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Eurovision Song Contest 1975

20. Ausgabe des europäischen Musikwettbewerbs

Der 20. Eurovision Song Contest fand am 22. März 1975 in Stockholm statt, nachdem im Jahr zuvor die Gruppe ABBA gewonnen hatte. Es moderierte Karin Falck. Gewinner war die Gruppe Teach-In, die für die Niederlande mit ihrem Lied Ding-a-dong startete.

20. Eurovision Song Contest
Eurovision Song Contest 1975.jpg
Datum 22. März 1975
Austragungsland SchwedenSchweden Schweden
Austragungsort St. Eriks Mässan Älvsjö, Stockholm
Austragender Fernsehsender SR
Moderation Karin Falck
Pausenfüller The World of John Bauer
Teilnehmende Länder 19
Gewinner NiederlandeNiederlande Niederlande
Erstmalige Teilnahme TurkeiTürkei Türkei
Zurückkehrende Teilnehmer FrankreichFrankreich Frankreich,
MaltaMalta Malta
Zurückgezogene Teilnehmer Griechenland 1970Griechenland Griechenland
Abstimmungsregel In jedem Land vergibt eine Jury 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 Punkte und 1 Punkt an die zehn besten Lieder.
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich ESC 1974NiederlandeNiederlande ESC 1976

Inhaltsverzeichnis

BesonderheitenBearbeiten

Um den Song Contest in der schwedischen Hauptstadt Stockholm gab es einiges an Aufregung. Es kam zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, da ein Anschlag auf die israelische Delegation befürchtet wurde. Auch die deutsche Kandidatin Joy Fleming wurde von Personenschützern vom Flughafen abgeholt, da ein angeblicher Jürgen-Marcus-Fan am Telefon Morddrohungen gegen sie ausgesprochen hatte.

Außerdem fand in Schweden mit dem Alternativfestivalen von 17. bis 22. März ein alternatives Musik-Festival statt, das von der alternativen Musikszene Schwedens als Gegenbewegung zum kommerziell wahrgenommenen Eurovision Song Contest in derselben Woche in Stockholm organisiert wurde. Dabei wurde protestiert, dass der öffentlich-rechtliche Sender Sveriges Radio sein Musikbudget für das Jahr vor allem für kommerzielle, international ausgerichtete Popmusik ausgab und die lokale Kultur- und Musikszene Schwedens zu wenig förderte. Das Alternativfestivalen hatte großen Erfolg und führte dazu, dass Sveriges Radio im Folgejahr keinen schwedischen Beitrag zum Song Contest entsandte.[1]

Spannungen gab es auch unter den Eurovisions-Mitgliedern. Zum ersten Mal nahm 1975 die Türkei am Ereignis teil. Griechenland verzichtete aufgrund des Debüts der Türkei daher auf eine Teilnahme. Der Zypernkonflikt war aktuell. Im Folgejahr nahm dafür die Türkei nicht teil, aber übertrug das Ereignis, blendete allerdings den griechischen Beitrag aus.

Für Deutschland nahm Joy Fleming mit Ein Lied kann eine Brücke sein teil. Sie landete auf dem 17. und somit drittletzten Platz. Für die Schweiz trat Simone Drexel mit einem deutschsprachigen Lied an. Sie landete auf dem 6. Platz mit dem Song Mikado.

TeilnehmerBearbeiten

 
  • Teilnehmende Länder
  • Länder, die bereits an einem früheren ESC teilgenommen hatten, aber nicht im Jahr 1975
  • Die Türkei nahm zum ersten Mal am Wettbewerb teil. Aufgrund der Teilnahme der Türkei verzichtete Griechenland einen Beitrag nach Stockholm zu schicken. Dagegen nahmen Frankreich und Malta wieder teil, so dass es mit 19 Ländern einen neuen Teilnehmerrekord gab.

    AbstimmungsverfahrenBearbeiten

    In diesem Jahr wurde das für den Eurovision Song Contest so typische Punktesystem eingeführt, welches es bis zum Jahr 2015 gab. In jedem Land gab es eine elfköpfige Jury, die zunächst die zehn besten Lieder intern ermittelten. Danach vergaben die einzelnen Jurys 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 Punkte und 1 Punkt an diese zehn besten Lieder.

    PlatzierungenBearbeiten

    Platz Startnr. Land Interpret Titel
    (M = Musik; T = Text)
    Sprache Übersetzung Punkte
    01. 01 Niederlande  Niederlande Teach-In Ding-a-Dong
    M: Dick Bakker; T: Eddy Ouwens, Will Luikinga
    Englisch Ding dong 152
    02. 09 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich The Shadows Let Me Be the One
    M/T: Paul Curtis
    Englisch Lass mich derjenige sein 138
    03. 19 Italien  Italien Wess & Dori Ghezzi Era
    M: Shel Shapiro; T: Andrea Lo Vecchio
    Italienisch Es war 115
    04. 03 Frankreich  Frankreich Nicole Rieu Et bonjour à toi l’artiste
    M/T: Pierre Delanoë, Jaff Barnel
    Französisch Und guten Tag an dich, den Künstler 091
    05. 05 Luxemburg  Luxemburg Géraldine Toi
    M/T: Bill Martin, Phil Coulter, Pierre Cour
    Französisch Du 084
    06. 07 Schweiz  Schweiz Simone Drexel Mikado
    M/T: Simone Drexel
    Deutsch 077
    07. 15 Finnland  Finnland Pihasoittajat Old Man Fiddle
    M: Kim Kuusi; T: Hannu Karlsson
    Englisch Geige des alten Manns 074
    08. 18 Schweden  Schweden Lars Berghagen and the Dolls Jennie, Jennie
    M/T: Lars Berghagen
    Englisch 072
    09. 02 Irland  Irland The Swarbriggs That’s what Friends Are For
    M/T: Tommy Swarbrigg, Jimmy Swarbrigg
    Englisch Dafür sind Freunde da 068
    10. 17 Spanien 1945  Spanien Sergio y Estíbaliz Tú volverás
    M/T: Juan Carlos Calderón
    Spanisch Du wirst zurückkehren 053
    11. 12 Israel  Israel Shlomo Artzi
    שלמה ארצי
    At ve’ ani
    (את ואני)
    M: Shlomo Artzi; T: Ehud Manor
    Hebräisch Du und ich 040
    12. 10 Malta  Malta Renato Singing this Song
    M: Sammy Galea; T: M. Iris Mifsud
    Englisch Dieses Lied singen 032
    13. 14 Monaco  Monaco Sophie Une chanson c’est une lettre
    M: André Popp; T: Boris Bergman
    Französisch Ein Lied, das ist ein Brief 022
    14. 08 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien Pepel in Kri Dan ljubezni
    M: Tadej Hrušovar; T: Dušan Velkaverh
    Slowenisch Tag der Liebe 022
    15. 11 Belgien  Belgien Ann Christy Gelukkig zijn
    M/T: Mary Boduin
    Niederländisch
    mit vier Strophen in Englisch
    Glücklich sein 017
    16. 16 Portugal  Portugal Duarte Mendes Madrugada
    M/T: José Luis Tinoco
    Portugiesisch Morgengrauen 016
    17. 04 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Joy Fleming Ein Lied kann eine Brücke sein
    M: Rainer Pietsch; T: Michael Holm
    Deutsch
    mit einer Strophe in Englisch
    015
    18. 06 Norwegen  Norwegen Ellen Nikolaysen Touch My Life with Summer
    M/T: Svein Hundsnes
    Englisch Berühre mein Leben mit Sommer 011
    19. 13 Turkei  Türkei Semiha Yanki Seninle bir dakika
    M: Kemal Ebcioğlu; T: Münir Ebcioğlu
    Türkisch Eine Minute mit dir 003

    PunktevergabeBearbeiten

     
    Karte der Punktevergabe für den Siegertitel aus den Niederlanden nach Ländern
    Erhaltendes Land Vergebendes Land
    Land Insg. Niederlande  NLD Irland  IRL Frankreich  FRA Deutschland Bundesrepublik  GER Luxemburg  LUX Norwegen  NOR Schweiz  SUI Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  YUG Vereinigtes Konigreich  GBR Malta  MLT Belgien  BEL Israel  ISR Turkei  TUR Monaco  MCO Finnland  FIN Portugal  POR Spanien 1945  ESP Schweden  SWE Italien  ITA
    Niederlande  Niederlande 152 8 5 8 10 12 6 8 12 12 3 12 4 10 10 7 12 12 1
    Irland  Irland 068 6 6 4 7 1 6 4 12 1 4 3 10 4
    Frankreich  Frankreich 091 8 12 3 8 7 2 7 1 7 12 8 8 8
    Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland 015 8 3 4
    Luxemburg  Luxemburg 084 12 10 3 7 3 5 6 5 5 8 6 4 10
    Norwegen  Norwegen 011 2 2 7
    Schweiz  Schweiz 077 7 2 10 6 2 1 5 6 8 7 5 4 2 12
    Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 022 3 4 2 5 1 7
    Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 138 4 3 12 10 12 7 8 12 8 10 10 12 7 5 10 5 3
    Malta  Malta 032 1 8 5 2 4 2 7 1 2
    Belgien  Belgien 017 5 7 3 2
    Israel  Israel 040 10 1 1 1 1 5 2 1 1 6 3 6 2
    Turkei  Türkei 003 3
    Monaco  Monaco 022 3 4 2 1 2 2 3 5
    Finnland  Finnland 074 5 12 6 10 12 5 4 8 8 1 3
    Portugal  Portugal 016 2 12 2
    Spanien 1945  Spanien 053 7 5 3 5 4 4 4 3 4 8 6
    Schweden  Schweden 072 7 7 8 1 6 7 2 3 8 6 6 6 5
    Italien  Italien 115 6 4 4 3 6 10 10 10 10 6 5 10 1 12 10 7 1

    *Die Tabelle ist senkrecht nach der Auftrittsreihenfolge geordnet, waagerecht nach der chronologischen Punkteverlesung.

    Siehe auchBearbeiten

    WeblinksBearbeiten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. David Thyrén: The Alternative Eurovision Song Contest 1975 in Sweden. In: A Cultural History of the Avant-Garde in the Nordic Countries 1950-1975. Brill, 2016, S. 831–840.