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Niwenskoje (russisch Нивенское, deutsch Wittenberg, Kreis Preußisch Eylau sowie Friederikenthal, litauisch Nivenskojė) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Bagrationowsk. Der Ort Niwenskoje gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk.

Siedlung
Niwenskoje
Wittenberg und Friederikenthal

Нивенское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Frühere Namen Wittenberg,
(Kreis Preußisch Eylau)
und Friederikenthal
Bevölkerung 1728 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 4015667
Postleitzahl 238434
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 813 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 35′ N, 20° 34′ OKoordinaten: 54° 35′ 4″ N, 20° 34′ 7″ O
Niwenskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Niwenskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Niwenskoje liegt südöstlich von Kaliningrad (Königsberg) und nördlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) an der russischen Fernstraße A 195 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128). Innerorts treffen zwei Nebenstraßen, von Lugowoje (Gutenfeld) bzw. Slawskoje (Kreuzburg (Ostpreußen)) kommend, auf die A 195 und verbinden den Ort mit der näheren Umgebung.

Die nächste Bahnstation liegt im Ortsgebiet von Niwenskoje, trägt aber den Namen des Nachbarortes Wladimirowo (Tharau). Sie ist Haltepunkt an der Bahnstrecke von Kaliningrad nach Bagrationowsk, einem Teilstück der früheren Ostpreußischen Südbahn, die vor 1945 bis in das heutige Polen weiterverlief. Außerdem war hier der Ausgangsbahnhof für die Kleinbahn Tharau–Kreuzburg (russisch: Wladimirowo–Sławsko).

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Niwenskoje/FriederikenthalBearbeiten

Das einst Friederikenthal[2] genannte Gutsdorf liegt einen Kilometer südöstlich vom ehemals Wittenberg genannten Nachbarort. Bis nach Kaliningrad (Königsberg) sind es 18 Kilometer, und Bagrationowsk (Preußisch Eylau) liegt 22 Kilometer entfernt. Am 1. Januar 1883 wurde das Dorf als Ortschaft innerhalb des Amtsbezirks Jesau[3] (heute russisch: Juschny) genannt und lag somit im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Am 1. Dezember 1910 zählte der Gutsbezirk Friederikenthal 39 Ein wohner[4].

Am 30. September 1928 büßte Friederikenthal seine Selbständigkeit ein und wurde zusammen mit dem Nachbargutsdorf Braxeinswalde (russisch: Otwaschnoje, heute nicht mehr existent) in die Landgemeinde Wittenberg (Niwenskoje) eingemeindet und kam so 1930 in den neu benannten Amtsbezirk Wittenberg.

1945 kam Friederikenthal mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 zusammen mit dem Nachbarort Wittenberg die russische Bezeichnung „Niwenskoje“.

Persönlichkeiten des OrtesBearbeiten
  • Alexander Grau (* 1. Januar 1878 in Friederikenthal; † 1938), deutscher Berufsoffizier, Filmfirmenmanager und langjähriger UFA-Vorstand

Niwenskoje/WittenbergBearbeiten

Die früher Wittenberg (Kreis Preußisch Eylau)[5] genannte Landgemeinde liegt 17 Kilometer von Kaliningrad (Königsberg) und 23 Kilometer von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) entfernt. Zwischen 1874 und 1930 gehörte Wittenberg zum Amtsbezirk Jesau[6] (heute russisch: Juschny) im Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 1. Dezember 1910 zählte der Ort 494 Einwohner[7].

In die Landgemeinde Wittenberg wurde am 1. April 1912 das nur etwa 82 Hektar große Etablissement Dorotheenhof[8] eingemeindet. Am 30. September 1928 kamen die beiden Gutsbezirke Friederikenthal (Niwenskoje) und Braxeinswalde (Otwaschnoje) zu Wittenberg. Der Gebiets- und Bevölkerungszuwachs machte sich bei der Einwohnerzahlen bemerkbar: 1933 betrug sie 808, 1939 bereits 896[9].

Am 28. Mai 1930 wurde der Amtsbezirk Jesau umbenannt: Wittenberg wurde Amtsdorf und namensgebender Ort des „Amtsbezirks Wittenberg“, der bis 1945 bestand.

Als Kriegsfolge kam Wittenberg 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 zusammen mit dem Nachbardorf Friederikenthal die russische Bezeichnung „Niwenskoje“.

Amtsbezirk Wittenberg (1930–1945)Bearbeiten

Am 28. Mai 1930 wurde der Amtsbezirk Wittenberg[6] in Umbenennung des bisherigen Amtsbezirks Jesau (heute russisch: Juschny) geschaffen, der weiterhin und bis 1945 zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. 1930 gehörten zum Amtsbezirk die vier Landgemeinden Jesau (Juschny), Lichtenfelde (Swobodnoje, nicht mehr existent), Thomsdorf (Solnetschnoje) und Wittenberg (Niwenskoje). Am 1. April 1937 wurde die Gemeinde Thomsdorf in den Amtsbezirk Uderwangen (Tschechowo) umgegliedert, so dass per 1. Januar 1945 nur noch die drei Gemeinden Jesau, Lichtenfelde und Wittenberg in den Amtsbezirk integriert waren.

Seit 1945Bearbeiten

Im Juli 1947 wurde Wittenberg in Niwenskoje umbenannt und gleichzeitig Sitz des neu eingerichteten Rajons Kaliningrad sowie Sitz eines Dorfsowjets.[10] Nach der Auflösung des Rajons Kaliningrad gelangte der Ort in den Rajon Bagrationowsk. Von 2008 bis 2016 war der Ort Sitz einer Landgemeinde.

Niwenski selski Sowet 1947–2008Bearbeiten

Der Dorfsowjet Niwenski selski Sowet (ru. Нивенскй сельский Совет) wurde im Juli 1947 eingerichtet.[10] Er lag zunächst im Rajon Kaliningrad. Nach der Auflösung des Rajons Kaliningrad gelangte der Dorfsowjet in den Rajon Bagrationowsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Niwenski selski okrug (ru. Нивенскй сельский округ). Im Jahr 2008 wurden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung die verbliebenen sechs Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Niwenskoje selskoje posselenije eingegliedert (Maloje Otwaschnoje und Otwaschnoje erst im Jahr 2010).

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Jamskoje (Ямское) Katharinenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Juschny angeschlossen.
Juschny (Южный) Jesau und Marienhöh Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Maloje Otwaschnoje (Малое Отважное) (zu Wickbold) Der Ortsname wurde in Anlehnung an den Ortsnamen Otwaschnoje gebildet.
Niwenskoje (Нивенское) Wittenberg Verwaltungssitz
Otwaschnoje (Отважное) Wickbold und Braxeinswalde Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Selenopolski eingeordnet.
Partisanskoje (Партизанское) Schönmohr Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Marijski eingeordnet.
Sewerny (Северный) Ein zwischen Niwenskoje und Juschny gelegener Ort, der aus dem Sowchos Juschny entstand.
Swobodnoje (Свободное) Lichtenfelde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen.

Niwenskoje selskoje posselenije 2008–2016Bearbeiten

 
Die Lage der Landgemeinde Niwenskoje selskoje posselenije im Nordosten des Rajon Bagrationowsk

Die Landgemeinde Niwenskoje selskoje posselenije (ru. Нивенское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.[11] Ihr waren 13 jeweils als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaften zugeordnet. Sie gehörten vorher zu den Dorfbezirken Niwenski selski okrug und Wladimirowski selski okrug. Im Jahr 2017 ging die Gemeinde in den neu geschaffenen Stadtkreis Bagrationowsk auf.

Ortsname Name (bis 1947/1950)
Juschny (Южныӣ) Jesau und Katharinenhof
Kalmykowo (Калмыково) Heyde
Lineinoje (Линейное) Arweiden und Bögen
Maiskoje (Майское) Groß Bajohren (1938–1945 Baiersfelde) und Packerau
Maloje Otwaschnoje (Малое Отважное)* Klein Wickbold
Niwenskoje (Нивенское) Wittenberg und Friederikenthal
Otwaschnoje (Отважное)* Wickbold und Braxeinswalde
Partisanskoje (Партизанское) Schönmohr
Pobeda (Победа) Arnsberg und Struwe
Sadowoje (Садовое) (unbenannter Wohnplatz in der Stadt Kreuzburg (Ostpr.))
Saretschnoje (Заречное) Ramsen, Dopsattel und Liepnicken
Sewerny (Северный) Marienhof, Kreis Preußisch Eylau
Wladimirowo (Владимирово) Tharau und Ernsthof

(Die mit * gekennzeichneten Siedlungen kamen erst 2010 zur Niwenskoje selskoje posselenije und gehörten von 2008 bis 2010 zur Nowomoskowskoje selskoje posselenije).

KircheBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Die Einwohner in Friederikenthal und Wittenberg (mit Dorotheenhof) waren vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Während Friederikenthal und Dorotheenhof in das Kirchspiel Jesau (heute russisch: Juschny) eingepfarrt war, gehörte Wittenberg zum Kirchspiel Tharau (Wladimirowo). Beide Pfarrsprengel lagen im Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Seit 1946Bearbeiten

Während der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Lebens durch staatliche Anordnungen nicht möglich. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad neue evangelisch-lutherische Gemeinden. Die Niwenskoje am nächsten liegenden sind die Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) und deren Filialkirche, die Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen). Beide gehören zur Propstei Kaliningrad[12] in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Friederikenthal
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Jesau/Wittenberg
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau
  5. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Wittenberg
  6. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Jesau/Wittenberg (wie oben)
  7. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Preußisch Eylau (wie oben)
  8. Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Dorotheenhof
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Preußisch Eylau (russ. Bagrationowsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  11. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 253 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Багратионовский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 253: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Bagrationowsk“)
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

WeblinksBearbeiten