Wasserstraße

schiffbare Flüsse und Kanäle

Unter einer Wasserstraße versteht man schiffbare Flüsse und Kanäle. Meerengen mit dem Attribut „Straße“ sind Seestraßen.[1] (Verwaltungsbestimmungen können andere Sprachregelungen haben, die jedoch weder in die Umgangs- noch in die Seemannssprache Eingang gefunden haben.)

Europäische Wasserstraßen
Auch Fahrrinnen werden manchmal als Wasserstraßen bezeichnet (hier das deutsche Forschungsschiff Polarstern)

Während Seekanäle wie Suezkanal, Panamakanal oder Nord-Ostsee-Kanal zwei Meere oder Meeresteile miteinander verbinden, ergänzen Binnenlandkanäle die Schifffahrt auf den Flüssen, wobei zwei Arten zu unterscheiden sind: Seitenkanäle gehen von einem Flusslauf aus und münden weiter unterhalb meist wieder in ihn hinein. Wasserscheidenkanäle verbinden zwei Flussgebiete miteinander.

Eigentum und Verwaltung in DeutschlandBearbeiten

Die verkehrlich bedeutenden Wasserstraßen in Deutschland stehen überwiegend als Bundeswasserstraßen im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und unter der Verwaltung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), einer zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gehörenden Verwaltung. Die Verwaltung einer Bundeswasserstraße kann auch an ein Bundesland delegiert werden (sog. „Delegationsstrecken“, beispielsweise die Elbe oberhalb Tinsdal bis Oortkaten, das Hamburger Hafengebiet, an die Freie und Hansestadt Hamburg) und umgekehrt. Weitere Wasserstraßen unterliegen als Landeswasserstraßen der Verwaltung der Bundesländer.

 
Landeswasserstraße (in Zehdenick)

Hinsichtlich der wegerechtlichen Stellung (Bau und Unterhaltung) unterscheidet man beim Bund zwischen Seewasserstraßen und Binnenwasserstraßen. Nach dem geltenden Schifffahrtsrecht wird in Seeschifffahrtsstraßen und Binnenschifffahrtsstraßen unterschieden. Auf Seeschifffahrtsstraßen gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung bzw. die internationale Schifffahrtsordnung Emsmündung, auf Binnenschifffahrtsstraßen die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung bzw. für grenzüberschreitende Wasserstraßen entsprechende international vereinbarte Regelungen (Rhein-, Donau-, Moselschifffahrtspolizeiverordnung).

Das Binnenwasserstraßennetz des Bundes beträgt derzeit etwa 7.290 km (sowie 23.000 km² Seewasserstraßenflächen) – etwa 6.550 km sind davon Binnenschifffahrtsstraßen, etwa 690 km Seeschifffahrtsstraßen und etwa 50 km Delegationsstrecken.[2]

FunktionBearbeiten

Die Hauptfunktion von Wasserstraßen ist der Güter- und Personentransport als Verkehrsfunktion. Daneben stehen die Funktionen des Wasserabflusses, der Trinkwasserversorgung, der Be- und Entwässerung, der Energieversorgung (durch Wasserkraftwerke und in Kühlfunktion für gängige Wärmekraftwerke) sowie die Freizeitfunktion und der Erholung und schließlich der Fischerei als Sicherung der Nahrungsgrundlage. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Wasserstraßen ist daher bedeutend.

Im EU-Weißbuch „Die europäische Verkehrspolitik bis 2010: Weichenstellungen für die Zukunft“ wird die Binnenschifffahrt als der „umweltfreundlichste und sicherste Verkehrsträger mit einer besonders günstigen Energieeffizienz und erheblichem Wachstumspotential“ bezeichnet.

Bundeswasserstraßen (Auswahl)Bearbeiten

Die längsten Flüsse Deutschlands (über 200 km) sind:[2]

Die Moselkanalisierung fand 1958–1964 statt. Der Neckar wurde im Wesentlichen von 1921 bis 1968 zur Großschifffahrtsstrasse ausgebaut.

Die längsten Kanäle Deutschlands (über 100 km) sind:[2]

KlassifizierungBearbeiten

Binnenwasserstraßen werden aufgrund einer Mitte der 1970er Jahre erlassenen europäischen Konvention in sieben Klassen eingeordnet, die mit den römischen Zahlen von „I“ (nur kleine Schiffe) bis „VII“ (größte Klasse) gekennzeichnet sind.

Wasserstraßen in ÖsterreichBearbeiten

Wasserstraßen in Österreich sind:

  • Donau im gesamten Verlauf einschließlich Wiener Donaukanal (außer bestimmte Altarme sowie die Neue Donau) – etwa 300 km, wobei der Fluss sowohl im Westen als auch im Osten ein Stück mit der Grenze zu Deutschland (linksufrig auf 20 km) bzw. zur Slowakei (rechts 8 km) zusammenfällt.
  • Traun bis km 1,80 (Einfahrt in den Schwerlasthafen der VOEST)
  • Enns bis km 2,70 (Ennshafen)
  • March bis km 6,00

Wasserstraßen in EuropaBearbeiten

In ihrem Weißbuch über Binnenschifffahrt listet die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) folgende Wasserstraßen in Europa auf:[3]

  • E01 bis E05 Binnenwasserstraßen Benelux
  • E10 Nordsee – Mittelmeer
  • E13 Ems
  • E14 Weser
  • E20 Nordsee – Donau
  • E30 Ostsee – Donau
  • E40 Ostsee – Schwarzes Meer
  • E41 Memel
  • E50 Ostsee – Kaspisee
  • E60 Weißes Meer – Ostsee – Nordsee – Atlantik – Straße von Gibraltar
  • E70 Nordsee – Binnenwasserstraßen – Ostsee
  • E71 Teltowkanal – Oder
  • E80 Ärmelkanal – Schwarzes Meer
  • E81 Waag
  • E90 Straße von Gibraltar – Mittelmeer – Schwarzes Meer – Kaspisee
  • E91 Adria – Norditalien

Kleine Stichstrecken sind hier nicht dargestellt. Diese erkennt man an einem Bindestrich, z. B. E60-01.

Siehe auchBearbeiten

Allgemein

Deutschland

Österreich

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Wasserstraße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Segelhandbücher der entsprechenden Reviere
    Lehrbücher für die entsprechenden Patente
  2. a b c Längen der Hauptschifffahrtswege der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. UNECE: White Paper on the Progress, Accomplishment and Future of Sustainable Inland Water Transport 2020, Figure III