Richard Wright (Musiker)

englischer Keyboarder, Gründungsmitglied von Pink Floyd

Richard William „Rick“ Wright (* 28. Juli 1943 in Hatch End, London Borough of Harrow; † 15. September 2008 in Kensington, London) war ein britischer Musiker und Komponist. Er wurde als Keyboarder der Rockband Pink Floyd bekannt, die er mitbegründet hatte und für die er teilweise auch gesungen hat, insbesondere während der Anfangszeit der Band.

Richard Wright (2006)

BiografieBearbeiten

Schule und die musikalischen AnfängeBearbeiten

Richard Wright besuchte die Haberdashers’ Aske’s Boys’ in Elstree nahe London. Dort entwickelte er ein reges Interesse für antike griechische Architektur. Er entschloss sich, Architektur zu studieren, und schrieb sich nach Abschluss der Schule am Regent-Street-Polytechnikum in London ein. Dort lernte er seine späteren Bandkollegen Nick Mason und Roger Waters kennen.[1]

Die Zeit als Bandmitglied bei Pink FloydBearbeiten

Ab 1964 spielten der Schlagzeuger Mason, Waters und Wright in mehreren Bands zusammen. 1965 kam Syd Barrett hinzu, und man nannte sich künftig The Pink Floyd Sound, später einfach nur noch Pink Floyd. In den späten 1960er Jahren, während der Zeit, die direkt an den Rausschmiss Barretts und den Einstieg von David Gilmour anschloss, war Rick Wright neben Waters der profilierteste Songschreiber der Band. Stücke wie Paint Box, It Would Be So Nice, Remember a Day, See-Saw, Sysyphus (Pts. 1–4), Summer ’68 und The Great Gig in the Sky stammten von ihm. Als Co-Autor trug er zudem wesentlich zu Stücken wie A Saucerful of Secrets, Careful with That Axe, Eugene, Us and Them und Shine On You Crazy Diamond bei. Ab Mitte der 1970er Jahre konzentrierte er sich mehr auf seine Rolle als Keyboarder der Band.

Die Aufnahmen zu dem Album Animals gingen 1976 (auch nach eigenem Bekunden) mit dem Beginn einer Schreibblockade einher, die zum Teil aus seinen damaligen Eheproblemen resultierte. Sein im September 1978 erschienenes und kaum beachtetes Solo-Debütalbum Wet Dream schien ebenfalls ein Indiz dafür zu sein, dass er sich von der Band entfernte. 1979 wurde er dann bei den Aufnahmen zu dem Pink-Floyd-Album The Wall wegen fehlender Beiträge und wachsender bandinterner Spannungen von Roger Waters nach und nach aus der Band gedrängt.

Ausstieg bei Pink FloydBearbeiten

Auf der sich an die Aufnahmen zu The Wall anschließenden Tournee war Wright nicht mehr Bandmitglied. Im rechtlichen Sinne war er nicht mehr Teilhaber der Gesellschaft Pink Floyd, sondern nur noch als Angestellter oder Gastmusiker dabei. Auf dem 1983 folgenden Pink-Floyd-Album The Final Cut fehlte er schließlich ganz. 1984 zog er sich auf die griechische Insel Kefalonia zurück und lebte dort zehn Jahre lang.

David Gilmour und Nick Mason veröffentlichten 1987 das Pink Floyd-Album A Momentary Lapse of Reason. Dort war Wright wieder als Gastmusiker zu hören. Auf der anschließenden Tour wurde er – obwohl weiterhin offiziell nur Angestellter der Band – wieder als Bandmitglied vorgestellt. Ab 1992 war Wright wieder Vollmitglied der Band. Auf dem 1994 veröffentlichten Pink-Floyd-Studioalbum The Division Bell finden sich die stärksten Einflüsse von Wright seit dem 1975 veröffentlichten Album Wish You Were Here.

Ab 1994Bearbeiten

Nach der The Division Bell-Tour 1994 arbeitete Wright an seinem zweiten Soloalbum Broken China. Das zusammen mit Anthony Moore (der bei einigen Stücken auf A Momentary Lapse of Reason und The Division Bell bereits Texte mitverfasst hatte) geschriebene Album erschien schließlich 1996. In Interviews erklärte er damals, dass er gern auf Tournee gehen würde und darüber hinaus davon ausgehe, dass auch Pink Floyd alsbald wieder ins Studio gingen. Beides bestätigte sich nicht. Auf der Tournee des ehemaligen Band-Kollegen Roger Waters im Jahr 2000 trafen sich die beiden erstmals seit fast 20 Jahren wieder. Das Treffen vermittelte der Keyboarder Jon Carin, der in Waters' Band war und zuvor bereits auf den beiden Pink-Floyd-Tourneen ohne Waters (1987 und 1994) mit Gilmour, Wright und Mason zusammengespielt hatte. Das Treffen war Wright zufolge jedoch sehr kurz und unpersönlich.

2002 trat er bei den wenigen Konzerten, die sein Pink-Floyd-Kollege Gilmour in dem Jahr absolvierte, als Gastmusiker auf und bot dabei u. a. den Titel Breakthrough von seinem Solo-Album Broken China dar. Eine Aufnahme davon findet sich auf der 2002 veröffentlichten DVD David Gilmour in Concert.

Die letzten JahreBearbeiten

Im Juli 2005 stand Wright zum ersten und letzten Mal seit 1981 wieder gemeinsam mit Roger Waters auf der Bühne. Die ehemaligen Mitglieder von Pink Floyd spielten im Rahmen des Londoner Live-8-Konzerts zum letzten Mal in ihrer klassischen Besetzung.

2006 war Wright festes Bandmitglied auf David Gilmours Solo-Tournee. Eine Anfrage von Roger Waters, nach Beendigung der Gilmour-Tour bei einem seiner Konzerte in Magny-Cours als Gast aufzutreten, lehnte Wright mit dem Hinweis ab, dass er selbst Aufnahmeverpflichtungen für sein kommendes Soloalbum habe.

Wrights letzter Auftritt war am Hommage-Konzert für Syd Barrett am 10. Mai 2007 im Barbican.[2]

Am 15. September 2008 starb Rick Wright für die Öffentlichkeit überraschend an einem Krebsleiden.

Das letzte Studioalbum von Pink Floyd, The Endless River, ist Wright gewidmet.[3]

Musikalischer Stil und EinflüsseBearbeiten

Rick Wright brachte sich das Klavierspielen selbst bei. Seine Spielweise war vor allem vom Jazz beeinflusst. Aber auch Bach und Beethoven spielten für ihn eine wichtige Rolle. Seine kompositorischen Ideen waren stark von ungewöhnlichen, farbenreichen und komplexen Harmoniewechseln geprägt, die Einflüsse aus dem modernen Jazz wie aus der Romantik zeigten. Das zeigen Stücke wie der letzte Teil von Shine On You Crazy Diamond (Part 9), The Great Gig in the Sky, Us And Them, Burning Bridges und Summer '68. Im Gegensatz zu David Gilmour war Rick Wright nach eigener Auffassung nie ein R&B-Fan.

Instrumente und Technisches EquipmentBearbeiten

Analoge TasteninstrumenteBearbeiten

Orgeln

Wright benutzte in seinen frühen Jahren ab 1964 Farfisa Orgeln, die gekoppelt mit einem Binson Echorec seinen Sound bestimmten. Zuerst legte er sich eine Farfisa Combo-Compact an, die 1968 durch eine Farfisa Compact Duo mit zwei Manualen ausgetauscht wurde. Zu sehen ist letztere zum Beispiel 1971 im Film Pink Floyd: Live at Pompeii, bei Echoes und Set the Controls for the Heart of the Sun.

Seit 1968 setzte er auch eine Hammond-Orgel M-102 ein. Lange Zeit benutze er eine Hammond C-3, die er noch in den 1990er Jahren spielte.[4][5] Er besaß auch eine Hammond RT-3, die zu Zeiten von The Dark Side of the Moon eingesetzt wurde. Auch seine neuste Orgel war eine von Hammond, die Hammond XB-5 von 1996.[6]

Klaviere und E-Pianos

Wright bevorzugte einen Flügel von Steinway & Sons, er besaß aber auch einen von Yamaha. Das Steinway & Sons Baby Grand Piano benutzte er bis zu seinem Tod.[6]

Das erste E-Piano in seinem Besitz war das Fender Rhodes Mark I. Später setzte er auch ein Wurlitzer EP-200 ein. 1975 legte er sich ein Hohner Clavinet D6 und 1979 ein Yamaha CP-70 zu.[6]

Synthesizer

Im Pink-Floyd-Album Obscured By Clouds setzte er zum ersten Mal Synthesizer ein. Es handelt sich Modelle des um EMS VCS3. Danach kaufte er zahlreiche mehr, wichtig zu erwähnen sind ARP Solina String Ensemble, Moog Minimoog, Korg VC-10, Oberheim Four Voice und der Prophet 5 von Sequential Circuits.[4][6]

Digitale TasteninstrumenteBearbeiten

Mit zunehmender Digitalisierung stieg auch Richard Wright auf solche digitalen Tasteninstrumente um. Er bevorzugte die Marke Kurzweil, von der er ab 1984 viele Modelle kaufte. Mit diesen Instrumenten konnte er mit wachsender Perfektion die Sounds der alten Instrumente imitieren. Der Vorteil lag neben der Handhabung darin, dass die neue Ausrüstung weniger störanfällig war. Außerdem verfügen digitale Geräte über eine bessere Stimmstabilität.[6][4]

Andere InstrumenteBearbeiten

Wright spielte auch Posaune, Vibraphon, Harmonium und Flöte, vor allem in den späten 60ern.[4]

DiskografieBearbeiten

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[7]
Broken China
  CH 39 03.11.1996 (1 Wo.)
  UK 61 19.10.1996 (1 Wo.)

Wright veröffentlichte zwei Soloalben sowie ein Album im Rahmen des Projekts Zee.

WeblinksBearbeiten

Commons: Richard Wright – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Legendäre Keyboarder: Rick Wright von Pink Floyd. 14. Oktober 2017, abgerufen am 24. März 2021 (deutsch).
  2. Karolina Mac: Zeitsprung: Am 15.9.2008 verstirbt Richard Wright von Pink Floyd. In: uDiscover Germany. 13. September 2018, abgerufen am 12. Mai 2021 (amerikanisches Englisch).
  3. Pink Floyd - "The Endless River" ist Tribut an Keyboarder Rick Wright. Abgerufen am 24. März 2021 (deutsch).
  4. a b c d Pilippe Margotin, Jean-Michel Guesdon: Pink Floyd - Alle Songs Die Geschichten hinter den Tracks. In: Alle Songs. 1. Auflage. Delius Klasing Verlag, 2018, ISBN 978-3-667-11410-5.
  5. W. M. A. Studios: Gear | Richard Wright. Abgerufen am 5. April 2021 (englisch).
  6. a b c d e W.M.A. Studios: Richard Wright &Pink Floyd Keyboard, Synthesizer & Electronics Equipment. In: rickwright.com. Abgerufen am 8. Mai 2021.
  7. Chartquellen: CH UK