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Horbach (Aachen)

Ortsteil von Aachen

Horbach ist eine Ortschaft im nordwestlichen Aachener Stadtbezirk Richterich.

Horbach
Stadt Aachen
Wappen von Horbach
Koordinaten: 50° 50′ 0″ N, 6° 2′ 40″ O
Höhe: 158 (149–176) m
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52072
Vorwahl: 02407
Ortsdurchfahrt mit Kirche St. Heinrich
Ortsdurchfahrt mit Kirche St. Heinrich

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet des Raumes Horbach war bereits zur Römerzeit besiedelt. Dies belegt ein im Jahre 1862 aufgedecktes Römergrab auf dem Gutshof „Mittelfrohnrath“. Dort wurden u.a. Grabgegenstände aus Ton und Münzen aus der Zeit der römischen Kaiser Hadrian (117-138) und Mark Aurel (161-180) gefunden. Urkundlich erwähnt wird der Ort als „Horbach“ bereits im Jahr 1073 in einer Schenkungsurkunde der Abtei Deutz. Die Ortsbenennung „Horbach“, die aus dem fränkischen frei übersetzt als „Sumpfbach“ angegeben werden kann, entstammt der Tatsache, dass die Gegend teilweise sumpfig war und eine Heidelandschaft vorherrschte, die durch keltische Stämme urbar gemacht wurde. Nachdem die Römer das Gebiet westlich des Rheins besetzt hatten, bauten sie mit Steinen befestigte Straßen zwischen den einzelnen Heerlagern. Eine dieser Verbindungsstraßen verlief westlich von Horbach über die heutige Laurensbergerstraße. Neben dem Gutshof „Steinstraß“ der heute an der Oberdorfstraße 100 liegt, taucht der Name „Steinstraß“ in den Jahren 1360-1600 auch für die ganze Siedlung auf und wurde wohl längere Zeit neben dem Namen "Horbach" verwendet [1][2][3].

Im 5. Jahrhundert endete die römische Besetzung durch den Sieg der Franken. Die Besiedlung wurde dichter und die Gutshöfe auf den fruchtbaren Böden im Horbacher Gebiet entwickelten sich. Einige der bedeutenden Gutshöfe waren so genannte Nebenhöfe der Aachener Pfalz. Erste urkundliche Erwähnungen der Gutshöfe datieren beispielsweise auf das Jahr 1112 (Frohnrath), 1224 (Steinstrass), 1240 (Geucht), 1274 (Rosenberg). Eng verbunden ist die Ortsgeschichte mit dem Heydener Ländchen und der Heydener Burg, die auf Horbacher Gebiet liegt und bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wird.

Allmählich bildeten sich neben den Gutshöfen und an zwei sich kreuzenden alten Wegen, an deren Schnittpunkt heute die Kirche St. Heinrich steht, mehr oder weniger geschlossene Häuserreihen. Für die Zeit vor 1800 sind keine Einwohnerzahlen überliefert. Im Jahr 1814 sollen es 541 Einwohner gewesen sein.

Verwaltungsmäßig gehörte der Ort Horbach ab 1361 zum „Heydener Ländchen“ oder auch „Ländchen zur Heyden“. Herzog Wilhelm II. von Jülich vereinigte damals die Ortschaften Richterich, Bank, Steinstraß (Bezeichnung für Horbach), Berensberg und Eygelshoven zu einer jülichschen Unterherrschaft, die er dem Ritter Godart von Bongart, dem Herrn des Hauses Heyden als Pfand antrug. Die Französische Revolution und die Besetzung durch die Franzosen 1789 bzw. 1792 führten zu einer Veränderung. Das Heydener Gericht, das seinen Sitz zeitweise auch in Horbach hatte, wurde aufgelöst und ersetzt durch eine „Municipalität“. Das Gebiet des Heydener Ländchens mit dem Ort Horbach wurde in zwei „Mairien“ aufgeteilt, Richterich und Pannesheide. Horbach wurde Teil der Mairie Richterich.

Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Frankreichs und den Verträgen des Wiener Kongresses im Frühjahr 1815 gehörte Horbach zur Bürgermeisterei Richterich im Landkreis Aachen. Die Siedlung Horbach entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Ort mit ländlich, bäuerlicher Struktur, wobei zahlreiche Einwohner auch in umliegenden Gemeinden wie Kohlscheid oder der Stadt Aachen arbeiteten. Im Jahr 1847 wird das erste eigene Schulgebäude an der heutigen Horbacherstrasse errichtet (in den 1970er Jahren abgetragen). In den Jahren nach 1900 wurde mit der Stromversorgung begonnen. 1908 entsteht ein neues Schulhaus an der Oberdorfstraße. Im Jahr 1909 konnte die elektrische Straßenbahn von Horbach nach Richterich als Linie 30 in Betrieb genommen werden. Erste Wasserleitungen wurden ebenfalls nach 1900 verlegt, wobei einige Siedlungsbereiche (z.B. im Bereich des Bremenbergs) erst nach dem 2. Weltkrieg an das Wassernetz angeschlossen wurden. In der Zeit von 1920 bis 1968 war im Gebäude der ehemaligen Vikarie eine Hilfsstation vorhanden, die von drei Hospitalschwestern der Heiligen Elisabeth betreut wurde[4][1].

Zweiter Weltkrieg und KriegsendeBearbeiten

Der Ort Horbach erlebte die ersten Soldatendurchmärsche am 10. Mai 1940. Gegen 5 Uhr in der Früh rollten die ersten Panzer von Kohlscheid kommend in Richtung der Reichsgrenze bei Locht. Am 31. Juli fielen mehrere Fliegerbomben auf Horbacher Ortsgebiet. Der Winter 1941/1942 wurde als „strengster Winter seit Menschengedenken“ in die Horbacher Pfarrchronik eingetragen[5]. Ab dem 10. September 1944 begann die Evakuierung des Ortes. Zahlreiche Bewohner wurden nach Westfalen evakuiert, Post und Straßenbahn stellten ihren Betrieb ein. Ca. 500 Bürger verblieben im Ortsgebiet.

Für Horbach endete die Kriegszeit am 17. September 1944. Um 15.15 Uhr rückten amerikanische Panzer im Ort ein, zogen sich jedoch vorläufig wieder zurück, bevor sie am folgenden Tag das Ortsgebiet besetzten. Die Bunkerlinie des Westwalls bei Forsterheide bildete zunächst die Besatzungsgrenze. Bis am 17. Oktober auch die Bunker eingenommen wurden blieb diese Grenze bestehen. Horbach geriet in diesem Monat von Pannesheide aus, das noch in deutscher Hand war, unter deutschen Beschuss. Vier Tote sowie ein Schwerverletzter waren zu beklagen. Strom- und Wasserversorgung waren unterbrochen. Am 23. September wurde Pfarrer Reiner Klein zum Ortsbürgermeister ernannt. Am 17. Oktober 1944 wurden auch die übrigen Ortsteile der Gemeinde Richterich durch amerikanische Truppen besetzt.

Am 3. November 1944 wurden zwei Horbacher vor das Alliierte Kriegsgericht in Verviers (Belgien) gestellt, weil sie drei deutsche Soldaten aufgenommen und ihnen Zivilkleidung gegeben hatten. Beide Angeklagten wurden, als erste Deutsche überhaupt, freigesprochen[5]. Im Januar 1945 war die Wasserversorgung wieder intakt und am 4. Mai 1945 konnte unter der Leitung der Elisabeth-Schwester Frederika der bereits seit 1935 geplante, aber zuvor nicht genehmigte Pfarrkindergarten seine Arbeit aufnehmen. In der Horbacher Volksschule konnte im Juli 1945 der Unterricht wieder aufgenommen werden.

Am 22. März 1949 sorgten Rundfunkmeldungen für Aufsehen, die verkündeten, dass Horbach den Niederlanden zugeteilt werden könnte. Diese Meldungen konnte die Landesregierung NRW jedoch am 28. März 1949 endgültig entkräften[5].

KirchengeschichteBearbeiten

Kirchlich gehörte der Ort Horbach zur Pfarre Laurensberg, seit etwa 1000 zur Pfarre Richterich, die von 1300-1800 mit der Pfarre Laurensberg durch Personalunion verbunden war. Die erste Kapelle erhielt der Ort im 15. Jahrhundert. Die Kapelle war in Vetschauer Sandsteinen im spätgotischen Stil erbaut. Diese Kapelle wurde 1579 im spanisch-niederländischen Krieg in Brand gesteckt und größtenteils zerstört. 53 Jahre lag die Kapelle in Schutt und Trümmern, da ließ im Jahre 1632, also mitten im 30 Jährigen Krieg, Wilhelm der 3. von Bongart Herr zu Heyden (1615-1633), wohl sicher auf die Initiative und mit der Unterstützung seines Bruders Johann Heinrich, der Domherr und Kantor zu Trier war, die Kapelle bestehend aus Langschiff und Chor im gotischen Stil, wieder aufbauen. Gleichzeitig oder später wurde ihr die Eingangshalle vorgelegt. Seitdem hatte Horbach einen eigenen Geistlichen. Johann Heinrich von Bongart setzte nämlich in seinem Testament vom 20. November – er starb zu Trier am 10. November 1636 – die Horbacher Kapelle zu seiner Universalerbin ein und bestimmte, dass aus seinem Nachlass der Rektor (Kaplan) der Kapelle unterhalten werde. Gleichzeitig bestimmte er, dass die Kapelle, die er als Muttergotteskapelle bezeichnete unter Anrufung der Heiligen Jungfrau Maria, der hl. Anna, des hl. Kaisers Heinrich dem 2. und des Wilhelm von Aquitanien geweiht, und die Kirchweihe am 13. Juli, dem Feste des hl. Heinrich, gefeiert werden sollte. So wurde mit der Zeit aus der Kapelle zu Ehren der allerheiligsten Jungfrau Maria eine Kapelle zu Ehren des hl. Heinrich. Der erste Rektor der Kapelle war Johann Jakob Beck aus Bingen, Amtsantritt 5. September 1652. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, dass dieser Johann Jakob Beck aus Bingen durch den Domherrn und Kantor zu Trier Johann Heinrich von Bongart nach Horbach kam. Die 1632 errichtete Kapelle war, Horbach 1804 zur Pfarre erhoben wurde, zu klein. Der erste Pfarrer ließ deshalb 1805 den großen barocken Hauptaltar durch einen kleineren ebenfalls barocken ersetzten, um Raum zu gewinnen. Eine Sakristei war nicht vorhanden. Da jedoch die Bevölkerung allmählich weiter stieg, und auch viele Besucher aus den Niederlanden nach Horbach kamen, wurde eine Erweiterung der Kapelle unumgänglich. Als Pfarrer Gieren 1844 nach Horbach kam begann man Geld zu sammeln. Bauholz und Bodenbelag stiftete Freiherr Ferdinant von Bongart zu Pfaffendorf, das erstere aus seien Horbacher Waldungen. 1846 genehmigte der Erzbischof die Erweiterung. Der alte Chor wurde abgebrochen und 1847 konnte das heutige Querschiff und der neue Chor auf dem alten Kirchhof vollendet werden.[6]

Das Renaissanceportal der Pfarrkirche St. HeinrichBearbeiten

Über das prachtvolle Renaissanceportal an der Eingangshalle heißt es in der Zeitschrift „Kunstdenkmäler“ aus dem Jahr 1912: „ Das reich dekorierte Portal der Südseite, angeblich von Haus Heyden stammend, zeigt seitliche Hermen (Pfeiler/Säulen) mit dekoriertem Schaft und Harpyien (Wappentier); über dem Sturtz mit Puttenköpfen ein Kranzgesims. Den Aufsatz bilden über einem mit Kartusche und Masken geschmückten Fries zwei Löwen mit dem Doppelwappen der von Bongarts. Auf dem gebrochenen Abschlussgiebel mit Medusenhaupt ein Ritter mit dem Wappenschild ebenfalls der von Bongarts. Hübsche, wenn auch derbere Sandsteinarbeit mit Niederländischem Charakter vom Anfang des 17. Jahrhunderts.“[7] Es ist nachgewiesen, dass die Entstehung des Portals in die Zeit von 1590-1610 fällt, und dass als Auftraggeber Wilhelm, Herr zu Heyden (1596 bis 1615), der als Staatsmann und Diplomat bekannt wurde in Frage kommt. Dass das Portal für die Hochburg von Heyden bestimmt und dort vermutlich den Eingang zu dem mächtigen Wohnturme geschmückt hat, wo jetzt die große Öffnung in der Südwestecke des ersten Geschosses den alten Eingang vermuten lässt, ist nicht genau zu sagen. Diese Hochburg wurde während der französischen Raubkriege zerstört, und man entschloss sich, sie ihrem Schicksal zu überlassen, offenbar, weil die Familie es vorzog, auf ihren anderen prächtigen Besitzungen zu wohnen und nur die zum Betriebe der Landwirtschaft notwendigen Wirtschaftsgebäude, die beiden Vorburgen, notdürftig wiederherzustellen. Die noch übrig gebliebenen Reste an Steinmetzarbeiten von künstlerischem Wert, wurden an den beiden Vorburgen eingemauert. Diese Arbeiten fallen in die Regierungszeit des Freiherrn Carl Lothar Melchior Adolf von Bongart (1674-1694), Eines Urenkels des mutmaßlichen Erbauers des Renaissanceportals und letzten Bongart der Heydener Linie. Dieser Carl Lothar ist es höchstwahrscheinlich gewesen, der das prächtige Portal der Kirche in Horbach zur Verschönerung und gleichzeitig zur pietätvollen Erinnerung an seine Vorfahren überwiesen hat. Darum möchte ich auch annehmen, dass die Eingangshalle erst bei dieser Gelegenheit (etwa 1691) angefügt wurde, da das Mauerwerk auch einer jüngeren Entstehungszeit als die Giebelmauer verrät und eigens Ecken zur Aufnahme von zwei Säulenfüßen aus der zerstörten Burg ausgebaut sind. Durch dieses Handeln ist der Horbacher Dorfkirche eines der im Aachener Land seltenen Renaissancedenkmäler geschenkt worden.[6]

nach 1950Bearbeiten

Im Jahr 1953 erhält der katholische Kindergarten St. Heinrich ein eigenes Gebäude neben der Kirche. Im Jahr 1961 wird die Volksschule an der Oberdorfstraße erweitert.

Mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1972[8] verliert die Gemeinde Richterich ihre Selbstständigkeit. Somit kommt auch der Ort Horbach zur Stadt Aachen.

Im Jahr 1981 wird die Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben und 1983 wird der neue Sportplatz errichtet.

1992 wird im Erdgeschoss des Jugendheims der Pfarrgemeinde eine Teil-Offene-Türe (TOT) eingerichtet.

1994 wird die vor dem Jugendheim gelegene Grünanlage nach Plänen von Franz Spiertz umgestaltet.

1996 entsteht am Wiesenweg ein neues Gebäude für den Kindergarten.

Im Jahr 2011 erreicht der Ort Horbach beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ der StädteRegion Aachen den zweiten Platz im Norden der StädteRegion Aachen[9].

VereinslebenBearbeiten

Der überwiegende Teil der Horbacher Ortsvereine ist in der Interessengemeinschaft der Horbacher Vereine (IG Horbacher Vereine) organisiert, der jedoch auch weitere Institutionen wie die Pfarrgemeinde angehören. Diese IG organisiert alle 2 Jahre ein Dorffest auf dem Horbacher Schulhof und richtet den jährlichen Seniorennachtmittag aus, an dem alle Horbacher Einwohner ab dem 65sten Lebensjahr teilnehmen können.

Im Jahr 2016 gehörten der IG folgende Vereine und Gruppen an[10]:

  • Kath. Frauengemeinschaft
  • Förderverein der Katholischen Grundschule Horbach
  • Förderverein Kindergarten
  • Förderverein Pfarre
  • Pfarreirat
  • Kirchenchor St. Cäcilia (gegr. 1902)
  • KAB Horbach
  • KG Horbacher Freunde 1998 e.V.
  • St. Marien-Gesangverein (gegr. 1864)
  • Ortsbauernschaft Horbach
  • DPSG Stamm Westwind
  • SV 1919 Horbach
  • T.o.T-Unicorn

SehenswürdigkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Horbach (Aachen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Franz Spiertz: Unser Horbach. Hrsg.: Franz Spiertz.
  2. Will Hermanns: Heimatchronik des Landkreise Aachen. Hrsg.: Archiv für Deutsche Heimatpflege GmbH.
  3. Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach: Pfarrchronik der Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach. Hrsg.: Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach.
  4. Herbert Lepper: 175 Jahre Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach. Hrsg.: Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach.
  5. a b c Jan Pontzen/Josef Frings: Die Gemeinde Richterich 1933 bis 1945. Hrsg.: Heimatfreunde des Heydener Ländchens 1989 e.V.
  6. a b Jan Pontzen: 200 Jahre Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach. Hrsg.: Pfarre St. Heinrich Aachen-Horbach.
  7. Heribert Reiners: Kunstdenkmäler des Landkreises Aachen. Band 1912.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 305.
  9. Theo Brauers/Jan Pontzen: 150 Jahre Sr. Marien-Gesangverein Aachen-Horbach. Hrsg.: St. Marien-Gesangverein Aachen-Horbach.
  10. Mitglieder IGHV. In: ig-horbach.de. Abgerufen am 30. Oktober 2016.