Hauptmenü öffnen

Eckersdorf

Gemeinde im Landkreis Bayreuth in Bayern
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Eckersdorf
Eckersdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Eckersdorf hervorgehoben

Koordinaten: 49° 56′ N, 11° 30′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Höhe: 416 m ü. NHN
Fläche: 36,17 km2
Einwohner: 5101 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 141 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95488
Vorwahl: 0921
Kfz-Kennzeichen: BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 131
Gemeindegliederung: 24 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bamberger Str. 30
95488 Eckersdorf
Website: www.eckersdorf.de
Bürgermeisterin: Sybille Pichl (Freie Wählergemeinschaft)
Lage der Gemeinde Eckersdorf im Landkreis Bayreuth
Landkreis Nürnberger LandBayreuthBayreuthLandkreis HofLandkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis KulmbachLandkreis LichtenfelsLandkreis BambergLandkreis ForchheimLandkreis TirschenreuthLandkreis Neustadt an der WaldnaabLandkreis Amberg-SulzbachPrüllWarmensteinacher Forst-NordWaidacher ForstWaidacher ForstVeldensteiner ForstNeubauer Forst-NordWaischenfeldLindenhardter Forst-SüdostLindenhardter Forst-NordwestLangweiler WaldBayreuthHeinersreuther ForstGlashüttener ForstForst Neustädtlein am ForstGemeindefreies Gebiet FichtelbergEmtmannsbergHaag (Oberfranken)SeybothenreuthCreußenWarmensteinachWeidenbergSchnabelwaidPrebitzPlechMistelgauMistelbach (Oberfranken)HummeltalHummeltalHeinersreuthGoldkronachGlashütten (Oberfranken)GeseesGefreesEckersdorfBischofsgrünBischofsgrünBindlachBetzensteinBad Berneck im FichtelgebirgeSpeichersdorfKirchenpingartenWaischenfeldPlankenfelsPegnitz (Stadt)MehlmeiselHollfeldFichtelberg (Oberfranken)AufseßAhorntalBischofsgrüner ForstPottenstein (Oberfranken)Karte
Über dieses Bild
Eckehartstraße im Ortskern von Eckersdorf
Blick von Eckersdorf über das Talmühlbachtal nach Donndorf

Eckersdorf ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Sie liegt unmittelbar westlich von Bayreuth.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Die Großgemeinde Eckersdorf befindet sich am Nordrand der Fränkischen Schweiz unweit der Festspielstadt Bayreuth. Der Sophienberg bildet mit 593 m ü. NN die höchste Erhebung in der Umgebung.

Der Ortskern des Hauptorts Eckersdorf liegt auf einer Anhöhe zwischen den Tälern des Mühlbachs und des Talmühlbachs. In den letzten Jahrzehnten dehnte sich der Ort vor allem nach Norden und Westen hin aus. Jenseits des Talmühlbachs entstand ein Neubauviertel mit Einfamilienhäusern, dessen Fläche die der ursprünglichen Ortschaft bei Weitem übersteigt. Man nennt diesen Gemeindeteil im Volksmund "Brunnenwiese". Entlang der Bamberger Straße und nördlich davon ist diese Siedlung mit den Neubaugebieten aus Donndorf mittlerweile zusammengewachsen.

OrtsteileBearbeiten

 
Gemeindeteil Oberwaiz: Forsthaus, ehemaliges Jagdschloss der Plassenberger, erbaut 1776

Eckersdorf hat 24 amtlich benannte Gemeindeteile,[2] auf der Website von Eckersdorf sind es 22 Gemeindeteile, da die Einöde Matzenberg und das Schloss Fantaisie zum Gemeindeteil Donndorf gerechnet werden (Einwohnerzahlen Stand: 5. Juli 2017, nur Hauptwohnsitze).[3]

Ortsteil Siedlungstyp Einwohnerzahl
Busbach Pfarrdorf 203
Donndorf Dorf 1961
Eckersdorf Pfarrdorf 1911
Eschen Dorf 120
Forst Dorf 137
Hardt Weiler 23
Heisenstein Einöde 5
Lahm Dorf 26
Lochau Weiler 17
Lohe Weiler 22
Melkendorf Weiler 13
Neustädtlein am Forst Pfarrdorf 166
Oberwaiz Dorf 343
Pleofen Dorf 35
Schanz Weiler 25
Simmelbuch Dorf 66
Stein Einöde 0
Tröbersdorf Kirchdorf 65
Vorlahm Weiler 17
Waldhütte Einöde 0
Windhof Weiler 9
Wolfsgraben Einöde 2

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Thurnau, Bayreuth, Mistelbach und Mistelgau.

GeschichteBearbeiten

 
Wappen der Familie von Lüchau am Taufbecken der Eckersdorfer Kirche

Mittelalterliche GeschichteBearbeiten

Der Ort wird im Giechburgvertrag (1143/49) als „Eckehartestorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Namenspatron der Burgkapelle, der Heilige Kilian, legt einen Zusammenhang zum Bistum Würzburg nahe. Damit hätte die früheste Besiedlung noch vor der Gründung des Bamberger Bistums (1007) gelegen. Jedoch lässt sich ein Würzburger Altzehnt auf der Gemeindeflur nicht nachweisen.[4]

Die Namensnennung sowie die Bezeichnung als Dorf lässt auf eine herrschaftliche Gründung schließen, im Gegensatz zu dem wohl aus freibäuerlichen Zusammenschlüssen besiedelten Mistelgau. Der Schloßhof südlich der damaligen Burgkapelle des Heiligen Kilian im Zentrum Eckersdorfs ist wohl der Ursprung dieser Herrschaftssiedlung. Das mittelalterliche Dorf ist einerseits als Haufendorf um die beiden Burgen entstanden. Allerdings sind auch Entwicklungen eines Straßendorfs entlang der halbmondförmigen Dorfstraße (heute: Eckehartstraße) erkennbar. Der Ortsnamen leitet sich wohl vom Personennamen des Gründers Eckehard ab.[5] Dessen Nachfahren, z. B. Uldarich, werden mit „de Eckehartestorf“ tituliert.

Nach dem Ende des niederadligen Geschlechts der "von Eckersdorf" kamen die Grafen von Andechs-Meranien in den Besitz des heutigen Gemeindegebiets bis zu ihrem Aussterben 1248.

Die Herren von Plassenberg erwarben 1420 erste Güter in Eckersdorf und hatten es hundert Jahre später vollständig als Lehen übertragen bekommen. 1440 sind sie als Herren zu "St Gilgenberg" und zu "Eckersdorf" benannt. 1457 renovierten sie als Kirchenpatrone die Kapelle und ließen sie mit gotischen Fresken ausgestalten. Bei Restaurierungsarbeiten (1983/1987), als diese Fresken wieder zu Tage kamen, wurden zwei weitere ältere Schichten gefunden, die auf ein hohes Alter der Kapelle schließen lassen. 1519 ließ Lorenz von Plassenberg, der auf St. Gilgenberg saß, mit dem heutigen Kantorat ein Schulhaus mit Wohnung für den Kantor bauen. 1526 ließ er die Kapelle erweitern und den alten Teil als Altarraum umgestalten. Nach dem Aussterben der Plassenberger 1552 kam Eckersdorf an die Herren von Lüchau, bis es 1757 zurück an das Markgraftum Bayreuth fiel.

Kirchlich gehörte Eckersdorf während des Mittelalters zum Erzbistum Bamberg. Das Bistum unterteilte sich in sog. Diakonate und Pfarreien, die für ein gewisses Gebiet zuständig waren. Das Gebiet, das von einer Pfarrei verwaltet wurde, umfasste mehrere Dörfer, deren Einwohnerzahl jedoch überschaubar war. Von der sog. Urpfarrei Bindlach (Gründung um 900) spaltete sich Eckersdorf um 1200 zusammen mit dem Kirchensprengel Altenstadt ab. Das Archidiakonat Kronach war für Eckersdorf und Mistelgau zuständig. Das heutige Gemeindegebiet um Tröbersdorf gehörte dagegen kirchenpolitisch zum Archidiakonat Hollfeld.

In der Reformationszeit wurde auch das Bayreuther Gebiet protestantisch. Vom 15. bis 17. Jahrhundert musste der ansässige Pfarrer die damals sehr arme Kirchengemeinde Mistelgau mit wechselndem Erfolg als „Zukirche“ mitverwalten.

Neuzeitliche EntwicklungBearbeiten

Der Ortskern um die beiden Herrschaftssitze lag an der Kante der Rhätsandsteinschluchten "Salamandertal" und "Gilgengraben". Als der Ort nach dem dreißigjährigen Krieg expandierte, wurden neue Gehöfte streng entlang der Rhätsandsteinkante angelegt. Dadurch stand das wertvolle Ackerland ("Flur") weiterhin zur agrarischen Nutzung zur Verfügung. Ein zweites Kriterium war die Trinkwasserversorgung über Ziehbrunnen, die die Standortwahl neuer Gehöfte durch die Grundwasserknappheit direkt an der Rhätkante begrenzten.

In der Pfarrchronik von 1778 sind in Eckersdorf 60 Haushalte, in Forst 13, in der Hardt 3 und in Lohe 4 aufgeführt.

Als Teil des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth kam Eckersdorf im Frieden von Tilsit zu Frankreich und wurde 1810 an das Königreich Bayern verkauft. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

1796 nannte Jobst Christoph Ernst von Reiche 64 Häuser in Eckersdorf, die nach seiner kartographischen Darstellung im alten Ort diesseits des Gilgengrabens und der späteren Bundesstraße 22 standen. In Hardt und Lohe zählt er jeweils 4 Häuser in Forst 10.[6] Eine offizielle kartographische Darstellung erfolgte im Urkataster im Jahr 1851/2. In beiden Werken lässt sich auch die 1777 veranlasste Hausnummernzählung des Markgrafen Christian Friedrich Carl Alexander, letzter Markgraf in Bayreuth, wiedererkennen.

1831 gab es im Ort 36 Häuser und 430 Einwohner. Die Zahl der Anwesen ist wohl zu niedrig angegeben und widerspricht auch der Zählung Reiches, was wohl auf die Nichtberücksichtigung von Erbteilungen sowie der Wohnsitze vieler Familien in den beiden Burgen St. Gilgenberg und Schloßhof zurückzuführen ist.[7]

1833 hatte Eckersdorf laut der Pfarrbeschreibung 75 Häuser mit 125 Familien, Forst 10 Häuser mit 13 Familien, Hardt 5 Häuser mit 5 Familien und Lohe 4 Häuser mit 5 Familien. Zur Zeit der Anfertigung des Urkatasters waren es bereits 80 Häuser. Die Häuser- und Einwohnerzahl stieg in den nächsten Jahrzehnten durch den Ausbau. Gesiedelt wurde in der Kanzleistraße, entlang der heutigen B22 und im Dorfkern selbst.

Den größten Bevölkerungszuwachs erlebte Eckersdorf nach dem Zweiten Weltkrieg. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus östlichen Teilen des ehemaligen Deutschlands errichteten in den 50er Jahren Wohn- und Arbeitsstätten und bildeten den Grundstock z. B. der Siedlung Blauer Hügel – zwischen dem Weiler Hardt und dem Hauptort gelegen.

Am 1. Juli 1972 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Neustädtlein am Forst eingegliedert.[8] Am 1. Mai 1978 kamen Busbach, Donndorf, Eschen und Oberwaiz hinzu.[9]

WasserversorgungBearbeiten

Bei der Gründung als Burgsiedlung standen wohl verschiedene Quellen in der Rhätsandsteinschlucht Salamandertal mitten im Ort zur Trinkwasserversorgung zur Verfügung. Bei der Expansion des Ortes entlang der Eckehartstraße nutzte man vor allem Brunnen, die 10 bis 20 m tief gebohrt werden mussten. Bis ins frühe 20. Jahrhundert blieb dies die einzige Wasserversorgung.

1836 wütete ein großer Brand in Eckersdorf, ausgelöst durch einen heißen Ziegelstein in einem Schweinestall. Ihm fielen mehrere Wohnhäuser, Stadel um das Pfarrhaus zum Opfer. Zur Löschwasserversorgung stand außer dem weitabgelegenen Mühlweiher nur ein kleiner Löschwasserteich, Hül genannt, zur Verfügung. Dieser lag mitten auf der Dorfstraße zwischen den heutigen Gebäuden Eckehartstraße 28 und Schloßhof 4. Erst in den 1840er Jahren wurde das heutige Pfarrhaus im Gärtnerstil wiederaufgebaut. Um zukünftige Brände schneller bekämpfen zu können, gründete sich im Jahr 1873 die Freiwillige Feuerwehr.

Ab den 1920er Jahren wurde eine stabile zentrale Wasserversorgung durch eine Wasserleitung, gespeist durch die Quelle im Ortsteil Hardt, eingerichtet. Bis dahin wurden die meisten Häuser noch durch Ziehbrunnen versorgt. Maßgebliches Interesse an der Wasserleitung hatten die Besitzer der Brauerei Schoberth bzw. Heil, weil sie besonders auf eine konstante Wasserqualität angewiesen waren. Ab 1925 begann man mit dem mehrjährigen Bau.

1995 wurde das Wasserwerk, versorgt durch mehrere Tiefbohrungen, gebaut.

Sozialgeschichte im 19. JahrhundertBearbeiten

Die Gemeinde Eckersdorf am Beginn des 19. JahrhundertsBearbeiten

Mit dem Gemeindeedikt von 1818 begann auch für Eckersdorf ein Neuaufbruch. Jetzt gab es einen gewählten Gemeindeausschuss bestehend aus dem Bürgermeister, einem Beisitzer als dessen Stellvertreter und mehreren Gemeindebevollmächtigten. Die Wahl war an das Bürgerrecht gebunden und erfolgte mit 1–5 Stimmen, je nach Kaufkraft des Wählers beim Erwerb des Bürgerrechts. 1899 hatte Eckersdorf 63 Stimmberechtigte mit 89 Stimmen. Frauen, besitzlose Männer und Straftäter waren von der Wahl ausgeschlossen. Volljährigkeit, Eigentum, Erwerbstätigkiet, Steuerveranlagung und ein fester Wohnsitz waren die Voraussetzung zum Erwerb des Bürgerrechts – somit wurden viele Bevölkerungsteile von der politischen Teilhabe aber auch z. B. von der Eheschließung ausgeschlossen. Daher erklärt sich auch die hohe Zahl an unehelichen Kindern im 19. Jahrhundert. Die Gemeinde Eckersdorf und viele ihrer Einwohner gehörten in dieser Zeit eher zu den notorisch Armen. Die Industrialisierung der nahen Stadt Bayreuth hatte zwar für Arbeitsplätze gesorgt. Jedoch waren diese wenig gut bezahlt, so dass die zugezogenen Arbeiter zu den Verlierern dieses gesellschaftlichen Umbaus gehörten.

Die Streitigkeiten zwischen Donndorf und EckersdorfBearbeiten

Besonders im 19. und im frühen 20. Jahrhundert wird von einer ausgeprägten Feindschaft zwischen den beiden Nachbardörfern Donndorf und Eckersdorf berichtet. Sie ist wohl vor allem dem kirchlich verwalteten Schulwesen zuzuschreiben. In der Kirchengemeinde war man vereint, jedoch waren im Kirchenraum in St. Ägidius die Sitzplätze nach Ortschaft durch den Mittelgang aufgeteilt. Auf der vom Haupteingang linken Seite saßen die Donndorfer und Oberpreuschwitzer. Die Eckersdorfer saßen rechts. Diese Trennung spiegelt auch die schulische Struktur wider. 1881 wurde die alte Eckersdorfer Schule an der heutigen Kanzleistraße gebaut. In den frühen 1930er Jahren wurde sie erweitert. Dort war auch die namensgebende Gemeindekanzlei untergebracht. Die Bürger aus Forst stellten jetzt den Antrag, ihre Kinder nach Eckersdorf in die Schule schicken zu dürfen, um sich den etwas weiteren Weg nach Oberpreuschwitz zu ersparen, gehörten sie doch auch politisch zu Eckersdorf.

Einen Höhepunkt dieser Streitigkeiten zeigte sich auch angesichts des amtlichen Beschlusses aus dem Innenministeriums 1869, die Gemeinden Donndorf, Eckersdorf und Meyernberg zu einer Bürgermeisterei zusammenzuschließen. Dieses Bestreben scheiterte am Willen bzw. Unwillen der Bevölkerung. Noch bei der Zusammenlegung der Gemeinden im Zuge der Gebietsreform 1978 wurde heftig gestritten, wie die Gemeinde zukünftig heißen solle.

Der Neubau einer Verbandsschule in der heutigen Schulstraße 1966 und der Gemeindezusammenschluss Eckersdorfs mit Donndorf, Busbach und Neustädtlein im Jahre 1978, sowie das siedlungsmäßige Zusammenwachsen Donndorfs mit Eckersdorf trugen zur Beruhigung des Streites bei.

Eckersdorfs Expansion im 19. JahrhundertBearbeiten

Im Volksmund wurden Eckersdorfer als „Steinwespen“ bezeichnet. Der Begriff diente wohl volksetymologisch zur Abgrenzung gegen den Hummelgau. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert arbeiteten viele Bewohner Eckersdorfs als Steinbrecher. Der im Hauptort vorkommende Rhätsandstein wurde abgebaut und vor allem als Baumaterial in Bayreuth und in den umliegenden Dörfern verwendet. Die ausgebeuteten Steinbrüche entlang der heutigen B 22 wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Siedlungsflächen genutzt. Die ehemaligen Steinbrecherhütten wurden in Wohnhäuser und teilweise in landwirtschaftliche Anwesen umgestaltet. Es entstand der Ortsteil Brunnenwiese. Damals wurde dieser Ortsteil auch als Neudorf bezeichnet. Beide Namen existieren jedoch nur inoffiziell im Volksmund.

1852 zählte der Ort 81 mit Hausnummern versehene Anwesen und Häuser, darunter eine Mühle, die evangelische Kirche St. Ägidius, das Schul- und Wohnhaus des Lehrers und Kantors neben der Kirche (heute: als Kantorat bezeichnet), eine Brauerei mit Gasthaus unweit der Kirche und sieben Wohnhäuser und Anwesen im Ortsteil Neudorf. Die beiden ehemaligen Schlösser St. Gilgenberg und der Schloßhof waren schon zu Wohnhäusern umgebaut.[10]

Flur-, Haus und OrtsnamenBearbeiten

In der Rhätsandsteinschlucht Salamandertal gab es bis vor wenigen Jahren sehr viele namensgebende Feuersalamander. Davon leitete sich auch der Name eines bis in die 1990er Jahre betriebenen Wirtshauses ab.

Unweit einer Sportanlage mit Tennisplätzen befindet sich die sogenannte Zieglerswiese. Bis zur konstanten Wasserversorgung durch eine Wasserleitung wurde der sie durchschneidende Bach im Herbst angestaut. Wenn sich im Winter Eis gebildet hatte, gewann die Brauerei daraus Eisblöcke, die zur Kühlung des Bieres im Bierkeller dienten. Der Name Zieglerswiese leitet sich von der früheren geländeformenden Ausbeutung der Wiese durch eine bis ins 19. Jahrhundert aktive Ziegelhütte in Donndorf ab. Auch an weiteren Stellen in Eckersdorf wurde nach Lehm und Ton gegraben. z. B. am Fuß des Blauen Hügels südlich des Eckersdorfer Ortskernes. Der namensgebende Blaue Lehm wurde z. B. zum Bau von Kachelöfen verwendet.

Zwischen Schloßhof, Kirchberg und Eckehartstraße befindet sich der sogenannte Badersplatz. Die Bezeichnung Bader wird ab dem 20. Jahrhundert vor allem für den Beruf des Friseurs verwendet, es gibt aber Hinweise auf eine ältere Herkunft. Die beiden Adelssitze St. Gilgen und Schloßhof besaßen im 16. und 17. Jahrhundert je eine halbe Badstube. Die Witwe eines Baders Sündenhauf lebte dort noch 1852 in dem Haus Nummer 39 (heute Kirchberg 1). Auch der bis ins frühe 20. Jahrhundert gebräuchliche Hausname Wasser-Gräf, Haus Nummer 36 (heute Kirchberg 5) in nächster Nähe könnte ein Hinweis auf die Badstube sein.

Etwas entfernt vom Mühlweiher befand sich die Eckersdorfer Mühle, Haus Nummer 33. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1499 im Landbuch C. Von ihr stammen auch die Namen des Baches und der nahegelegenen Quelle Mühlbrünnlein. 1956 wurde sie abgerissen. Heute zeugen nur noch Fundamente und ein in der Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite verbaute Mühlstein von ihrer Existenz. Die Nachfahren des letzten Müllers Schoberth wurden auch wenn sie andere Berufe hatten, mit dem Namenszusatz Mühl- bezeichnet.

Die Familiennamen Popp, Holl, Gräf und Roß kamen in Eckersdorf im 19. Jahrhundert sehr häufig vor. Zur Unterscheidung dienten beispielsweise Hausnamen nach einem Vorfahren. Die Nachfahren des Nikolaus Holl (Hausname Klosn) wohnten in den Häusern Nummer 12 und 14 (heute Eckehartstraße 11 und 13) und Hardt 4. Die Hausnamen wurden bis ins 20. Jahrhundert – teilweise über Flurnamen – überliefert.
Andere Familien unterschied man nach ihrem Wohnort, z. B. durch den Namenszusatz Dorf-, um sie von den Verwandten in den Außenorten zu unterscheiden. Auch der Namenszusatz eines Berufes, z. B. Bäckn-, Schmieds- oder Webers-, diente zur Unterscheidung der Familien und hielt sich noch bis ins 21. Jahrhundert.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Die frühere Verwaltungsleiterin Sybille Pichl (Freie Wählergemeinschaft) wurde am 9. Mai 2010 mit einem Ergebnis von 54,7 % der Wählerstimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Der Kontrahent Manfred Präcklein (SPD) erreichte in der Stichwahl 45,3 %.[11] Stellvertreter sind Winfried Parchent (CSU) und Wolfgang Haida (SPD). Pichls Vorgänger war Klaus Hümmer (Freie Wählergemeinschaft).

2014 wurde sie wieder gewählt. Gegen sie trat Claus-Dieter Vogel (CSU) an.

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder:[12]

Partei Sitze
Freie Wähler 9
SPD 6
CSU 6

(Stand: Kommunalwahl 2014)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Evang.-Luth. St.Ägidius-Kirche

BildungBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Herzogin Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth ließ das im Gemeindeteil Donndorf gelegene Schloss Fantaisie in den Jahren 1758 bis 1765 von Johann Jakob Spindler errichten. Es beherbergt in einer originalgetreuen Nachbildung das Spindler-Kabinett, eine Intarsienarbeit der Gebrüder Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler. Das Original befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum in München befindet.
  • Aus dem Jahr 1830 stammt das denkmalgeschützte Rathaus im Gemeindeteil Donndorf.
  • Der Siegesturm, ein denkmalgeschützter Aussichtsturm zum Gedenken an den 1870/1871 geführten Krieg gegen Frankreich[13] steht im Geigenholz östlich des Eckersdorfer Waldfriedhofs mit Blickachse zum Schloss Fantaisie.
  • Im Gemeindeteil Neustädtlein am Forst steht ein ehemaliges Schloss des Markgrafen Georg Wilhelm von Bayreuth.
  • Die Eckersdorfer evangelisch-lutherische Kirche St. Ägidius stammt in ihrer heutigen Form mit dem hohen spitzen Turm aus dem Jahr 1791. Die Sakristei am Ostende der Kirche ist jedoch viel älter (11. Jahrhundert) und war als Kapelle ursprünglich dem heiligen Kilian geweiht. Bis zu den Umgestaltungen 1695 diente die Kilianskapelle als Altarraum des Vorgängerbaus. Einige der mittelalterlichen Fresken in der Kapelle sind erhalten. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche stammt aus dem Jahr 1695 und wurde mit dem Umbau 1791 um einige Meter erweitert. Dadurch erklärt sich auch die auffällige Nähe zum Kantorat.

MuseenBearbeiten

 
Schloss Fantaisie (nördliche Seite)

Das Schloss beherbergt ein Museum für Gartenkunst, das von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betrieben wird und zahlreiche Skulpturen und Gemälde der Deutschen Gartenkunst zeigt. Im Schlosspark von 200 Hektar Größe sind die drei wichtigsten Stile der deutschen Gartenkunst zu finden. Der älteste Teil der Anlage geht auf das Jahr 1763 zurück.

Naturschutzgebiete und NaturdenkmaleBearbeiten

  • Felsengruppe Philippstein, Naturdenkmal (Geotop-Nummer: 472R029)
  • Örtelfelsen, Naturdenkmal (Geotop-Nummer: 472R027)
  • Schlucht Salamandertal, Naturdenkmal (Geotop-Nummer: 472R026)
  • Sandsteinblock im Schlossgarten Fantasie (Ortsteil Donndorf)
  • Teufelsloch im Ortsteil Oberwaiz

VereineBearbeiten

In Eckersdorf gibt es mit über 60 Vereinen ein reges Vereinsleben.[14]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Eckersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Eckersdorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 14. September 2019.
  3. Daten/Zahlen/Fakten. Internet-Angebot der Gemeinde Eckersdorf; abgerufen am 6. April 2018
  4. G. R. Crone: Mitteilungen der Frankischen Geographischen Gesellschaft 11/12 (1964 u. 1965). In: The Geographical Journal. Band 132, Nr. 3, September 1966, ISSN 0016-7398, S. 433, doi:10.2307/1793933.
  5. W.-A. v. Reitzenstein, S. 60.
  6. Jobst Christoph Ernst von Reiche: Die Fantaisie: ein Gemählde der Natur und der Tugend : Mit Kupfern. Lübeck, 1796 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Joseph Anton Eisenmann: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw: A - L. 1. Palm und Enke, 1831 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 431 f.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 676.
  10. BayernAtlas. Abgerufen am 25. Dezember 2018.
  11. Wahl der ersten Bürgermeister, Wahlergebnisse 2010. Internet-Angebot des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung. Abgerufen am 19. März 2010
  12. Wahlen Internet-Angebot der Gemeinde Eckersdorf.. Abgerufen am 16. Januar 2016
  13. Siegesturm Eckersdorf auf der Webseite der Gemeinde Eckersdorf
  14. Vereinsverzeichnis Internet-Angebot der Gemeinde Eckersdorf.. Abgerufen am 5. Januar 2011
  15. Altlasten in Eckersdorf. In: Nordbayerischer Kurier, 24. Februar 2016, S. 21