Gefrees

Stadt im Landkreis Bayreuth in Bayern

Gefrees ist eine Stadt im Landkreis Bayreuth im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gefrees
Gefrees
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gefrees hervorgehoben

Koordinaten: 50° 6′ N, 11° 44′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Höhe: 500 m ü. NHN
Fläche: 50,3 km2
Einwohner: 4295 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 95482, 95236
Vorwahl: 09254
Kfz-Kennzeichen: BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 139
Stadtgliederung: 44 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstr. 22
95482 Gefrees
Website: www.gefrees.de
Bürgermeister: Oliver Dietel (Wahlgemeinschaft Gefrees-Land)
Lage der Stadt Gefrees im Landkreis Bayreuth
Landkreis Nürnberger LandBayreuthBayreuthLandkreis HofLandkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis KulmbachLandkreis LichtenfelsLandkreis BambergLandkreis ForchheimLandkreis TirschenreuthLandkreis Neustadt an der WaldnaabLandkreis Amberg-SulzbachPrüllWarmensteinacher Forst-NordWaidacher ForstWaidacher ForstVeldensteiner ForstNeubauer Forst-NordWaischenfeldBayreuthHeinersreuther ForstGlashüttener ForstForst Neustädtlein am ForstGemeindefreies Gebiet FichtelbergEmtmannsbergHaagSeybothenreuthCreußenWarmensteinachWeidenbergSchnabelwaidPrebitzPlechMistelgauMistelbach (Oberfranken)HummeltalHeinersreuthGoldkronachGlashütten (Oberfranken)GeseesGefreesEckersdorfBischofsgrünBischofsgrünBindlachBetzensteinBad Berneck im FichtelgebirgeSpeichersdorfKirchenpingartenWaischenfeldPlankenfelsPegnitz (Stadt)MehlmeiselHollfeldFichtelberg (Oberfranken)AufseßAhorntalBischofsgrüner ForstPottenstein (Oberfranken)Karte
Über dieses Bild
Gefrees von Südosten gesehen

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die Stadt liegt am äußeren Hang des westlichen Hufeisenschenkels des Fichtelgebirges zwischen Waldstein und Ochsenkopf. Im Norden öffnet sich die Münchberger Gneisplatte, von Westen nähern sich Ausläufer des Frankenwaldes und im Süden erstreckt sich nach Westen das Maintal.

Durchs Stadtgebiet fließen Oelschnitz, Lübnitz und Kornbach. Letzterer kommt aus dem gleichnamigen Gefreeser Stadtteil und fließt in der Stadt der Lübnitz zu, die zwischen Böseneck und der Entenmühle in die Oelschnitz mündet.

StadtgliederungBearbeiten

Es gibt 44 Stadtteile:[2]

  • Ackermannshof
  • Bechertshöfen
  • Böseneck
  • Bucheck
  • Entenmühle
  • Falls
  • Gefrees (Hauptort)
  • Gottmannsberg
  • Grünhügel
  • Grünstein
  • Haidlas

Lochnerseinzel ist kein amtlich benannter Stadtteil.

NachbargemeindenBearbeiten

Im nördlichsten „Zipfel“ des Landkreises Bayreuth gelegen, etwa 26 Kilometer nördlich der Kreisstadt Bayreuth, umgeben Gefrees im Süden die Gemeinde Bischofsgrün und die Stadt Bad Berneck im Fichtelgebirge, im Westen der Landkreis Kulmbach mit dem Markt Marktschorgast, im Norden der Landkreis Hof mit den Märkten Stammbach und Zell und im Osten der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge mit der Stadt Weißenstadt.

NameBearbeiten

Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort Gevreatze her, was „Fressen“ oder „Schlemmerei“ bedeutet. Die Lage an einer bedeutenden Straßenkreuzung von europäischer Dimension prägte den Ort und machte ihn zum Rastplatz.[3] In Gefrees zweigte eine Altstraße über den Höllpass, Weißenstadt und Röslau nach Eger von der Via Imperii nach Osten ab, nach Westen ging eine Hohe Straße über Burgkunstadt Richtung Frankfurt am Main bzw. über Bamberg nach Würzburg.

GeschichteBearbeiten

 
Ortsansicht um 1900
 
Einweihung des Bahnhofs (1902)
 
Hauptstraße in der Ortsmitte

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Seit 1336 gehörte Gefrees zur Herrschaft der zollernschen Burggrafen von Nürnberg, der späteren Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. 1366 wurde der Ort in einem Schiedsspruch, der einen Streit zwischen den Pfarreien Marktschorgast und Münchberg um die Zuständigkeit für Gefrees beendete, erstmals schriftlich erwähnt.[3] In Urkunden aus den Jahren 1403 und 1444 wird Gefrees Stadt genannt. Ab 1500 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis.

1557 waren die Einwohner noch gehalten, ihr Bier aus Bayreuth zu beziehen, 1581 wurde bereits Ungeld, eine Steuer auf im Ort gebrautes Bier, gezahlt. Im Jahr 1692 wurden fünf Gasthöfe erwähnt, 1721 gab es eine Apotheke. 1875 waren in Gefrees mit damals etwa 1500 Einwohnern 16 Bäcker und 27 Metzger ansässig.[3]

Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wurde Gefrees mehrmals geschädigt, so z. B. 1632 von 200 einfallenden Kroaten. Im Mai 1815 kehrte Napoleon auf dem Weg nach Preußen und 1838 Zarewitsch Alexander von Russland im Ort ein.[3]

Das Oberamt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und wurde 1810 von Napoleon an das Königreich Bayern verkauft.[4] 1809 fand die Schlacht bei Gefrees statt, in deren Verlauf 6000 Österreicher der Einkesselung durch 7500 Franzosen entgehen konnten. Etwa 2400 Tote oder Verwundete wurden gezählt.

Gefrees besaß das Stadtrecht mit magistratischen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Gefrees mit den Ortschaften Böseneck, Cremitz, Gefrees, Grünhügel, Grünstein, Kastenmühle, Lübnitz, Neuenreuth, Oberneuenreuth und Wundenbach.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Vor 1872 standen die Häuser mit den Giebeln zur Hauptstraße, die Kirche hingegen parallel zu ihr. Nahe der Kirche befand sich das alte Rathaus. Beim verheerenden Stadtbrand jenes Jahres wurde der Ort fast vollständig zerstört. Ein neues Rathaus entstand an anderer Stelle, die Ausrichtung der Häuser und der 1878 neu errichteten Johanneskirche änderte sich. Gewerbe und Industrie, u. a. die Möbelfabrik Großmann, verliehen dem Ort zunehmend Bedeutung. Im Jahr 1900 wurde der Bau einer Eisenbahnstrecke genehmigt, am 5. Juli 1902 erreichte von Falls her der erste Zug den Ort.[5]

Bis 1929 gehörte Gefrees zum Bezirksamt Berneck, nach dessen Auflösung zunächst bis 1931 zum Bezirksamt Bayreuth und seitdem zum Bezirksamt bzw. ab 1939 Landkreis Münchberg.[6][7] Im Zuge der bayerischen Kreisgebietsreform schloss sich die Stadt am 1. Juli 1972 nach einer Abstimmung dem Landkreis Bayreuth an.

Am 27. September 1936 erfolgte die Freigabe des Abschnittes Schleiz–Berneck der Reichsautobahn München–Berlin.[8] 1973 wurde der Personentransport mit der Eisenbahn, 1993 der Eisenbahngütertransport eingestellt, die Strecke nach Falls stillgelegt und rückgebaut. 2005 wurde die letzte Eisenbahnanbindung, der Haltepunkt Falls, zuletzt nur noch Halt auf Zuruf, aufgelassen.

 
Streitau

EingemeindungenBearbeiten

Bereits am 1. August 1926 wurde Wundenbach eingemeindet. Grünstein folgte am 1. April 1927.[9]

Am 1. Juli 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Lützenreuth und Zettlitz eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Kornbach hinzu.[10] Metzlersreuth folgte am 1. Januar 1973. Die Eingliederung der ehemals selbständigen Gemeinden Falls, Streitau und Witzleshofen, die am 1. Mai 1978 in Kraft trat, rundete die Reihe der Eingemeindungen ab.[11]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 4731 auf 4332 um 399 bzw. um 8,4 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1995 mit 4992 Einwohnern erreicht.

PolitikBearbeiten

StadtratBearbeiten

Die Kommunalwahlen seit 2002 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen im Stadtrat:

Wahltag CSU SPD FW WG Gefrees-Land Junge Liste Gesamt Wahlbeteiligung Listenverbindungen
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze Sitze
15. März 2020[12] 23,71 4 25,91 4 24,81 4 25,57 4 16 67,79 %
16. März 2014 25,0 4 39,6 6 16,3 3 19,1 3 16 61,3 %
2. März 2008 5 6 2 2 1 16 CSU und Wahlgemeinschaft Gefrees-Land, SPD und Junge Liste
3. März 2002 5 7 2 2 16 CSU und Wahlgemeinschaft Gefrees-Land

BürgermeisterBearbeiten

  • 1960–1975 Robert Brey
  • 1975–1984 Arthur Peetz
  • 1984–2002 Rudolf Ruckdeschel (CSU)
  • 2002–2020 Harald Schlegel (SPD)
  • seit 2020 Oliver Dietel (Wahlgemeinschaft Gefrees-Land)[13]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten; vorne geviert von Schwarz und Silber; hinten in Gold über einer roten Zinnenmauer eine wachsende, rot bewehrte schwarze Bracke mit rotem Halsband, darauf die Inschrift GEFREES.“[14]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmälerBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Vom Donnerstag vor dem zweiten Sonntag im Juli bis zum Montag danach findet jährlich das über die Region hinaus bekannte Volks- und Wiesenfest statt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die Bundesstraße 2 führt mitten durch die Stadt, sie ist die Bedarfsumleitung für die parallel verlaufende Bundesautobahn 9 mit der Anschlussstelle 37 Gefrees, beide durchqueren das Gemeindegebiet in Nord-Süd-Richtung.
Der Bahnhof Gefrees lag an der Bahnstrecke Falls–Gefrees. Der Personenverkehr wurde am 30. September 1973 eingestellt. Am 31. Dezember 1993 wurde die Strecke stillgelegt.
Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Marktschorgast, Stammbach und Münchberg an der Bahnstrecke Bamberg–Hof, sie alle liegen oberhalb der Schiefen Ebene an der Kursbuchstrecke 850.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Gefrees ist geprägt von der Textilindustrie. Ein Geschäftsbereich der Helsa Group International, der Ende der 1980er Jahre seine Aktivitäten mit der Entwicklung von Kabinenluftfiltern aufnahm, wurde 2004 an einen Finanzinvestor verkauft und firmierte seither unter dem Namen helsa-automotive GmbH & Co. KG. 2008 wurde helsa-automotive vom Ludwigsburger Automobilzulieferer MANN+HUMMEL GMBH übernommen. Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Herold & Co. GmbH stellt Drehkolbenpumpen her für die Zucker-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie.[15][16] Die Firma Müller Stanz- u. Umformtechnik GmbH & Co. KG war ein weltweit agierender Hersteller von Pressen.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

  • Stadthalle mit Hallenbad, Kegelbahn, Schießstand, Saal für Sport und Versammlungen und Tagungsräume und Restaurant

BildungBearbeiten

  • Grund- und Hauptschule Gefrees
  • Jacob-Ellrod-Schule, evangelische Ganztagsrealschule, gegründet 1967

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Gefrees – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Gefrees – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Gefrees in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 5. Januar 2020.
  3. a b c d Harald Judas: Die Straße brachte Leben und Tod in: Nordbayerischer Kurier vom 18. Januar 2016, S. 19
  4. Von Napoleon verkauft in: Nordbayerischer Kurier vom 13. Januar 2016, S. 12
  5. Gefreeser Geschichte in vier Bildern in: Nordbayerischer Kurier vom 22. Februar 2016, S. 20
  6. Bekanntmachung über die Auflösung des Bezirksamts Berneck vom 21. September 1929
  7. Stadtgeschichte Gefrees auf fichtelgebirge.Bayern-online.de
  8. http://www.autobahn-online.de/altefreigaben.html
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 434.
  10. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 576.
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 675 und 676.
  12. Wahl des Stadtrats - Kommunalwahlen 2020 in der Stadt Gefrees - Gesamtergebnis. Abgerufen am 16. November 2020.
  13. Leben in Gefrees. Stadtverwaltung Gefrees, abgerufen am 18. Juli 2020.
  14. Eintrag zum Wappen von Gefrees in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  15. Geschichte der Firma Herold & Co. GmbH
  16. Weltkonzern SKF verleiht höchste Auszeichnung an Firma Herold in Gefrees