Partei der Arbeit der Schweiz

Partei in der Schweiz
Partei der Arbeit der Schweiz
PdA.svg
Gründungsdatum: 21. Mai 1944
Gründungsort: Basel
Ideologie: Kommunismus, Marxismus, Demokratischer Sozialismus
Präsidium: Gavriel Pinson
Mitglieder: 2.000[1]
(Stand: 2009)
Frauenanteil: im Nationalrat: 0 %
(Stand: 2019[2])
Durchschnittsalter: ~ 37
Wähleranteil: 0,6 %[3]
(Stand: Nationalratswahl 2019)
Nationalrat:
1/200
Ständerat:
0/46
Kantonale Parlamente:
11/2609

(Stand: Mai 2019)
Kantonale Regierungen:
0/154

(Stand: November 2019)
Parteigliederung: 8 Kantonalparteien
Europapartei: Europäische Linke
Website: www.pda.ch

Die Partei der Arbeit der Schweiz (PdA, französisch Parti suisse du Travail, PST, italienisch Partito Operaio e Popolare, POP, rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Partida svizra da la Lavur?/i, PSdL) ist eine politische Partei in der Schweiz. In den Kantonen Jura, Neuenburg und Waadt trägt sie den Namen Parti Ouvrier Populaire (POP). Die Partei ist in verschiedenen Kantons-, Stadt- und Gemeindeparlamenten vertreten. Ideologisch positioniert sie sich am linken Rand des politischen Spektrums.[4]

ZieleBearbeiten

Die Partei der Arbeit bezeichnet sich selbst als kommunistisch. Eines ihrer deklarierten Ziele ist es, «auf die Schaffung einer breiten Mehrheit zur Überwindung des Kapitalismus und auf die Entwicklung der schweizerischen Gesellschaft zum Sozialismus hinzuwirken»[5]. Die PdA sieht sich als solidarisch mit den sozial Schwachen und setzt sich für Umverteilung und gegen Privatisierungen ein.

GeschichteBearbeiten

Die PdA wurde 1944 als Nachfolgeorganisation der zwischen 1939 und 1941 verbotenen Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) und der Fédération socialiste suisse (FSS) gegründet. 1947 erreichte sie einen Wähleranteil von 5,1 Prozent auf Bundesebene und war in 18 Kantonen aktiv. In den 1950er Jahren war die PdA auch in den deutschschweizerischen Kantonen vertreten. Dort geriet sie aber wegen des Kalten Krieges in die Isolation und wurde zu einer Splittergruppe.[6] Einzig im Kanton Basel-Stadt hielt sie etwas mehr als fünf Prozent. In den 1990er Jahren fiel sie schliesslich auch in Basel in eine Krise. Neu- bzw. Wiedergründungen von Parteisektionen erfolgten 2003 in St. Gallen und Bern, womit 8 Kanontalsektionen bestanden. Ende 2019 hatte die Partei im Kanton Waadt insgesamt 30[7] Gemeinderäte und 3[7] Stadträte, davon allein 15[7] Gemeinderäte und 2[7] Stadträte im Vorort Renens westlich von Lausanne. In Lausanne selbst waren es im selben Jahr vier[7] Gemeinderäte und ein[7] Stadtrat. Am bedeutendsten ist sie in den industriell geprägten Regionen der französischsprachigen Romandie, wo sie auch in einzelnen Städten Regierungsmitglieder stellt. Die PdA kandidierte 2019 in sechs Kantonen für den Schweizer Nationalrat, ihr einziger Vertreter im Parlament ist Denis de la Reussille.

In ihrem Umfeld entstanden andere Parteien, die sich ab den späten 1960er Jahren von der PdA abspalteten, wie beispielsweise die POCH oder die 1969 gegründete Revolutionäre Marxistische Liga, die sich 1980 in Sozialistische Arbeiterpartei umbenannte. Manche schlossen sich in den 1990er Jahren wieder mit der PdA zusammen, um Wählerstimmen zu bündeln (z. B. das Wahlbündnis Alliance de Gauche in Genf), andere hingegen gingen wie die POCH in der Grünen Partei der Schweiz auf.

Die Jugendorganisation der PdA war ursprünglich die Freie Jugend. Heute gilt die Kommunistische Jugend Schweiz als offizielle Jugendorganisation der PdA. Diese ist Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend.[8]

Tabellarischer ÜberblickBearbeiten

  • 1918 (6. Oktober): Gründung der ersten kommunistischen Partei der Schweiz unter dem Namen Altkommunisten unter der Führung von Jakob Herzog (1892—1931)
  • 1921 (6. März): Nachdem die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) in einer Urabstimmung den Beitritt zur Dritten Internationalen abgelehnt hatte, verliess die Sozialistische Linke um Jules Humbert-Droz die Partei und fusionierte mit den Altkommunisten zur neu gegründeten Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS)
  • 1930: Abspaltung der Kommunistischen Partei-Opposition um Walther Bringolf, die im Kanton Schaffhausen die KPS als stärkste linke Partei verdrängt und deren Organ «Arbeiterzeitung» übernimmt
  • 1937: Verbot der KPS in den Kantonen Neuenburg und Genf
  • 1939 (3. Dezember): Gründung der Fédération socialiste suisse (FSS), nach Ausschluss der Anhänger Léon Nicoles aus der SP.
  • 1939 (28. Dezember): Verbot der Tageszeitung der KPS, «Freiheit»
  • 1940 (26. November): Verbot der KPS mit teilweiser Zustimmung der SP
  • 1941 (27. Mai): Verbot der FSS und Ausschluss der FSS-Nationalräte aus dem Parlament
  • 1944 (21. Mai): Gründung der Partei der Arbeit der Schweiz in Basel
  • 1947: Bei den Nationalratswahlen kommt sie auf 5,1 % der Stimmen und gewinnt sieben Sitze
  • 1969: Auflösung der PdA-Jugend nach den Jugendunruhen im Jahr 1968 und Gründung der POCH, RML und PSA
  • 1971: Einführung des Frauenwahlrechts, Nelly Wicky wird erste PdA-Nationalrätin
  • 2007: Umbenennung der Tessiner Sektion Partito del Lavoro (PdL) in Partito Comunista (PC)
  • 2011: Verlust der Vertretung im Nationalrat
  • 2015: Ausschluss der Tessiner PC und Gründung des Partito Operaio e Popolare (POP) als neuer Tessiner Sektion; Rückgewinn eines Nationalratssitzes
  • 2019: Gründung der PdA Wallis; Verteidigung des Nationalratssitzes

Nationalratswahlen 2007Bearbeiten

Bei den Nationalratswahlen 2007 kandidierte die PdA in den Kantonen Zürich, Waadt, Genf und Tessin mit eigenen Listen, im Kanton Neuenburg auf einer gemeinsamen Liste mit den solidaritéS. Das Wahlbündnis À Gauche toute!/Linke Alternative, das die PdA mit den solidaritéS sowie der Alternativen Listen in den Kantonen Aargau, Schaffhausen und Zürich eingegangen war, setzte sich zum Ziel, im Nationalrat Fraktionsstärke in Form von fünf Sitzen zu erreichen.

Obwohl die Partei den Wähleranteil insgesamt halten konnte, verlor sie in der Waadt den Sitz des Nationalrats Josef Zisyadis. Hingegen verpasste es der Stadtpräsident von Le Locle, Denis de la Reussille, nur knapp, in Neuenburg einen Sitz auf Kosten der Grünen zu gewinnen. Als nunmehr einzige Vertreterin der PdA im Nationalrat wurde Marianne Huguenin, Stadtpräsidentin von Renens, wiedergewählt. Sie verzichtete jedoch auf ihr Mandat, so dass Josef Zisyadis wieder in den Nationalrat einziehen konnte. Zudem ging in Genf der Sitz von Pierre Vanek der solidaritéS verloren, weil die PdA sich weigerte, mit den solidaritéS ein Unterlistenbündnis einzugehen. Auch in Zürich konnte À Gauche toute! (mit der Alternativen Liste als dortige Hauptkraft) keinen Sitz gewinnen.

WahlresultateBearbeiten

NationalratBearbeiten

Nationalratswahlergebnisse der PdA (1947–2015)
8%
6%
4%
2%
0%
Jahr Wähleranteil Sitze
1947 5,1 % 7
1951 2,7 % 5
1955 2,6 % 4
1959 2,7 % 3
1963 2,2 % 4
1967 2,9 % 5
1971 2,6 % 5
1975 2,4 % 4
1979 2,1 % 3
1983 0,9 % 1
1987 0,8 % 1
1991 0,8 % 2
1995 1,2 % 3
1999 1,0 % 2
2003 0,7 % 2
2007 0,7 % 1
2011 0,5 % 0
2015 0,4 %[9] 1
2019 0,6 % 1

Kantonale und kommunale WahlenBearbeiten

Die PdA ist derzeit in den Kantonen Neuenburg (8,3 %, 6 Mandate), Waadt (1,6 %, 2 Mandate), Jura (1,6 %, 2 Mandate) und Genf (2,1 %, 1 Mandat) in den Parlamenten vertreten. In den Kantonen Tessin (0,7 %), Bern (0,3 %) und Zürich (0,2 %) trat sie zuletzt erfolglos zur Wahl an (Stand: Mai 2019). In den Kantonen Genf und Waadt tritt sie seit 2011 jeweils im Wahlbündnis Ensemble à Gauche (EAG) mit anderen linken Gruppierungen an (u. a. SolidaritéS). Im Kanton Jura gibt es ein Bündnis mit der Gruppe Combat socialiste.

Auf kommunaler Ebene hat die PdA ihre Hochburgen in den Uhrenstädten Le Locle (16 von 41 Generalräten, 2 von 5 Stadträten) und La Chaux-de-Fonds (8 von 41 Generalräten, 1 von 5 Stadträten). Bei den Nationalratswahlen 2019 erreichte die PdA zusammen mit SolidaritéS 33,3 % in Le Locle und 26,2 % in La Chaux-de-Fonds.

Kommunistische Jugend SchweizBearbeiten

Die Kommunistische Jugend Schweiz (KJS, Jeunes POP auf Französisch) ist der Jugendverband der Partei der Arbeit der Schweiz. Sie ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend. Die Organisation ist nach dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus organisiert[10].

Ziel der KJS ist es, junge Menschen in der Schweiz durch politische Bildung, Aktionen und soziale Projekte zu sensibilisieren, zu mobilisieren und zu organisieren. Die KJS orientiert sich in ihrer Tätigkeit an den Lehren von Marx, Engels, Lenin und anderen revolutionären Denkern. Die KJS setzt sich für die Rechte von Lehrlingen, Arbeitslosen, Auszubildenden, Studierenden und Arbeitnehmern ein. Sie setzt sich ein für eine freie, qualitativ hochwertige und für alle zugängliche Bildung und einen kostenlosen und qualitativ hochwertigen öffentlichen Dienst, für eine natur- und umweltschonende Gesellschaft ohne Ausbeutung, für eine für alle kostenlos zugängliche Gesundheitsvorsorge sowie für die Förderung der Kultur und des Sports. Die Kommunistische Jugend der Schweiz engagiert sich gegen Nationalismus, Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung aufgrund von Nationalität und Volkszugehörigkeit. Die Organisation verurteilt Sexismus, Homophobie, Transphobie und alle anderen Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der sexuellen Identität. Für die Gleichstellung der Geschlechter und die sexuelle Identität. Die Organisation setzt sich ein für Frieden, gegen Krieg und Imperialismus, für offene Grenzen, für internationale Solidarität zwischen den Völkern. Sie will den Umsturz des Kapitalismus und die Errichtung des Kommunismus durch den Sozialismus.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Broschüre: «Der Bund kurz erklärt 2010», Seite 21.
  2. https://pda.ch/2019/10/die-partei-der-arbeit-ist-weitere-vier-jahre-im-nationalrat-vertreten/
  3. https://www.srf.ch/news/wahlen-2019-resultate
  4. Artikel über das Parlamentarier-Rating, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Oktober 2007.
  5. Worum es uns geht | Partei der Arbeit der Schweiz. Abgerufen am 11. Juli 2017 (deutsch).
  6. Partei der Arbeit (PdA), auf Geschichte der Sozialen Sicherheit, Bundesamt für Sozialversicherungen
  7. a b c d e f J. C.: Anaïs Timofte à la tête du Parti ouvrier populaire. In: Pietro Supino (Hrsg.): 24 heures. Nr. 269. Tamedia, Lausanne 19. November 2019, S. 5.
  8. Hineingewachsen in die PdA, Vorwärts, 29. Juni 2016
  9. Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz. Bundesamt für Statistik, 18. Oktober 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015.
  10. Statuten – Kommunistische Jugend Schweiz. Abgerufen am 1. Mai 2020 (deutsch).