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Schweinfurt Hauptbahnhof

Bahnhof in Deutschland

Der Schweinfurter Hauptbahnhof ist der größte Bahnhof der unterfränkischen Stadt Schweinfurt und deren Umsteigeknoten zu den meisten Regionalbussen. Neben ihm bestehen auf dem Stadtgebiet die näher zur Innenstadt gelegenen Stationen Schweinfurt Mitte und Schweinfurt Stadt, alle an der Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf.

Schweinfurt Hauptbahnhof
Empfangsgebäude
Empfangsgebäude
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 7
Abkürzung NS
IBNR 8000032
Kategorie 3
Lage
Stadt/Gemeinde Schweinfurt
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 2′ 8″ N, 10° 12′ 42″ OKoordinaten: 50° 2′ 8″ N, 10° 12′ 42″ O
Höhe (SO) 217 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Der Hauptbahnhof liegt knapp 2 km südsüdwestlich der Innenstadt in der Gemarkung und im Stadtteil Oberndorf. Die nördlich am Bahnhof entlang führende Hauptbahnhofsstraße (nicht zu verwechseln mit der Alten Bahnhofsstraße am Bahnhof Schweinfurt Stadt) bildet die Grenze zum Stadtteil Bergl, der sich ebenfalls in der Gemarkung Oberndorf befindet.

GeschichteBearbeiten

AufbauBearbeiten

 
Ehemaliges Bahnbetriebsamt (1877)

1852 erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn[5] von Bamberg zum ersten Schweinfurter Bahnhof, dem 3 km weiter östlich gelegenen Stadtbahnhof, der Anschluss Schweinfurts ans Eisenbahnnetz. Die Bahnstrecke wurde danach nach Würzburg (1854) und Aschaffenburg weitergebaut. Mit dem Bau der Linien nach Bad Kissingen (1871) und Meiningen (1874) wurde Schweinfurt ein Eisenbahnknotenpunkt. 1874 wurde 3 km westlich des Stadtbahnhofs, damals auf Oberndorfer Gemarkung, ein großer Rangier- und Zentralbahnhof errichtet, der sogenannte Centralbahnhof und heutige Hauptbahnhof. Als die Stadt noch kaum über die mittelalterlichen Mauern hinausgewachsen war, wurde der Standort in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern gewählt, um möglichst viel Raum für die erwartete Industrialisierung um den Bahnhof freizuhalten. Die Industrieansiedlungen wurden bis Ende der 1930er Jahre verwirklicht. Die relativ große Entfernung vom Centralbahnhof zur Innenstadt wurde von 1895 bis 1921 mit der ersten kommunalen Straßenbahn Bayerns, der Straßenbahn Schweinfurt überbrückt, einer Pferdebahn mit einem Straßenbahndepot am Unteren Wall. 1906 wurde der Centralbahnhof in Hauptbahnhof umbenannt.

1926 eröffnete die Diakonie Schweinfurt die Bahnhofsmission.[6]

Berlin-Stuttgarter D-ZugstreckeBearbeiten

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg lag der Hauptbahnhof an der Schnellzugstrecke zwischen Stuttgart und Berlin. Beispielsweise fuhren 1934 diese Zugpaare:

Zweiter WeltkriegBearbeiten

Das Empfangsgebäude des alten Hauptbahnhofs wurde beim ersten Luftangriff auf die Stadt am 17. August 1943 komplett zerstört. In ihm befand sich eine Gaststätte 1. Klasse, die damals als eines der besten Restaurants der Stadt galt.[7] Nach dem Krieg wurde westlich davon das heutige Empfangsgebäude mit kleiner Schalterhalle errichtet, da durch die Deutsche Teilung der Berlin-Stuttgarter D-Zug eingestellt und die Stadt vom Fernverkehr abgeschnitten wurde.

NachkriegsjahrzehnteBearbeiten

Das ehemalige Bahnbetriebsamt von 1876/77 ist noch erhalten und steht unter Denkmalschutz. Die beiden Ringlokschuppen am südlichen Rand der Gleisanlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Hier befindet sich heute ein Containerterminal. 1961 wurde die westliche Umgehungskurve (Gleisdreieck) an der westlichen Zufahrt zum Hauptbahnhof abgebaut.

In den 1960er-Jahren war angedacht, die Fußgängerunterführung, die die Bahnsteige miteinander verbindet, nach Norden unter der Hauptbahnhofstraße hindurch bis zum nördlichen Gehsteig zu verlängern, was nicht umgesetzt wurde.

Heutige und zukünftige Verkehrliche BedeutungBearbeiten

Der Bahnhof wird seit der Einstellung der Interregio-Verbindung Stuttgart–Würzburg–Schweinfurt–Erfurt im Jahre 2001 nicht mehr vom Fernverkehr bis spätestens Dezember 2027 bedient.

  • Seit dem 10. Dezember 2017 ist Berlin Hauptbahnhof von Schweinfurt aus in 3 h 25 min mit Umstieg in Bamberg in den Intercity-Express auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg–Berlin (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8) erreichbar.[8]
  • Spätestens bis Dezember 2027 soll der Hauptbahnhof in das Intercity-Netz eingebunden werden, im Rahmen der Fernverkehrsoffensive 2030 der Deutschen Bahn, durch den neu eingeführten IC Bamberg–Stuttgart.
  • Dadurch gelangt der Hauptbahnhof (seit 1939 wieder) an die schnellste Verbindung Stuttgart–Berlin, über den ICE-Anschluss in Bamberg an die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Im Personenverkehr werden derzeit folgende Strecken bedient:

Auf der eingleisigen Nebenbahn Kitzingen–Schweinfurt findet derzeit noch Güterverkehr zwischen Gochsheim und Schweinfurt statt, die Reststrecke bis Kitzingen-Etwashausen ist ohne Verkehr. Insbesondere seit 2016 gibt es jedoch Initiativen für eine Reaktivierung der 50 km langen Nebenbahn für den Personenverkehr.

Verbindungen im Regional- und NahverkehrBearbeiten

Der Schweinfurter Hauptbahnhof ist folgendermaßen in das Netz der Deutschen Bahn eingebunden (Stand: Fahrplanjahr 2013/2014):

Zuggattung Strecke Verkehrsangebot
Regional-Express1 Frankfurt am MainHanauAschaffenburg – (Würzburg) – Schweinfurt HbfBamberg 120-Minuten-Takt
Regional-Express
(Mainfranken-Thüringen-Express)
Würzburg – Schweinfurt HbfMellrichstadt BahnhofGrimmenthalErfurt 120-Minuten-Takt
Regional-Express
(Franken-Thüringen-Express)
Würzburg – Schweinfurt Hbf – Bamberg – ErlangenNürnberg 120-Minuten-Takt
Regionalbahn
(Mainfrankenbahn)
(SchlüchternJossaGemünden (Main) –) Würzburg – Schweinfurt Hbf – Bamberg 60-Minuten-Takt
Erfurter Bahn (EIB 4)
(Unterfranken-Shuttle)
Schweinfurt StadtSchweinfurt Hbf – Mellrichstadt Bahnhof (– Meiningen) 60-Minuten-Takt
Erfurter Bahn (EIB 5)
(Unterfranken-Shuttle)
Schweinfurt Stadt – Schweinfurt Hbf – Bad Kissingen (–Gemünden (Main)) 60-Minuten-Takt

1 Main-Spessart-Express; Samstags und Sonntags fahren zwei Ausflugszüge pro Richtung ohne den Umweg über Würzburg über die Werntalbahn direkt von Gemünden (Main) nach Schweinfurt.[9]

Schweinfurt Hbf ist ein Taktknoten, d. h. hier treffen sich jeweils zur vollen Stunde die Züge der drei Hauptstrecken und fahren kurz nach der vollen Stunde wieder ab. Eingebunden in dieses System sind die drei Regional-Express-Verbindungen und die Züge der EIB-Linie 4. Richtung Würzburg und Bamberg entsteht durch Überlagerung von jeweils zwei RE-Linien ein Stundentakt, auf den Strecken nach Bad Kissingen und Meiningen bzw. Erfurt ergibt sich durch stündlich alternierende Fahrten der RE- und EIB-Züge ebenfalls ein stündliches Angebot. Auf der Achse Würzburg–Bamberg wird der RE-Takt durch den zusätzlichen Einsatz von Regionalbahnen ergänzt.

BusverkehrBearbeiten

  • Fernbusse in viele Städte Zentraleuropas, vom ZOB am Bahnhofsplatz
  • Regionalbusknoten der Omnibusverkehr Franken (OVF), ZOB am Bahnhofsplatz
  • Stadtbushaltestelle der Stadtwerke Schweinfurt der Linien 11, 12 und des Campus Express[10]

InfrastrukturBearbeiten

 
Bahnsteig, mit Zug mit Doppelstock-Waggons
 
Stellwerkgebäude vom Bahnsteig gesehen

BahnsteigeBearbeiten

Gleis Bahnsteighöhe
[cm][11]
Bahnsteiglänge
[m][11]
1 38 188.2
2 38 188.2
3 38 295.9
5 38 322.8
6 38 317
7 38 325
8 38 470
83 32 145

EmpfangsgebäudeBearbeiten

Das Empfangsgebäude des Schweinfurter Hauptbahnhofs befindet sich auf der nördlichen Gleisseite. Nachdem das ursprüngliche Bauwerk bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, errichtete die Deutsche Bundesbahn nach Kriegsende einen modernen Zweckbau im Stil der fünfziger Jahre. Das zweigeschossige Gebäude beherbergt heute ein ReiseZentrum der Deutschen Bahn, Toiletten, Schließfächer sowie mehrere Verkaufsräume.

VerkehrsstationBearbeiten

Der Bahnhof verfügt über fünf durchgehende Bahnsteiggleise, an denen der Personenverkehr abgewickelt wird. Zwei weitere Stumpfgleise direkt vor dem Empfangsgebäude werden für den planmäßigen Betrieb nicht mehr benötigt, seitdem die Züge aus Richtung Bad Kissingen und Meiningen über den Hauptbahnhof hinaus bis zum zentraler gelegenen Stadtbahnhof verlängert wurden. Alle Bahnsteige haben eine Höhe von 38 cm und sind durch eine Unterführung mittels Treppen erreichbar.

Sonstige GebäudeBearbeiten

Vom Bahnsteig gesehen rechts neben dem Empfangsgebäude befindet sich das 1976 in Betrieb genommene Relaisstellwerk der Bauart SpDrL60 der Deutschen Bahn.

Zugeinfahrt 2017 vom Osten, am Steg

StegBearbeiten

Der östliche Bereich der Gleisanlagen wird von einem 180 m langen Fußgängersteg gequert. Er ist an beiden Enden über Treppen erreichbar und stellt eine Fußgängerverbindung zwischen den Großfirmen im Stadtteil Oberndorf und der Hauptbahnhofstraße mit dem Empfangsgebäude her.

Barrierefreier AusbauBearbeiten

Der Bahnhof wurde 2018 barrierefrei ausgebaut. Fußgängerunterführung und Bahnsteige wurden umfassend umgebaut und modernisiert.

ContainerterminalBearbeiten

 
Hauptbahnhof-Südseite: Containerterminal und ZF Friedrichshafen AG, vormals Fichtel & Sachs

Im Güterbahnhof Schweinfurt, dem einzigen verbliebenen Güterbahnhof Mainfrankens, im südlichen Bereich der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs, befindet sich ein Containerterminal.[12]

UmgebungBearbeiten

Hauptbahnhof-SüdseiteBearbeiten

An der Südseite des Hauptbahnhofs, im Stadtteil Oberndorf, befindet sich die ZF Friedrichshafen AG, vormals Fichtel & Sachs AG und südlich davon das Werk 2 der Schwedischen Kugellagerfabriken (SKF). In beide Werke führen vom Hauptbahnhof Industriegleise.

Hauptbahnhof-NordseiteBearbeiten

 
Hauptbahnhof-Nordseite: Platz vor den Bahnsteigen, mit FAG-Hochhaus

An der Nordseite befindet sich an der Hauptbahnhofstraße das zur Schaeffler-Gruppe gehörende Stammwerk von FAG, ohne Gleisanschluss zum Hauptbahnhof.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayer. Staatsbahnen, Ausbauzustand bis 1912.
  2. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de/Geschichte
  3. Peter Hofmann: Schweinfurtführer Mein Schweinfurt; Bilder der Hauptbahnhofsgaststätte 1. Klasse vor 1943. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  4. Bayerischer Rundfunk: neue ICE-Trasse Nürnberg–Berlin: Schweinfurt–Berlin 3 h 25 min. Abgerufen am 2. Dezember 2017.
  5. Linienplan Main-Spessart-Express. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 6. Dezember 2017; abgerufen am 6. Dezember 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bahn.de
  6. Linienplan der Schweinfurter Stadtbusse. (PDF) Abgerufen am 4. Januar 2017.
  7. a b Bahnsteiginformationen auf deutschebahn.com.
  8. TRANSLOG Transport und Logistik GmbH. Abgerufen am 8. Dezember 2016.