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Kitzingen

Stadt im Landkreis Kitzingen in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kitzingen
Kitzingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kitzingen hervorgehoben

Koordinaten: 49° 44′ N, 10° 10′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Höhe: 205 m ü. NHN
Fläche: 47 km2
Einwohner: 21.704 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 462 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97318
Vorwahl: 09321
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 141
Stadtgliederung: 10 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kaiserstraße 13/15
97318 Kitzingen
Website: www.kitzingen.info
Oberbürgermeister: Siegfried Müller (UsW)
Lage der Stadt Kitzingen im Landkreis Kitzingen
Landkreis BambergLandkreis SchweinfurtLandkreis WürzburgLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimWiesenbronnSegnitzRüdenhausenRödelseeObernbreitMartinsheimMarktsteftMarkt EinersheimMarktbreitMainstockheimMainbernheimKleinlangheimKitzingenGeiselwindCastell (Unterfranken)BuchbrunnAlbertshofenAbtswindWillanzheimWiesentheidVolkachSulzfeld am MainSommerachSeinsheimSchwarzach am MainPrichsenstadtNordheim am MainIphofenGroßlangheimDettelbachBiebelriedLandkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild
Altstadt mit Alter Mainbrücke im Vordergrund

Kitzingen ist eine Stadt in Mainfranken und als Große Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis Sitz des Landratsamtes. Wahrzeichen der historischen Weinhandelsstadt im nordbayerischen Regierungsbezirk Unterfranken sind der Falterturm mit seiner schiefen Haube und die Alte Mainbrücke. In Kitzingen befindet sich das 1966 eröffnete Deutsche Fastnachtsmuseum.

Die Stadt liegt im äußersten Westen der Metropolregion Nürnberg und im Süden der Regiopolregion Mainfranken.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

 
Blick auf die Altstadt am Main
 
Stadtansicht von der
Konrad-Adenauer-Brücke

Kitzingen liegt im nordbayerischen Regierungsbezirk Unterfranken, an den Ufern des Mains im Maindreieck und inmitten des Weinbaugebiets Franken. In Sichtweite der Stadt im Osten beginnen die Steilstufen der Mittelgebirgslandschaft des Steigerwalds. Die bedeutende Universitäts- und Regierungsstadt Würzburg liegt nur 20 km nordwestlich und die Industriestadt Schweinfurt 34 km nördlich (jeweils Luftlinie).

GeologieBearbeiten

Kitzingen liegt im fränkischen Schichtstufenland auf Muschelkalkböden.

Ausdehnung des StadtgebietsBearbeiten

Der historische Stadtkern Kitzingens liegt westlich des Mains, die Ortsteile Etwashausen und Siedlung sowie die Industriegebiete liegen dagegen östlich. Im Norden erstreckt sich der sogenannte Klosterforst als einer der größeren Wälder im Vorland des Steigerwaldes und das Gültholz als Bürgerwald. Kitzingen ist eine Brückenstadt und hat heute vier Straßenbrücken und eine Eisenbahnbrücke über den Main, was für eine Stadt dieser Größenordnung außerordentlich selten ist und die verkehrstechnische Bedeutung der Stadt widerspiegelt. Die Brücken von Nord nach Süd: Nordbrücke, Alte Mainbrücke, Konrad-Adenauer-Brücke, Eisenbahnbrücke, Südbrücke. Die Stadt bildet gemäß bayerischem Landesentwicklungsprogramm ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Das Stadtgebiet mit allen Siedlungen misst etwa fünf Kilometer von Westen nach Osten und drei Kilometer von Norden nach Süden.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schwarzach am Main, Großlangheim, Rödelsee, Mainbernheim, Marktsteft, Sulzfeld am Main, Ochsenfurt, Biebelried, Buchbrunn, Mainstockheim, Albertshofen und Dettelbach.

StadtgliederungBearbeiten

Kitzingen gliedert sich in zehn Stadtteile:[2]

Als Folge des großen Wohnraummangels nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es in den 1950er Jahren im Stadtteil Siedlung zu einer starken Bautätigkeit: Für die zahlreichen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten entstanden dort viele neue Wohnbauten mit der 1955 eingeweihten Siedlungsschule, was für eine Entschärfung der Wohnungsnot sorgte.

Naturräumliche LageBearbeiten

Die Stadt Kitzingen und ihre Stadtteile liegen in insgesamt vier verschiedenen Naturräumen. Die Kernstadt und die am Main gelegenen Orte liegen im niederschlagsarmen Kitzinger Maintal, das Teil des Mittleren Maintals ist. Die großen Waldflächen im Nordosten wachsen auf dem ausgedehnten Albertshofener Flugsandgebiet in der Kitzinger Mainebene des Steigerwaldvorlandes. Im Osten schließt die Mainbernheimer Ebene an. Alle westlichen Bereiche oberhalb des Maintals liegt dagegen auf den Hochflächen im südlichen Maindreieck.

KlimaBearbeiten

Kitzingen liegt in der Maingauklimazone, dem trockensten Gebiet Bayerns, das hier zusammen mit den Muschelkalkböden den Weinbau besonders begünstigt und so in der Vergangenheit auch zum Wohlstand der Stadt beigetragen hat.

Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur (1961–1990) beträgt 9,2 °C, der mittlere Jahresniederschlag (1961–1990) liegt bei 590 mm. Am meisten Niederschlag fällt dabei im Juni, am wenigsten im Februar. Im Juni fällt fast doppelt soviel Niederschlag wie im Februar.

Am 5. Juli 2015 und 7. August 2015 wurde an der DWD-Wetterstation Kitzingen jeweils mit 40,3 °C die höchste bis dahin seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnung im Jahr 1881 in Deutschland gemessene Temperatur erreicht.[3][4] Dieser Rekordwert wurde am 24. Juli 2019 im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen mit einer Temperatur von 40,5 °C übertroffen.[5]

Kitzingen
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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7
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4
-1
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: http://climate-data.org/
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kitzingen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,2 4,3 9,5 14,5 19,1 22,4 24,1 23,7 20,2 14,2 7,3 3,5 Ø 13,8
Min. Temperatur (°C) −2,8 −2,1 0,5 4,1 8 11,3 13 12,6 9,5 5,3 1,6 -1,2 Ø 5
Niederschlag (mm) 40 37 40 45 57 72 60 63 45 44 47 51 Σ 601
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2,2
−2,8
4,3
−2,1
9,5
0,5
14,5
4,1
19,1
8
22,4
11,3
24,1
13
23,7
12,6
20,2
9,5
14,2
5,3
7,3
1,6
3,5
-1,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

GeschichteBearbeiten

 
25 Pfennig Notgeld aus dem Jahre 1921 gestaltet von Heinz Schiestl
 
Stadtansicht von Kitzingen 1656 aus der Topographia Franconiae von Matthäus Merian

GründungsgeschichteBearbeiten

Die Geschichte der Stadt Kitzingen beginnt um etwa 745 mit der Gründung eines Frauenklosters durch Hadeloga (oder Adeloga oder Hadla), nach der Sage eine Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell. Als sie eines Sommertages auf der Terrasse des Schlosses ihres Bruders König Pippin III. der Jüngere (Pippin der Kurze) auf dem Schwanberg stand und in das Maintal zu ihren Füßen schaute, war sie so angetan von der Lieblichkeit der Landschaft, dass sie beschloss, ein Kloster zu gründen. Sie übergab ihren Schleier (laut anderen Quellen: ihren Handschuh) dem Wind, der ihn nach Westen ins Tal trug. Da, wo der Schleier zu Boden fiel, wollte sie das Kloster errichten. Der Schäfer Kitz fand den Schleier am westlichen Strand des Mains an einem Weinstock hängend. Dort wurde das Kloster erbaut. Zu Ehren des Schäfers wurde es Kitzingen genannt. Soweit die Sage.[6]

Als zeitlich früheste Beurkundung des Klosters Kitzingen ist in der Lebensbeschreibung des ersten Fuldaer Abtes Sturmius, in der vita sturmi unter apud Kizinga monasterium das Jahr 748 angegeben, mit Hadeloga als dessen Äbtissin. Dass das Kloster einige Jahre vorher gebaut worden war, ist anzunehmen. Die Stadt Kitzingen feiert das Jahr 745 als das Gründungsjahr der Stadt und Hadeloga als Gründerin.[7]

Allerdings stammte Hadeloga wohl nicht aus dem Königsgeschlecht der Karolinger. In keiner der Ahnentafeln der Karolinger ist ihr Name zu finden. Und 745 gab es weder Schloss noch Burg auf dem Schwanberg, von dem sie ihren Schleier hätte werfen können. Auch die in Zedlers Großem Universallexikon von 1732 angegebene (H)Adeloga oder Adelheid, Tochter Pippins III., ist als Klostergründerin auszuschließen, da Adelheid erst 746 geboren wurde. Sie war wohl eher die Nachfolgerin der ersten Äbtissin.

Heute wird angenommen, dass Hadeloga aus dem einflussreichen Adelsgeschlecht der Mattonen stammte. Dass das Kloster den Rang einer Reichsabtei hatte, unterstreicht die Bedeutung dieses Geschlechtes.

Entwicklung der Stadt im Hoch- und SpätmittelalterBearbeiten

1040 wurde erstmals eine Siedlung um das Kloster erwähnt. Vom 11. bis zum 15. Jahrhundert entwickelte sich Kitzingen nach und nach zur Stadt (das genaue Datum der Stadtrechtverleihung ist nicht bekannt) und konnte sich schrittweise von der Abhängigkeit gegenüber dem Kloster loslösen. Dabei wechselte der Ort mehrfach den Besitzer (Grafen von Hohenlohe, Hochstift Würzburg, Markgrafen von Brandenburg-Ansbach). Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Stadt erstmals mit einem rechteckigen, turmbewehrten Mauerring umgeben, dessen auffälligstes Relikt der Marktturm ist. Im 15. Jahrhundert, als die Stadt über diese erste Befestigung hinausgewachsen war, umwallte man sie mit einer zweiten Stadtmauer mit insgesamt 30 Wehrtürmen, diesmal in Form eines gleichseitigen Dreiecks, wobei die Mainfront die Ostseite bildete. Auch die Vorstadt Etwashausen erhielt im Zuge dessen eine Ortsbefestigung.[8] Insgesamt fünf Tore ermöglichten den Zugang zur Stadt, von denen das Faltertor mit dem heutigen Wahrzeichen der Stadt, dem Falterturm, das aufwändigste war. Innerhalb dieser Umwallung sollte die Stadt bis ins 19. Jahrhundert hinein verbleiben, dann schließlich wurde u. a. im Zuge des Eisenbahnanschlusses ein Großteil der Stadtmauern und Türme geschleift.

CyriakusschlachtBearbeiten

 
Die Cyriakusschlacht in der Fries-Chronik des 16. Jahrhunderts

Am 8. August 1266 fand im Süden von Kitzingen zwischen der Stadt und Sulzfeld am Main die sogenannte Cyriakus-Schlacht statt. Vorausgegangen war ein Konflikt im Würzburger Domkapitel nach dem Tod des Bischofs Iring von Reinstein-Homburg. Eine Minderheit stand dem Kandidaten Berthold von Henneberg nahe, während die Mehrheit der Domherren Poppo von Trimberg zum neuen Bischof machen wollte. Schließlich wurde der Streit kriegerisch ausgetragen.

Die Grafen von Henneberg und ihre Verbündeten, die Grafen zu Castell, planten am Morgen des 8. Augusts die Überquerung des Maines bei Kitzingen, um auf die Hochfläche bei Repperndorf vorstoßen zu können. Die Stadt Kitzingen selbst war in den Händen der Herren von Hohenlohe, die aufseiten der Würzburger standen. Also setzte man weiter südlich bei Sulzfeld über. Hier erwarteten die Würzburger Bürgertruppen die Henneberger und drängten sie zurück. Die Schlacht entschied die Auseinandersetzung im Domkapitel dennoch nicht.

Das Kitzinger Weingesetz von 1482Bearbeiten

Im Jahre 1482 versammelten sich in Kitzingen die Abgesandten der fränkischen Fürsten, der Bischöfe von Würzburg und Bamberg, des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg und der Freien Reichsstadt Nürnberg. Das Ziel war, der weitverbreiteten Weinpanscherei einen Riegel vorzuschieben. Das am 29. September des gleichen Jahres beschlossene Gesetz legte fest, was im Wein enthalten sein durfte und was nicht. Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Wenn etwa gepanschter Wein entdeckt wurde, wurden die Fässer zerstört und eine Buße verhängt. Das Gesetz, bekannt als das Kitzinger Weingesetz von 1482 oder auch als das 1. Fränkische Weingesetz, galt seinerzeit vom Bodensee bis Sachsen und machte Kitzingen weithin bekannt.

 
Weinglas auf dem Kitzinger Porzellannotgeld von 1921

Der Bauernkrieg 1524–1526Bearbeiten

Hauptartikel: Deutscher Bauernkrieg

Seit 1443 stand die Stadt unter der Herrschaft der fränkischen Hohenzollern, die seit 1515 von Kasimir, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, ausgeübt wurde. Auch das Kloster Kitzingen hatte Rechte in der Stadt, so erhob es unter anderem den Brückenzoll und stellte die Bau- und Marktpolizei. Viele Bürger mussten an das Kloster Abgaben für Häuser, Äcker oder Weinberge zahlen. Weiterhin verweigerte es den Bürgern den Bau eines eigenen Rathauses. Der Widerwillen gegen die Obrigkeit nahm mit der Zeit mehr und mehr zu und schlug schließlich in Hass um.

In der Hoffnung, ihre Lage verbessern zu können, schlossen sich die Bürger 1525 den aufständischen Bauern an. Mit mehreren Fähnlein und Geschützen unterstützten sie die Bauern. In der Stadt selbst wurde das Kloster verwüstet. Nach der Niederlage der fränkischen Bauern ließ Markgraf Kasimir, dessen Grausamkeiten ihm den Beinamen Bluthund eingebracht hatten, ein furchtbares Strafgericht über die Stadt ergehen. Im heutigen Leidenhof ließ er 58 Männer, die als Rädelsführer galten, blenden und aus der Stadt jagen. Diese Tat wurde schon von Zeitgenossen als Ungeheuerlichkeit empfunden[9] und gilt als schauerlichste Bluttat des ganzen Bauernkrieges.[10] Dazu musste die Stadt 13 000 Gulden als Strafe zahlen, damals eine erdrückend hohe Summe Geld.

Luftangriffe 1945Bearbeiten

Am 23. Februar 1945, einem sonnigen Wintertag, näherte sich um die Mittagszeit von Osten her ein Verband viermotoriger Bomber der USAAF der Stadt und begann aus einer Höhe von etwa 2500 bis 3000 Metern Kitzingen zu bombardieren. Dem ersten Verband folgten nach etwa einer halben Stunde ein zweiter, insgesamt etwa 180 Flugzeuge. Es wurden schätzungsweise 2500 schwere Sprengbomben abgeworfen.

Der Angriff erfolgte im Rahmen der Operation Clarion, einer Serie von Luftangriffen auf süddeutsche Fernstraßen- und -bahnverbindungen, mit dem angegebenen Ziel, die Verlegung von Truppen innerhalb Süddeutschlands zu stören oder zu unterbinden. In Kitzingen überquerten die Reichsstraße 8 (heute B 8) und die Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg den Main.

 
Der neugotische Deusterturm – einziger verbliebener Rest von Schloss Friedenstein, das beim Bombenangriff am 23. Februar 1945 zerstört wurde

Eine Zerstörung der Brücken und des Bahnhofsgeländes war das angegebene Ziel. Doch keine der vier Mainbrücken wurde getroffen, und die Schäden auf dem Bahnhofsgelände waren nicht so schwer, als dass nach einigen Tagen der Fernverkehr nicht wieder rollen konnte. Dagegen wurden die Innenstadt und Gebäude in Bahnhofsnähe weitgehend zerstört. 809 Wohngebäude mit zusammen 2020 Wohnungen wurden zerstört, davon 206 Gebäude mit 520 Wohnungen total, dazu 30 öffentliche Gebäude (darunter auch die Evangelische Stadtkirche), drei Industrieanlagen und 60 Nebengebäude. Schwere Zerstörungen gab es vor allem in folgenden Straßenzügen: Alte Poststraße, Falterstraße, Friedenstraße, Güterhallstraße, Herrnstraße, Innere Sulzfelder Straße, Krainberg, Neuer Weg, Ritterstraße (Schwalbenhof), Untere Bachgasse und Würzburger Straße.[11] Unter anderem ist die Oberschule für Jungen dem Erdboden gleichgemacht worden, obwohl sie als Lazarett diente und als solches gekennzeichnet war. Auch das im historisierenden Stil errichtete Schloss Friedenstein, das der Familie von Deuster gehörte, wurde zerstört. Erhalten geblieben ist nur der Aussichtsturm, auch Deusterturm genannt, im ehemaligen Schlosspark. Mehr als 700 Personen fielen in Kitzingen dem Angriff zum Opfer, darunter alle Kinder und Betreuer eines Kindergartens. In der 4. Oberschulklasse wurden 2/3 der etwa 48 Jungen, die an diesem Tag Unterricht hatten, getötet.

Die am Westrand der Stadt gelegene Kaserne der Luftwaffe und der östlich der Stadt gelegene Flugplatz Kitzingen wurden nicht bombardiert.

Etwa vier Wochen später wurde am 22. März der Flugplatz angegriffen. Acht Bomberverbände mit insgesamt 168 Maschinen flogen von Süden an. Durch die östliche Lage des Flugplatzes entstanden keine Schäden in Kitzingen. Die Bomben zerstörten das Rollfeld, nur wenige Gebäude wurden beschädigt. Von den auf dem Flugplatz stationierten Nachtjägern Bf 110 und den neuen Düsenjägern Me 262 wurden nur wenige getroffen.

ZeittafelBearbeiten

 
Kitzingen im Jahr 1628 – detailgetreue Stadtansicht von Georg Martin aus der Vogelperspektive. Innere und äußere Stadtmauer sind gut zu erkennen
  • 745 Bonifatius weiht das Benediktinerkloster Kitzingen, das der Sage nach von Hadeloga gegründet wurde.
  • 1040 Erste Erwähnung einer „villa“ Kitzingen.
  • 1266 Am Festtag des Heiligen Cyriakus am 8. August 1266 fand am Mühlberg bei Kitzingen die Cyriakus-Schlacht statt.
  • 1390 erste Erwähnung eines mittelalterlichen Leprosoriums ("Sondersiechenhaus"), das dem Heiligen Nikolaus geweiht war und noch im 19. Jahrhundert bestand.[12]
  • 1443 Verpfändung Kitzingens an das Markgrafentum Brandenburg-Ansbach für 39100 Gulden.
  • 1469–1496 Bau des Falterturmes als Teil des äußeren Befestigungsringes (ehemaliger Sitz des deutschen Fastnachtmuseums).
  • 1487 Fertigstellung der katholischen Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer (Jahreszahl an Empore und Seiteneingang).
  • 1499 Bau der Alten Mainbrücke.
  • 1525 Zahlreiche Kitzinger nehmen am Bauernaufstand teil. Dieser wird niedergeschlagen.
  • 1530 Kitzingen wird protestantisch.
  • 1561–1563 Erbauung des Rathauses im Stil der Renaissance.
  • 1629 Pfandablösung und Rekatholisierung unter Würzburger Ägide.
  • 1629–1650 kam es zum Konfessionsstreit, der erst 1650 ein Ende fand.
  • 1650 Im Gnadenvertrag gewährte der Würzburger Fürstbischof die Doppelkonfessionalität Kitzingens.
  • 1695 Die Ursulinenklosterkirche (heutige Stadtkirche) wird gebaut.
  • 1699 Einweihung der Klosterkirche als weitere Johanneskirche, die Figur des Namenspatrons steht auch heute noch in einer Wandnische über dem Hauptportal.
  • 1741–1745 Bau der Kreuzkapelle in Etwashausen (Vorort) durch Balthasar Neumann.
  • 1754 Die Michaelskirche in Etwashausen wird geweiht (heute ein Wohnhaus); sie ist die erste evangelische Pfarrkirche in Kitzingen.
  • 1792–1815 Schwere Belastung durch die Napoleonischen Kriege.
  • 1802 Kitzingen kommt zu Bayern.
  • 1817 Im Tausch gegen die Michaelskirche erwirbt die Evangelische Gemeinde vom bayerischen Staat die große Klosterkirche, die am 19. Oktober als evangelische Stadtkirche eingeweiht wird.
  • 1865 Anbindung an das Eisenbahnnetz.
  • 1894 Errichtung eines Progymnasiums (Vorgänger des heutigen Armin-Knab-Gymnasiums).
  • 1914 Eröffnung des Luitpold-Bades.
  • 1902 Das städtische Krankenhaus geht in Betrieb.
  • 1917 wird der Flugplatz in Betrieb genommen.
  • 1942 Verschleppung von Juden aus Kitzingen.
  • 1942 Auf dem Militärflugplatz befindet sich eine Stuka-Schule.
  • 1945 Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomberverbände. US-amerikanische Soldaten besetzen am 6. April die Stadt. Sie beziehen beide Kasernen der deutschen Wehrmacht, Kitzingen wird US-amerikanische Garnisonstadt.
  • ab 1947 Zustrom zahlreicher Heimatvertriebener aus den ehemaligen Ostgebieten.
  • 1950 Einweihung der neugebauten katholischen Pfarrkirche St. Vinzenz im Stadtteil Siedlung.
  • 1955 Bau des Schwimmbads auf der Mondseeinsel im Main.
  • 1957 Einweihung der neugebauten evangelischen Friedenskirche im Stadtteil Siedlung.
  • 1972 erlangt Kitzingen den Status Große Kreisstadt.
  • 1984 werden Städtepartnerschaften mit der italienischen Stadt Montevarchi und der südfranzösischen Stadt Prades geschlossen. Eröffnung des Kreiskrankenhauses (heute Klinik Kitzinger Land).
  • 1995 begeht die Stadt feierlich ihr 1250-jähriges Bestehen
  • 2006 Abzug der US-Garnison.
  • 2011 Bayerische Regionalgartenschau Natur in Kitzingen – Gartenstadt am Fluss vom 27. Mai bis 21. August.
  • 2013 Kitzingen gewinnt die Goldmedaille im deutschen Bundeswettbewerb Entente Florale Deutschland.
  • 2014 Kitzingen vertritt Deutschland gemeinsam mit dem Dorf Sommerach auf europäischer Ebene beim Wettbewerb Entente Florale Europe – beide fränkischen Weinorte erhalten eine Goldmedaille.
  • 2015 Kitzingen bricht im Juli mit 40,3 °C den bisherigen deutschen Hitzerekord. Im August wird dieselbe Tageshöchsttemperatur noch einmal erreicht.
  • 2017 fand in Kitzingen der 12. Tag der Franken statt, verbunden mit den Unterfränkischen Kulturtagen unter dem gemeinsamen Motto Kultur-Brücken.

Wüstungen und EingemeindungenBearbeiten

Auf der heutigen Gemarkung von Kitzingen lag das Dorf Schmalfeld, es wurde im 16. Jahrhundert aufgegeben. Am 1. Oktober 1973 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Hoheim eingegliedert. Am 1. Januar 1975 kam Sickershausen hinzu. Repperndorf folgte am 1. Januar 1978, Hohenfeld am 1. Mai 1978.[13]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Stadt Kitzingen mit den heutigen Stadtteilen

 
Einwohnerentwicklung von Kitzingen von 1802 bis 2017 nach nebenstehender Tabellen. Rot: Stadt Kitzingen ohne die Stadtteile
Jahr Einwohner
1802 03.696
1840 06.957[14]
1871 07.693[14]
1900 10.092[14]
1925 11.904[14]
1939 16.034[14]
1950 18.830[14]
1961 20.025[13]
1970 20.470[13]
1987 18.999[14]
2005 21.035[14]
2006 20.860[14]
Jahr Einwohner
2007 20.968[14]
2008 20.836[14]
2009 20.845[14]
2010 20.705[14]
2011 20.237[14]
2012 20.405[14]
2013 20.449[14]
2014 20.474[14]
2015 20.756[15]
2016 20.892[15]
2017 21.346

Stadt Kitzingen ohne die Stadtteile

  • 1938: 14.460 Einwohner
  • 1961: 17.784 Einwohner[13]
  • 1970: 17.880 Einwohner[13]

ReligionenBearbeiten

ChristentumBearbeiten

Kitzingen unterstand im Mittelalter zunächst dem Benediktinerinnenkloster und gehörte kirchenrechtlich wechselweise zum Bistum Bamberg und zum Bistum Würzburg, später Fürstbistum Würzburg, welches die gesamte Stadt 1443 an Brandenburg-Ansbach verpfändete. Die lutherische Konfession wurde durch das Wirken einflussreicher Persönlichkeiten wie Friedrich Bernbeck und Paul Eber bereits 1530 angenommen und Kitzingen entwickelte sich frühzeitig zu einem Zentrum der Reformation. Dabei erlebte die Stadt eine Blüte im Bereich des Bildungswesens. Mit der Pfandablösung Kitzingens im Jahr 1629 durch das Hochstift Würzburg endete das „evangelische“ Jahrhundert Kitzingens und es kam zur Gegenreformation, die vor allem in der Neugründung von Klöstern wie dem Ursulinenstift oder dem Kapuzinerkloster ihren Ausdruck fand. Mit dem Gnadenvertrag des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn wurde auch der protestantischen Konfession wieder die freie Religionsausübung gestattet und es entwickelte sich bald wieder eine bedeutende protestantische Gemeinde. Noch heute hat die daraus resultierende konfessionelle Zweiteilung Kitzingens weitgehend Bestand. Im Jahr 2011 bekannten sich 41,1 % der Stadtbevölkerung zum evangelisch-lutherischen Glauben und 35,4 % zum römisch-katholischen.[14]

Römisch-katholische KircheBearbeiten

Kitzingen gehört heute auf katholischer Seite zum Dekanat Kitzingen des Bistums Würzburg. Im Stadtgebiet existieren folgende Pfarrgemeinden, die sich seit der Strukturreform der Diözese mit weiteren Pfarreien im Umland zur Pfarreiengemeinschaft „St. Hedwig im Kitzinger Land“ zusammengeschlossen haben:

  • Pfarrei St. Johannes der Täufer (Kernstadt und Etwashausen) mit Filiale St. Laurentius (Repperndorf)
  • Pfarrei St. Vinzenz von Paul (Siedlung)
  • Pfarrei St. Georg (Hoheim)

Evangelisch-lutherische KircheBearbeiten

Die evangelischen Christen Kitzingens sind im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Kitzingen der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Bayern organisiert. Es gibt folgende Pfarr- bzw. Kirchengemeinden im Stadtgebiet:

  • Kitzingen, Stadtkirche (Kernstadt) mit Bergkirche St. Margarete (Hohenfeld)
  • Kitzingen, Friedenskirche (Siedlung)
  • Hohenfeld, evangelische Pfarrkirche
  • Repperndorf, St. Laurentius
  • Sickershausen, St. Johannes

Weitere christliche GemeinschaftenBearbeiten

Darüber hinaus gibt es in Kitzingen noch folgende christliche Gemeinden: die Landeskirchliche Gemeinschaft Kitzingen, die Freie evangelische Gemeinde Kitzingen, eine neuapostolische Kirche sowie einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas.

JudentumBearbeiten

Bis zur NS-Zeit bestand in Kitzingen eine bedeutende jüdische Gemeinde. Die für eine Stadt dieser Größenordnung ungewöhnlich repräsentative Synagoge legt heute noch Zeugnis ab für die jüdische Geschichte der Stadt. Während des Holocaust wurde die jüdische Kultusgemeinde Kitzingen nahezu ausgelöscht, heute gibt es in der wieder hergestellten Synagoge zwar noch einen kleinen jüdischen Gebetsraum, aber keine eigene Gemeinde mehr.

IslamBearbeiten

Den muslimischen Bürgerinnen und Bürgern steht in Kitzingen-Etwashausen eine Moschee zur Verfügung:

  • Verein Neue Moschee für Kitzingen e.V.

PolitikBearbeiten

 
Rathaus von Kitzingen mit Marktturm

ParteienBearbeiten

In Kitzingen sind folgende politische Parteien aktiv:

StadtratBearbeiten

Sitzverteilung:

SPD CSU UsW1 FBW KIK2 ÖDP ProKT BP gesamt
2014 4 8 5 4 3 3 2 1 30 Sitze
2008 5 8 8 4 3 2 30 Sitze
2002 9 10 6 2 2 1 30 Sitze

1 Unabhängige soziale Wählergruppe e. V.     2 Kommunale Initiative Kitzingen

BürgermeisterBearbeiten

  • Konrad Döppert (CSU, 1946–1948)
  • Richard Wildhagen (1948–1952)
  • Siegfried Wilke (1952–1958)
  • Oskar Klemmert (1958–1967)
  • Rudolf Schardt (SPD, 1967–1991)
  • Erwin Rumpel (CSU, 1991–1997)
  • Bernd Moser (SPD, 1997–2008)
  • Siegfried Müller (UsW, seit 1. Mai 2008)

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau eine durchgehende, oben gezinnte silberne Brücke mit drei Pfeilern.“[16]
Wappenbegründung: Kitzingen liegt an einem wichtigen Mainübergang gegenüber einem ehemaligen Königshof, der im 8. Jahrhundert in eine Reichsabtei umgewandelt wurde. Erstmals um 1300 wird Kitzingen als Stadt erwähnt. Das Datum der Stadtrechtsverleihung ist jedoch nicht bekannt. Das älteste Siegel datiert aus dem Jahr 1349 und zeigt bereits die wichtige Brücke über den Main in der damaligen Bauform. Alle späteren Siegel und Darstellungen zeigen die Brücke in der jeweiligen Ansicht mit veränderten Bauformen, entsprechend der Baukunst der entsprechenden Zeit. Die Farben Silber und Blau sind seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Zeitweise waren die Farben auch vertauscht. Im Jahr 1839 wurden sie amtlich festgelegt. In Wappenbildern des 19. Jahrhunderts wird die Brücke auch schwebend im Schild dargestellt. Wappenführung seit dem 14. Jahrhundert, belegt durch Siegelführung seit 1349.

Zwei der Kitzinger Ortsteile führen eigene Wappen:

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kitzingen unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:

PatenstadtBearbeiten

1968 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt

übernommen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kitzinger Marktplatz mit Rathaus und Kiliansbrunnen im Winter

Altstadt und MarktplatzBearbeiten

Historisches Zentrum der trotz vieler Zerstörungen und Veränderungen in weiten Teilen noch gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt mit ihrer unverwechselbaren, vieltürmigen Silhouette bildet der Marktplatz, ein geschlossenes Denkmalensemble von Geschäfts- und Bürgerhäusern. Der Marktplatz stellt eine räumliche Erweiterung der auf die Alte Mainbrücke zielenden, mittelalterlichen Hauptdurchgangsstraße Kitzingens dar. Aus der ursprünglichen Giebelhausbebauung hat sich noch das sog. Poganietzhaus, ein reich verziertes Renaissance-Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert, erhalten (Marktstraße 26), welches heute das Conditorei-Museum beherbergt.

Dominiert wird der Marktplatz vom Renaissance-Rathaus des Werkmeisters Eckhart von Schaffhausen, das 1563 vollendet wurde, und vom 39 Meter hohen Marktturm, einem ehem. Wehrturm der inneren Stadtbefestigung aus dem 13. und 14. Jahrhundert mit einem Obergeschoss von 1546, der später als städtischer Wachturm diente und heute das Zentralarchiv der Deutschen Fastnacht beherbergt. Seit einigen Jahren wird das unverputzte Bruchsteinmauerwerk des Marktturms alljährlich in der Adventszeit in rotem Licht angestrahlt und erinnert aufgrund seiner runden Bauform sowie seiner mit gelbem Licht beleuchteten Spitze an eine große Adventskerze. Am Marktturm ist oberhalb der ihn umgebenden Geschäftsbuden aus dem frühen 19. Jahrhundert auch noch der ehem. Pranger zu erkennen. Die Kitzinger Elle in Form eines metallenen Längenmaßes, das an der dem Platz zugewandten Ecke des Rathauses befestigt ist, erinnert an die frühere Funktion des Platzes als Hauptmarkt der Stadt. An der Südostecke des Platzes befindet sich der Marktbrunnen aus dem 18. Jahrhundert, der eine von Richard Rother restaurierte Sandsteinfigur des Frankenapostels Kilian trägt und daher auch als Kiliansbrunnen bezeichnet wird.

Ansonsten wird der Marktplatz durch drei- bis viergeschossige Traufseithäuser des 18. Jahrhunderts und diesen angeglichene historistische Bauten bestimmt, wobei sich besonders das Haus Marktstraße 21 mit seiner Barockfassade hervorhebt. Insgesamt vermittelt der Marktplatz noch heute das Bild der „guten Stube“ einer mainfränkischen Kleinstadt.

BauwerkeBearbeiten

 
Der Falterturm – Wahrzeichen der Stadt Kitzingen – im Winter

Wahrzeichen der Stadt und eines ihrer bedeutendsten Bauwerke ist die Alte Mainbrücke, die die rechtsmainische Altstadt von Kitzingen mit der linksmainischen Vorstadt Etwashausen verbindet. Die erste Konstruktion der Brücke stammt aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert musste sie nach Hochwassern und Eisgang weitgehend erneuert werden. Um 1955 wurde sie dann umgebaut, um der Schifffahrt auf dem Main mehr Raum zu geben, wobei der Großteil ihrer historischen Substanz bewahrt wurde. Die Mainbrücke trägt eine steinerne Skulptur von Richard Rother aus dem Jahr 1925 mit der Inschrift: „Vergesst unsere Kriegsgefangenen, Verschleppten und Vermissten nicht“.

Der Falterturm, wegen seines krummen Helms ein weiteres Wahrzeichen Kitzingens, wurde zwischen 1469 und 1496 als Teil der äußeren Kitzinger Stadtbefestigung errichtet. Von dieser ursprünglich mehr als 30 Türme umfassenden Wehranlage sind noch ein paar Reste erhalten, darunter neben wenigen Mauerzügen insgesamt neun Türme, von denen einige im Bereich der Mainfront in Häuser integriert sind. In Etwashausen befindet sich als letztes verbliebenes der ehemals fünf Stadttore das sog. Großlangheimer Tor. Auch von der älteren, inneren Stadtbefestigung stehen noch Reste wie z. B. der Marktturm, aber auch ein Mauerzug mit drei Türmen in der Kapuzinerstraße.

 
Alte Synagoge am Landwehrplatz

Die 1883 erbaute Alte Synagoge wurde in der sogenannten Reichspogromnacht durch SA-Männer ein Raub der Flammen, woran seit 1967 eine Gedenktafel erinnert.[17] An die zahlreichen in der NS-Zeit verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt erinnern heute an vielen Stellen Stolpersteine. Die Synagoge wurde nach langjähriger Zweckentfremdung in den 1990er Jahren aufwendig restauriert und dient heute der Bevölkerung als Kulturraum und Konzertsaal. Da es in Kitzingen heute keine eigene jüdische Gemeinde mehr gibt, wird die kleine „Synagoge in der Synagoge“, ein jüdischer Gebetssaal, der im Erdgeschoss des Gebäudes eingerichtet wurde, nur gelegentlich von der jüdischen Gemeinde Würzburgs genutzt.

Trotz seiner Bedeutung als ein Zentrum des fränkischen Weinhandels war Kitzingen im 19. Jahrhundert auch eine wichtige Bierbrauerstadt. Als ein frühindustrielles Kulturdenkmal dieser Zeit gelten die historischen Kelleranlagen (die Deusterkeller), die mit den Aktivitäten des Kitzinger Bierbrauers Thomas Ehemann (1792–1872) in Verbindung stehen: das riesige Kellerareal diente bis zur Erfindung von Carl von Lindes Kältemaschine (1871) den großen ehemaligen Kitzinger Bierbrauereien Bürgerbräu, Kleinschroth und Scheuernstuhl als Lager- und Eiskeller ihrer Exportbiere, die in alle Welt verkauft wurden. Ein großer Kältekompressor aus der Kitzinger Maschinenfabrik Heinrich Huppmann, der bis zum Beginn der 1950er Jahre in der Kitzinger Brauerei Bürgerbräu für günstige Lagertemperaturen bei der Bierproduktion sorgte, befindet sich heute als Ausstellungsstück vor dem Kitzinger Stadtmuseum.

Weitere sehenswerte Bauwerke in Kitzingen sind:

  • Landratsamt (16. Jh.) mit Altem Klosterkeller (einer der ältesten Weinkeller Deutschlands, von den Äbtissinnen des ehem. Benediktinerinnenklosters angelegt)
  • Deusterturm (der Gartenturm des ehemaligen Schlosses Friedenstein der Familie von Deuster) (19. Jh.)
  • Buntsandsteinsäule am Königsplatz (1883 zu Ehren König Ludwigs II. errichtet)
  • Reste des ehemaligen Leidenhofs (16. Jh.), in dem Landgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach nach dem Bauernaufstand 1525 als abschreckende Strafmaßnahme 58 Kitzinger Bürger blenden ließ
  • Luitpold-Bad von 1914
  • Alter Friedhof mit Portalbau (16. Jh.) und Grabdenkmälern (18./19. Jh.)

Kirchen und KlösterBearbeiten

 
Evangelische Stadtkirche
 
Innenansicht der Evangelischen Stadtkirche mit der Steinmeyer-Orgel
  • Die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in der Altstadt wurde im 15. Jahrhundert als spätgotische Hallenkirche an Stelle älterer Vorgängerbauten errichtet und stellt heute einen der wichtigsten Vertreter aus dieser Bauepoche in Nordbayern dar. Von besonderem kunsthistorischen Interesse sind neben der reichhaltigen Ausstattung mit Werken aus verschiedenen Jahrhunderten (u. a. spätgotisches Sakramentshaus, klassizistische Kanzel, moderner Hochaltar) vor allem der Schmuck der Portale im Norden (Darstellung des Jüngsten Gerichts) und Westen (Marienkrönung), ein der Riemenschneiderschule zugeschriebener Ölberg an der Südseite zum ehem. Kirchhof hin, sowie eine ungewöhnliche Fülle von maskenartigen Konsolköpfen.

Hauptartikel: St. Johannes (Kitzingen)

  • Die Evangelische Stadtkirche ist die größte evangelische Kirche in Unterfranken und steht in der Altstadt an der Stelle des ehem. Benediktinerinnenklosters, der Keimzelle der Stadt. Der Bau des bekannten italienischen Barockarchitekten Antonio Petrini wurde im 17. Jahrhundert als Klosterkirche errichtet und diente in den Napoleonischen Kriegen als Lazarett. Im Jahr 1817 wurde das Gotteshaus nach Tausch gegen die Michaelskirche in Etwashausen von der protestantischen Gemeinde übernommen. Ihr 64 Meter hoher Turm ist der höchste der Stadt und bildet eine prägende Dominante im Kitzinger Stadtbild.

Hauptartikel: Evangelische Stadtkirche Kitzingen

  • Die katholische Kreuzkapelle, von Balthasar Neumann zwischen 1741 und 1745 errichtet, ist ein spätbarockes Bauwerk auf kreuzförmigem Grundriss mit zentraler Rotunde und steht am östlichen Brückenkopf der Alten Mainbrücke im Stadtteil Etwashausen. Ihr Grundriss zierte neben weiteren Neumann-Entwürfen die Rückseite des früheren 50-DM-Scheins der letzten Serie.

Hauptartikel: Kreuzkapelle (Kitzingen)

  • Die katholische Kapuzinerkirche St. Mariä Himmelfahrt und Hl. Franziskus Seraphikus in der südlichen Altstadt birgt eine nahezu komplett erhaltene Barockausstattung aus dem 17. Jahrhundert. Sehenswert sind vor allem die Altäre und die großformatigen Kreuzweg-Stationsbilder. Die ehem. Klosterkirche wird heute von der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes als Filialkirche genutzt.

Hauptartikel: Kapuzinerkloster Kitzingen

  • Die Kirche St. Vinzenz von Paul entstand als neue katholische Pfarrkirche für den noch relativ jungen Stadtteil Siedlung. Sie wurde 1950 nach nur einjähriger Bauzeit eingeweiht und war vom damaligen Würzburger Dombaumeister Hans Schädel konzipiert worden. Es handelt sich um einen Bau, der Formen der Heimatschutzarchitektur mit expressionistischen und modernen Elementen verbindet.

Hauptartikel: St. Vinzenz (Kitzingen)

  • Als zweite Kirche der Siedlung wurde 1957 die evangelische Friedenskirche in unmittelbarer Nachbarschaft zu St. Vinzenz fertiggestellt. Beide Kirchen waren durch den großen Zustrom von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg nötig geworden. Dieser schlicht konzipierte Sakralbau im Stil der Nachkriegsmoderne mit seinem für die Region sehr ungewöhnlichen Ziegelmauerwerk und dem Chorglasfenster des Münchner Künstlers Gerd Jähnke wurde im Mai 1957 geweiht und der Gemeinde übergeben. Als Architekt hatte man den Würzburger Gerhard Saalfrank gewinnen können.

Hauptartikel: Friedenskirche (Kitzingen)

Ehemalige bzw. profanierte Kirchengebäude und ihr Erhaltungszustand:

  •  
    Benefiziumgebäude der Beginen und ehem. Kirche zum Hl. Grab (links) in der Grabkirchgasse
    Ehem. Benediktinerinnenkloster mit doppeltürmiger, romanischer Stiftsbasilika, im 16. Jahrhundert zerstört, heute oberflächlich nichts mehr erhalten, an ihrer Stelle befindet sich die Evangelische Stadtkirche bzw. der Platz der Partnerstädte
  • Ehem. Kapuzinerkloster Kitzingen, 1630–1828, Klostergebäude 1983 abgerissen und durch Seniorenheim ersetzt
  • Ehem. katholische Spitalkirche St. Elisabeth (16. bis 19. Jh.), heute Haupteingang des Landratsamtes, baulich noch als Kirche erkennbar
  • Ehem. Kirche zum Heiligen Grab (Grabkirche, 16. Jh.) und Benefiziumgebäude des zugehörigen Beginenklosters, von der Kirche nur Turm und in Wohnhaus integrierte Reste erhalten, das Klostergebäude beherbergt heute ein Papiertheater
  • Ehem. Kirche zu Unserer Lieben Frau, erste Kirche in Etwashausen, Anfang des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen, an ihrer Stelle wurde später die evang. Michaelskirche von Balthasar Neumann errichtet, heute Wohnhaus ohne Turm

Dorfkirchen in den ehemals eigenständigen Ortsteilen:

BaudenkmälerBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
Deutsches Fastnachtmuseum und Deutsche Fastnachtakademie – der neue Haupteingang in der Luitpoldstraße

Das 1966 eröffnete Deutsche Fastnachtmuseum ist eine gemeinnützige Stiftung und offizielles Museum des Bundes Deutscher Karneval. Es beherbergt die größten Fachsammlungen ihrer Art und macht Kitzingen zu einem Zentrum der Fastnachtsforschung in Deutschland. Ein Feuerschutzgutachten führte 2011 zur Schließung der Fastnachts-Sammlungen im Falterturm, das Deutsche Fastnachtsmuseum wurde Ende 2013 in einem umgebauten Barockgebäude in der Luitpoldstraße neu eröffnet. 2018 bis 2019 wurde der Gebäudekomplex um ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude sowie einen Neubau erweitert und umfasst nun neben dem Fastnachtmuseum auch die deutsche Fastnachtakademie, ein Schulungszentrum, an dem angehenden sowie professionellen Karnevalisten eine Vielzahl von Angeboten zur Weiterbildung wie z. B. Seminare oder Beratungen zur Verfügung stehen. Unter anderem bietet der neu entstandene Veranstaltungssaal die Möglichkeit, Auftritte zu proben.

Das Städtische Museum mit Stadtarchiv im Alten Kastenhof präsentiert zahlreiche Exponate zur Stadt-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte Kitzingens. Eine Abteilung beschäftigt sich mit der Archäologie und der Siedlungsgeschichte im Landkreis. Im Obergeschoss befinden sich eine historische Apotheke sowie eine Dokumentation zu Johann Rudolph Glauber.

Zu den weiteren Museen in der Stadt zählen:

KarnevalBearbeiten

Die aktiven Karnevalisten sind in der Kitzinger Karnevals-Gesellschaft (KIKAG) organisiert. Überörtlich bedeutsam ist die jährliche Verleihung des Schlappmaulordens an Personen oder Institutionen, die eine „gar trefflich lockere Zunge“ besitzen. Bekannte Preisträger des KIKAG-Ordens sind unter anderen Gregor Gysi, Helmut Kohl, Jürgen Möllemann, Gabriele Pauli, Günther Beckstein sowie Claudia Roth.

KirchenmusikBearbeiten

Kitzingen ist ein regionales kirchenmusikalisches Zentrum mit zahlreichen Veranstaltungen, die über das ganze Jahr verteilt sind: Die Paul-Eber-Kantorei der evangelischen Stadtkirche widmet sich den großformatigen oratorischen Werken der Musikliteratur, das kirchenmusikalische Angebot an der katholischen Pfarrkirche St. Johannes mit ihrer Vleugels-Orgel, dem Kammerchor und der St.-Johannes-Kantorei stellt hingegen schwerpunktmäßig die Orgelmusik sowie die Chormusik a cappella in das Zentrum ihrer Programme.

Musik, Musikpädagogik und MalereiBearbeiten

Seit 2014 gibt es mit der Villa Paganini in der Kitzinger Moltkestraße ein neues musikalisch-kulturelles Zentrum, das der international bekannte Violinist Florian Meierott betreibt. Hier finden neben einer Violinschule und einer Gemäldegalerie mit Bildern des Musikers diverse Konzertreihen, Lesungen sowie ein internationaler Violinwettbewerb statt.

TheaterBearbeiten

  • Miniatur-Kunst-Bühne „Papiertheater Kitzingen“ im ehemaligen Beginenkloster der Grabkirche
  • Häckerbühne Stadt Kitzingen e. V. (Kitzinger Theater)
  • Frech-Fromm-Fränkisch[18]

KinoBearbeiten

  • Programmkino Roxy am Rosenberg (im Februar 2019 nach 12 Jahren wiedereröffnet)[19]
 
Park am Etwashauser Mainufer

ParksBearbeiten

  • Ehemaliges Gelände der Kleinen Bayerischen Landesgartenschau (2011) am Mainufer im Stadtteil Etwashausen
  • Rosengarten südl. des Falterturms

SportBearbeiten

FußballBearbeiten

  • Fußballvereinigung Bayern Kitzingen 1911 e.V.[20]
  • Siedler-Sport-Verein 1949 e.V.[21]
  • Fußballverein Rot-Weiß Kitzingen e.V.
  • Fußballverein Ülkemspor Kitzingen
  • TSV Hohenfeld 1911 e.V.
  • TSV Jahn Repperndorf e.V.
  • Sportverein Sickershausen 1913 e.V.

Weitere SportvereinigungenBearbeiten

  • Königlich Privilegierte Schützengesellschaft von 1408 Kitzingen
  • Turngemeinde Kitzingen 1848 e.V. (mit Abteilungen für: Aikido, Handball, Laufen, Leichtathletik, Radsport, Schwimmen, Tennis, Turnen und Volleyball)[22]
  • Luftsportclub Kitzingen e.V. (ältester Luftsportverein Bayerns)[23]
  • Kitzinger Ruderverein von 1897 e.V.[24]
  • Kraftsportverein Kitzingen 1894/96 e.V.[25]
  • Golfclub Kitzingen e.V.
  • Schachclub Kitzingen 05[26]
  • Segel und Sportboot Club Kitzingen e.V.[27]
  • Kitzinger Tanzclub e.V.[28]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Etwashäuser Kirchweih (Ebshäuser Kerm), jährlich im Oktober zur Erinnerung an die Weihe der Kreuzkapelle
  • Kitzinger Stadtfest
  • Landkreisfaschingsumzug (alle drei Jahre im Wechsel mit Dettelbach und Volkach)
  • Nachbarschaftsfest
  • Promenadenweinfest
  • World Press Photo im Rathaus (jährlich von Februar bis März)

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Flusskreuzfahrt-Schiff am Mainkai

Kitzingen liegt am Autobahnkreuz Biebelried (etwa sechs Kilometer entfernt) mit Anbindung an die Bundesautobahn 3 (Frankfurt am MainNürnberg, Ausfahrt Rottendorf oder Kitzingen/Schwarzach) und an der A 7 (KemptenUlmKasselHamburg, Ausfahrt Kitzingen), außerdem führt die Bundesstraße 8 durch das Stadtgebiet. Eine wichtige Nahverkehrsverbindung im Landkreis Kitzingen ist die Staatsstraße 2271.

Des Weiteren führt die Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg durch Kitzingen. Die Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt wurde durch die Sprengung der Mainbrücke 1945 von der Hauptstrecke abgehängt. Sie besteht seit 1945 als Stichbahn von Schweinfurt fort. Seit 2014 wird sie jedoch abschnittsweise stillgelegt.

Durch Kitzingen verläuft der Fränkische Marienweg.

An den Häfen Kitzingen besteht für die Schifffahrt über die Bundeswasserstraße Main eine Anbindung an die Flusssysteme von Rhein und Donau.

Bis in die zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand zwischen Hohenfeld und Kitzingen eine Fährverbindung über den Main. Zunächst hatte die Dorfherrschaft das Fährrecht inne, ehe die Fähre im Jahr 1714 in die Hände eines Privatmanns kam. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschloss man sich die Fähre mit einem Gierseil auszustatten. Der Ausbau des Maines zur Großschifffahrtsstraße in den 1950er Jahren führte zum Ende der Fähre.

Seit Herbst 2006 befindet sich der gesamte Landkreis Kitzingen vollständig im Gebiet des Verkehrsverbund Mainfranken sowie seit 2016 zusätzlich im VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, Linie R1). Es bestehen Regionalverbindungen nach Nürnberg und Würzburg alle 60 Minuten. In der HVZ gibt es alle 30 min Fahrmöglichkeiten nach Würzburg.

Hauptartikel: Nahverkehr im Landkreis Kitzingen

WirtschaftBearbeiten

Der Wirtschaftsstandort Kitzingen zeichnet sich durch seine verkehrsgünstige Lage in der Mitte Deutschlands aus – Kitzingen liegt am Kreuzungspunkt wichtiger Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen: Die BAB 7 kreuzt die BAB 3. Im 20 Kilometer entfernten Würzburg trifft die Schnellbahntrasse nach Hannover auf die Eisenbahnlinie Nürnberg-Frankfurt am Main. Darüber hinaus verfügt die Stadt über einen Umschlaghafen der Rhein-Main-Donau-Schifffahrtsstraße. Bekannt ist Kitzingen einerseits als bedeutsame, historisch gewachsene fränkische Weinhandelsstadt – die vor den Toren Kitzingens liegende Gebiets-Winzergenossenschaft Franken (GWF), heute als Winzergemeinschaft Franken firmierend, erzeugt heute mit ihren etwa 2600 Mitgliedern jährlich rund 12 Millionen Liter Wein – andererseits ist der Stadtteil Etwashausen ein wichtiges nordbayerisches Erzeugerzentrum für den Gartenbau. Die Stadt ist Sitz der VR Bank Kitzingen.

WeinbauBearbeiten

Kitzingen ist heute Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Insgesamt drei Weinlagen existieren um die Stadt, der Wein wird seit den 1970er Jahren unter den Namen Eherieder Berg, Eselsberg und Wilhelmsberg vermarktet, wobei viele der Lagen bereits seit dem Mittelalter existieren. Zugleich ist die Stadt Leitgemeinde der Großlage Kitzinger Hofrat. Kitzingen ist Teil des Bereichs MainSüden, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden mit Lehmbeimischungen um Kitzingen eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Kitzingen Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. In einem Urbar des Klosters Kitzingen aus der Mitte des 11. Jahrhunderts wurden bereits sieben Weinbauern im Ort erwähnt. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus.

Kitzingen wurde aufgrund seiner Lage und seiner Befestigung von den Menschen der Umgebung schnell zum Zentralmarkt für den Wein aufgewertet. An den Markttagen zogen die Benediktinerinnen des Klosters den sogenannten Weinzehnt von den Händlern ein, sodass der Weinhandel schnell zum wirtschaftlichen Faktor in Kitzingen aufstieg. Der Weinbau um die Stadt war weit weniger wichtig und wurde zumeist für den Eigenbedarf betrieben.[29] 1482 wurde in der Stadt sogar das, allerdings nur für kurze Zeit gültige, fränkische Reinheitsgebot für Wein verfasst.[30]

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. Der Weinhandel blieb erhalten und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stiegen zumeist jüdische Familien in Kitzingen durch den Handel auf. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[31]

Kitzingen belegt heute mit seinen 70,9 ha Rebfläche im Jahr 2017 in der Rangfolge der fränkischen Weinorte Platz 27.[32] Auch in den Ortsteilen Hoheim, Repperndorf und Sickershausen wird Weinbau betrieben. Seit über 60 Jahren richten die in der Stadt ansässigen Weingüter Ende Juni das sogenannte Promenaden-Weinfest entlang des Maines aus.[33]

Weinlage[34] Größe 1993[35] Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Eherieder Berg 25 ha Süden, Westen 10–30 % Müller-Thurgau, Silvaner Kitzinger Hofrat, großlagenfrei
Eselsberg 4,5 ha Südwesten 45 % Silvaner, Kerner Kitzinger Hofrat
Wilhelmsberg 4,5 ha Südwesten 15–25 % Silvaner, Müller-Thurgau Kitzinger Hofrat

Industrie und GroßbetriebeBearbeiten

Von den Industrieunternehmen Kitzingens sind drei Firmen hervorzuheben: Die Firma GEA Brewery Systems (seit 2006 zur GEA Group gehörend) plant und baut komplette Brauhäuser für alle großen Brauereikonzerne weltweit. Die beiden Automobilzulieferer, die F.S. Fehrer Automotive und Franken Guss beschäftigen zusammen etwa 1700 Mitarbeiter. Bis Mitte der 1990er Jahre unterhielt der Nürnberger Draht- und Kabelhersteller Leoni eine Produktion mit über 1000 Mitarbeitern in Kitzingen, die komplett nach Osteuropa ausgelagert wurde; die Entwicklungsabteilung besteht noch.

Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage errichtete die Deutsche Post AG eines ihrer bundesweit 33 Paketzentren in Kitzingen. Zur Belieferung seiner zahlreichen Filialen unterhält der Lebensmittel Marken-Discounter Netto in Kitzingen ein großes Auslieferungslager. Die Seiler Flügel und Pianos werden in Kitzingen seit 1961 gefertigt. Die Produkte dieses einstmals schlesischen Traditionsunternehmens genießen bei vielen Musikern und Pianisten aus aller Welt einen ausgezeichneten Ruf. Im Jahr 2008 wurde das Unternehmen von dem global operierenden koreanischen Großkonzern Samick übernommen.

US-StreitkräfteBearbeiten

Mit dem Einmarsch und der Besetzung der Kitzinger Wehrmachts-Kasernen und des Fliegerhorsts durch die US Army ab April 1945 begannen für Kitzingen 61 Jahre als große amerikanische Garnisonsstadt. Die Anwesenheit von bis zu 10.000 US-Staatsbürgern während dieser erheblichen Zeitspanne hatte für die Stadt und das Umland eine außerordentlich weitreichende wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung.[36]

Der komplette Abzug der US Army aus Kitzingen im Jahr 2006 und die damit verbundenen Folgelasten stellte eine kaum zu bewältigende Herausforderung für die Stadt dar. Die Auflösung der militärisch genutzten Areale, den großflächigen Kasernen Harvey- und Larson-Barracks, dem Militär-Flugplatz und dem amerikanischen Siedlungsgebiet Marshall Heights mit zusammen etwa 3500 Soldaten und ebenso vielen Partnern und Kindern, entzog der Stadt sowohl zahlreiche Arbeitsplätze als auch enorme Kaufkraft in vielen Wirtschaftsbereichen wie Taxigewerbe, Gastronomie und Immobilien.

Das in den Kasernen und den Wohnsiedlungen freiwerdende Raumangebot wird aber auch als Chance für die Weiterentwicklung der Stadt gesehen. Bei der Konversion orientierte man sich am Vorbild der nahe gelegenen, ehemaligen Garnisonstadt Fürth. Ein erster Schritt zu einer erfolgreichen Umnutzung der drei Konversionsflächen war der Verkauf des 52 ha großen Areals der Larson-Kaserne an den Investor Innopark-Kitzingen GmbH im Oktober 2010, in dessen Händen zukünftig die Verwaltung und Bewirtschaftung der gesamten Anlage liegt. Dabei soll ein modernes Gründerzentrum für innovative produzierende Firmen aus Zukunftsbranchen entstehen und so zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

TourismusBearbeiten

Kitzingen bietet mit seinen Sehenswürdigkeiten, seinem umfangreichen kulturellen und gastronomischen Angebot sowie den zahlreichen über das Jahr verteilten Veranstaltungen ein beliebtes Ziel für Tagesgäste und Reisetouristen. Um den Tourismus in der gesamten Region weiter zu stärken, wurden Die gastlichen Fünf gegründet, zu welchen neben Kitzingen noch die benachbarten Städte Dettelbach, Gerolzhofen, Iphofen und Volkach gehören. In der Stadt gibt es ein Angebot von ca. 300 Gästebetten in Beherbergungsbetrieben mit neun oder mehr Gästebetten (Stand 2015). Im Jahr 2015 verzeichnete die Stadt 22.600 Gästeankünfte und 40.213 Übernachtungen.[37]

Eine wichtige Rolle für den Tourismus in Kitzingen spielt der Schiffsanleger am Mainkai, an dem regelmäßig Flusskreuzfahrtschiffe festmachen.

Die Touristen-Information der Stadt befindet sich derzeit in einem historischen Haus am Altstadt-seitigen Brückenkopf der Alten Mainbrücke.

BildungBearbeiten

 
Berufliche Oberschule Kitzingen am Schulzentrum Mühlberg, wo sich auch das Armin-Knab-Gymnasium befindet

Kitzingen verfügt als Schulstadt über zahlreiche Schulen aller Schultypen. Es sind dies im Einzelnen:

  • Grundschulen
    • St.-Hedwig-Volksschule Kitzingen, benannt nach der Heiligen Hedwig von Andechs
    • Volksschule Kitzingen-Siedlung
  • Hauptschulen
    • D.-Paul-Eber-Mittelschule-Volksschule Kitzingen, benannt nach dem Reformator Paul Eber
    • Volksschule Kitzingen-Siedlung
  • Förderschulen
    • Erich-Kästner-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum, benannt nach dem Schriftsteller Erich Kästner
    • St. Martin-Schule, benannt nach dem Heiligen Martin von Tours
  • Gymnasien
  • Realschulen
     
    Das Kitzinger Luitpoldbad, heute Volkshochschule und Stadtbücherei
    • Staatliche Realschule Kitzingen, vormals Richard Rother-Realschule. Der ehemalige Name der Schule wurde wegen Übernahme von nationalsozialistischen Ideologien in einigen Werken des Künstlers im Juli 2015 abgelegt.
  • Berufliche Schulen im Rahmen des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Kitzingen-Ochsenfurt
  • Volkshochschule im Luitpold-Bad

PersönlichkeitenBearbeiten

Personen, die mit Kitzingen verbunden sindBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Die Reihenfolge entspricht dem Datum der Ernennung:[38]

  • 1837: Karl Anton Axt, Bürgermeister von 1845 bis 1850
  • 1837: Karl Friedrich Ulrich, Bürgermeister von Januar 1839 bis Januar 1845, Stadtschreiber
  • 1837: Albert Welz, Bürgermeister von Juli 1818 bis Juni 1827
  • 1840: Friedrich Anton Reuss, promovierter Arzt und Mediziner, Außerordentlicher Professor für Altdeutsche Sprache in Würzburg
  • 1841: Joseph Feller, Landrichter in Kitzingen
  • 1841: Joachim Albert Lotz, königlicher Rentamtmann
  • 1862: Anton Ruland, Kaplan in Kitzingen, Bibliothekar an der Univ. Würzburg, ab 1837 Stadtpfarrer in Arnstein bis 1850, seit 1850 Oberbibliothekar an der kgl. Hochschule in Würzburg. Landtagsabgeordneter in München von 1858 bis zu seinem Tod 1874.
  • 1883: Michael Henke, Bezirksarzt in Kitzingen ab 1862
  • 1895: Fürst Otto von Bismarck, Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs
  • 1906: Ferdinand Sertorius, Bürgermeister von 1882 bis 1907
  • 1906: Friedrich von Deuster, Landrat und lange Jahre (bis 1908) Vorstand des Gemeindekollegiums
  • 1924: Wilhelm Schuster, 1881 bis 1927 Leiter des städtischen Krankenhauses, königl. Hofrat
  • 1927: Paul von Hindenburg, Reichspräsident der Weimarer Republik
  • 1961: Siegfried Wilke, Bürgermeister von 1930 bis 1945
  • 1991: Rudolf Schardt, Bürgermeister von 1967 bis 1991
  • 1994: Massimo Gregorini, bis 1993 amtierender Bürgermeister der Kitzinger Partnerstadt Montevarchi
  • 2002: Hans-Joachim Schumacher, ab 1952 bis 1985 Präsident der von ihm mitgegründeten Kitzinger Karnevalsgesellschaft, Vorstandsmitglied im Bund Deutscher Karneval, lange Zeit Leiter des Deutschen Fastnachtmuseums

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Klaus Arnold: 1250 Jahre Kitzingen. Aus dem Schatten des Klosters zur Stadt am Main (= Schriften des Stadtarchivs Kitzingen Band 5). Kitzingen 1996, ISBN 3-921327-26-1.
  • Klaus Arnold: Das Kitzinger Reinheitsgebot für den Wein aus dem Jahr 1482. In: Im Bannkreis des Schwanbergs. Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2009. Kitzingen 2009. S. 99–112.
  • Klaus Arnold: Große Kreisstadt Kitzingen. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 517–527.
  • Klaus Arnold, Hans Bauer, Herbert Baumann, Dieter Böhn, Gerhard Rechter, Dirk Rosenstock, Erwin Rumpel, Christoph Schmerl, Erich Schneider, Helga Walter: 1250 Jahre Kitzingen am Main – „apud Kizinga monasterium“ (Schriften des Stadtarchivs Kitzingen Band 4). Kitzingen 1995, ISBN 3-921327-25-3
  • Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 53–70.
  • Dieter Böhn: Kitzingen am Main. Stadtgeographie und zentralörtliche Beziehungen (= Würzburger Geographische Arbeiten Heft 28). Würzburg 1969.
  • Georg Buchwald: Geschichte der Evangelischen Gemeinde zu Kitzingen: Aus den Urkunden erzählt. Leipzig B. Richter 1898. Neuauflage Kitzingen Högner 2011.
  • Hans Peter Eisenbach: Fronteinsätze eines Stuka-Fliegers. Helios, Aachen 2009, ISBN 978-3-938208-96-0. In dem Buch wird detailliert die Ausbildung der Stuka-Piloten in Kitzingen geschildert. Mit Aufnahmen von Stukas über dem Flugplatz Kitzingen 1942.
  • Ernst Kemmeter (Archivar der Stadt Kitzingen): Ein Gang durch die Geschichte der Stadt Kitzingen. Verlag der Bücherstube Högner, Kitzingen 1968.
  • Wolf-Dieter Raftopoulo: Stadtführer Kitzingen. RMd Verlag, Gerbrunn 2017.
  • August Schmitt: Chronik der Stadt Kitzingen. Mit möglichster Berücksichtigung der Umgebung. Kitzingen 1873 (Digitalisat bei Google Books).
  • Hans Willmann: Kitzingen im Schicksalsjahr 1945. Joachim Henrich, Frankfurt/Main 1948.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Kitzingen, GKSt. In: bayerische-landesbibliothek-online.de. Abgerufen am 6. Juli 2015.
  3. Temperaturrekord in Deutschland gebrochen: 40,3 Grad in Kitzingen. (Nicht mehr online verfügbar.) 5. Juli 2015, archiviert vom Original am 6. Juli 2015; abgerufen am 5. Juli 2015.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.t-online.de
  4. Sommer in Deutschland: Kitzingen stellt neuen Hitzerekord auf. In: Spiegel Online. 6. Juli 2015, abgerufen am 6. Juli 2015.
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  6. Herbert Baumann: Katholische Pfarrkirche St. Johannes in Kitzingen. Hrsg.: Katholisches Pfarramt St. Johannes. 1. Auflage. KunstSchätzeVerlag, Gerchsheim, ISBN 3-934223-01-X, S. 27 f.
  7. Anja Legge: Heilige und Selige. Diözese Würzburg, abgerufen am 14. August 2019.
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  13. a b c d e Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 747 und 748.
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