Hauptmenü öffnen

Halle-Silberhöhe

Stadtteil am südlichen Stadtrand von Halle (Saale)

Die Silberhöhe ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Süd von Halle (Saale). Der eigenständige, wenig mit dem übrigen Stadtgebiet verbundene Stadtteil ist geprägt von Plattenbauten, die dort ab dem Ende der 1970er Jahre errichtet wurden, um den Wohnbedarf der Beschäftigten der Großbetriebe, insbesondere der Chemieindustrie (z. B. die Kombinate BUNA und LEUNA), zu decken. Am Südrand des Stadtteils befindet sich die Mündung der Weißen Elster in die Saale.

Wappen von Halle (Saale)
Silberhöhe
Stadtteil von Halle (Saale)
AltstadtAmmendorf/BeesenBöllberg/WörmlitzBüschdorfDamaschkestraßeDautzschDiemitzDieselstraßeDölauDölauer HeideFreiimfelde/Kanenaer WegFrohe ZukunftGebiet der DRGesundbrunnenGewerbegebiet NeustadtGiebichensteinGottfried-Keller-SiedlungHeide-Nord/BlumenauHeide-SüdIndustriegebiet NordKanena/BruckdorfKröllwitzLandrainLettinLutherplatz/Thüringer BahnhofNietlebenMötzlichNördliche InnenstadtNördliche NeustadtPaulusviertelPlanenaRadewell/OsendorfReideburgSaaleaueSeebenSilberhöheSüdliche NeustadtSüdstadtTornauTrothaWestliche NeustadtAm Wasserturm/ThaerviertelSüdliche InnenstadtLage des Stadtteils Silberhöhe in Halle (Saale) (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Koordinaten 51° 26′ 34″ N, 11° 58′ 15″ OKoordinaten: 51° 26′ 34″ N, 11° 58′ 15″ O.
Einwohner 12.573 (31. Dez. 2016)
Postleitzahlen 06128, 06132
Vorwahl 0345
Blick über den Rattmannsdorfer See auf Silberhöhe
Mündung der Weißen Elster in die Saale unterhalb von Silberhöhe
Wasserspielplatz

Inhaltsverzeichnis

EntstehungBearbeiten

Baubeginn war im Jahr 1979. 1982 wurde die Silberhöhe an das Straßenbahnnetz der VE Verkehrsbetriebe Halle (seit 16. Juni 1990 Hallesche Verkehrs-AG) angeschlossen. Die Silberhöhe ist in Wohnkomplexe bzw. Bauabschnitte unterteilt. Die höchsten Gebäude waren zwei 22-geschossige Punkthochhäuser, die zwischenzeitlich abgerissen wurden. Entgegen der Planung für Halle-Neustadt lag kein städtebauliches Leitbild wie „die sozialistische Stadt“ zu Grunde, vielmehr ging es vorrangig um die Generierung von Wohnraum zur Lösung des Wohnungsmangels in der DDR.

StadtumbauBearbeiten

Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung lebten in dem Stadtteil 39.000 Menschen in 15.000 Wohnungen. Der Bevölkerungsrückgang in den neuen Bundesländern ist auch an Halle, insbesondere an den Plattenbausiedlungen, nicht spurlos vorübergegangen. Die ehemals begehrten Wohnungen sind vielerorts unattraktiv geworden, da sie mit modernisierten Altbauten konkurrieren müssen. So lebten 2008 etwa 14.000 Menschen in der Silberhöhe, was weniger als 36 % des Standes von 1990 entspricht. Prognosen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes sagten für 2015 noch etwa 9.600 Einwohner voraus, was bei einer durchschnittlichen Personenanzahl pro Haushalt von 1,95 etwa 5.600 Wohneinheiten entspricht, die dann noch belegt sein werden.

Zudem ist in dem Stadtteil ein anhaltender Prozess sozialer Segregation zu beobachten. Der Wohnungsleerstand nimmt stetig zu. Daher wurde beginnend mit dem Jahr 2002 (erster Abriss eines Wohnblockes durch die Wohnungsgenossenschaft „Frohe Zukunft“) der Rückbau von Wohngebäuden, Schulen und Kindertagesstätten durchgeführt. Insgesamt sind rund ein Drittel der Wohnungen (ca. 4.500) für den Abriss vorgesehen.

Im Rahmen des Stadtumbauprozesses wurde für den Stadtteil Silberhöhe das Leitbild für eine Waldstadt erarbeitet. Mit dem Ziel der Renaturierung soll durch die Anpflanzung von Laubbäumen auf großflächigen Rückbauarealen ein natürlich wachsender Stadtwald entstehen.

Ein wesentlicher Schritt für die Erneuerung war die ab 1998 erfolgte Einrichtung des Programms „Soziale Stadt“; hierbei gelang es der Stadt Halle, ihre beiden Großwohnsiedlungen in die staatliche Förderung einzubringen und insbesondere bei der Silberhöhe ein engagiertes Erneuerungskonzept zu initiieren. Kulturelle Aufwertung und vor allem der Abriss in großem Stil kennzeichnen nunmehr die Entwicklung dieses in den Vordergrund gerückten Stadtteils. Bereits im Jahre 1999 ist im Zusammenhang mit der Umstrukturierung auf der Silberhöhe das Stadtteilbüro vom Gebietsmanagement und der Stadt Halle (Saale) eingerichtet worden. Es übernimmt eine wichtige Funktion als Bindeglied bei der Vernetzung verschiedener Projekte und Initiativen. Hier finden wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen wie auch zum Kunstprojekt „Spur der Steine“ statt. Inzwischen ist die Silberhöhe durch die bewusste Verknüpfung von Kunst und Abriss als Begriff und Bild überregional bekannt. Neben dem Projekt „Spur der Steine“ ist insbesondere die ausführliche künstlerische Darstellung der Silberhöhe durch Film und Bildsequenzen innerhalb der Ausstellung „Shrinking Cities“ als Beispiel aus der Region Halle-Leipzig zu erwähnen.

Der Stadtteil selbst ändert sein Gesicht grundlegend durch den laufenden Abriss der Hochhäuser und die Neuformulierung des öffentlichen Raums. Bereits in den Jahren 1999 bis 2002 verschwanden die ersten Elfgeschosser mit insgesamt 464 Wohnungen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll nach dem abgestimmten Konzept eine Rückbauleistung von über 7.200 Wohnungen durch die daran beteiligten sechs Wohnungsunternehmen erbracht werden. Bei der Nachnutzung der freigelenkten Flächen kommt die offensichtlich in Anlehnung an das Konzept von Joseph Beuys von jungen Grünplanern entwickelte „Stadtverwaldung“ zur praktischen Umsetzung. Eine Fläche von 3,6 Hektar wird aufgeforstet und es entsteht mitten im bewohnten Quartier ein Laubwald: Erle, Spitz- und Bergahorn, Esche und Traubeneiche werden die künftigen Bewohner der Silberhöhe heißen, umsäumt von Haselnuss, Heckenkirsche, Hartriegel, Weißdorn und Wildrose. Rund 20.000 Bäumchen werden systematisch an diesem Standort angesiedelt; fast ein Baum für jeden früheren Bewohner.

Medien und KunstBearbeiten

 
GRABUNGSSTAEDTE 2005

Die Silberhöhe war unter anderem Thema eines niederländischen Dokumentarfilms von Britta Hosman (2005, 30 Minuten) sowie eines Kurzfilms von Clemens von Wedemeyer (2003, 10 Minuten).

Die Künstlerin Dagmar Schmidt bildete in den Grundmauern eines abgerissenen Wohnblocks die Lebenswelt in den umgebenden Bauten am ausgehenden 20. Jahrhundert nach. Das Mobiliar in dem mit „GRABUNGSSTAEDTE“ bezeichneten Kunstwerk ist ebenfalls aus Beton. Für das Kunstwerk erhielt die Künstlerin 2006 – als erste Frau – den mit 50.000 Euro dotierten „mfi Preis Kunst am Bau“.

VerkehrBearbeiten

Am Nordrand des Stadtteils liegt der Haltepunkt Halle-Silberhöhe an der Bahnstrecke Halle–Kassel, der von der Linie S7 Hauptbahnhof–Nietleben der S-Bahn Mitteldeutschland halbstündlich bedient wird. Zudem verläuft in Nord-Süd-Richtung die Straßenbahntrasse durch den Stadtteil, auf der zwei Straßenbahnlinien jeweils im 15-Minuten-Takt fahren. Angesichts der stabilen Einwohnerentwicklung soll auch langfristig das Angebot nicht eingeschränkt werden.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Ronald Kunze: Vitalisierung und Abriss. Zur kulturellen Aufwertung im Stadtumbau; in: Pfeifer (Hg.) 2005:30-34
  • Tobias Pfeifer (Hg.): Spur der Steine. Projektbericht. Halle 2005
  • Robert Schlotter: Halle-Silberhöhe; Mitteldeutscher Verlag, Halle 2009 (ISBN 978-3-89812-663-2)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oliver Müller-Lorey: Schrumpfungsszenarien nicht eingetreten: Silberhöhe behält zwei Straßenbahn-Linien. In: Mitteldeutsche Zeitung. 6. Dezember 2017 (mz-web.de [abgerufen am 29. März 2018]).