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Sulzfeld am Main

Gemeinde im Landkreis Kitzingen in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sulzfeld a.Main
Sulzfeld am Main
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sulzfeld a.Main hervorgehoben
Koordinaten: 49° 42′ N, 10° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungs­gemeinschaft: Kitzingen
Höhe: 202 m ü. NHN
Fläche: 7,68 km2
Einwohner: 1284 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97320
Vorwahl: 09321
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 170
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der Verbandsverwaltung: Friedrich-Ebert-Straße 5
97318 Kitzingen
Website: www.sulzfeld-main.de
Bürgermeister: Gerhard Schenkel (Sulzfelder Kommunale Liste)
Lage der Gemeinde Sulzfeld a.Main im Landkreis Kitzingen
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Über dieses Bild
Sulzfeld am Main
Das nächtliche Rathaus von Sulzfeld

Sulzfeld am Main (amtlich: Sulzfeld a.Main) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Der Ort liegt im südlichen Maindreieck zwischen Kitzingen und Ochsenfurt. Sulzfeld a. Main ist über die A7, A3 sowie über die Bahnverbindung Kitzingen günstig erreichbar. Wander- und Fahrradwege in die Nachbargemeinden sind sehr gut ausgebaut. Durch Sulzfeld verläuft der Fränkische Marienweg.

GemeindegliederungBearbeiten

Sulzfeld am Main hat nur einen Ortsteil.[2]

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Kitzingen, Marktsteft, Segnitz, Frickenhausen am Main und Ochsenfurt.

Naturräumliche LageBearbeiten

Sulzfeld und seine Gemarkung liegen in zwei Naturräumen, die beide Teil der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten sind. Der Ort selbst ist im niederschlagsarmen Kitzinger Maintal zu lokalisieren, die Gemarkung ragt in die höhergelegenen Hochflächen im südlichen Maindreieck.

GeschichteBearbeiten

Bis 2014 glaubte man, dass die erste urkundliche Erwähnung Sulzfelds aus dem Jahr 915 stammte. Das stellte sich jedoch als falsch heraus, weswegen eine für 2015 bereits geplante große 1100-Jahr-Feier vom Gemeinderat abgesagt wurde.[3] Ältester Nachweis für die Existenz von Sulzfeld ist nun eine kirchliche Urkundenfälschung aus dem Jahre 1007.[4] Am 8. August 1266 fand vor dem Ort die Cyriakus-Schlacht, eine der großen Ritterschlachten des Mittelalters, statt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Sulzfeld zweimal von den Schweden geplündert, so dass der Ort 1648 nur noch 59 Bürger und 7 Witwen zählte. 1796 wurde der Ort von französischen Revolutionstruppen gebrandschatzt. Der Besitz des Hochstifts, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, kam nach der Säkularisation 1803 und den Wirren der Napoleonischen Kriege nach kurzer Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg 1814 endgültig zum Königreich Bayern.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Dem Gemeinderat gehören der Bürgermeister und 12 ordentliche Mitglieder an. Diese werden seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 jeweils zur Hälfte von der Sulzfelder Kommunalen Liste (SKL/CSU/UFCW/GRÜNE/unabhängige Persönlichkeiten) und der Wählergemeinschaft pro Sulzfeld gestellt. Im Frühjahr 2013 wurde eine parteilose Gruppierung, die Wählergemeinschaft pro Sulzfeld gegründet. Zur Kommunalwahl 2014 tritt diese mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten an. Allerdings konnte sich bei dieser Wahl Gerhard Schenkel von der Sulzfelder Kommunalen Liste mit 59,23 % der gültigen Stimmen durchsetzen.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot drei gekreuzte Pfeile, beseitet von zwei silbernen heraldischen Rosen mit goldenen Butzen.“[5]
Wappenbegründung: Erstmals dargestellt wurden die Figuren des heutigen Wappens auf einem Siegel des 17. Jahrhunderts. Die Farben Rot-Silber verweisen auf die Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Würzburg.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das Dorf hat bis heute eine fast vollständig erhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage mit 21 Türmen. Es hat auch sein spätmittelalterliches Ortsbild weitgehend bewahrt. Bekannt ist Sulzfeld außerdem als fränkischer Weinort; bekannte Lagen sind der Sulzfelder Cyriakusberg und das Sulzfelder Maustal. Sulzfeld gilt außerdem als Geburtsort der Meterbratwurst, einer Variante der fränkischen Bratwurst. In einem örtlichen Gasthaus liegt der Verzehrrekord bei über sechs Meter. Der Wirt versichert: „Wer diesen Rekord bricht, der hat sämtliche Verzehrkosten frei“.

Den Mittelpunkt des Altortes bildet noch heute die katholische Pfarrkirche St. Sebastian. Das heutige Gotteshaus entstand zu verschiedenen Zeiten, der Turm wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter der Herrschaft des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn aufgestockt. Auf dem Gelände des Friedhofs entstand außerdem die Kreuzkapelle im 18. Jahrhundert.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand in Sulzfeld am Main eine Fährverbindung über den Main. Erstmals erwähnt wurde die Fähre bereits im 14. Jahrhundert. Allerdings war das Fährschiff immer der Konkurrenz zur nahen Fähre in Marktsteft ausgesetzt. In der Frühen Neuzeit gab man deshalb zeitweise die Fähre auf. Erst 1955 erwarb die Gemeinde Sulzfeld am Main die Fährrechte von Marktsteft.

Der Ort wurde 2009 Bezirks- und Landessieger beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ und mit Goldmedaillen ausgezeichnet. Beim Bundesentscheid erreichte der Ort 2010 unter den 30 schönsten Ortschaften Deutschlands die Silbermedaille.

WeinbauBearbeiten

 
Die ehemalige fürstbischöfliche Kellerei diente zur Aufbewahrung des Weins

Sulzfeld ist heute bedeutender Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Insgesamt drei Weinlagen existiert um das Dorf, der Wein wird seit den 1970er Jahren unter den Namen Sulzfelder Cyriakusberg, Sulzfelder Maustal und Sulzfelder Sonnenberg vermarktet. Sulzfeld am Main ist Teil des Bereichs MainSüden, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden mit Keuperbeimischungen um Sulzfeld eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Sulzfeld Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus.

Bereits während des Mittelalters stieg Sulzfeld zu einer der wichtigsten Weinbaugemeinden des Hochstifts Würzburg auf, was seinen Niederschlag auch in der Errichtung der Ortsbefestigung und einer repräsentativen Kellerei zur Lagerung des Getränks fand. Der Überfall der Schweden im Dreißigjährigen Krieg 1631 begann während der Weinlese, sodass nahezu die gesamte Ernte vernichtet wurde. In der Folge verarmte das Dorf, weil es großenteils vom Weinexport lebte.[6]

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. In Sulzfeld wurden aus den Vollerwerbs-, „Feierabend“-Winzer. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[7]

Zusammen mit dem Kulturtourismus, der insbesondere den vollständig erhaltenen Altort zum Ziel hat, bildet der Weinbau heute in Sulzfeld einen wichtigen Wirtschaftszweig. So haben mehrere Weingüter im Ort ihren Sitz. Daneben wurde die Sulzfelder Weinlage Maustal vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) zur Großen Lage erklärt. Ein Rebsortenwanderweg zieht sich durch die Weinberge um Sulzfeld. Die jahrhundertealte Weinkultur prägt den Ort das ganze Jahr über. Mittelpunkt bildet das Straßenweinfest Anfang August; es wird seit über 50 Jahren gefeiert.[8]

Weinlage[9] Größe 1993[10] Größe 2019 Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Cyriakusberg 120 ha 117 ha Süden, Südosten 10–45 % Silvaner, Müller-Thurgau Kitzinger Hofrat
Maustal 60 ha 60 ha Südsüdosten 25–45 % Müller-Thurgau, Silvaner Kitzinger Hofrat
Sonnenberg unklar unklar unklar unklar Müller-Thurgau Kitzinger Hofrat, großlagenfrei

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Johannes Finck (* um 1440; † nach 1505), unter anderem Arzt in Würzburg, Stadtarzt von Amberg und bischöflicher Leibarzt in Eichstätt[11]
  • Johann Hartmann (* um 1550; † 1622), Amtskeller in Miltenberg
  • Kandidus Pfister († 1704), Abt von Kloster Ebrach
  • Konrad Schweser (1899–1975), Baumeister und Gerechter unter den Völkern

Mit Sulzfeld verbundenBearbeiten

  • Hans Hartmann (1863–1942), Politiker der DDP, starb in Sulzfeld

LiteraturBearbeiten

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 53–70.
  • Franz Zach: Sulzfeld am Main. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 541–544.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sulzfeld am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111114/175452&attr=OBJ&val=1674
  3. Ralf Weiskopf: Ohne Urkunde keine Feier. Mainpost, Würzburg, 17. Oktober 2014 http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Urkunden;art779,8383435
  4. Hans Michael Hensel: Gefälscht ist auch ein Dokument. Mönche verfälschten Stiftungsurkunden zugunsten der Kirche. 11. November 2014 http://www.hmhensel.com/1000-jahre-sulzfeld-aber-niemand-feiert/
  5. Bauer, Hans: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. S. 68.
  6. Zach, Franz: Sulzfeld am Main. S. 542.
  7. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 50–52.
  8. Sulzfeld am Main: Tourismus und Wein, abgerufen am 1. Juni 2019.
  9. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen, PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
  10. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 237.
  11. Wolfgang Wegner: Finck (Vinck), Johannes. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 401.