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Puschkino (Kaliningrad, Bagrationowsk, Dolgorukowo)

Puschkino (russisch Пушкино, deutsch Posmahlen, litauisch Pasmaliai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk im Rajon Bagrationowsk.

Siedlung
Puschkino
Posmahlen

Пушкино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1425
Frühere Namen Posmal (vor 1785),
Posmahlen (bis 1947)
Bevölkerung 85 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40156
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 822 007
Geographische Lage
Koordinaten 54° 28′ N, 20° 33′ OKoordinaten: 54° 27′ 40″ N, 20° 32′ 56″ O
Puschkino (Kaliningrad, Bagrationowsk, Dolgorukowo) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Puschkino (Kaliningrad, Bagrationowsk, Dolgorukowo) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Puschkino liegt am Flüsschen Pasmar (russisch: Maiskaja) und ist zehn Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt. Durch den Ort führt eine Nebenstraße, die die Rajonshauptstadt und frühere Kreisstadt mit Krasnosnamenskoje (Dollstädt) und Slawskoje (Kreuzburg) verbindet und weiter bis zur russischen Fernstraße R 516 (ehemalige Reichsautobahn Berlin–Königsberg „Berlinka“) führt. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

GeschichteBearbeiten

Der früher Posmahlen[2] genannte Ort war vor 1945 ein kleines Dorf mit einer Försterei. 1874 wurde der Ort in den neu errichteten Amtsbezirk Wogau[3] eingegliedert, zu dem er bis 1945 gehörte. Der Amtsbezirk lag im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Damals bestand Posmahlen aus zwei Landgemeinden, die erst am 20. April 1881 fusionierten: Posmahlen zu Waldkeim und Posmahlen zu Wogau.

Im Jahre 1910 zählte Posmahlen 253 Einwohner[4]. Am 30. September 1928 vergrößerte sich der Gemeindebezirk durch die Eingemeindung des Gutsbezirks Sophienberg (russisch: Sewerjanka, nicht mehr existent). So lebten 1933 395 und 1939 noch 329 Einwohner in Posmahlen[5].

1945 kam Posmahlen infolge des Zweiten Weltkrieges zur Sowjetunion und erhielt 1947 den im heutigen Russland sehr häufig vorkommenden Namen Puschkino.[6] Bis etwa 1970 war der Ort Verwaltungssitz des Dorfsowjets Puschkinski selski Sowet im Rajon Bagrationowsk. Nach dessen Verlegung nach Slawskoje blieb Puschkino weiterhin Namensgeber dieses Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks. Von 2008 bis 2016 gehörte der Ort zur Landgemeinde Dolgorukowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.

Puschkinski selski Sowet/okrug 1947–2008Bearbeiten

Der Dorfsowjet Puschkinski selski Sowet (ru. Пушкинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[6] Sein Verwaltungssitz war zunächst der Ort Puschkino. Anfang der 1950er Jahre wurde offenbar der Perwomaiski selski Sowet (Kavern) an den Puschkinski selski Sowet angeschlossen. Im Jahr 1954 wurde (mindestens) der Nordteil des aufgelösten Oktjabrski selski Sowet (Moritten) angeschlossen.[7] Vor 1975 wurde der Verwaltungssitz des Dorfsowjets nach Slawskoje verlegt.[8] Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Puschkinski selski okrug (ru. Пушкинский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen sieben Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Dolgorukowskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Grigorjewo (Григорьево) Kissitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Er wurde vor 1975 an den Ort Pobereschje angeschlossen.
Gruschewka (Грушевка) Seeben Der Ort wurde 1947 umbenannt. Nachdem vor 1975 der Ort Podgornoje an Gruschewka angeschlossen worden war, wurde 1997 umgekehrt der gesamte Ort in Podgornoje umbenannt.
Jenino (Енино) Kreuzburg[9] und Pasmarshof Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Er wurde 1965 an den Ort Slawskoje angeschlossen.
Krasnoarmeiskoje (Красноармейское) Sollau Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Krasnosnamenskoje (Краснознаменское) Dollstädt und Vogelsang Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Lermontowo (Лермонтово) Boggentin und Wogau Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Lugowoje (Луговое) Klein Park und Zwangshof Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Malinowka (Малиновка) Glauthienen Der Ort wurde 1947 umbenannt, gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski und wurde vor 1975 verlassen.
Oktjabrskoje (Октябрское) Moritten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Oktjabrski. Der Ort wurde vor 1988 verlassen.
Perwomaiskoje (Первомайское) Kavern Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Perwomaiski. Der Ort wurde vor 1975 verlassen.
Pobereschje (Побережье) Schnakeinen und Neu Schnakeinen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski.
Podgornoje (Подгорное) Kattlack und Penken Der Ort wurde 1947 umbenannt. Nachdem er vor 1976 an den Ort Gruschewka angeschlossen worden war, wurde 1997 umgekehrt der gesamte Ort in Podgornoje umbenannt.
Pugatschjowo (Пугачёво) Wilmsdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski. Er wurde vor 1975 verlassen.
Puschkino (Пушкино) Posmahlen Verwaltungssitz bis vor 1975.
Salessje (Залесье) Neu Sollau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Saretschje (Заречье) Kilgis Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 an den Ort Krasnoarmeiskoje angeschlossen.
Sewerjanka (Северянка) Neu Posmahlen und Sophienberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Sidorowo (Сидоровo) Porschkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Er wurde vor 1975 an den Ort Pobereschje angeschlossen.
Slawskoje (Славское) Kreuzburg Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Seit vor 1975 Verwaltungssitz.
Sosnowka (Сосновка) Groß Labehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski. Er wurde vor 1975 verlassen.
Woinowo (Воиново) Barslack, Groß Döbnicken und Klein Döbnicken Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski. Er wurde vor 1975 verlassen.
Wolschskoje (Волжское) Schmerkstein und Steinhof Der Ort wurde 1947 umbenannt uns gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski. Er wurde vor 1975 verlassen.
Wyssokoje (Высокое) Tiefenthal Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Perwomaiski.

Der 1947 umbenannte Ort Kamenka (Krücken), der zunächst in den Puschkinski selski Sowet eingeordnet wurde, kam dann (vor 1975) zum Tschapajewski selski Sowet.

KircheBearbeiten

Die mehrheitlich evangelische Bevölkerung Posmahlens war vor 1945 in das Kirchspiel Dollstädt (heute russisch: Krasnosnamenskoje) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Herbert Wensky (2. August 1891 – 10. September 1978), der zeitweise auch der ostpreußische Leiter der Reichsschrifttumskammer war.[10]

Heute liegt Puschkino im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu gegründeten evangelischen Dorfkirchengemeinde Gwardeiskoje (Mühlhausen). Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) und gehört zur Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäische Russland (ELKER).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Posmahlen
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Wogau
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Preußisch Eylau (russ. Bagrationowsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  8. Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei). Auf einer Karte von 1972 ist noch Puschkino als Verwaltungssitz gekennzeichnet.
  9. Gemäß Umbenennungserlass von 1947. Da Kreuzburg gleichzeitig in Slawskoje umbenannt wurde, wurde Kreuzburg damals entweder geteilt oder Jenino stand (nur) für das im Kaliningrader Ortsverzeichnis von 1976 zusätzlich genannte Pasmarshof.
  10. Ernst Wiechert im Gespräch: Begegnungen und Einblicke in sein Werk, 2010, Seite 63, ISBN 978-3-11-020062-1
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

WeblinksBearbeiten