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Slawskoje

Ort in der russischen Oblast Kaliningrad

Slawskoje (russisch Славское, deutsch Creuzburg i. Ostpr. (1931–1946 Kreuzburg (Ostpr.)), litauisch Kryžbarkas, polnisch Krzyżbork), ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur Landgemeinde Dolgorukowskoje im Rajon Bagrationowsk.

Siedlung
Slawskoje/Kreuzburg
Славское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1240
Frühere Namen Creuzburg i. Ostpr. (bis 1931),
Kreuzburg (Ostpr.) (bis 1947)
Bevölkerung 248 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 4015667
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 822 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 30′ N, 20° 27′ OKoordinaten: 54° 30′ 15″ N, 20° 26′ 35″ O
Slawskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Slawskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 14 Kilometer nördlich von Preußisch Eylau (Bagrationowsk), 25 Kilometer südlich von Königsberg (Kaliningrad) und 45 Kilometer nordöstlich von Braunsberg (Braniewo).

GeschichteBearbeiten

Um 1240 errichteten die Ritter des Deutschen Ordens die in ihrer Provinz Natangen gelegene Ordensburg Kreuzburg an der Stelle einer alten Festung der Prußen. Diese Burg verfiel schon im Spätmittelalter zur Ruine, doch blieb ihr stilisiertes Abbild im Wappen der Stadt erhalten.

 
Lage in der Oblast
 
Stadtwappen

Zwischen der Ordensburg im Süden und dem Fluss Pasmar im Norden wurde auf einer hochwassergeschützten Anhöhe die mit eigenen Mauern und Toren gesicherte und um einen rechteckigen Marktplatz im Zentrum angelegte Stadtanlage mit der im Süden befindlichen Stadtkirche besiedelt.

Bereits 1315 erhielt Kreuzburg durch den damaligen Ordensmarschall Heinrich von Plötzke die Stadtrechte nach Kulmer Vorbild.

Die beistehende historische Abbildung zeigt die Stadt von Norden mit einer Mühle bei der Pasmar-Brücke sowie der bereits im Verfall befindlichen Stadtmauer und dem Rathaus auf dem Marktplatz und der Stadtkirche.

Bedingt durch die landschaftlichen und rauen klimatischen Bedingungen und die relative Nähe zur Großstadt Königsberg blieb die eigene Stadtentwicklung gehemmt, Kreuzburg war eine bescheidene Ackerbürgerstadt, die kaum jemals mehr als 2000 Einwohner in ihren Grenzen beherbergte. Die Stadt war im Königreich Preußen auch Poststation. Das direkte Umland der Stadt blieb nur dünn besiedelt, etwa 20 weilerartige Siedlungen und Güter nutzten die Stadt als Versorgungsmittelpunkt.

Neben einigen Mahlmühlen und einem Sägewerk besaß die Stadt um 1900 eine evangelische Kirche, ein Amtsgericht,[2] eine Molkerei, eine Ziegelei, ein Gefängnis und eine Schule. Die nördliche Ausfallstraße führte in Richtung Königsberg, eine östliche Abzweigung nach Tharau. In südlicher Richtung führte diese Hauptstraße weiter nach Preußisch Eylau.[3]

Die Eisenbahnhaupttrasse Berlin-Königsberg wurde an Kreuzburg vorbei gebaut. Erst 1908 erhielt die Stadt Anschluss durch die Kleinbahn Tharau–Kreuzburg nach Tharau an der Staatsbahnstrecke Königsberg-Rastenburg. Mit dem Bau der Reichsautobahn (heute russische Fernstraße R 516) von Königsberg nach Elbing erhielt auch Kreuzburg eine etwa 5 km entfernte Autobahnauffahrt bei dem Dorf Sollnicken.[4] Bis Anfang der 1930er Jahre wurde die Stadt in der Form Creuzburg in Ostpreußen geschrieben. Durch das geringe Wirtschaftswachstum blieb die sehr regelmäßige Anlage der Stadt bis 1945 vollständig erhalten.

Die Stadt Kreuzburg lag im Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Preußisch Eylau.

Zweiter Weltkrieg und danachBearbeiten

Im Februar 1945 hatte die Kesselschlacht von Heiligenbeil die Stadt fast vollständig zerstört. Von der Stadtkirche blieb nur der Turmstumpf erhalten. Das Kirchenschiff mit der im 16. Jahrhundert von einem Rigaer Meister geschaffenen Kanzel nebst Ratsgestühl brannte vollkommen aus. Heute sind nur zwei Wohnhäuser in der Kirchenstraße aus der Vorkriegszeit erhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Kreuzburg im südlichen Teil des Sperrgebietes um die nun sowjetische Hafenstadt Kaliningrad. Ein Wiederaufbau der Stadt unterblieb, der Ort wurde in Slawskoje umbenannt und verlor das Stadtrecht.[5]

Heute gehört das Stadtgebiet, heute als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestuft, zur russischen Oblast Kaliningrad, Rajon Bagrationowsk. Der ehemalige und nicht näher benannte Wohnplatz im Norden der Stadt und jenseits des Flüsschens Pasmar (russisch: Maiskaja) ist heute eine eigene Siedlung mit Namen Sadowoje, die nun aber nicht – wie Slawskoje – zur Landgemeinde Dolgorukowo (Domtau), sondern zur Niwenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Niwenskoje (Wittenberg)) gehört.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945Bearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 1.018 ohne die Garnison (drei Kompanien Infanterie)[6]
1802 1.511 [7]
1810 1.154 [7]
1816 1.303 davon 1.289 Evangelische und 14 Katholiken (keine Juden)[7]
1821 1.351 [7]
1858 1.932 davon 1.892 Evangelische, sechs Katholiken, 21 sonstige Christen, vier Mennoniten und neun Juden[8]
1875 2.004 [9]
1980 2.002 [9]
1885 1.976 davon 17 Katholiken und elf Juden[9]
1905 1.848 [2]
1910 1.726
1833 1.802 [9]
1939 2.005 [9]

KircheBearbeiten

Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde im Krieg beschädigt, heute steht nur noch die Turmruine[10].

KirchengemeindeBearbeiten

Kreuzburg war ein altes Kirchdorf und bestand bereits in vorreformatorischer Zeit. Die Reformation fand bereits sehr früh Eingang. War der Ort lange Zeit der Inspektion des Oberhofpredigers in Königsberg (heute russisch: Kaliningrad) unterstellt, so war sie zuletzt bis 1945 in den Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet.

Heute besteht keine evangelische Gemeinde mehr in Slawskoje. Der Ort liegt jetzt im Einzugsbereich der Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[11] in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte (bis 1945)Bearbeiten

Zu dem weitflächigen Kirchspiel Kreuzburgs gehörten bis 1945:

Name (bis 1946) Russischer Name Name (bis 1946) Russischer Name
Arnsberg Pobeda Liepnicken Saretschnoje,
bis 1992: Ostrownoje
Döbnicken Woinowo Moritten Oktjabrskoje
Globuhnen Medowoje Porschkeim Pobereschje,
bis 1992: Sidoworo
Heyde Kalmykowo Schnakeinen Pobereschje
Kavern Perwomaiskoje Sollau Krasnoarmeiskoje
Kilgis Krasnoarmeiskoje,
bis 1992:Saretschje
Sollnicken Medowoje
Kissitten
bei Kreuzburg
Pobereschje,
bis 1992: Grigorjewo
Struwe Pobeda
Klein Labehnen Sosnowka Tiefenthal Wyssokoje
Krücken Kamenka Tykrigehnen Medowoje

Pfarrer (bis 1945)Bearbeiten

Von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden in Kreuzburg zwei Pfarrstellen. Es amtierten als evangelische Geistliche[12]:

 
Paul Neumann (1879)
  • NN., 1528
  • Michael Spillmann, 1559
  • Johann Gansewind, bis 1565
  • NN., 1567
  • Hermann Eifler, 1573–1583
  • Johann Haas, bis 1584
  • Johann Rudolph
  • NN., bis 1589
  • Nicolaus Prätorius, 1592–1602
  • Michael N., bis 1602
  • Johann Stobäus, 1602–1619
  • Heinrich Haltermann
  • Heinrich Frischeintz, 1619–1621
  • Michael Wegner, 1620–1645
  • Jacob Christison, 1621–1624
  • Gustav Coggius, 1624–1668
  • Nicolaus Rittershusius, 1645–1672
  • Christoph Hülner, 1668–1693
  • Abraham Klein, 1672–1721
  • Johann Klopcke, 1693–1718
  • Christoph Stephani, 1719–1723
  • Josua Schusterus, 1721–1729
  • Christoph Stephani, 1719–1723
  • Johann Jacob Milo, 1723–1733
  • Johann Friedrich Straube, 1729–1768
  • Johann H. Daniel Moldenhawer, 1733–1737
  • Johann Grünenberg, 1738–1782
  • Paul Thomas Anderson, 1768–1793
  • Johann Salomo Grünenberg, 1783–1805
  • Johann Jacob Feggler, 1792–1800
  • Johann Philipp Schröder, 1793–1828
  • Friedrich Wilhelm Fischer, 1801–1807
  • Johann Immanuel Schiemann, 1808–1813
  • Georg Friedrich Sande, 1814–1831
  • August Wilhelm Schulze, 1829–1864
  • Julius Lilienthal, 1831–1854
  • Alexander O.H. Stoboy, 1842–1882
  • Emil Kleist, 1864–1886[13]
  • Max Schliepe, 1885–1887
  • Georg Schmidt, 1886–1908
  • (Ernst Gotthard) Paul Neumann, 1888–1896[13]
  • Erdmund Johannes Höhne, 1897–1899
  • Johann Theodor W. Sterner, 1899–1910
  • Gottfried Wilhelm Steckel, 1909–1915
  • Franz Georgesohn, 1910–1915
  • Paul Friedrich Ferdinand Hafke, 1916–1931
  • Hans Hermenau, 1919–1920
  • Walter Becker, 1921–1925
  • Arno Gronert, 1925–1945
  • Lothar Guhl, 1931–1934
  • Friedrich Schumacher, 1935–1942
  • Arno Stritzel, 1942–1945

Söhne der StadtBearbeiten

  • Franz Boy, Vizepräsident des OLG Königsberg
  • Hermann von Boyen (1771–1848), preußischer Militär, Generalfeldmarschall
  • Michael Kongehl, deutscher Barockdichter
  • Wilhelm Reichermann, (1845–1920) ostpreußischer Heimatdichter
  • Wilhelm Sahm, (1873–1944) Heimatforscher
  • Alfred Otto Dietrich, (* 2. Mai 1882 Frauenburg, † 23. April 1942 Kreuzburg) ostpreußischer Heimatdichter

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 173–175.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 16, Ziffer 3).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 518, Nr. 119.
  • Wilhelm Sahm: Geschichte der Stadt Creuzburg Ostpr. Thomas & Oppermann, 1901.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, leipzig und Wien 1907, S. 648, Ziffer 2).
  3. Reichsamt für Landesaufnahme TK25 - Blatt 1588 Kreuzburg in Ostpr., Berlin 1910
  4. Reichsamt für Landesaufnahme TK25 - Blatt 1488 Mahnsfeld, Berlin 1908
  5. Alexander von Normann, Heinrich Lange: Nördliches Ostpreussen. Gegenwart und Erinnerung einer Kulturlandschaft. S. 233–235
  6. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 16, Ziffer 3).
  7. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 314–315, Ziffer 339.
  8. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S 54, Ziffer 153..
  9. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. preylau.html#ew33preykreuzb. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info
  12. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 28–29
  13. a b Emil Kleist (1821–1886) und Paul Neumann (1857–1896) waren Angehörige des Corps Masovia.