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Cem Özdemir

deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)
Cem Özdemir (2016)

Cem Özdemir [ˌʤɛm ˈœzdɛmir] (* 21. Dezember 1965 in Urach) ist ein deutscher Politiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Er war von November 2008 bis Januar 2018 Bundesvorsitzender seiner Partei und gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt grüner Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017. 2019 kandidierte Özdemir gemeinsam mit Kirsten Kappert-Gonther erfolglos für das Amt des Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion.

1994 gehörte er zusammen mit der Sozialdemokratin Leyla Onur zu den ersten Bundestagsabgeordneten mit türkischen Eltern.

Leben

Ausbildung und Beruf

Özdemirs Vater stammt aus der Kleinstadt Pazar[1] in der türkischen Provinz Tokat und ist Angehöriger der tscherkessischen Minderheit.[2] Er wanderte im Jahr 1961[3] als Gastarbeiter nach Deutschland aus und arbeitete in einer Textilfabrik im Schwarzwald; später bei einem Hersteller von Feuerlöschern. Die Mutter, die 1964 als junge Lehrerin nach Deutschland gekommen war, betrieb eine eigene Änderungsschneiderei.[4]

Özdemir wuchs als Einzelkind auf und machte nach der Mittleren Reife an der Realschule in Urach[5] bis 1987 eine Ausbildung zum Erzieher in Reutlingen.[6] Anschließend erwarb er die Fachhochschulreife an der Fachoberschule in Nürtingen und absolvierte ein Studium der Sozialpädagogik an der staatlich anerkannten Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen Reutlingen (heute Evangelische Hochschule Ludwigsburg). Sein Studium schloss er 1994 als Diplom-Sozialpädagoge (FH) ab.[6] Studienbegleitend war Özdemir ab 1987 als Erzieher in einem Jugendzentrum in Reutlingen und als freier Journalist für den Reutlinger General-Anzeiger und ein Lokalradio tätig.[7]

Parteilaufbahn

 
Cem Özdemir (2010)
 
Die Parteivorsitzenden Cem Özdemir und Claudia Roth (2012)

1981 wurde Özdemir Mitglied der Grünen. Er hat seine politische Heimat im Grünen-Kreisverband Ludwigsburg.[8][9] Im selben Jahr beantragte er die deutsche Staatsangehörigkeit, die er nach dem Erreichen der Volljährigkeit im Alter von 18 Jahren erhielt. Von 1989 bis 1994 war er im Grünen-Landesvorstand von Baden-Württemberg. Sein politisches Hauptthema fand er in der eigenen Biografie: Migranten in Deutschland. 1992 zählte er zu den Mitbegründern von Immi-Grün – Bündnis der neuen InländerInnen. Annette Treibel weist darauf hin, dass sich Cem Özdemir von den Multikulturalisten, die besonders stark auf nationalen und ethnischen Kategorien beharrten, distanziert habe, und zitiert in dem Zusammenhang aus Özdemirs Biografie Ich bin Inländer:

„Ich bin deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft. Das Schwäbische ist mir noch näher als das Deutsche, und mit der türkischen Herkunft ist es ebenfalls so einfach nicht. Auch ‚Einwanderer‘ […] trifft den Kern nicht. Ich bin zwar gut zu Fuß, aber ich bin nie eingewandert, sondern hier geboren.“

Cem Özdemir, 1997 [10]

Am 2. Juni 2008 kündigte Özdemir seine Kandidatur für den Bundesvorsitz seiner Partei als Nachfolger von Reinhard Bütikofer an.[11] Gegenkandidat Özdemirs für die im November angesetzte Wahl war Volker Ratzmann, Grünen-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus von Berlin,[12] der jedoch nach eigenen Angaben aus privaten Gründen seine Kandidatur am 4. September 2008 aufgab.

Vor der Wahl zum Bundesvorsitzenden bewarb sich Özdemir auf dem Landesparteitag der Grünen Baden-Württemberg um einen sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl 2009, scheiterte allerdings in zwei Kampfkandidaturen gegen parteiinterne Gegenkandidaten und verpasste den Einzug in den Bundestag (siehe Abschnitt unten).[13][14] Trotz der Niederlage bei der Vergabe der Listenplätze für die Bundestagswahl hielt Özdemir an seiner Kandidatur für den Parteivorsitz fest.[15] Am 15. November 2008 wurde Özdemir mit 79,2 Prozent der Delegiertenstimmen als einer von zwei Bundesvorsitzenden der Partei gewählt[16] (Mitvorsitzende Claudia Roth). 2010 wurde Özdemir mit 88,5 Prozent in diesem Amt bestätigt, 2012 mit 83,29 Prozent[17] und 2013 mit 71,4 Prozent.[18]

Anfang Januar 2018 teilte Özdemir mit, nicht erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren und auch nicht für den Vorsitz der Bundestagsfraktion.[19]

Abgeordnetentätigkeit

Bundestag (1994 bis 2002)

 
Cem Özdemir bei Pressekonferenz in Wiesbaden, Herbst 2018
 
Cem Özdemir, 2019 im Deutschen Bundestag

Bei der Bundestagswahl 1994 sowie erneut bei der Bundestagswahl 1998 wurde Özdemir über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag gewählt. Als Mitglied des Deutschen Bundestages war er ab 1998 innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dieses Amt legte er am 26. Juli 2002 nieder, nachdem die Annahme eines Privatkredites über 80.000 DM vom PR-Berater Moritz Hunzinger und die private Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Meilen bekannt geworden waren. Özdemir hat die Annahme des Kredits öffentlich bedauert und angekündigt, den Betrag umgehend zurückzuzahlen. Sollte der damalige Zinssatz von 5,5 Prozent unter den üblichen Marktkonditionen gelegen haben, werde er die Differenz an ein Zentrum für Folteropfer spenden.[20][21] Özdemir trat in der Folge als innenpolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion zurück.

Die Kandidatur für die Bundestagswahl 2002 konnte er wegen einer bereits erteilten Zustimmung nicht mehr zurückziehen, nach seiner Wiederwahl nahm er das Bundestagsmandat jedoch nicht an.

Europäisches Parlament (2004 bis 2009)

Bei der Europawahl 2004 wurde Özdemir in das Europäische Parlament gewählt. Als Mitglied des Europäischen Parlaments gehörte er der Fraktion Die Grünen/EFA an. Er war Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Zudem war er stellvertretender Vorsitzender des nichtständigen Ausschusses zur behaupteten Nutzung europäischer Staaten durch die CIA für die Beförderung und das rechtswidrige Festhalten von Gefangenen (CIA-Ausschuss)[9] sowie Mitglied der hochrangigen Kontaktgruppe Nordzypern, der interparlamentarischen Delegation EU-Türkei und der Anti-Racism and Diversity Intergroup.[9] Als Europaabgeordneter setzte er sich unter anderem für den Eintritt der Türkei in die EU ein.[22]

Als Europaabgeordneter übernahm Özdemir 2007 die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day Stuttgart.[9]

Zur Europawahl 2009 trat Özdemir nicht wieder an.

Erfolglose Kandidatur für den Bundestag (2009)

Für die Bundestagswahl 2009 bewarb sich Özdemir auf dem Landesparteitag der Grünen Baden-Württemberg um einen sicheren Listenplatz. Er unterlag dabei jedoch in zwei Kampfkandidaturen seinen parteiinternen Gegenkandidaten.[23] Ohne sicheren Listenplatz gelang ihm der Einzug in den 17. Deutschen Bundestag nicht: Bei seiner Bewerbung um ein Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I holte er 29,9 % der Erststimmen und verlor gegen den Gegenkandidaten Stefan Kaufmann (CDU), der 34,4 % erreichte.[24] Trotz der Niederlage bei der Vergabe der Listenplätze für die Bundestagswahl hielt Özdemir an seiner parallel erklärten Kandidatur für den Parteivorsitz fest (siehe obiger Abschnitt).[25]

Bundestag (seit 2013) und Spitzenkandidatur (2017)

 
Cem Özdemir auf dem Schlossplatz in Stuttgart beim Wahlkampfhöhepunkt zur Bundestagswahl 2017

Auf der Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen am 1. Dezember 2012 wurde Cem Özdemir auf den zweiten Platz der Landesliste Baden-Württemberg für die Bundestagswahl 2013 gewählt. Özdemir trat außerdem zum zweiten Mal im Bundestagswahlkreis Stuttgart I zur Wahl für das Direktmandat an; er zog über die Landesliste ins Parlament ein.

2017 wurde Özdemir von der grünen Parteibasis gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt zum Spitzenkandidatenduo für die Bundestagswahl 2017 gewählt. Wie bei der letzten Bundestagswahl trat er erneut im Wahlkreis Stuttgart I an.[26] Auf der Landesliste der Grünen Baden-Württemberg stand er auf dem 2. Platz.[27] Über die Landesliste zog er in den 19. Deutschen Bundestag ein.[28]

Nach Scheitern der Verhandlungen zur Bildung einer Jamaika-Koalition, in der Özdemir als potenzieller Außenminister gehandelt wurde, zog sich Özdemir Ende 2017 vorerst aus der ersten Reihe der Spitzenpolitik zurück. 2018 übernahm er den Vorsitz des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur.[29]

Erfolglose Kandidatur für den Fraktionsvorsitz (2019)

Im Herbst 2019 erklärte Özdemir, bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands zusammen mit der Bremer Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther für das Amt des Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion zu kandidieren und damit die bisherigen Vorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ablösen zu wollen. Er sei überzeugt, dass ein fairer Wettbewerb der Fraktion nach außen wie nach innen gut tue und notwendig sei, um die Grünen als Fraktion bis zur nächsten Bundestagswahl mit neuem Schwung als glaubwürdigen Gegenpol der Regierung zu positionieren, begründete Özdemir zusammen mit Kappert-Gonther die Kampfkandidatur. Eine Spitzenkandidatur für den nächsten Wahlkampf im Bund strebte das Duo nach eigenen Angaben jedoch nicht an.[30][31] Bei der Wahl am 24. September 2019 unterlag Özdemir dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden Hofreiter, der mit 58,21 Prozent der Stimmen von den Grünen-Abgeordneten in seinem Amt bestätigt wurde. Auch seine Mitstreiterin Kappert-Gonther konnte sich nicht gegen die Amtsinhaberin Göring-Eckardt durchsetzen, die mit 61,2 Prozent ebenfalls im Amt bestätigt wurde.[32]

Sonstiges Engagement

Im Jahre 2001 absolvierte Özdemir das sogenannte Young Leader-Programm des mit dem deutsch-amerikanischen Netzwerk Atlantik-Brücke affiliierten American Council on Germany.[33] Nach dem Rücktritt als innenpolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion und seinem Rückzug als Bundestagsabgeordneter zog sich Özdemir eine Zeitlang aus der deutschen Öffentlichkeit zurück. 2003 trat er einen Auslandsaufenthalt in den USA als Transatlantic Fellow des German Marshall Fund of the United States an.[34] In dieser Zeit hielt er neben anderen Vorträgen Brownbag-Lesungen an der University of Wisconsin zur Rolle der Türkei in Europa.[35]

Özdemir war kurzzeitig Mitglied der Atlantik-Brücke, trat aber wegen des Vorsitzenden Friedrich Merz aus und sprach in dem Kontext von „CDU-nahen Machenschaften“; er ist Mitglied des Beirats der Atlantischen Initiative.[36] 2007 war er an der Gründung der europäischen Denkfabrik European Council on Foreign Relations beteiligt.[37]

Er ist offizieller Unterstützer des Bündnisses Freiheit statt Angst für Datenschutz und gegen staatliche Überwachung.[38] Außerdem ist er Gründungskurator der Amadeu Antonio Stiftung.[39] Außerdem ist Özdemir ehrenamtliches Jurymitglied bei „Top 100“, einer Auszeichnung für die innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand.[40]

Privates

Özdemir bezeichnete sich im Jahr 2008 in einem in englischer Sprache geführten Interview als „säkularen Muslim“.[41] Der Politiker ist mit der aus Argentinien stammenden Journalistin Pia Maria Castro verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.[42] Özdemir ist seit seiner Jugend Vegetarier.[43]

Politische Positionen

Innere Sicherheit

Angesichts der mutmaßlichen Verwicklungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und der untergeordneten Landesbehörden in die rechtsterroristische Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) äußerte sich Özdemir im April 2013 kritisch zu den Strukturen der Verfassungsschutzbehörden:

„Am Ende brauchen wir eine neue Sicherheitsarchitektur, denn mit diesem Verfassungsschutz ist die Verfassung nicht zu schützen. Die dortigen Beamten sind bestenfalls überfordert, schlimmstenfalls haben sie selbst Ansichten, die es unmöglich machen, Rechtsradikalismus wirksam zu bekämpfen. Im Prinzip brauchen wir eine institutionelle Neugründung mit neuem Personal.“[44]

Bildungspolitik

Im Rahmen der Diskussionen über Verbesserungen in der Bildungspolitik schlug Özdemir 2010 vor, neben dem Erlernen der deutschen Sprache auch Türkischunterricht in deutschen Schulen einzuführen, und begründete dies damit, dass Kinder mit Migrationshintergrund „ihre Mehrsprachigkeit entfalten sollten“, betonte aber, dass die deutsche Sprache für Kinder, die in Deutschland leben und aufwachsen, „immer die wichtigste Sprache“ sein müsse.[45]

Finanz- und Steuerpolitik

Cem Özdemir sprach sich 2011 für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent aus. Er hielt dies für zumutbar.[46] Er ist auch ein Befürworter von Eurobonds.[47]

Wirtschafts- und Sozialpolitik

Özdemir sieht die Aufgabe der Sozialpolitik vor allem darin, Arbeitssuchende durch Förderung wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren (aktive Arbeitsmarktpolitik). Hierzu soll mehr Geld in Institutionen wie Kindertagesstätten, Schulen oder Jobcenter investiert werden; Auszahlungen in Form von Transferleistungen sollen jedoch begrenzt werden.[48][49]

Infrastrukturpolitik

Gegen das Verkehrsprojekt Stuttgart 21 sprach er sich mit folgenden Worten aus: „Es macht keinen Sinn für Bahn und Bund, nach dem Vogel-Strauß-Prinzip einfach weiterzuwurschteln“.[50] Den damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus attackierte er zuvor öffentlich mit: „Mappus wollte Blut sehen“.[51]

Außenpolitik

Russland

Im Juli 2011 trat Özdemir aus dem Vergabe-Komitee des Quadriga-Preises aus, um gegen die geplante und danach ausgesetzte[52] Verleihung des Preises an Wladimir Putin zu protestieren.[53]

Im September 2004 war Cem Özdemir unter den Unterzeichnern eines von der neokonservativen US-amerikanischen Denkfabrik Project for the New American Century (PNAC) veröffentlichten Offenen Briefes an die Staatsoberhäupter und Regierungschefs von NATO und EU gegen die Politik des russischen Präsidenten.[54]

Im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien und dem dortigen russischen Militäreinsatz forderte er eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland und warf Wladimir Putin Skrupellosigkeit vor.[55]

Türkei, Aleviten und Armenier

Özdemir setzte sich in der Vergangenheit für türkische Kriegsdienstverweigerer und die alevitische Minderheit in der Türkei ein. Dafür wurde er von der türkischen Tageszeitung Hürriyet scharf attackiert. Die Zeitung schrieb u. a.: „Özdemir ist nur noch dem Namen nach einer von uns“.[56]

Özdemir fordert eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern. Er vertritt die These, dass diese auch im türkischen Interesse sei, und regte an, das Thema in Lehrpläne und Schulbücher in Deutschland aufzunehmen. Eine fast 100 Jahre andauernde Geschichtsfälschung sei zu beenden. Die Frage sei auch für die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union von Bedeutung. Özdemirs Forderung wurde 2011 vom Zentralrat der Armenier in Deutschland durch Veröffentlichung seiner Thesen unterstützt.[57]

Im Jahr 2007 rief Özdemir gemeinsam mit anderen türkeistämmigen deutschen Politikern die Regierung der Republik Türkei in einer Petition auf, den Artikel 301, der die Beleidigung des türkischen Staates und der Institutionen und Organe des Staates unter Strafe stellt, ersatzlos aus dem türkischen Strafgesetzbuch zu streichen.[58][59]

Im Juni 2013 kritisierte er gemeinsam mit Claudia Roth, Memet Kılıç und anderen grünen Politikern in einem offenen Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan dessen Vorgehen gegen die Proteste in der Türkei auf dem Taksim-Platz. Er forderte Erdoğan auf, das gewaltsame Vorgehen der Polizei sofort beenden zu lassen und Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit in der Türkei zuzulassen.[60] Am Bosporus machte er sich dann selbst ein Bild von der Lage.[61] Mit Hans-Christian Ströbele demonstrierte er dann in Berlin-Kreuzberg gegen Erdoğans Politik.[62]

In einer Rede im Mai 2014 in Köln bezeichnete Erdoğan ihn als „angeblichen Türken“ und erklärte, dass er ihn nicht mehr in „seinem Land“ sehen wolle. Daraufhin wurde der türkische Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt bestellt.[63]

Verteidigungspolitik

Özdemir befürwortet den Aufbau einer gesamteuropäischen Armee und eines EU-Militärkomplexes.[64]

In einem Interview mit Spiegel Online im Oktober 2016 kritisierte er die Enthaltung Deutschlands bei dem Internationalen Militäreinsatz in Libyen 2011 und forderte den Westen zum Eingreifen in den Syrienkonflikt auf.[55]

Im Juni 2019 nahmen Cem Özdemir und Tobias Lindner an der Dienstlichen Veranstaltung zur Information für zivile Führungskräfte der Bundeswehr am Ausbildungszentrum Munster teil und trugen für eine Woche den Dienstgrad Oberleutnant.[65][66]

Drogenpolitik

Im August 2014 veröffentlichte Özdemir für die Ice Bucket Challenge ein Video auf YouTube, in dem neben ihm auf einem Balkon eine Hanfpflanze zu sehen ist. Özdemir widersprach der Vermutung, dass die Pflanze versehentlich ins Bild geraten sei, es handele sich vielmehr um ein „sanftes, politisches Statement“. Zugleich bekräftigte Özdemir die Forderung seiner Partei, Cannabis zu legalisieren.[67] Anfang Februar 2015 stellte die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen geringer Schuld ein.[68]

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Monografien

  • Ich bin Inländer. dtv, München 1997, ISBN 3-423-24109-8. (aufgezeichnet von Hans Engels; aktualisierte Neuausgabe 1999)
  • Currywurst und Döner. Integration in Deutschland. Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-7857-0946-3. (in Zusammenarbeit mit Bernd Knopf und Jürgen Gottschlich)
  • Deutsch oder nicht sein? Integration in der Bundesrepublik Deutschland. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2000, ISBN 3-404-60482-2.
  • Die Türkei – Politik, Religion, Kultur. Beltz, Weinheim 2008, ISBN 978-3-407-75343-4.

Herausgeberschaften

Beiträge in Sammelbänden

  • Die Armee gehört in die Kaserne. Über das Verhältnis von Militär und Politik in der Türkei. In: Lydia Haustein, Joachim Sartorius, Christoph Bertrams (Hrsg.): Modell Türkei? Ein Land im Spannungsfeld zwischen Religion, Militär und Demokratie. Wallstein Verlag, 2006, ISBN 978-3-8353-0067-5, S. 73 ff.
  • Griechenland und Türkei. Können Falken Tauben werden? In: Apostolos Katsikaris (Hrsg.): Türkei – Europa. Magnus-Verlag, Essen 2006, ISBN 3-88400-506-5, S. 58 ff.

Literatur

Weblinks

  Commons: Cem Özdemir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Thomas Bormann: Türkische Stadt entzieht Özdemir die Ehrenbürgerschaft. In: tagesschau.de, 10. Juni 2016.
  2. Ralph Bollmann, Rainer Hank: Cem Özdemir. „Die ersten Kopftücher sah ich in Schwaben“. In: FAZ.NET, 25. Juli 2011.
  3. Cem Özdemir: „Ich war ein Gastarbeiter-Kind“. In: Der Spiegel, 28. Juni 2010.
  4. Mark Spörrle: Zwischenstopp eines Überfliegers. In: Die Zeit, 11. Oktober 2007
  5. Hannelore Crolly, Andrea Seibel: „Europa macht Spaß“. Die Europa-Abgeordneten Cem Özdemir und Alexander Graf Lambsdorff über ihre Erfahrungen und Erfolgserlebnisse in Brüssel. In: Die Welt, 24. März 2007.
  6. a b Cem Özdemir, Internationales Biographisches Archiv 47/2008 vom 18. November 2008 (ff) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 04/2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  7. Alexandra Werdes: Risikonatur. In: Die Zeit, 18. Oktober 2001.
  8. Aus dem Album von … Cem Özdemir: Der „Spätzles-Türke“ blickt zurück
  9. a b c d Gayweb-Newsticker: Cem Özdemir: Schirmherr des CSD Stuttgart 2007 (Memento vom 9. August 2009 im Internet Archive)
  10. zitiert in: Annette Treibel: Migration in modernen Gesellschaften, Juventa, 2003, ISBN 978-3-7799-0399-4, S. 67
  11. vgl. Özdemir kündigt Kandidatur als Parteichef an. In: Spiegel-Online, abgerufen am 2. Juni 2008
  12. vgl. Volker Ratzmann kandidiert für Grünen-Vorsitz. In: welt.de, 15. Juni 2008, abgerufen am 15. Juni 2008
  13. Ferda Ataman: Özdemir gescheitert: Grüne demütigen designierten Vorsitzenden. In: Spiegel Online, 12. Oktober 2008
  14. Wahlergebnis Bundestagswahl 2009 Erststimmen. Landeshauptstadt Stuttgart, Statistisches Amt, abgerufen am 16. April 2018.
  15. Trotz Demütigung: Özdemir kandidiert für Grünen-Vorsitz. In: Spiegel Online, 13. Oktober 2008
  16. Özdemir und Roth neue Doppelspitze der Grünen. In: Die Welt, 15. November 2008
  17. Roth und Özdemir bleiben Parteivorsitzende. In: Der Tagesspiegel, 17. November 2012. Abgerufen am 18. November 2012
  18. Parteigremien neu gewählt. (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive) In: gruene.de, 19. Oktober 2013. Abgerufen am 20. Oktober 2013
  19. Rainer Hank: Grünen-Chef Özdemir kandidiert nicht für Fraktionsvorsitz. In: FAZ.net, 6. Januar 2018, abgerufen am 7. Januar 2018
  20. Der Skandal um die PR-Honorare. In: Manager-Magazin, 22. Juli 2002
  21. Marvin Oppong (Hrsg.): Migranten in der deutschen Politik, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011, ISBN 978-3-531-17057-2, S. 68
  22. EU-Beitritt der Türkei – Grünen-Chef Cem Özdemir: „CSU unsäglich“. In: abendblatt.de
  23. Ferda Ataman: Özdemir gescheitert: Grüne demütigen designierten Vorsitzenden. In: Spiegel Online, 12. Oktober 2008
  24. Wahlergebnis Bundestagswahl 2009 Erststimmen. Landeshauptstadt Stuttgart, Statistisches Amt, abgerufen am 16. April 2018.
  25. Trotz Demütigung: Özdemir kandidiert für Grünen-Vorsitz. In: Spiegel Online, 13. Oktober 2008
  26. Zwei starke Kandidat*innen für eine Regierungsbeteiligung in Berlin. (gruene-stuttgart.de [abgerufen am 8. März 2017]).
  27. Landesliste für den Bundestag. In: gruene-bw.de. Abgerufen am 3. Juni 2017.
  28. Deutscher Bundestag - Cem Özdemir. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  29. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw05-pa-konstituierung-verkehrsausschuss-540092
  30. Süddeutsche Zeitung: Grüne im Bundestag – Özdemir will Fraktionschef werden, abgerufen am 7. September 2019
  31. Spiegel Online: Machtkampf bei den Grünen – Cem Özdemir will Fraktionschef werden, abgerufen am 7. September 2019
  32. Tagesschau.de: Fraktionsvorsitz bei den Grünen – Özdemir scheitert, bisheriges Team bleibt, abgerufen am 24. September 2019
  33. American-German Young Leaders Conference: YL 2001 Cem Özdemir
  34. German Mashall Funds of the United States: Annual Report 2003 (Memento vom 17. November 2012 im Internet Archive) (PDF). Seite 16, rechte Spalte
  35. University of Wisconsin: Center for European Studies Spring 2003 Events (Memento vom 20. August 2008 im Internet Archive)
  36. Mitglieder & Beirat » atlantische-initiative.org (Memento vom 9. November 2014 im Internet Archive)
  37. Übersicht über die Mitglieder auf der ECFR-Website (Memento vom 16. November 2006 im Internet Archive)
  38. Demonstration Freiheit statt Angst Unterstützerliste
  39. Unterstützerinnen und Unterstützer Website der Amadeu Antonio Stiftung
  40. Website des Veranstalters compamedia. (Memento vom 2. Februar 2016 im Internet Archive) Abgerufen am 2. Februar 2016
  41. A Turk at the Top. In: Spiegel online, 15. Oktober 2008 (englisch).
  42. spiegel.de 5. Dezember 2009
  43. „Ich will kein Doppelleben mehr führen“. (Memento vom 29. August 2013 im Webarchiv archive.today) Vegetarierbund Deutschland, abgerufen am 29. August 2013.
  44. Schlagzeile Özdemir will Reform des Verfassungsschutzes. In: Reutlinger Generalanzeiger, 13. April 2013; Wiedergabe des ganzen Interviews „Manche wollen auch missverstehen“. (Memento vom 11. April 2014 im Internet Archive) Website von Cem Özdemir, abgerufen am 11. Juni 2013
  45. Die Grünen: Cem Özdemir für Türkisch-Unterricht an Schulen. In: t-online.de
  46. Özdemir: Spitzensteuersatz von 49 Prozent zumutbar. In: merkur-online, 25. November 2011.
  47. Grünen-Chef Cem Özdemir: „Jeder weiß, dass Euro-Bonds kommen werden“. In: WiWo, 22. August 2011.
  48. Cem Özdemir: Gastbeitrag zur Hartz-IV-Debatte: Die gute Nachricht: Der Mensch ist besser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. Februar 2010, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. Januar 2017]).
  49. Streit über Sozialpolitik: Grüne wehren sich gegen Pläne von Parteichef Özdemir. In: Spiegel Online. Abgerufen am 27. Januar 2017.
  50. dpa: Özdemir will Bahnprojekt stoppen. In: stuttgarter-zeitung.de, 28. Dezember 2012.
  51. Grünen-Chef Özdemir – „Mappus wollte Blut sehen“. In: Die Welt, 1. Oktober 2010.
  52. Kein Quadriga-Preis – auch nicht für Putin (Memento vom 17. Juli 2011 auf WebCite) In: Tagesschau.de, 16. Juli 2011, abgerufen am 6. August 2011
  53. Özdemir verlässt Quadriga-Kuratorium. – Grünen-Chef Özdemir hat den Verein Werkstatt Deutschland wegen der Quadriga-Verleihung an Regierungschef Putin verlassen. Die Ehrung stößt international auf Kritik. In: Die Zeit
  54. Project for the New American Century: An Open Letter to the Heads of State and Government Of the European Union and NATO. 28. September 2004, archiviert vom Original am 29. September 2004; abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  55. a b Grünen-Chef Özdemir: Assad und Putin bomben Syrien zurück in die Steinzeit. In: Spiegel Online. Abgerufen am 22. Oktober 2016.
  56. Katrin Elger, Isabell Hülsen: Kein Tag ohne Flammen. In: Der Spiegel, 7. April 2008.
  57. Zentralrat der Armenier in Deutschland: Anerkennung des Völkermords im türkischen Interesse
  58. Aufruf: Paragraph 301 im türkischen Strafgesetzbuch streichen! In: Spiegel Online, 7. Februar 2007
  59. Jörg Lau: Türkischstämmige Abgeordnete protestieren gegen Nationalismus. In: Zeit Online. 8. Februar 2007, archiviert vom Original am 27. Februar 2015; abgerufen am 27. Februar 2015 (Erschienen im Blog des Autors).
  60. https://www.facebook.com/Cem/posts/10151514632002881/
  61. Knut Krohn: „Das ist wirklich etwas Neues“. In: Stuttgarter Zeitung, 11. Juni 2013.
  62. Der Aufstand erreicht Berlin. In: taz, 3. Juni 2013.
  63. Türkei: Berlin bestellt Botschafter wegen Erdoğans Kritik an Özdemir ein. In: Zeit Online. 30. Mai 2014, abgerufen am 27. Februar 2015.
  64. Stefan Braun Berlin: Verteidigungspolitik: Grüne werben für europäische Armee. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 22. Oktober 2016]).
  65. Johann R. Fritsch: „Tolles Programm, sehr positive Eindrücke“ – Die Abgeordneten Lindner und Özdemir üben in Munster. In: www.deutschesheer.de. 19. Juni 2019, archiviert vom Original am 22. Juni 2019; abgerufen am 22. Juni 2019.
  66. Ulrich Schulte und Tobias Schulze: Grüne und Bundeswehr: „Herr Oberleutnant? Özdemir reicht“. Ex-Parteichef Cem Özdemir hat ein Praktikum bei der Bundeswehr absolviert. Ein Gespräch über Bürger in Uniform und Krieg als Mittel der Politik. In: www.taz.de. 20. Juni 2019, archiviert vom Original am 21. Juni 2019; abgerufen am 22. Juni 2019.
  67. Oliver Das Gupta: Kaltes Wasser, grüner Hanf. In: sueddeutsche.de, 27. August 2014, abgerufen am 7. Januar 2018
  68. Hanfbesitz bleibt für Özdemir straffrei. In: Zeit Online. Abgerufen am 22. November 2015.
  69. Die Universität Tunceli verlieh Cem Özdemir die Ehrendoktorwürde. (Memento vom 18. Februar 2013 im Internet Archive) Website von Cem Özdemir. Abgerufen am 5. November 2009.
  70. David Ohrndorf: Orden wider den tierischen Ernst: „Alaaf, de Öcher Cem“ (Memento vom 29. Januar 2013 im Internet Archive). Website des WDR, vom 27. Januar 2013.
  71. Botschafter des Bieres. Abgerufen am 23. August 2017.
  72. Cem Özdemir für „Rede des Jahres 2018“ ausgezeichnet
  73. Ehrenpreis der Stadt Solingen geht an Cem Özdemir. Abgerufen am 10. Mai 2019.
  74. Cem Özdemir mit Ignatz Bubis-Preis geehrt, Deutschlandradion Kultur, 18. August 2019