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Rio de Janeiro (Bundesstaat)

brasilianischer Bundesstaat

Der Bundesstaat Rio de Janeiro gehört zur südöstlichen Region Brasiliens.

Rio de Janeiro
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Flagge
Flagge
Wappen
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Basisdaten
Staat Brasilien
Hauptstadt Rio de Janeiro
Fläche 43.909,7 km²
Einwohner 15.993.583 (2010[1])
Dichte 364 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 BR-RJ
Politik
Regierungschef Luiz Fernando Pezão
Partei PMDB
Wirtschaft
BIP 671.077 Mio. R$
31.064 R$ pro Kopf
(2014[2])

Koordinaten: 22° 22′ S, 42° 53′ W

Seine Hauptstadt heißt ebenfalls Rio de Janeiro. Die Bewohner des Bundesstaates werden als Fluminenses bezeichnet, während sich die Bewohner der Hauptstadt Cariocas nennen.

Amtierender Gouverneur ist seit 4. April 2014 Luiz Fernando Pezão (PMDB).[3]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Satellitenbild des Landes
 
Mata Atlântica‎ mit Gebirgszug

Mit einer Fläche von nur rund 43.782 km² (Stand 2016) gehört Rio de Janeiro zu den kleineren Staaten Brasiliens und ist in etwa so groß wie Dänemark und etwas kleiner als das deutsche Bundesland Niedersachsen. Es ist mit rund 16,7 Mio Einwohnern, geschätzt zum 1. Juli 2017, der drittbevölkerungsreichste Bundesstaat nach São Paulo und Minas Gerais. Die Einwohnerdichte beträgt etwa 365 EW/km².[4]

Die höchste Erhebung des überwiegend bergigen Bundesstaates ist der Pico das Agulhas Negras in der Serra da Mantiqueira mit 2.789 m. Die wichtigsten Flüsse sind der Paraíba do Sul, Macaé, Muriaé, Piraí und der Rio Grande. Das größte Binnengewässer ist mit einer Fläche von 220 km² die Laguna de Araruama, im Osten des Bundesstaates. Er hat mit etwa 635 km Ausdehnung am Südatlantik die drittgrößte Küstenlänge nach den Küsten von Bahia (rund 1183 km) und Maranhão (rund 640 km). Die Küstenregion wird Baixada Fluminense genannt und bildet mit der sich anschließenden Baixada Santista im Bundesstaat São Paulo die Region Costa Verde.

Der Bundesstaat grenzt (von Südwesten im Uhrzeigersinn) an die Bundesstaaten São Paulo, Minas Gerais und Espírito Santo, die zusammen die statistische Großregion Região Sudeste bilden.

Die Hauptstadt und größte Stadt ist Rio de Janeiro. Ihre Nachbarstadt Niterói war bis 1975 die Hauptstadt des Bundesstaates und ist mit ca. 500.000 Einwohnern dessen fünftgrößte Stadt. Zwischen beiden Städten verläuft die 1974 gebaute, 14 km lange und die Bucht von Guanabara überquerende Rio-Niterói-Brücke.

Entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung sind die nächstwichtigen Städte des Bundesstaates Rio de Janeiro, in alphabetischer Reihenfolge: Angra dos Reis, Araruama, Arraial do Cabo, Barra Mansa, Búzios, Cabo Frio, Campos, Duque de Caxias, Macaé, Mauá, Nova Friburgo, Nova Iguaçu, Paraty, Petrópolis, Rio das Ostras, São Gonçalo, Saquarema, Teresópolis und Volta Redonda.

GeschichteBearbeiten

Der Bundesstaat Rio de Janeiro hat seinen Ursprung in der nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 gegründeten kaiserlichen Provinz Rio de Janeiro. Die Stadt Rio de Janeiro war sowohl die Kapitale der Provinz wie auch die des Kaiserreichs. Um ihrer Hauptstadtfunktion gerecht zu werden, ist die Stadt im Jahr 1834 als „neutrale Stadt“ (Município Neutro) administrativ von ihrem provinziellen Umland abgetrennt worden, worauf Stadt und Provinz von nun an zwei Gebietskörperschaften mit gleichen Namen darstellten. Neue Hauptstadt der Provinz wurde Niterói. Nach dem Ende des Kaiserreichs und der Proklamation der Republik 1889 ist die Provinz in einen Bundesstaat eingerichtet worden. Seine Hauptstadt wurde 1894 von Niterói nach Petrópolis verlegt, nur um 1903 wieder nach Niterói zurückverlegt zu werden.

Mit dem Ergänzungsgesetz Lei complementar número 20 vom 1. Juli 1974[5] hat die brasilianische Militärregierung unter Präsident Ernesto Geisel die Wiedervereinigung des Bundesstaates Rio de Janeiro mit dem Stadtstaat von Rio de Janeiro verfügt, der seit 1960 als Bundesstaat Guanabara bestanden hat. Das Gesetz ist am 15. März 1975 wirksam geworden, worauf der heutige Bundesstaat entstand, dessen Hauptstadt nun wieder Rio de Janeiro ist.

PolitikBearbeiten

ExekutiveBearbeiten

 
Palácio Guanabara, Sitz des Gouverneurs
 
Palácio Tiradentes, Sitz der Legislativversammlung

Luiz Fernando Pezão ist der 62. Gouverneur seit Gründung des Staates. Sein Vizegouverneur ist Francisco Dornelles des PP. Sitz des Gouverneurs ist der Palácio Guanabara.

Der Teilstaat wird im Bundessenat des Nationalkongresses (55. Legislaturperiode) von drei Senatoren vertreten: Eduardo Lopes (PRB), Lindberg Farias (PT) und dem ehemaligen Fußballspieler Romário (PODE). In die Abgeordnetenkammer des Nationalkongresses wurden 46 Bundesabgeordnete gewählt.

Gouverneure waren seit 1974 in der Übergangszeit von der Militärdiktatur Brasiliens und seit der Sechsten Republik:

Im November 2016 erklärte der Bundesstaat den finanziellen Notstand, Krankenhäuser und Schulen blieben teils geschlossen und die Polizei arbeitete im Halbstreik, alleine im Januar 2017 wurden 18 Beamte ermordet. Gleichzeitig war der frühere Gouverneur Sérgio Cabral in Untersuchungshaft mit dem Vorwurf, Hunderte von Millionen Dollar veruntreut zu haben.[6]

Im Februar 2018 nannte die NZZ den amtierenden Gouverneur ein „wandelndes Desaster“: Er gehöre zur Clique von Sérgio Cabral Filho, der den Bundesstaat „um hunderte Millionen Dollar erleichterte“. Der Staatspräsident Brasiliens, Michel Temer, wollte dem Gouverneur die Kontrolle entziehen, stattdessen wurde ihm durch Dekret Nr. 9.288[7] nur die Kontrolle über den Sicherheitsapparat entzogen, sodass ab Februar 2018 für ein Jahr der Armeegeneral Walter Souza Braga Netto, Militärkommandant des Ostens, die Polizei befehligt.[8] Die Ernennung eines Bundesinterventors ist verfassungsrechtlich umstritten.

LegislativeBearbeiten

Die aktuell von 2015 bis 2019 laufende 11. Legislativversammlung Assembleia Legislativa do Estado do Rio de Janeiro (ALERJ) besteht aus 70 Abgeordneten.[9] Sie hat ihren Sitz im Palácio Tiradentes im Zentrum der Hauptstadt.

JudikativeBearbeiten

Oberstes Organ der Rechtsprechung einschließlich der staatlichen Militärjustiz ist das Tribunal de Justiça do Estado do Rio de Janeiro (TJERJ), der Gerichtshof des Staates Rio de Janeiro. Präsident für die Zeit von 2017 bis 2018 ist Richter Milton Fernandes de Souza.[10]

DemografieBearbeiten

Ethnische GruppenBearbeiten

Anteile der ethnischen Gruppen nach einer Erhebung von 2009 (aus Gesamtzahl 15.801.000):[11]

Gruppe Anteil in % Anmerkung
Brancos (Weiße, Nachfahren von Europäern) 55,8 meist portugiesisch-, italienisch-, deutsch-, schweiz-, spanischstämmig
Pardos (Mischrassige) 32,6 meist Mulatten und Mestizen
Pretos (Schwarze) 11,1 meist Bantu- und Yorubastämmige
Indigene und Amarelos (Asienstämmige) 0,4
ohne Angaben 0,1

Wirtschaft und LandwirtschaftBearbeiten

Der Anteil Rio de Janeiros am brasilianischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2011 bei 11,2 %, er ist neben dem von São Paulo der Zweithöchste des Landes.[2] Insgesamt betrug das BIP 462.376 Mio. R$, pro Kopf 28.696 R$ als Dritthöchstes des Landes im Jahr 2011.

Dabei wird der überwiegende Teil (ca. 58 %) im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Die wichtigsten Industrien sind chemische Industrie, Erdöl- und -gasförderung und Metallindustrie. Der Tourismus spielt eine sehr bedeutende Rolle. Denn insbesondere für ausländische Touristen ist die Stadt Rio de Janeiro Brasiliens populärster Zielort, während der kleine Badeort Armação dos Búzios im Bundesstaat den zweiten, in ganz Brasilien den achten Platz einnimmt.

StädteBearbeiten

Städte über 100.000 Einwohner laut Volkszählung 2010 des IBGE mit Schätzungen der Einwohnerzahlen zum 1. Juli 2016.[1]

Gemeinde Census
2010
Schätzung
1. Juli 2016
01 Rio de Janeiro   000000006320446.00000000006.320.446 000000006498837.00000000006.498.837
02 São Gonçalo   000000000999728.0000000000999.728 000000001044058.00000000001.044.058
03 Duque de Caxias   000000000855048.0000000000855.048 000000000886917.0000000000886.917
04 Nova Iguaçu   000000000796257.0000000000796.257
(2000: 920.599)
000000000797435.0000000000797.435
05 Niterói   000000000487562.0000000000487.562 000000000497883.0000000000497.883
06 Campos dos Goytacazes   000000000463731.0000000000463.731 000000000487186.0000000000487.186
07 Belford Roxo   000000000469332.0000000000469.332 000000000494141.0000000000494.141
08 São João de Meriti   000000000458673.0000000000458.673 000000000460541.0000000000460.541
09 Petrópolis   000000000295917.0000000000295.917 000000000298158.0000000000298.158
10 Volta Redonda   000000000257803.0000000000257.803 000000000263659.0000000000263.659
11 Magé   000000000227322.0000000000227.322 000000000236319.0000000000236.319
12 Itaboraí   000000000218008.0000000000218.008 000000000230786.0000000000230.786
13 Macaé   000000000206728.0000000000206.728 000000000239471.0000000000239.471
14 Cabo Frio   000000000186227.0000000000186.227 000000000212289.0000000000212.289
15 Nova Friburgo   000000000182082.0000000000182.082 000000000185102.0000000000185.102
16 Barra Mansa   000000000177813.0000000000177.813 000000000180126.0000000000180.126
17 Angra dos Reis   000000000169511.0000000000169.511 000000000191504.0000000000191.504
18 Mesquita   000000000168376.0000000000168.376 000000000171020.0000000000171.020
19 Teresópolis   000000000163746.0000000000163.746 000000000174587.0000000000174.587
20 Nilópolis   000000000157425.0000000000157.425 000000000158319.0000000000158.319
21 Queimados   000000000137962.0000000000137.962 000000000144525.0000000000144.525
22 Maricá   000000000127461.0000000000127.461 000000000149876.0000000000149.876
23 Resende   000000000119769.0000000000119.769 000000000126084.0000000000126.084
24 Araruama   000000000112008.0000000000112.008 000000000124940.0000000000124.940
25 Itaguaí   000000000109091.0000000000109.091 000000000120855.0000000000120.855
26 Rio das Ostras   000000000105676.0000000000105.676 000000000136626.0000000000136.626

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rio de Janeiro (Bundesstaat) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b IBGE: Cidades@ Rio de Janeiro. Abgerufen am 30. Juli 2014 (portugiesisch, englisch, spanisch).
  2. a b IBGE: Notícias: Contas Regionais 2014: cinco estados responderam por quase dois terços do PIB do país. Abgerufen am 3. März 2017 (portugiesisch).
  3. Kurzprofil. Abgerufen am 16. Juni 2014 (portugiesisch).
  4. IBGE: Rio de Janeiro Panorama, Version 4.3.5, abgerufen am 9. März 2018 (portugiesisch).
  5. Presidência da República: Lei complementar n° 20, de 1º de julio de 1974 Dispõe sobre a criação de Estados e Territórios. Abgerufen am 30. Juli 2014 (portugiesisch).
  6. Tod auf dem Klettergerüst, NZZ, 7. Februar 2017
  7. Decreto Nº 9.288 de 16 de fevereiro de 2018, Decreta intervenção federal no Estado do Rio de Janeiro com o objetivo de pôr termo ao grave comprometimento da ordem pública. In: Diário Oficial da União - Imprensa Nacional. pesquisa.in.gov.br, 16. Februar 2018, abgerufen am 9. März 2018 (brasilianisches Portugiesisch).
  8. Temers Soldaten sollen Ruhe nach Rio bringen, NZZ, 19. Februar 2018
  9. Assembleia Legislativa do Estado do Rio de Janeiro - Deputados, Quem são. In: gov.br. www.alerj.rj.gov.br, abgerufen am 12. März 2018 (brasilianisches Portugiesisch).
  10. Galeria dos Presidentes do TJERJ (1975-2018) - Tribunal de Justiça do Estado do Rio de Janeiro. In: jus.br. www.tjrj.jus.br, abgerufen am 12. März 2018 (brasilianisches Portugiesisch).
  11. IBGE: Síntese de indicadores sociais. Uma análise das condições de vida da população brasileira 2010. Rio de Janeiro 2010, ISBN 978-85-240-4034-4, Tabela 8.1 - População total e respectiva distribuição percentual, por cor ou raça, segundo as Grandes Regiões, Unidades da Federação e Regiões Metropolitanas - 2009, S. 232 (brasilianisches Portugiesisch, archive.org [PDF; abgerufen am 18. März 2018]).