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Jablotschkino (russisch Яблочкино, deutsch Lokehnen) ist eine kleine Siedlung im Südwesten der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Pogranitschnoje selskoje posselenije (Landgemeinde Pogranitschny (Hermsdorf)) im Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau).

Siedlung
Jablotschkino/Lokehnen
Яблочкино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Erste Erwähnung 1410
Frühere Namen Licuttyein,
bis 1945 Lokehnen,
1945–50 Lokenen
Bevölkerung 1 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 25 m
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 819 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 32′ N, 20° 6′ OKoordinaten: 54° 32′ 0″ N, 20° 6′ 0″ O
Jablotschkino (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Jablotschkino (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Jablotschkino liegt nordwestlich von Pjatidoroschnoje (Bladiau) und südwestlich von Laduschkin (Ludwigsort) zwei Kilometer westlich der russischen Fernstraße A 194 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1), die aus Polen kommend über Mamonowo (Heiligenbeil) nach Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) führt. Die nächste Bahnstation ist Primorskoje Nowoje (Wolittnick) an der Bahnstrecke von Mamonowo nach Kaliningrad, die ehemals als Preußische Ostbahn von Berlin über Marienburg (heute polnisch: Malbork) nach Königsberg (Preußen) und weiter bis nach Eydtkuhnen (bis 1938 Eydtkau, heute russisch Tschernyschewskoje) verlief.

GeschichteBearbeiten

Ein in der Gegend des ehemaligen Lokehnen gefundenes Hügelgrab aus der Jüngeren Bronzezeit weist auf eine frühe Besiedlung hin.

Erstmals wurde Lokehnen als Licuttyein im Jahre 1410 erwähnt. 1469 war Jorge Ebisch Eigentümer. Bereits im 16. Jahrhundert fiel Lokehnen an die Besitzer des Gutes Weßlinen (heute russisch: Kunzewo) und blieb dort bis zu dessen Zwangsversteigerung im Jahre 1832, als es der Landrat des Kreises Heiligenbeil, Rudolf von Auerswald, erwarb.

Nur acht Jahre später kaufte es Ernst von Glasow. Sein Nachfahre Leberecht von Glasow errichtete 1925 das neobarocke Gutshaus. Letzte Eigentümerin war bis 1945 seine Tochter Friederike von Glasow verheiratete Pohl.

Im Jahre 1910 zählte Lokehnen 104 Einwohner. Am 11. Juni 1874 bildete es zusammen mit drei Landgemeinden und sieben Gutsbezirken den Amtsbezirk Balga (heute russisch: Wesjoloje). Zum 30. September 1928 kam ein Teil von Lokehnen zur neugebildeten Landgemeinde Fedderau im Amtsbezirk Pohren (russisch: Rasdolnoje, später in Amtsbezirk Windkeim umbenannt), der anderen Teil wurde in die Landgemeinde Schönrade im Amtsbezirk Hermsdorf (Pogranitschny) eingegliedert. Die zweifache Amtsbezirkszugehörigkeit blieb bis 1945 bestehen. Lokehnen gehörte somit zum Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen.

Seit 1950 trägt Lokehnen den russischen Namen Jablotschkino[2] und gehört zu Pogranitschny im Rajon Bagrationowsk in der Oblast Kaliningrad. Das ehemalige Gutshaus hat den Krieg überstanden und war bis 1982 ein Kinderheim. Das Dach wurde erneuert und schützt den ansehnlichen Zustand der Räumlichkeiten, obwohl diese lange leer standen. Nach einer grundlegenden Restaurierung soll das Gebäude ein Zentrum der Begegnung zwischen Russen und Deutschen werden.

KircheBearbeiten

Die vor 1945 überwiegend evangelische Bevölkerung gehörte zum Kirchspiel Bladiau (russisch: Pjatidoroschnoje) im Kirchenkreis Heiligenbeil (Mamonowo) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Heinrich Geiger.

Hier heute lebende evangelische Kirchenglieder gehören zum Gebiet der evangelisch-lutherischen Propstei Kaliningrad, zu der die beiden nächstgelegenen Gemeinden Mamonowo (Heiligenbeil) bzw. Nowo-Moskowskoje (Poplitten) gehören und von Geistlichen der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) aus betreut werden.

LiteraturBearbeiten

  • Wulf D. Wagner: Die Güter des Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen. Rautenberg, Leer 2005, ISBN 3-7921-0640-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)