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Bahnhof Bad Kissingen

Kopfbahnhof mit denkmalgeschütztem Gebäude in Bayern

Der Bahnhof Bad Kissingen wurde 1874 in der Kurstadt Bad Kissingen eröffnet und ist trotz ursprünglich anderer Planungen ein Kopfbahnhof. Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz. Das „Fürstenzimmer“ ist vermutlich das einzige in Bayern noch bestehende dieser Art.

Bad Kissingen
Dieseltriebwagen der Baureihe 642 im Bahnhof Bad Kissingen
Dieseltriebwagen der Baureihe 642 im Bahnhof Bad Kissingen
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof
Bauform Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung NBKI
IBNR 8000714
Kategorie 5
Eröffnung 1874
Profil auf Bahnhof.de Bad_Kissingen
Lage
Stadt/Gemeinde Bad Kissingen
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 11′ 30″ N, 10° 4′ 47″ OKoordinaten: 50° 11′ 30″ N, 10° 4′ 47″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern

Bahnhof Bad Kissingen im Jahr 1909
Verkehrsnetz der Saaletalbahn. Grafik überholt: Bamberg ist nun auch ICE-Station der neuen Schnellfahrstrecke München–Berlin
Bahnhofsgebäude in Bad Kissingen

Der „Deutsche Krieg“ von 1866 hatte durch das Fehlen einer Eisenbahnverbindung gravierende logistische Mängel in Bad Kissingen offenbart, so dass König Ludwig II. am 9. Januar 1867 einen Anschluss des Ortes an das Schienennetz genehmigte.[2][3]

Inhaltsverzeichnis

ZugverkehrBearbeiten

Ursprünglich war der Bahnhof als Durchgangsbahnhof geplant worden, über den die Züge zwischen Gemünden am Main und Schweinfurt auch nach Bad Neustadt an der Saale hätten weiterfahren sollen. Doch wurden diese Pläne nicht realisiert. Der Bahnhof ist bis heute ein Kopfbahnhof geblieben. Er wird für den regionalen Güter- und Personenverkehr genutzt und von der Fränkischen Saaletalbahn bzw. der Erfurter Bahn mit Unterfranken-Shuttle-Triebwagen auf unveränderter Strecke zwischen Hammelburg und Schweinfurt bedient. Zweistündlich fahren Regional-Express-Züge über Schweinfurt nach Würzburg.

BahnhofBearbeiten

EmpfangsgebäudeBearbeiten

Als 1871 Bad Kissingen an das bayerische Eisenbahnnetz angeschlossen und im Oktober 1871 die Strecke Schweinfurt-Bad Kissingen eröffnet wurde, konnten die internationalen Kurgäste endlich die Kurstadt mit der Eisenbahn direkt erreichen.[4] Zu diesem Zeitpunkt war das Bahnhofsgebäude allerdings noch in Bau. Erst im Mai 1874 konnte der Neubau in neoklassizistischem Baustil eröffnet werden[5] – gerade noch rechtzeitig vor dem ersten, am 4. Juli beginnenden Bad Kissinger Kuraufenthalt von Reichskanzler Otto von Bismarck.

Die Baupläne stammten noch vom königlich bayerischen Baubeamten und Generaldirektionsrat Friedrich Bürklein (1813–1872), einem Schüler Friedrich von Gärtners, der seit 1843 häufig für den Bau von Bahnhöfen verpflichtet wurde. Nach seinem Tod übernahm der königlich bayerische Bezirksingenieur Ambros Trient (1827–1900) die Bauleitung.

Das Bahnhofsgebäude ist heute eines der wenigen in Bayern, das zwei Weltkriege und die Modernisierungsversuche nachfolgender Generationen überstanden hat und deshalb noch immer fast unverändert erhalten ist. Die Fassade ist in klassizisierendem Neorenaissance-Stil gehalten, als Baumaterial wurde Sandstein aus Burgpreppach (Landkreis Haßberge) verwendet. Dem rechteckigen Gebäude hat man durch stark vorspringende Mittel- und Eckbauten sein typisches Profil gegeben.

Das unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude wurde 2008/2009 nach 135 Jahren in einem Zeitraum von neun Monaten ein weiteres Mal renoviert. Fast eine halbe Million Euro hat diese Sanierung der für Bahnhöfe verantwortlichen Bahn-Tochterfirma DB Station & Service AG gekostet.[6]

FürstenzimmerBearbeiten

 
Blick in das Bad Kissinger Fürstenzimmer

Für die Fahrgäste gab es die üblichen Wartesäle I., II. und III. Klasse. Für die „allerhöchsten Herrschaften“ aus Familien regierender Häuser gab es im Bahnhof des königlichen Staatsbades Kissingen ein „Fürstenzimmer“, auch „Königssalon“ genannt.[7] Hier konnten die Angehörigen des Hochadels, abgeschirmt von den übrigen Zugreisenden, in behaglich eingerichteten und mit eigenen Toiletten ausgestatteten Räumlichkeiten auf ihre Salonwagen warten. Außerdem wurden in diesem Salon auch Ankunfts- und Verabschiedungsempfänge durchgeführt.

Das Fürstenzimmer war im Stile seiner Zeit, dem Historismus, dekoriert. Den Auftrag erhielt der einst vom bayerischen König Ludwig I. geförderte und nun viel beschäftigte Dekorationsmaler Joseph Schwarzmann (1806–1890). Auch er musste allerdings – wie damals üblich – eine Kaution von 680 Gulden hinterlegen, bevor er die Maler- und Anstreicherarbeiten (Kosten: 6.356 Gulden) sowie Stuckarbeiten (Kosten: 500 Gulden) ausführen durfte. Schwarzmann, der häufig mit Friedrich von Gärtner zusammengearbeitet hatte, hatte in Bad Kissingen bereits 1838 die Ausmalung des Conversationssaales (heute: Rossinisaal) im Arkadenbau und 1847 in der evangelischen Erlöserkirche ausgeführt.[8] 1850 hatte er den Speyerer Dom dekoriert.

Den rechteckigen Salon überzog Schwarzmann mit einer Stuck- und Malerei-Dekoration im klassizistischen Stil und nahm damit die vom Bahnhofs-Architekten Bürklein vorgesehene Stilform auf. Über einer Sockelzone sind Pilaster mit abschließendem Gebälk angebracht, die in eine Felderdecke übergehen. Die Schablonenmalerei zeigt typisch klassizistische Motive wie Palmetten und Spiralranken. In die Deckenmalerei einbezogen sind das königliche Wappen, in der Rosette finden sich vier Schwanen-Motive. Möglicherweise wollte Schwarzmann mit den Schwänen ein Lieblingsmotiv von Ludwig II. aufnehmen. Als 1894 Prinzregent Luitpold von Bayern nach Bad Kissingen kam, berichtete die lokale Saale-Zeitung: „Den Eingang zum Königs-Salon schmücken Wappen und Fahnen, das Innere dieses reich ausgestatteten Empfangs-Gemaches zieren kostbare Pflanzengruppen.“

Etliche amtierende oder nicht mehr amtierende Herrscher sowie Angehörige des europäischen Hochadels nutzten vor und nach ihrem Kuraufenthalt in Bad Kissingen den angenehmen Luxus dieses Fürstenzimmers. Zu diesen Gästen gehörten u. a. die deutsche Kaiserin Auguste Victoria, Königin Marie von Hannover, Königin Sophie der Niederlande, Franz II. von Neapel (bis 1861 König beider Sizilien) und Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn.

Als in den 1970er Jahren die Wartesäle in ein Restaurant umgebaut wurden, wurden auch im Fürstenzimmer einige Änderungen vorgenommen. So wurde beispielsweise die Tür zum Bahnsteig durch ein Fenster ersetzt, die Toiletten ausgebaut und der ganze Salon von Grund auf renoviert. Heute ist es vermutlich der einzige noch in Bayern original bestehende Salon dieser Art. Noch immer hängt nahe der Tür zum Hauptrestaurant die alte Klingelschnur zum Rufen des Dienstpersonals. Jedoch bleibt dieser Raum heute meistens verschlossen, dient als Abstellkammer des Bahnhofrestaurants und wird nur zum Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[9]

KriegerdenkmalBearbeiten

 
Kriegerdenkmal am Bahnhofsvorplatz

Auf der dem Bahnhof gegenüber liegenden Seite des Bahnhofsvorplatzes, am Niedergang in die Stadt, befindet sich ein im Jahr 1900 vom Bildhauer Balthasar Schmitt (1858–1942) entworfenes Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Das Denkmal wurde im Jahre 1904 feierlich enthüllt. Der darin eingebaute Brunnen ist schon seit vielen Jahren trocken.

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Wulz: Separée für „allerhöchste Herrschaften“. Die Geschichte des Fürstenzimmers im Bahnhof Bad Kissingen. In: Saale-Zeitung, 2002; – Wo die „allerhöchste Herrschaften“ empfangen wurden. In: Frankenland, Band 55, 2003, Seite 454–458 (siehe hier: Geschichte→Highlights→Königssalon)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnhof Bad Kissingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, S. 96
  2. Denis A. Chevalley und Stefan Gerlach Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler in Bayern. Stadt Bad Kissingen. München 1998, S. XLIX
  3. Die Fortsetzung dieser Strecke von Bad Kissingen nach Gemünden konnte erst 1884 in Betrieb genommen werden.
  4. Denis A. Chevalley und Stefan Gerlach Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler in Bayern. Stadt Bad Kissingen. München 1998, S. 22–24.
  5. Sigismund von Dobschütz: Alter Bahnhof in neuem Glanz, in: Main-Post vom 21. März 2009
  6. Gerhard Wulz: Separée für „allerhöchste Herrschaften“ In: Saale-Zeitung 2002; - Wo die „allerhöchste Herrschaften“ empfangen wurden. In: Frankenland 55 (2003), S. 454–458.
  7. Beide Arbeiten existieren heute nicht mehr.
  8. Broschüre Bahnhof Bad Kissingen, Königssalon, Text: Gerhard Wulz (pdf-Datei)