Gachnang

Gemeinde in der Schweiz
Gachnang
Wappen von Gachnang
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Frauenfeld
BFS-Nr.: 4571i1f3f4
Postleitzahl: 8547
UN/LOCODE: CH ISL (Islikon)
Koordinaten: 706272 / 265689Koordinaten: 47° 32′ 0″ N, 8° 51′ 0″ O; CH1903: 706272 / 265689
Höhe: 465 m ü. M.
Fläche: 9,7 km²
Einwohner: 4364 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 450 Einw. pro km²
Website: www.gachnang.ch
Schloss Gachnang mit katholischer Kapelle

Schloss Gachnang mit katholischer Kapelle

Karte
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Gachnang, in der schweizerdeutschen Ortsmundart Gochlinge, ist eine politische Gemeinde und ein Kirchdorf im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau in der Schweiz. Die politische Gemeinde besteht aus den Ortschaften Gachnang, Islikon, Kefikon, Niederwil mit den Weilern Strass und Bethelhausen sowie Oberwil mit Rosenhuben.[2] Sie gehört zur Agglomeration Frauenfeld.

Die Ortsgemeinde Gachnang bildete bis 1997 mit denjenigen von Kefikon, Islikon, Niederwil, Oberwil und Gerlikon die Munizipalgemeinde Gachnang. Gerlikon und die von der Ortsgemeinde Oberwil abgetrennten Ortsteile Zelgli und Schönenhof wurden 1998 in die Einheitsgemeinde Frauenfeld integriert.[3]

GeschichteBearbeiten

 
Gachnang im Jahr 1923

Vom Egelsee nördlich von Niederwil stammen bedeutende urgeschichtlichen Funde aus der Pfyner Kultur. Die erste schriftliche Erwähnung von Gachnang datiert aus dem Jahre 889 als Kachanang. als König Arnulf seinem Getreuen Diethelm einen Hof in Gachnang mit zehn herrschaftlichen Huben schenkte. Ab dem 11. Jahrhundert befand sich Gachnang im Besitz des Klosters Reichenau. Die Herren von Gachnang verwalteten als Kyburger und später auch Reichenauer Ministerialen die Herrschaft Gachnang von ihrer abgegangenen Burg Alt-Gachnang bzw. dem Meierhof Meiersberg aus. 1417 kam die Herrschaft an die Herren von Schinen, die vor 1500 am heutigen Standort Neu-Gachnang errichteten. 1562 gelangte sie an Kaspar Ludwig von Heidenheim, 1587 an Hektor von Beroldingen und 1623 ans Kloster Einsiedeln. Bei diesem blieb die niedere Gerichtsbarkeit bis 1798. Die älteste erhaltene Offnung datiert von 1430.[2]

Die Kirchgemeinde Gachnang bestand wohl bereits vor 1000 und umfasste eine Reihe von Ortschaften auf Thurgauer und Zürcher Gebiet, darunter bis 1651 bzw. 1874 auch die Filialen Ellikon an der Thur und Gerlikon. Der Bau der Kirche erfolgte vor dem 13. Jahrhundert. Mitten durch die Pfarrgemeinde verlief ab 1427 die Hoheitsgrenze zwischen den Grafschaften Kyburg und Thurgau, die heute die Kantonsgrenze zwischen den Kantonen Zürich und Thurgau bildet. 1528 trat die ganze Gemeinde zur Reformation über.[2] Im Jahre 1610 führte eine Religionsauseinandersetzung in Gachnang, der Gachnanger Handel, beinahe zu einem Krieg zwischen Zürich und den im Thurgau mitregierenden katholischen Orten.[4] Im Gefolge des Gachnangerhandels von 1610 wurde die Pfarrei geteilt und die 1587 gebaute katholische Schlosskapelle wurde Pfarrkirche. Die Kollatur lag beim Kloster Reichenau bzw. beim Bischof von Konstanz.[2]

Das von der Landwirtschaft geprägte Dorf dehnte sich lange nur wenig über die mittelalterliche Zentren um Kirche und Schloss aus. Erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist Gachnang als typische Wohngemeinde über die Tegelbachsenke hinausgewachsen. Ab 1916 brachte die Mosterei das Schloss zu neuer Blüte.[2]

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Weiss ein aufrechtes rotes Einhorn.[5]

Die damalige Ortsgemeinde Gachnang übernahm als Gemeindewappen das Wappen der reichenauischen Ministerialen von Gachnang. Die Farben erinnern an die Zugehörigkeit zum Kloster Reichenau.[5] Nachdem 1998 aus der ehemaligen Munizipalgemeinde Gachnang die politische Gemeinde gebildet worden war, führte die neue Gemeinde zunächst kein Wappen mehr.[6]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Gachnang[3]
 
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1870 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 2906 3423 4347
Munizipalgemeinde 1456 1368 1694 3038
Ortsgemeinde 343 280 350 694
Quelle [2] [3]

Von den insgesamt 4347 Einwohnern im Jahr 2018 waren 639 bzw. 14,7 % ausländische Staatsbürger.[7]

VerkehrBearbeiten

Gachnang liegt zwischen den beiden Autobahnen A1 und A7 und verfügt daher über eine hervorragende Verkehrsanbindung. Durch den von der Thurbo bedienten Bahnhof Islikon an der Bahnlinie von Winterthur nach Frauenfeld und verschiedene Buslinien ist das Gemeindegebiet auch gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Unter Denkmalschutz steht die reformierte Dorfkirche St. Pankratius.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Joseph Kälin (1903–1965), Schweizer Zoologe, Gründer und erster Direktor des Instituts der Görres-Gesellschaft für interdisziplinäre Forschung
  • Ruedi Heim (* 1967), katholischer Bischofsvikar im Bistum Basel
  • Pascal Cerrone (* 1981), Fussballer beim FC St. Gallen

WeblinksBearbeiten

 Commons: Gachnang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b c d e f Peter Giger: Gachnang. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  3. a b c 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  4. Peter Giger: Gachnangerhandel. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  6. Stefan Hilzinger: Nicht alle sind gewappnet. In: St. Galler Tagblatt (online), 4. April 2012
  7. 2018_2015_BevGmd_Geschl_Nat.xlsx (Bevölkerung nach Geschlecht und Nationalität, 2015-2018) Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.