Borsdorf

Gemeinde im Landkreis Leipzig, Sachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Borsdorf
Borsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Borsdorf hervorgehoben

Koordinaten: 51° 21′ N, 12° 32′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 129 m ü. NHN
Fläche: 15,64 km2
Einwohner: 8265 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 528 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04451
Vorwahl: 034291
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 060
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 1
04451 Borsdorf
Website: www.borsdorf.de
Bürgermeister: Ludwig Martin (CDU)
Lage der Gemeinde Borsdorf im Landkreis Leipzig
Sachsen-AnhaltThüringenLandkreis MittelsachsenLandkreis NordsachsenLeipzigBennewitzBöhlen (Sachsen)BornaBorsdorfBrandisColditzFrohburgGrimmaGroitzschGroßpösnaKitzscherLossatalMachernMarkkleebergMarkranstädtNeukieritzschNeukieritzschThallwitzTrebsen/MuldeBad LausickOtterwischGeithainBelgershainNaunhofParthensteinElstertrebnitzPegauPegauRegis-BreitingenWurzenZwenkauRöthaKarte
Über dieses Bild

Borsdorf ist eine verwaltungsgemeinschaftsfreie Gemeinde im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie gehört zum Grünen Ring Leipzig.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Borsdorf liegt in der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Leipzig (im Westen) und Machern (im Osten). Das Gemeindegebiet wird von dem Fluss Parthe durchzogen, welcher bei Hochwasser gelegentlich den örtlichen Park überflutet.

OrtsteileBearbeiten

Neben Borsdorf gehören die folgenden Ortsteile zur Gemeinde:

WappenBearbeiten

Beschreibung: In Weiß steht ein grüner Apfelbaum mit sieben goldenen Früchten auf einem grünen Schildfuß mit silbernem Wellenbalken.

GeschichteBearbeiten

 
Borsdorf auf einer Karte von 1899

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1267 und ist zu finden im Merseburger Domstift. Damals wurde der Ort noch Borsdorph genannt. Der Kaffeebaum, die wohl erste Gaststätte des Dorfes wird 1724 erbaut. Sie war regional berühmt für ihren Sandkuchen. Wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1748 wird das Hirtenhaus, das heutige Heimatmuseum das erste Mal erwähnt. Es ist bis heute das älteste Gebäude im Ort. Im sogenannten Spittel in der Leipziger Straße wird 1819 die erste "Borsdorfer Schule" eröffnet und am 11. Mai 1838 war die Eisenbahnstrecke zwischen Borsdorf und dem wenige Kilometer entfernten Machern fertiggestellt und nur zwei Monate später die Strecke bis Wurzen. Die Gründerväter der SPD August Bebel und Wilhelm Liebknecht zogen 1881 von Leipzig nach Borsdorf. Am heutigen Bebel-Liebknecht-Haus Borsdorf befindet sich auch eine Gedenktafel.[2] Der Ort lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[3] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Brandis und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma.[4] Im Jahr 1929 wurden das sehenswerte Art déco-Rathaus und das Feuerwehrhaus eingeweiht.

Im Zweiten Weltkrieg wurden am 20. und 21. Oktober 1943 "einige Häuser entlang der Bahnlinie zerstört", wobei fünf Menschen starben. Teile des Frauenheims und die Firma Union werden ebenfalls zerstört. Ab 1952 gehörte Borsdorf zum Kreis Leipzig-Land, der bis 1994 (ab dem 3. Oktober 1990 als Landkreis Leipzig) bestand. Vom 1. August 1994 bis zum 31. Dezember 1998 gehörte es zum Landkreis Leipziger Land und ab dem 1. Januar 1999 zum Muldentalkreis. Zum 1. August 2008 wurde der Muldentalkreis mit dem bisherigen Landkreis Leipziger Land zum neuen Landkreis Leipzig zusammengefasst. Die Gemeinde bildet die flächenmäßig kleinste im Landkreis, hat jedoch nach Wurzen die zweitgrößte Besiedlungsdichte.[5]

Am 1. Juni 1973 wurde der Ort Zweenfurth,[6] am 1. Januar 1999 Panitzsch mit dem 1921 eingegliederten Cunnersdorf eingemeindet.[7]

Anfang der 2000er-Jahre war die Modernisierung der Bahnsteiganlagen des Bahnhofes abgeschlossen. Seit 2005 findet alljährlich zur Weihnachtszeit ein Weihnachtsmarkt statt.[8]

 
Einwohnerentwicklung von 1834 bis 2012

Im Juli 2014 begann der Ausbau des Freien Gymnasiums in der Heinrich-Heine-Straße. Umstritten war dabei der Abriss des historischen Schulgebäudes auf dem Innenhof aus dem Jahr 1874, die sogenannte alte Schule. Die letzten Arbeiten wurden im Sommer 2016 mit dem Abschluss der aufwendigen Sanierung des Schulgebäudes aus den Jahren 1905 und 1911 beendet.[9] Am 21. April 2018 wurde eine neue Sporthalle, auf einem ehemaligen Bahngelände eingeweiht. Sie wird auch für größere Gemeindeveranstaltungen genutzt. Da die Sporthalle eine bessere Anbindung bekommen soll, wird seit Sommer 2019 die Güterladestraße (der sogenannte Güterboden) ausgebaut. Dabei entstehen unter anderem benötigte Parkmöglichkeiten in Bahnhofsnähe.[10] Im Dezember 2018 bekam Borsdorf auch einen Marktplatz. Auf dem ehemaligen Gelände einer in den 1980ern errichteten Kaufhalle, die 2008 abgerissen wurde, entstand gegenüber dem Rathaus nach mehrmonatiger Bauzeit ein gepflasterter Platz mit Winterlinden und Kugelahornen, einem elektronischen Klangspiel und einem Steinbrunnen. Besonderes Augenmerk gilt auch einem historisierenden Hydranten.[11]

Jahr Einwohnerzahl[12]
1551 8 besessene Mann, 11 Inwohner
1764 8 besessene Mann, 3 Häusler, 9 Hufen
1834 109
1871 126
1890 983
Jahr Einwohnerzahl
1910 2765
1925 3072
1939 3124
1946 3657
1950 3563
Jahr Einwohnerzahl
1964 3937
19901 3544
20002 8061
20092 8224
2012 8237
Jahr Einwohnerzahl
2013 8252

1 Borsdorf mit Zweenfurth
2 Borsdorf mit Zweenfurth, Panitzsch und Cunnersdorf

PolitikBearbeiten

Gemeinderatswahl 2019
 %
30
20
10
0
24,8 %
13,3 %
18,2 %
6,9 %
8,8 %
11,2 %
13,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-14,8 %p
+0,8 %p
+18,2 %p
-7,1 %p
-3,1 %p
-10,9 %p
+13,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Freie Wählergemeinschaft 94 Borsdorf und Zeenfurth
c Bürgerforum Gemeinde Borsdorf
f Freie Wähler – Borsdorf braucht Veränderung e.V.
Borsdorfer Gemeinderat seit 2019
1
2
2
4
2
2
5
Insgesamt 18 Sitze
 
Rathaus Borsdorf erbaut 1928 im Stil des Art déco

Die bisher letzten Gemeinderatswahlen fanden am 16. Mai 2019 statt.[13]

Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) wurde im Jahr 2013 zum dritten Mal in das Amt mit einer Amtszeit von 7 Jahren gewählt. Aus Altersgründen kann er nach der aktuellen Amtszeit kein weiteres Mal kandidieren. Am 15. März 2020 findet die nächste Bürgermeisterwahl statt.[14]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche Zweenfurth

GedenkstätteBearbeiten

Vor der 2014 abgerissenen alten Schule erinnerte ein Denkmal an die Ärztin Margarete Blank, die nach 1933 den Widerstand gegen das NS-Regime unterstützte, ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mit Medikamenten versorgte und Nachrichten von "Feindsendern" weitergab. Sie wurde denunziert und 1945 in Dresden ermordet. Die Grundschule in Panitzsch trägt ihren Namen. Ihr ehemaliges Wohn- und Praxishaus in der Margarete-Blank-Straße wurde 1975 als Gedenkstätte eingerichtet und 1993 denkmalschutzgerecht saniert. Eine ständige Ausstellung informiert dort über ihr Leben, aber auch über die Situation in den ehemaligen KZ-Außenlagern und Zwangsarbeiterlagern. Ein Förderverein kümmert sich seit 1996 um die weitere Entwicklung der Gedenkstätte.[15]

VerkehrBearbeiten

 
restaurierter Straßenwärter-Chaussee-Kilometerstein (um 1900) an der (alten) B 6 am östlichen Ortsausgang.
91 Kilometer von Dresden

Durch Borsdorf verläuft die B 6 (hier ursprünglich: Via Regia), auf der Ost-West-Achse.

Die Gemeinde liegt im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV); Borsdorf liegt mit seinen Ortsteilen Cunnersdorf, Panitzsch und Zweenfurth sowie den Städten Brandis und Taucha in der Tarifzone 168. Ein Anschluss an das Schienennetz besteht seit dem 12. November 1837. Der Bahnhof Borsdorf liegt am historischen Knotenpunkt der Bahnstrecken Leipzig–Dresden sowie Borsdorf–Coswig; er ist heute ein Regionalbahnhof und Verkehrshalt folgender Linien:

 
Der alte Güterschuppen beherbergt heute das Tankstellenmuseum

Durch die LeoBus GmbH, einem Tochterunternehmen des LVB-Konzerns, ist Borsdorf mit den Linien 172, 173 und 175 angebunden. Die Linie 172 verkehrt nur montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit (HVZ) mit einzelnen Fahrten, sie dient vorrangig dem Schülerverkehr zwischen Borsdorf und Leipzig-Engelsdorf. Die Linie 173 ist eine Hauptlinie und verbindet Borsdorf mit dem Ortsteil Panitzsch und der Stadt Taucha; sie ist montags bis freitags von 5 Uhr bis 19 Uhr im Einsatz. Die Linie 175 verbindet Borsdorf mit dem Leipziger Stadtteil Sommerfeld und der Stadt Taucha, über Panitzsch, Cunnersdorf, Sehlis und Taucha-Dewitz. Die Linie 175 verkehrt nur montags bis freitags in der HVZ. Die Linien 173 und 175 sind am Bahnhof Borsdorf auf die S-Bahn und die RB110 ausgerichtet.

Durch die Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH (PVM) ist Borsdorf mit den Buslinien 684 und 691 erreichbar. Die Linie 684 verbindet Borsdorf mit Beucha und Brandis, ihre Einsatzzeit liegt analog der Buslinie 172. Die Linie 691 verkehrt nur montags bis samstags zwischen Leipzig und Wurzen mit einzelnen Fahrten. Ihr Verlauf ist zwischen Engelsdorf und Wurzen weitgehend parallel zur S3.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Hugo Oehmichen (1843–1932), Maler
  • Alfred Mäde (1910–1988), Agrarmeteorologe und Hochschullehrer
  • Lothar Hoffmann (* 23. Oktober 1928), Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer
  • Otto Bach (* 21. Mai 1937), Psychiater, Neurologe und Hochschullehrer
  • Christoph Höhne (* 12. Februar 1941), Leichtathlet und Olympiasieger
  • Konrad Ehlich (* 1942), Germanist
  • Erich Franke (* 3. Januar 1944), Maler und Grafiker
  • Albrecht Gehse (* 1955), Maler
  • Sarah Klier (* 2. Oktober 1990, zwei Minuten vor Mitternacht), letztes geborenes Kind der DDR vor der Wiedervereinigung

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Borsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. https://www.borsdorf.eu/geschichte.html, abgerufen am 22. Januar 2020
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  4. Die Amtshauptmannschaft Grimma im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. https://www.borsdorf.eu/ort.html, abgerufen am 22. Januar 2020
  6. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt.
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  8. https://www.lvz.de/Region/Wurzen/Borsdorf-weiht-neuen-Marktplatz-ein, abgerufen am 22. Januar 2020
  9. https://www.freies-gymnasium-borsdorf.de/schulchronik/baumassnahmen.html, abgerufen am 22. Januar 2020
  10. https://www.lvz.de/Region/Wurzen/Borsdorf-baut-Parkplaetze-in-Gueterladestrasse, abgerufen am 22. Januar 2020
  11. https://www.lvz.de/Region/Wurzen/Quadratisch-praktisch-gut-Borsdorf-bekommt-endlich-einen-Marktplatz, abgerufen am 22. Januar 2020
  12. vgl. Borsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  13. https://www.borsdorf.eu/files/Gemeinderatswahl-2019-endgueltig.pdf, abgerufen am 24. Januar 2020
  14. https://www.borsdorf.eu/wahlen.html, abgerufen am 23. Januar 2020
  15. Webseite des Fördervereins "Dr. Margarete Blank e.V.": http://www.margarete-blank-gedenkstaette.de/