S-Bahn Vorarlberg

österreichisches Schienenverkehrsprojekt

Die S-Bahn Vorarlberg ist ein Nahverkehrssystem im österreichischen Bundesland Vorarlberg mit kürzeren Streckenabschnitten im benachbarten Ausland. Sie ist in den Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) integriert, dessen Rückgrat sie darstellt.

S-Bahn Vorarlberg
Karte der S-Bahn Vorarlberg.svg
Staat A, D, CH
Verkehrs- /
Tarifverbund
VVV
Linien 3
Streckenlänge 80 km
kleinste Taktfolge 30 min
Tagesrandzeiten 60 min
Bewohner im Einzugsbereich 260.000
Fahrzeuge ÖBB 4024
Betreiber ÖBB, MBS
Stromsystem 15 kV / 16,7 Hz ~, Oberleitung

S-Bahn

Wortmarke S-Bahn Vorarlberg an einem ÖBB-Triebzug der Reihe 4024

GeschichteBearbeiten

Etablierung der MarkeBearbeiten

Ab Dezember 2005 wurden erste Talent-Triebzüge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit der Aufschrift „S-Bahn Vorarlberg“ beklebt, später auch Triebzüge der Montafonerbahn. Die Zuggattung „S-Bahn“ wurde anfangs nur in Fahrplänen des VVV verwendet, in den offiziellen ÖBB-Fahrplänen waren die Züge vorerst weiterhin als Regionalzüge geführt, erst später übernahmen auch die ÖBB die Liniennummern S1 und S3. Seit Dezember 2020 verkehren auch die Züge der Linie S4 im Fahrplan offiziell unter dieser Bezeichnung.

Verdichtung des TaktesBearbeiten

Das Angebot der S-Bahn Vorarlberg wird laufend ausgebaut und jährlich zum Fahrplanwechsel angepasst. Die wichtigsten Schritte waren:

  • Dezember 2011: S1: Verlängerung des Halbstundentaktes bis 23:00 Uhr.[1]
  • Dezember 2016: S3: Vervollständigung des Halbstundentaktes an Werktagen[2]
  • Dezember 2017: S1: Durchgehender Stundentakt in Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen[3]

Modernisierung der FahrzeugeBearbeiten

2018 wurden alle Züge der Reihe 4024 innen auf Cityjet-Standard (neue Sitzbezüge, Bildschirme, …) modernisiert.

Ab Mitte 2019 sollten neue Triebwagen des Typs Bombardier Talent 3 zum Einsatz kommen, um den immer größer werdenden Fahrgastzahlen gerecht zu werden. [4] Allerdings verzögerte sich deren Zulassung (für Österreich, Deutschland und die Schweiz) immer weiter.[5] Als Übergangslösung wurde entschieden, zwischenzeitlich acht Garnituren gegen modernisierte Talent 1 Cityjets auszutauschen.[6] Nachdem Bombardier auch für einen Probebetrieb im November 2020 nur eine einzige Garnitur zur Verfügung stellen konnte und sich weitere Verzögerungen im Zulassungsverfahren ankündigten, entschieden sich die ÖBB, den Auftrag neu auszuschreiben.[7] Im August 2021 wurde bekannt, dass die ÖBB statt der ursprünglich für Vorarlberg vorgesehenen 21 Talent 3 nun die gleiche Stückzahl Desiro-Garnituren bei Siemens bestellen. Ein ggf. erhöhter Bedarf an Garnituren soll bis zur Lieferung der Desiros durch den Einsatz zusätzlicher Talent 1 gedeckt werden.[8]

LinienBearbeiten

Linie Strecke Streckenname Betriebsführung Inbetriebnahme
S 1 Lindau-Insel (D) – BregenzBludenz Bahnstrecke Lindau–Bludenz ÖBB 11. Dezember 2011
S 3 BregenzSt. Margrethen (CH) Bahnstrecke Lindau–Bludenz, Bahnstrecke St. Margrethen–Lauterach ÖBB 11. Dezember 2011
S 4 BludenzSchruns Montafonerbahn Montafonerbahn AG 9. Dezember 2012[9]

S1: Lindau – BludenzBearbeiten

Die S1 verkehrt zwischen Bregenz Hafen und Bludenz Montag bis Freitag von 4:00 Uhr, samstags von 5:00 Uhr und sonn- und feiertags von 6:00 Uhr morgens bis nach Mitternacht im Halbstundentakt. Mehrere Verbindungen sind bis Lochau-Hörbranz oder Lindau verlängert. In Nächten auf Samstage sowie Sonn- und Feiertage fährt die S1 zwischen Lochau-Hörbranz und Bludenz zwischen Mitternacht und 6:00 Uhr morgens im Stundentakt durch, um angesichts vieler „Disko-Unfälle“ speziell jugendlichen Nachtschwärmern eine Alternative zum Auto zu bieten.

Da auf der Bahnstrecke Lindau–Bludenz zusätzlich auch noch regelmäßige Regionalexpress-Züge, Railjets und ICs verkehren, besteht untertags ein Gesamtangebot von vier regelmäßigen Verbindungen pro Stunde in jede Richtung.

Die wichtigsten Nahverkehrsknoten entlang der Strecke sind Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz. Auch die Bahnhöfe in Hohenems, Götzis, Rankweil und Schruns sind wichtige Knotenpunkte des lokalen Busverkehrs.

S3: Bregenz – St. Margrethen Bearbeiten

Die S3 verkehrt von 6:00 Uhr morgens bis Mitternacht in einem Stundentakt, der montags bis freitags bis 20:00 Uhr auf einen Halbstundentakt verdichtet ist. Mit ihrem Endpunkt in St. Margrethen bietet die S3 Anschluss an die S-Bahn St. Gallen. Wichtigster Nahverkehrsknoten entlang der Strecke ist Lustenau.

S4: Schruns – BludenzBearbeiten

Auf der Montafonerbahn zwischen Schruns und Bludenz verkehren die Züge überwiegend im Halbstundentakt, in den Abendstunden wird ein Stundentakt gefahren. Die Züge werden seit dem Fahrplanwechsel Ende 2012 als S-Bahn bezeichnet. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 verkehren auf der S4 aufgrund des Verkehrsvertrages, welcher barrierefreie Züge vorschreibt, ausschließlich ÖBB-Züge der Reihe 4024. Des Weiteren werden die Züge ab diesem Fahrplanjahr erstmals offiziell als S4 geführt und nicht mehr wie bis dato als Regionalzug. Außerdem wird bis auf Tagesrandzeiten nun im Schnitt jeder zweite Zug von und nach Schruns als S1 von und nach Bregenz durchgebunden.

Geplante LinienBearbeiten

S2: Feldkirch – BuchsBearbeiten

Diese Linienbezeichnung ist für die Strecke von Feldkirch durch Liechtenstein nach Buchs reserviert. Aktuell verkehren hier nur neun Zugpaare pro Tag im Nahverkehr.

S5: Lustenau – Dornbirn (– Feldkirch)Bearbeiten

Ab Dezember 2021 soll in der Hauptverkehrszeit eine neue S-Bahn Linie zwischen Lustenau und Dornbirn (teilweise bis Feldkirch) verkehren.[10] Die Linie wird dafür die südliche Verbindungsschleife in Lauterach zwischen der Bahnstrecke St. Margrethen–Lauterach und Bahnstrecke Lindau–Bludenz nützen.

FahrzeugeinsatzBearbeiten

Bei der S-Bahn Vorarlberg kommen Elektrotriebwagen der ÖBB-Reihe 4024 mit Cityjet-Innendesign zum Einsatz. Eine Bestellung von 21 Desiro-Garnituren als Ersatz für die 4024 erfolgte im August 2021.

Laufende Projekte und weitere PlanungenBearbeiten

Die Anschaffung neuer Züge ist ausgeschrieben, eine Entscheidung soll im ersten Halbjahr 2021 fallen.[7][veraltet]

Das Projekt für den Ausbau der Verbindung zwischen Feldkirch und Buchs liegt wegen der ungeklärten Finanzierung auf Eis.[11]

WeblinksBearbeiten

Commons: S-Bahn Vorarlberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neuer Fahrplan: Halbstundentakt der S-Bahn wird verstärkt. ORF Vorarlberg, 2. Dezember 2011, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  2. Neuer Fahrplan in Vorarlberg: Vier Mal pro Stunde zwischen Bludenz und Bregenz. In: Vorarlberg Online. 10. November 2016, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  3. Durchgehender Nachtzug ab Dezember. ORF Vorarlberg, 11. April 2017, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  4. Talent 3 startet in Bauphase: "Geburtsstunde" der neuen Zuggeneration für Vorarlberg. In: Vorarlberg Online. 30. September 2017, abgerufen am 18. November 2018.
  5. Neue Züge verspäten sich. ORF Vorarlberg, 25. November 2019, abgerufen am 6. August 2020.
  6. Österreich: ÖBB upgraden Nahverkehrsflotte in Vorarlberg. In: LOK Report. 26. Juni 2020, abgerufen am 6. August 2020.
  7. a b Michael Prock: Den neuen Zügen droht das Abstellgleis. In: Vorarlberger Nachrichten. 11. Dezember 2020, S. A5 (vn.at [abgerufen am 11. Dezember 2020]).
  8. vorarlberg ORF at/Agenturen red: Ersatz für Talent 3: Neue Züge bei Siemens bestellt. 17. August 2021, abgerufen am 17. August 2021.
  9. ÖAMTC - Vorarlberg: mehr S-Bahn-Angebot, abgerufen am 3. Dezember 2012
  10. Marktgemeinde Lustenau: Attraktivere Zugverbindung. Abgerufen am 13. August 2021.
  11. „Nein“ zum Ausbau der S-Bahn Liechtenstein. ORF Vorarlberg, 30. August 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.