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Die Conn Barracks bei Schweinfurt waren das größte Kasernengelände des einstigen Militärstandorts Schweinfurt. Seit 2014 wird es nicht mehr militärisch genutzt.

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Conn Barracks
Land Deutschland
Gemeinde Geldersheim, Niederwerrn, Schweinfurt
Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 10′ OKoordinaten: 50° 3′ 22″ N, 10° 10′ 17″ O
Erbaut 1936–1937
Ehemals stationierte Einheiten
Luftwaffe: Flugzeugführerschule 7
United States Air Forces in Europe (USAFE)
United States Constabulary: 6. Regiment
3rd Infantry Division: 1. Brigade,
1rd Infantry Division: 2. Brigade
u.v.m.
Deutsches ReichWar Ensign of Germany (1938–1945).svg
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
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Conn Barracks (Bayern)
Conn Barracks

Lage der Conn Barracks in Bayern

Die Kaserne war ursprünglich von 1937 bis 1945 ein Fliegerhorst der Luftwaffe (Wehrmacht) namens Flugplatz Schweinfurt, auch Fliegerhorst Schweinfurt. Von 1945 bis 1947 war sie als Schweinfurt Air Base der United States Air Forces in Europe (USAFE) und dem Military Post Wiesbaden unterstellt. Von 1947 bis 1951 war sie Teil der United States Constabulary (6th Regiment und 28th Squadron).[1] 1948 wurde die Kaserne offiziell der US Army übergeben[1] und hieß fortan Conn Barracks. Zahlreiche Truppenteile waren seitdem in der Kaserne stationiert, die bis 2014 Teil der U.S. Army Garrison Schweinfurt (USAG Schweinfurt) war.

Das Areal trägt bis heute keinen neuen Namen, ist interkommunales Gebiet und gehört zu den Gemeinden Geldersheim und Niederwerrn im Landkreis Schweinfurt sowie in einem kleinen Bereich zur kreisfreien Stadt Schweinfurt. Als Folgenutzung soll ein großer Gewerbepark angelegt werden, wofür der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks gegründet wurde.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Conn Barracks liegen[2] 4 km (Luftlinie) nordwestlich vom Schweinfurter Stadtzentrum, in einem Bogen der Wern, auf 240 m ü NN. Die Kaserne liegt an der Bahnstrecke Schweinfurt–Erfurt, mit direktem Gleisanschluss und wird am Nordrand von der vierstreifigen, nicht kreuzungsfreien, von Ampeln geregelten B 303 durchquert. Die beiden Kasernenareale, der kleine (Motorpool) nördlich und die Hauptliegenschaft südlich der B 303, sind durch einen internen Fußgängersteg miteinander verbunden. Über die B 303 ist die 1 km entfernte Autobahn-Anschlussstelle Nr. 30 Schweinfurt-West der A 71 Erfurt–Schweinfurt erreichbar. Von hier sind es 5 km zur A 70 und weitere 6 km zur A 7.

 
Wiesmühle an der Wern,
am Ostrand der Conn Barracks

Zufahrten: Die Hauptzufahrt Main Gate an der Conn-Straße und die Zufahrt zum Motorpool zweigen an einer Kreuzung der B 303 ab. Eine weitere Zufahrt Euerbacher Gate, am Ostrand der Conn Barracks, liegt am Ende der 1 km langen Verbindungsstraße, der Euerbacher Straße, die durch den Werngrund zur einstigen amerikanischen Wohnsiedlung Askren Manor führt, heute Bellevue. Im Westen gab es noch das Geldersheim Gate.

Die Grenze zwischen Niederwerrn und Geldersheim verläuft innerhalb der Kaserne entlang der historischen Euerbacher Straße, die im Westen mit der heutigen Conn-Straße identisch ist.

GrößeBearbeiten

Die 201 ha[3] Fläche der Kaserne entsprechen der Fläche der Münchener Innenstadt. Sie verteilen sich auf:

  • Geldersheim: 167 ha;[3] – u. a. Flugplatz
  • Niederwerrn: 33 ha;[3] – davon 3 ha nördlich der B 303 (Motorpool)
  • Schweinfurt: 1 ha.[3]

NameBearbeiten

Die Flugplatzkaserne wurde am 22. Dezember 1947 Conn Barracks genannt, zu Ehren von Leutnant Orville B. Conn, Jr., der als erster Angehöriger der Sixth Cavalry Group 1944 bei der Landung in der Normandie gefallen war.[4]

GeschichteBearbeiten

 
2-1 Aviation Battalion aus den Conn Barracks in Bosnien-Herzegovina 1997

Der Fliegerhorst wurde von März 1936[1] bis September 1937[1] an der westlichen Stadtgrenze errichtet. Die Anlage diente zunächst der Flugzeugführerschule 7 als Übungsplatz für Sturzkampfflugzeuge (Stuka) des Typs Junkers Ju 87. Viele Kadetten kamen dabei bei gewagten Luftmanövern ums Leben.[4] Von 1941 bis 1945 war es ein Flugplatz für Bomber,[1] der zusammen mit der angrenzenden Bahnlinie von den Alliierten stark bombardiert wurde. Die Gegend glich schließlich einer Mondlandschaft. Personenzüge aus Richtung Erfurt und Bad Kissingen konnten oftmals nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern endeten bereits in Oberwerrn.

Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee[1] in Schweinfurt ein und besetzte sofort den Fliegerhorst. Nach Abzug der Air Force (USAFE) im Jahre 1947 wurde das Areal des eigentlichen Flugplatzes nur noch als Hubschrauberlandeplatz der 4. Brigade genutzt, einer Heeresfliegerbrigade (Militärhubschrauber). Zudem als Startplatz für Flugabwehrraketen (FlaRak-Stellung Hawk). Die Raketenstellung wurde am Ende des Kalten Kriegs 1992 aufgelöst.

Auf dem großen, nördlichen Freibereich des Flugfeldes, abseits der bis heute (2018) bestehenden Start- und Landebahn, erweiterten die Amerikaner sukzessive die Kaserne, am Ende bis auf etwa die doppelte Größe der NS-Zeit. Von 1958 bis 1996 waren in Conn die 1. Brigade der 3rd Infantry Division, von 1996 bis 2008 die 2. Brigade der 1rd Infantry Division und zudem viele andere Einheiten stationiert.[1] 1991 wurde zudem das 3rd Squadron der 4th Cavalry von den Schweinfurter Ledward Barracks nach Conn verlegt.[1] In Conn waren fortan die Kampftruppen der USAG Schweinfurt konzentriert, während die innenstadtnäheren Bereiche fast nur noch der Verwaltung, Versorgung und Freizeit dienten. Am Gleisanschluss von Conn, der Schweinfurt Terminal Station (SFT) der 5th Signal Command, wurden u. a. Panzer für den Irakkrieg (2003) verladen, weshalb die Conn Barracks damals in den Blickpunkt der amerikanischen Medien rückten.

2014 löste die US-Army die Garnison Schweinfurt vollständig auf. In Folge wurden die Conn Barracks am 15./16. Dezember 2014[3] der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben (siehe: Schweinfurt#US-Konversion).

Bestand 2014Bearbeiten

Die Conn Barracks verfügten bei Abzug der US-Amerikaner 2014 insgesamt über 280 Gebäude.[5] Auf dem Areal waren zu diesem Zeitpunkt: Wohngebäude,[5] Verwaltungsgebäude,[3] Truppenunterkünfte,[3] Lager- und Wartungshallen,[3] eine Kirche,[3] eine Veranstaltungshalle,[5] ein Einkaufszentrum,[3] ein Gleisanschluss für Bahnverladung[5], ein Sportzentrum,[3] Sportanlagen und Ver- und Entsorgungseinrichtungen.[5] Sowie ein Flugplatz mit: 675 m langer, befestigter Start- und Landebahn,[6] Hubschrauberlandeplatz,[7] Hangar,[3] Tower[3] und Feuerwehrgebäude.[3] Zudem ein Startplatz für mobile Flugabwehrraketen, mit diversen Gebäuden und einem Rollbahnsystem.[8]

AnkerzentrumBearbeiten

In einem kleineren Bereich der Conn-Barracks, unmittelbar südlich der Hauptzufahrtsstraße, auf Geldersheimer Gemeindegebiet, betreibt die Regierung von Unterfranken eine Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge bis Mai 2019.[9]

Ein kleineres Ankerzentrum für Asylsuchende, für 1400 statt der ursprünglich geplanten 2600 Personen, zieht im Mai und Juni 2019 von den Schweinfurter Ledward Barracks in die Conn Barracks auf Niederwerrner Gemeindegebiet, unmittelbar nordöstlich der bisherigen Gemeinschaftsunterkunft, um. Die Gemeinschaftsunterkunft in den Conn Barracks und das Ankerzentrum in den Ledward Barracks werden dann geschlossen.[9] Das Ankerzentrum wird eines der sieben bayerischen Ankerzentren und soll spätestens am Jahresende 2025 wieder geschlossen werden. Das neue Ankerzentrum liegt innerhalb der Raute, die die Bahnlinie im Nordosten, die B 303 im Norden, die Zufahrts- und Erschließungsstraße in die Conn Barracks im Südwesten und die äußere Ringstraße innerhalb der Kaserne im Süden bilden.[10] Die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ziehen erst 2020 von Ledward nach Conn um.[9]

Der Plan der Staatsregierung soll dem Vorhaben von Stadt und Landkreis Schweinfurt, dort mit den Anrainerkommunen einen Gewerbepark anzusiedeln, nicht im Wege stehen. Es gibt auch die Zusicherung, dass mit der Einrichtung des Ankerzentrums die Zufahrt zum restlichen Gelände und dieses selbst freigegeben werden, als Voraussetzung für die Erschließung des Areals. Wodurch Grunderwerb durch beteiligte Kommunen und Bauleitplanung ermöglicht werden.

Neuer GewerbeparkBearbeiten

HauptliegenschaftBearbeiten

Auf der Hauptliegenschaft der Conn Barracks wird, neben dem kleineren Bereich des temporären Ankerzentrums, als Folgenutzung ein großer, interkommunaler Gewerbepark angestrebt. Hierfür wurde der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks gegründet, mit den vier Mitgliedern: Gemeinden Niederwerrn und Geldersheim, Stadt Schweinfurt und Landkreis Schweinfurt.

Eine Machbarkeitsstudie (2017) unter den Gesichtspunkten Lärmemission, Naturschutz und Infrastruktur ergab, das 100 ha gewerblich genutzt werden können. Ein neues Erschließungskonzept wäre notwendig. Im nordwestlichen Bereich wäre ein Gewerbegebiet und im zentralen Bereich auch ein Industriegebiet denkbar. Nach Abschluss der Altlastenuntersuchung soll ein Flächennutzungs- und Bebauungsplan erstellt werden.[11]

MotorpoolBearbeiten

 
Motorpool: Vorführung eines Militär-Roboters vor amerikan. Kindern 2010

Der 3 ha große Motorpool ist ein räumlich getrennter Bereich der Conn Barracks (siehe: Lage). Auf ihm liegen zwei zweigeschossige Hallen, in denen auch die Obergeschosse über Rampen befahrbar sind (Bau 7 & 8). Das kleine Areal erwarb 2017 die Gemeinde Niederwerrn von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Der Motorpool bleibt Bestandteil des Verbandsgebiets des Zweckverbandes, um die angestrebte, einheitliche Gesamtentwicklung der über 200 ha großen Konversionsfläche zu gewährleisten. Einen Teil des Motorpools hat ein gewerblicher Mieter gekauft.[12]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Ron Mihalko, Forst: Geschichte der U.S. Kasernen in Schweinfurt
  2. BayernAtlas: Topografische Karte, Bereich Conn Barracks und Umgebung. Abgerufen am 29. Juni 2018.
  3. a b c d e f g h i j k l m n Angaben: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Konversion Schweinfurt, Stand September 2014
  4. a b Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Konversion Schweinfurt: Geschichte der Liegenschaften des Militärstandortes Schweinfurt
  5. a b c d e Wirtschaft in Mainfranken: Abzug der US-Army vom Standort Schweinfurt steht fest, Juli 2012, S. 34
  6. Gemessen mittels BayernAtlas
  7. BayernAtlas: Angabe in Topografischer Karte
  8. BayernAtlas: Luftbild
  9. a b c Main-Post: "So zieht das Ankerzentrum um", 8. Februar 2019. Abgerufen am 10. Februar 2019.
  10. Josef Schäfer: Ankerzentrum: Töpper will differenziert diskutieren. Main-Post GmbH. 18. Juni 2018. Abgerufen am 12. Februar 2019.
  11. Main-Post.de: Conn Barracks Gewerbepark ist realisierbar, 16. November 2017. Abgerufen am 1. November 2018.
  12. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: Conn Barracks Schweinfurt - Motorpool verkauft. Abgerufen am 27. Juni 2018.