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Pobereschje (russisch Побережье, deutsch Schnakeinen und Neu Schnakeinen) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk im Rajon Bagrationowsk. Zu Pobereschje gehören auch die beiden ehemaligen deutschen Orte Kissitten, russisch zunächst Grigorjewo, und Porschkeim, russisch zunächst Sidorowo. Die Ortsstelle Neu Schnakeinen ist verlassen.

Siedlung
Pobereschje
Schnakeinen und Neu Schnakeinen

Побережье
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1414 und 1843
bzw. 1419 und 1342
Frühere Namen bis 1947:
Schnakeinen mit Neu Schnakeinen,
Porschkeim mit Kissitten
Bevölkerung 282 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40 156
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 822 002
Geographische Lage
Koordinaten 54° 28′ N, 20° 25′ OKoordinaten: 54° 28′ 26″ N, 20° 25′ 27″ O
Pobereschje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Pobereschje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Pobereschje liegt nordwestlich der heutigen Rajonshauptstadt und ehemaligen Kreisstadt Bagrationowsk (Preußisch Eylau). Der Ort wird in Süd-Nord-Richtung von dem Flüsschen Keugster durchzogen, das wenig später in den Pasmar (russisch: Maiskaja) einmündet.

Durch Pobereschje verläuft eine Nebenstraße, die Slawskoje (Kreuzburg) mit Pogranitschnoje (Hussehnen) und Bogatowo (Rositten) im russisch-polnischen Grenzgebiet verbindet. Die nächste Bahnstation war vor 1945 in Kreuzburg (russisch: Slawskoje) an der Kleinbahn Tharau–Kreuzburg (Wladimirowo–Slawskoje), die nicht mehr in Betrieb ist.

GeschichteBearbeiten

SchnakeinenBearbeiten

Bei dem einst Schnakeinen genannten Ort handelte es sich um ein kleines Dorf, dessen Gründung bis in das Jahr 1414 zurückreicht.[2] Es liegt 17 Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt am Ostufer des Flüsschens Keugster. Zwischen 1874 und 1945 war Schnakeinen in den Amtsbezirk Moritten[3] (russisch: Oktjabrskoje, nicht mehr existent) eingegliedert. Dieser gehörte zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 lebten in Schnakeinen 256 Einwohner[4]. Ihre Zahl betrug im Jahre 1933 noch 234 und 1939 219.[5]

Neu SchnakeinenBearbeiten

Das ehemalige Neu Schnakeinen bestand nur aus einem größeren Hof[6] und liegt auf der westlichen Seite des Flüsschens Keugster. Bis nach Bagrationowsk (Preußisch Eylau) beträgt die Entfernung 18 Kilometer. Neu Schnakeinen, das dem Dorf Schnakeinen zugeordnet war, nannte man vor dem 19. Dezember 1843 „Abbau Podehl“ im Landkreis Preußisch Eylau und Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Porschkeim (Sidorowo)Bearbeiten

Porschkeim bestand vor 1945 aus mehreren kleinen und größeren Höfen.[7] Das Dorf, das aus dem Jahr 1419 stammt, liegt auf der östlichen Seite des Flüsschens Keugster, 15 Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt. Zwischen 1874 und 1945 war Porschkeim wie Schnakeinen in den Amtsbezirk Moritten (russisch: Oktjabrskoje, nicht mehr existent) eingegliedert.[3] und gehörte zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 betrug die Einwohnerzahl 103.[4] Am 30. September 1928 vergrößerte sich die Landgemeinde Porschkeim durch die Eingemeindung des Gutsbezirks Kissitten. Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 286 und betrug 1939 264.[5]

Porschkeim wurde 1945 ein Ort innerhalb der Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt er den russischen Namen „Sidorowo“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Oktjabrski selski Sowet (Moritten) im Rajon Bagrationowsk eingeordnet.[8]

Kissitten (Grigorjewo)Bearbeiten

Der Ort Kissitten geht auf das Jahr 1342 zurück.[9] Das frühere Gutsdorf liegt am Ostufer des Flüsschens Keugster, und die Entfernung nach Bagrationowsk (Preußisch Eylau) beträgt 17 Kilometer. 1874 kam Kissiten zum neugebildeten Amtsbezirk Moritten[3] (russisch: Oktjabrskoje, nicht mehr existent) im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Die Zahl der Einwohner betrug im Jahre 1910 85.[4] Am 30. September 1928 gab Kissitten seine Selbständigkeit auf und wurde in die Landgemeinde Porschkeim eingemeindet.

Wie die Nachbarorte wurde auch Kissitten 1945 in die Sowjetunion integriert. Der Ort erhielt 1947 die russische Bezeichnung „Grigorjewo“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Oktjabrski selski Sowet (Moritten) im Rajon Bagrationowsk eingeordnet.[8]

PobereschjeBearbeiten

Infolge des Weltkrieges kamen Schnakeinen und Neu Schnakeinen 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Die beiden Orte erhielten 1947 die gemeinsame russische Bezeichnung „Pobereschje“, das gleichzeitig in den Dorfsowjet Oktjabrski selski Sowet (Moritten) im Rajon Bagrationowsk eingeordnet wurde.[8] Die Orte Grigorjewo und Sidorowo wurden vor 1975 an Pobereschje angeschlossen, das dann zum Puschkinski selski Sowet gehörte.[10] Von 2008 bis 2016 gehörte Pobereschje zur Landgemeinde Dolgorukowskoje selekoje posselenije und seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.

KircheBearbeiten

Die Bevölkerung von Schnakeinen, Neu Schnakeinen, Porschkeim und Kissitten war vor 1945 nahezu ausnahmslos evangelischer Konfession. Alle vier Orte gehörten damals zum Kirchspiel Kreuzburg (heute russisch: Slawskoje) im Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Arno Stritzel.

Heute liegt Pobereschje im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu gegründeten Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen). Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Schnakeinen
  3. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Moritten
  4. a b c Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau
  5. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Preußisch Eylau (russ. Bagrationowsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Neu Schnakeinen
  7. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Porschkeim
  8. a b c Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  9. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Kissitten
  10. Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei)
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento vom 29. August 2011 im Internet Archive)

WeblinksBearbeiten