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Fußball-Weltmeisterschaft 1970/Deutschland

QualifikationBearbeiten

Deutschland traf auf Schottland, Österreich und Zypern. Nach mühsamen Siegen gegen Österreich und mit 1:0 auf Zypern war Schottland mit Stürmerstar Denis Law der Hauptkonkurrent. Am 16. April 1969 spielte die deutsche Mannschaft in Glasgow und erkämpfte ein 1:1. Gerd Müller hatte die Deutschen in der 1. Halbzeit in Führung gebracht, Murdoch konnte in der 85. Minute ausgleichen. Die Entscheidung musste das Rückspiel in Hamburg bringen.

Am regnerischen 22. Oktober 1969 gingen die Schotten bereits nach drei Minuten durch Johnstone in Führung. Klaus Fichtel vom FC Schalke 04 konnte noch vor der Halbzeit ausgleichen. Nachdem Gerd Müller in Halbzeit zwei die Führung für die deutsche Mannschaft besorgte, gaben sich die Schotten immer noch nicht geschlagen und erkämpften den Ausgleich durch Gilzean. Stan Libuda brachte in der 79. Minute dann endlich die Entscheidung und Deutschland fuhr zur WM nach Mexiko.

Gerd Müller schoss neun der 20 deutschen Tore in der Qualifikation. In allen sechs Gruppenspielen erzielte der Spieler des FC Bayern München jeweils mindestens einen Treffer. Die meisten Spieler von Deutschland spielten zu der Zeit beim FC Bayern. Vier Spieler hatten in den Quali-Spielen 17 Berufungen. Es folgten der 1. FC Köln, Eintracht Braunschweig, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach mit jeweils acht Abstellungen.

Rang Land Tore Punkte
1 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland 20:3 11:1
2 Schottland  Schottland 18:7 7:5
3 Osterreich  Österreich 12:7 6:6
4 Zypern 1960  Zypern 2:35 0:12
Wien, 13. Oktober 1968
Praterstadion
Österreich- Deutschland 0:2 (0:1) Tor: 0:1 G. Müller (16.), 0:2 Eigenstiller (49., Eigentor)
Nikosia, 23. November 1968
GSP-Stadion
Zypern- Deutschland 0:1 (0:0) Tor: 0:1 G. Müller (90.)
Glasgow, 16. April 1969
Hampden Park
Schottland- Deutschland 1:1 (0:1) Tore: 0:1 G. Müller (38.), 1:1 Murdoch (85.)
Nürnberg, 10. Mai 1969
Frankenstadion
Deutschland- Österreich 1:0 (0:0) Tor:1:0 G. Müller (88.)
Essen, 21. Mai 1969
Georg-Melches-Stadion
Deutschland- Zypern 12:0 (7:0) Tore: 1:0 G. Müller (3.), 2:0 und 3:0 Overath (5.), (12.), 4:0 Haller (17.), 5:0 Lorenz (39.), 6:0 Held (42.), 7:0 G. Müller (44.), 8:0 Haller (46.), 9:0 G. Müller, (48.), 10:0 Höttges (50.), 11:0 Overath (63.), 12:0 G. Müller (85.)
Hamburg, 22. Oktober 1969
Volksparkstadion
Deutschland- Schottland 3:2 (1:1) Tore: 0:1 Johnstone (3.), 1:1 Fichtel (38.), 2:1 G. Müller (60.), 2:2 Gilzean (62.), 3:2 Libuda (79.)

AufgebotBearbeiten

Nummer / Name[1] Damaliger Verein Geburtstag Länderspiele/Tore(a) Sp. Tor Rot Gelb
Torhüter
1 Sepp Maier FC Bayern München 28.02.1944 19 (00) 5 0 0 0
21 Manfred Manglitz 1. FC Köln 08.03.1940 04 (00) 0 0 0 0
22 Horst Wolter Eintracht Braunschweig 08.06.1942 12 (00) 1 0 0 0
Abwehr
4 Franz Beckenbauer FC Bayern München 11.09.1945 38 (08) 5 1 0 0
11 Klaus Fichtel FC Schalke 04 19.11.1944 13 (01) 5 0 0 0
2 Horst-Dieter Höttges Werder Bremen 10.09.1943 39 (01) 4 0 0 0
15 Bernd Patzke Hertha BSC 14.03.1943 19 (00) 3 0 0 0
3 Karl-Heinz Schnellinger AC Mailand 31.03.1939 41 (00) 5 1 0 0
5 Willi Schulz Hamburger SV 04.10.1938 63 (00) 3 0 0 0
18 Klaus-Dieter Sieloff Borussia Mönchengladbach 27.02.1942 09 (04) 0 0 0 0
7 Berti Vogts Borussia Mönchengladbach 30.12.1946 24 (00) 6 0 0 0
6 Wolfgang Weber 1. FC Köln 26.06.1944 37 (01) 2 0 0 0
Mittelfeld
19 Peter Dietrich Borussia Mönchengladbach 06.03.1944 01 (00) 0 0 0 0
8 Helmut Haller Juventus Turin 21.07.1939 32 (13) 1 0 0 0
16 Max Lorenz Eintracht Braunschweig 19.08.1939 18 (01) 1 0 0 0
12 Wolfgang Overath 1. FC Köln 29.09.1943 49 (13) 6 1 0 1
Angriff
20 Jürgen Grabowski Eintracht Frankfurt 07.07.1944 07 (00) 5 0 0 0
10 Sigfried Held Borussia Dortmund 07.08.1942 27 (04) 3 0 0 0
14 Reinhard Libuda FC Schalke 04 10.10.1943 15 (02) 5 1 0 0
17 Johannes Löhr 1. FC Köln 05.07.1942 13 (05) 6 0 0 1
13 Gerd Müller FC Bayern München 03.11.1945 19 (17) 6 10 0 2
9 Uwe Seeler Hamburger SV 05.11.1936 65 (40) 6 3 0 0
Trainer
Helmut Schön (Bundestrainer) 15.09.1915
Jupp Derwall (Co-Trainer) 10.03.1927
(a) A-Länderspiele (in Klammern Länderspieltore) vor Beginn des Turniers

Als Mannschaftsarzt betreute Professor Hans Schoberth das deutsche Aufgebot.[2]

Deutsche SpieleBearbeiten

León (Q+VR+VF)
Mexiko-Stadt (HF+S3)
Spielorte und Quartier (Q)

VorrundeBearbeiten

Rang Land Tore Punkte
1 Deutschland Bundesrepublik  Deutschland 10:4 6:0
2 Peru  Peru 7:5 4:2
3 Bulgarien 1967  Bulgarien 5:9 1:5
3 Marokko  Marokko 2:6 1:5
Deutschland – Marokko 2:1 (0:1)
Daten Mittwoch, 3. Juni 1970 in León, Estadio Guanajuato
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Maier – Höttges (77. Löhr) – Willi Schulz, Haller (45. Grabowski), – Beckenbauer, Vogts, Overath, Seeler (C)  – Held, Fichtel, G. Müller
Marokko  Marokko Allal Ben Kassou (Torwart), Abdallah Lamrani, Boujamaa Benkhrif, Driss Kanoussi, Kassem Slimani, Mohamed Maaroufi, Ghandi Said, Driss Bamous (C)  (72. Ahmed Faras), Mohamed El Filali, Mahjoub Ghazouani (56. Abdelkader El Khyati), Houmane Jarir
Tore 0:1 Houmane Jarir (21.), 1:1 Seeler (56.), 2:1 G. Müller (78.)

Deutschland trat am 3. Juni als Vizeweltmeister gegen den WM-Neuling Marokko an und geriet schon nach 12 Minuten in Rückstand. Nach einem Fehler des Bremers Horst-Dieter Höttges schoss Jarir ein. Erst in der 56. Minute konnte Seeler den starken Torwart Allal Ben Kassou mit einem Flachschuss überwinden. In der 80. Minute köpfte Gerd Müller den Ball zum Siegtreffer ein.[3]

Deutschland – Bulgarien 5:2 (2:1)
Daten Sonntag, 7. Juni 1970 in León, Estadio Guanajuato
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Maier – Vogts, Höttges (45. Patzke), Fichtel, Schnellinger, Beckenbauer (72. Weber), Overath, Löhr (58. Grabowski), Libuda, Seeler (C) , G. Müller
Bulgarien 1967  Bulgarien Simeon Simeonov (Torwart), Dimitar Penew, Hristo Bonev, Dinko Dermendschiew (45. Vasil Mikov), Milko Gaidarski, Dobromir Zhechev, Boris Gagalenov (C)  (58. Aleksandar Schalamanov), Asparuch Nikodimow, Todor Kolev, Dimitar Marashliev, Georgi Asparuchow
Tore 0:1 Nikodimov (12.), 1:1 Libuda (20.), 2:1 G. Müller (27.), 3:1 G. Müller (52. Foulelfmeter), 4:1 Seeler (70.), 5:1 G. Müller (88.) 5:2 Kolev (89.)

Deutschland trat wieder in Leon an und musste erneut einen Rückstand aufholen: Durch ein Freistoßtor von Asparuch Nikodimov in der 11. Minute war Bulgarien in Führung gegangen. Libuda, der ein sehr gutes Spiel machte, glich acht Minuten später aus. Bundestrainer Schön hatte Helmut Haller von Anfang an durch Libuda und Held durch Löhr ersetzt. Müller und Seeler brachten Deutschland mit 5:1 in Führung. Kurz vor Spielende gelang dem Bulgaren Bojl Kolev noch ein Ehrentreffer.[4]

Deutschland – Peru 3:1 (3:1)
Daten Mittwoch, 10. Juni 1970 in León, Estadio Guanajuato
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Maier – Höttges (45. Patzke)- Schnellinger-, Beckenbauer, Vogts, Overath, Seeler (C) , Fichtel, G. Müller, Libuda (75. Grabowski), Löhr
Peru  Peru Luis Rubinos (Torwart), Orlando de la Torre, Héctor Chumpitaz (C) , Nicolas Fuentes, Ramon Mifflin, Roberto Challe (72. Luis Cruzado), Pedro Leon (56. Osvaldo Ramirez), Teófilo Cubillas, Alberto Gallardo, Pedro Gonzales, Hugo Sotil
Tore 1:0 G. Müller (19.), 2:0 G. Müller (26.), 3:0 G. Müller (39.), 3:1 Cubillas (44.)

Im dritten Gruppenspiel, das wieder in Leon stattfand, ging es gegen Peru um den Gruppensieg. Dieses hat Bulgarien mit 3:2 und Marokko mit 3:0 besiegt. Der Gewinner wäre Gruppensieger und dürfte auch im Viertelfinale in Leon spielen, bei einem Remis wäre gelost worden. Deutschland hatte die gleiche Startformation wie gegen Bulgarien und ging von Anfang an konzentriert zu Werke. Gerd Müller entschied das Spiel dann mit drei Toren innerhalb von 19 Minuten nach Flanken von Libuda, Löhr und Seeler. In der 43. Minute gelang dem jungen peruanischen Stürmerstar Cubillas mit einem abgefälschten Freistoß der Anschlusstreffer. In der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich beide noch diverse Chancen, aber die Stürmer scheiterten immer wieder an den gegnerischen Torhütern oder verfehlten das Tor.[5][6]

ViertelfinaleBearbeiten

Deutschland – England 3:2 n. V. (2:2, 0:1)
Daten Sonntag, 14. Juni 1970 in León, Estadio Guanajuato
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Maier – Schnellinger – Vogts, Fichtel, Höttges (46. Schulz) – Beckenbauer, Overath, Seeler (C)  – Libuda (57. Grabowski), G. Müller, Löhr
England  England BonettiNewton, CooperMullery, Labone, Moore (C) Lee, Ball, Hurst, Charlton (70. Bell), Peters (81. Hunter)
Tore 0:1 Mullery (31.), 0:2 Peters (49.), 1:2 Beckenbauer (69.), 2:2 Seeler (82.), 3:2 G. Müller (108.)

HalbfinaleBearbeiten

Italien ging in diesem Spiel schnell in Führung und konnte die Führung bis zur 90. Spielminute halten, ehe Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger den Ausgleich erzielen konnte. In der Verlängerung ging Deutschland zwar in Führung, jedoch konnten die Italiener wieder ausgleichen und das 3:2 vor der Pause erzielen. In der zweiten Halbzeit erzielte Gerd Müller erneut den Ausgleichstreffer, Rivera traf aber nur eine Minute später zum 4:3-Endstand. Dieses Spiel ist heute als Jahrhundertspiel bekannt.

Italien – Deutschland 4:3 n. V. (1:1, 1:0)
Daten Mittwoch, 17. Juni 1970 in Mexiko-Stadt, Estadio Azteca
Italien  Italien AlbertosiCeraBurgnich, Bertini, Rosato (94. Poletti), Facchetti (C) Domenghini, Mazzola (46. Rivera), De SistiBoninsegna, Riva
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Maier – Schnellinger – Vogts, Schulz, Patzke (66. Held) – Beckenbauer, Overath, Seeler (C)  – Grabowski, G. Müller, Löhr (52. Libuda)
Tore 1:0 Boninsegna (7.), 1:1 Schnellinger (90.), 1:2 G. Müller (95.), 2:2 Burgnich (98.), 3:2 Riva (104.), 3:3 G. Müller (110.), 4:3 Rivera (111.)

Spiel um Platz dreiBearbeiten

Deutschland sicherte sich mit einem knappen 1:0-Sieg über Uruguay den dritten Platz. Die Uruguayer waren zwar das stärkere Team, scheiterten aber an Horst Wolter, der von Helmut Schön die Chance bekam, sich zu bewähren. Außerdem musste die Mannschaft auf Franz Beckenbauer verzichten, der sich im Halbfinale gegen Italien die Schulter verrenkt hatte.

Deutschland – Uruguay 1:0 (1:0)
Daten Samstag, 20. Juni 1970 in Mexiko-Stadt, Estadio Azteca
Deutschland Bundesrepublik  Deutschland Wolter – Schnellinger (46. Lorenz) – Vogts, Fichtel, Patzke – Weber, Overath, Seeler (C)  – Libuda (75. Löhr), G. Müller, Held
Uruguay  Uruguay MazurkiewiczAncheta, Matosas, Montero, Ubiña (C) , MujicaManeiro (67. Sandoval), Cortés, CubillaMorales, Fontes (46. Espárrago)
Tore 1:0 Overath (27.)

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten