Preisklasse

Klassifizierung von Bahnstationen der Deutschen Bahn

Die Preisklasse (bis 2017 Bahnhofskategorie) von DB Station&Service, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Bahn AG, klassifiziert anhand verschiedener Faktoren die Bedeutung eines Bahnhofs oder eines Haltepunktes für den Personenverkehr sowie den Service, der dort geboten wird. Die Preisklassen sind in der Stationspreisliste der DB Station&Service AG enthalten.[1]

GeschichteBearbeiten

Bereits in der Länderbahnzeit war in Deutschland die Bahnhofsklasse gebräuchlich, worin Bahnhöfe nach ihrer Bedeutung im Personen- und Güterverkehr eingestuft wurden. Im Amtlichen Bahnhofsverzeichnis von 1944 erscheint die „Rangklasse des Bahnhofs“ der Deutschen Reichsbahn in vier Stufen mit römischen Ziffern (I. = Bahnhof 1. Klasse bis IV. = Bahnhof 4. Klasse), gefolgt von neun weiteren Einteilungen als Haltepunkt, Haltestelle, Ladestelle, Umschlagstelle, Nebenstelle oder Hilfstelle.[2] Noch vor 1955 wurde dann eine fünfte Bahnhofsklasse (römisch V.) hinzugefügt.[3] Später verloren diese Bahnhofsklassen ihre Bedeutung.

In den 2000er Jahren hatte die Deutsche Bahn ihr Stationspreissystem, nach dem die Kosten für Zughalte in Bahnhöfen festgelegt wurden, modifiziert und ein System aus zunächst sechs Bahnhofskategorien eingeführt, in die die DB Station&Service ihre Stationen einteilte, wobei offiziell nach deren Bedeutung für den Personenverkehr unterschieden wurde („Fernverkehrsknoten“, „Fernverkehrssystemhalt“, „Regionalverkehrsknoten“ etc.).

Diese Einteilung war für Außenstehende weiterhin nicht nachvollziehbar, so wurde der Duisburger Hauptbahnhof nach den Beschädigungen durch den Orkan Kyrill aus der Kategorie 1 in die Kategorie 2 abgestuft, ohne dass sich irgendwelche Messzahlen geändert hätten. Da diese Einteilung willkürlich schien, musste die Deutsche Bahn auf Betreiben der Bundesnetzagentur das System modifizieren.

Ab 2011 wurden die rund 5400 Bahnhöfe und Haltepunkte in sieben Kategorien eingeteilt, deren Einteilung sich aus mehreren Kriterien ergibt, unter anderem die Anzahl der Bahnsteige, der Zughalte und der Reisenden pro Tag, Barrierefreiheit und Vorhandensein von Serviceeinrichtungen. Jede Station wird in sechs Kriterien in Stufen eingeordnet, aus denen eine Grundkategorisierungszahl ermittelt wird, die maximal den Wert 100 erreichen kann, wobei die Stufen prozentual gewichtet werden. Die Bahnhofskategorie ergibt sich aus einem Intervall, in das die ermittelte Grundkategorisierungszahl fällt.[4]

Im Dezember 2017 wurden die Bahnhofskategorien durch Preisklassen abgelöst, wobei die Preisklassen den bisherigen Kategorien entsprechen.[5]

Die Preisklassen bilden die Grundlage für die Ermittlung der Stationspreise, die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) an DB Station&Service und andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen des DB-Konzerns für die Nutzung von deren Bahnsteigen und Haltepunkten entrichten.[6]

PreisklassenBearbeiten

Die Bahnhöfe wurden von DB Station&Service im Kategorisierungssystem von 2011 in sieben Kategorien eingeteilt, die seit Dezember 2017 als Preisklassen bezeichnet werden. Die Anzahl der jeweiligen Bahnhöfe bezieht sich auf den Stand von Januar 2015.

Ermittlung der PreisklasseBearbeiten

Die Preisklasse wird auf Grundlage folgender Kriterien ermittelt:[7]

Stufe Bahnsteigkanten Bahnsteiglänge[Anm 1] Reisende/Tag Zughalte/Tag Service[Anm 2] Technische Stufenfreiheit
(0) Nein Nein
1 01 > 000 bis 090 m 00.000 bis 00.049 000 bis 0010 Ja Ja
2 02 > 090 bis 140 m 00.050 bis 00.299 011 bis 0050
3 03 bis 04 > 140 bis 170 m 00.300 bis 0.0999 051 bis 0100
4 05 bis 09 > 170 bis 210 m 01.000 bis 09.999 101 bis 0500
5 10 bis 14 > 210 bis 280 m 10.000 bis 49.999 501 bis 1000
6 00i ab 15 > 280 m bis 000 000000 ab 50.000 000i ab 1001
Gewichtung 20 % 20 % 20 % 20 % 15 % 5 %

Anmerkungen

  1. Es zählt die Länge des längsten in Bedienung befindlichen Bahnsteigs
  2. „Personenbedienter Service“, also die Anwesenheit eines Mitarbeiters

Aus der anhand obiger Tabelle ermittelten Einstufung wird eine Prozentzahl wie folgt errechnet:

 

Beispiel für einen Bahnhof mit 4 Bahnsteigkanten von max. 250 Meter Länge, 20.000 Reisenden und 280 Zughalten am Tag, ohne anwesendem Mitarbeiter, jedoch mit technischer Stufenfreiheit:

 

Daraus ergibt sich dann die Klasse:

Prozent Klasse
> 90 % 1
> 80 bis 90 % 2
> 60 bis 80 % 3
> 50 bis 60 % 4
> 40 bis 50 % 5
> 25 bis 40 % 6
> 00 bis 25 % 7

Mit dem Trassenpreissystem 2017 führte DB Netz ebenfalls eine Bahnhofskategorie ein. Fernverkehr zwischen Bahnhöfen mit mehr als 50.000 Fahrgästen pro Tag, Metropolbahnhöfe genannt, fallen in die Kategorie Metropolenverkehr.[8]

Klasse 1Bearbeiten

Zur Klasse 1 gehören die wichtigsten Fernbahnhöfe in Deutschland. Dort sind Servicemitarbeiter vorhanden, es gibt eine Reihe von Einkaufsmöglichkeiten im Bahnhof. Insgesamt zählen 21 Bahnhöfe zu dieser Preisklasse. Berlin, Hamburg, Köln, München und das Ruhrgebiet verfügen über mehrere Bahnhöfe der höchsten Preisklasse.

Klasse 2Bearbeiten

87 Stationen, die üblicherweise wichtige Halte im Fernverkehr (Bedienung durch ICE, Intercity oder EuroCity) in großen Städten sind oder eine Anbindung zu einem großen Flughafen ermöglichen, werden der Preisklasse 2 zugeordnet, so zum Beispiel der Mainzer Hauptbahnhof.

Klasse 3Bearbeiten

Die 239 Stationen (Stand 2014) der Preisklasse 3 sind häufig die zentralen Bahnhöfe kleiner bis mittelgroßer Städte. Diese sind z. B. weniger wichtige Fernverkehrshalte oder Knoten des Regionalverkehrs. Dort gibt es meist ein Empfangsgebäude mit Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel und Fahrkartenverkauf. Auf Service-Mitarbeiter wird hier jedoch bisweilen verzichtet.

Beispiele hierfür sind folgende Stationen:

Jedoch gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel den Bahnhof Au (Sieg), welcher auch zur Klasse 3 zählt, da er ein wichtiger Knotenpunktbahnhof für Pendler aus der umliegenden Region ist, obwohl der Ort selbst weniger als 300 Einwohner hat.

Klasse 4Bearbeiten

Der Preisklasse 4 werden etwa 630 Stationen zugeordnet, die oft einen Knoten im Regionalverkehr bilden, so zum Beispiel der Bahnhof Meiningen. Die früher auch als „hoch frequentierter Nahverkehrssystemhalt/Nahverkehrsknoten“ bezeichneten Stationen richten sich zumeist an Pendler. An einzelnen dieser Stationen halten auch Fernzüge, so beispielsweise in Bingen Hauptbahnhof, am Bahnhof Ludwigslust oder zeitweise in Hannover Messe/Laatzen.

Auch S-Bahnhöfe bzw. -Haltepunkte, die von einer oder mehreren im dichten Takt fahrenden Linien bedient werden, sind dieser Klasse zugeordnet, was sich aber meist nicht in einer gegenüber den Preisklassen 5 und 6 besseren Ausstattung widerspiegelt. Beispiele sind der Bahnhof Berlin-Lichterfelde West oder der Bahnhof Leverkusen Mitte.

Seit Jahren gibt es auch an vielen dieser Bahnhöfe keine Fahrkartenverkaufsstellen mehr, obwohl auch Hauptbahnhöfe in manchen Städten um die 100.000 Einwohner hierzu zählen, z. B. Lünen oder Bottrop im Ruhrgebiet. Doch auch im ländlichen Raum lassen sich derartige Stationen finden, etwa der Umsteigebahnhof Neudietendorf.

Klasse 5Bearbeiten

Stationen der Preisklasse 5 sind oft jene kleinerer Städte sowie zahlreiche Stadtteilbahnhöfe. Sie werden oft von Pendlern genutzt. Es gehören rund 1000 Stationen in diese Klasse. Beispiele sind Bahnhof Postbauer-Heng, Bahnhof Köln-Holweide oder Bahnhof Hohen Neuendorf (b Berlin).

Klasse 6Bearbeiten

Zur Preisklasse 6 gehören über 2500 Stationen, meist in dünn besiedelten Gegenden, deren Ausstattung sich „auf das Notwendigste“ beschränkt.[9] Beispiele sind Bahnhof Ilmenau oder Bahnhof Glöwen.

Klasse 7Bearbeiten

Die etwa 900 Stationen der niedrigsten Preisklasse, oft „Landhalte“, haben die geringste Zahl von Reisenden und meist nur die für einen Haltepunkt notwendigen Einrichtungen. Wegen der geringen Nutzung wird ein barrierefreier Ausbau für nicht erforderlich gehalten. Beispiele sind Bahnhof Zwotental oder Bahnhof Göhrde.

Ähnliche Klassifizierungen anderer EisenbahnunternehmenBearbeiten

DB RegioNetzeBearbeiten

Die RegioNetze der Deutschen Bahn haben jeweils eigene Preiskategorien, in die sie durch die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH eingeteilt werden.[10]

Ferrovie dello Stato ItalianeBearbeiten

Die Italienischen Staatseisenbahnen teilen die dortigen Bahnhöfe in die vier Kategorien Platinum, Gold, Silver und Bronze ein.[11]

  • Platinum: mehr als 25.000 Reisende täglich, Fernverkehr
  • Gold: mehr als 10.000 Reisende täglich, Fernverkehr
  • Silver: mehr als 4000 Reisende täglich, Regionalverkehr auch über größere Entfernungen
  • Bronze: weniger als 500 Reisende, nur Regionalverkehr

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stationspreisliste 2021. (PDF) DB Station&Service AG, 16. November 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020.
  2. Deutsche Reichsbahn (Hrsg.): Amtliches Bahnhofsverzeichnis 1944. 1944, S. V (genealogy.net [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  3. vor der Stilllegung der Siebenmühlentalbahn
  4. Das Stationspreissystem SPS 11. (PDF; 772 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) DB Station&Service, 12. November 2012, archiviert vom Original am 21. September 2016; abgerufen am 23. April 2017.
  5. Einführung von Preisklassen bei: Deutsche Bahn AG, abgerufen am 3. Januar 2019.
  6. Stationspreisliste 2021. (PDF) DB Station&Service AG, 16. November 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020.
  7. Infrastrukturnutzungsbedingungen Personenbahnhöfe gültig ab 01.01.2021. (INBP). DB Station&Service, abgerufen am 15. Juni 2021.
  8. Felix Berschin: Das Trassenpreissystem 2017 (PDF) auf nahverkehrsberatung.de, von Februar 2015, abgerufen am 3. November 2016.
  9. Die sieben Bahnhofskategorien. (Nicht mehr online verfügbar.) In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn, 2017, archiviert vom Original am 22. September 2016; abgerufen am 19. April 2017.
  10. Stationspreise der DB RegioNetz Infrastruktur GmbH (gültig ab 01.01.2021). (PDF; 74,7 KB) In: deutschebahn.com. DB RegioNetz Infrastruktur GmbH, 2021, abgerufen am 9. Juni 2021.
  11. La classificazione delle stazioni ferroviarie (Memento vom 21. April 2012 im Internet Archive)