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Karl von Hofmann

deutscher Politiker der Kaiserzeit, Ministerpräsident von Hessen, Staatssekretär im Reichsamt des Innern
Karl von Hofmann, 1867. Grafik von Hermann Scherenberg.

Karl Hofmann, ab 1882 von Hofmann (* 4. November 1827 in Darmstadt; † 9. Mai 1910 ebenda) war ein deutscher Politiker. Im Großherzogtum Hessen war er Präsident des Gesamt-Ministeriums. Als Staatssekretär im Reichsamt des Innern war er gleichsam Innenminister des Deutschen Kaiserreichs.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Seine Eltern waren der Hofgerichts-Advokat in Darmstadt Heinrich Karl Hoffmann (1795–1854) und dessen Ehefrau Sophie Volhard (1798–1857). Der Maler Heinrich Ferdinand Hofmann war sein Bruder.

Hofmann studierte Rechtswissenschaft an der Hessischen Ludwigs-Universität, wo er sich 1845 der Alten Gießener Burschenschaft Frankonia anschloss. Er bemühte sich nach seinem Studium vergeblich um eine Zulassung als Anwalt. Im Jahre 1858 kam er jedoch als Rat zum hessischen Außenministerium. Er begleitete den Gesandten des Deutschen Bundes, Friedrich Ferdinand von Beust, auf der (ergebnislosen) Konferenz von London (1864) zur Klärung der Schleswig-Holstein-Frage. Zwei Jahre später nahm er als Bevollmächtigter Hessens an den Verhandlungen über den Frieden mit Preußen nach dem Deutschen Krieg teil. 1867 stieg er zum hessischen Gesandten in Berlin und zum Mitglied des Bundesrats im Norddeutschen Bund für das Großherzogtum Hessen auf. Trotz seiner hohen Stimme erwies er sich als hervorragender Parlamentsredner. Schwierig für ihn war es, seine Politik mit den reaktionären und partikularistischen Ansichten von Karl Friedrich Reinhard Freiherr von Dalwigk zu vereinbaren. Dessen Entlassung erfolgte jedoch 1871, Friedrich Freiherr von Lindelof folgte ihm für die Dauer von anderthalb Jahren. Am 13. September 1872 wurde Hofmann Präsident des Gesamt-Ministeriums im nunmehr dem Deutschen Kaiserreich eingegliederten Hessen.

Im Bundesrat vor allem mit seiner deutschnationalen Einstellung auffällig, führte Hofmann im Großherzogtum lang ersehnte Reformen durch, unter anderem regelte er im Sinne der preußischen Maigesetze 1875 das Verhältnis zur katholischen Kirche neu. Im Mai 1876 wechselte er zum Reichskanzleramt, wo er Rudolph von Delbrück als Präsident ablöste. Drei Jahre später erhielt er die Posten des Staatssekretärs im Reichsamt des Innern und des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe.[1] Am 23. Mai 1878 brachte Hofmann für den krankheitsbedingt verhinderten Otto von Bismarck das Sozialistengesetz in den Reichstag ein und verteidigte den Entwurf in seiner Begründung energisch. Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit dem Reichskanzler in der Arbeiterfrage trat er im August 1880 zurück und übernahm nur zwei Monate später das Staatssekretär-Amt im Reichsamt für Elsaß-Lothringen in Straßburg, welches er bis zur Reichstagswahl 1887 behielt. Wilhelm I. erhob ihn 1882 in den erblichen preußischen Adel. Im Jahre 1889 wurde er Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, 1891 Kolonialrat.

FamilieBearbeiten

Karl von Hofmann ehelichte Cora Kekulé von Stradonitz (1835–1897). Dieser Ehe entsprangen:

  • Sophie (* 1860) ∞ Justus Carriere
  • Ludwig (1861–1945) ∞ Eleonore Kekulé von Stradonitz (* 1876)
  • Heinrich (1864–1921), Generalleutnant ∞ Freiin Asta von Grüter-Diepenbroik (1875–1940)
  • Maria (* 1865) ∞ Justus Thiersch (1859–1937), Bezirksarzt Sohn von Carl Thiersch
  • Cornelie (* 1866) ∞ Max von Kaisenberg (1862–1916), Oberstleutnant

LiteraturBearbeiten

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 2: F–H. Heidelberg 1999, S. 378–379.
  • Frank Zimmer: Karl von Hofmann und die deutsche Frage. Zur hessen-darmstädtischen Politik in der Reichsgründungszeit. Phil. Diss. Mainz 1992
  • Frank Zimmer (Hg.): Vom Norddeutschen Bund ins Deutsche Reich. Gesandtschaftsberichte und Briefe des großherzoglich hessischen Gesandten Karl Hofmann aus Berlin 1866-1872. Hessische Historische Kommission Darmstadt 2001, ISBN 3884430378.
  • Thiersch, Justus, Carl Thiersch; sein Leben, S.186 Stammbaum

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zu seien sozialpolitischen Aktivitäten vgl Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867-1881). 3. Band: Arbeiterschutz. bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Stuttgart/Jena/New York 1996, S. 333, 394 f., 407, 413, 424f., 452 f., 455ff., 473, 474ff., 478, 494, 496f., 497ff., 499ff., 510, 512f., 539ff., 548, 551, 554f., 558-561, 568, 587f., 592, 595f., 597f., 602 f., 603 f., 611 f., 624 f., 627, 645 f., 649, 652, 653 ff., 662, 674, 681 ff., 691 ff., 713.