Roger Waters

britischer Musiker; Gründungsmitglied der Gruppe Pink Floyd

George Roger Waters (* 6. September 1943 in Great Bookham, Surrey, England) ist ein britischer Sänger, E-Bassist, Komponist, Texter und Musikproduzent. Bekanntheit erlangte er als Mitglied der Rockgruppe Pink Floyd, die er mitgründete.

Roger Waters, 2008

Waters schreibt meist melancholische Texte, die häufig persönliche Erfahrungen mit einer beißenden und sarkastischen Gesellschaftskritik verbinden. Sie sind von einer pessimistischen Sicht auf die moderne Gesellschaft gekennzeichnet. Das Album The Wall weist autobiografische Teile aus Waters’ Leben auf. Das letzte Pink-Floyd-Album mit Waters, The Final Cut, entwickelt einige der Themen aus The Wall weiter und ist seinem Vater gewidmet.

Sein Jugendfreund und Bandkollege Syd Barrett und dessen psychische Probleme haben Waters ebenfalls sehr beeinflusst und wurden in mehreren Werken verarbeitet: Barrett wurde das Album Wish You Were Here von 1975 gewidmet, dessen Titelstück wie auch Shine On You Crazy Diamond sich auf ihn beziehen. Außerdem nimmt bereits das vorhergegangene Konzeptalbum The Dark Side of the Moon Bezug auf Barretts Verfassung.

HerkunftBearbeiten

Roger Waters wurde 1943 als zweiter Sohn von Mary und Eric Fletcher Waters in der Kleinstadt Great Bookham (Grafschaft Surrey) geboren. Sein Vater war Sohn eines Minenarbeiters, frommer Christ, anfänglich Aktivist der Labour Party und später Mitglied der Communist Party of Great Britain. In den ersten Kriegsjahren fuhr er als Kriegsdienstverweigerer Krankenwagen während der Luftschlacht um England; später änderte er seine Einstellung zum Pazifismus und ging zur British Army. Als Offizier der 8th Royal Fusiliers fiel Eric Waters im Februar 1944 in Anzio (Italien) im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht. Der Tod seines Vaters belastet Waters nach eigener Aussage bis heute. Er hat den Krieg und seine Kindheit als Halbwaise ohne den Vater in vielen seiner Songs thematisiert.

Karriere als MusikerBearbeiten

Zu Waters’ frühesten musikalischen Einflüssen zählen US-amerikanische Blues-Sängerinnen und Sänger, aber auch Folkmusiker. Auch die 1960er Jahre haben Roger Waters als Songwriter beeinflusst: „Wenn ich fünfzig Songs nennen müsste, die ich gerne geschrieben hätte, dann wären nur sehr wenige davon nicht von Dylan und Lennon“. Roger Waters’ erstes Instrument war die Gitarre, auf der er sich Folk-Songs beibrachte und mit Stücken wie If (Atom Heart Mother) oder Grantchester Meadows (Ummagumma) kultivierte. Bei Sigma 6, seiner ersten Band mit Nick Mason und Richard Wright, spielte er noch Gitarre. Sein erster E-Bass war ein Modell der Firma Rickenbacker. Waters’ Hauptinstrument wurde der Fender Precision-Bass. Roger Waters ist Autodidakt auf seinem Instrument. Stilistisch knüpfte er als Solomusiker anfangs an seine alte Band Pink Floyd an, später kamen Einflüsse von Funk und Soul zum Tragen. Waters war im Jahr 2012 mit 88 Millionen US-Dollar der Musiker mit dem zweithöchsten Jahreseinkommen.[1]

Pink FloydBearbeiten

 
Roger Waters, 1970

1965 gründete der Architekturstudent mit seinen Studentenfreunden Richard Wright und Nick Mason die Band „Sigma 6“, aus der, nachdem sich der Kunststudent Syd Barrett als Gitarrist und Sänger angeschlossen hatte, Pink Floyd hervorging. Nach dem Weggang des Frontmannes, Hauptkomponisten und Songschreibers Syd Barrett 1968 wurde er nach und nach zunächst zum lyrischen, später dann zum musikalischen Kopf der Gruppe. Am stärksten ist seine künstlerische Handschrift bei den Alben Animals, The Wall und The Final Cut (Pink Floyd) zu spüren. Letzteres ist das einzige Album der Gruppe, das ausschließlich aus Waters-Kompositionen besteht.

Das Konzept, die Bühnenshow sowie der Film zu The Wall sind ebenfalls maßgeblich von Waters beeinflusst.

1983, nach Fertigstellung des Pink-Floyd-Albums The Final Cut, einer ersten Solo-LP The Pros and Cons of Hitch Hiking und begleitender Tour (u. a. mit Eric Clapton 1984/85) wollte Waters die Band auflösen, was jedoch auf den Widerstand der übrigen Mitglieder stieß. Daraufhin verkündete er Ende 1985 seinen Ausstieg aus der Band in der Annahme, diese sei nun außerstande, ohne den kreativen Kopf weiterzumachen. Als David Gilmour und Nick Mason (Wright war schon auf der The-Wall-Tournee nur noch Gastmusiker und nicht mehr Bandmitglied) jedoch ankündigten, unter dem Namen Pink Floyd weiter Platten veröffentlichen zu wollen, folgte eine langjährige juristische Auseinandersetzung. Waters unterlag letztendlich, und man einigte sich 1987 außergerichtlich.

SolomusikerBearbeiten

 
Roger Waters in Barcelona (2011)

Im Verlauf seiner weiteren Karriere als Solokünstler veröffentlichte Waters zahlreiche Alben, die zwar von Kritikern und Fans meist sehr positiv aufgenommen wurden (insbesondere Amused to Death), aber bei weitem nicht an den kommerziellen Erfolg von Pink Floyd heranreichen konnten.

Waters hatte bereits 1984 mit The Pros and Cons of Hitchhiking ein Soloalbum veröffentlicht, dessen Demos zur gleichen Zeit wie die zu The Wall entstanden waren (und als solche auch der Band präsentiert wurden, diese entschied sich für das The Wall-Konzept)

1987 tourte er weltweit mit der aufwändigen Radio K.A.O.S.-Show, basierend auf dem gleichnamigen Konzeptalbum. Die Tournee stand allerdings, besonders in den USA, in direkter Konkurrenz zu der aktuellen Tour seiner alten Band Pink Floyd. Im Vergleich dazu füllte Waters solo die deutlich kleineren Hallen. Als Folge verzichtete er zunächst auf weitere Tourneen.

 
Aufführung der Rockoper "The Wall" 1990 in Berlin

Ein Teil der außergerichtlichen Einigung mit seinen alten Bandkollegen sah vor, dass die kompletten Aufführungsrechte des The Wall-Konzeptes bei Waters verblieben. Am 21. Juli 1990 organisierte er anlässlich des Mauerfalls eine spektakuläre Inszenierung von The Wall auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Zahlreiche international bekannte Künstler, darunter Van Morrison, Bryan Adams, Joni Mitchell, Sinéad O’Connor, Cyndi Lauper, die Scorpions und Tim Curry, wirkten an dem von 250.000 Zuschauern besuchten Open-Air-Konzert mit, das weltweit live per Satellit übertragen wurde.

Amused to Death von 1992 war für lange Jahre Waters’ letztes Studioalbum. Das Album ist eine umfassende Medienkritik und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Neil Postman. Es geht hier um die Frage, inwieweit sich der Mensch durch den ihm von den modernen Massenmedien suggerierten Hedonismus selbst die Existenzgrundlage entzieht. Zudem setzt sich Waters hier mit der Niederschlagung der Demokratiebewegung in der Volksrepublik China auseinander. In Watching TV schildert er die menschenverachtende Berichterstattung durch CNN über die Niederschlagung auf dem Tian’anmen-Platz vom 3./4. Juni 1989. Waters erweiterte die Medienkritik Postmans um die aggressive Politik der US-Regierung unter George H. W. Bush.

Grundlage aller seiner Texte ist die Entfremdung des Menschen durch ökonomische Zwänge und Desinformation. Direkt greift er Andrew Lloyd Webber und damit indirekt Tim Rice an (The Miracle), deren Shows und Musicals die Menschen nur ruhigstellen und nicht zum Mitdenken anregen sollen. Diese Musicals sind der Schlusspunkt des Amusements nach Fernsehpredigten (What God Wants Part 1), Kriegsberichterstattung (Perfect Sense Part 1), Betroffenheitsjournalismus (Late Home Tonight 1) und Breaking-News-Sensationsberichterstattung (Watching TV).

1994 lehnte Waters eine Einladung seiner ehemaligen Kollegen von Pink Floyd ab, gemeinsam in London das komplette Album The Dark Side of the Moon zu spielen.

Nach mehreren Jahren ohne Auftritte und Veröffentlichungen kehrte Waters 1999 mit der In The Flesh Tour zurück, die bis 2002 andauerte und mit einer Zusammenstellung aus Solostücken und älteren Pink Floyd-Songs überraschend erfolgreich war und auf CD und DVD verewigt wurde.

Mitte 2004 wurde von Miramax Films bekanntgegeben, dass Roger Waters eine Broadway-Produktion von The Wall plant.

Im September 2004 gab Waters zwei neue Stücke auf seiner Homepage frei, mit den Titeln To Kill The Child und Leaving Beirut. Beide Titel waren vom Irakkrieg 2003 inspiriert.

Nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 spielte Waters gemeinsam mit Eric Clapton Wish You Were Here auf einem NBC-Benefizkonzert.

Am 2. Juli 2005 stand er erstmals nach 24 Jahren wieder gemeinsam mit Pink Floyd bei dem von Bob Geldof organisierten Live-8-Konzert in London auf der Bühne.

Zu Beginn des Jahres 2005 hatte Waters seine Oper Ça Ira über die französische Revolution fertiggestellt. Das Album wurde am 26. September weltweit als Doppel-SACD mit umfangreichem Making-of-Material veröffentlicht. An dieser klassischen Oper arbeitete Roger Waters seit 1992.

Von Juni 2006 bis Oktober 2006 ging Waters auf ausgedehnte Europa- und Nordamerika-Tournee (The Dark Side of the Moon Tour), während der er u. a. auch auf dem bekannten Rockfestival im dänischen Roskilde sowie beim Rock in Rio-Festival in Lissabon auftrat. Die Tour wurde von Januar 2007 bis Juli 2007 als The Dark Side of the Moon Worldtour mit Konzerten in 25 Ländern in Australien, Asien (darunter Waters’ erster Auftritt in China), Südamerika, Europa und Nordamerika fortgesetzt.

Roger Waters trat im Rahmen der weltweiten Live Earth-Konzertserie am 7. Juli 2007 im Giants Stadium New Jersey auf und spielte Songs aus den Pink-Floyd-Alben The Wall und The Dark Side of the Moon. In den Jahren 2010 bis 2014 brachte er The Wall zum ersten Mal seit 1990 wieder in kompletter Länge auf die Bühne. Die Tour startete am 15. September 2010 in Toronto, Kanada, durchquerte die USA und schloss den Nordamerika-Teil der Tour am 21. Dezember in Mexiko-Stadt ab. Am 21. März 2011 kam die Tour nach Europa, wo sie in Lissabon startete und am 12. Juli in Athen ihren vorläufigen Abschluss fand. Der Tourplan[2] umfasste bis dahin 118 Auftritte. Am 27. Januar 2012 wurde die Tournee in Perth, Australien fortgesetzt. Sie führte über Neuseeland und Südamerika nach Nordamerika, und 2013 folgte erneut Europa. Die Tournee endete nach weiteren 100 Auftritten am 21. September 2014 in Paris.

Am 12. Mai 2011, während der Tournee The Wall, traten die beiden übrig gebliebenen Pink-Floyd-Mitglieder, David Gilmour und Nick Mason, mit Waters in der Londoner O₂-Arena auf. Zusammen mit Gilmour spielte Waters das Stück Comfortably Numb. Mason und Gilmour spielten gemeinsam bei Outside the Wall mit. Waters verneinte in einem Interview die Frage, ob dieser Auftritt bedeute, dass Pink Floyd sich wieder vereinigen werde.

Mit dem im Jahr 2017 veröffentlichten Album Is This the Life We Really Want? erreichte Waters erstmals als Solokünstler in den Musikcharts die Nummer 1, und zwar in der Schweiz.

Mit neuem Programm und neuer Platte ging Roger Waters 2017 erneut auf Tournee. Die Us + Them Tour startete am 26. Mai in Kansas City und endete am 9. Dezember 2018 in Monterrey, Mexiko.[2]

Die für 2020 gebuchte Nordamerika-Tournee This Is Not a Drill wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie um ein Jahr verschoben[3].

KontroversenBearbeiten

IsraelkritikBearbeiten

Waters gab sich 2006 bei einem Besuch des Westjordanlandes als Unterstützer der Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions zu erkennen und sprühte die Textzeile „We don't need no thought control“[4] aus dem Lied Another Brick in the Wall auf eine israelische Sperranlage. Im Oktober 2012 wurde er Mitglied der Jury des Russell-Tribunal zu Palästina. Im Dezember 2012 sagte Stevie Wonder einen Auftritt in Israel ab, nachdem Waters ihn dazu aufgefordert hatte. Waters verglich die israelische Regierung mit dem ehemaligen südafrikanischen Apartheid-Regime.[5] Im April 2013 sagte Waters, dass er seinen Boykottaufruf gegen Israel überdenke, und wies darauf hin, dass sein Brief an Mitmusiker nicht veröffentlicht worden sei.[6] Im August 2013 folgte jedoch ein öffentlicher Aufruf von Waters an seine „Brüder und Schwestern aus der Rock-and-Roll-Familie“‘, einem kulturellen Boykott Israels beizutreten.[7] Konkret rief er im Mai 2014 die Rolling Stones auf, ihr für den Sommer geplantes erstes Konzert in Israel abzusagen. In Tel Aviv zu spielen wäre moralisch gleichwertig mit einem Auftritt in Südafrika zu Zeiten der Apartheid.[8]

Im April 2017 forderte er vergeblich die Gruppe Radiohead auf, auf ein Konzert im Juli des Jahres in Tel Aviv zu verzichten.[9] Daraufhin verlangte der Abgeordnete der New Yorker State Legislature, Howard Kopel, eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Überlassung des Nassau Coliseums für sein Konzert im September 2017 auf Long Island, da ein Gesetz dem Nassau County seit 2016 Geschäfte mit Israel-Boykotteuren verbietet.[10] Waters kritisierte im September 2019 mit über 250 Autoren, dass die Stadt Dortmund die Verleihung des Nelly-Sachs-Preises an die Schriftstellerin Kamila Shamsie wegen deren Unterstützung der umstrittenen BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions gegen Israel), über die die Jury nicht informiert war, widerrufen hatte. Die Jurymitglieder hatten ihre Entscheidung widerrufen, weil Shamsies Position im Widerspruch zu den Satzungszielen der Preisvergabe und zum Geist des Nelly-Sachs-Preises stehe.[11]

Seit den späten achtziger Jahren verwendet Waters bei Konzerten einen fliegenden Ballon in Form eines Schweines, auf dem bei verschiedenen Touren unterschiedliche Parolen oder Symbole zu sehen waren. Ab September 2010 waren im Rahmen der "The Wall Live" Tour auf dem Schwein neben Kreuzsymbol, Mondsichel mit Stern, Hammer und Sichel, den Logos von Shell und McDonald’s, einem Dollarzeichen und einem Mercedes-Stern auch ein Davidstern abgebildet. Die Idee eines "fliegenden Schweines" entstand bereits 1976 bei den Vorarbeiten zum Konzeptalbum "Animals", es handelt sich dabei um eine Anspielung auf Orwells "Farm der Tiere" und war erstmals auf dem Cover von "Animals" (1978) zu sehen. Seit 1987 wird die Figur regelmäßig als Ballon bei Konzerten der Band (nach der Trennung von Waters in abgewandelter Form, da Waters die Rechte besitzt) und Waters selbst verwendet. Ein im Juli 2013 eingesandtes Video eines Konzertbesuchers aus Belgien nahm die jüdische Zeitschrift "Yediot Ahronot" zum Anlass für einen kritischen Bericht auf der Plattform ynetnews.com. In diesem wurde unter anderem behauptet, alle anderen Symbole seien durchweg "faschistisch" und würden "diktatorische Regimes und Organisationen" repräsentieren.[12] Nachdem die Zeitschrift "Algemeiner" die Geschichte übernommen hatte, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende des Simon Wiesenthal Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, in einer persönlichen E-Mail an den "Algemeiner" den Ballon als antisemitisch, Waters selbst als "Judenhasser", der "Nazi-Propaganda" verwenden würde.[13] Waters, dem bis zu diesem Zeitpunkt keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden war, antwortete auf die Vorwürfe mit einem offenen Brief, in welchem er unter anderem erklärte, den Davidstern als "Symbol für den Staat Israel" zu verwenden, dessen Politik gegenüber den Palästinensern er kritisiere, nicht als "Symbol für das Judentum". Außerdem schrieb er, dass zwei Enkelkinder sowie zahlreiche Freunde jüdisch seien. Als „Judenhasser“ betitelt zu werden habe ihn persönlich beleidigt. Er habe sein ganzes Leben lang versucht, Religion und Staat voneinander getrennt zu sehen.[14] In einem Interview mit dem politischen Magazin CounterPunch verglich Waters vier Monate später die Politik Israels direkt mit dem Holocaust und äußerte sich mit den Worten:

„Es gab viele Menschen, die so taten, als wenn die Unterdrückung der Juden nicht stattfinden würde. Zwischen 1933 und 1946. Nun gibt es ein neues Szenario. Nur dass es jetzt die Palästinenser sind, die ermordet werden.[15]

Die Äußerung wurde unter anderem von Karen Pollock, der Leiterin des Holocaust Education Trust, als unangemesser Vergleich, der die Erinnerungen von sechs Millionen Juden beleidigt, kritisiert.[16]

Am 26. November 2017 beendete der WDR eine Kooperation mit Waters, mit der das Kölner Konzert der Us + Them-Tour beworben werden wollte. WDR-Intendant Thomas Buhrow reagierte damit auf eine von über 1300 Personen unterzeichnete Online-Petition, die der Sendeanstalt die Unterstützung eines Antisemiten vorwarf.[17] Weitere ARD-Anstalten wie SWR, BR und RBB verzichten neben dem WDR auf eine Liveübertragung des Konzerts.[18] Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg – selbst Kind von Holocaustüberlebenden – kritisierte diese Entscheidung als „absolut lächerlich“, die öffentlich-rechtlichen Sender sollten „wenn vor allen [bei] Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn“ hinweisen. Waters habe zwar eine „bedenkliche und private“ Meinung gegenüber Israel, die er nicht teile, aber er könne sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten. Das künstlerische Werk von Roger Waters sei weder antisemitisch oder antijüdisch; „Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial.“ Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte dagegen die Entscheidung:

„Die schnelle und entschiedene Reaktion der Sender auf die massive öffentliche Kritik ist ein wichtiges Zeichen, dass der grassierende Israel-bezogene Antisemitismus in Deutschland keinen Platz hat […]. Wer auf Konzerten Ballons in Schweineform samt Davidstern aufsteigen lässt, muss sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen.“

Es sei – so der Vorsitzende Josef Schuster – höchste Zeit, dass Antisemitismus, der sich unter dem Deckmäntelchen der Kritik an Israel tarne, „endlich als das bezeichnet wird, was er ist.“[19]

Laut Kirsten Dierolf[20] wird durch Waters’ Verharmlosung des palästinensischen Terrorismus als Widerstand, seine Verteidigung der islamistischen Hamas, deren antisemitische Ideologie er ignoriere, seine NS-Analogien und seine antisemitischen Verschwörungstheorien deutlich, was er hinter „Israelkritik“ zu verstecken suche: „sein manifestes antisemitisches Weltbild“.

Am 21. Juni 2020 wiederholte Waters in einem Radio-Interview eine zuvor bereits von palästinensischer Seite und in anderen Medien[21] vorgebrachte Anschuldigung, wonach Israel für den gewaltsamen Tod von George Floyd indirekt mitverantwortlich sei. Die USA flögen zudem regelmäßig Experten aus Israel ein, die den Polizisten dort beibrächten, wie man schwarze Menschen in effizienter Weise umbringe, behauptete Waters. Amerikas „militarisierte Polizei“ habe ihre tödlichen Praktiken, namentlich das Luftabdrücken durch das Knien auf dem Opfer, von der israelischen Armee gelernt, wo dies gegenüber den Palästinensern praktiziert werde.[22] Fünf Tage später, am 25. Juni, bezeichnete Waters in einer Stellungnahme auf seiner Homepage sowohl die Darstellung, wonach die israelische Armee diese Technik "erfunden" habe, als auch die Behauptung, die amerikanische Polizei habe diese Art des Tötens erst durch israelische Offiziere erlernt, als falsch und entschuldigte sich hierfür ausdrücklich.

I regret any harm or hurt my use of words caused Jewish people, and also any ways it may have reinforced damaging lies about Jews. Nothing could have been further from my intentions. I have only respect and compassion for my Jewish brothers and sisters in our collective struggle for a more just and peaceful world.[23]

Bezahlte KampagneBearbeiten

Waters unterstützte eine Umwelt-Klage der indigenen Frente de Defensa de la Amazonía (FDA), vertreten vor Gericht durch den Menschenrechtsanwalt Steven Donziger, gegen den Energiekonzern Chevron. Für seine Übernahme eines bedeutenden Teils der Anwaltskosten erhielt er laut Gerichtsakten die Zusicherung auf 0,076 % des Schadenersatzes.[24] Im Februar 2011 wurde Chevron zu 18 Milliarden US-Dollar Schadenersatz verurteilt, und nachdem das oberste Verfassungsgericht Ecuadors 2013 das Urteil bestätigte, aber die Schadenssumme halbierte, hätten Waters rund 7 Millionen US-Dollar zugestanden. Allerdings gelang es Chevron, das Urteil in der vermutlich umfassendsten und teuersten SLAPP-Kampagne der Geschichte gegen Donziger und die FDA[25][26], von einem als "industriefreundlich" bekannten und Chevron wohlgesonnenen Einzelrichter außer Kraft setzen zu lassen ohne jemals auch nur einen Cent gezahlt zu haben. Einem offensichtlich gegen alle juristischen Grundsätze und auf Grundlage der vorsätzlichen Lügen eines von Chevron gekauften Kronzeugen[27] gefassten Gefälligkeitsurteil folgend, wurde die Strafe gegen Chevron im September 2018 auch vom Ständigen Schiedshof in Den Haag aufgehoben.[28] Seit August 2019 befindet sich Steven Donziger in Hausarrest, weil er sich weigert, vertrauliche Informationen über seine sämtlichen Mandanten Richter Kaplan auszuhändigen.[29] Im April 2020 forderten 29 Nobelpreisträger in einem Offenen Brief zur Beendigung des Arrests gegen Donziger auf und bezeichneten das Verfahren als "einen der ungeheuerlichsten Fälle von juristischen Schikane und Verleumdung" ("one of the most egregious cases of judicial harassment and defamation").[30]

PrivatlebenBearbeiten

Waters war viermal verheiratet. 1969 heiratete er seine Jugendliebe Judy Trim, eine Töpferin. Ihr Bild war im Klappcover der ursprünglichen Version von Ummagumma abgedruckt, wurde aber bei späteren CD-Veröffentlichungen nicht mehr gezeigt. Sie hatten keine Kinder. 1975 wurde die Ehe geschieden. Trim starb 2001.

1976 heiratete Waters Lady Carolyne Christie, Nichte von Lawrence Dundas, 3. Marquess of Zetland. Sie haben einen Sohn, Harry Waters, ein Musiker und Keyboarder, der seit 2006 mit seinem Vater spielte, und eine Tochter, India Waters, die als Model gearbeitet hat.[31] Christie und Waters wurden 1992 geschieden.

Der dritten Ehe, von 1993 bis 2001 mit Priscilla Phillips, entstammt Waters’ Sohn Jack Fletcher.

2004 verlobte er sich mit der Schauspielerin und Filmproduzentin Laurie Durning und heiratete sie Anfang 2012; 2015 wurde die Scheidung eingereicht.[32]

Waters ist Atheist.[33]

DiskografieBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[34]
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
1984 The Pros and Cons of Hitch Hiking
Harvest, Columbia
DE49
(8 Wo.)DE
CH12
(12 Wo.)CH
UK13
 
Silber

(11 Wo.)UK
US
 
Gold
US
Erstveröffentlichung: 30. April 1984
Verkäufe: + 560.000
1987 Radio K.A.O.S.
EMI, Columbia
DE58
(3 Wo.)DE
CH20
(5 Wo.)CH
UK25
 
Silber

(7 Wo.)UK
US50
(19 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 15. Juni 1987
Verkäufe: + 110.000
1992 Amused to Death
Columbia
DE4
(17 Wo.)DE
AT25
(1 Wo.)AT
CH12
(10 Wo.)CH
UK8
 
Silber

(4 Wo.)UK
US21
(10 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 1. September 1992
Verkäufe: + 135.000
2017 Is This the Life We Really Want?
Columbia
DE3
(12 Wo.)DE
AT3
(9 Wo.)AT
CH1
 
Gold

(18 Wo.)CH
UK3
(6 Wo.)UK
US11
(3 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 2. Juni 2017
Verkäufe: + 45.000

Sonstige AlbenBearbeiten

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[34]
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
1990 The Wall – Live in Berlin
Mercury
DE10
(15 Wo.)DE
AT25
(5 Wo.)AT
CH11
 
Gold

(8 Wo.)CH
UK27
(3 Wo.)UK
US56
(11 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 21. August 1990
Verkäufe: + 260.000
2000 In the Flesh – Live
Columbia
DE99
(1 Wo.)DE
CH
 
Gold
CH
US136
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 5. Dezember 2000
Verkäufe: + 25.000
2002 Flickering Flame – The Solo Years Volume 1
Columbia, Sony Music
DE53
(2 Wo.)DE
CH62
(4 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 30. April 2002
2015 Roger Waters – The Wall
Legacy
DE22
(2 Wo.)DE
AT29
(1 Wo.)AT
CH20
 
Gold

(3 Wo.)CH
UK53
(1 Wo.)UK
US134
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 20. November 2015
Verkäufe: + 10.000
2020 Us + Them
Legacy
DE4
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2020DE
AT12
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2020AT
CH6
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2020CH
UK9
(2 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 2. Oktober 2020

Weitere Alben

VideoalbenBearbeiten

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[34]
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
2002 In The Flesh – Live
Columbia
DE
 
Gold
DE
UK5
 
Gold

(34 Wo.)UK
US
 
Gold
US
Erstveröffentlichung: 21. August 1990
Verkäufe: + 125.000

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[34]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
1984 5.01AM (The Pros and Cons of Hitch Hiking)
The Pros and Cons of Hitch Hiking
UK76
(4 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 9. April 1984
1987 Radio Waves
Radio K.A.O.S.
UK74
(2 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 11. Mai 1987
The Tide Is Turning (After Live Aid)
Radio K.A.O.S.
UK54
(8 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 16. November 1987
1990 Another Brick in the Wall (Part 2)
The Wall – Live in Berlin
UK82
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 10. September 1990
mit Cyndi Lauper
1992 What God Wants, Part I
Amused to Death
UK35
(3 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 24. August 1992

Weitere Singles

  • 1984: Every Stranger's Eyes
  • 1985: Sexual Revolution
  • 1987: Sunset Strip
  • 1987: Who Needs Information
  • 1990: The Tide Is Turning (mit Joni Mitchell, Cyndi Lauper, Bryan Adams, Van Morrison & Paul Carrack)
  • 1992: The Bravery of Being Out of Range
  • 1993: Three Wishes
  • 2002: Perfect Sense, Part 1 & 2 (Live)
  • 2002: Each Small Candle (Live)
  • 2002: Breathe (In the Air) (Live)
  • 2004: To Kill the Child/Beirut
  • 2007: Hello (I Love You) (mit Howard Shore)
  • 2010: We Shall Overcome
  • 2015: Comfortably Numb (Live)
  • 2015: In the Flesh? (Live)
  • 2017: Smell the Roses
  • 2017: Déjà Vu
  • 2017: The Last Refugee
  • 2017: Wait for Her

Auszeichnungen für MusikverkäufeBearbeiten

Goldene Schallplatte

  • Brasilien  Brasilien
    • 2003: für das Videoalbum In The Flesh – Live
    • 2004: für das Videoalbum The Wall: Live In Berlin
  • Deutschland  Deutschland
    • 2004: für das Videoalbum In The Flesh – Live
  • Kanada  Kanada
    • 1987: für das Album Radio K.A.O.S.
    • 1992: für das Album Amused to Death
  • Norwegen  Norwegen
    • 1998: für das Album Amused to Death
  • Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
    • 2013: für das Videoalbum The Wall: Live In Berlin

Platin-Schallplatte

  • Kanada  Kanada
    • 1992: für das Videoalbum The Wall: Live In Berlin
  • Mexiko  Mexiko
    • 2005: für das Videoalbum The Wall: Live In Berlin
  • Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten
    • 1992: für das Videoalbum The Wall: Live In Berlin
  • Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
    • 2020: für das Videoalbum The Wall

2× Platin-Schallplatte

  • Kanada  Kanada
    • 1990: für das Album The Wall: Live In Berlin

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/Region   Silber   Gold   Platin Ver­käu­fe Quel­len
Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Auszeichnungen, Verkäufe, Quellen)
  Brasilien (PMB) 0! S   2× Gold2 0! P 50.000 pro-musicabr.org.br
  Deutschland (BVMI) 0! S   Gold1 0! P 25.000 musikindustrie.de
  Kanada (MC) 0! S   2× Gold2   3× Platin3 310.000 musiccanada.com
  Mexiko (AMPROFON) 0! S 0! G   Platin1 20.000 amprofon.com.mx
  Norwegen (IFPI) 0! S   Gold1 0! P 20.000 ifpi.no (Memento vom 5. November 2012 im Internet Archive)
  Schweiz (IFPI) 0! S   4× Gold4 0! P 70.000 hitparade.ch
  Vereinigte Staaten (RIAA) 0! S   2× Gold2   Platin1 1.550.000 riaa.com
  Vereinigtes Königreich (BPI)   3× Silber3   2× Gold2   Platin1 280.000 bpi.co.uk
Insgesamt   3× Silber3   14× Gold14   6× Platin6

WeblinksBearbeiten

Commons: Roger Waters – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

  1. The world highest paid musicians 2012
  2. a b The Pink Floyd Archives: Roger Waters Concert Appearances. In: The Pink Floyd Archives. Abgerufen am 12. Oktober 2020.
  3. Daniel Kreps, Daniel Kreps: Roger Waters Postpones This Is Not a Drill Tour Due to the Coronavirus. In: Rolling Stone. 27. März 2020, abgerufen am 11. Oktober 2020 (amerikanisches Englisch).
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