Kefalonia

griechische Insel im Ionischen Meer

Kefalonia (neugriechisch Κεφαλονιά [kʲɛfalɔˈnja], altgriechisch Κεφαλληνία, Kephallēnía, ital. Cefalonia und früher teilweise Cefalogna) ist eine griechische Insel am Ausgang des Golfs von Patras. Sie ist Teil der Präfektur Kefallinia und mit 734,014 km²[1] die größte der Ionischen Inseln. Kefalonia hatte nach vielen Jahren der Landflucht von 1991 bis 2001 eine starke Bevölkerungszunahme (mit 21,9 % zweithöchster Wert in Griechenland) durch Zuwanderung zu verzeichnen. Heute leben zirka 40.000 Einwohner auf der Insel.[2] Im heimischen Sprachgebrauch wird die Insel meist Kefalliniá (Κεφαλληνιά) genannt.

Kefalonia
Kefalonia
Kefalonia
Gewässer Ionisches Meer
Inselgruppe Ionische Inseln
Geographische Lage 38° 14′ N, 20° 34′ OKoordinaten: 38° 14′ N, 20° 34′ O
Kefalonia (Ionische Inseln)
Kefalonia
Länge 48 km
Breite 30 km
Fläche 734,014 km²
Höchste Erhebung Megas Soros
(Enos)
1628 m
Einwohner 40.000
54 Einw./km²
Hauptort Argostoli

Der wichtigste Ort ist Argostoli an der Südwestküste, gefolgt von Lixouri. Die höchste Erhebung ist der Berg Enos mit 1.628 m über dem Meeresspiegel. Kefalonia ist touristisch gut erschlossen und wird im Sommer hauptsächlich von Briten besucht. Viele Italiener nutzen die Gewässer um die buchtenreiche Insel als Bootsrevier. Von Juni bis September sind die Übernachtungszahlen am höchsten, ab Oktober sind vor allem Athener zu Gast.

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Kefalonia ist die größte Ionische Insel und zugleich die militärisch wichtigste, da sie den Golf von Patras und damit auch die Einfahrt in den Isthmus von Korinth versperrt.[3] Sie ist überwiegend gebirgig, die höchste Erhebung ist der 1628 m hohe Berg Enos.

GeologieBearbeiten

Die Insel gehört weitgehend zur präapulischen Zone und wird von Eozän-Kalkstein dominiert, auf der westlichen Halbinsel Paliki gibt es auch Sandstein. Im südöstlichen Teil finden sich Brekzien und Schiefer, auch kleine und stripartige Formationen von Ammonitico Rosso kommen vor. Der zentrale Teil der Insel wird von der Enos-Gebirgskette dominiert, die von Kreide-Dolomiten und Kalkstein geprägt ist.

GeschichteBearbeiten

 
Kupfermünzen aus der antiken Stadt Pale
 
Karte von Joseph Roux (1764)
 
Badevergnügen in der Nähe von Argostoli (1930)

Kefalonia war bereits vor 110.000 bis 35.000 Jahren von Neandertalern besiedelt; belegt ist dies durch Steinwerkzeuge.[4]

Es gibt seit der Antike Vermutungen, dass Kefalonia mit der in der Odyssee zum Besitz des Odysseus gerechneten Insel Same übereinstimmt, aber auch das homerische Dulichion wurde oft mit Kefalenia gleichgesetzt.[5] Eine Studie aus dem Jahr 2018 versucht die These zu stützen, nach der Kefalonia mit der Heimatinsel des Odysseus, der homerischen Insel Ithaka übereinstimmt.[6] Aus der mykenischen Zeit sind Funde erhalten, darunter ein großes, reich ausgestattetes Kuppelgrab bei Tzanata, das alle Grabbauten dieser Phase auf den Ionischen Inseln und im Nordwesten der Peloponnes übertrifft.[7]

Im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Insel zum Einflussbereich von Korinth, wurde aber um 375 v. Chr. durch den Feldherrn Timotheus zum Anschluss an den von Athen dominierten Attischen Seebund gezwungen. In der Antike lagen auf der Insel vier Städte: Pale, Same, Pronnoi und Krane (Kefalonische Tetrapolis). Kefalonia war eine wichtige Station auf dem Weg von Sizilien und Italien nach Griechenland.[8] Der Geograph Skymnos schreibt von der „Insel der Kephallenier“. Die politische Lage verhinderte eine größere Bedeutung der Insel, die auch zu den Peloponnesischen Kriegen keine Schiffe stellte.

Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet die Insel unter römische Herrschaft. Sie war ab 59 v. Chr. Verbannungsort für den wegen Teilnahme an der Verschwörung des Catilina und Erpressungen in der von ihm verwalteten Provinz Macedonia angeklagten Gaius Antonius Hybrida, den Schwiegervater des Marcus Antonius. 50 v. Chr. geriet die Insel unter die Herrschaft des Gaius Antonius. Auf der Spitze des Enos befand sich laut Strabo (10,2,16) der Tempel des Jupiter Aenesius. Dieser Name führte offenbar schon früh zu Spekulationen darüber, ob Aeneas sich auf der Insel aufgehalten habe.[9]

Eine neuere Theorie, die sich auf meteorologische, geographische und historische Untersuchungen stützt, identifiziert die in der biblischen Apostelgeschichte erwähnte Insel Melite als Kefalonia (oder eventuell eine Halbinsel davon). Demnach strandete der Apostel Paulus, als er auf dem Weg nach Rom war, entgegen der allgemein verbreiteten Theorie und Tradition auf Kefalonia.[10][11][12][13] Hierzu gibt es auf der Insel auch eine Tradition, die sich an die Pauluskirche von Pessada knüpft.[14] Die Theorie bringt auch den Schlangenkult in den Kirchen Kefalonias mit der Paulusgeschichte in Verbindung. Kaiser Hadrian schenkte die Insel im 2. Jahrhundert Athen. Bei der Reichsteilung von 395 kam die Insel an das oströmische bzw. byzantinische Reich und war 535 eine von dessen 64 Provinzen.

1085 besetzten Normannen unter Robert Guiscard (der in der Bucht von Porto Atheras starb) die Insel. Der Ort Fiskardo ist heute noch nach ihm benannt. Nach dem vierten Kreuzzug von 1204 wurde sie Venedig zugesprochen.

Unter den Venezianern wurde im 13. Jahrhundert das lateinische Bistum Kefalonia errichtet. 1375 trat die Familie der Tocchi die Nachfolge der Orsini in der Pfalzgrafschaft Kefalonia an. Diese wurde jedoch 1479 von den Osmanen erobert. Am 24. Mai 1500 eroberte eine venezianisch-spanische Flotte unter Admiral Benedetto Pesaro und Gonzalo Fernández de Córdoba y Aguilar erneut die Insel. Nach 21 Jahren osmanischer Herrschaft gelang eine Restauration der Pfalzgrafschaft mit Hilfe der Venezianer. Ein Söldnerheer lieferte sich jedoch weiterhin Schlachten mit den Osmanen, die versuchten, die Insel erneut zu erobern. 1536 wurde der Seefahrer Juan de Fuca auf Kefalonia geboren. 1538 gelang es den Osmanen, 3.000 Menschen in die Sklaverei zu verschleppen. Seit dem späten 16. Jahrhundert entwickelte sich Kefalonia zu einem Druckort venezianischer Bücher, etwa diverser Talmud-Ausgaben, da hier die Zensur viel liberaler war als in der Stadt Venedig. Nach dem Verlust von Kreta wurde Kefalonia ein wichtiger Handelsstützpunkt der venezianischen Flotte.

1797 wurden alle Ionischen Inseln französisch besetzt, es folgte ab 1799 durch den russischen Kaiser Paul I. die Proklamation der Republik der Sieben vereinigten Inseln (die auch den Osmanen tributpflichtig war). Während der Napoleonischen Kriege wurden die Inseln erst von den Franzosen (1806), die hier die kurzlebige Ionische Republik gründeten, später von den Briten (1809/1810) besetzt. Diese wandelten sie 1815 unter dem Namen Vereinigter Staat der Sieben Ionischen Inseln in einen unabhängigen Staat unter britischem Protektorat um. 1823 hielt sich Lord Byron auf der Insel auf und schrieb hier sein Werk Don Juan, bevor er nach Griechenland ging, um am dortigen Unabhängigkeitskrieg teilzunehmen. 1864 kam Kefalonia mit den anderen Ionischen Inseln auf Wunsch der Bevölkerung und nach einer entsprechenden Abstimmung des ionischen Parlaments an Griechenland.

Nach der Eroberung Griechenlands durch italienische und deutsche Truppen im Balkanfeldzug war Kefalonia wie die anderen Ionischen Inseln ab April 1941 durch italienische Truppen besetzt. Nach der Kapitulation Italiens vor den Alliierten Anfang September 1943 besetzten deutsche Gebirgsjäger die Insel und erschossen im Massaker auf Kefalonia zwischen dem 21. und 24. September 1943 zwischen 4.000 und möglicherweise sogar 5.300 italienische Soldaten; es war eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen im Mittelmeerraum.[15]

Kefalonia wurde immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht, darunter auch das Erdbeben von 1867. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich 1953 und richtete große Zerstörungen an; durch Abwanderung infolge des Bebens sank die Einwohnerzahl von 125.000 auf 25.000. Seit 1990 verzeichnet die Insel einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auch in der gestiegenen Einwohnerzahl widerspiegelt.

Flora und FaunaBearbeiten

 
Der Wald auf dem Berg Enos

Tannen auf EnosBearbeiten

Der 1.628 Meter hohe Berg Enos wurde von den Venezianern aufgrund seiner dunklen Farbe Monte Negro genannt. Die Farbe geht auf die Schwarze Tanne (Abies cephalonica) zurück, die in den griechischen Gebirgen endemisch ist. Zum ersten Mal taucht sie auf Münzen des 4. Jahrhunderts v. Chr. aus dem antiken Pronnous (bei Poros) auf, später wurde sie von den Venezianern beim Schiffbau geschätzt. 1824 erklärte der Inselgouverneur Charles James Napier die Tannenwälder am Enos zum Naturschutzgebiet und veranlasste ihre Wiederaufforstung.

OrchideenBearbeiten

Folgende Orchideenarten finden sich auf der Insel:[16]

  • Armblütiges Knabenkraut (Orchis pauciflora)
  • Vierpunkt-Knabenkraut (Orchis quadripunctata)
  • die Hybride zwischen beiden letztgenannten Arten

SilberdistelnBearbeiten

Zwischen Lixouri und Mantzavinata ist die Silberdistel Carlina Ianata zu finden. Sie blüht zwischen Juli und August, ihre Blütenfarbe ist rosa. Bei Argostoli ist die Carlina Corymbosa zu finden, die im August gelb blüht.[17]

Mönchsrobben und KarettschildkrötenBearbeiten

Zwei zu den zwölf am stärksten bedrohten Tierarten der Welt zählende Arten, die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) und die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), sind an der Zakynthos zugewandten Küste zu finden.

Bereits in der Odyssee werden die Robben in der Meeresenge zwischen den Inseln erwähnt. Naturschützer und Fischer engagieren sich für den Schutz des Robbenbestandes. Heute besteht zwar keine Gefahr mehr durch Fischernetze, aber durch Segel- und Motoryachten.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Tropfsteinhöhle Drogarati
 
See Melissani
 
Strand von Xi
 
Venezianische Burg Agios Georgios

MelissaniBearbeiten

Am 7. Juli 1868 besuchte Heinrich Schliemann die Insel. Er konnte sich davon überzeugen, dass zwei Mühlen mit Wasser angetrieben werden, das vom Meer über Kanäle in Höhlen fließt. Dieses Wasser findet sich 16 Kilometer weiter in einem See der unterirdischen Melissani-Höhle wieder, deren Wasserspiegel sich allerdings über dem Meeresspiegel befindet. Wissenschaftler erklären das Phänomen heutzutage folgendermaßen: Das salzhaltige Meerwasser höherer Dichte vermischt sich demnach in den unterirdischen Hohlräumen mit dort ebenfalls hineinfließendem Oberflächen- und Regenwasser geringerer Dichte zu einem Misch-/Brackwasser mittlerer Dichte, welches dann im Gewichtsgleichgewicht zum salzhaltigen Meerwasser höher steht. Das salzhaltige Triebwasser für die Meerwassermühlen fließt also nur, wenn genügend Regenwasser unterirdisch für Verdünnung sorgt.

Der unterirdische See ist eine der Hauptattraktionen der Insel. In der Antike war der Ort eine Kultstätte des Hirtengottes Pan. Zur Mittagszeit dringt viel Tageslicht in die Grotte. In der Nähe befindet sich die Tropfsteinhöhle Drogarati.

SträndeBearbeiten

Von den zahllosen Stränden verdient der Kieselstrand Myrtos Beachtung, der im Nordwesten in der Nähe des Ortes Asos liegt. Er erzielte bei mehreren Vergleichen gute Platzierungen. Sandstrände finden sich im Südwesten nahe der Stadt Lixouri und in Buchten im Süden zwischen Argostoli und Skala.

Museen und GebäudeBearbeiten

  • Heimatmuseum unter der Korjialenios-Bibliothek in Argostoli
  • Naturkundemuseum in Davgata
  • Kirchenmuseum des orthodoxen Bistums Kefalonia in Peratata
  • Dauerausstellung am Sitz der Focas-Cosmetatos Foundation in Argostoli
  • Schule, entworfen von Thukydides Valentis in Lixouri (Bau der Neuen Sachlichkeit)
  • Mehrere venezianische Burgen und Festungen, beispielsweise Assos und Agios Georgios
  • Die Iakovatios-Bibliothek in Lixouri, untergebracht im früheren Stammhaus der Familie Tirpado/Typaldos; das sehr gut erhaltene klassizistische Gebäude beherbergt neben der obligatorischen Leihbibliothek eine Sammlung bedeutender historischer Bücher aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, beispielsweise die Erstausgabe der Werke von Hippokrates und von Platon aus der Renaissance
  • Archäologisches Museum in Argostoli

ReligionBearbeiten

ChristentumBearbeiten

Zu dem ersten Kontakt mit dem Christentum soll es gekommen sein, als der Apostel Paulus auf seiner Fahrt von Kreta nach Rom im Golf von Argostoli Halt machte. Auf Kefalonia lebte und wirkte im 2. Jahrhundert der Gnostiker Epiphanes, der nach seinem Tod verehrt wurde. Er soll ein Nachfolger bzw. ein Sohn des Karpokrates gewesen sein, dessen historische Existenz allerdings umstritten ist. Er starb mit 17 Jahren und hinterließ das Werk Über die Gerechtigkeit. Seine Anhänger bauten ihm zu Ehren einen Tempel.

Im Dorf Markopoulo existiert ein Marienkult, dem zufolge am 15. August Schlangen auftauchen. Schon während der venezianischen Herrschaft lebten verschiedene Konfessionen auf der als liberal geltenden Insel, wobei die theologische Ausbildung zumeist in Italien erfolgte. Im 13. Jahrhundert wurde das katholische Bistum Kefalonia und von Franz von Assisi das Kloster Sissia gegründet. 1555 kam der spätere Inselheilige Gerasimos (1507–1579) nach Kefalonia und lebte zunächst als Einsiedler in einer Höhle. Sein Leichnam wird im Kloster St. Gerasimos aufbewahrt. 1916 wurde das Bistum Kefalonia in das Erzbistum Korfu eingegliedert. Mit der Auswanderung nach dem Erdbeben von 1953 nahm der Anteil der Katholiken ab, zumal orthodoxe Christen aus anderen Teilen Griechenlands zuwanderten. Die Zahl der verbliebenen Katholiken blieb dann über Jahrzehnte konstant; in den letzten Jahren kamen viele katholische Ausländer wie Polen oder Filipinos hinzu.

JudentumBearbeiten

Mit dem Fall Kretas (1645–1699) an die Türken kamen Kreter nach Kefalonia, darunter auch eine bedeutende Zahl an Juden. 1823 lebten 130 Juden auf Kefalonia.[18] Lord Byron schrieb während seines Aufenthaltes, dass auf der Insel „kein Unterschied zwischen Griechen und Juden besteht“.[19] Unmittelbar vor dem Holocaust lebten 388 Juden auf der Insel.[20] Im Juni 1944 wurden sie von den Nazis deportiert.[21]

Kirchen und KlösterBearbeiten

Der Kirchenbau hat sich aufgrund der venezianischen Herrschaft anders als auf dem griechischen Festland entwickelt. Die meisten Kirchen bestehen wie frühchristliche Kirchen aus einem großen Raum mit rechteckigem Grundriss. Ausgemalt sind die Räume mit Fresken. Der Glockenturm mit quadratischem Grundriss steht etwas abseits. Schutzpatron der Insel ist der Heilige Gerassimos, dessen sterbliche Überreste im gleichnamigen Kloster aufbewahrt werden. Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Kloster Kipouria.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Die Insel Kefalonia war nach der Gemeindereform 1997 in acht Gemeinden unterteilt.[22] Diese wurden im Rahmen der Verwaltungsreform 2010 nach dem Grundsatz „jede Insel eine Gemeinde“ zum 1. Januar 2011 fusioniert zur Gemeinde Kefalonia (Δήμος Κεφαλονιάς Dímos Kefaloniás).[23] Nachdem sich dies für die Verwaltung als unzweckmäßig herausgestellt hatte, wurde im März 2019 die Gliederung in drei Gemeinden[24] in Anlehnung an den traditionellen Zuschnitt der ehemals drei Provinzen (επαρχία eparchía) beschlossen. Das Ziel, Kosten zu senken, wurde nicht erreicht; gleichzeitig beklagten sich die Bewohner über den schlechten Service in den untergeordneten Ortsteilbüros der Gemeinde. Die 1997 gebildeten Gemeinden bestehen als Gemeindebezirke fort.

Gemeinde griechischer Name Fläche (km²) Einwohner 2011 Sitz Gemeindebezirke (Δημοτική Ενότητα)
Argostoli Δήμος Αργοστολίου 378,682 23.499 Argostoli Argostoli, Elios-Pronni, Livathos, Omala
Lixouri Δήμος Ληξουρίου 119,341 07.098 Lixouri Paliki
Sami Δήμος Σάμης 288,552 05.204 Sami Erisos, Pylaros, Sami
Gesamt 786,575 35.801

VerkehrBearbeiten

Fährverbindungen bestehen zu den Inseln Ithaka, Zakynthos und Lefkada. Letztere ist mit dem Festland über eine Brücke verbunden. Zudem bestehen Fährverbindungen der Reederei Levante Ferries von Sami nach Killini und Patras auf dem Peloponnes. Die KTEL-Genossenschaft betreibt Buslinien nach Patras und Athen, die ebenfalls die Fähre nutzen.

Zwischen den größten Städten der Insel, Argostoli und Lixouri, besteht eine Fährverbindung, die für den Inselverkehr selbst von großer Bedeutung ist. Der Flughafen Kefalonia wird ganzjährig von Athen angeflogen und saisonal europaweit von zahlreichen Chartergesellschaften.

BildungsstättenBearbeiten

FachhochschulenBearbeiten

Die Insel ist ein beliebter Studienort und profitiert vor allem im Winter von der Anwesenheit von Studenten. Die höhere Bildungseinrichtung TEI Ionion Nison unterhält zwei Standorte auf der Insel: in Lixouri bietet sie die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Musikinstrumentenbau an, in Argostoli Studien in Meeresbiologie. Darüber hinaus gibt es in Argostoli das Rokos-Vergotis-Konservatorium und die Nationale Marine-Akademie.

WirtschaftBearbeiten

 
Verladung von Kalk im Hafen von Argostoli

Unter den Venezianern wurde hier der Korinthenanbau gefördert. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war dieser neben der Schifffahrt die Haupteinnahmequelle für die Bewohner. 1807 betrug die Korinthenproduktion neun Millionen Pfund. Ebenfalls von Bedeutung war die Ausfuhr von Olivenöl, Wein und Bergamotte, teilweise auch Honig; Getreide und Obst wurden nur für den Eigenbedarf kultiviert. Exportiert wurde vor allem nach Frankreich und Italien. Im Zweiten Weltkrieg brach der Export ein und erholte sich nicht mehr. Einzige Erwerbsquelle war nun die Schifffahrt, bis später in bescheidenem Umfang der Tourismus hinzukam. Gegenwärtig nimmt die Bedeutung von Fischzucht zu, die Insel gehört zu den weltweit wichtigsten Erzeugern von Biofisch.

Wie auf allen griechischen Inseln hat auch auf Kefalonia der Tourismus große wirtschaftliche Bedeutung, jedoch in geringerem Umfang, als es möglich wäre. Restriktionen im Bausektor, das Verbot großer Anlagen sowie das Fehlen eines zentralen Ortes machen die Insel für den Massentourismus wenig lukrativ. So schrieb der Focus anno 2001 über die Insel in Anspielung auf Odysseus’ Heimat:

„… schaukelt sich seit Mitte der 90er ein stiller Jet-Set in der Wiege der europäischen Kultur. Madonna, Steven Spielberg, Jack Nicholson, Tom Hanks und Bruce Springsteen lockt nicht nur der rustikale Robola-Wein.“[25]

KulinarischesBearbeiten

Die Küche der Ionischen Inseln und somit auch die von Kefalonia ist stark von der venezianischen beeinflusst, darüber hinaus finden sich französische und westeuropäische Einflüsse. Aufgrund der Nachfrage durch Touristen nach griechischen Gerichten und durch kulturellen Austausch jüngeren Datums ist auch die griechische Küche verbreitet. Zudem gibt es einige inseltypische Spezialitäten wie Stockfisi (Trockenfisch oder Stockfisch, einst aus Nordeuropa importiert), Pligouri (ein Fleischeintopf) oder die Riganada, ein wie Fleisch gerösteter und gewürzter Zwieback sowie Tomaten in zahlreichen Variationen, vom Brotaufstrich bis zu paniert und frittiert in der Pfanne. Die Fleischpastete Kreatopita besteht aus verschiedenen Fleischsorten (Rind, Schwein, Ziege), Tomatenmark, Reis und Blätterteig, wobei dieser mit Wein statt mit Wasser zubereitet wird. Sofrito und Bourdeto sind weitere Gerichte. Als Dessert bekannt sind Komfeto, ein weißes Weich-Nougat mit Mandeln, sowie Mandoles, eine Spezialität aus gerösteten Mandeln und Zucker. Orgeat wird Orzata (griech. Soumada) genannt und ist auch in Flaschen erhältlich. Kefalonia ist der Ursprungsort der griechischen Hartkäsesorte Kefalotyri.

WeinBearbeiten

Einer Sage nach hat Kephalos, der Sohn des Götterboten Hermes und Namenspatron der Insel, unter Obhut des Weingottes Dionysos den Weinbau nach Kefalonia gebracht. Endemisch ist hier der leichte und fruchtige Weißwein der Rebsorte Robola. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Sorte vor rund 400 Jahren aus Italien eingeführt wurde, wo sie jedoch nicht mehr existiert. Als Qualitätswein darf der Robola Kephallinias vermarktet werden. Angebaut wird Robola von den Winzern der Genossenschaft Agios Gerasimos (in der Nähe des gleichnamigen Klosters).

RezeptionBearbeiten

Den Namen der Insel trugen u. a. die Jugendstil-Vasenserie Cephalonia von Joh. Loetz Witwe und 1882 das Schiff Cephalonia der Cunard Line, des Weiteren die Schriftart Cephalonia von Letterhend.

Söhne und Töchter der InselBearbeiten

Siehe auch: Persönlichkeiten der Insel Kefalonia

LiteraturBearbeiten

  • Georg Biedermann: Die Insel Kephallenia im Altertum. München 1897.
  • Joseph Partsch: Kephallenia und Ithaka – eine geographische Monographie. Justus Perthes, Gotha 1890.
  • Bernhard Weinmann: Die Böden der Insel Kefallinia. Wilhelm Schmitz, Giessen 1964.
  • Rüdiger Knapp: Die Vegetation von Kephallinia. O. Koeltz, Königstein 1965.
  • Sabine Becht, Sven Talaron: Kefalonia & Ithaka. M. Müller, 2004, ISBN 3-89953-170-1.
  • Matthias Steinhart, Eckhard Wirbelauer: Aus der Heimat des Odysseus. P. von Zabern Verlag, Mainz 2002.
  • Christoph Schminck-Gustavus: Kephallonià. Auf den Spuren eines Kriegsverbrechens. Donat, Bremen 2004, ISBN 3-934836-66-6.
  • Kefalonia. In: Die Zeit, Nr. 20/2008; Reisebericht
  • Heinz Warnecke: Homers Wilder Westen. Die historisch-geographische Wiedergeburt der Odyssee. 2. Auflage. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-515-11621-3 (441 S.).

BelletristikBearbeiten

  • Albert Cohen: Solal. 1930 (französisch), Eisenbeißer. 1938, Die Schöne des Herren. 1968, Die Tapferen. 1969 (Tetralogie spielt teilweise auf Kefalonia, auf der in den Geschichten die „5 Tapferen“ leben).
  • Louis de Bernières: Corellis Mandoline. 1994 (2001 mit Nicolas Cage und Penelope Cruz verfilmt: Corellis Mandoline).

WeblinksBearbeiten

Commons: Kefalonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Concise statistical yearbook of Greece 2009
  2. Volkszählung: Knapp elf Millionen Einwohner (Memento des Originals vom 14. September 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.griechische-botschaft.de
  3. Militärgeschichtliche Mitteilungen. Militärgeschichtliches Forschungsamt 1967, S. 31.
  4. George Ferentinos et al.: Early seafaring activity in the southern Ionian Islands, Mediterranean Sea. In: Journal of Archaeological Science, online-Vorabveröffentlichung vom 10. Februar 2012, doi:10.1016/j.jas.2012.01.032
  5. zu den antiken Lokalisierungsversuchen bzgl. Same und Dulichion s. vor allem Strabon, Geographie, 10, 455ff.
  6. Heinz Warnecke: Homers Wilder Westen. Die historisch-geographische Wiedergeburt der Odyssee. 2. Auflage. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-515-11621-3 (439 S.)
  7. Birgitta Eder: Überlegungen zur politischen Geographie der mykenischen Welt. In: Geographia Antiqua, XVIII, 2009, S. 34.
  8. Vergleiche Polybios, Historien V.3f.
  9. George Cornewall Lewis: Untersuchungen über die Glaubwürdigkeit der altrömischen Geschichte, übersetzt und erweitert von Felix Liebrecht, Erster Band, zweite Ausgabe. Carl Rümpler, Hannover 1863, S. 300 Anm. 50.
  10. Heinz Warnecke; Thomas Schirrmacher: Paulus im Sturm. Über den Schiffbruch der Exegese und die Rettung des Apostels auf Kephallenia. 2. Auflage. VTR, Nürnberg 2000, ISBN 3-933372-29-1 (183 S.).
  11. Heinz Warnecke: Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus. 2. Auflage. Verl. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1989, ISBN 3-460-04271-0 (164 S.).
  12. Paulus war nie auf Malta. In: Die Zeit, Nr. 52/1988; Besprechung der Dissertation von Heinz Warnecke, abgerufen am 2. August 2018
  13. Holy Metropolis of Cephalonia: St. Paul the Apostel, Bericht über drei internationale Konferenzen 1993, 1996 und 1999 hierzu mit weiteren Argumenten, abgerufen am 2. August 2018
  14. A. Warsberg: Ithaka. Wien 1887; Heinz Warnecke: Paulus im Sturm. VTR, 2000, S. 115 f.; Heinz Warnecke: Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus. Stuttgart 2/1989 (1/1987). (=Stuttgarter Bibelstudien 127).
  15. L. Klinkhammer: Der Stahlpakt endete im Bleihagel. Kephalonia und das deutsche Massaker an italienischen Soldaten. In: FAZ. 16. März 2002.
  16. orchids.de (Memento des Originals vom 21. Juni 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orchids.de
  17. Theodor Heinrich Hermann von Heldreich, August Mommsen: Die Pflanzen der attischen Ebene. J. Bergas, 1877, S. 46, S. 60, S. 73.
  18. George William Hamilton Fitzmaurice Orkney: Four Years in the Ionian Islands: Their Political and Social Condition. With a History of the British Protectorate. Chapman and Hall, 1864, S. 53.
  19. R. Martin (Hrsg.); George Gordon Byron Byron, Robert B. McGregor: The Byron Gallery of Highly Finished Engravings, Illustrating Lord Byron’s Works: With Selected Beauties from His Poems. Elucidated by Historical and Critical Notices; Together with a Sketch of His Life, Containing Important and Unpublished Matter. 1849.
  20. The Jewish Communities and Settlements in Greece. auf: jewishgen.org
  21. E. Droz: Kölner romanistische Arbeiten. Köln 2000, S. 98.
  22. Gesetz 2539/1997, «Συγκρότηση της Πρωτοβάθμιας Τοπικής Αυτοδιοίκησης.» ΦΕΚ 244A/4.12.1997, Άρθρο 1. Σύσταση δήμων και κοινοτήτων. S. 8812. PDF Online (griechisch)
  23. Kallikratis-Programm, Gesetz 3852/2010, «Νέα Αρχιτεκτονική της Αυτοδιοίκησης και της Αποκεντρωμένης Διοίκησης − Πρόγραμμα Καλλικράτης.» ΦΕΚ 87 A/7.6.2010, Άρθρο 1. Σύσταση δήμων. S. 1790. PDF Online (griechisch)
  24. Gesetz 4600/2019, ΦΕΚ 43 A/9.3.2019, Άρθρο 154. Τροποποίηση του άρθρου 1 του ν. 3852/2010. S. 1164. PDF Online (griechisch)
  25. Focus. 36-39, 2001