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Hessische Landesregierung

Wappen der hessischen Landesregierung
Hessische Staatskanzlei in Wiesbaden, Sitz der Landesregierung

Die Hessische Landesregierung ist die Regierung des Landes Hessen. Die derzeitige, von CDU und Bündnis 90/Die Grünen gebildete Landesregierung hat am 18. Januar 2014 ihre Arbeit aufgenommen. Ministerpräsident ist der aus Gießen stammende Jurist Volker Bouffier, zu den sonstigen Regierungsmitgliedern siehe den Artikel Kabinett Bouffier II. Regierungssprecher ist Staatssekretär Michael Bußer.

Nach Artikel 101 der Verfassung des Landes Hessen(HV) wird der Ministerpräsident vom Hessischen Landtag gewählt. Die übrigen Mitglieder der Landesregierung, die Minister, werden vom Ministerpräsidenten ernannt. Sie benötigen das besondere Vertrauen des Landtages, das ihnen durch Beschluss ausgesprochen wird (Art. 101 IV HV). Nach Artikel 111 leistet der Ministerpräsident seinen Amtseid vor dem Landtag, die Minister vor dem Ministerpräsidenten in Gegenwart des Landtags. Die Rechtsverhältnisse der Regierungsangehörigen sind im Gesetz über die Bezüge der Mitglieder der Landesregierung vom 27. Juli 1993[1] geregelt.

Amtssitz des Ministerpräsidenten und Sitzungsort der Landesregierung ist die Hessische Staatskanzlei, die seit 2004 im ehemaligen Hotel Rose am Kranzplatz in Wiesbaden residiert. Zuvor hatte die Staatskanzlei ihren Sitz in einer Villa in der Bierstadter Straße unweit des Warmen Damms und der Wilhelmstraße. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Landesregierung des damaligen Volksstaates Hessen ihren Sitz in Darmstadt.

Inhaltsverzeichnis

Hessische Landesregierungen bis 1918Bearbeiten

Vor der Novemberrevolution von 1918 war der Großherzog das hessische Staatsoberhaupt. Er ernannte nach der Verfassung von 1820 die Mitglieder der Staatsregierung und legte den aus zwei Kammern (von denen nur die Mitglieder der zweiten gewählt waren) bestehenden Landständen die Gesetzentwürfe vor. Der Staatsregierung („Gesamt-Ministerium“) stand ein Präsident vor, jedoch nur als Regierungschef, nicht als Staatsoberhaupt.

Amtsinhaber Amtszeit Anmerkungen
Karl von Grolman 1821–29
Karl du Thil 1829–48
Heinrich von Gagern 1848 Während der Märzrevolution für drei Monate Ministerpräsident, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
Carl Wilhelm Zimmermann 1848 Im Sommer 1848 für wenige Wochen im Amt
Heinrich Karl Jaup 1848-50 Mitglied des Siebzehnerausschusses und der Frankfurter Nationalversammlung
Reinhard Carl Friedrich von Dalwigk 1852–71 Unter Großherzog Ludwig III., 1871 auf Druck Preußens entlassen
Friedrich von Lindelof 1871–72 Unter Großherzog Ludwig III.
Karl Wilhelm Hofmann 1872–76 Unter Großherzog Ludwig III.
Philipp Freiherr Rinck gen. v. Starck 1876–79 Unter Großherzog Ludwig III., nach dessen Tod 1877 unter Großherzog Ludwig IV.
Jakob Finger 1884–98 Unter Großherzog Ludwig IV., nach dessen Tod 1892 unter Großherzog Ernst Ludwig
Carl Rothe 1898–1906 Unter Großherzog Ernst Ludwig
Christian Wilhelm Carl Ewald 1906–18 Unter Großherzog Ernst Ludwig, bis zur Novemberrevolution

Bis 1866 existierten außer dem Großherzogtum noch zwei weitere hessische Staaten, das Kurfürstentum Hessen-Kassel und die Landgrafschaft Hessen-Homburg.

Landesregierungen des Volksstaats HessenBearbeiten

In der Zeit des Volksstaats Hessen (1919 bis 1945) trug der Hessische Ministerpräsident gemäß Artikel 37 der Hessischen Verfassung die Amtsbezeichnung Staatspräsident, das Kabinett die Bezeichnung „Gesamtministerium“. Wie heute wurde die Regierung vom Hessischen Landtag gewählt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Landesregierungen zugunsten der regionalen Gliederungen der NSDAP („Reichsgaue“) weitgehend entmachtet.

Staats- und Ministerpräsidenten des Volksstaates Hessen waren:

Staatspräsident Kabinett Beteiligte Parteien Amtszeit Anmerkungen
Carl Ulrich (SPD) Kabinett Ulrich I SPD, DDP, Zentrum 1919–19
Carl Ulrich (SPD) Kabinett Ulrich II SPD, DDP, Zentrum 1919–1927 Staatspräsident ab 1920
Carl Ulrich (SPD) Kabinett Ulrich III SPD, DDP, Zentrum 1927–1928
Bernhard Adelung (SPD) Kabinett Adelung SPD, DDP, Zentrum 1928–33 Staatspräsident
Ferdinand Werner (NSDAP) Kabinett Werner NSDAP 1933 Gewählter Staatspräsident, dann ernannter Ministerpräsident
Philipp Wilhelm Jung (NSDAP) Kabinett Jung NSDAP 1933–35 Ministerpräsident
Jakob Sprenger (NSDAP) Kabinett Sprenger NSDAP 1935–45 Als Reichsstatthalter gleichzeitig Führer der Landesregierung


Hessische Landesregierungen seit 1945Bearbeiten

Seit der Gründung des heutigen Bundeslandes Hessen waren sieben verschiedene Parteien an Hessischen Landesregierungen beteiligt. Von 1945 bis 1987 sowie 1991–1999 führte die SPD die jeweiligen Landesregierungen, 1987–91 und seit 1999 die CDU. Seit 1945 bekleideten neun Politiker das Amt des Hessischen Ministerpräsidenten, davon gehörten fünf der SPD und drei der CDU an, einer war parteilos. Georg-August Zinn (SPD) war 19 Jahre lang Ministerpräsident und ist damit der Amtsinhaber mit der bisher längsten Dienstzeit.

Tarek Al-WazirJörg-Uwe HahnVolker BouffierKarin WolffRuth WagnerRupert von PlottnitzJoschka FischerWolfgang GerhardtHans KrollmannEkkehard GriesHeinz Herbert KarryJohannes StrelitzAlbert OsswaldHeinrich SchneiderGotthard FrankeHeinrich ZinnkannWerner HilpertVolker BouffierRoland KochHans EichelWalter WallmannHolger BörnerAlbert OsswaldGeorg August ZinnChristian StockKarl Geiler 


Die beiden ersten Ministerpräsidenten nach Kriegsende, Ludwig Bergsträsser (SPD) und Karl Geiler (parteilos), waren nicht gewählt, sondern von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzt worden. Die erste Landtagswahl nach dem Krieg fand am 1. Dezember 1946 statt.

Ministerpräsident Kabinett Beteiligte Parteien Amtszeit
Karl Geiler Geiler SPD, CDU, KPD, Parteilose 1945–46
Christian Stock Stock SPD, CDU 1946–50
Georg-August Zinn Zinn I SPD 1950–54
Zinn II SPD, GB/BHE 1954–58
Zinn III 1958–62
Zinn IV SPD, GDP 1962–66
Zinn V SPD 1966–69 (Rücktritt)
Albert Osswald Osswald I 1969–70
Osswald II SPD, FDP 1970–74
Osswald III 197476 (Rücktritt)
Holger Börner Börner I 1976–78
Börner II 1978–84
Börner III SPD, Grüne 1984–87
Walter Wallmann Wallmann CDU, FDP 1987–91
Hans Eichel Eichel I SPD, Grüne 1991–95
Eichel II 1995–99
Roland Koch Koch I CDU, FDP 1999–2003
Koch II CDU 2003–2009
Koch III CDU, FDP 20092010 (Rücktritt)
Volker Bouffier Bouffier I 2010–2014
Bouffier II CDU, Grüne seit 2014


WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten