechte, die auf den Verlauf einer Operation einen entscheidenden Einfluss haben, als Schlacht bezeichnet werden.

Eine Schlacht unterscheidet sich von einem Gefecht und dem Scharmützel durch ihre Dimension und ihren gelegentlich kriegsentscheidenden Charakter. Scharmützel (Treffen, Streit)[6] sind aufgrund geringer Intensität noch nicht als Gefecht zu bezeichnen und finden außerhalb einer geplanten Operation statt.

Nach den einbezogenen Teilstreitkräften werden mehrere Arten der Schlacht unterschieden. Charakteristisch sind:[1][2]

  • die allgemeine Schlacht für die Truppen der Landstreitkräfte (des Heeres);
  • die Luftabwehr-/Flugabwehr-/Luftverteidigungsschlacht für die Formationen der Truppenluftabwehr/Flugabwehr/Luftverteidigung;
  • die Luftschlacht für die Fliegerkräfte (Luftwaffe);
  • die Seeschlacht für die Flottenkräfte (Marine).

Nach dem Charakter der Kampfhandlungen wird die allgemeine Schlacht (der Bodentruppen) unterschieden in die Angriffsschlacht (eine Seite offensiv), Begegnungsschlacht (beide Seiten offensiv) und Verteidigungsschlacht (defensive Handlungen).[2]

Das Verständnis von offensiven Handlungen überwiegt, weil diese auf die Erringung der Initiative gerichtet sind und darauf ausgerichtet sind, den Gegner zu schwächen oder in eine ungünstige Lage zu bringen, indem ihm Geländeräume (-abschnitte) taktischer Bestimmung abgenommen und gegnerische Handlungsfähigkeiten beschnitten werden.

Merkmale der allgemeinen SchlachtBearbeiten

Die allgemeine Schlacht wird von taktischen und operativ-taktischen militärischen Formationen der Bodentruppen (gewöhnlich – Landstreitkräfte/Heer) geführt. An ihr nehmen alle Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste der Landstreitkräfte teil, um die sehr verschiedenartigen und speziell ihnen obliegenden Gefechtsaufgaben zu lösen. In der Regel handeln diese Kräfte (Mittel) im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften.

Merkmale der allgemeinen Schlacht sind die Elemente Feuer – Stoß – Bewegung und ihr allgemeiner Truppencharakter, darunter:[2]

  • die Massierung des Feuers, d. h. die koordinierte Einwirkung mit den verschiedensten Bekämpfungsmitteln und auf möglichst die gesamte taktische Tiefe der Gruppierung des Gegners;
  • die Zielstrebigkeit und Entschlossenheit der Handlungen der Truppen (Kräfte, Mittel), auch in jedem einzelnen Gefecht in der Schlacht;
  • ihr Manövercharakter – mit Kräften (Mitteln) und dem Feuer;
  • der rasche Wechsel der Ereignisse (Dynamik der Lage);
  • das große räumliche Ausmaß und
  • der enorme Bedarf an den verschiedenen materiellen Gütern.

Erklärungsvarianten zur SchlachtBearbeiten

Varianten zum Maßstab der SchlachtBearbeiten

Die Schlacht wird mitunter militärfachlich ungenau als großes Gefecht bezeichnet.

Eine Schlacht ist der Teil einer Militäroperation, der die Gesamtheit der Hauptkräfte zweier gegenüberstehender gegnerischer Kräftegruppierungen (in der Regel Korps, Armeen oder Heeresgruppen) erfasst. Sie setzt sich meist aus mehreren Einzelgefechten verschiedener untergeordneter Verbände zusammen, die in der gemeinsamen Operation zusammenwirken.

Synonym werden auch die Begriffe Waffengang, Feldschlacht, Blutbad, Kampf verwendet.[7]

Eine Schlacht kann aus einer Angriffs- als auch aus einer Verteidigungsoperation heraus durchgeführt werden. In der Schlacht streben beide Seiten danach, den gegnerischen Kräften eine schwere Niederlage zuzufügen sowie wichtige Gebiete zu halten oder einzunehmen.[1]

Varianten zum Charakter der SchlachtBearbeiten

Um den Charakter einer Schlacht zu benennen, werden unterschiedliche Ausgangssituationen oder Verläufe von Schlachten gesondert bezeichnet.

Eine Schlacht in offenem Gelände, der die Aufstellung der gegnerischen Parteien auf dem Schlachtfeld vorausgeht, wird auch als Feldschlacht bezeichnet.

Eine Bewegungsschlacht oder Begegnungsschlacht bezeichnet eine Schlacht, in der die Parteien sich aus einer Bewegung heraus bekämpfen, indem z. B. beide versuchen, einen bestimmten geographischen Punkt (Abschnitt, Raum) zuerst zu erreichen (z. B. der Wettlauf zum Meer im Ersten Weltkrieg).

Eine Schlacht um einen befestigten Punkt (Raum) wird häufig als Belagerung bezeichnet (z. B. die Belagerung von Orléans).

Eine Schlacht, in der eine Partei eine andere überrascht und sie z. B. auf dem Marsch angreift, wird als Hinterhalt bezeichnet (z. B. die sog. Varusschlacht).

Eine Schlacht, in der eine Partei die andere umschließt und von allen Seiten angreift, wird als Kesselschlacht oder Umfassungsschlacht bezeichnet (z. B. der Kessel von Falaise im Zweiten Weltkrieg).

Davon sind Formen taktischer Handlungen mit der Wortverbindung „Gefecht“ abzugrenzen. Zum Beispiel wird unterschieden nach geographischen Gegebenheiten zwischen Landgefecht, Luftgefecht, Seegefecht sowie amphibischem Gefecht. Gefechte in Räumen mit besonderer Topografie werden zu Land als Gebirgskampf, Dschungelkampf und Waldkampf unterschieden. Der Kampf in urbanem Gelände ist eine Gefechtshandlung und wird als Orts- und Häuserkampf bezeichnet.

Varianten zum SchlachtortBearbeiten

Als Gefechtsfeld oder Gefechtszone wird der Raum (Territorium, Luftraum, Aquatorium) von (Kampf-)Handlungen, sei es in einer Übung oder in einem bewaffneten Konflikt, bezeichnet, in dem militärische Formationen im Zusammenwirken mit Truppen (Kräften, Mitteln) anderer Teilstreitkräfte Gefechtshandlungen durchführen.

Das Gefechtsfeld ist mit dem Raum identisch, den die Truppen (Kräfte, Mittel) bei der Aufstellung (Entfaltung) ihrer Gefechtsordnung einnehmen und den sie bei der Durchführung ihrer Handlungen nutzen und/oder auf den sie mit ihren Bekämpfungsmitteln einwirken können. Das Gefechtsfeld hat demzufolge keine festen Grenzen und kann in der Regel von den für die Operation Verantwortlichen grob abgesteckt werden.

Mit Schlachtfeld, altertümlich auch Walstatt,[8] wird die geographische Örtlichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung bezeichnet, der Kampfplatz.

Geschichtsschreibung zum SchlachtortBearbeiten

 
Blick von der Quandtschen Tabaksmühle über das Schlachtfeld auf Leipzig, Aquarell von Ernst Wilhelm Straßberger nach der Völkerschlacht bei Leipzig, 1813

Die bewaffneten Auseinandersetzungen auf den Schlachtfeldern der Weltgeschichte brachten und bringen immer wieder Tod, Zerstörungen und menschliches Leid. Ehemalige Schlachtfelder haben sich tief in das kollektive Gedächtnis der betroffenen Völker eingegraben (z. B. die Schlacht um Verdun 1916 und die Schlacht von Stalingrad 1942) und dienen ihnen unabhängig von Sieg oder Niederlage als identitätsstiftender Ort (z. B. die Niederlage am Amselfeld den Serben).

 
Kriegszerstörte Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg „Zone Rouge“ in Nord-/Ost-Frankreich (Grenzen 1914)

Bis zum Zweiten Weltkrieg errichteten oft nur die Sieger am Schlachtfeld heroisierende Denkmäler (sofern es in ihrem Einflussgebiet lag); seitdem werden Gedenkstätten zunehmend als Orte der Versöhnung konzipiert. In den USA etwa genießen Battlefield Memorials einen besonderen gesetzlichen Status.

Das Schlachtfeld und seine Umgebung erleiden meist Kollateralschäden: Äcker, Wiesen und Wälder werden verwüstet (siehe z. B. Zone rouge); umliegende Siedlungen werden beschädigt oder zerstört; ihre Bevölkerung leidet unter Requirierungen oder Plünderungen.

Früher kam es nach einer Schlacht vor, dass sich niemand um die Bestattung der Gefallenen kümmerte und dass die ansässige Bevölkerung diese Aufgabe übernehmen musste.
Erhaltene Massengräber auf historischen Schlachtfeldern sind Untersuchungsgegenstand der Schlachtfeldarchäologie.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stig Förster, Markus Pöhlmann, Dierk Walter (Hrsg.): Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48097-7.
  • Marian Füssel, Michael Sikora (Hrsg.): Kulturgeschichte der Schlacht (= Krieg in der Geschichte, Band 78). Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77736-2.
  • Autorenkollektiv: Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. A–Me, Mi–Z. 2., durchgesehene Aufl., zwei Bände. Berlin 1987, ISBN 3-327-00478-1, 1119 S.
  • Autorenkollektiv unter Leitung von S. F. Achromejew: Militärenzyklopädisches Wörterbuch (ru – Военный Энциклопедический Словарь – Wojennyj Enziklopeditscheskij Slowar). Moskau 1986, 863 S.
  • Werner Hahlweg: Militärwissenschaft, Militärtheorie und Militärgeschichte bei Marx und Engels. In: Österreichische militärische Zeitschrift. Wien 11–1973, Nr. 6, S. 454–458.
  • Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“, der Nationalen Volksarmee u. a.: Militärlexikon. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2. Auflage, Berlin 1973, 576 S.
  • Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Eingeleitet von Prof. Dr. Ernst Engelberg und Generalmajor a. D. Dr. Otto Korfes. Verlag des MfNV, Verlag des MfNV, Berlin 1957, 957 S.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Schlacht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Lemma Schlacht. In: Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“, der Nationalen Volksarmee u. a.: Militärlexikon. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2. Auflage, Berlin 1973, S. 329.
  2. a b c d Lemma Schlacht (ru– сражение). In: Autorenkollektiv unter Leitung von S. F. Achromejew: Militärenzyklopädisches Wörterbuch (ru – Военный Энциклопедический Словарь – Wojennyj Enziklopeditscheskij Slowar). Moskau 1986, S. 653.
  3. Lemma Schlacht. In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold: Berlin/New York 1999, S. 722–723.
  4. Eintrag Schlacht in Grimm: Deutsches Wörterbuch. (weblink: dwb.uni-trier.de)
  5. Zitat in Erster Teil, Zweites Buch, 2. Kapitel. In: Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Eingeleitet von Prof. Dr. Ernst Engelberg und Generalmajor a. D. Dr. Otto Korfes. Verlag des MfNV, Berlin 1957, S. 108.
  6. Lemma Scharmützel. In: Herbert Görner / Günter Kempcke (Hrsg.): Synonymwörterbuch. Sinnverwandte Ausdrücke der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut Leipzig 1986, S. 464.
  7. Lemma Schlacht. In: Herbert Görner / Günter Kempcke (Hrsg.): Synonymwörterbuch. Sinnverwandte Ausdrücke der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut Leipzig 1986, S. 469.
  8. Lemma Walstatt – wird etymologisch als obsolet (stark veraltet) markiert und ist vor dem 10. Jahrhundert als ‚Schlachtfeld‘, mittelhochdeutsch walstat oder wal, althochdeutsch wal nachgewiesen. Demgegenüber meinen altenglisch wœl und altnordisch valr „die auf dem Schlachtfeld gebliebenen Toten“. (In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold: Berlin/New York 1999, S. 873.)