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Jair Bolsonaro

brasilianischer Politiker und Kongressabgeordneter
Jair Bolsonaro

Jair Messias Bolsonaro (* 21. März 1955 in Campinas) ist ein konservativer brasilianischer Kongressabgeordneter und angehender Kandidat für die brasilianische Präsidentschaftswahl 2018.[1][2] Er vertritt die Sozial-Christliche Partei (PSC) in der Abgeordnetenkammer und erhielt 2014 bei den allgemeinen Wahlen des Bundesstaats Rio de Janeiro die meisten Stimmen.[3][4][5]

Inhaltsverzeichnis

Politische LaufbahnBearbeiten

Bolsonaro war zunächst Fallschirmspringer für die brasilianische Armee.[5] 1988 begann seine öffentliche politische Karriere mit der Wahl zum Stadtrat in Rio de Janeiro für die Partido Democrata Cristão (PDC). In den Wahlen des Jahres 1990 gewann er ein Kongressmandat für die PDC, das er für vier weitere Amtszeiten halten konnte. Er gehörte einigen weiteren politischen Parteien Brasiliens an.

Im Jahr 2014 war er der Kongressabgeordnete mit den meisten Stimmen in Rio de Janeiro (464.572).

Politische Ansichten und KontroversenBearbeiten

Bolsonaro brachte während seiner politischen Laufbahn viele äußerst konservative und provokative Ansichten zum Ausdruck. Er ist ein ausgesprochener Gegner der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtlicher Eheschließung und äußert häufig kontroverse Bemerkungen, darunter homophobe und zur Gewalt anregende[6], frauenfeindliche und sexistische[7], sowie rassistische[8] und gegen Flüchtlinge gerichtete[9]. Er spricht sich gegen positive Diskriminierung oder Quoten für Afrobrasilianer sowie gegen die Entkriminalisierung von Drogen aus. Bolsonaro befürwortet die Todesstrafe und einen radikalen Interventionismus durch das Militär in Brasilien, gefolgt von der Einsetzung einer Militärregierung. Im Jahr 1993, nur acht Jahre nach der Rückkehr der Demokratie (nach über 20 Jahren Militärherrschaft und Diktatur in Brasilien), sagte er, dass eine erneute Militärherrschaft zu einem nachhaltigeren und wohlhabenderen Brasilien führen würde.[5] Er pries auch den ehemaligen peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori für seine Militärintervention gegen die Judikative und die Legislative.[5]

In einem Interview für die Dokuserie Gaycation erinnerte Ellen Page an eine frühere Aussage Bolsonaros, man könne einem Kind die Homosexualität mit einer ordentlichen Tracht Prügel austreiben. In einem Interview mit dem britischen Komiker Stephen Fry behauptete Bolsonaro 2013, dass „wir Brasilianer Homosexuelle nicht mögen“ (nós, brasileiros, não gostamos de homossexuais).[10] Der brasilianischen Ausgabe des Playboy gegenüber erklärte er, es sei ihm lieber, wenn sein Kind bei einem Unfall stürbe, als sich als homosexuell herauszustellen.[11] In der brasilianischen Fernsehsendung CQC antwortete Bolsonaro auf die Frage, was er tun würde, wenn sich sein Sohn als homosexuell outete, dass dies nicht geschehen würde, da seine Kinder eine gute Erziehung genossen hätten (tiveram boa educação). Kurz darauf wurde er gefragt, wie er reagieren würde, wenn sich einer seiner Söhne in eine afrobrasilianische Frau verliebte. Daraufhin antwortete er ebenfalls, dass dies nicht geschehen würde, da seine Kinder gut erzogen worden seien (meus filhos foram muito bem educados). Für diese Aussagen wurde er am 14. April 2015 zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 150.000 Reais (ca. 41.000 Euro) verurteilt.[12]

Während seiner Abstimmung für die Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff huldigte Bolsonaro Oberst Carlos Alberto Brilhante Ustra, während der brasilianischen Militärdiktatur Leiter des berüchtigten Folterzentrums DOI-CODI, wo auch Dilma Rousseff gefoltert worden war.[13] Jean Wyllys, ein Abgeordneter der linken Partei Partido Socialismo e Liberdade, bespuckte ihn daraufhin.[14]

Der amerikanische Journalist Glenn Greenwald bezeichnete Bolsonaro als „den frauenfeindlichsten, hasserfülltesten gewählten Funktionär der demokratischen Welt“ (the most misogynistic, hateful elected official in the democratic world).[4] Der australische Nachrichtensender News.com.au fragte sich, ob Bolsonaro wohl der „abscheulichste Politiker der Welt“ sei (the world’s most repulsive politician).[8]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jair Bolsonaro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jair Bolsonaro é apresentado como pré-candidato à Presidência da República.
  2. In Brazil, a New Nostalgia for Military Dictatorship.
  3. Upside Down World: Brazilian Elections: What Happens Next?. In: upsidedownworld.org.
  4. a b The Most Misogynistic, Hateful Elected Official in the Democratic World: Brazil's Jair Bolsonaro - The Intercept. In: The Intercept.
  5. a b c d http://www.nytimes.com/1993/07/25/weekinreview/conversations-jair-bolsonaro-soldier-turned-politician-wants-give-brazil-back.html
  6. Globo: Ellen Page confronta Jair Bolsonaro em cena de documentário. In: Globo.com.
  7. TheGuardian: Brazilian congressman ordered to pay compensation over rape remark. In: TheGuardian.com.
  8. a b Gavin Fernando: Is this the world’s most repulsive politician?. In: News.com.au.
  9. Simon Romero: Conservative’s Star Rises in Brazil as Polarizing Views Tap Into Discontent. In: Nytimes.com.
  10. Globo: Ellen Page confronta Jair Bolsonaro em cena de documentário. In: Globo.com.
  11. Bruce Douglas: Brazil's 'bullets, beef and bible' caucus wants to imprison 16-year-olds. (en-UK). In: Guardian, 17. April 2015. 
  12. Bolsonaro é condenado por declarações homofóbicas e racistas. (pt-BR). In: Globo, 15. April 2015. 
  13. Christian Russau: In Brasilien verhindert ein Amnestiegesetz, dass Verbrechen aus der Zeit der Militärdiktatur (1964-1985) verfolgt werden können. Eine Wahrheitskommission soll zur Aufklärung beitragen. (de-DE). In: Amnesty International, 18. April 2016. 
  14. Jonathan Watts: Dilma Rousseff: Brazilian congress votes to impeach president (en-GB). In: The Guardian, 18. April 2016.