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Bolschedoroschnoje (russisch Большедорожное, deutsch Laukitten, Dagwitten, Julienhof, Kopainen, litauisch Laukyčiai, Degviečiai, Kapainis) ist eine Siedlung aus ehemals vier selbständigen Orten in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) im ehemaligen Ostpreußen und gehört zu Pogranitschny (Hermsdorf, Kreis Heiligenbeil) im Rajon Bagrationowsk (Preußisch Eylau).

Siedlung
Bolschedoroschnoje/Laukitten,
auch: Dagwitten, Julienhof und Kopainen

Болшедорожное
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Frühere Namen Laukitten (bis 1947),
Dagwitten (bis 1945),
Julienhof (bis 1945),
Kopainen (bis 1950)
Bevölkerung 117 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40156
Postleitzahl 238460
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 819 007
Geographische Lage
Koordinaten 54° 32′ N, 20° 12′ OKoordinaten: 54° 32′ 0″ N, 20° 12′ 0″ O
Bolschedoroschnoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Bolschedoroschnoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Bolschedoroschnoje liegt drei Kilometer südöstlich der Stadt Laduschkin (Ludwigsort) und dreißig Kilometer südwestlich von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) an einer Nebenstraße, die von Laduschkin und Sosnowka (Schwanis) kommend nach Kornewo (Zinten) führt.

Südöstlich von Bolschedoroschnoje verläuft die russische Fernstraße P 516 (ehemals als Reichsautobahn Berlin–Königsberg geplant) und drei Kilometer nordwestlich die Fernstraße A 194 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1 von Aachen über Berlin nach Königsberg und bis Eydtkuhnen, heute auch Europastraße 28).

Bahnanschluss besteht über die Station Laduschkin an der Bahnstrecke Malbork (Marienburg) - Mamonowo (Heiligenbeil) - Kaliningrad (ehemals Preußische Ostbahn).

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Bolschedoroschnoje/LaukittenBearbeiten

Im Jahre 1407 wurde Lawkyten[2] zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nachdem im 16. Jahrhundert die Familie von Hohendorff in den Besitz von Laukitten kam, erwarb es am 30. Juli 1627 Johann Georg von Podewils. Er war kurfürstlicher Kämmerer und Hauptmann zu Insterburg (heute russisch Tschernjachowsk). In seiner Zeit soll das barocke Gutshaus entstanden sein.

1686 verkaufte Georg von Podewils das Gut, und es gelangte nacheinander an den Kriegssekretär Daniel Sommerfeld, den Gutsbesitzer Carl Ludwig von Bolschwing auf Pannwitz, den Leutnant Johann Ludwig von Negelein, Prinzessin Friederike von Holstein und kam zu Ende des 18. Jahrhunderts zum Gut Rippen (Sowchosnoje). Der Kammerherr Carl Friedrich August Graf von der Schulenburg vermachte das Gut Laukitten 1829 an den Obergerichtsreferendar Gustav Freiherr von Korff. 1932 schließlich befand sich Laukitten im Besitz von Roderich von Schichau.

Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Laukitten 129 Einwohner[3].

1874 wurden die Gutsbezirke Grünwiese, Kopainen, Laukitten und Pannwitz zum Amtsbezirk Laukitten[4] im Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen zusammengeschlossen. 1928 erfolgte die Vereinigung der Gutsbezirke Kopainen, Laukitten und Wendelau zur neuen Landgemeinde Laukitten, Teile von Laukitten allerdings kamen dabei auch an die Landgemeinde Poplitten im Amtsbezirk Pörschken. 1929 wurde die Landgemeinde in den Amtsbezirk Ludwigsort (Laduschkin) eingegliedert, und der Amtsbezirk Laukitten wurde nach 55 Jahren aufgelöst.

Im Jahre 1939 hatte die Gemeinde Laukitten mit den Ortsteilen Kopainen und Pannwitz insgesamt 230 Einwohner. 1945 kam Laukitten unter sowjetische Verwaltung und erhielt 1947 die Ortsbezeichnung „Bolschedoroschnoje“.[5]

Bolschedoroschnoje/DagwittenBearbeiten

Das frühere Vorwerk Dagwitten[6] liegt 19 Kilometer nordöstlich von Mamonowo (Heiligenbeil). Das kleine Dorf war schon immer mit dem Gutsbezirk Laukitten verbunden. So wie die Muttergemeinde kam auch Dagwitten 1945 zur Sowjetunion.

Bolschedoroschnoje/JulienhofBearbeiten

Das ehemalige „Julienhof“[7] liegt 18 Kilometer nordöstlich der ehemaligen Kreisstadt Mamonowo (Heiligenbeil) und war in seiner Geschichte als Vorwerk mit Rippen (heute russisch: Sowchosnoje) verbunden, zu dessen Amtsbezirk[4] im Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen es auch gehörte. Im Jahre 1945 zur Sowjetunion gekommen, gehörte fortan auch Julienhof zur russischen Siedlung „Bolschedoroschnoje“.

Bolschedoroschnoje (Gogolewo)/KopainenBearbeiten

Siehe den bereits bestehenden Hauptartikel: Gogolewo (Kaliningrad)

Das frühere Kopainen[8] (bis 1992 dann „Gogolewo“ genannt) liegt 20 Kilometer von Mamonowo (Heiligenbeil) entfernt. Es gehörte seit 1874 bis zu dessen Auflösung zum Amtsbezirk Laukitten[4] und wurde 1928 in die neu gebildete Landgemeinde Laukitten eingemeindet.

Nachdem Kopainen 1945 zur Sowjetunion kam, erhielt es 1950 den Namen „Gogolewo“.[9]

Seit 1947Bearbeiten

Die drei unter dem Namen „Bolschedoroschnoje“ zusammengefassten Orte Laukitten, Dagwitten und Julienhof sowie der vierte jetzt „Gogolewo“ genannte Ort Kopainen waren bis zum Jahre 2009 in den Pogranitschni selski sowjet (Dorfsowjet Pogranitschny (Hermsdorf)) eingegliedert und waren somit aus dem früheren Landkreis Heiligenbeil in den Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau) „gewechselt“. Gogolewo wurde 1993 in Bolschedoroschnoje umbenannt. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[10] kam nun die viergliedrige Ortschaft Bolschedoroschnoje als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft zur neu formierten Pogranitschnoje selskoje posselenije (Landgemeinde Pogranitschny).

KircheBearbeiten

Bei vor 1945 überwiegend evangelischer Bevölkerung waren Laukitten, Dagwitten, Julienhof und Kopainen in das Kirchspiel Pörschken eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Heiligenbeil (Mamonowo) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Bruno Link.

Heute gibt es im nahegelegenen Nowo-Moskowskoje (Poplitten) eine Siedlergruppe von Russlanddeutschen, die hier eine eigene kleine Kapelle haben, die von den Pfarrern der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) betreut werden.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Laukitten
  3. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Heiligenbeil
  4. a b c Rolf Jehke, Amtsbezirk Laukitten/Rippen/Ludwigsort
  5. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  6. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Dagwitten
  7. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Julienhof, Kr. Heiligenbeil
  8. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Kopainen
  9. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)
  10. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

LiteraturBearbeiten

  • Wulf D. Wagner: Die Güter des Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen. Rautenberg, Leer 2005, ISBN 3-7921-0640-X.

WeblinksBearbeiten