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Awgustowka (russisch Августовка, deutsch Drangsitten, Graventhien und Johnken) ist der gemeinsame Name dreier ursprünglich eigenständiger Orte in der russischen Oblast Kaliningrad, die zur Dolgorukowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Dolgorukowo (Domtau)) im Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau) gehören.

Siedlung
Awgustowka/Drangsitten,
auch: Graventhien und Johnken

Августовка
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Frühere Namen bis 1946: Drangsitten,
Graventhien und Johnken
Bevölkerung 17 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40156
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 816 005
Geographische Lage
Koordinaten 54° 26′ N, 20° 35′ OKoordinaten: 54° 25′ 38″ N, 20° 35′ 5″ O
Awgustowka (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Awgustowka (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Awgustowka liegt nordwestlich der Stadt Bagrationowsk (Preußisch Eylau). Mitten durch die Ortschaft zieht sich von Südosten nach Nordwesten das Flüsschen Pasmar (russisch: Maiskaja). Eine Nebenstraße verbindet Awgustowkla mit Bagrationowsk einerseits und mit Slawskoje (Kreuzburg) andrerseits und führt darüber hinaus bis zur russischen Fernstrsaße R 516 (Teilstück der ehemaligen Reichsautobahn Berlin–Königsberg „Berlinka“).

Die nächste Bahnstation ist Bagrationowsk als Endpunkt einer von Kaliningrad (Königsberg) kommenden Bahnlinie. Bis 1945 bestand außerdem über die Station Stablack Anschluss an die Bahnstrecke von Heiligenbeil (russisch: Mamonowo) über Zinten (Kornewo) nach Bagrationowsk, die im letzten Teilbereich jetzt jedoch nur noch für Militärverkehr genutzt wird.

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Awgustowka/DrangsittenBearbeiten

Das ehemals Drangsitten[2] genannte Gutsdorf liegt am Ostufer des Pasmar (russisch: Maiskaja) und sechs Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt. Am 26. Juli 1897 wurde aus den Gütern Drangsitten und Johnken (russisch ebenfalls: Awgustowka) des Gutsbezirks Knauten (Prudki) die neue Landgemeinde Drangsitten im Amtsbezirk Knauten[3] gebildet. Dieser gehörte zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 7. September 1904 fand eine Umgliederung aus dem Amtsbezirk Knauten in den Amtsbezirk Wogau[4] (russisch: Lermontowo) statt. Im Jahre 1910 zählte Drangsitten 147 Einwohner[5].

Am 30. September 1928 gab Drangsitten seine Eigenständigkeit auf und vereinigte sich mit Wogau (Lermontowo) zur neuen Landgemeinde Wogau. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Drangsitten mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Awgustowka“.

Awgustowka (Kamyschewo)/GraventhienBearbeiten

Sieben Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt auf der westlichen Seite des Pasmar (russisch: Maiskoaja) liegt der ehemals Graventhien[6] genannte Ortsteil, ein Ort mit früher großem Gut und einer Wassermühle. Im Jahre 1874 wurde das Gutsdorf in den Amtsbezirk Dexen[7] eingegliedert, der zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. 1910 waren in Graventhien 105 Einwohner registriert[8].

Am 20. Februar 1925 wurde die Landgemeinde Posmahlen (russisch: Puschkino) ohne die Exklave Klein Dexen (Furmanowo) aus dem Amtsbezirk Wogau[9] (Lermontowo) in den Gutsbezirk Graventhien eingegliedert, und am 30. September 1928 schlossen sich die Gutsdörfer Görken (Dubrowka) und Graventhien zur neuen Landgemeinde Graventhien zusammen. Per 14. Mai 1930 erfolgte die Umgliederung Graventhiens aus dem Amtsbezirk Dexen in den Amtsbezirk Wogau. Bis 1933 stieg die Einwohnerzahl auf 301 und betrug 1939 bereits 315[10].

Auch Graventhien kam 1945 zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Kamyschewo“.

Persönlichkeit des OrtesBearbeiten
  • Gustav von Deutsch (* 7. Februar 1825 in Graventhien; † 1878), deutscher Jurist, Offizier im amerikanischen Bürgerkrieg

Awgustowka/JohnkenBearbeiten

Das einstige Vorwerk und einst Johnken[11] genannte spätere Gutsdorf liegt sieben Kilometer westlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau). Am 26. Juli 1897 wurde aus den Gütern Johnken und Drangsitten (russisch auch: Awgustowka) des Gutsbezirks Knauten (Prudki) die neue Landgemeinde Drangsitten gebildet, mit deren weiterer Geschichte Johnken eng verbunden war. Es gehörte zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Wie Drangsitten und Graventhien kam auch Johnken 1945 zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Awgustowka“.

Seit 1946Bearbeiten

Die drei ehemals Drangsitten und Johnken bzw. Graventhien genannten Ortschaften mit den russischen Namen Awgustowka und Kamyschewo gehörten bis zum Jahre 2009 zum Orechowski sowjet (Dorfsowjet Orechowo (Althof)). Die Ortschaft Kamyschewo wurde 1993 umbenannt und erhielt wie die beiden Nachbarorte den Namen Awgustowka.

In den Jahren 2008/9 fand in der Oblast Kaliningrad eine Struktur- und Verwaltungsreform[12] statt, in deren Folge Awgustowka mit seinen drei Ortsteilen eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb der Dolgorukowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Dolgorukowo (Domtau)) im Rajon Bagrationowsk wurde.

KircheBearbeiten

Vor 1945 waren die Einwohner von Drangsitten, Graventhien und Johnken fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Während Drangsitten und Johnken in das Kirchspiel Schmoditten (russisch: Rjabinowka) eingepfarrt waren, gehörte Graventhien zum Pfarrsprengel Klein Dexen (Furmanowo), ab 1938 Stablack (Dolgorukowo). Sie lagen im Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Während der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben staatlicherseits verboten. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad neue evangelische Gemeinden, von denen die Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen) Awgustowka am nächsten liegt. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) und gehört zur Propstei Kaliningrad[13] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Drangsitten
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Knauten/Mühlhausen
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Wogau
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau
  6. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Graventhien
  7. Rolf Jehke, Amtsbezirk Dexen
  8. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau (wie oben)
  9. Rolf Jehke, Amtsbezirk Wogau (wie oben)
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Preußisch Eylau (russ. Bagrationowsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Johnken
  12. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  13. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

WeblinksBearbeiten