Wendelstein (Mittelfranken)

Marktgemeinde im Landkreis Roth in Deutschland

Wendelstein ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Wendelstein
Wendelstein (Mittelfranken)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Wendelstein hervorgehoben

Koordinaten: 49° 21′ N, 11° 9′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Roth
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 50,92 km2
Einwohner: 15.757 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 309 Einwohner je km2
Postleitzahl: 90530
Vorwahl: 09129
Kfz-Kennzeichen: RH, HIP
Gemeindeschlüssel: 09 5 76 151
Marktgliederung: 13 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Schwabacher Straße 8
90530 Wendelstein
Website: www.wendelstein.de
Bürgermeister: Werner Langhans (CSU)
Lage des Marktes Wendelstein im Landkreis Roth
NürnbergLandkreis Nürnberger LandLandkreis FürthSchwabachLandkreis AnsbachLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Neumarkt in der OberpfalzSoosAbenberger WaldDechenwaldHeidenbergForst KleinschwarzenloheBüchenbachGeorgensgmündKammersteinSchwanstettenRednitzhembachRohr (Mittelfranken)Rohr (Mittelfranken)RothThalmässingWendelstein (Mittelfranken)SpaltRöttenbach (Landkreis Roth)HilpoltsteinHeideckGredingAllersbergAbenbergKarte
Über dieses Bild
Ortszentrum mit Wendenbrunnen
Wendelstein, Panorama (Luftaufnahme, 2020)

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt etwa 13 km süd-südöstlich des Zentrums der Stadt Nürnberg im Schwarzachtal und grenzt nördlich an das Gebiet von Nürnberg, östlich an Feucht, Schwarzenbruck und Pyrbaum, südlich an Allersberg, Schwanstetten sowie westlich an Rednitzhembach und Schwabach. Zum Gemeindegebiet gehört auch eine ein Quadratkilometer große, unbewohnte Exklave im Lorenzer Reichswald nördlich des ehemaligen MUNA-Geländes.

Die Gemeinde hat 13 amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Durch vereinzelte Funde weiß man, dass sich schon in der Steinzeit Menschen in der Gegend des heutigen Wendelsteins aufhielten. Gräberfunde von 1984 belegen eine Besiedelung des Gebietes entlang der Schwarzach in der späten Bronzezeit um 1300 v. Chr.[3] Der Ort wurde erstmals 1259 urkundlich erwähnt. Abgeleitet wurde der Name vermutlich von der sich um einen Stein windenden Schwarzach. Nach einer Legende sei der Name jedoch von den Wenden, einem slawischen Volksstamm, abgeleitet. Keimzelle des Ortes war ein fränkischer Tafelhof in der Schleife der Schwarzach. Die an der Schwarzach liegenden Ortsteile Wendelsteins waren von 1505 bis 1806 Grenzorte zwischen den Landgebieten der Reichsstadt Nürnberg und dem Fürstentum Ansbach.

Die erste Erwähnung einer Kirche, vermutlich eine Kapelle, stammt aus dem Jahr 1325. Aus dieser entstand im 14. Jahrhundert die Wehrkirche St. Georg. Sehenswert ist der renovierte Dreikönigs-Flügelaltar aus 1510 von Hans Süß von Kulmbach.

Ab dem 15. Jahrhundert waren Messerer und Klingenschmiede in Wendelstein ansässig.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wendelstein 111 Anwesen, zwei Amtshäuser, ein Schulhaus, eine Gerichtschreiberei, ein Hirtenhaus, eine Hebammenwohnung, ein Pfarrhaus, ein Mesnerhaus und eine Pfarrkirche. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Wendelstein aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte zu 14 das Richteramt Wendelstein und zu 34 das Spitalamt Heilig Geist der Reichsstadt Nürnberg inne. Grundherren waren

  • das Fürstentum Ansbach (Richteramt Wendelstein: 5 Häuser; Gemeinde Wendelstein: 12 Häuser, 2 Halbhäuser; Pfarrei Wendelstein: 2 Tafernwirtschaften, 12 Häuser; Kirchenstiftung Wendelstein: 1 Tafernwirtschaft, 2 Häuser),
  • die Reichsstadt Nürnberg (Spitalamt Hl. Geist: 1 Ganzhof, 1 Halbhof, 1 Gut mit Zapfenwirtschaft, 7 Tafernwirtschaften, 43 Häuser, 2 Hufschmieden, 1 Papiermühle, 1 Klingenschmiede mit Schleifmühle, 1 Schäfershof; 1 ehemaliges Badhaus; Pfinzing-Stiftung: 1 Halbhof, 1 Halbhof mit Tafernwirtschaft, 10 Häuser, 1 Herrenhäuslein, 1 Eisenhammer, 1 Mahlmühle),
  • der Nürnberger Eigenherr von Behaim (3 Häuser).[4]

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert siedelten sich Drechsler und Metalldrücker an, der Sandsteinabbau in Wernloch wurde intensiviert. 1843 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal im Norden von Wendelstein gebaut, 1886 wurde der Hafen Wendelstein zusätzlich mit der Bahnstrecke Feucht–Wendelstein erschlossen.

NeuzeitBearbeiten

Im Jahre 1886 nahm die Bahnstrecke Feucht–Wendelstein den Betrieb auf, 1955 wurde der Personenverkehr eingestellt. Mit der Beendigung des Güterverkehrs 1960 wurden die Gleise abgebaut.

Am 1. Juli 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Raubersried eingegliedert.[5] Am 1. Mai 1978 kamen Röthenbach, Groß- und Kleinschwarzenlohe mit ihren Ortsteilen dazu.[6]

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2020
Wahlbeteiligung: 61,34 %
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50
40
30
20
10
0
46,67 %
24,89 %
17,87 %
7,60 %
2,98 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
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+0,99 %p
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+9,48 %p
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Neues Rathaus Wendelstein
 
Altes Rathaus

MarktgemeinderatBearbeiten

Der Marktgemeinderat besteht aus 24 Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 führte das Ergebnis zu folgender Sitzverteilung:

Partei CSU SPD Grüne FW FDP
Sitze 11 6 4 2 1

BürgermeisterBearbeiten

Seit Mai 2008 ist Werner Langhans Bürgermeister. Er wurde bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 mit 59,81 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.[7]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Seit 2001 bestehen Städtepartnerschaften mit Saint-Junien, Frankreich und Żukowo, Polen.[8]

Wappen und FlaggeBearbeiten

Blasonierung: „In Rot ein silbern gekleideter Steinhauer mit Kappe und goldenem Schurzfell, der auf silbernem Boden steht und einen behauenen silbernen Stein auf der Spitze wendet.“[9]

Weiß-rote Gemeindeflagge[10]

Wappenbegründung: Das Gericht Wendelstein erhielt 1529 ein Siegel, darin ein Mann, der einen Quaderstein wendet. Er steht redend für den Ortsnamen. In den späteren Siegeln nach 1638 wird der Mann als Steinhauer dargestellt als Hinweis auf das hiesige Steinhauergewerbe. Die erste farbige Abbildung ist aus dem Jahr 1718 belegt. Als Steinrelief ist das Wappen auf dem Marktbrunnen von 1878 überliefert.

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Es gibt drei ausgewiesene Industriegebiete in den Ortsteilen Wendelstein und Röthenbach bei Sankt Wolfgang. Zum Gemeindegebiet gehört auch ein Teil des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht (die anderen Teile gehören zur Stadt Nürnberg und zum Markt Feucht) und ein kleinerer Teil der Autobahnraststätte Nürnberg/Feucht (der größere Teil gehört zur Gemeinde Schwarzenbruck). Nicht zum Gemeindegebiet gehört der Forst Kleinschwarzenlohe, der gemeindefreies Gebiet ist.

VerkehrBearbeiten

Es besteht Anschluss an die Bundesautobahn 73 über die Anschlussstelle Wendelstein, zu den Autobahnen 6, 9 und 3 sind Anschlussstellen in wenigen Kilometern Entfernung vorhanden.

In Wendelstein selbst gibt es keinen Bahnhof mehr, jedoch verläuft durch das östliche Gemeindegebiet die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt. Im benachbarten Ort Feucht gibt es zwei S-Bahn-Haltepunkte.

Der Flughafen Nürnberg ist zirka 15 Kilometer Luftlinie von der Gemeinde entfernt, mit dem Auto ist er in zirka 30 Minuten zu erreichen.

Bildung, Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Gemeindebibliothek
  • Metalldrücker- und Drechslermuseum

Schulen und KindergärtenBearbeiten

  • Neun Kindergärten und zahlreiche Horte in den Ortsteilen
  • Vier Grundschulen in den Ortsteilen Röthenbach, Wendelstein, Groß-, und Kleinschwarzenlohe
  • Mittelschule und M-Zweig der Hauptschule
  • Gymnasium, (im Schuljahr 2017/18 erster Abiturjahrgang)[11]
  • Waldorfschule

SonstigesBearbeiten

  • Volkshochschule
  • Mehrere private Gesangs- und Musikschulen
  • Eine Reitschule und zwei Gestüte

Bauwerke, Denkmäler und SehenswertesBearbeiten

 
Ostansicht mit der Kirche St. Georg

VeranstaltungenBearbeiten

Seit 1993 findet jährlich Ende April das überregional bekannte New-Orleans-Music-Festival statt, seit dem Jahr 2013 unter dem Namen Jazz & Blues Open Wendelstein.[13]

Am letzten Juni-Wochenende wird die Wendelsteiner Kirchweih gefeiert, die sich durch den ganzen Altort und einen Teil der Röthenbacher Straße erstreckt. Anfang September folgt das Backofenfest, das seit 1987 der Heimatverein organisiert. In der Adventszeit gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt im Altort. Weitere Veranstaltungen finden regelmäßig im Casa de la Trova und in der Jegelscheune statt.[14][15]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Johannes Cochläus (* 10. Januar 1479 in Raubersried; † 11. Januar 1552 in Breslau), Humanist und Theologe
  • Christoph Hieronymus Voit von Wendelstein († 18. August 1718 in St. Jobst), Jurist in Nürnberg[16][17]
  • Wilhelm Jegel (* 3. Mai 1826 in Nürnberg; † 24. Oktober 1890 in Wendelstein), Bürgermeister von 1870 bis 1890, Reichstags- und Landtagsabgeordneter, Steinbruchbesitzer
  • Adam Scharrer (* 13. Juli 1889 in Kleinschwarzenlohe; † 2. März 1948 in Schwerin), Schriftsteller
  • Alfons Hutter (* 1953), katholischer Geistlicher

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Wendelstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Wendelstein in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 23. September 2019.
  3. Geschichte Wendelsteins auf der Gemeinde-Website
  4. F. Eigler, S. 432f.
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 568.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 733.
  7. Bayerisches Landesamt für Statistik – Liste der Bürgermeister/Oberbürgermeister in kreisangehörigen Gemeinden,/
  8. Städtepartnerschaften Wendelstein, abgerufen am 12. Januar 2015
  9. Eintrag zum Wappen von Wendelstein (Mittelfranken) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  10. Wendelstein. In: kommunalflaggen.eu. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  11. Informationen des LRA Roth; im Schuljahr 2017/18 erster Abiturjahrgang in Wendelstein
  12. Kleinod erstrahlt im neuen alten Glanz. In: Schwabacher Tagblatt Nr. 96. 26. April 2001, abgerufen am 26. Oktober 2009.
  13. Jazzfestival (Memento vom 11. August 2016 im Internet Archive)
  14. Casa de la Trova
  15. Jegelscheune
  16. Voit v. Wendelstein, Porträt
  17. Chr. H. Voit von Wendelstein, S. 126