S-Bahn Mitteldeutschland

Rückgrat des ÖPNV im Ballungsraum Leipzig-Halle

Die S-Bahn Mitteldeutschland ist ein schienengebundener Verkehrsträger des öffentlichen Personennahverkehrs im Ballungsraum Leipzig-Halle und stellt, gemessen an der Länge des Streckennetzes, das größte S-Bahn-Netz Deutschlands dar. Die Linienstruktur ist biradial auf die unterirdische Stammstrecke in der Leipziger Innenstadt und den Halleschen Hauptbahnhof ausgerichtet.

S-Bahn Deutschland
S-Bahn Mitteldeutschland
S-Bahn Mitteldeutschland - Liniennetz.svg
Liniennetz seit Dezember 2019
Staat Deutschland
Verkehrs- /
Tarifverbund
Mitteldeutscher Verkehrsverbund (überwiegend),
VBB, VMS, VVO
Linien 10
Streckenlänge 802 km
Stationen 147
Fernbahnhöfe 5
Tunnelbahnhöfe 5
kleinste Taktfolge 30 min
Passagiere 90 000 (pro Werktag)[1]
Bewohner im Einzugsbereich ca. 1,2 Mio.
Fahrzeuge 80 Bombardier Talent 2, ergänzt durch 143 mit Doppelstockwagen (als Reserve)
Betreiber DB Regio Südost
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz ~, Oberleitung

S-Bahnen in Deutschland

Das Netz der S-Bahn wird im Auftrag des Zweckverbands für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) im Freistaat Sachsen sowie der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA), der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen (NVS) und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) von DB Regio Südost, Verkehrsbetrieb Mitteldeutschland betrieben. Zum Einsatz kommen elektrische Triebzüge des Typs Bombardier Talent 2.

Halle (Saale) und Leipzig erhielten jeweils im Jahr 1969 einen S-Bahn-Betrieb, ursprünglich Stadtschnellbahn Halle (Saale) beziehungsweise Stadtschnellbahn Leipzig genannt. Die beiden Netze wurden 2004 durch eine neue S-Bahnlinie S10 verbunden und ab diesem Zeitpunkt als S-Bahn Leipzig–Halle bezeichnet. Bereits zuvor existierte zwischen beiden Städten ein S-Bahn-ähnlicher Schnellverkehr, allerdings bis zur Einführung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes ohne besonderen Tarif. Am 15. Dezember 2013 nahm schließlich die erste Betriebsstufe der S-Bahn Mitteldeutschland ihren Betrieb auf. Das Netz wurde dafür neu geordnet und erheblich vergrößert. Der zeitgleich eröffnete City-Tunnel Leipzig fungiert als Stammstreckentunnel und führt die Linien der S-Bahn erstmals direkt durch die Leipziger Innenstadt.[2]

Laut Angaben der Deutschen Bahn nutzten im ersten Betriebsjahr etwa 55 000 Fahrgäste pro Tag die auf dem zu dieser Zeit rund 430 km langen Streckennetz verkehrenden Züge.[3] In den ersten beiden Betriebsjahren seien jeweils rund 20 Millionen Fahrgäste gezählt worden.[4] Im Jahr 2017 waren es nach eigenen Angaben schon knapp 25 Millionen Fahrgäste.[5]

LiniennetzBearbeiten

Ausschreibung und erste EntwicklungenBearbeiten

AusschreibungBearbeiten

Die europaweite Ausschreibung zum Betrieb der ersten Stufe des neuen S-Bahn-Netzes erfolgte im August 2008, ursprünglich vorgesehen mit Betriebsbeginn im Dezember 2011,[6][7] wobei die Betriebsaufnahme durch zwei Korrekturbekanntmachungen schließlich auf Dezember 2013 verschoben wurde.[8] Der von Dezember 2013 bis Dezember 2025 laufende Verkehrsvertrag sieht eine jährliche Leistung von neun Millionen Zug-Kilometern vor.[9]

Nach Ablauf der Einspruchsfrist gab der ZVNL als federführender SPNV-Aufgabenträger am 21. September 2010 endgültig die Vergabe des nunmehr S-Bahn Mitteldeutschland genannten, neu strukturierten Netzes an die DB-Tochter S-Bahn Mitteldeutschland GmbH bekannt. Dieses Unternehmen wurde im Jahr 2008 mit dem Zweck gegründet, an dieser Ausschreibung teilzunehmen. Im Jahr 2011 wurde es allerdings mit DB Regio verschmolzen.[10] Der Mitbewerber Veolia erhob hiergegen zwar keinen Einspruch, kritisierte aber, dass die DB ihr Angebot auf der Grundlage eines noch nicht zugelassenen Fahrzeugs – des Bombardier Talent 2 – kalkuliert hatte.[11]

Im Mai 2012 wurde als zweite Betriebsstufe das Netz Mitteldeutsche S-Bahn II ausgeschrieben, die u. a. die verlängerte Linie S2 Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg – Bitterfeld – Leipzig Hbf – Markkleeberg-Gaschwitz und die neue Linie S8 Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg – Bitterfeld – Halle (Saale) Hbf beinhaltet.[12] Im März 2013 hat die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) die Vergabe an die Abellio Rail Mitteldeutschland bekanntgegeben.[13] Anfang Oktober 2013 erklärte die NASA jedoch, dass die Angebote in Teilen neu zu bewerten sind. Aufgrund der dadurch zu erwartenden Verzögerung zog Abellio sein Angebot zurück. Die Vergabe erfolgte an die DB Regio als Zweitplatzierten.[14] Die Linie Halle (Saale) Hbf – Lutherstadt Eisleben sollte ab 13. Dezember 2015 von Abellio Rail Mitteldeutschland als S7 gefahren werden. Diese Bezeichnung verblieb jedoch vorerst bei der bisherigen S7, sodass die Linie vom Betreiber als RB75 gefahren wird.

Betrieb ab 2013Bearbeiten

Mit Freigabe des Leipziger City-Tunnels wurde am 15. Dezember 2013 die erste Betriebsstufe des neuen Netzes der S-Bahn Mitteldeutschland in Betrieb genommen. Die Linien führen aus dem Großraum Leipzig / Halle (Saale) heraus bis in die angrenzenden Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Endpunkte waren unter anderem Zwickau, Halle (Saale), Bitterfeld und Hoyerswerda. Das Netz umfasste in diesem Ausbauzustand eine Länge von 430 Kilometern und 104 S-Bahn-Stationen. 51 Einheiten der Baureihe 442 (Bombardier Talent 2) kamen zum Einsatz.[9]

Betrieb ab 2015Bearbeiten

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 standen für die Aufnahme der zweiten Betriebsstufe nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung, da der Hersteller Bombardier die dafür benötigten 29 Triebwagen nicht rechtzeitig liefern konnte. Gleichzeitig begann der Bahnhofsumbau im Hallenser Hauptbahnhof, sodass die Einführung der Linie S8 (Halle (Saale) Hbf – Dessau Hbf/ Lutherstadt Wittenberg) um zwei Jahre verschoben wurde. Die Linie S2 fuhr dafür stündlich nach Dessau Hbf und wurde von dort im Zweistundentakt bis Magdeburg durchgebunden. Nach Lutherstadt Wittenberg verkehrten bis auf wenige Einzelzüge der Linie S2 weiterhin nur die Regionalbahnlinien 51 (nun erst ab Dessau Hbf statt wie zuvor ab Leipzig Hbf) 80 (Halle (Saale) Hbf – Lutherstadt Wittenberg) und 81 (Bitterfeld – Falkenberg (Elster)). Im Bahnhof Markkleeberg-Gaschwitz fanden ebenfalls Bauarbeiten statt, sodass die Züge der S2 bis auf wenige Züge in der HVZ stets in Leipzig-Connewitz endeten. Die S7 wurde aufgrund der Baumaßnahmen in Halle von ihrem nördlichen Endpunkt Halle-Trotha zurückgezogen und verkehrt bis heute erst ab Halle (Saale) Hbf, die Strecke nach Trotha wird nun von den Zügen der Abellio-Regionalbahnlinie 47 nach Könnern/Bernburg sowie der S3 (Halle (Saale) Hbf – Wurzen) bedient. Für diese Verkehre wurde im Bahnhof Halle-Trotha wieder eine Weichenverbindung zwischen S- und Fernbahngleisen eingebaut.[15]

Aufgrund der verschiedenen Baumaßnahmen gab es in den Jahren 2015 und 2017 zu den Fahrplanwechseln im Leipziger Südraum zu Veränderungen in den Zugläufen:

Die von Halle (Saale) über Schkeuditz nach Leipzig fahrende S3 verkehrte ab Dezember 2015 für zwei Jahre über Borna (b Leipzig) nach Geithain (bisher S4), die aus Richtung Hoyerswerda und Taucha kommende S4 endete seither bis Dezember 2019 in Wurzen bzw. Oschatz (vorher S1). Die S1 endet seit Dezember 2015 in Leipzig-Stötteritz. Der angekündigte Viertelstundentakt der Linie S1 auf dem Abschnitt Leipzig-Stötteritz – Leipzig Miltitzer Allee wurde zum 13. Dezember 2015 nicht eingerichtet und wird frühestens 2022[16] eingeführt. Die Ergänzungslinie S1 (seit 11. Dezember 2016: S11) bis Leipzig Messe blieb bestehen, änderte sich allerdings auch in ihrer Fahrplanlage. Auf dem Abschnitt Leipzig Hbf (tief) – Leipzig-Stötteritz gab es einen 15-Minuten-Takt, der von den Linien S1 und S4 gebildet wurde. Die zusätzlich verkehrende S11 nach Leipzig Messe ergänzte diesen Takt und sorgte dafür, dass auf dieser Relation auch weiterhin sechs Züge pro Stunde und Richtung verkehrten, allerdings nicht mehr im genauen Zehnminutentakt.

Betrieb ab 2017Bearbeiten

Ab Dezember 2017 verkehrte die S2 ab Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg Hbf über Bitterfeld nach Leipzig-Stötteritz, parallel verkehrt die neue Linie S8 zwischen Dessau Hbf und Lutherstadt Wittenberg Hbf über Bitterfeld nach Halle (Saale) Hbf.[17] Zeitweise fahren die Züge beider Linien weiter nach Jüterbog. Die S3 verkehrte nur noch zwischen Halle (Saale) Hbf und Leipzig-Connewitz, ein Teil der Züge begann beziehungsweise endete in Halle-Trotha und in Markkleeberg-Gaschwitz. Die S4 verkehrte aufgrund von Bauarbeiten zwischen Leipzig Nord und Taucha mit verändertem Betriebskonzept. Aufgrund von Baumaßnahmen in Thekla verkehrten die dort endenden Züge weiter nach Eilenburg und bedienten dabei nur einige Unterwegsbahnhöfe. Die S5 verkehrte zunächst im Berufsverkehr zusätzlich nach Halle (Saale) Hbf. Zeitweise bediente die S5 tagsüber zusätzlich nicht mehr den Haltepunkt Böhlen Werke, lediglich in den Abendstunden werden dort ebenfalls Bedarfshalte dieser Linie angeboten.[18] Die S7 behielt ihre Streckenführung zwischen Halle (Saale) Hauptbahnhof und Halle-Nietleben. Neu eingeführt wurde die Linie S9, welche Halle (Saale) Hbf über Delitzsch ob Bf. mit Eilenburg verbindet. Die neue Linie S6 ersetzte die S11 auf dem nördlichen Streckenabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Messe und übernimmt gleichzeitig die Bedienung des südlichen Astes der S3, sodass die Bezeichnung S11 nach zwei Jahren wieder aus dem Netz der S-Bahn Mitteldeutschland verschwand. Die Linie S1 blieb weiter unverändert.[19]

Aktuelles LiniennetzBearbeiten

Folgende zehn S-Bahn-Linien verkehren seit dem 15. Dezember 2019:

Linie Zuglauf Takt (min.)
S 1 Leipzig Miltitzer Allee – Le Karlsruher Straße – Le Allee Center – Le-Grünauer Allee – Le-Plagwitz – Le-Lindenau – Le-Leutzsch – Le-Möckern – Le Coppiplatz – Le-Gohlis – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Le Völkerschlachtdenkmal – Leipzig-Stötteritz 30
S 2 Jüterbog – Niedergörsdorf – Blönsdorf – Zahna – Bülzig – Zörnigall – Lutherstadt Wittenberg Hbf Einzelfahrten
Lutherstadt Wittenberg Hbf – Pratau – Bergwitz – Radis – Gräfenhainichen – Burgkemnitz – Muldenstein – Bitterfeld 120
Dessau Hbf – Dessau Süd – Marke – Raguhn – Jeßnitz (Anh) – Wolfen (Kr Bitterfeld) – Greppin – Bitterfeld 120
Bitterfeld – Petersroda – Delitzsch unterer Bf 30 (Mo–Fr)
60 (Sa+So)
Delitzsch unterer Bf – Zschortau – Rackwitz (b Leipzig) – Leipzig Messe – Le Essener Straße – Le Nord – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Le Völkerschlachtdenkmal – Leipzig-Stötteritz 30
S 3 Halle-Trotha – Hl Wohnstadt Nord – Hl Zoo – Hl Dessauer Brücke – Hl Steintorbrücke – Halle (Saale) Hbf 60
Halle (Saale) Hbf – Halle Messe – Dieskau – Gröbers – Großkugel – Schkeuditz West – Schkeuditz – Le-Lützschena – Le-Wahren – Le Slevogtstraße – Le Olbrichtstraße – Leipzig-Gohlis – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Le Völkerschlachtdenkmal – Leipzig-Stötteritz – Le Anger-CrottendorfLe-Engelsdorf – Borsdorf – Gerichshain – Machern (Sachs) – Altenbach – Bennewitz – Wurzen 30
Wurzen – Kühren – Dahlen (Sachs) – Oschatz Einzelfahrten
S 4 Hoyerswerda – Schwarzkollm – Lauta (Niederlausitz) – HosenaRuhland – Lauchhammer – Plessa – Elsterwerda-Biehla – Bad Liebenwerda – Falkenberg (Elster) – Rehfeld (b Falkenberg/Elster) – Beilrode – Torgau 120
Torgau – Mockrehna – Doberschütz – Eilenburg OstEilenburg – Jesewitz (b Leipzig) – Pönitz (b Leipzig) – Taucha (b Leipzig) 30/30/60
Taucha (b Leipzig) – Le-Heiterblick – Le-Thekla – Le Mockauer Straße – Le Nord – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Leipzig-Connewitz – Markkleeberg Nord – Markkleeberg – Markkleeberg-Großstädteln – Markkleeberg-Gaschwitz 30
S 5 Halle (Saale) Hbf – Flughafen Leipzig/Halle – Leipzig Messe – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Leipzig-Connewitz – Markkleeberg Nord – Markkleeberg – Böhlen (b Leipzig) – Böhlen Werke – Neukieritzsch – Deutzen – Regis-Breitingen – Treben-Lehma – Altenburg
Bedarfshalt am Haltepunkt Böhlen Werke.
60
Altenburg – Lehndorf (Kr Altenburg) – Gößnitz – Ponitz – Crimmitschau – Schweinsburg-Culten – Werdau Nord – Werdau – Steinpleis – Lichtentanne (Sachs) – Zwickau (Sachs) Hbf 120
S 5X Halle (Saale) Hbf – Flughafen Leipzig/Halle – Leipzig Messe – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Le-Connewitz – Markkleeberg Nord – Markkleeberg – Böhlen (b Leipzig) – Altenburg – Gößnitz – Crimmitschau – Werdau – Zwickau (Sachs) Hbf 60
S 6 Leipzig Messe – Leipzig Essener Straße – Leipzig Nord – Leipzig Hbf (tief) – Leipzig Markt – Le Wilhelm-Leuschner-Platz – Le Bayerischer Bahnhof – Leipzig MDR – Leipzig-Connewitz – Markkleeberg Nord – Markkleeberg – Markkleeberg-Großstädteln – Markkleeberg-Gaschwitz – Großdeuben – Böhlen (b Leipzig) – Böhlen Werke – Neukieritzsch – Lobstädt – Borna (b Leipzig)
Bedarfshalt am Haltepunkt Böhlen Werke.
30
Borna (b Leipzig) – Petergrube – Neukirchen-Wyhra – Frohburg – Geithain
Bedarfshalt am Haltepunkt Petergrube und Neukirchen-Wyhra.
60
S 7 Halle (Saale) Hbf – Hl Rosengarten – Hl-Silberhöhe – Hl-Südstadt – Hl Zscherbener Straße – Hl-Neustadt – Halle-Nietleben 30
S 8 Jüterbog – Niedergörsdorf – Blönsdorf – Zahna – Bülzig – Zörnigall – Lutherstadt Wittenberg Hbf Einzelfahrten
Lutherstadt Wittenberg Hbf – Pratau – Bergwitz – Radis – Gräfenhainichen – Burgkemnitz – Muldenstein – Bitterfeld 120
Dessau Hbf – Dessau Süd – Marke – Raguhn – Jeßnitz (Anh) – Wolfen (Kr Bitterfeld) – Greppin – Bitterfeld 120
Bitterfeld – Roitzsch (Kr Bitterfeld) – Brehna – Landsberg (b Halle/Saale) – Hohenthurm – Halle (Saale) Hbf 30 (Mo–Fr)
60 (Sa+So)
S 9 Halle (Saale) Hbf – Peißen – Reußen – Landsberg (b Halle/Saale) Süd – Klitschmar – Kyhna – Delitzsch oberer Bahnhof – Hohenroda – Krensitz – Kämmereiforst – Eilenburg 120
60 (HVZ)

Seit der Betriebsaufnahme konnte die S-Bahn Mitteldeutschland jährlich steigende Fahrgastzahlen verbuchen und zählt heute über 60 000 Nutzer je Werktag. Die 2015 am stärksten nachgefragte Linie war die kombinierte Linie S5/S5X mit täglich über 15 200 Reisenden, gefolgt von der S1 (13 900), S3 (13 700), S4 (11 500) und der S2 (4000). Diese Zahlen beziehen sich noch auf den Betriebszustand vor der Netzreform im Dezember 2015 und sind daher für das heutige Netz nicht repräsentativ. Die Linie S7 wurde 2014 von ca. 4000 Reisenden genutzt.[20]

In den Jahren 2014, 2015 und 2016 wurden auf allen Linien Fahrgastzuwächse beobachtet. Auf der S-Bahn Mitteldeutschland wurden im S-Bahn-Netz 2014 57.765 Fahrgäste pro Tag gezählt. Mit 60.421 Fahrgästen pro Tag (montags bis freitags, 2015)[21] sei das der Verkehrsprognose des City-Tunnels zu Grunde liegende Niveau erreicht worden.[22] Die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste zwischen Leipzig und Halle stieg von 18 000 (2014) auf 21 500 (2015).[23]

Linie S 1Bearbeiten

Die Linie S1 verbindet die Miltitzer Allee im Stadtteil Grünau und den Stadtteil Stötteritz im Osten Leipzigs im Halbstundentakt miteinander.

Geplant ist für die S1 ein 15-Minuten-Takt. Dieser kann jedoch seit der Inbetriebnahme der S-Bahn Mitteldeutschland im Dezember 2013 noch nicht bis Miltitzer Allee gefahren werden. Zunächst verkehrte bis Dezember 2017 noch der Fernverkehr in Richtung Süddeutschland gemeinsam mit den RE nach Erfurt Hbf/Jena und der S1 zwischen Leipzig Hbf und Leutzsch. Von Juni 2019 bis Ende 2020 ist die Kapazität dieses Abschnitts erneut eingeschränkt, weil im Leipziger Auenwald drei Brücken neugebaut werden.

Laut einem Bericht von Mai 2015 prüft der ZVNL allerdings alternativ zur Verstärkung der Grünauer Linie auch eine Führung einer neuen Linie gemeinsam mit der S1 bis nach Leipzig-Leutzsch und dann über die Bahnstrecke Leipzig–Großkorbetha weiter nach Markranstädt als Endpunkt. Hierdurch wäre (auf Kosten der ursprünglich geplanten besseren Anbindung der Großwohnsiedlung Grünau) eine stündliche Weiterführung der S-Bahn bis nach Naumburg (Saale) Hbf möglich.[16]

Linie S 2Bearbeiten

Die Linie S2 verbindet Leipzig-Stötteritz und Dessau Hbf bzw. Lutherstadt Wittenberg Hbf. Bis Delitzsch unt Bf. wird täglich ein 30-Minuten-Grundtakt gefahren. Zwischen Delitzsch unt Bf. und Bitterfeld besteht von Montag bis Freitag ebenfalls ein 30-Minuten-Takt, am Wochenende ein reiner Stundentakt. Zwischen Bitterfeld und Dessau Hbf bzw. Lutherstadt Wittenberg Hbf überlagert sich die S2 mit der S8 zu einem angenäherten Stundentakt, wobei in Bitterfeld wie vor der Einführung der mitteldeutschen S-Bahn ein Korrespondenzhalt besteht. Ab Lutherstadt Wittenberg Hbf bedienen einige dort endende Züge die RB51 als Durchläufer bis Annaburg oder Falkenberg (Elster). Einzelne Züge verkehren morgens und nachmittags ab Lutherstadt Wittenberg Hbf weiter bis Jüterbog.

Verdichtend wirken auf der Strecke nach Magdeburg Hbf die parallel im Stundentakt verkehrenden Regionalexpresszüge der Linie RE13 zwischen Leipzig Hbf und Dessau Hbf mit Verkehrshalt lediglich in Leipzig Messe, Delitzsch unt Bf., Bitterfeld und Wolfen.

Linie S 3Bearbeiten

Die S3 verbindet den Hallenser Stadtteil Trotha mit Wurzen. Zwischen Halle (Saale) Hbf und Wurzen wird ganztägig ein 30-Minuten-Takt gefahren, während der Abschnitt nach Oschatz nur in den Tagesrandlagen bedient wird.

Die geplante Durchbindung der S3 von Halle (Saale) Hbf nach Halle-Nietleben kann allerdings erst nach Schaffung notwendiger infrastruktureller Voraussetzungen im Bahnhof Halle (Saale) Hbf erfolgen (ab vsl. Dezember 2021),[2] insbesondere durch Einbau von dafür notwendigen Weichenverbindungen. Somit wird die bisherige S7 vorerst weiter in einem eigenen Halbstundentakt betrieben. Die S7 war nicht in der Ausschreibungsleistung „Mitteldeutsches S-Bahnnetz I“ enthalten, wird aber wie die anderen Linien von DB Regio Südost betrieben und ist Teil des S-Bahn-Netzes.

Da die S3 zwischen Halle (S) Hbf und dem Endpunkt Halle-Trotha nur stündlich verkehrt, wird sie durch die Züge der Linie RB47 (Halle (Saale) Hbf–Bernburg Hbf) ergänzt.

Linie S 4Bearbeiten

Die S4 verbindet Markkleeberg-Gaschwitz mit den Oberzentren Leipzig und Hoyerswerda. Zwischen Leipzig Hbf und Falkenberg (Elster) sind die Züge mit dem RE10 Leipzig Hbf–Cottbus Hbf verknüpft. Zwischen Markkleeberg-Gaschwitz und Taucha (b Leipzig) besteht ein Halbstundentakt, bis Torgau anschließend ein 30/30/60-Minuten-Takt. Die Taktlücke füllen die Züge der Linie RE10 (Leipzig Hbf–Cottbus Hbf). Die entsprechenden S-Bahn-Züge wenden in Taucha und bieten hier Anschluss von und nach Cottbus. Ab Torgau verkehren die S-Bahn-Züge ganztägig alle 120 Minuten weiter nach Hoyerswerda und halten im Gegensatz zum RE10 auch im Falkenberger Ortsteil Rehfeld. Zeitweise und taktbedingt wenden Züge der Linie S4 auch in Torgau, Eilenburg sowie Eilenburg Ost und auf dem Südast in Leipzig-Connewitz.

Linien S 5 S 5XBearbeiten

Die Linie S5 verkehrt gemeinsam mit der Linie S5X zwischen Halle (Saale) Hbf und Zwickau Hbf. Dabei bedient die S5 grundsätzlich mit Ausnahme der Bahnhöfe Markkleeberg-Großstädteln, Markkleeberg-Gaschwitz und Großdeuben alle Bahnhöfe entlang der Strecke, während die S5X die ehemaligen Linien RE5 und RE8 ersetzt und einen Expresscharakter aufweist. Bis Böhlen werden alle Halte gemeinsam mit der S5 bedient, ab Böhlen bedienen die Züge der Linie S5X nur noch die Bahnhöfe Altenburg, Gößnitz, Crimmitschau und Werdau.

Die S5 verkehrte bis 2018 in der Hauptverkehrszeit (Mo–Fr) sowie an den Wochenenden während der Leipziger Buchmesse und an Adventssamstagen zwischen Halle (S) Hbf und Flughafen Leipzig/Halle im Stundentakt, außerhalb dieser Zeiten kehrten die Züge schon am Flughafen. Seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 fahren auch die Züge der Linie S5 ganztägig von und nach Halle Hbf. Bis Altenburg verkehrt die S5 im Stundentakt, zwischen Altenburg und Zwickau Hbf verkehrt jede zweite Stunde ein S-Bahn-Zug. Die S5X hingegen verkehrt ganztägig im Stundentakt zwischen Halle (S) Hbf und Zwickau Hbf. Beide Linien überlagern sich von Halle bis Böhlen zu einem Halbstundentakt.

Linie S 6Bearbeiten

Die Linie S6 verkehrt zwischen der Leipziger Messe und Geithain. Bis Borna fahren die Züge jede halbe Stunde, ab Borna wird grundsätzlich im Stundentakt gefahren. In Geithain besitzen die Züge direkten Anschluss zum RE6 von Leipzig Hbf nach Chemnitz Hbf.

Linie S 7Bearbeiten

Die Linie S7 verband bis 14. Januar 2021 den Hallenser Hauptbahnhof im Halbstundentakt mit Halle-Nietleben. Aufgrund von umfangreichen Bauarbeiten an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden wurde der Verkehr auf Linie und Strecke am selben Tag eingestellt; auf ersterer endgültig, letztere soll voraussichtlich ab Dezember 2021 wieder von Zügen der Linie S3 bedient werden.[24][25] Die neue S7 wird ab Dezember 2021 von Abellio Rail Mitteldeutschland betrieben und verkehrt dann stündlich zwischen Halle (Saale) Hbf und Lutherstadt Eisleben. In den Hauptverkehrszeiten sowie in Tagesrandlagen wird die neue S7 bis Sangerhausen verlängert.[26]

Linie S 8Bearbeiten

Die Linie S8 verbindet Halle (Saale) Hbf und Dessau Hbf bzw. Lutherstadt Wittenberg Hbf. Zwischen Halle (Saale) Hbf und Bitterfeld verkehren die Züge von Montag bis Freitag etwa jede halbe Stunde, am Wochenende besteht ein Stundentakt. Ab Bitterfeld verkehren die Züge von Montag bis Freitag jeweils im Zweistundentakt nach Dessau Hbf oder Lutherstadt Wittenberg Hbf, wobei die S8 sich mit der S2 zu einem angenäherten Stundentakt überlagert. Wie bei der S2 fahren auch einzelne Züge der S8 morgens und nachmittags von Lutherstadt Wittenberg Hbf weiter nach Jüterbog und enden dort.

Linie S 9Bearbeiten

Die Linie S9 verbindet Halle (Saale) Hbf mit Delitzsch ob Bf. und Eilenburg. Zwischen Halle (Saale) Hbf und Eilenburg wird ein Zweistundentakt gefahren, der von Montag bis Freitag in den Hauptverkehrszeiten zu einem Stundentakt verdichtet wird.

Zukünftige ErweiterungenBearbeiten

Durch die Ende 2013 abgeschlossene vollständige Elektrifizierung der Bahnstrecke Leipzig–Hof (als Teil der Sachsen-Franken-Magistrale) südlich von Reichenbach im Vogtland hatte sich die Möglichkeit eröffnet, S-Bahn-Züge auch bis ins oberfränkische Hof (Saale) durchzubinden. Informationen vom Oktober 2013 zufolge wäre dies jedoch frühestens ab Dezember 2015 umsetzbar gewesen. Daher wurde eine schnelle Zubringerlinie Hof Hbf–Plauen ob Bf. –Werdau eingerichtet, die in Werdau einen bahnsteiggleichen, schnellen Anschluss zur Linie S5X herstellt.[27] Anfang April 2015 wurde vom Verkehrsverbund Vogtland bekannt gegeben, dass diese Zubringerlinie zum Fahrplanwechsel im Juni 2015 entfallen wird. Auch direkte Zugverbindungen Hof–Leipzig seien in den nächsten drei bis vier Jahren aus finanziellen Gründen und mangels Fahrzeugen kein Thema. Größtenteils wird sich die Reisezeit auf fast drei Stunden verlängern, obwohl die durchgehend elektrische Verbindung Zeiten von unter zwei Stunden ermöglichen würde. Jedoch bietet die Erfurter Bahn von Leipzig Hbf aus seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 einen Zweistundentakt mit einer Reisezeit von zweieinhalb Stunden nach Hof Hbf an.[28][29]

Bei der Bahnstrecke Leipzig–Gera sind, laut dem ZVNL, die fehlende Elektrifizierung und das Alter der Strecke die größten Hinderungsgründe für einen ständigen S-Bahn-Verkehr in den Leipziger Südwesten und darüber hinaus.[30]

Mitte 2017 forderten die Oberbürgermeister der Städte Naumburg, Weißenfels und Zeitz sowie der Landrat des Burgenlandkreises in einem offenen Brief die Anbindung der Region an das S-Bahn-Netz.[31] Die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) steht dem Ausbau der S-Bahn-Verbindung grundsätzlich positiv gegenüber. Auch der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) prüft eine Erweiterung des Netzes nach Westen, zunächst aber nur als Verlängerung der Linie S6 bis Markranstädt, was gleichbedeutend mit der Beibehaltung des 30-Minuten-Taktes auf der Linie S1 wäre.[32] Perspektivisch soll eine S-Bahn-Linie alternierend jeweils im Stundentakt nach Naumburg und Merseburg verkehren und die bisherige Regionalbahnlinie ersetzen.[33]

Die zukünftige Ausschreibung des ersten Teilnetzes beinhaltet voraussichtlich zusätzlich zu obiger Verlängerung der S6 den Ersatz der S4 zwischen Torgau und Hoyerswerda durch einen zusätzlichen RE Richtung Leipzig, alternative Linienführungen der S5X nach Glauchau bzw. Plauen, sowie eine zusätzliche S-Bahn-Linie zwischen Miltitzer Allee und Döbeln.[34]

VorgeschichteBearbeiten

Das Hallesche NetzBearbeiten

Halle-Dölau ↔ Halle-Trotha
Halle-Dölau
Halle Heidebahnhof
Halle-Nietleben
S-Bahntunnel Halle-Neustadt
Halle-Neustadt Tunnelbahnhof
Halle Zscherbener Straße
Halle-Südstadt
Halle-Silberhöhe (ehem. Halle Brühlstraße)
Halle-Rosengarten
Halle (Saale) Hauptbahnhof
Halle Steintorbrücke
Halle Dessauer Brücke
Halle Zoo
Halle Wohnstadt Nord
Halle-Trotha

Die einzige Strecke der S-Bahn Halle verband den nördlich gelegenen Stadtteil Trotha in Form eines U über den Bahnhof Halle (Saale) Hbf mit der ab 1964 errichteten Wohnvorstadt Halle-Neustadt am westlichen Saaleufer bis zur Endhaltestelle Halle-Dölau. Gegenwärtig besteht die Strecke nur noch bis Halle-Nietleben.

Um die prognostizierten 100 000 Einwohner Halle-Neustadts dem Zeitgeist entsprechend statt per Straßenbahn mit Bus und S-Bahn ans Nahverkehrsnetz anzuschließen, wurde wie in anderen Bezirksstädten auch in Halle eine S-Bahn eingerichtet. Ursprünglich waren ein Streckenverlauf und die Errichtung eines klassischen Bahnhofs am westlichen Ende von Halle-Neustadt vorgesehen. Dieser Plan wurde später zugunsten eines zentralen Verlaufs geändert: Östlich von Angersdorf war nun ein Abzweig von der seinerzeitigen Strecke Halle–Arenshausen nach Norden vorgesehen. Da ein ebenerdiger Verlauf aber praktisch eine Zerschneidung Halle-Neustadts bedeutet hätte, sollte die Bahnstrecke per Tunnel unterhalb des Stadtzentrums hindurch geführt werden, ein Tunnelbahnhof war nun als zentraler Haltepunkt vorgesehen.

 
Südportal des S-Bahntunnels Halle-Neustadt

Im April 1967 wurde der Betrieb zwischen dem bereits fertig gestellten Haltepunkt Zscherbener Straße und dem Hauptbahnhof aufgenommen – damals ohne Zwischenhalt. Befahren wurde die Strecke zunächst mit Triebwagen der Reihe VT 2.09. Am 27. September 1969 wurde der Tunnelbahnhof eingeweiht und damit auch der elektrische Betrieb offiziell aufgenommen. Die Strecke Halle–Arenshausen wurde gleichzeitig bis zum Bahnhof Angersdorf mitelektrifiziert, um den Knoten Halle von Lokwechseln zu entlasten. An der Brücke über die Merseburger Straße entstand der Haltepunkt Rosengarten als erste Zugangsstelle zwischen Halle (Saale) Hbf und Zscherbener Straße. In den 1970er Jahren wurden im Süden von Halle die Neubaugebiete Halle-Silberhöhe und Südstadt errichtet. Um die im Raum Halle ohnehin hochbelastete Strecke nicht zusätzlich durch haltende S-Bahn-Züge zu belasten, wurde für die Anlage von zwei zusätzlichen Zugangsstellen für diese Wohngebiete 1978 und 1979 die parallele, eingleisige S-Bahn-Strecke Abzw Halle Wörmlitz – Abzw Halle Südstadt Sa gebaut. An ihr liegen der Haltepunkt Silberhöhe und der Bahnhof Halle Südstadt mit Kreuzungsmöglichkeit. Der Bahnhof Südstadt ging am 1. Mai 1979 als Zugangsstelle in Betrieb, der Haltepunkt Brühlstraße (später in Silberhöhe umbenannt) am 1. Juli. Das Planum dieser Strecke wurde für zweigleisigen Betrieb vorbereitet, der Bahnsteig des Haltepunktes Halle-Silberhöhe ist ein Inselbahnsteig mit einer vorbereiteten Bahnsteigkante auf der Nordseite und einem niveaufreien Zugang. Das zweite Gleis wurde jedoch abgesehen vom Kreuzungsgleis in Halle Südstadt nicht eingebaut. Der Bahnhof Halle Südstadt erhielt ein Gleisbildstellwerk, das auch die Abzweigstelle Sa mitbedient. Der Bau eines zusätzlichen Saalebrückenzuges war nicht möglich. Ersatzweise erhielt der Abschnitt Abzw Sa–Angersdorf zweimal eingleisigen Streckenblock. Die S-Bahn-Züge verkehren seitdem auf dem nördlichen Gleis, Züge auf der Stammstrecke befahren im Konfliktfall in beiden Richtungen das Südliche.[35]

Nördlich des Tunnelbahnhofs wurde die Strecke der S-Bahn an die noch bestehenden Anlagen der Bahnstrecke Halle Klaustor–Hettstedt angeschlossen; deren Betrieb war auf dem Gebiet von Halle-Neustadt Ende September 1968 eingestellt worden. Die Trasse, die von Halle-Neustadt über den Bahnhof Halle-Nietleben und den Heidebahnhof bis zum Endpunkt Halle-Dölau führte, wurde zunächst saniert und elektrifiziert. Ihre Eröffnung fand am 26. Oktober 1971 statt.

 
Eröffnungszug am 27. September 1969

Nördlich des Hauptbahnhofs, der für die S-Bahn einen zusätzlichen Bahnsteig 1a außerhalb der Halle an einem bis dahin für den Lokomotivverkehr genutzten Gleis erhalten hatte, wurde zunächst die Strecke nach Halberstadt bis Halle-Trotha ausgebaut und an dieser die neuen Haltepunkte Wohnstadt Nord, Zoo und Dessauer Brücke angelegt. Für den Abschnitt Hauptbahnhof–Dessauer Brücke über Steintorbrücke wurde ebenfalls ein vorhandenes Lokomotivverkehrsgleis zum Bw Halle P benutzt. Das für einen zweigleisigen Betrieb ausgelegte, aber seit Kriegsende nur noch von einem Gleis genutzte Planum der Strecke Halle–Halberstadt erhielt in der Achse des ehemaligen Richtungsgleises Halberstadt–Halle zwischen Dessauer Brücke und Halle-Trotha wieder ein zweites Gleis für die S-Bahn. Da auf eine Elektrifizierung zunächst verzichtet wurde, wurde der Nordteil nach Trotha mit Diesellokomotiven betrieben. Von 1971 bis 1972 baute die DR diesen Streckenabschnitt nochmals aus. Dabei wurde neben dem Neubau von 2,4 Kilometer Gleis auch das S-Bahn-Gleis bis Halle-Trotha nachträglich elektrifiziert. So konnte ab dem 1. Oktober 1972 der durchgehende elektrische Betrieb der Hallenser S-Bahn aufgenommen werden. Eine Kreuzungsmöglichkeit auf der zwischen Halle (S) Hbf und Halle-Trotha durchgehend eingleisigen S-Bahn-Strecke besteht in Steintorbrücke. Hinter dem S-Bahnsteig von Halle-Trotha existierte eine allerdings nicht regelmäßig genutzte zweigleisige Kehranlage und über sie eine Gleisverbindung mit der Strecke nach Halberstadt.

Für die vielen Pendler von Halle-Neustadt in die Chemiebetriebe um Merseburg wurden bald nach Eröffnung der S-Bahn im Berufsverkehr Personenzüge über die Verbindung Merseburg – Buna-Werke – Halle-Nietleben eingerichtet. Die letzten verbliebenen Züge auf dieser Strecke wurden im Dezember 2007 abbestellt.[36]

Das Wohngebiet Halle-Silberhöhe erhielt am 30. September 1979 am Verbindungsbogen Abzw Aw Wörmlitz West – Bahnhof Halle Süd (heute Bf Halle-Ammendorf) auf Höhe des Hp Brühlstraße den Hp Halle-Silberhöhe. Dadurch wurde es möglich, einige Pendlerzüge von Halle-Neustadt nach Merseburg über Halle-Silberhöhe und Schkopau statt Buna zu führen, um die Südstadt direkt an die Chemiebetriebe anzubinden.[37] Die letzten Züge mit diesem Laufweg verkehrten Anfang der 2000er Jahre. Die Züge von Halle in Richtung Sangerhausen und Nordhausen bedienten diesen Haltepunkt jedoch nie. Anfang der 1990er Jahre wurde der Hp. Brühlstraße ebenfalls in Halle-Silberhöhe umbenannt. Der Bahnsteig am Verbindungsbogen Abzw Aw – Halle Ammendorf wird Anfang 2021 abgebrochen.

Nicht realisiert wurden Pläne, die Strecke von Dölau bis Salzmünde zu verlängern und dort einen Regionalbusbahnhof oder einen Ring über die Bahnstrecke Teutschenthal–Salzmünde anzulegen. Ende der 1980er Jahre wurde gar an einen Wiederaufbau bis Hettstedt gedacht, um die Arbeitskräfte des schwindenden Kupferbergbaues im Mansfelder Land im Chemiedreieck zu beschäftigen.

Mitte der 1980er Jahre bestanden weitere Planungen darin, die Taktdichte auf zehn Minuten zu verkürzen, um die Anbindung Halle-Neustadts und des Südens der Stadt an den Hauptbahnhof zu verbessern und somit die damaligen hohen Fahrgastzahlen besser zu bewältigen. Dieses Vorhaben hätte allerdings einen zweigleisigen Ausbau der Strecke Abzw Wörmlitz – Abzw Südstadt Sa zwischen dem Haltepunkt Silberhöhe und dem Bahnhof Halle Südstadt erfordert. Vorleistungen sind heute noch sichtbar, beispielsweise findet sich dort das vorbereitete, jedoch nie genutzte Planum einschließlich Grundschotter für das Richtungsgleis Wörmlitz–Südstadt. Des Weiteren sind zusätzliche Fahrleitungsmastgründungen vorhanden. Eine weitere Vorleistung ist die Breite der Unterführung unter der Paul-Suhr-Straße zwischen Silberhöhe und Südstadt, die ausreichend Platz für ein zweites Gleis bietet. Dieses gesamte Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt, da im Zuge der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre die Einwohnerzahl der Stadt Halle drastisch sank, parallel dazu der Individualverkehr zunahm und der öffentliche Personennahverkehr seitdem mit rückläufigen Fahrgastzahlen zu kämpfen hat. Zeitgleich mit den ersten Preiserhöhungen führte man in Halle schon 1991 mit der Verkehrs- und Tarifgemeinschaft Halle (VTG) einen gemeinsamen Tarif mit Straßenbahn und Linienbus ein. Seit dem 9. Dezember 2007 wird die Strecke nur noch im Halbstundentakt bedient, um einerseits der sinkenden Auslastung gerecht zu werden und sich andererseits dem 15-Minuten-Takt der Straßenbahn sowie dem Halbstundentakt der Linie S10 und den damit verbundenen Umsteigebeziehungen anzupassen.

Am 1. August 2002 wurde der Verkehr im Abschnitt von Nietleben über den Heidebahnhof nach Halle-Dölau eingestellt. Nachdem die HAVAG einer Aufforderung des Landes zur Einstellung des parallelen Busverkehrs nicht nachgekommen war, wurde die Strecke zum 30. September 2002 abbestellt, am 1. August 2002 vorzeitig und am 31. Dezember 2003 formal stillgelegt. Begründet wurde dies weiterhin mit dem Oberbauzustand und den gesunkenen Fahrgastzahlen. Eine Reaktivierung des Streckenabschnitts seitens der Deutschen Bahn AG ist nicht geplant. So wurden seit 2008 im Bereich zwischen Nietleben und dem Heidebahnhof bereits das Kettenwerk der Fahrleitung mit den zugehörigen Auslegern entfernt.

Mit dem Ausbau der Strecke Halle–Halberstadt für eine Geschwindigkeit von 160 km/h und Neigetechnikbetrieb entstand in Sandersleben (Anh) ein elektronisches Stellwerk. Dabei entfielen die Kehranlage und die Gleisverbindung in Halle-Trotha, die S-Bahn-Strecke endete stumpf.

Das Leipziger NetzBearbeiten

 
Leipziger Ersttagsfahrkarte vom 13. Juli 1969

Das Leipziger Streckennetz führte von der nördlichen Ausfahrt des Hauptbahnhofs – einem Kopfbahnhof – zu beiden Seiten um die Stadt und vereinigte sich im Süden in Markkleeberg. Dieses charakteristische Herz wurde von einer Linie ringförmig in beiden Richtungen befahren, wobei im Süden bis Gaschwitz gefahren wurde. Um in Leipzig Hbf von der Ost- auf die Westseite zu gelangen, verkehrten die Züge durch den Verkehrstunnel I. Später folgten Linien in das östlich gelegene Wurzen und das Neubaugebiet Grünau im Westen.

Am 29. Februar 1968 beschloss der Leipziger Bezirkstag den Aufbau eines S-Bahn-Netzes. Bereits zur Frühjahrsmesse verkehrte zwischen Hauptbahnhof und dem neu eingerichteten Haltepunkt (Hp) Messegelände an der Technischen Messe ein „S-Bahn-ähnlicher Schnellverkehr“, am 12. Juli 1969 wurde dann der S-Bahn-Verkehr auf dem ganzen Herz aufgenommen, um das Verkehrsaufkommen des V. Turn- und Sportfestes bewältigen zu können. Die beiden Fahrtrichtungen wurden anfangs mit den Bezeichnungen S1 und S2 unterschieden. An den ersten beiden Tagen verkehrten die Züge kostenlos, was zu Überfüllung der Züge führte. Der Fahrpreis war danach ungewöhnlich hoch, eine Einzelfahrt kostete 50 Pfennig, eine Kurzstrecke bis zu fünf Halten 30 Pfennig. Umsteigen auf die Verkehrsmittel der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) oder des Kraftverkehrs erforderte eine neue Fahrkarte, es wurden jedoch kombinierte Monatskarten ausgegeben. Im Vergleich dazu kostete eine Fahrt im Stadtgebiet von Berlin (mit Umsteigeberechtigung), die deutlich länger sein konnte, 20 Pfennig und eine Einzelfahrt bei den LVB bei Nutzung von Sammelkarten 16,7 Pfennig. Von Anfang an und bis zur Teilung der Linie A, später S1 in einen West- und einen Ostteil verkehrten die Züge im Bahnhof Leipzig Hbf von wenigen Ausnahmen abgesehen in Richtung Osten über das Bahnsteiggleis 6, in Richtung Westen über das Gleis 7.

Auf der Osthälfte, die bis Leipzig-Connewitz die „zweite Verbindungsbahn“ und dann die Ferngleise der Bahnstrecke Leipzig–Hof nutzte, wurden die neuen Haltepunkte Anger-Crottendorf, Messegelände und Marienbrunn, auf der Westhälfte Coppiplatz, Industriegelände West und Lindenau eingerichtet. Alle wurden mit Außenbahnsteigen ausgestattet, da meist nur für diese in den Einschnitten und auf den Dämmen der Strecken Platz war. Seit der Umgestaltung der Leipziger Eisenbahnanlagen zu Anfang des 20. Jahrhunderts bestand zwischen Leipzig-Stötteritz und Gaschwitz in Fortsetzung des Leipziger Güterringes ein viergleisiger Ausbau. Die S-Bahn-Züge verkehrten über die östlichen, ursprünglichen Ferngleise. Wegen des zu geringen Gleisabstandes zu den ursprünglichen Vorortgleisen war es nicht möglich, für Messegelände und Marienbrunn Bahnsteige am Streckengleis Stötteritz–Connewitz anzulegen. Man richtete deshalb auf dem Streckengleis Connewitz–Stötteritz eingleisigen Streckenblock mit Erlaubniswechsel ein. Die S-Bahn-Züge verkehrten in diesem Abschnitt Richtung Connewitz planmäßig auf dem linken Gleis. Die dafür eingerichteten Weichenverbindungen und zusätzliche Signale ermöglichten, Zugfahrten signalmäßig am Bahnsteig Messegelände enden und beginnen zu lassen. Die 36,4 km lange Strecke um die Stadt wurde in 61 Minuten zurückgelegt und mit Ausnahme der Vormittagsstunden im Zwanzigminutentakt bedient. Bereits im Rahmen der Elektrifizierung in Richtung Zwickau und Reichenbach (Vogtl) ob Bf wurden die Sicherungsanlagen teilweise modernisiert. Die Bahnhöfe Stötteritz und Connewitz erhielten Lichtsignale mit zentralisierter Signalstellung durch die Fahrdienstleiter, der Bahnhof Gaschwitz ein Gleisbildstellwerk der Bauform GS II DR. Problematisch war der eingleisige Abschnitt zwischen Plagwitz und Gaschwitz. Wegen der Belastung des Bahnhofes Gaschwitz insbesondere durch Güterzüge und bestehenden Fahrstraßenausschlüssen musste etwa die Hälfte der Züge auf der Westseite im Bahnhof Markkleeberg West enden. Dieser Bahnhof erhielt einen etwas günstiger gelegenen neuen Bahnsteig mit Zugang von der Koburger Straße. Weil die Umsteigeverhältnisse trotzdem in jeder Beziehung unbefriedigend waren, wurde in den Folgejahren ein weiterer Haltepunkt Markkleeberg Mitte an der Rathausstraße in unmittelbarer Nähe zum Haltepunkt Markkleeberg eingerichtet. Ein zusätzliches Stumpfgleis ermöglichte es, alle Züge mindestens bis zu diesem neuen Haltepunkt verkehren zu lassen, durch den gleichzeitigen Bau eines Bahnsteiges am zweiten Bahnhofsgleis in Markkleeberg West wurden Zugkreuzungen von Reisezügen möglich. Mit der Inbetriebnahme des Haltepunktes Markkleeberg Mitte wurde das Umsteigen für Fahrten zwischen der Ost- und der Westseite auch tariflich ermöglicht. Dafür erhielten die Bahnsteige in Markkleeberg und Markkleeberg Mitte als erste die später im ganzen Netz üblichen Lochentwerter. Reisende mussten die Rollenfahrscheine beim Umsteigen in Längsrichtung falten und lochen. Auch Kurzstreckenfahrkarten galten auf dieser Umsteigeverbindung. Ein Jahr nach der Eröffnung wurde zwischen Leipzig Hbf und Anger-Crottendorf der neue Haltepunkt Sellerhausen und im Bahnhof Plagwitz zusätzlich ein Bahnsteig an der Schwartzestraße eingerichtet.

Der Schnellverkehr zwischen Leipzig Hbf und Messegelände wurde während der Messen auch in den folgenden Jahren zusätzlich zu den regulären S-Bahn-Zügen beibehalten. Er war in den S-Bahn-Tarif einbezogen, jedoch waren Fahrkarten der Preisstufe 2 erforderlich.

Im Jahr 1971 wurden etwa 13 Millionen Fahrgäste mit der Leipziger S-Bahn befördert. Dafür standen 45 Züge mit jeweils 8 Wagen zur Verfügung.[38]

 
Zug der Linie S1 an der Endstation Leipzig Miltitzer Allee
 
S-Bahnlinien in Leipzig bis 2002

Am 26. Mai 1974 kam eine Linie B nach Wurzen hinzu, dafür wurden die Haltepunkte Sellerhausen (untere Bahnsteige) und Industriegelände Ost im Bahnhof Engelsdorf neu errichtet. Die vorgesehenen Übergänge zu den oberen Bahnsteigen in Sellerhausen wurden nie gebaut, ein nennenswerter Übergang zwischen beiden Strecken entwickelte sich wegen des unnötig langen Weges und der nicht abgestimmten Fahrpläne nicht. Neu war auf der Strecke nach Wurzen die Einbeziehung aller Personenzüge Richtung Dresden, Riesa, Großbothen und Trebsen in den S-Bahn-Tarif (bis Borsdorf bzw. Wurzen), der dafür um die Preisstufen 3 (1 M), 4 (1,50 M) und 5 (2 M) erweitert wurde. Wegen der starken Streckenbelegung war allerdings kein Taktfahrplan möglich. Wegen des abnehmenden Verkehrsbedarfs und der hinter Borsdorf wegen der langen Blockabschnitte geringeren Durchlassfähigkeit endeten insbesondere im Berufsverkehr einige Züge in Borsdorf. Dafür musste eine Kehrmöglichkeit im Gleis 5 dieses Bahnhofes eingerichtet und ein zusätzliches Ausfahrsignal aufgestellt werden. Die bisherige Linie erhielt gleichzeitig die Linienbezeichnung A, die Richtungsbezeichnungen S1 und S2 entfielen wenig später. Mit der Errichtung des Neubaugebietes Grünau wurde vom 25. September 1977 schrittweise bis 1983 eine Neubaustrecke dorthin in Betrieb genommen, die zunächst von der Linie C im Pendelverkehr (daher der Spitzname „Betonpendel“) bis Plagwitz befahren wurde, wo in die Ringlinie A umgestiegen werden konnte. Der erste Abschnitt bis zum neuen Haltepunkt (Hp) Hermann-Matern-Allee wurde am 25. September 1977 eröffnet. Dieser Hp wurde 1980 kurz vor der Eröffnung des nächsten Bauabschnitts zur Wilhelm-Pieck-Allee am 18. Dezember 1980 in Grünauer Allee umbenannt.[39] Bis 1983 wurden dann noch der Haltepunkte Ho-Chi-Minh-Straße und der Bahnhof Miltitzer Allee erbaut. Dieser Bahnhof erhielt als Einziger einen Inselbahnsteig und eine Kehranlage. Die Weiterführung der Strecke nach Markranstädt war damit baulich vorbereitet, wurde jedoch nie ausgeführt.

C/S2 „Waldbahn“ Plagwitz–Gaschwitz
A/S1 vom Hbf
Plagwitz
A/S1 zur Miltitzer Allee
Schwartzestraße
Kleinzschocher
Markkleeberg West
Markkleeberg Mitte
A/S1 vom Hbf
Markkleeberg-Großstädteln
Gaschwitz

Ab 1984 wurde die Strecke Grünau–Plagwitz–Hauptbahnhof–Gaschwitz durchgängig von der Linie A befahren und Grünau–Plagwitz–Markkleeberg zur einzelnen Linie C, die aufgrund ihrer Strecke auf der Plagwitz-Gaschwitzer Verbindungsbahn durch den Leipziger Auwald „Waldbahn“ genannt wurde. Gemeinsam mit der Linie A wurde damit zwischen Plagwitz und Miltitzer Allee ein Zehnminutentakt angeboten. In Plagwitz wurde ein Anschluss an die Straßenbahnzüge der Linie 2 eingerichtet. Diese Umsteigeverbindung, die sowohl im Vergleich mit den S-Bahn-Zügen der Linie A und auch mit der reinen Straßenbahnbenutzung die kürzeste Verbindung ins Stadtzentrum darstellte, wurde jedoch wegen der fehlenden Durchtarifierung kein Erfolg.

Mit der Wende kamen viele neue Namen, so wurde aus der Wilhelm-Pieck- die Stuttgarter Allee und aus der Ho-Chi-Minh- die Karlsruher Straße, was auch Umbenennungen der gleichnamigen Haltepunkte nach sich zog. Auch die Linien wurden, westlichem Standard entsprechend, zum Sommerfahrplan 1992 mit Nummern statt Buchstaben versehen. So wurde aus der Linie A die S1 (ein Zug verkehrte nun stündlich bis Borna[40]), aus der Linie B die S3 (hier wurde ein Taktfahrplan, wenn auch nur mit Stundentakt, eingeführt) und aus der Linie C die S2. Nachdem letztere durch Kürzung auf das Stück Plagwitz–Gaschwitz, Stundentakt außerhalb des Berufsverkehrs, eine unglückliche Anschlussgestaltung[41] in Plagwitz (der Zug Richtung Gaschwitz verließ Plagwitz eine Minute, bevor der von Leipzig Hbf eintraf, meist konnte man den ausfahrenden Zug noch sehen) und einen höheren Fahrpreis im Vergleich zur Fahrt über Leipzig Hbf immer weniger genutzt wurde, wurde sie zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 eingestellt und durch die Buslinie 65 ersetzt. 2004 wurde die S1 aufgrund der Baumaßnahmen für den City-Tunnel aufgeteilt, der Westteil behielt die Bezeichnung S1, der Ostteil bekam die Bezeichnung S2. Mit dem Umzug der Messe ins Neue Messegelände im Norden der Stadt wurde der Haltepunkt Messegelände in Völkerschlachtdenkmal umbenannt, später der Haltepunkt Stuttgarter Allee auf Betreiben des benachbarten Einkaufszentrums in Allee-Center. Um Baufreiheit für den City-Tunnel zu schaffen, wurde die Linie RB130 Leipzig Bayer Bf – Altenburg mit der Schließung des Bahnhofs Leipzig Bayer Bf im Juni 2001 ab Neukieritzsch mit der S-Bahn verbunden und damit auch die Regionalbahnzüge aus Altenburg an den Hauptbahnhof angebunden. Die zunächst nur als vorübergehende Maßnahme während der Tunnelbauarbeiten angekündigte Dehnung der Taktzeiten auf 30 Minuten machte die S-Bahn im Vergleich zu den Verkehrsmitteln der LVB spürbar unattraktiver. Am 1. August 2001 wurde der Verbundtarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes eingeführt. Während durch das nun mögliche, aufpreisfreie Umsteigen zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln die Nutzung des öffentlichen Verkehrs im Stadtgebiet von Leipzig und im Süden, Westen und Norden einfacher wurde, galt in Richtung Wurzen (und Geithain) jenseits der Stadtgrenze für drei Jahre nur noch der Fernbahntarif. Erst am 1. August 2004 wurde der Verbundtarif auf den Muldentalkreis und den Landkreis Torgau-Oschatz ausgedehnt. Verbesserungen im Fahrplanangebot gab es jedoch bis zur Umgestaltung des Netzes mit der Inbetriebnahme des City-Tunnels nicht mehr. Stattdessen wurde am 30. April 2011 der Betrieb des verbliebenen Abschnitts der Linie S1 wegen Finanzmittelkürzungen bis zur Eröffnung des City-Tunnels eingestellt. Am 24. November 2012 wurde die Strecke Leipzig-Stötteritz stillgelegt. Damit wurde die Linie MRB2 endgültig eingestellt. Damit schloss die Bahn den oberen Teil des S-Bahnhofs Sellerhausen und den Haltepunkt Leipzig Ost. Nachdem auch die Linie S/MRB11 im Zuge des Umbaus zur S-Bahn Mitteldeutschland am 15. Dezember 2013 eingestellt wurde, verlor der Leipziger Osten seine S-Bahn-Anbindung völlig.

Die S-Bahn Leipzig-HalleBearbeiten

Halle (Saale) Hbf – Leipzig Hbf
Halle (Saale) Hbf
Halle Messe
Dieskau
Gröbers
Großkugel
Schkeuditz West
Schkeuditz
Leipzig-Lützschena
Leipzig-Wahren
Leipzig Slevogtstraße
Leipzig Olbrichtstraße
Leipzig-Gohlis
Leipzig Hbf
 
Schriftzug auf einem Wagen der S-Bahn-Linie Halle–Leipzig
 
Ein Zug der Linie S10 im Hp Olbrichtstraße

Obwohl es zwischen Leipzig und Halle schon seit Jahrzehnten einen verdichteten Vorortverkehr gab, ab 1928 verkehrten hier die Triebwagen der späteren Baureihe ET 41, wurde auf dieser Strecke nie ein besonderer Tarif eingeführt.

Am 19. März 2002 begannen in Halle die Bauarbeiten für den Neubau der S-Bahn-Strecke zwischen den beiden Städten. Die Inbetriebnahme des 234-Millionen-Euro-Vorhabens war für Dezember 2004 geplant. Die Baukosten wurden im Wesentlichen durch den Bund (135 Millionen Euro) sowie die Länder Sachsen-Anhalt (39 Millionen Euro) und Sachsen (34 Millionen Euro) aufgebracht.[42] Die Inbetriebnahme erfolgte planmäßig am 12. Dezember 2004.

In Leipzig führt diese Linie vom Hauptbahnhof direkt über die seit Jahrzehnten nur von Güterzügen benutzten ursprüngliche Strecke Wahren–Leipzig Hbf der Magdeburg-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft nach Leipzig-Wahren. Die bisherige Regionalbahnlinie RB56 mit dem Umweg über Wiederitzsch wurde durch die neue S-Bahn-Linie ersetzt. Dadurch änderte sich die Fahrtzeit von 36 Minuten nicht, obwohl fünf Halte hinzukamen. Seit dem 5. Dezember befuhren die Züge der RB56 die reaktivierte Strecke im Probebetrieb mit Fahrgästen. Die zusätzlichen Regionalexpresszüge der Linie RE5, die hier die Rolle einer „Express-S-Bahn“ übernahmen, verkehrten seit 30. Juni 2003 in einem eigenen Stundentakt über den Bahnhof Flughafen Leipzig/Halle. Einen besonderen Tarif musste man wegen des seit dem 1. August 2001 bestehenden Mitteldeutschen Verkehrsverbundes nicht mehr einführen.

Über eine Verlängerung der Grünauer Strecke nach Markranstädt wurde nachgedacht. Aufgrund der Kosten und der damit verbundenen Auflassung der Bahnhöfe Miltitz und Rückmarsdorf wird diese derzeit nur als Option für später gehandelt und im Nahverkehrsplan nach wie vor freigehalten.

Liniennetz von 1969 bis 2009Bearbeiten

 
S-Bahn-Zug Wurzen–Leipzig Hbf in Sellerhausen, vor dem Beginn der Ausbauarbeiten 1995

Zu DDR-Zeiten hatten die Leipziger Linien die Bezeichnung A, B und C. Später wurde dies in S1, S2 und S3 geändert. Die Linie S2 („Waldbahn“) wurde 2002 eingestellt. Die Linie S1 wurde 2004 in die S1 und S2 geteilt, um die Gleise Richtung Bitterfeld, Halle (Saale) und Eilenburg im Bahnhof Leipzig Hbf während des Baus des City-Tunnels nicht unnötig oft queren zu müssen.

  • S1, ehemals A: Leipzig Miltitzer Allee – Leipzig-Plagwitz – Leipzig Hbf – Markkleeberg-Gaschwitz – Borna
  • S2, ehemals C („Waldbahn“): Leipzig-Plagwitz – Markkleeberg-Gaschwitz
  • S3, S11, ehemals B: nach Wurzen

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2004 wurde die Linie S10 Halle – Leipzig eingeführt.

Liniennetz von 2009 bis 2013Bearbeiten

 
Liniennetz 2009

Mit dem Fahrplanwechsel im Jahr 2009 verkleinerte sich das Netz der S-Bahn Leipzig-Halle, da der Betrieb der Linien östlich des Bahnhofs Leipzig Hbf – dies betraf die S2 (Leipzig Hbf – Borna (– Geithain)) und die S11 (Leipzig Hbf – Wurzen (– Oschatz)) der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) als MRB2 bzw. MRB11 übertragen wurde und daher nicht mehr die Bezeichnung S-Bahn trugen. An der Fahrplanstruktur und Taktfrequenz änderte sich dabei auf den betroffenen Strecken nichts. Die MRB setzte auf den elektrifizierten Strecken ausschließlich Dieseltriebwagen ein. Lediglich in Wochenendnächten bediente die DB einzelne Fahrten auf der Linie MRB11 noch selbst als S11.

Wegen Finanzmittelkürzung wurde die S1 am 30. April 2011 eingestellt und erst wieder mit Eröffnung des City-Tunnels in Betrieb genommen. Als Ersatz verkehrten zwei Buslinien sowie zusätzliche Straßenbahnleistungen der LVB.[43]

Die S-Bahn Leipzig-Halle umfasste somit von 2009 bis 2011 die Linien S1, S7 und S10, von 2011 bis 14. Dezember 2013 nur die zwei Linien S7 und S10. Die Züge verkehrten tagsüber im Halbstundentakt.

Mit Betriebsschluss am 24. November 2012 wurde die Bahnstrecke Leipzig Hbf–Leipzig-Connewitz betrieblich gesperrt und zwischen den Bahnhöfen Leipzig-Dresdener Gbf und Leipzig-Stötteritz sofort stillgelegt. Damit war der letzte Rest der ehemaligen Linie A Vergangenheit. Die Züge wurden über den Westring umgeleitet, doch erreichte dieser Betrieb mit nur wenigen Halten (in Leipzig-Gohlis, Möckern und Plagwitz sowie Markkleeberg Mitte) keine S-Bahn-Qualität.

Liniennetz von 2013 bis 2019Bearbeiten

Am 15. Dezember 2013 wurde der Leipziger Citytunnel zwischen Hauptbahnhof und Bayerischem Bahnhof eröffnet. Zusammen mit diesem nahm die S-Bahn Mitteldeutschland mit neuen Fahrzeugen den Betrieb auf. Die vorherige S10 verkehrte fortan als S3 von Halle (Saale) Hauptbahnhof nach Leipzig-Stötteritz, die bisherige Linie RE5 ging in den Linien S5 und S5X auf, die bis Altenburg bzw. Zwickau (Sachs) Hbf durchgebunden wurden. Darüber hinaus wurde die vormalige Regionalbahnverbindung nach Hoyerswerda als neue Linie S4 Teil des S-Bahn-Netzes. Die Grundeinteilung blieb bis heute (2020) erhalten, die südlichen Linienäste der Linien S1, S2, S3 und S4 wurden jedoch mehrmals getauscht und teilweise verlängert. Ab Dezember 2017 wurde die Linie RB118 Halle (Saale) Hbf–Delitzsch ob Bf.–Eilenburg (bis dahin von DB Regio und Veolia Verkehr Regio Ost betrieben) zur S9 umgewandelt und ins S-Bahn-Netz eingegliedert. Zudem wurde eine neue Linie S8 von Halle (Saale) Hbf über Bitterfeld nach Dessau Hbf und Lutherstadt Wittenberg Hbf eingeführt. Sie ist in Bitterfeld mit der Linie S2 in vergleichbarer Weise wie bis 2015 so verknüpft, dass zwischen Halle (Saale) Hbf und Leipzig Hbf sowie Lutherstadt Wittenberg Hbf und Dessau Hbf stündliche Fahrmöglichkeiten mit wechselnden Zielen angeboten werden. Für die jeweils anderen Relation bestehen in Bitterfeld bahnsteiggleiche Korrespondenzanschlüsse. Der vormals südliche Linienast der S3 wurde zwischen Leipzig-Messe und Geithain zur neuen Linie S6 umgewandelt.

Liniennetzkarten seit Eröffnung des City-Tunnels
Liniennetz Dezember 2013 bis Dezember 2015 Liniennetz Dezember 2015 bis Dezember 2017 Liniennetz Dezember 2017 bis Dezember 2019
     

InfrastrukturausbauBearbeiten

City-Tunnel LeipzigBearbeiten

 
S-Bahn-Triebzug an der Station Leipzig Markt (Oktober 2013)
 
Triebzug 1442 203 auf der Nordwestrampe des City-Tunnels.

Die wichtigste Baumaßnahme für das neue mitteldeutsche S-Bahn-Netz war der City-Tunnel in Leipzig. Dieser kostete etwa 960 Millionen Euro und führt als Stammstrecke die S-Bahn-Linien S1 bis S6 gebündelt durch die Leipziger Innenstadt. Der Tunnel unterquert dabei das Stadtzentrum auf einer Länge von 3,9 Kilometern in bis zu 25 Metern Tiefe. Gebaut wurden die vier Tunnelstationen Hbf tief, Markt, Wilhelm-Leuschner-Platz und Bayrischer Bahnhof sowie die Station Leipzig MDR / Semmelweisstraße im südlichen Trogbereich des Tunnels.

Nördlich der Station Hauptbahnhof befindet sich unterirdisch das Überwerfungsbauwerk Nord, das die Strecken in Richtung Leipzig-Gohlis und Leipzig Nord / Berliner Brücke trennt. Der Tunnel umfasst somit eine West- und eine Nordrampe. Zwischen der Westrampe und der Station Leipzig-Gohlis trennen sich die Strecken Richtung Schkeuditz und Leipzig-Leutzsch wiederum niveaufrei am neu errichteten Überwerfungsbauwerk MTh (Magdeburg-Thüringer Bahnhof). Zur niveaufreien Ausfädelung südlich der Tunnelstrecke wurde auf Höhe der Richard-Lehmann-Straße das Überwerfungsbauwerk Süd errichtet. Das Richtungsgleis in Richtung Stötteritz unterquert hier die Gleise von und nach Connewitz durch einen etwa 70 Meter langen Tunnel.

Netzergänzende MaßnahmenBearbeiten

 
Umbau des Bahnhofs Leipzig-Plagwitz, im Hintergrund die alten Bahnsteige (August 2011)
 
Montage des Inselbahnsteigs in Leutzsch mit Fertigteilen (2010)

Um die Vorteile des Tunnels voll nutzen zu können, ist die Umsetzung netzergänzender Maßnahmen (NEM) notwendig.

Im Bereich der Anbindung Nord auf der Strecke Richtung Bitterfeld wurde nördlich der Berliner Brücke die S-Bahn-Station Leipzig Nord an der Theresienstraße neu gebaut. Die Inbetriebnahme fand im Dezember 2013 statt. Nach Eröffnung des City-Tunnels wurde nördlich anschließend im Zuge der Neuerrichtung der gleichnamigen Eisenbahnüberführung die Station Leipzig Essener Straße gebaut und am 9. Dezember 2018 in Betrieb genommen.[44][45][46] Sie wird seitdem von den Linien S2 und S6 bedient.

In Planung befindet sich der zweigleisige Ausbau der Strecke Richtung Eilenburg bis zur Eisenbahnüberführung Wilhelm-Busch-Straße. Voraussetzung für diese Erweiterung ist jedoch der noch nicht absehbare Neubau des Kreuzungsbauwerkes Mockau. Der seit Jahrzehnten geforderte Haltepunkt Mockauer Straße ging im Dezember 2019 zusammen mit dem sanierten Streckenabschnitt Mockau–Thekla der Güterringstrecke Wahren–Engelsdorf und dem neuen Bahnsteig des Bahnhofs Thekla in Betrieb. Bis zum Neubau des Kreuzungsbauwerkes Mockau kann beim Hp Mockauer Straße allerdings nur die südliche Bahnsteigkante genutzt werden. Gleichzeitig wurde auch der Bahnhof Taucha fertiggestellt, wo damit die aus Leipzig kommenden Kurzläufer der Linie S4 mit Anschluss an die Züge der Linie RE10 kehren können. (Details siehe unten unter „Planungen“.)

Verhältnismäßig aufwändig war die Einbindung Südost, welche durch die NEM Gaschwitz – Engelsdorf realisiert wurde. Auf der Strecke Richtung Engelsdorf wurde der bisherige S-Bahn-Halt Leipzig Völkerschlachtdenkmal am bisherigen Richtungsgleis Connewitz–Leipzig Hbf aufgelassen und direkt unter der Prager Straße mit einem 140 Meter langen Inselbahnsteig zwischen den Gleisen der Strecke Engelsdorf–Connewitz inkl. Treppenanlagen und einem Aufzug neu gebaut. Hierbei berücksichtigte man bereits einen zusätzlichen Zugang zum Alten Messegelände. Auch der Bahnhof Leipzig-Stötteritz wurde mit neuen Brücken über die Papiermühlstraße und dreigleisiger Bahnsteiganlage völlig neu gebaut. Dieser Bahnhof erhielt eine eingleisige Kehranlage, auf welcher Züge die Richtung wechseln oder abgestellt werden können. Die LVB beabsichtigen, ihre Straßenbahnhaltestelle direkt unter dem S-Bahnhof im Sinne besserer Umsteigemöglichkeiten umzubauen. Der S-Bahn-Haltepunkt Leipzig Anger-Crottendorf wurde auf dem derzeitigen Güterring an der Zweinaundorfer Straße neu gebaut. Ein späterer Neubau der Station Leipzig-Paunsdorf im Bereich des heutigen Güterbahnhofs ist geplant. Auf der Strecke Richtung Gaschwitz erhielt der Bahnhof Leipzig-Connewitz ein zusätzliches Hauptgleis mit Außenbahnsteig für Züge Richtung Süden. Der Bahnsteig zwischen den ehemaligen Ferngleisen und der Fußgängertunnel wurden entfernt, die Fußgängerbrücke von der Karl-Jungbluth-Straße ersetzte man durch einen Neubau, der sie mit beiden neuen Bahnsteigen verbindet. Die direkte Verbindung zur Straßenbahnhaltestelle an der Klemmstraße wurde dabei allerdings nur vorbereitet. Die Station Markkleeberg Nord wurde komplett neu errichtet, die Stationen Markkleeberg, Markkleeberg-Großstädteln und Markkleeberg-Gaschwitz zeitgemäß umgestaltet.

Im Bereich der Anbindung West fanden Aus- und Umbaumaßnahmen auf der Strecke Leipzig-Leutzsch–Leipzig-Plagwitz statt. Es wurden Brücken, Stellwerke, Gleise und Oberleitungen erneuert sowie Lärmschutzwände aufgestellt. Die Bahnsteige im Bahnhof Leipzig-Leutzsch und der Haltepunkt Leipzig Industriegelände West wurden aufgelassen und durch neue Bahnsteige direkt unter der Georg-Schwarz-Straße ersetzt. Im weiteren Verlauf wurden der Haltepunkt Leipzig-Lindenau und die Reiseverkehrsanlagen des Bahnhofs Leipzig-Plagwitz komplett erneuert. Die Bahnsteige in Plagwitz wurden in diesem Zusammenhang nach Norden direkt an die Karl-Heine-Straße verschoben und erhielten dort neue Zugänge. Mit dem Umbau des Bahnhofs Leipzig-Plagwitz konnte der enge Bogen der Strecke Plagwitz–Miltitzer Allee aufgeweitet werden. Im Zeitraum zwischen April und September 2013 wurden auf dieser durch den Leipziger Stadtteil Grünau führenden S-Bahn-Strecke der Oberbau, die Fahrleitung sowie die Haltepunkte erneuert. Ausbauarbeiten fanden auch auf der Strecke Leipzig-Leutzsch – Bad Dürrenberg statt. Auf diesem Ast wird zwar auch in den kommenden Jahren keine S-Bahn-Linie verkehren, dafür aber die von Abellio Rail Mitteldeutschland betriebenen Expresszüge von Leipzig über Weißenfels und Naumburg in Richtung Erfurt und Jena.

Der Streckenabschnitt Borna–Geithain wurde ebenfalls als netzergänzende Maßnahme im Sommer 2010 elektrifiziert. Diese Baumaßnahme war Grundvoraussetzung für die Nutzung der Strecke durch die bisher in Borna endenden S-Bahn-Züge.

Weitere BaumaßnahmenBearbeiten

Bereits 2004 wurde der Bau der neuen S-Bahn-Strecke Halle (Saale) Hbf–Leipzig Hbf über Schkeuditz abgeschlossen, in deren Verlauf die neue Haltepunkte Leipzig-Gohlis (neben dem bisherigen an der Strecke Leipzig–Großkorbetha), Olbrichtstraße und Slevogtstraße entstanden.

Von Oktober 2008 bis Sommer 2009 erfolgte eine Sanierung des Tunnelbahnhofs Halle-Neustadt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 3,5 Millionen Euro. Modernisiert wurden die Bahnsteige und Treppenaufgänge, an der Hauptverkehrslinie wurden Aufzüge gebaut. Die Bauarbeiten am Haltepunkt der heutigen S7 und der späteren S3 waren im Sommer 2009 fertiggestellt.

Sukzessive erfolgt ein Ausbau aller Bahnsteige auf eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern.

Die Wartung der Talent-2-Züge der S-Bahn Mitteldeutschland erfolgt in der DB-Regio-Werkstatt in Halle (Saale) an der Volkmannstraße. Hierzu entstand eine Mehrzweckhalle mit Dacharbeitsstand sowie eine Lackierwerkstatt.[47]

Geplante Umbauten und ErweiterungenBearbeiten

Für die Zukunft sind folgende Erweiterungen der Infrastruktur im Netz der S-Bahn-Mitteldeutschland vorgesehen bzw. bereits realisiert worden:

  • Ersatzneubau Bahnhof Leipzig-Thekla: Im Zusammenhang mit dem Neubau der Eisenbahnüberführungen Mockauer, Beuth- und Theklaer Straße erfolgte als Ersatz für die bestehenden Bahnsteige in ungünstiger Lage der Neubau eines Inselbahnsteiges mit direktem Zugang von der Theklaer Straße. Die Fertigstellung erfolgte im Dezember 2019.[48]
  • Neubau Haltepunkt Leipzig Mockauer Straße: Im Zuge der umfangreichen Arbeiten in Thekla entstand dieser neue Haltepunkt zur besseren Anbindung an Bus und Straßenbahn an der Umsteigehaltestelle Mockau, Post.[49]
  • Ersatzneubau Bahnhof Taucha: Die bisherigen Anlagen, mit Ausnahme des Empfangsgebäudes, wurden entfernt. Neu gebaut wurden niveaufrei erreichbare Bahnsteige, ein zuglanges Güterzuggleis und ein Kehrgleis für wendende S-Bahn-Züge. Die Arbeiten begannen im Sommer 2016 und wurden im Wesentlichen im November 2019 abgeschlossen.
  • Ersatzneubau Haltepunkt Leipzig-Anger-Crottendorf: Die zwei Außenbahnsteige des 2013 auf dem östlichen Güterring eröffneten Haltepunkts sollen im Zusammenhang mit dem Neubau der Eisenbahnüberführung Zweinaundorfer Straße durch einen 140 Meter langen Inselbahnsteig ersetzt werden. Zur Zweinaundorfer Straße werden sowohl Treppen als auch ein Aufzug angelegt, am südlichen Ende entsteht ein Zugang Richtung Lene-Voigt-Park. Nachdem im Mai 2018 mit den Bauvorbereitungen begonnen wurde, begannen die Hauptbauarbeiten im März 2019. Die Inbetriebnahme war für den November 2021 vorgesehen. Im März 2021 sollten im Rahmen einer Vollsperrung des Abschnittes Engelsdorf–Stötteritz zwei Brücken eingeschoben und der Eingleisige Betrieb auf die neuen Anlagen verlegt werden. Nach Verzögerungen bei Konstruktion und Genehmigung des vergleichsweise aufwändigen Brückenbauwerkes über die Zweinaundorfer Straße wurde die Vollsperrung auf September bis November 2022 und die Gesamtinbetriebnahme auf April 2024 verschoben.
  • Erweiterung Haltepunkt Leipzig-Paunsdorf: Um den Bereich Paunsdorf besser an die S-Bahn-Züge des City-Tunnels aus Richtung Wurzen anzubinden, soll auf dem Gelände des Rangierbahnhofs Engelsdorf ein neuer Haltepunkt auf der Strecke Leipzig-Wahren–Leipzig-Engelsdorf (Güterring) entstehen. Wegen baulicher Besonderheiten (Dammlage und Platzmangel) kann dies erst nach Aufgabe des Ablaufbetriebs in Engelsdorf, welche nach Fertigstellung des Rangierbahnhofes Halle (Saale) Nord geplant ist, erfolgen.[44] Der Bau ist vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben.
  • Neubau Haltepunkt Radefeld/GVZ: Zur Erschließung des Gewerbegebietes mit seinen mehreren tausend Mitarbeitern ist dieser Haltepunkt für die Linie S5/S5X geplant. Der ZVNL rechnet mit täglich 2000 Reisenden. Der Freistaat Sachsen hat die Unterstützung des Vorhabens angekündigt. Ein Zeitplan für die Realisierung besteht noch nicht.[20]
  • Netzerweiterung nach Merseburg: Für die Ausdehnung des Netzes nach Merseburg ist der Bau einer Verbindungskurve nördlich des Bahnhofs Großkorbetha vorgesehen. Für diese Maßnahme stehen 130 Mio. € aus dem Topf zur Abwicklung des mitteldeutschen Kohlebaubaus zur Verfügung.
  • Netzerweiterung nach Gera: Mit 342 Mio. € aus der gleichen Finanzierungsquelle soll das Netz auch nach Gera erweitert werden. Dafür muss die Strecke Leipzig–Probstzella zwischen Plagwitz und Gera elektrifiziert und zwischen Zangenberg und Gera wieder zweigleisig ausgebaut werden. Wie auch nach Merseburg soll nach Gera ein 30-min-Takt etabliert werden.

Weitere Baumaßnahmen werden diskutiert, sind aber nicht absehbar. Dies betrifft zum Beispiel den Neubau einer Verbindungsstrecke nördlich des Kulkwitzer Sees vom bisherigen Grünauer Endbahnhof der Linie S1, Miltitzer Allee, zum Bahnhof Markranstädt an der Bahnstrecke Leipzig–Großkorbetha, was eine Weiterführung der S-Bahnlinie oder Anschlussgewährung Richtung Großkorbetha auf der Strecke Halle–Bebra nach Weißenfels beziehungsweise Merseburg ermöglichen würde.[50][51][52]

FahrzeugeBearbeiten

VergangenheitBearbeiten

In den ersten Jahren wurden auf der Linie A in Leipzig Wendezüge aus LOWA-E5-Wagen in den Stadtfarben – blau mit gelbem Fensterband, schwarzem Langträger und grauen Zierstreifen – eingesetzt. Fahrausweise waren an Zahlboxen in den Mitteleinstiegsräumen erhältlich – eine Besonderheit bei der DR. Auf der Linie B nach Wurzen wurden die Personenzüge Richtung Riesa und Dresden sowie nach Großbothen (und weiter Richtung Glauchau oder Döbeln) und Trebsen (Mulde) in den S-Bahn-Tarif einbezogen. Deshalb konnte man alle im Nahverkehr der DR eingesetzten Fahrzeuge antreffen. Die echten, zusätzlich eingesetzten S-Bahn-Züge zwischen Leipzig und Wurzen bzw. Borsdorf verkehrten anfangs mit fünfteiligen Doppelstockgliederzügen der Bauart 1970.

In Halle kamen zunächst für den Wendezugdienst umgebaute belgische M1-Wagen zum Einsatz, die ursprünglich in den 1930er Jahren gebaut wurden und nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone verblieben waren. Ab 1970 wurden diese ebenfalls durch fünfteilige Doppelstock-Gliederzüge ersetzt. Diese wurden nach den Hallenser Stadtfarben gestaltet und erhielten eine weinrote Lackierung.

Sowohl in Halle als auch in Leipzig wurde der Wagenpark 1977–1979 durch neubeschaffte Doppelstock-Einzelwagen in zu Anfang dunkelgrüner, später beige/brauner Lackierung ersetzt.

Bespannt wurden die Züge mit elektrischen Lokomotiven der Baureihen 211 und 242, die bis Anfang der 1990er Jahre durch Lokomotiven der Baureihe 243, die mit der elektrodynamischen Bremse für den S-Bahn-Dienst mit vielen Halten besser geeignet sind, abgelöst wurden. 1992 wurden diese Baureihen in 109, 142 und 143 umgezeichnet.

Um die lokbespannten Wendezüge zu ersetzen, wurden 1973 und 1974 zwei Prototypen eines neuen elektrischen Triebzugs (Baureihe 280) gebaut und ab 1974 auf der Linie nach Wurzen und auf der Magdeburger S-Bahn intensiv erprobt. Da der Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler Hennigsdorf zu dieser Zeit jedoch in seiner Kapazität voll ausgelastet war, wurden diese nicht in Serie produziert. Die Prototypen wurden nach einem Fahrmotorschaden 1986 endgültig abgestellt. Die klotzgebremsten Doppelstockeinzelwagen der ersten Baujahre wurden ab 1986 durch neugelieferte mit Scheibenbremsen ersetzt. Damit wurde eine Entlastung der Radscheiben und zusätzlich eine deutliche Lärmminderung erreicht.

Auf der S2 (Plagwitz–Gaschwitz) fuhren in den letzten Betriebsjahren Triebwagen der Baureihe 771/772. Auf der Linie S7 wurden die modernisierten Doppelstockwagen aus den 1970er Jahren eingesetzt, teilweise mit ab 1992 gefertigten Steuerwagen. Für die Linie S10 wurden 2004 neue Doppelstockwagen beschafft, die in der Regel nur auf dieser Linie eingesetzt wurden. Die Doppelstockwagen von 2004 fuhren bis zum 14. Dezember 2013 auf der S10, danach wurden sie bis Juni 2016 auf der Linie RE3 (Dresden–Hof) eingesetzt. Auf den Leipziger S-Bahn-Linien wurden ab den 1990er Jahren ebenfalls modernisierte Doppelstockwagen mit ab 1992 gefertigten Steuerwagen DABgbuzf 760 eingesetzt, nachdem auf der Linie S3 schon 1992 der Baumusterwagen für die erste Modernisierungsstufe erprobt worden war.

GegenwartBearbeiten

Für die Inbetriebnahme des neuen S-Bahn-Netzes im Dezember 2013 bestellte die S-Bahn Mitteldeutschland GmbH insgesamt 51 elektrische Triebzüge der Baureihe 442 (Bombardier Talent 2). Davon sind 36 Triebzüge drei- und 15 vierteilig. Die neuen Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und erhielten – abweichend vom „Verkehrsrot“ der Deutschen Bahn – einen Anstrich in silber und grün. Das Investitionsvolumen für die neuen Züge betrug über 200 Millionen Euro.[53] Die Züge sind klimatisiert und verfügen über 150 bis 400 Sitzplätze, der Fahrgastraum ist mit Monitoren zur Fahrgastinformationen und einer Videoüberwachung ausgestattet.[2]

Ab dem Frühjahr 2013 wurden die bereits angelieferten Triebzugeinheiten zunächst zur Personalschulung verwendet, am 18. August 2013 begann dann ein Vorlaufbetrieb mit Reisenden auf der Linie RE5 zwischen Leipzig und Halle (Saale) über Leipzig/Halle Flughafen. Am 29. September folgte der Einsatz dieser Züge auf der S-Bahn-Linie S10 zwischen Halle (Saale) und Leipzig über Schkeuditz.[53]

Talent-2-Triebzüge kamen in Mitteldeutschland bis 2013 nur auf den Linien RE50 Leipzig–Dresden sowie RE10 Leipzig–Cottbus zum Einsatz. Seit Dezember 2015 verkehren derartige Fahrzeuge auch auf dem Saale-Thüringen-Südharz-Netz, das an Abellio Rail Mitteldeutschland vergeben wurde. Dies betrifft unter anderem die Relationen von Leipzig und Halle über Naumburg nach Erfurt und Jena.

 
Leipzig Hbf, Triebzug und lokbespannter Wendezug
 
Hp Markt, Doppelstockwendezüge auf der Linie S2

Auf den S-Bahn-Linien S1 bis S5 und S5X verkehren seit Dezember 2013 ausschließlich die elektrischen Triebzüge der Baureihe 442 (Bombardier Talent 2). Die Linie S7 wurde von Dezember 2013 bis April 2018 mit mindestens drei Zugeinheiten aus jeweils einer Lokomotive der Baureihe 143 und zwei modernisierten Doppelstockwagen bedient. Teilweise wurden auf dieser Linie auch „Sandwich“-Einheiten mit je einer Lokomotive an beiden Enden eingesetzt. Vereinzelt verkehrten auf der S7 auch dreiteilige Triebzüge der Baureihe 1442.

Ende 2014 standen von 51 Triebzügen 10 aufgrund von Unfallschäden, Gewährleistungsmängeln und fehlender Auslieferung nicht zur Verfügung.[54]

 
Verstärkungszug der Linie S3 zwischen Schkeuditz und Leipzig Hbf, Hp Lützschena Juni 2021

Die DB Regio Südost bestellte 29 weitere elektrische Triebzüge der Baureihe 442 für das Netz Mitteldeutsche S-Bahn II. Diese werden seit August 2016 eingesetzt und unterscheiden sich von denen der ersten Lieferung durch rote Türen und eine geänderte Inneneinrichtung. 19 Einheiten sind drei- und 10 fünfteilig. Sie verkehren auf den Linien S2, S8 und S9 sowie auf einigen Regionalverkehrsstrecken in Sachsen-Anhalt. Ursprünglich war der Einsatz der Fahrzeuge bereits für Dezember 2015 geplant, sie wurden jedoch nicht alle rechtzeitig ausgeliefert. Ab 13. Dezember 2015 verkehrten deswegen bis Herbst 2016 auf der Linie S2 bis zu sechs mit Lokomotiven der Reihen 182 oder der 143 bespannte Doppelstockwagenzüge. Aufgrund von Brandschutzbestimmungen im Tunnel mussten mit Lokomotiven der Reihe 143 bespannte Züge im oberirdischen Teil des Bahnhofs Leipzig Hbf kehren. Die betroffenen Züge fielen auf der Reststrecke durch den Tunnel aus.

Von April bis November 2018 verkehrten zusätzlich drei gebraucht übernommene dreiteilige Talent-2-Einheiten von DB Regio NRW bei der S-Bahn Mitteldeutschland. Zuvor liefen diese als Rhein-Sieg-Express zwischen Aachen Hbf und Siegen Hbf. Sie wurden auf der S7 eingesetzt und ersetzten dort die letzten mit der Baureihe 143 bespannten Doppelstockzüge. Seit November 2018 werden wieder Doppelstockwagen aus Frankfurt (M) und DR-Wagen aus Cottbus mit Lokomotiven der Reihe 143 eingesetzt. Diese verkehren teilweise auch auf der S9. Ab dem 15. Dezember 2019 sollen auf der S9 wieder ausschließlich Doppelstockzüge verkehren.[55]

Die Triebwagen für das Netz II wurden bis November 2018 mit WLAN und einem Bordinformationssystem nachgerüstet, jene für das Netz I bis März 2019.[56]

Bis zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 verkehrte an Schultagen morgens und nachmittags ein weiteres Zugpaar für die Schüler des Beruflichen Schulzentrums Schkeuditz als S3 von Leipzig Hbf über Schkeuditz nach Halle (Saale) Hbf. Der Zug am Morgen bestand dabei aus einer Garnitur des Saale-Express (RE 18 Halle (Saale)–Jena), gebildet aus einer elektrischen Lokomotive der Reihe 112 und drei Doppelstockwagen. Seitdem verkehren montags bis freitags in den Hauptverkehrszeiten mehrere Verstärkerzüge, bestehend aus Triebzügen der Baureihe 1442, als S3 von Gleis 6 des Leipziger Hauptbahnhofes bis Schkeuditz, jedoch nicht weiter bis Halle. Seit Februar 2021 kommen bei diesen zusätzlichen Zügen auch Doppelstockzüge mit Lokomotiven der Reihe 143 zum Einsatz.

KundenbetreuungBearbeiten

Zur Betriebsaufnahme der S-Bahn Mitteldeutschland Ende 2013 entstanden fünf Mobilitätszentralen („S-Punkte“) in Altenburg, Borna, Delitzsch, Eilenburg und Leipzig Markt. Diese bieten im personenbedienten Verkauf sowohl Fahrkarten als auch Reisebedarf an und nehmen Kundenanliegen sowie Beschwerden entgegen. Jeder Zug ist mit einem Kundenbetreuer besetzt, auch hier ist der Erwerb von Fahrscheinen möglich.[2] Später kam eine weitere Mobilitätszentrale in Taucha dazu.

Anhaltende Probleme im Betrieb und KritikBearbeiten

Die S-Bahn Mitteldeutschland leidet seit Jahren unter erheblichen Problemen im täglichen Betrieb. So wurde die beschaffte Fahrzeugflotte zu knapp bemessen, sodass regelmäßig Fahrzeuge wegen planmäßiger Instandhaltung, technischen Störungen, Schäden und Vandalismus fehlen und der bestellte Betrieb nicht erbracht werden kann. Steigende Einwohner- und Fahrgastzahlen wurden bei der Planung unzureichend berücksichtigt und verschärfen das Problem. Mitte 2018 häuften sich darüber hinaus Fahrzeugausfälle durch defekte Fahrmotoren, sodass vermehrt Einzel- statt Doppeltraktionen verkehrten, die die Fahrgastnachfrage nicht bewältigen konnten.[57]

Im August 2018 musste aufgrund der anhaltenden Kapazitätsprobleme die Fahrradmitnahme in den Zügen einschränkt werden. Der ADFC und der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierten diese Maßnahme massiv, da hierdurch die Fahrradstellplätze häufig bereits am Startbahnhof vollständig belegt sind und unterwegs keine weiteren Räder mitgenommen werden können. Den Aufgabenträgern NASA und ZVNL wird vorgeworfen, bei der Ausschreibung zu geringe Fahrgastzuwächse (und somit zu wenige Züge) kalkuliert zu haben, was diese zwischenzeitlich einräumen mussten. Auch wird die Reaktion der Aufgabenträger auf die seit Jahren anhaltenden Probleme als unzureichend kritisiert.[58]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wolfram Sturm: Eisenbahnzentrum Leipzig. Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pro Leipzig, Leipzig 2003, ISBN 3-9807201-9-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: S-Bahn Mitteldeutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Andreas Tappert: Mitteldeutsches S-Bahn-Netz soll wachsen in Leipziger Volkszeitung, 13. Dezember 2018 (abgerufen am 14. Dezember 2018)
  2. a b c d S-Bahn Mitteldeutschland nimmt planmäßigen Betrieb auf. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutsche Bahn AG, 15. Dezember 2013, archiviert vom Original am 12. Februar 2015; abgerufen am 11. Februar 2015.
  3. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Einjähriges Jubiläum S-Bahn Mitteldeutschland und City-Tunnel Leipzig (Memento vom 30. Dezember 2015 im Internet Archive). Presseinformation vom 11. Dezember 2014.
  4. Franziska Höhnl: Pendlerstrecke Halle-Leipzig sorgt für Unmut. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 30. Dezember 2015, S. 4.
  5. Zahlen - Daten - Fakten. In: s-bahn-mitteldeutschland.de. Abgerufen am 15. Dezember 2019.
  6. Ausschreibung Mitteldeutsches S-Bahn-Netz. In: newstix.
  7. Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union: D-Leipzig: Personenbeförderung per Bahn 2008/S 157-212269, 14. August 2008
  8. Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union: D-Leipzig: Öffentlicher Schienentransport/öffentliche Schienenbeförderung 2010/S 3-001741, 6. Januar 2010
  9. a b Zahlen – Daten – Fakten. S-Bahn Mitteldeutschland, abgerufen am 26. Dezember 2013.
  10. Veröffentlichungen aus dem Handelsregister: S-Bahn Mitteldeutschland GmbH. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 15. Dezember 2013; abgerufen am 15. Dezember 2013.
  11. Brüssel gibt weitere 77 Millionen Euro frei. (Nicht mehr online verfügbar.) In: zvnl.de. Archiviert vom Original am 10. September 2011; abgerufen am 23. September 2010.
  12. Nasa startet europaweite Ausschreibung im Netz Mitteldeutsche S-Bahn II. (Nicht mehr online verfügbar.) 15. Mai 2012, archiviert vom Original am 4. Oktober 2013; abgerufen am 10. März 2013.
  13. Mitteldeutsches S-Bahn-Netz Teil II: Vergabeentscheidung ist gefallen. (Nicht mehr online verfügbar.) Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, 8. März 2013, archiviert vom Original am 31. Oktober 2013; abgerufen am 12. März 2013.
  14. Netz MDSB II: DB Regio soll nun zum Zuge kommen. (Nicht mehr online verfügbar.) Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, 1. Oktober 2013, archiviert vom Original am 4. Oktober 2013; abgerufen am 2. Oktober 2013.
  15. Änderungen bei der Mitteldeutschen S-Bahn zum Fahrplanwechsel. In: hallespektrum.de. 3. Dezember 2015, abgerufen am 7. August 2018.
  16. a b Andreas Tappert: Planungen haben begonnen – Leipzigs S-Bahn soll bis nach Naumburg rollen. In: Leipziger Volkszeitung. 9. Mai 2017, abgerufen am 12. Mai 2017.
  17. Ab Dezember 2017: Mehr Züge im Dreieck Halle, Leipzig und Bitterfeld unterwegs. Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, 7. Februar 2017, abgerufen am 7. August 2018.
  18. André Neumann: Nachteile für Industriestandort? S 5 hält künftig nicht mehr in Böhlen Werke. In: Leipziger Volkszeitung. 12. November 2017, abgerufen am 16. November 2017.
  19. Änderungen zum Fahrplanwechsel 2017/18 – Übersicht. Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), Dezember 2017, abgerufen am 7. August 2018.
  20. a b Neue Haltestellen für Leipzigs S-Bahn-Netz in: Leipziger Volkszeitung, Nr. 292, 15. Dezember 2016, Seite 13
  21. Andreas Tappert, Martin Pelzl: „Leipzigs City-Tunnel ist super geworden“. In: Leipziger Volkszeitung. 17. Dezember 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  22. Andreas Tappert: Milliardenprojekt City-Tunnel ist eine Erfolgsstory. In: Leipziger Volkszeitung. 15. Dezember 2016, ISSN 0232-3222, S. 1.
  23. Michael Falgowski: Fahrgastzahlen: S-Bahn Halle-Leipzig in der Erfolgsspur. In: Mitteldeutsche Zeitung. 24. Dezember 2016, abgerufen am 31. Dezember 2016.
  24. Baubedingte Fahrplanänderungen auf der S7 auf bauinfos.deutschebahn.de, vom 11. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
  25. Abschied von der S7: bis Dezember keine S-Bahn nach Nietleben, auf dubisthalle.de, vom 14. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
  26. Fahrplan 2022 im Entwurf: Anregungen der Fahrgäste gefragt, auf nasa.de, vom 11. Februar 2021, abgerufen am 13. Februar 2021.
  27. Nahverkehrsjournal Vogtland – Informationen aus dem Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (40. Ausgabe). (PDF; 969 kB) "Shuttleverkehr" auf der VLE 16 zwischen Hof und Werdau. (Nicht mehr online verfügbar.) Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland, Göltzschtalstraße 16, 08209 Auerbach, 2. Oktober 2013, S. 7, archiviert vom Original am 11. Januar 2014; abgerufen am 29. November 2015.
  28. Weniger Vogtlandbahn-Züge nach Hof. Frankenpost Verlag GmbH, 11. April 2015, abgerufen am 11. April 2015.
  29. Fahrplan EB Leipzig – Gera – Hof. (PDF) Erfurter Bahn GmbH, 8. Dezember 2015, abgerufen am 8. August 2015.
  30. Antwortschreiben des Zweckverbandes Nahverkehr Leipzig. 8. Dezember 2014, abgerufen am 1. September 2015.
  31. Franziska Fiedler und Harald Boltze: Nahverkehr: Signale für S-Bahnanbindung positiv. In: Naumburger Tageblatt/MZ. 18. Mai 2017, abgerufen am 13. Juni 2017.
  32. Nahverkehrsplan 2017–2022. (PDF; 7,0 MB) In: zvnl.de. 12. Oktober 2017, S. 66–67, abgerufen am 3. September 2020.
  33. Zielfahrplan Deutschlandtakt Dritter Gutachterentwurf. (PDF; 5,3 MB) Abgerufen am 3. September 2020.
  34. Öffentliche Ausschreibung Leipzig 2019 SPNV-Leistungen MDSB 2025+. In: Ausschreibungen Deutschland. 22. August 2019, abgerufen am 2. Januar 2021.
  35. Die S-Bahn in Halle/Saale – ein Überblick 1969–1993. Abgerufen am 22. Mai 2007.
  36. Kürzung der Regionalisierungsmittel führt zu Angebotsreduzierung im Schienenpersonennahverkehr. Pressemitteilung Nr.: 041/07. (Nicht mehr online verfügbar.) Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Magdeburg, 17. April 2007, archiviert vom Original am 14. März 2008; abgerufen am 15. Mai 2007.
  37. EK-Themen 39: Die Deutsche Reichsbahn vor 25 Jahren – 1979. EK-Verlag, Freiburg 2004, S. 19
  38. 13 Millionen Fahrgäste mit der Leipziger S-Bahn. In: Berliner Zeitung, Jahrgang 28, Ausgabe 4, 4. Januar 1972, S. 2
  39. EK-Themen 40: Die Deutsche Reichsbahn vor 25 Jahren – 1980. EK-Verlag, Freiburg 2005, S. 22
  40. Historischer Überblick. In: Leipziger S-Bahn. Abgerufen am 7. September 2020.
  41. Martin Böttcher/Carsten Schulze: Neuer Bahn-Fahrplan: kaum Verbesserungen, 2. Absatz. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) In: Leipziger Nahverkehr, Archiv Juni 2000. Stand: Freitag, 18. August 2006 11:17:28, abgerufen am 9. Mai 2007
  42. Meldung Baubeginn für S-Bahn Halle – Leipzig. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2002, ISSN 1421-2811, S. 211.
  43. Kürzungen der Finanzmittel für den öffentlichen Personennahverkehr. (Nicht mehr online verfügbar.) Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH (MDV), 28. April 2011, archiviert vom Original am 17. Dezember 2013; abgerufen am 29. November 2015 (Pressemitteilung).
  44. a b Andreas Tappert: Drei S-Bahn-Stationen bleiben auf der Strecke. In: Leipziger Volkszeitung. 15. Januar 2014, abgerufen am 26. Dezember 2015.
  45. Frank Eritt: S-Bahn-Station Leipzig Essener Straße. In: citytunnelleipzig.info. Abgerufen am 28. Dezember 2015.
  46. Gilbert Weise: Schwerpunkt: Mitteldeutsches S-Bahn-Netz, Interview mit Oliver Mietzsch, Geschäftsführer ZVNL. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Neue Wege. Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Elbe-Saale e. V., 17. Dezember 2015, S. 5, archiviert vom Original am 28. Dezember 2015; abgerufen am 28. Dezember 2015.
  47. Vorbereiten auf die Silberlinge. In: DB Welt. Nr. 5, 2013, S. 18.
  48. Frank Eritt: Bahnhof Leipzig Thekla. 16. Dezember 2019, abgerufen am 15. August 2020.
  49. Frank Eritt: S-Bahn Station Leipzig Mockauer Straße. 16. Dezember 2019, abgerufen am 15. August 2020.
  50. Planung Transport Verkehr AG, Intraplan Consult GmbH und Leipziger Institut für Energie GmbH: Nahverkehrsplan Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). (PDF) Fortschreibung, Kurzfassung. Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), 8. Dezember 2008, abgerufen am 10. Februar 2017.
  51. Cornelia Lachmann: S-Bahn nach Markranstädt – Miltitzer Ortsvorsteher Walther ist genervt. In: Leipziger Volkszeitung. 6. November 2014, abgerufen am 10. Februar 2017.
  52. Frank Eritt: Verbindungskurve Markranstädt - Grünau (Kulkwitzer Kurve). In: citytunnelleipzig.info. 19. Juli 2015, abgerufen am 10. Februar 2017.
  53. a b Ab Sonntag moderne Talent 2-Züge auch auf der S-Bahn zwischen Halle (Saale) und Leipzig unterwegs. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutsche Bahn AG, 27. September 2013, archiviert vom Original am 5. Oktober 2013; abgerufen am 29. November 2015.
  54. Jan-Dirk Franke: Nach Nürnberg nur noch mit Umsteigen. In: Freie Presse (Chemnitzer Zeitung). 12. Dezember 2014, ZDB-ID 1085204-9, S. 6 (online).
  55. Bauarbeiten. In: s-bahn-mitteldeutschland.de. Abgerufen am 9. November 2019.
  56. WLAN im gesamten mitteldeutschen S-Bahn-Netz. Deutsche Bahn, 15. März 2019, abgerufen am 15. März 2019.
  57. S-Bahn Mitteldeutschland: Anhaltende Probleme. In: Bahn-Report. Nr. 5, 2018, S. 38.
  58. S-Bahn Mitteldeutschland: Kampf um jeden Platz… In: Bahn-Report. Nr. 6, 2018, S. 63.