Lorenzer Reichswald

Waldgebiet in Mittelfranken in Bayern

Lorenzer Reichswald heißt der südlich der Pegnitz gelegene Teil des Nürnberger Reichswaldes; nördlich schließt sich der Sebalder Reichswald an.

Wanderkarte Lorenzer Wald

Er bedeckt eine Fläche von ca. 15.000 ha (Stand 2000)[1] und erstreckt sich im Nürnberger Südosten zwischen dem Fluss Rednitz im Westen und der Stadt Altdorf und der Gemeinde Leinburg im Osten. Die südliche Grenze bildet der Fluss Schwarzach.

Der Name stammt von St. Lorenz, der Hauptkirche des gleichnamigen und südlich der Pegnitz gelegenen Nürnberger Stadtteils. Südlich der Schwarzach schließt sich der erst in neuerer Zeit so genannte „Südliche Reichswald“ an, der bis zum Rothsee reicht.

GeschichteBearbeiten

Um ungefähr 720 wurde der Reichswald mit dem fränkischen Königsbann belegt. Der Lorenzer Reichswald gehörte zum Reichsgut um Nürnberg und wurde als Reichslehen von einem Forstmeister verwaltet, spätestens 1230/40 wurden die ca. 17.300 ha in zwei Forstmeisterämter und sechs, später 12 Waldhuten aufgeteilt.[SL 1] Im 13. und 14. Jahrhundert wurden die beiden Forstmeisterämter im Lorenzer Reichswald als Erblehen von den Familien Waldstromer und Koler ausgeübt.

1372/96 konnte die Reichsstadt Nürnberg beide Forstämter kaufen. 1427 erwarb sie auch die meisten Nutzungsrechte am Lorenzer Reichswald von den Burggrafen von Nürnberg. Diese behielten jedoch den hohen Wildbann, das Landgericht und Waldrechte. Daraus leiteten die Burggrafen bzw. späteren Markgrafen von Ansbach-Bayreuth immer wieder Ansprüche auf den ganzen Reichswald ab.[2] 1440 vereinte ein „Oberster Amtmann des Waldes“ beide Forstämter, bis 1489 Lorenzer und Sebalder Reichswald einheitlich durch Waldämter der Stadt Nürnberg verwaltet wurden. Durch Übernutzung und nachfolgende Aufforstung wandelte sich der ursprüngliche Kiefern-Birken-Eichen-Mischwald später zu einem Kiefernwald.

Bereits 1296 wurden die Zeidler urkundlich erwähnt. Wegen ihrer reichen Wildbienenschwärme wurden die beiden Nürnberger Reichswälder auch „des Heiligen Römischen Reichs Bienengarten“ genannt. Die Zeidelgüter waren zahlenmäßig beschränkt und wurden als Erblehen vergeben. Dafür leisteten die Zeidler mit sechs Armbrüsten Kriegsdienst und zahlten dem Rat eine Abgabe, das „Honiggeld“. Es entwickelten sich schließlich 27 Zeideldörfer mit 92 Zeidelgütern; Gemeinden wie Feucht und Röthenbach bei Sankt Wolfgang waren Zeidlergemeinden. Die Zeidler hatten über das Bienenregal hinaus Waldnutzungsrechte und Zollfreiheiten im Honighandel, Kaiser Karl IV. verlieh den Lorenzer Zeidlern 1350 ein eigenes Zeidelgericht in Feucht, das bis zum Ende des alten Reichs bestand, während die Sebalder Zeidler dem Forstgericht des Sebalder Walds unterstanden.[3]

1806 kam der Wald zusammen mit der Reichsstadt Nürnberg zum Königreich Bayern.[4][1] Durch Übernutzung war er wieder einmal in einem beklagenswerten Zustand. Die Kiefern-Monokulturen wurden 1896 durch den Kiefernspanner zu einem großen Teil vernichtet. Ein Drittel der Gesamtfläche musste abgeholzt werden. In den Folgejahren wurde wieder großflächig mit Kiefern aufgeforstet.

 
Hinter Zerzabelshof der Lorenzer Reichswald.

Die Stadt Nürnberg dehnte sich im Süden weit in den Lorenzer Reichswald aus. Die heutigen Stadtteile Fischbach und Altenfurt waren ehemals Walddörfer. Das Gebiet des heutigen Langwasser war 1900 noch dicht bewaldet, später wurde dort ein Schießplatz eingerichtet. Nach verheerenden Waldbränden 1917 bis 1919 wurde das Gebiet in den 20er Jahren gerodet und in den 30er Jahren für das Reichsparteitagsgelände der Nazis verwendet, bis in den 50er Jahren mit der Errichtung des Stadtteils Langwasser begonnen wurde.

In den 30er Jahren wurde die Autobahn Berlin–München (heute A 9) und Teilabschnitte der Autobahn Amberg-Heilbronn (heute A 6) durch den Wald gebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg fertiggestellt und ausgebaut.

1938 wurde vom deutschen Heer zwischen Nürnberg und Feucht eine Munitionsanstalt (Heeresmunitionsanstalt Feucht) errichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg vom amerikanischen Militär zu einer Hubschrauberbasis ausgebaut wurde.[5] Mit Ende des Ost-West-Konfliktes wurde der Militärstützpunkt überflüssig und zu einem Gewerbepark mit 850.000 m² Gesamtfläche umgewandelt.[6]

Der Bau des Main-Donau-Kanals (seit den 60er Jahren)[7] und des Hafens Nürnberg (Einweihung 1972), der als Güterverkehrszentrum (GVZ)[8] den Schiffs-, Bahn- und vor allem LKW-Verkehr verknüpft, verbrauchte weitere Flächen. Von den projektierten beiden Hafenbecken wurde bisher erst eines fertiggestellt. In weiten Teilen parallel zum Main-Donau-Kanal geführt, wurde die Südwesttangente gebaut.

Sein charakteristisches Aussehen hat dem Reichswald den Namen „Steckerlaswald“ eingetragen. 1969 wurde der Naherholungsverein Lorenzer Reichswald gegründet.[SL 2] Heute (Stand 2000) umfasst der Lorenzer Reichswald noch ca. 15.000 ha.

GeographieBearbeiten

Zum Lorenzer Reichswald gehören folgende Forste:

Nur an wenigen Stellen überschreitet der Wald die 400-m-Höhenmarke; z. B. Hoher Bühl im Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht mit 408 m; Dreibrüderberg bei Rummelsberg mit 430 m; der Brunner Berg mit 438 m; der Berg westlich Weissenbrunn mit 404 m. Der Moritzberg mit 603 m gehört nicht mehr zum Lorenzer Reichswald.

Der Boden ist meist sandig und überwiegend mit Kiefern bepflanzt; bisweilen sind Birken oder auch Erlen eingemischt. Am Boden ist er zumeist mit Heidel- oder Preiselbeersträuchern bewachsen. An einigen Stellen ragen Sandsteine aus dem Boden und es gibt viele aufgelassene Steinbrüche. Der Lorenzer Reichswald ist ein Bestandteil der Sandachse Franken.

Einige Flächen, beispielsweise um den Fischbach nahe dem Eisweiher, sind Feuchtgebiete und im Frühling sehr sumpfig.

Der Röthenbach entwässert den Wald nach Norden zur Pegnitz, der Fischbach und der Hutgraben nach Westen zur Pegnitz, der Gauchsbach nach Süden zur Schwarzach und der Eichenwaldgraben nach Westen zur Rednitz.

FlächenentwicklungBearbeiten

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Flächenentwicklung von 1830 bis 2000.[1]

Jahr um 1830 1955 1980 1990 2000
Fläche in ha 20.721 16.877 15.321 15.091 15.027

Denkmäler und GedenksteineBearbeiten

 
Reichswalddenkmal bei Feucht

In dem Wald befinden sich Denkmäler, Gedenksteinen, Steinkreuze, Grenzsteine, Brunnen, Quellen und andere Besonderheiten.

ForstreviergrenzsteineBearbeiten

Um den Zustand der devastierten Wälder zu ermitteln, wurde 1840/41 im Nürnberger Reichswald eine Forsteinrichtung durchgeführt. In diesem Zusammenhang entstanden auch solche Forstreviergrenzsteine (Reviergrenzsäulen). Sie zeigen auf jeder Seite das damals angrenzende Revier. Darauf abgebildet sind Waldhämmer. Damit markierten die Förster jeden einzelnen Baum um Holzdiebstahl zu unterbinden. Die Grenzsteine sind in der Regel aus Sandstein, dreieckig und etwa 2 Meter hoch.

# Grenzstein Besonderheiten Lage Bild Koordinaten
1 Forstreviergrenzstein Brunn, Laufamholz und Röthenbach Haimendorfer Forst
Laufamholzer Forst
Brunn
49° 26′ 55″ N, 11° 12′ 44″ O
2 Forstreviergrenzstein Feucht, Altenfurt und Schwarzenbruck Altenfurt
Feucht
Schwarzenbruck
49° 23′ 22″ N, 11° 11′ 4″ O
3 Forstreviergrenzstein Fischbach, Brunn und Laufamholz Als Baudenkmal (D-5-64-000-2244) ausgewiesen. Fischbach
Laufamholzer Forst
Brunn
49° 26′ 19″ N, 11° 12′ 27″ O
4 Forstreviergrenzstein Fischbach, Feucht und Altenfurt Fischbach
Feuchter Forst
Altenfurt
49° 24′ 27″ N, 11° 13′ 30″ O
5 Forstreviergrenzstein Fischbach, Feucht und Ungelstetten Fischbach
Winkelhaid
Feuchter Forst
49° 24′ 24″ N, 11° 15′ 31″ O
6 Forstreviergrenzstein Fischbach, Forsthof und Laufamholz Als Baudenkmal (D-5-64-000-2245) ausgewiesen. Fischbach
Forsthof
Laufamholzer Forst
49° 26′ 17″ N, 11° 11′ 14″ O
7 Holzsäule Rote Marter Winkelhaid 49° 24′ 22″ N, 11° 17′ 7″ O
8 Holzsäule Totenmarter bei Weißenbrunn Winkelhaid 49° 25′ 23″ N, 11° 21′ 9″ O

AusflugszieleBearbeiten

Im Lorenzer Reichswald liegen folgende Ausflugsziele:

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Bauernfeind: Lorenzer Reichswald. S. 651.
  2. Peter Fleischmann: Reichswald. S. 878.
  • Sonstige Quellen
  1. a b c Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, Die Flächenentwicklung des Nürnberger Reichswaldes von 1830 bis 2000 (abgerufen am 28. Mai 2018)
  2. Dr. W. Schwemmer: Alt-Feucht, Feucht 1977, S. 9
  3. Zerzabelshof, auf www.moegeldorf.de (von Michael Diefenbacher)
  4. Nürnberg als bayerische Stadt (seit 1806). Stadt Nürnberg, abgerufen am 19. August 2017.
  5. http://www.wehrtechnikmuseum.de/Exponate/Sonderausstellungen/Muna_Feucht/muna_feucht.html
  6. http://www.gewerbepark-nuernberg-feucht.de/standort.htm
  7. http://www.rmd.de/
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 26. Juni 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.binnenhafen.info

WeblinksBearbeiten

Commons: Lorenzer Reichswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 25′ 0,2″ N, 11° 13′ 25,1″ O