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Berlin-Reinickendorf

Ortsteil im gleichnamigen Bezirk von Berlin

Reinickendorf ist ein Ortsteil im gleichnamigen Bezirk Reinickendorf von Berlin, der aus dem Angerdorf Alt-Reinickendorf hervorgegangen ist.

Reinickendorf
Ortsteil von Berlin
BerlinHeiligenseeKonradshöheFrohnauTegelHermsdorfWaidmannslustLübarsMärkisches ViertelBorsigwaldeWittenauReinickendorfBrandenburgReinickendorf auf der Karte von Reinickendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 34′ 0″ N, 13° 20′ 0″ OKoordinaten: 52° 34′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O
Fläche 10,5 km²
Einwohner 80.687 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 7684 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 13403, 13407, 13409
Ortsteilnummer 1201
Verwaltungsbezirk Reinickendorf

Inhaltsverzeichnis

Lage und StadtentwicklungBearbeiten

 
Übersichtskarte Reinickendorf

Der Ortsteil weist bereits eine vorstädtisch niedrigere Bauweise auf als der südlich angrenzende Ortsteil Wedding mit seinen Mietskasernenvierteln im Innenstadtbezirk Mitte. Im Osten schließt sich der Bezirk Pankow mit den Ortsteilen Niederschönhausen und Wilhelmsruh an, die Grenze bildet die Nordbahn. Angrenzende Ortsteile innerhalb des Bezirks Reinickendorf sind Wittenau im Norden mit dem Nordgraben auf einem Abschnitt der Ortsteilgrenze und der Arbeitersiedlung Borsigwalde sowie Tegel im Westen.

Der Ortsteil liegt in der Einflugschneise des westlich angrenzenden Flughafens Tegel. Die Belastung der Anwohner durch den Fluglärm ist im Ortsteil Reinickendorf besonders hoch. Einige der Wohngebäude erhielten infolgedessen in den 1960er und 1970er Jahren Schallschutzfenster. Aufgrund der Anforderungen an den baulichen Lärmschutz wurden in Reinickendorf seit den 200er Jahren nur wenige Wohngebäude errichtet. Der Flughafen Tegel soll nach der Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg geschlossen werden.

GeschichteBearbeiten

Von der Gründung bis zum 18. JahrhundertBearbeiten

Um 1230 wurde Reinickendorf als ein Angerdorf gegründet, das seinen Namen wahrscheinlich einem Lokator namens Reinhard verdankt. Urkundlich wurde es erstmals als Renekendorf im Jahre 1344 erwähnt.[1] Im Landbuch Karls IV. (1375) wurde Reynekenstorf zwar im Ortsregister erwähnt, jedoch ohne detaillierte Angaben zum Dorf, ein seltener Ausnahmefall.[Anm. 1] Nähere Angaben folgten erst 1397: Das Dorf hatte 40 Hufen, davon vier Pfarrhufen und sechs Schulzenhufen. Es gab einen Krug und 13 Kossäten. Zehn der 30 zinspflichtigen Bauernhufen wurden kurz darauf in freie Hufen eines Guts umgewandelt. Schon vor 1391 gehörte das Dorf dem Rat der Stadt Berlin, und zwar bis 1632. Zunächst wurde das Dorf an Peter Engel verkauft, dessen Sohn Christian Engel geriet jedoch 1653 in finanzielle Schwierigkeiten, sodass er sein Lehnsrecht für 50 Jahre verpachtete.[2] Das Wiederkaufsrecht überließ er 1680 dem Rat, der sieben Jahre lang über den Kauf verhandeln musste, bevor Reinickendorf am 1. April 1710 wieder der Stadt Berlin überlassen wurde.[3] Bis 1872 gehörte es nun erneut dem Rat. Aufgrund der 1397 erwähnten Pfarrhufen galt Reinickendorf als Kirchdorf, wird also spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Kirche auf dem Dorfanger besessen haben, vermutlich aus Holz oder aus Fachwerk.

19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten WeltkriegsBearbeiten

 
Rathaus Reinickendorf

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch Reinickendorf von der Industrialisierung erfasst und erlebte einen erheblichen Aufschwung mit der Fertigstellung der Nordbahn 1877. Im Jahr 1893 folgte dann die Kremmener Bahn und 1901 die Heidekrautbahn, womit Reinickendorf zu einem gut erschlossenen Berliner Vorort wurde.

Die Segenskirche an der Auguste-Viktoria-Allee wurde 1892 geweiht.

In den 1920er Jahren entstand an der Aroser Allee die Weiße Stadt nach Plänen des Architekten Otto Rudolf Salvisberg, die im Juli 2008 als eine von sechs Siedlungen der Berliner Moderne in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen wurde.

Reinickendorf wurde 1920 in das damals entstandene Groß-Berlin eingemeindet und Namensgeber des gleichnamigen Bezirks, zu dem (seit der letzten Verwaltungsreform im Jahr 2001) die Ortsteile Wittenau, Tegel, Heiligensee, Frohnau, Hermsdorf, Lübars, Waidmannslust, Konradshöhe, Borsigwalde und das Märkische Viertel gehören.

Zunächst waren auch die (inzwischen) Pankower Ortslagen Wilhelmsruh und Schönholz Teile von Reinickendorf; sie wurden jedoch im Jahr 1938 infolge eines Gebietstauschs dem Bezirk Pankow zugeschlagen.

Nachkriegszeit bis zur WiedervereinigungBearbeiten

Dieser Verwaltungsakt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten nicht rückgängig gemacht, sodass bei der späteren Teilung der Stadt die Nordbahntrasse für die Gebiete südlich des Nordgrabens die Grenze bildete: die Bahnhöfe Wilhelmsruh und Schönholz behielten – trotz ihrer zu Mauerzeiten einseitigen Zugänglichkeit von Westen – die Namen der östlich der Trasse gelegenen Pankower Ortslagen.

Im Jahr 1969 wurde die Albert-Schweitzer-Kirche erbaut. In den 1960er Jahren entstanden Betriebe des Gartenbaus und der Geflügelzucht zwischen dem Dorf Lübars und dem Märkischen Viertel.

Reinickendorf war zwischen 1945 und der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 ein Teil des französischen Sektors von Berlin.

Seit 1990Bearbeiten

Nach dem Mauerfall zogen die Besatzungsmächte aus ganz Berlin ab. Die Grenze zum östlichen Nachbarbezirk Pankow konnte wieder ungehindert passiert werden. Auf früheren Militärstandorten entwickelten sich vor allem Gewerbeflächen. Gartenbau- und Geflügelzuchtbetriebe nutzen ein Areal von rund zehn Hektar, werden aber seit Ende des 20. Jahrhunderts teilweise aufgegeben, weil im Berliner Umland mehr Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Nun sieht ein im Jahr 2018 vom Berliner Senat veröffentlichter Stadtentwicklungsplan vor, dass hier „kleinteilige Wohnnutzung“ ermöglicht werden soll, vorgesehen sind 250 bis 500 neue Wohnungen bis zum Jahr 2025.[4]

VerkehrBearbeiten

Im öffentlichen Nahverkehr ist der Ortsteil durch die S-Bahnhöfe Schönholz und Wilhelmsruh an der Nordbahn (Linien S1 und S85) sowie Alt-Reinickendorf, Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik und Eichborndamm an der Kremmener Bahn (Linie S25) erschlossen. Die U-Bahnlinie 6 mit den Bahnhöfen Kurt-Schumacher-Platz, Scharnweberstraße und Otisstraße sowie die U-Bahnlinie 8 mit den Bahnhöfen Franz-Neumann-Platz, Residenzstraße, Paracelsus-Bad und Lindauer Allee führen ebenfalls durch den Ortsteil Reinickendorf. Weiterhin erschließen mehrere Omnibuslinien den Ortsteil.

Die Bundesstraße 96 sowie die A 111 als Europastraße 26 führen durch den Ortsteil. Die Anbindung erfolgt über die Anschlussstellen Eichborndamm, Kurt-Schumacher-Platz und Seidelstraße.

Gräben und TeicheBearbeiten

  • Alter Kienhorstgraben (Lage)
  • Breitkopfbecken (Lage)
  • Feldgraben (Lage)
  • Feldgrabenteich (Naturdenkmal) (Lage)
  • Kienhorstgraben (Lage)
  • Lienemann-Becken und Graben (Lage)
  • Peckwischgraben (Lage)
  • Regenbecken Klamannstraße (Lage)

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Berlin-Reinickendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Reinickendorf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vermutlicher Grund: Das Landbuch diente dem Markgrafen als Verzeichnis der Dörfer, Städte usw., die ihm Abgaben schuldeten. Da Berlin aber offenbar schon 1375 vom Markgrafen die volle Dorfherrschaft erworben hatte, brauchte Reinickendorf nicht mehr im Abgabenregister geführt zu werden.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Band C 1, S. 19 (Digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek [abgerufen am 12. Februar 2013]). In: Lieselott Enders: Barnim. In: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band 6. Böhlau Verlag, Becker Verlag, Weimar, Potsdam 1980, DNB 810983753, S. 445.
  2. Hans Jahn: Vom Bauernhof zum Großstadtbezirk: Reinickendorf. In: Walter Pauls, Wilhelm Tessendorff (Hrsg.): Der Marsch in die Heimat. 1937, DNB 361199457, S. 207–208.
  3. Hans Jahn: Vom Bauernhof zum Großstadtbezirk: Reinickendorf. In: Walter Pauls, Wilhelm Tessendorff (Hrsg.): Der Marsch in die Heimat. 1937, DNB 361199457, S. 211–212.
  4. Ulrich Paul: Auf Feld und Flur. Wo Berlin wächst: Der Senat plant elf neue Wohngebiete. Die Berliner sollen mitreden. In: Berliner Zeitung, 29. Mai 2018, S. 14.