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Dettelbach

Stadt im Landkreis Kitzingen in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dettelbach
Dettelbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dettelbach hervorgehoben

Koordinaten: 49° 48′ N, 10° 10′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Höhe: 188 m ü. NHN
Fläche: 60,94 km2
Einwohner: 7240 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 97335, 97337
Vorwahl: 09324
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 117
Stadtgliederung: 13 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Luitpold-Baumann-Str. 1
97337 Dettelbach
Website: www.dettelbach.de
Bürgermeisterin: Christine Konrad (Freie Wähler Dettelbach)
Lage der Stadt Dettelbach im Landkreis Kitzingen
Landkreis BambergLandkreis SchweinfurtLandkreis WürzburgLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimWiesenbronnSegnitzRüdenhausenRödelseeObernbreitMartinsheimMarktsteftMarkt EinersheimMarktbreitMainstockheimMainbernheimKleinlangheimKitzingenGeiselwindCastell (Unterfranken)BuchbrunnAlbertshofenAbtswindWillanzheimWiesentheidVolkachSulzfeld am MainSommerachSeinsheimSchwarzach am MainPrichsenstadtNordheim am MainIphofenGroßlangheimDettelbachBiebelriedLandkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild

Dettelbach ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen mit den Stadtteilen Bibergau, Brück, Dettelbach-Bahnhof, Effeldorf, Euerfeld, Mainsondheim, Neuses am Berg, Neusetz, Schernau und Schnepfenbach.

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Dettelbach liegt im Nordwesten Bayerns, ca. 20 Kilometer östlich des Oberzentrums Würzburg und etwa acht Kilometer nördlich von Kitzingen. Die Stadt liegt am Main.

StadtgliederungBearbeiten

Dettelbach gliedert sich in 13 Stadtteile[2]:

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Prosselsheim, Volkach, Nordheim am Main, Sommerach, Schwarzach am Main, Albertshofen, Kitzingen, Mainstockheim, Biebelried, Rottendorf und Kürnach.

Naturräumliche LageBearbeiten

Die Stadt Dettelbach liegt in einem Grenzgebiet mehrerer Naturräume. Die nordwestlichen Ortsteile um Schernau sind Teil der Gäufläche im nördlichen Maindreieck (134.10), während im Südwesten mit dem Bahnhof Dettelbach die Hochflächen im südlichen Maindreieck (134.11) als Teil der Gäuflächen im Maindreieck (134.1) zu finden sind. Im äußersten Norden ragt bei Neuses am Berg das Mittlere Maintal (133) mit dem Naturraum Volkacher Mainschleife (133.07) ins Gemeindegebiet herein. Um Mainsondheim trifft dagegen die Schwarzacher Talweitung (133.06) auf das Kitzinger Maintal (133.05).

GeologieBearbeiten

Dettelbach liegt im fränkischen Schichtstufenland auf Muschelkalkböden. Ein Bild von der Bodenbeschaffenheit um Dettelbach kann in einem ehemaligen Muschelkalkbruch in der Nähe der Stadt gewonnen werden.

SchutzgebieteBearbeiten

Um Dettelbach wurden mehrere Flächen von den Naturschutzbehörden unter besonderen Schutz gestellt. So ist der Main südlich der Stadt Teil des Fauna-Flora-Habitats Mainaue zwischen Grafenrheinfeld und Kitzingen. Daneben bestehen um die Ortsteile Neuses und Mainsondheim Gebiete des Vogelschutzgebietes Maintal zwischen Schweinfurt und Dettelbach. Im Norden von Neusetz sind Ausläufer des Vogelschutzgebietes Prosselsheimer Holz zu finden. Die Gäulandschaft um Euerfeld, Schernau, Effeldorf und Bibergau ist ebenfalls Rückzugsort vieler Vogelarten.

Als Naturschutzgebiet ist lediglich die Mainaue zwischen Sommerach und Köhler mit ihrer typischen Auelandschaft um Neuses am Berg geführt. Hier liegt auch der westliche Rand des Landschaftsschutzgebietes Volkacher Mainschleife. Neben dem Steinbruch-Geotop südsüdwestlich der Stadt Dettelbach existieren außerdem Naturdenkmäler. In Dettelbach hat sich noch die alte Hecke erhalten, die zwischen Wallfahrtskirche und Stadt vermittelte, in Effeldorf stehen dagegen drei alte Linden. Euerfeld besitzt zwei landschaftsprägende Baumgruppen, während in Mainsondheim eine einzelne Linde zu finden ist. Der Westhang des Maintals bei Neuses mit seinem Baumbestand ist ebenso Naturdenkmal.

KlimaBearbeiten

Die Stadt gehört zur Maingauklimazone, die als eine der trockensten und wärmsten Klimazonen Deutschlands gilt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,5 bis 8 °C und die Jahresniederschläge liegen bei ca. 600 Millimetern.

GeschichteBearbeiten

 
Restaurierter Pranger von 1674 für bös Leut.
 
Anleihe über 200 Mark der Stadt Dettelbach am Main vom 10. Juli 1889

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 741 erfolgte die erste schriftliche Erwähnung, der Name der Stadt geht auf einen Franken namens Tetila zurück. Das Stadtrecht erhielt der Ort 1484 durch den Würzburger Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg. 1503 kam es zur Fertigstellung der Pfarrkirche St. Augustinus mit den beiden ungleichen Türmen. Drei Jahre später wurde die Wallfahrtskirche Maria im Sand errichtet und 1512 der Bau des spätgotischen Rathauses vollendet. Im Mittelalter existierte in Dettelbach „außerhalb der Stadt“ ein Leprosorium, das als Siechhaus bezeichnet wurde.[3]

Nach der Stadterhebung begann man auch die Siedlung mit einer Mauer zu umgeben. Gleichzeitig siedelten sich im Norden vor dem Brücker Tor immer mehr Menschen an, sodass die Vorstadt Kühngasse hier entstand. Sie verschwand allerdings im Zuge der Durchzüge im Dreißigjährigen Krieg und wurde bereits 1638 nicht mehr erwähnt.

Das Amt Dettelbach des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, fiel 1803 (Reichsdeputationshauptschluss) an das Kurfürstentum Bayern und musste 1805 im Frieden von Pressburg dem Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen werden. 1814 wurde Dettelbach endgültig bayerisch und war bis um 1900 Landgerichtssitz.

Durch die Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 auch die heutige Gemeinde. Die Stadt war bis 1955 Sitz eines römisch-katholischen Dekanats im Bistum Würzburg.

20. und 21. JahrhundertBearbeiten

Vom 30. August 1900 bis zum 2. Oktober 1960 war die fünf Kilometer lange Bahnstrecke Dettelbach Bahnhof–Dettelbach Stadt in Betrieb.

Die Stadt geriet im Februar 2016 in die Schlagzeilen, als ein Verschlüsselungstrojaner mit der Schadsoftware Teslacrypt die Server der Stadtverwaltung zeitweise lahmlegte. Trotz gegenteiliger Warnungen der Polizei zahlte die Stadt die von den Hackern geforderte Summe.[4]

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Bibergau, Brück und Effeldorf eingegliedert.[5] Mainsondheim kam am 1. Juli 1974 hinzu. Schernau folgte am 1. Januar 1976. Neusetz und Schnepfenbach wurden am 1. Januar 1978 eingemeindet. Mit der Eingliederung von Euerfeld und Neuses am Berg wurde die Reihe der Eingemeindungen am 1. Mai 1978 abgeschlossen.[6]

Jüdische GemeindenBearbeiten

Auf dem heutigen Gemeindegebiet Dettelbachs existierten in der Vergangenheit mehrere israelitische Kultusgemeinden. Im 17. Jahrhundert sind Juden in Schernau und Bibergau nachgewiesen, sie wurden eines Ritualmordes verdächtigt und mussten vom Würzburger Fürstbischof verteidigt werden. Die Schernauer Gemeinde ging bald darauf ein. In Mainsondheim siedelten im Jahr 1752 die letzten Juden ins nahegelegene Mainstockheim über.

Ebenso im 17. Jahrhundert hatten sich Juden auch in Dettelbach selbst angesiedelt. Zusammen mit der Gemeinde in Bibergau bewohnten zeitweise über 250 Personen jüdischen Glaubens das heutige Gemeindegebiet. Während sich die Kultusgemeinde in Bibergau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auflöste, bestand in Dettelbach bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ein reges Gemeindeleben. Im September 1942 wurden die letzten Dettelbacher Juden nach Theresienstadt deportiert.

PolitikBearbeiten

StadtratBearbeiten

Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 57,8 % ergab sich folgende Verteilung der 20 Stadtratssitze:[7]

CSU SPD Freie Wähler UCW1 Mainsondheimer
Liste
gesamt
Sitze 6 3 8 1 2 20 Sitze
Stimmenanteil 30,5 % 17,4 % 37,8 % 4,2 % 10,0 % 100 %2

1 Unabhängige Christliche Wählergruppe e.V.     2 gerundet

BürgermeisterBearbeiten

Seit dem 12. Oktober ist 2012 Christine Konrad (Freie Wähler) Bürgermeisterin von Dettelbach. Sie wurde bei einer Wahlbeteiligung von 68,4 % mit 52,7 % der gültigen Stimmen gewählt. Sie ist qua Amt ebenfalls Mitglied des Gemeinderats. Aus den Reihen des Gemeinderats wurden für die Wahlperiode 2014–2020 Herbert Holzapfel (Freie Wähler) zum Zweiten Bürgermeister und Helmut Kapp (Mainsondheimer Liste) zum Dritten Bürgermeister gewählt.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber eine rote Burg mit zwei Zinnentürmen, in deren offenem Tor ein wachsender, rot gekleideter Bischof mit silbernem Untergewand, in der Linken den goldenen Krummstab haltend, die Rechte zum Segen erhoben; darunter ein von Blau und Rot geteiltes Schildchen; oben eine schräg gestellte, eingekerbte, von Silber und Rot gevierte Fahne an goldener Stange, unten ein silberner Wellenbalken.“[8]
Wappenbegründung: Der Würzburger Bischof Rudolf von Scherenberg (1466–1495) bat Kaiser Friedrich III., Dettelbach zur Stadt zu erheben. Die Stadtrechte wurden darauf 1484 verliehen. Aus dem Jahr 1498 ist ein Siegelabdruck bekannt, dessen Darstellung bereits das Wappen zeigt und das sich im 15. und 16. Jahrhundert in vorhandenen Bauplastiken und Wappenbüchern kaum verändert hat. Die Burg mit den Zinnentürmen ist ein Hinweis auf den Begriff Stadt. Die von Rot und Silber gevierte Fahne im kleinen Wappenschild ist das Würzburger Fähnlein des Hochstifts Würzburg. Der Bischof im Wappen weist ebenfalls auf das Hochstift Würzburg hin, das die Stadtherrschaft bis zum Ende des alten Reichs 1803 ausübte. Der Wellenbalken steht als redendes Symbol für den Ortsnamenteil -bach. In den Jahren um 1920 wurde öfter nur der kleine Wappenschild als Stadtwappen verwendet. Auch Hupp hat dieses kleine Wappen in seinem Wappenbuch als Stadtwappen dargestellt. Das Wappen wird seit 1498 geführt.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Dettelbach unterhält folgende Partnerschaften:

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Spätmittelalterliches Rathaus von Dettelbach
 
Die Wallfahrtskirche Maria im Sand in Dettelbach

Die mittelalterliche Stadtbefestigung mit Gräben, 52 Türmen und fünf Stadttoren ist in ihrem Verlauf trotz Abrissen fast vollständig erhalten, am eindrucksvollsten im nördlichen und östlichen Bereich. Schon im 19. Jahrhundert wurden drei der fünf Stadttore dem Straßenverkehr geopfert. Sehr gut erhalten sind das Brücker Tor im Norden und das Faltertor an der Nordostecke der Stadtmauer.

Ebenso mittelalterlich sind die engen Gassen und Fachwerkhäuser. Besonders sehenswert sind das spätgotische Rathaus und das Ensemble rund um den kleinen Marktplatz unterhalb der Stadtkirche. Nach einer Sage soll der Baumeister das Rathaus so geplant haben, dass drei Menschen, ohne sich zu sehen, das Rathaus gleichzeitig betreten können (Freitreppe, Durchfahrt, von der Westseite). Unterhalb der Stadtkirche kann noch ein Pranger mit Sockel und Eisenbügel und der Inschrift „für bös Leut“ besichtigt werden.

Seit 1616 bis 31. Januar 2017[9] bestand an der Wallfahrtskirche Maria im Sand ein Franziskanerkloster zur Betreuung der Wallfahrt.

Eine besondere örtliche Gebäck-Spezialität sind die Muskatzinen, die mit schleifenförmigen Holzmodeln aus dem Teig ausgestochen, dann gebacken werden und die in den beiden Konditoreien/Cafés der Stadt erhältlich sind. Bis weit in die 70er-Jahre war auch ein Gebäckstück in Form einer Judensau in einer örtlichen Bäckerei erhältlich, welches ebenfalls mit einer Modelform ausgestochen wurde.[10]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmälerBearbeiten

MuseenBearbeiten

  • Museum der Heimatgruppe Haslau und Umgebung im Kirchnerhaus
  • Handwerkermuseum im Faltertor
  • Museum Dettelbach – Pilger & Wallfahrer im KUK Dettelbach

MühlenBearbeiten

 
Die Überreste der Küffleinsmühle

Dettelbach und seine Ortsteile besaßen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine besonders große Anzahl an Mühlen. Die beiden kleineren Bäche Dettel- bzw. Brücker Bach und Bibergauer Mühlbach eigneten sich besonders gut zur Anlage einer Mühle. Die älteste Mühlen wurden bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet, allerdings dauerte es noch einige Jahre, bis sie erstmals urkundlich Erwähnung fanden. Ab dem 17. Jahrhundert setzte ein Bevölkerungswachstum ein, mehr Mühlen entstanden, um die Bevölkerung mit Mehl zu versorgen.

Den großen wirtschaftlichen Einfluss der Mühlen machen auch zwei Getreideordnungen deutlich, die von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn in den Jahren 1591 und 1612 erlassen wurden. Die Mühlen brachten dem Stadtherren zwar hohe Renditen in Form von Zinsen und erfüllten eine wichtige Versorgungsfunktion. Allerdings führte die große Anzahl an Mühlen auch immer wieder zu rechtlichen Auseinandersetzungen.[11]

Im 19. Jahrhundert gerieten die kleinen Mühlbetriebe in Dettelbach zunehmend durch größere in wirtschaftliche Bedrängnis. Man begann die Mühlen mit neueren Antriebsarten auszustatten, um die Rentabilität zu erhöhen. Zu dieser Zeit entstanden auch meist die heute noch vorhandenen Bruchsteinhäuser als Hauptgebäude. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann das große Mühlensterben um Dettelbach. Die kleinen Betriebe gingen nach und nach ein, heute bestehen keine Mühlen mehr um die Stadt.

In Dettelbach selbst waren zeitweise vier Mühlen zu finden, von denen die Bohnmühle noch bis in die 1980er Jahre betrieben wurde. Am nördlich der Stadt gelegenen Dettel- bzw. Brücker Bach standen drei Mühlen, insgesamt fünf Betriebe waren entlang des Bibergauer Mühlbaches aufgereiht. Daneben hatten mehrere Ortsteile auch Mühlen, die häufig schlicht Dorfmühle genannt wurden. Die Mühle in Schnepfenbach war während Mittelalter und Früher Neuzeit wichtigster Mehllieferant für das Amt Prosselsheim.

Name Gewässer Gemarkung Zustand Eckdaten
Bohnmühle Dettelbach Dettelbach abgegangen Ersterwähnung 1567, Namen: „in der Bohn“, „Obere oder Stadtmühle“, „Rabensteinmühle“, Aufgabe in den 1980er Jahren
Doktorsmühle Bibergauer Mühlbach Dettelbach stark verändert Ersterwähnung 1465, Namen: „Mühle an dem Gumbertsacker“, „Kuffenmühle“, „Doktors- oder Pfeffermühle“, Aufgabe unklar
Dorfmühle (Brück) Dettelbach Brück stark verändert Ersterwähnung vor 1574, Abriss in den 1960er Jahren
Dorfmühle (Euerfeld) Schernauer Bach Euerfeld stark verändert Ersterwähnung 1140, Namen: „Euerfelder Mühle“, Aufgabe unklar
Dorfmühle (Schnepfenbach) Dettelbach Schnepfenbach stark verändert Ersterwähnung 1468, Aufgabe unklar
Dutzendmühle Dettelbach Dettelbach stark verändert Errichtung 1850, Aufgabe 1898
Hellersmühle Bibergauer Mühlbach Dettelbach erhalten Ersterwähnung 1548, Namen: „Wetterichs- oder alte Mühle“, „Hellersmühle“, Aufgabe 1908
Hirschmühle Dettelbach Dettelbach stark verändert Errichtung 1732, Namen: „Dürrsmühle“, „Mühle am Rinnenbach“, Aufgabe 1936
Hohe Mühle Schernauer Bach Schernau stark verändert unklar, Namen: „Schernauer Mühle“, „Dorfmühle“, Aufgabe unklar
Kieselsmühle Dettelbach Dettelbach stark verändert Ersterwähnung 1567, Namen: „Weihersmühle“, Aufgabe unklar
Küffleinsmühle Dettelbach Dettelbach stark verändert Ersterwähnung 1567, Namen: „Küffleinsmühle“, Aufgabe 1927
Kühngassenmühle Bibergauer Mühlbach Dettelbach erhalten Ersterwähnung 1591, Namen: „Kühngassenmühle“, „Dienenmühle“, Aufgabe in den 1970er Jahren
Lamprechtsmühle Dettelbach Dettelbach erhalten Ersterwähnung 1465, Namen: „Hederleinsmühle“, „Schederleinsmühle“, „Mittelmühle“, Aufgabe 1932
Schrankenmühle Bibergauer Mühlbach Dettelbach stark verändert Ersterwähnung 1591, Namen: „2. Mühle gen Bibergau“, Aufgabe unklar
Steigmühle Dettelbach Bibergauer Mühlbach erhalten Ersterwähnung 1591, Namen: „Heidnersmühle“, Aufgabe 1906
Untermühle Dettelbach Dettelbach stark verändert Ersterwähnung 1567, Namen: „Unterstadtmühle“, „Untermühle am Maintor“, Aufgabe 1941

SpaziergängeBearbeiten

Der 2005 eröffnete Skulpturenweg Pilgervolk führt von der Altstadt zur Wallfahrtskirche.

Entlang der Stadtmauer verläuft ein Weg rund um die Altstadt vom Süden (Ortseinfahrt von der Staatsstraße 2450) zum Faltertor im Nordosten bis zur Stadtkirche im Zentrum.

Ein 2009 eröffneter Sagen- und Mythenweg führt südwestlich der Staatsstraße 2450 von der Egerländer Straße durch die Weinberge bis zur Straße Am Spielberg. Im Verlauf von zwei Kilometern werden auf zwölf Schautafeln Rebsorten, Lagen der Dettelbacher Weingüter, Windschutzhecken, Prall- und Gleithang des Mains, ökologischer Weinbau und wissenswertes (Sagen und Mythen) aus Dettelbach vorgestellt. Der Grenzstein „Sieben-Köpfe-Marter“ nach der Hälfte des Weges stellt auf seiner Schmalseite die Sage von der Köpfung von sieben Aufständischen dar.

Dettelbacher MuskatzineBearbeiten

 
Eine einzelne Dettelbacher Muskazine

In der Hochblüte der Dettelbacher Wallfahrt, am Anfang des Historismus, überlegte der Dettelbacher Zuckerbäcker Urban Degen, was er den Wallfahrern anbieten könne. Er komponierte ein Gebäck aus Muskat und mehreren Gewürzen und gab diesen den Namen Muskazine. Da Urban Degen sehr eitel war und als bestangezogener Zuckerbäcker der Gegend galt, gab er den neuen Gebäck die Form einer gebundener Krawattenschleife. Er schnitzte sich eine Holzform mit denen er den Teig die Form der Muskatzine brachte. Urban Degen erfand die Muskatzinen 1850. Gerald Degen: und übertrug das Rezept vor seinem Tod an seine Dettelbacher Berufskollegen mit der Auflage die Originalrezeptur nur an ihre direkten Nachfolger weiter zu geben.[12] Die Dettelbacher Muskazine ist eine Gebäckspezialität aus Dettelbach, die in der Form einer Krawattenschleife (Fliege) gestaltet ist. Ihr Name stammt von der Haupt-Zutat Muskat.[13] Weitere Zutaten sind Honig, Mandeln, Marzipan, Zucker, Nüsse, Mehl sowie weitere Gewürze (Nelken, Zimt, Kardamom) und Backpulver. Muskazinen werden ganzjährig hergestellt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Neben dem Hauptort betreiben auch die Ortsteile Weinbau, bekannteste Lage ist dabei der Neuseser Glatzen. Weitere wichtige Agrarerzeugnisse sind Obst, Zuckerrüben und vermehrt Raps und Sonnenblumen zur Ölgewinnung.

Zu Dettelbach gehört der an der Grenze zum Landkreis Würzburg liegende Mainfrankenpark, der unter anderem ein Multiplex-Kino, ein 3-D-Kino (im ehemaligen IMAX-Gebäude), ein Bowling-Center und diverse Restaurants zu bieten hat. Neben den Freizeitstätten bietet der Mainfrankenpark Gewerbeflächen für unterschiedliche Unternehmen. Ein weiteres, älteres Industriegebiet (Industriegebiet Ost) liegt direkt vor den Toren der Stadt (am Main). Hier werden hauptsächlich Baustoffe erzeugt.

Von Bedeutung ist auch der Fremdenverkehr, der mit Beginn der Wallfahrten zu Maria im Sand, eine 500-jährige, ungebrochene Tradition hat. Heute gewinnen allerdings Fahrradtouristen und Weinliebhaber an Bedeutung.

WeinbauBearbeiten

Dettelbach ist heute bedeutender Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Insgesamt zwei Weinlagen existieren um das Dorf, der Wein wird seit den 1970er Jahren unter den Namen Dettelbacher Berg-Rondell und Dettelbacher Sonnenleite vermarktet. Daneben besteht mit dem Dettelbacher Honigberg eine eigene Großlage. Dettelbach ist Teil des Bereichs Volkacher Mainschleife, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden um Dettelbach eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

 
Weinberge in der Nähe von Dettelbach

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Dettelbach Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus.

Der Weinbau in Dettelbach wurde erstmals am Ende des 15. Jahrhunderts fassbar, als das Würzburger Salbuch insgesamt „70 Acker Weingarten“ in Dettelbach verzeichnet. Bis zum Ende des Mittelalters bestanden um den Ort wohl fast 500 ha Weinreben. Mit dem Dreißigjährigen Krieg sank die Zahl dann drastisch, sodass 1638 nur noch rund 180 ha mit Reben bestockt waren. Dettelbach exportierte den Wein auch, allerdings wurde überwiegend für den Eigenbedarf auf kleinen Flächen angebaut.[14]

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. So waren 1914 nur noch 56 ha um Dettelbach mit Reben besetzt. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[15]

Mit über 200 ha (2017, Hauptort und Ortsteile) bzw. 93 ha (1980, Hauptort) ist Dettelbach heute die siebtgrößte, weinbautreibende Gemeinde des Anbaugebietes Franken. Sinnfälligstes Symbol für den Wiederaufstieg des Weinbaus ist das sogenannte Altstadt-Weinfest, das jährlich Ende Juni vor dem Rathaus gefeiert wird und zu den größeren Festen in Anbaugebiet zählt.[16] Daneben prägen die Heckenwirtschaften der ansässigen Weingüter in den Frühlings- und Sommermonaten den Ort.

Weinlage[17] Größe 1993[18] Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Berg-Rondell 80 ha Südosten 25–50 % Silvaner, Müller-Thurgau Dettelbacher Honigberg
Sonnenleite 75 ha Süden 20–25 % Müller-Thurgau Dettelbacher Honigberg

TourismusBearbeiten

Dettelbach gilt als beliebtes Ferienziel im Landkreis Kitzingen. Um den Tourismus in der Region weiter zu stärken, wurden Die gastlichen Fünf gegründet, zu welchen neben Dettelbach noch die Gemeinden Gerolzhofen, Volkach, Kitzingen und Iphofen gehören. In der Stadt gibt es ein Angebot von 350 Gästebetten in Hotels, Privatzimmern und Ferienwohnungen.

VerkehrBearbeiten

Dettelbach wird von der Staatsstraße 2450 durchquert. Der Bahnhof Dettelbach liegt etwas außerhalb des Kernortes nahe der Staatsstraße 2450 an der Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg.

Abgebaut wurde die ehemalige Bahnstrecke Dettelbach Bahnhof–Dettelbach Stadt über Bibergau. Zwischen Bibergau und Dettelbach Stadt verläuft in der Talsenke ein direkter asphaltierter, landwirtschaftlicher Weg, der an Sonntagen für den Fahrzeugverkehr gesperrt ist und dann als Wanderweg genutzt werden kann.

Die Stadt liegt am Main. An der Gemarkungsgrenze verlaufen die Autobahnen A 3 (Ausfahrten Dettelbach Ost und West) und A 7. Diese treffen sich am Biebelrieder Kreuz. Ebenfalls in der Nähe verlaufen die Bundesstraße 8 und die Bundesstraße 22.

Über die Mainfähre Mainsondheim ist Dettelbach mit dem Ortsteil Mainsondheim verbunden.

Durch Dettelbach verläuft der Fränkische Marienweg.

SchulenBearbeiten

In Dettelbach befinden sich eine Grund- und Hauptschule, die Rudolf-von-Scherenberg Volksschule sowie eine überörtliche Realschule, die staatliche Realschule Dettelbach. Die nächsten Gymnasien sind das Egbert-Gymnasium in Schwarzach (sechs Kilometer) und das Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen (zehn Kilometer).

SportBearbeiten

Dettelbach verfügt über mehrere Tennisplätze, einen Fußballplatz, einen Sandplatz für Beachvolleyball, eine Mehrzweckhalle mit Kegelbahn und ein Schwimmbad. Auf der gegenüberliegenden Mainseite in der eingemeindeten Ortschaft Mainsondheim befindet sich ein 18-Loch-Golfplatz. Die flachen Fahrradwege am Ufer des Mains werden auch häufig von Inline-Skatern genutzt, auf dem Main kann man mit geliehenen Kanus fahren (Kanuverleih). Überregionale Bekanntheit erlangt Dettelbach durch das alljährlich stattfindende U16-Junioren Hallenturnier mit zahlreichen Jugendteams von Vereinen der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Das Turnier gilt nach dem Freewy-Cup in Lübbecke als das bestbesetzte Turnier Deutschlands in dieser Altersstufe.

Bilder aus DettelbachBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • 1895: Friedrich Roth (1847–1927), Pfarrer von 1885 bis 1895 in Dettelbach
  • 1896: Luitpold Baumann (1844–1919), Abgeordneter und Bürgermeister, der für den Bahnanschluss der Gemeinde sorgte
  • 1925: Konrad Lippert (1847–1927), Pfarrer von 1896 bis 1925 in Dettelbach
  • 1958: Burkard Weissenberger (1885–1962), Pfarrer von 1937 bis 1958 in Dettelbach

Mit Dettelbach verbundenBearbeiten

  • Wilhelm von Grumbach (1503–1567), Reichsritter und Amtmann von Dettelbach und Stadtschwarzach 1528–1531 und 1541–1544
  • Augustin Bossi (1740–1799), italienischer Stuckateur, wohnte in Dettelbach

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Hans Bauer: Die Geschichte des Weinbaus in Dettelbach. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 116–122.
  • Hans Bauer: Sagen und Geschichten aus Dettelbach. Verlag Dr. Josef H. Röll, Dettelbach, 1999, ISBN 3-89754-143-2.
  • Peter Schneider: Zwischen Main und Steigerwald (= Mainfränkische Heimatkunde 1). Würzburg 1955.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dettelbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bayerische Landesbibliothek Online, abgerufen am 28. Februar 2012
  3. siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde zu Leprosorien im heutigen Bayern, abgerufen 26. Februar 2017 (Memento des Originals vom 6. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.muenster.org Genauere Daten zu Ort und Zeit fehlen.
  4. Spiegel-Online: Tesla-Crypt: Erpressung mit Trojaner - Stadtverwaltung zahlte Lösegeld, abgerufen am 3. März 2016.
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 497.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 747 und 748.
  7. Bayerisches Landesamt für Statistik
  8. Haus der Bayerischen Geschichte: Wappen Dettelbach, abgerufen am 4. Juli 2019.
  9. Franziskaner: Das Aus nach 400 Jahren
  10. Zitiert nach Christoph Daxelmüller: Antisemitismus in Franken - fränkischer Antisemitismus? (Vortrag vom 12. November 2009)
  11. Bauer, Hans: Dettelbach. S. 148.
  12. Cafe Kehl: Die Dettelbacher Spezialität „Muskatzine“
  13. Peter Achtmann: Achtmann. Dettelbach - Am Faltertor. Muskazinenbäckerei seit 1880. Faltblatt von ca. 2015.
  14. Bauer, Hans: Die Geschichte des Weinbaus in Dettelbach. S. 117.
  15. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 50–52.
  16. Altstadt-Weinfest-Dettelbach: Programm und Infos, abgerufen am 24. Mai 2019.
  17. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen (Memento des Originals vom 28. Juli 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.regierung.unterfranken.bayern.de, PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
  18. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 237.
  19. Schneider, Peter: Zwischen Main und Steigerwald. S. 190.