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Nowo-Moskowskoje (russisch Ново-Московское, deutsch: Poplitten, litauisch Popalyčiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk im Rajon Bagrationowsk. Zu Nowo-Moskowskoje gehören auch die Ortsstellen Pörschken sowie Louisenhof, welches nach 1945 zunächst dem Ort Woronowo zugeordnet worden war.

Siedlung
Nowo-Moskowskoje
Poplitten

Ново-Московское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Frühere Namen bis 1947: Poplitten;
Perschkaw (vor 1610)
Perschke (vor 1634)
Perschcken (vor 1724)
Perschken (vor 1746)
Pörschken (bis 1946)
Bevölkerung 645 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40156
Postleitzahl 238460
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 819 008
Geographische Lage
Koordinaten 54° 34′ N, 20° 14′ OKoordinaten: 54° 34′ 0″ N, 20° 14′ 0″ O
Nowo-Moskowskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Nowo-Moskowskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Der Ort Nowo-Moskowskoje ist nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Landgemeinde Nowomoskowskoje selskoje posselenije mit Sitz in Schosseinoje im angrenzenden Rajon Gurjewsk.

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Nowo-Moskowskoje liegt vier Kilometer östlich der Stadt Laduschkin (Ludwigsort) am Rande eines militärisch genutzten Areals. Der Ort ist zu erreichen über eine Nebenstraße, die bei Swetloje (Kobbelbude) von der russischen Fernstraße R 516 (Grzechotki /PolenKaliningrad, ehemalige deutsche Reichsautobahn Berlin–KönigsbergBerlinka“) westwärts bis nach Nowo-Moskowskoje führt.

Die Bahnstation von Nowo-Moskowskoje ist der Haltepunkt O. p. 1312 km (vor 1945 Pörschken) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Mamonowo. Dieser Haltepunkt befindet sich schon im Stadtkreis Laduschkin.

GeschichteBearbeiten

PoplittenBearbeiten

Poplitten war bis 1945 eigenständig. Bis zum Jahre 1945 gehörte der Ort zum Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen und war in den Amtsbezirk Pörschken[2] eingegliedert.

PörschkenBearbeiten

Die Gemeinde Pörschken findet 1386 ihre erstmalige urkundliche Erwähnung, ist jedoch wesentlich älter. Der Ort bildete den Mittelpunkt der früher so genannten Huntau, einer wasserreichen Landschaft südlich der Niederung des Flüsschens Frisching (russisch: Prochladnaja).

Pörschken zählte 1933 insgesamt 558 Einwohner. Ihre Zahl stieg bis 1939 auf 605[3]. Zwischen 1874 und 1945 bildete Pörschken mit 18 Nachbargemeinden den Amtsbezirk Pörschken[2]. Nach umfangreichen Strukturmaßnahmen besonders in den 1920er Jahren gehörten 1945 noch insgesamt acht Gemeinden dazu: Barsen (russisch: Kossatuchino), Konradswalde, Legnitten (Proletarskoje), Perwilten, Pörschken (Nowo-Moskowskoje), Sollecken (Kossatuchino, zunächst Nischneje) und Wargitten (Oktjabrskoje).

Nowo-MoskowskojeBearbeiten

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Poplitten zur Sowjetunion und erhielt 1947 den russischen Namen „Nowo-Moskowskoje“.[4] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets, dem 22 Ortschaften zugeordnet waren. Nach 1954 gelangte der Ort zunächst in den Dorfsowjet Pjatidoroschny selski Sowet und später in den Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Pogranitschny selski Sowet (okrug). Von 2008 bis 2016 gehörte Nowo-Moskowskoje zur Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.

Nowo-Moskowski selski Sowet 1947–1954Bearbeiten

Der Dorfsowjet Nowo-Moskowski selski Sowet (ru. Ново-Mосковский сельский Совет,) wurde im Juni 1947 im Rajon Laduschkin eingerichtet.[4] Im Jahr 1954 wurde er an den Pjatidoroschny selski Sowet angeschlossen.[5]

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Beregowoje (Береговое) Patersort 1947
Berjosowka (Берёзовка) Grünwiese 1947
Bolschedoroschnoje (Большедорожное) Dagwitten, Julienhof und Laukitten[6] 1947
Dubki (Дубки) Charlottenthal 1950
Gogolewo (Гоголeво) Kopainen 1950
Iljitschowka (Ильичёвка) Lank 1947
Jablotschkino (Яблочкино) Lokehnen 1950
Jasnoje (Ясное) Lönhöfen 1947
Krasnoarmeiskoje (Красноармейское) Patranken 1947
Muschkino Lauk und Stobecken 1950
Nowo-Moskowskoje (Ново-Московское) Poplitten 1947
Nowosjolowo (Новосёлово) Groß Rödersdorf 1947
Oktjabrskoje (Октябрьское) Wargitten 1947
Panfilowo (Панфилово) Preußisch Thierau 1947
Perwomaiskoje (Первомайское) Pottlitten 1947
Proletarskoje (Пролетарское) Legnitten 1947
Rasdolnoje (Раздольное) Adlig Pohren 1947
Sosnowka (Сосновка) Schwanis 1947
Sowchosnoje (Совхозное) Rippen 1947
Tropinino (Тропинино) Heide, Kreis Heiligenbeil 1950
Wetrowo (Ветрово) Schölen 1950
Woronowo (Вороново) Alt Kainen und Louisenhof 1950

KircheBearbeiten

KirchengebäudeBearbeiten

 
Taufengel um 1710

Die Grundmauern der Pörschkener Kirche[7] reichen teilweise bis ins 14. Jahrhundert zurück. Im Laufe seiner Geschichte wurde das Gotteshaus mehrmals umgebaut und umgestaltet. Der Unterbau des Turmes entstand mit der Erweiterung der ursprünglich kleineren Kirche, und die Stockwerke darüber kamen erst 1676 dazu.

Die Kirche beherbergte einst einen kostbaren Schnitzaltar mit der thronenden Maria mit Heiligen sowie Aposteln. Er gelangte in eine Sammlung der Marienburg. Im Innern der Kirche war die Decke in flacher Korbbogenkonstruktion durchgehend bemalt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde vor allem der Turmhelm zerstört. Das Kirchenschiff brannte aus. Nach langer Zeit des Verfalls richtete man die Ruine als Lagerhalle ein. Im nordöstlichen Gebäudeteil brach man eine Öffnung für LKWs in die Wand, und der Turmeingang wurde zugemauert, während die Fenster eine Bretterverschalung erhielten.

KirchengemeindeBearbeiten

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Pörschken ein Kirchdorf. Die Reformation hielt hier relativ früh Einzug. Vor 1945 war der weitaus größte Teil der Bevölkerung evangelischer Konfession. Pörschken gehörte zum Kirchenkreis Heiligenbeil (heute russisch: Mamonowo) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

KirchspielorteBearbeiten

Das Kirchspiel Pörschken[8] zählte zuletzt 3375 Gemeindeglieder, die in 33 Ortschaften (mit Schulorten*) wohnten:

  • Albeneck
  • Albenort
  • Barsen (Kossatuchino)
  • Charlottenthal (Dubki)
  • Dagwitten (Bolschedoroschnoje)
  • Groß Klingbeck*
  • Grünwehr
    (früher: Dalbenthal)
  • Hermannswalde
  • Julienhof (Bolschedoroschnoje)
  • Kämmershöfen
  • Kainen (Woronowo)
  • Konradswalde
  • Kopainen (Bolschedoroschnoje,
    bis 1992: Gogolewo)
  • Korschelken
  • Lauck (Muschkino)
  • Laukitten (Bolschedoroschnoje)

PfarrerBearbeiten

Von der Reformation bis 1945 amtierten in Pörschken 18 evangelische Geistliche[9]:

  • Johann Cleinow, 1551
  • NN., 1556
  • Johann Preuß, 1610–1613
  • Johann Sperber, 1613–1643
  • Balthasar Götcke, 1645–1654
  • Jacob Grening, 1683/1687
  • Bernhard Friedrich Hahn, 1685–1686
  • Friedrich Jühr, 1687–1700
  • Christian Bruno, 1700–1747
  • Benjamin Friedrich Zimmer, 1723–1742
  • Joachim Friedrich Voß, 1742–1758
  • Georg Gottfried Lohrer, 1758–1784
  • Johann Jacob von Schäwen, 1781–1821
  • Ernst Wilhelm Bethke, ab 1818
  • Alexander F.H. Henke, 1859–1884
  • Karl Georg Obrkatis, 1884–1901
  • Paul Friedrich Ferdinand Hafke, 1902–1916
  • Bruno Link, 1916–1945

Heute gibt es in Nowo-Moskowskoje eine kleine Kapelle (Bethaus), die der hier durch neu angesiedelte Russlanddeutsche gebildeten evangelischen Kirchengemeinde als Gotteshaus dient. Sie bildet eine eigene Gemeinde im Pfarrbezirk der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg), die der Propstei Kaliningrad[10] innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) zugeordnet ist.

Persönlichkeiten des OrtesBearbeiten

  • Johann Bernhard Hahn (* 12. Juni 1685 in Pörschken als Pfarrerssohn; † 1755), deutscher orientalischer Philologe und evangelischer Theologe

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Pörschken
  3. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Heiligenbeil (russ. Mamonowo). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  4. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  5. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  6. umbenannt wurde nur Laukitten
  7. Pörschken bei ostpreussen.net
  8. Kirchspiel Pörschken
  9. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 112–113
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

WeblinksBearbeiten