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Kohlscheid ist ein Stadtteil von Herzogenrath in der Städteregion Aachen. Kohlscheid hat etwa 19.008[1] Einwohner (Stand 1. Januar 2016).

Kohlscheid
Wappen von Kohlscheid
Koordinaten: 50° 50′ 5″ N, 6° 5′ 15″ O
Höhe: 180 m
Fläche: 9,5 km²
Einwohner: 19.008 (2016)
Bevölkerungsdichte: 2.001 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52134
Vorwahl: 02407
Wurm bei Kohlscheid

GeschichteBearbeiten

Etwa um 1030 gehörte das Kohlscheider Gebiet zu den Besitzungen des Aachener Pfalzgrafen Hermann Hezelo (Richterich). Von 1140 bis 1225 war es Lehen der Grafen von Heinsberg. Die Gegend war stark landwirtschaftlich geprägt, was durch die Erwähnung folgender Höfe und Weiler belegt ist: Horbach 1073, Oberfronrath 1112, Berensberg 1150, Geuchter Hof 1240, Mühlenbach 1241, Schönau 1280, Wilsberg, Ürsfeld und Biesenhecken 1290, Heyden 1288 (1303), Bank 1361, Forensberg 1365.

Die Burg Heyden kam 1361 als Pfand an die Grafen von Jülich. Herzog Wilhelm II. setzte Gothard von Bongart als Herrn auf Heyden ein und bildete aus den Orten Richterich, Horbach, Bank, Berensberg und Eygelshoven die Unterherrschaft Zur Heyden. Diese bestand bis zum Einmarsch der Franzosen 1794.

1524 tauchte erstmals schriftlich die Bezeichnung „Scheit“ auf, dabei handelte es sich um den Bereich der heutigen Südstraße, etwa ab Kaiserstraße bis zum Markt. Scheit bedeutet Grenze, aber auch Höhenrücken, in unserem Fall also zwischen dem Wurmtal im Osten und dem Amstelbach im Süden.

Später wurde das „Heydener Ländchen“ in folgende Quartiere aufgeteilt: Eygelshoven, Horbach, Richterich, Scheit (Scheid), Klinkheide und Bank. Wegen zunehmender Bevölkerung und dem Aufschwung des Kohlebergbaus wurden Scheid und Klinkheide zu je einem Quartier neben Pannesheide, Rumpen und Hasenwald (Berensberg) erhoben. Im 18. Jahrhundert setzte sich inoffiziell bereits der Name Kohlscheid (statt Scheit/d) durch. Die Franzosen leiteten eine Neu-Organisation der Verwaltung ein: Aus der Herrschaft Heyden wurde die Gemeinde „Pannesheyd“; dazu gehörten Kohlscheid, Klinkheide, Pannesheide, Gracht, Kesseles, Rumpen, Berensberg und Hasenwald. Das Ganze wurde in das Departement de la Roer eingefügt.

Nach dem Wiener Kongress 1815 kam die gesamte Gegend zu Preußen. Der Landkreis Aachen wurde gegründet. Die genannten Orte legte man zur Bürgermeisterei Heyden zusammen. Ab 1849 wurden die Spezialgemeinden Pannesheide und Richterich eingerichtet, in Personal-Union von einem Bürgermeister in Richterich verwaltet, mit beigeordneten Bürgermeistern in den einzelnen Ortsteilen. Von 1886 bis 1905 war Freiherr von Broich zu Haus Schönau aus Richterich (ehrenamtlich) tätig. Seit 1904 hielt der Gemeinderat seine Sitzungen bereits in Kohlscheid ab. Wegen des Siedlungs-Schwerpunktes und des Sitzes von Bergbau und der übrigen Industrie (Nadeln, Zigarren) versuchte man seit 1905, eine Änderung des Gemeinde-Namens in Kohlscheid zu erreichen. Der Regierungs-Präsident gestattete im gleichen Jahr eine Verlegung des Sitzes des Bürgermeisteramtes für die Gemeinde Pannesheide nach Kohlscheid (Weststraße 44). Ab dem 3. April 1906 wurde Josef Lambertz als kommissarischer (hauptamtlicher) Bürgermeister eingeführt. Zu dieser Zeit begann man ebenfalls mit den Vorarbeiten zum Bau eines eigenen Rathauses. Dieses wurde in den Jahren 1907/08 in der Kaiserstraße nach Plänen des Aachener Regierungsbaumeisters Schmidt erstellt.

Am 16. Januar 1908 schließlich fasste der Gemeinderat den Beschluss, sich an den Minister des Inneren zu wenden, um die Umbenennung von Pannesheide in Kohlscheid zu erreichen. Der Kaiser stimmte am 29. September des gleichen Jahres zu.

1913 zogen die Hauptverwaltung und das Zentralbüro des Eschweiler Bergwerksvereins (EBV) von Eschweiler-Pumpe nach Kohlscheid um, da sich der Schwerpunkt der Kohleförderung des EBV vom Inderevier ins Wurmrevier verlagert hatte. Auf Kohlscheider Gebiet lag die Grube Laurweg, deren Kohleförderung 1955 eingestellt wurde.

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Kohlscheid mit der bereits bestehenden Stadt Herzogenrath und der Gemeinde Merkstein zur neuen Stadt Herzogenrath zusammengeschlossen.

GeographieBearbeiten

OrtsteileBearbeiten

Kohlscheid teilt sich weiter auf in die Ortsteile mit den alten Flurnamen

  • Pannesheide
  • Schützenheide
  • Schweyerhof
  • Roland
  • Spidell
  • Kessels
  • Klinkheide
  • Kämpchen
  • Vorscheid
  • Bank
  • Rumpen
  • Dornkaul
  • Berensberg
  • Hasenwald
  • Mitteluersfeld
  • Mühlenbach
  • Kircheich
  • Forensberg
  • Neu-Forensberg
  • Feld
  • Wilsberg

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung:„In Silber (weiß) geteilt durch einen schwarzen Balken, oben zwei, unten ein schwarzer aufrechter Hammer.“

Der Gemeinde Kohlscheid wurde 1936 durch den Oberpräsidenten des Rheinlandes in Koblenz ein Wappen verliehen. Es zeigt drei Schlägel als Symbole des Bergbaus. Der schwarze Balken ist abgeleitet vom Wappen der Herren von Broich, welche früher großen Einfluss in der Gegend hatten.

 
Indoor-Soccer- und Badmintonhalle in Kohlscheid

SehenswertesBearbeiten

Sehenswert ist die denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Katharina.

SportBearbeiten

In Kohlscheid sind einige Fußballvereine ansässig. Diese sind im Einzelnen der Kohlscheider BC, der SV Kohlscheid und Grenzwacht Pannesheide. Im Bereich der Leichtathletik hat der Verein DJK Elmar Kohlscheid schon eine Reihe von Talenten hervorgebracht. Der Kohlscheider Schwimmclub 1973 bietet eine Reihe von Angeboten für die verschiedensten Leistungs- und Altersklassen an, allerdings ist die Ausübung des Schwimmsports seit dem Abriss der öffentlichen Schwimmhalle (Anfang 2017) nur noch sehr eingeschränkt möglich. Der Poolbillardverein Schwarz-Weiß Kohlscheid spielt seit 2010 in der 2. Bundesliga.

St. Martinus Bogenschützen- Gesellschaft 1885 e. V.Bearbeiten

Seit dem Jahre 1885 gibt es im Kohlscheider Ortsteil Klinkheide einen Schützenverein, in dem die Mitglieder mit einer historischen Armbrust auf eine 30 Meter hohe Stange schießen. Der Schützenverein hat zu den Weltkriegszeiten bereits eine eigene Vereinsgeschichte. Noch heute sind die St. Martinus Bogenschützen aktiv und auf der Suche nach neuen Vereinsmitgliedern. Traditionell findet jedes Jahr der Königsvogelschuss statt.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Kohlscheid

FernstraßenBearbeiten

Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Aachen-Laurensberg an der A 4.

BusverkehrBearbeiten

Kohlscheids Busknotenpunkt ist Kohlscheid Weststraße, welcher von den AVV-Linien HZ2, WÜ1, 34, 47, 80 und 147 bedient wird. Des Weiteren durchfahren die ASEAG-Buslinien 17 und 27 den Kohlscheider Ortsteil Bank. Die ASEAG-Buslinie 54 durchquert Kohlscheid über die Südstraße und den Kohlscheider Markt. Diese Buslinien verbinden Kohlscheid mit Aachen, Herzogenrath, Laurensberg, Richterich und Würselen.

SchienenverkehrBearbeiten

Kohlscheid ist heute ein Bahnhof der Kategorie 6 an der Strecke Aachen–Mönchengladbach. Früher zweigte hier die Verbindung nach Stolberg ab, sie ist aber stillgelegt und seit 2004 abgebaut. Das Empfangsgebäude wurde 1976 abgerissen. Der Bahnhof hat vier Gleise; die beiden Außenbahnsteige liegen an den durchgehenden Hauptgleisen hinter den Ausfahrsignalen Richtung Herzogenrath. Das Fahrdienstleiterstellwerk Kf des Bahnhofs wird vom Fahrdienstleiterstellwerk Hf des Bahnhofs Herzogenrath ferngesteuert.

Der Bahnhof wird im Regionalverkehr von folgenden Linien angefahren:

Linie Linienverlauf Takt
RB 20 Euregiobahn:
Stolberg (Rheinl) Hbf – Eschweiler-St. Jöris – Alsdorf-Poststraße – Alsdorf-Mariadorf – Alsdorf-Kellersberg – Alsdorf-Annapark – Alsdorf-Busch – Herzogenrath August-Schmidt-Platz – Herzogenrath-Alt-Merkstein – Herzogenrath – Kohlscheid – Aachen West – Aachen Schanz – Aachen Hbf – Aachen-Rothe Erde – Eilendorf – Stolberg (Rheinl) Hbf hier Flügelung; Zugteil 1:Eschweiler-West – Eschweiler Talbahnhof/Raiffeisenplatz – Eschweiler-Nothberg – Eschweiler-Weisweiler – Langerwehe – Düren Zugteil 2:Stolberg (Rheinl) Hbf (Gleis 27) – Stolberg-Schneidmühle – Stolberg Mühlener Bahnhof – Stolberg-Rathaus – Stolberg-Altstadt
Stand: Fahrplanwechsel Juni 2016
60 min (Stolberg Hbf – Alsdorf-Annapark)
30 min
60 min (Langerwehe – Düren)
RB 33 Rhein-Niers-Bahn:
Zugteil 1: Duisburg Hbf – Duisburg-Hochfeld Süd – Rheinhausen Ost – Rheinhausen – Krefeld-Hohenbudberg Chempark – Krefeld-Uerdingen – Krefeld-Linn – Krefeld-Oppum – Krefeld Hbf – Forsthaus – Anrath – Viersen – Mönchengladbach Hbf – Rheydt Hbf – Wickrath – Herrath – Erkelenz – Hückelhoven-Baal – Brachelen – Lindern
Zugteil 2: Heinsberg (Rheinl) – Heinsberg Kreishaus – Heinsberg-Oberbruch – Heinsberg-Dremmen – Heinsberg-Porselen – Heinsberg-Horst – Heinsberg-Randerath – Lindern
Flügelung bzw. Zusammenführung: Lindern – Geilenkirchen – Übach-Palenberg – Herzogenrath – Kohlscheid – Aachen West – Aachen Schanz – Aachen Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2016
60 min

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Franz Wilhelm Ross (1838–1901), bekannt wurde er für seine Berechnung der Alterswertminderung
  • Eduard Linse (1848–1902), Architekt des Historismus
  • Robert Brenner (1862–1935), Manager im deutschen Steinkohlenbergbau
  • Franz Brenner (1863–1928), Manager im deutschen Steinkohlenbergbau
  • Thaddäus Soiron (1881–1957), Franziskaner (OFM), Theologe und Hochschullehrer
  • Heinrich-Josef Nelis (1894–1945), Hochschullehrer und SS-Funktionär
  • Wilhelm Schultheis (1923–2010), ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Kohlscheid und der Stadt Herzogenrath
  • Jacob Kremer (1924–2010), römisch-katholischer Priester, Theologe und Neutestamentler
  • Kaspar Vallot (* 1925), ehemaliger Chefredakteur der Aachener Nachrichten
  • Hubert Hammers (1925–2012), Politiker und Ehrenvorsitzender des Kohlscheider BC 1913 e. V.
  • Josef Martinelli (* 1936), ehemaliger Spieler bei Alemannia Aachen, Mitglied der Vizemeister-Mannschaft 1968/69 der 1. Bundesliga
  • Raymund Havenith (1947–1993), Pianist und Hochschullehrer
  • Cornel Bücken (* 1951), Bildhauer, von 1968 bis 1975 Fahrer im Nationalkader des Deutschen Radsportbundes
  • Gerard Kever (* 1956), Maler und Grafiker

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Polz: Kohlscheid. Beiträge zu seiner Geschichte und Entwicklung. Beuels, 1971[2]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Über Kohlscheid. In: Kohlscheid.de. Abgerufen am 4. Januar 2019.
  2. Kohlscheid. Beiträge zu seiner Geschichte und Entwicklung