Oblast Dnipropetrowsk

Verwaltungseinheit (Oblast) im Zentrum der Ukraine
Oblast Dnipropetrowsk
Дніпропетровська область
Dnipropetrowska oblast
Днепропетровская область
Dnepropetrowskaja Oblast
Wappen der Oblast Dnipropetrowsk Flagge der Oblast Dnipropetrowsk
Basisdaten
Oblastzentrum: Dnipro
Offizielle Sprachen: Ukrainisch (2012 bis 2019 auch Russisch[1])
Einwohner: 3.142.035 (2021)
Bevölkerungsdichte: 98,27 Einwohner je km²
in Städten: 84,1 %
Fläche: 31.974 km²
KOATUU: 1200000000
KATOTTH: UA12000000000090473
Kfz-Kennzeichen: AE, KE
Verwaltungsgliederung
Rajone: 7
Städte: 20
durch Oblast verwaltet: 13
durch Rajon verwaltet: 7
Stadtrajone: 18
Siedlungen städtischen Typs: 45
Dörfer: 1.436
Siedlungen: 63
Kontakt
Adresse: пр. Кірова 2
49004 м. Дніпропетровськ
Website: Offizielle Website
Karte
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Über dieses Bild
Statistische Informationen

Die Oblast Dnipropetrowsk (ukrainisch Дніпропетровська область Dnipropetrowska oblast; russisch Днепропетровская область Dnepropetrowskaja oblast) ist eine von 25 Verwaltungseinheiten (Oblast) der Ukraine im zentralen Osten des Landes. Sie hatte Anfang 2021 rund 3.142.000 Einwohner.[2] Im Jahre 2019 wurde beschlossen, die Oblast in Oblast Sitscheslaw umzubenennen.[3]

GeographieBearbeiten

 
Die Gebietshauptstadt Dnipro

Das Gebiet liegt in der Osteuropäischen Ebene und hat viele Steppen, der Dnepr durchfließt die Oblast vom Nordwesten direkt nach Dnipro und dann in südlicher Richtung in die Oblast Saporischschja. Die Oblast hat ein kontinentales Klima und sehr gute Böden, wodurch sie landwirtschaftlich sehr ertragreich ist. Die Oblast grenzt im Norden an die Oblast Poltawa, im Nordosten an die Oblast Charkiw, im Osten an die Oblast Donezk, im Südosten an die Oblast Saporischschja, im Südwesten an die Oblast Cherson, im Westen auf einem kürzeren Abschnitt an die Oblast Mykolajiw sowie im Nordwesten an die Oblast Kirowohrad.

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet war in der Geschichte regelmäßig zwischen dem Russischen Reich, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich umstritten. (siehe auch Geschichte der Ukraine). Am 27. Februar 1932 wurde die Oblast schließlich im Zuge einer Verwaltungsreform neu erschaffen, diese wiederum wurde aus den 1923 (Okrug Katerinoslaw) bzw. 1926 (Okrug Dnipropetrowsk) erschaffenen Okrugs gebildet. Bis 1923 lag das Gebiet der heutigen Oblast im seit 1802 bestehenden Gouvernement Jekaterinoslaw. Die Grenzen der 1932 geschaffenen Oblast waren jedoch nicht mit den heutigen vergleichbar.

Im Jahr 1991 wurde die damals zur USSR bzw. UdSSR gehörende Oblast nach dem Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine Staatsgebiet der Ukraine. Das Referendum ergab, dass von den Wählern in der Oblast Dnipropetrowsk 7 % gegen und 90 % für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion stimmten.

Administrative UnterteilungBearbeiten

Seit der Rajonreform vom 18. Juli 2020[4] existieren in der Oblast Dnipropetrowsk folgende administrative Gliederungen:

  • Administratives Zentrum – 1 (Dnipro)
  • Rajone – 7 (verwaltet von Rajonräten, районна рада)
  • Ortschaften – 1504, davon:

Rajone der Oblast DnipropetrowskBearbeiten

Dnipro
Kamjanske
Krywyj Rih
Nikopol
Nowomoskowsk
Pawlohrad
Synelnykowe
Karte der Rajone der Oblast mit ihren gleichnamigen Verwaltungszentren
 
Karl-Marx-Prospekt in Krywyj Rih
Rajon Dnipro
Rajon Kamjanske
Rajon Krywyj Rih
Rajon Nikopol
Rajon Nowomoskowsk
Rajon Pawlohrad
Rajon Synelnykowe

Größte Städte und SiedlungenBearbeiten

Stadt
(Russischer Name in Klammern falls abweichend)
Ukrainischer Name Russischer Name Einwohner
1. Januar 2021
Dnipro (Dnepr) Дніпро Днепр 980.948
Krywyj Rih (Kriwoi Rog) Кривий Ріг Кривой Рог 612.750
Kamjanske (Kamenskoje) Кам'янське Каменское 229.794
Nikopol Нікополь Никополь 107.464
Pawlohrad (Pawlograd) Павлоград Павлоград 103.073
Nowomoskowsk Новомосковськ Новомосковск 70.230
Marhanez (Marganez) Марганець Марганец 45.718
Schowti Wody (Scholtyje Wody) Жовті Води Жёлтые Воды 42.901
Pokrow Покров Покров 38.111
Synelnykowe (Sinelnikowo) Синельникове Синельниково 30.021
Perschotrawensk Першотравенськ Першотравенск 27.573
Terniwka (Ternowka) Тернівка Терновка 27.305
Wilnohirsk (Wolnogorsk) Вільногірськ Вольногорск 22.458
Pidhorodne (Podgorodnoje) Підгородне Подгородное 19.336
Pjatychatky (Pjatichatki) Пьятихатки Пятихатки 18.457
Werchnjodniprowsk (Werchnedneprowsk) Верхньодніпровськ Верхнеднепровск 15.749
Sloboschanske (Sloboschanskoje) Слобожанське Слобожанское 14.293
Apostolowe (Apostolowo) Апостолове Апостолово 13.246
Selenodolsk Зеленодольськ Зеленодольск 12.874
Wassylkiwka (Wassilkowka) Васильківка Васильковка 11.439
Werchiwzewe (Werchowzewo) Верхівцеве Верховцево 10.081
Quellen:Ukrainisches Amt für Statistik, Seiten 13-15 und Sekundärquelle City Population

WirtschaftBearbeiten

 
Eine russische Postkarte von 1856, welche die Geschichte, Wirtschaft, Geographie und die Kultur der damaligen Provinz Jekaterinoslaw darstellt

Die Oblast zählt zu den Industriegebieten der Ukraine. Etwa 17 % der gesamten ukrainischen Industrieproduktion werden hier erwirtschaftet, was einem Achtel des BIP entspricht. Der wirtschaftliche Kern der Region beruht auf Bergbau und dem sogenannten Hüttenindustriekomplex, der 40 % der ukrainischen Produktion erwirtschaftet. 100 % des ukrainischen Manganerzes, 81 % des gesamten ukrainischen Eisenerzes, 19 % der Kohle und 12 % des ukrainischen Stickstoffdüngers werden hier abgebaut bzw. erzeugt. Außerdem wird hier europaweit das meiste Uran abgebaut. Energieerzeuger in der Region stellen jährlich 12 Milliarden Kilowattstunden.

Daneben zählt die von Großbetrieben geprägte Landwirtschaft zu den Wirtschaftsfaktoren. Jährlich wurden hier 1,7 Mio. t Getreide, 618.000 t Sonnenblumen, 156.000 t Zuckerrüben und eine Mt Früchte und Gemüse angebaut.

Innerhalb von sieben Jahren hat sich der Außenhandelsumsatz vervierfacht und die Ausfuhr mehr als verdreifacht. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Region.[5]

RohstoffindustrieBearbeiten

Hier werden 40 verschiedene Arten von Rohstoffen abgebaut, unter anderem große Eisenerzvorkommen (hauptsächlich im Krywbass und Dnipro), Buntmetalle, Uranvorkommen (hauptsächlich im Krywbass). Außerdem wird hier Braun-/Steinkohle abgebaut,[6] es gibt Vorkommen vom seltenen Mineralen wie Anduoit, Kaolin, Rutil und von Zirconium.[7]

SchwerindustrieBearbeiten

Die gute wirtschaftliche Entwicklung der Schwerindustrie in der Region basiert auf den bedeutenden Rohstoffvorkommen und der Verkehrsanbindung. Reichhaltige und leicht zugängliche Vorkommen von Eisenerz, insbesondere in der Krywbass-Region, und die relative Nähe zur Donbass-Region mit ihren reichen Kohlevorkommen sowie die vorhandenen Wasserstraßen sorgten für die gute Anbindung an die GUS-Staaten und die wirtschaftliche Prosperität. Nachfolgend wurden hier viele Metallbetriebe angesiedelt, unter anderem KrywoRischStal. Außerdem ist die Interpipe-Group hier beheimatet. Die bedeutendsten Metallurgiekombinate sind Severny GOK, Mittal Steel, Nico Tube, Dnijprowskij Stahlwerke und Marganez GOK

MaschinenbauBearbeiten

Der Maschinenbau macht etwa sechs Prozent der Industrieproduktion aus. Mitte der 1940er-Jahre wurde hier ein gigantischer Industriekomplex gebaut. Heute ist die Oblast führend im Maschinenbau der Ukraine, sie war zuletzt mit etwas mehr als zehn Prozent an der gesamten ukrainischen Produktion beteiligt. Der Maschinenbau in der Region hat sich vor allem auf die Herstellung von elektrotechnischen Anlagen, Landwirtschaftsfahrzeugen und Bahntechnik fokussiert. Die größten Maschinenbauer der Region sind: Dniprowaschmasch (Anlagen für Walzwerke), Piwdenmasch (Traktoren, Haushaltsgeräte und Weltraumtechnik) und Prodmasch.

ElektrizitätswirtschaftBearbeiten

Die Elektrizitätswirtschaft der Region basiert hauptsächlich auf den reichen Vorkommen von Braun-/ Steinkohle. Die Wärmekraftwerke „Pridniprowskaja“ und „Kriworischskaja“ erzeugen zusammen 4700 Megawatt Strom. Daneben gibt es ein bedeutendes Wasserkraftwerk am Kamjansker Stausee. Die Region erzeugt ca. 8 % des landesweit erzeugten Stroms, womit sie bei der Stromerzeugung den zweiten Platz unter den Regionen einnimmt.

Chemische IndustrieBearbeiten

Die Palette reicht von Lacken und Düngemittel über Farben bis hin zu Reifen. In Dnipro ist unter anderem auch Dnjeproschina, der in Europa größte Produzent von Reifen, beheimatet. 40 % der Chemieproduktion wird ins Ausland verkauft.

BauwirtschaftBearbeiten

Der Aufschwung hatte auch den Bausektor erfasst. In der Region gibt es einen dynamisch wachsenden Markt für verschiedenste Baudienstleistungen mit einer großen Zahl an Wettbewerbern. Mit verschiedenen Finanzierungsformen wurden im Jahr 2006 mehr als 400.000 Quadratmeter fertiggestellt. Das entspricht einer Steigerung um 107 % zum Vorjahr.[8]

Jahr Außenhandelsumsatz mit Waren und Dienstleistungen in Milliarden USD Ausfuhr der Waren und Dienstleistungen in Millionen USD
2007 15,7 10,1
2006 11,1 7,2
2005 9 6,1
2004 7,7 5,4
2003 5,6 3,7
2002 4 2,9
2001 3,8 2,8
2000 3,9 2,9

In fünf Jahren hat sich die Industrieproduktion von 37.330 Mio. UAH im Jahr 2003 auf 101.980 Mio. UAH im Jahr 2007 fast verdreifacht.[9]

Jahr Industrieproduktion (in Mio. UAH)
2007 101.980
2006 76.105
2005 63.732
2004 51.175
2003 37.330

In der Oblast gibt es Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, chemische Industrie und Stahlverhüttung. Außerdem war Dnipropetrowsk eine geschlossene Stadt, da sie eines der Zentren der sowjetischen Raumfahrt- und Rüstungsindustrie war und für die Ukraine bis heute ist.

Ausländische InvestitionenBearbeiten

Investitionen aus Deutschland stellen etwa ein Drittel der gesamten Auslandsinvestitionen in der Region und das Handelsvolumen mit Deutschland erhöhte sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 um 37 %.

Jahr Umfang der direkten ausländischen Investitionen
per capita (in Mio. USD)
Zuwachs der Umfängen von fremden Investitionen
zum jeweils nächsten Jahr (in Mio. USD)
2008 2924,2
2007 2361,3 + 562,9
2006 1740,5 +513,2
2005 778,6 +665,3 (und +711,3)
2004 598,4 +180,2

DemographieBearbeiten

Die Einwohnerzahl beträgt (Stand 2014) 3.292.400 und stellt damit 5,3 % der gesamten ukrainischen Bevölkerung. Laut Volkszählung von 2001 verteilen sich die ethnischen Gruppen in der Oblast Dnipropetrowsk wie in der folgenden Tabelle.[10]

Nationalität Einwohner 1989 (%) 2001 (%) Veränderung (%)[11]
Ukrainer 2.825.800 71,6 79,3 +2,0 %
Russen 627.500 24,2 17,6 −32,9 %
Belarussen 29.500 1,3 0,8 −40,4 %
Juden 13.700 1,3 0,4 −72,5 %
Armenier 10.600 0,1 0,3 +200 %
Aserbaidschaner 5600 0,2 0,2 −6,1 %
Moldauer 4400 0,17 0,12 −33,7 %
Roma 410 0,11 0,11 +0,1 %
Tataren 3800 0,15 0,11 −32 %
Deutsche 3800 0,17 0,11 −41 %
Georgier 2800 0,05 0,08 +40 %
Bulgaren 2300 0,07 0,06 −17,2 %
Koreaner 1400 0,03 0,04 +13,6 %
Usbeken 1400 0,04 0,04 −21,1 %
Griechen 1100 0,04 0,03 −24,7 %
Andere 15.600 0,4 0,5 −22,0 %
Muttersprache 2001 (%)[12]
Ukrainisch 67,0
Russisch 32,0
Andere Sprachen 1,0
Anzahl Einwohner
Jahr 1989199019951998200120052008201220142021
Einwohner 3.881.2003.899.4003.888.8003.758.7003.612.6003.476.1763.398.3983.320.299[13]3.292.400[14]3.142.035[15]

WeblinksBearbeiten

 Wikinews: Oblast Dnipropetrowsk – in den Nachrichten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1] Einführung der Russischen Sprache in der Oblast Dnipropetrowsk (ukrainisch)
  2. Державна служба статистики України. In: www.ukrstat.gov.ua. Abgerufen am 11. April 2022.
  3. Legal news in Ukraine: Constitutional Court approved renaming of Dnipropetrovsk region, notaries require salary increase, a note of Ukraine to Russia, treaty on friendship with Russia has been expired. 7. April 2019, archiviert vom Original am 18. April 2019; abgerufen am 5. März 2022 (englisch).
  4. Верховна Рада України; Постанова від від 17.07.2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів
  5. [2]@1@2Vorlage:Toter Link/www.localglobal.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. [3] (PDF; 52 kB) The Mineral Institute of Ukraine
  7. [4] (PDF; 173 kB) The Mineral Institute of Ukraine
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bblaw.com (PDF; 2,1 MB)
  9. http://www.localglobal.de/@1@2Vorlage:Toter Link/www.localglobal.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 20. August 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ukrcensus.gov.ua державний комітет статистики України, Deutsch etwa: Staatliches Komitet für Statistik (in) der Ukraine gleichzusetzen mit Statistisches Bundesamt
  11. http://2001.ukrcensus.gov.ua/eng/results/general/nationality/Dnipropetrovsk/
  12. http://2001.ukrcensus.gov.ua/eng/results/general/language/Dnipropetrovsk/
  13. http://www.ukrcensus.gov.ua/eng/
  14. http://www.ukrstat.gov.ua/
  15. http://www.ukrstat.gov.ua/

Koordinaten: 48° 21′ N, 35° 6′ O